Hervorgehobener Beitrag

Was die Wochenendrebellen machen & Termine Lesereise

Wir sind Vater & Sohn, Blogger, Autoren, Podcaster und ausgezeichnete Antifaschisten. Seit Jasons siebtem Lebensjahr bloggen wir in unregelmäßigen Abständen über die Suche nach einem Lieblingsfußballverein für meinen Sohn. In alten Blogbeiträgen findet man noch die Namen Martin und Jay-Jay, da wir die ersten fünf Jahre anonym bleiben wollten. Jason sollte einmal selbst entscheiden ob er die teils doch sehr persönlichen Einblicke, die wir im Blog und auch im Podcast geben mit seinem Klarnamen verbunden wissen möchte.

Die Suche nach einem Lieblingsverein.

Die Anfänge unserer Geschichte liegen in diesem Blogbeitrag und die vermutlich schönste Umschreibung unseres niemals endenden Projektes hat mit vier Jahren Anlauf und kontinuierlicher Begleitung Fabian Scheler für ZeitOnline niedergeschrieben. Bei diesem Auftritt in der HR Sendung Heimspiel erklärt Jason im Interview, wie unser Projekt entstanden ist.

 

Der Podcast Radiorebell

Fernab des Fußballsports plaudern wir über unterschiedlichste Themen in unserem Podcast „Radiorebell“. Die Themen für die einzelnen Folge suchen wir uns aus und werfen Sie in eine Radiorebell Autismus Podcastgroße Losbox. Am Schluss von jeder Sendung ziehen wir das Thema für die nächste Episode. Wir haben nicht selten technische Schwierigkeiten und zu wenig Zeit für z.B. Kapitelmarken oder saubere Inhaltsangaben für die einzelnen Ausgaben. Aber wir haben eine Menge Spaß dabei. Jasons Themen sind eher wissenschaftlich geprägt. Wir sprachen schon über Planeten und Sterne, den menschlichen Körper oder auch über die Wahlen in den USA.. Von mir kamen Themen wie „Freundschaft“, „Liebe“, „Eltern sein“ oder „Schule“, die wir dann ohne Skript und meinerseits mit lausiger Vorbereitung bequatschen. Ohne groß spoilern zu wollen. Ich lerne dort sehr viel. Für Neueinsteiger empfehle ich gerne unsere Folge über Autismus oder auch die Episode, wo wir über Dinge sprechen, die wir nicht mögen. Eine Übersicht über alle Themen, die wir besprachen findet man hier.

Zur Themenübersicht

Du willst nur mal kurz reinhören? Hier gehts zu einigen kurzen Podcastausschnitten

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Das Buch „Wir Wochenendrebellen“.

2017 haben wir dann unser gemeinsames Buch „Wir Wochenendrebellen“ veröffentlicht. Die 18 Kapitel behandeln jeweils im Wechsel Geschichten, die wir auf unseren Reisen und in Fußballstadien erlebt haben und von Beschreibungen, wie wir als Familie mit der Behinderung unseres Sohnes umgehen, welche Lösungen wir für Probleme entwickeln und warum ich sehr stolz auf meine Frau, meine Tochter und meinen Sohn bin. Jason ist Autist und in Anbetracht der teils katastrophalen Berichterstattung über Autismus und den daraus resultierenden Konsequenzen entschieden wir uns für einen sehr offensiven Umgang innerhalb unseres Umfelds.

Was wir tun und warum wir es tun.

Vorweg vielleicht für alle Angehörigen von Autisten, die hier auch nach Hilfe suchen. Hier im Blog gilt analog zum Buch:

Autismus Buch

Auszug aus „Wir Wochenendrebellen“

In vielen Medien wird verantwortungslos Autismus als dauerhafte Negativ-Metapher genutzt und so sehen wir uns in Anbetracht des vorhandenen gesellschaftlichen Bildes mittlerweile auch als Botschafter zu zeigen, dass diese monothematische Hervorhebung von nicht einmal allgemein gültigen Schwächen oder Einschränkungen genauso ein Unsinn ist, wie dieses Bild des autistischen Genies oder der Engelskinder mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Autismus ist keine Gabe und nicht heilbar und auf der Suche nach Fakten zum Thema Autismus sollte man Seiten und Organisationen, die Heilung versprechen oder Drill-Methoden anbieten weiträumig vermeiden. Wir möchten Autist sein nicht allgemeingültig erklären, was auf Grund der Vielfalt auch gar nicht einfach wäre, wir möchten aber zeigen was Autismus eben auch nicht zwingend sein muss. Ein Leiden.

Ob jemand unter Autismus leidet entscheiden weder wir für Autisten allgemein, noch ich für Jason. Das vermag nur jeder Autist selbst zu beurteilen und Jason hat dort seine Sicht der Dinge in unserem Buch ebenfalls recht unmissverständlich für sich ganz persönlich geschildert.

„Gäbe es ein Medikament, mit dem man das Asperger-
Syndrom »heilen« könnte, müsste ich nicht lange
überlegen, um zum Schluss zu kommen, es nicht zu
nehmen. Das liegt daran, dass das Asperger-Syndrom
Behinderungen, aber auch Vorteile beinhaltet. Das Behindernde
an den Behinderungen ist nicht die Behinderung
selbst, denn ein Problem entsteht erst, wenn
andere Menschen meine Regeln verletzen, sei es aus
Unwissenheit, aus Desinteresse oder aus purer Gemeinheit.
Leider kann ich nicht unterscheiden, ob jemand gemein zu mir sein will
oder vielleicht einfach
vergessen hat, dass ich beispielsweise nicht berührt
werden möchte. Im Gegenzug zu den Behinderungen
gibt es natürlich auch viele Vorteile, ich nenne sie
»Behilflichkeiten«, wie die, dass ich mir Dinge nur für eine
halbe Minute ansehen muss und sie dann nie wieder
vergesse (das kommt mir allerdings nicht immer zugute)
oder dass ich Algorithmen, solange sie geordnet
sind, sehr schnell erfasse und verstehe. Schwierig wird
es natürlich, wenn etwas anders läuft als geplant“   

Auszug aus Jasons Einleitung zu „Wir Wochenendrebellen“

 

Wenn wir im Blog, im Buch oder im Podcast über Autismus sprechen, dann sprechen wir über Jasons Autismus, nie allgemeingültig für oder über Autisten. Jasons Autismus bestimmt sein Handeln, sein Denken sein Tun, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Jason lebt mit seinem Autismus als elementaren Bestandteil seiner Persönlichkeit, den er wertschätzt und er ist sehr glücklich so wie es ist.

Das Netz ist voll von Artikeln über Autismus, doch ein Großteil der Beiträge ist sehr defizitorientiert, was in unserer Wahrnehmung als Eltern diese nicht sichtbare Behinderung mit einem falschen Bild in der Gesellschaft prägt.

Jason zum Beispiel nimmt alles wortwörtlich. Er liest nicht zwischen den Zeilen, er interpretiert nicht meine Aussagen, sondern er nimmt mich beim Wort. Als ich ihn während eines großen Streites anschrie, ich glaube ich stünde im Wald, antwortete er recht sachlich, fast gelassen, dass dem nicht so sei, dies wäre schließlich sein Zimmer und hier gäbe es ja nicht einmal Bäume. Auch seine Kommunikation ist sehr direkt und es entfällt die teils mühselige Interpretation. Ich kann mich auf seine Aussagen zu 100% verlassen. Das ist insbesondere in der Phase, wo bei uns das Pflegen unserer Beziehung, das Aufrechterhalten einer Erziehung ersetzte, von unschätzbarem Wert gewesen. 

Er ist über dies hinaus unglaublich konsequent. Er versorgt sich mit Fakten, macht sich ein Bild und trifft Entscheidungen, die er leidenschaftlich vertritt und er bewahrt Haltung auch wenn er spürt, dass seine Sicht der Dinge eher unpopulären Anklang in seinem Umfeld findet. Das kann als Elternteil, als Schwester, als Lehrer oder als zufälliger gesellschaftlicher Kontakt sehr schmerzhaft, unangenehm und überfordernd sein, sei es auf Grund seiner brutalen Direktheit oder auch wegen seines Mangels an Interesse andere Meinungen betreffend.

Jason lügt nicht, fast würde ich sagen wollen, er kann es nicht, was gepaart mit seiner schonungslosen Offenheit zu skurrilen Situationen führt.  Wenn ich ihm sage, er soll sich mal bei seinen Großeltern melden und ihm erkläre, dass Sie sich bestimmt freuen, was von ihm zu hören, dann ruft er sie sofort an. Wenn Oma sich dann erwartungsgemäß über den Anruf glücklich fragt, was es Neues gibt oder warum er angerufen hat, dann antwortet er, dass Papsi gesagt hat er soll sich mal bei Oma und Opa melden. Aber selbst in intensiven, ausgeprägten Momenten kann ich in seiner Konsequenz, Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, seinem moralischen Empfinden und seiner sehr strikten Haltung kein Defizit erkennen. Ganz im Gegenteil. Das soll alles nicht über Schwierigkeiten und Defizite hinwegtäuschen, aber man gesteht uns glücklicherweise zu, dass wir gemeinsam selbst entscheiden welchen Einblick wir gewähren, weil wir dies vielleicht für hilfreich halten, sei es für uns selbst oder für andere.

Er liebt seine Großeltern über alles und wenn er Ihnen etwas Gutes tun könnte, was für einen jungen Mann in seinem Alter vielleicht gar nicht zu bewerkstelligen ist, würde er morgen trotzdem beginnen, beharrlich dranbleiben um mir wieder einmal mehr nach Erreichen des Ziels vorhalten zu können, dass er doch gleich gesagt hat, er schaffe alles was er wolle. Oma und Opa haben ihn über Jahre hinweg unterstützt, ihm zugehört, ihn verstehen gelernt, ihn sein lassen und Rücksicht genommen. Ich wünsche mir sehr, dass es meiner Frau und mir später gelingt so eine tolle Oma und so ein toller Opa zu sein. Bis dahin ist aber noch viel Zeit und wir haben noch viel vor.

Mit großen Teilen der Einnahmen unseres Buches finanzieren wir unsere Benefiz-Lesereise #einblogeinbucheinbrunnen. Wir lesen bei ausgewählten Veranstaltern aus unserem Buch, erzählen von unseren Reisen, Jason packt unerwartete Anekdoten aus und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Ca. 2,5 -3 Stunden dauert im Regelfall unsere Lesung und am Schluss der Veranstaltung bitten wir die Besucher um Spenden für ein Wash-Projekt der Neven-Subotic Stiftung. Nähere Infos zur Stiftung haben wir auf unserer Buchwebsite zusammengefasst. Unseren aktuellen Spendengesamtstand, sowie eine Übersicht der bisherigen Lesungsorte mit transparenter Einzelspendenübersicht findet man hier auf der Stiftungs-Homepage in einer separat geführten Projektkonto-Seite.

Sind wir ausgezeichnet?

Wir belegten 2016 den 4.Platz beim Fußballblog des Jahres, der durch die Deutsche Fußballkultur Akademie vergeben wurde. Im Januar 2017 wurde uns der Goldene Blogger in der Kategorie Elternblog verliehen und im Juli 2017 erhielten wir für unser Gesamtprojekt den Grimme-Online-Award in der Kategorie Kultur & Unterhaltung, was beim Sohnemann ein wenig Unmut auslöste, da er lieber in der Kategorie Information & Bildung einen Preis erhalten würde. 2018 steht unser Buch auf der Shortlist für das Fußballbuch des Jahres, wo wir als Debütautoren Platz sieben erreichten, ebenfalls eine Ehrung, die durch die Deutsche Fußballkultur Akademie verliehen wird.

Sind wir Antifaschisten?

Das wir uns hier zum Antifaschismus bekennen erfüllt mich mit Scham. Ich bin bis vor einiger Zeit davon ausgegangen, dass dies doch zu mindestens 90% gesellschaftlicher Konsens ist und die Anzahl an nützlichen Idioten nicht so schnell groß genug sein wird um einer rechtsextremistischen Ausrichtung einen parteipolitischen Arm samt Finanzierung zu verschaffen. Antifaschismus ist für uns zu allererst nichts weiteres als elementares Grundprinzip einer jeden anständigen Lebensweise und ich bin jedem aktiven Antifaschisten sehr dankbar für seinen Beitrag zu einer Gesellschaft in der wir uns auch zukünftig noch wohl fühlen. Wir wollen ausgezeichnete Antifaschisten sein.

Das Buch „Wir Wochenendrebellen“.

„Wir Wochenendrebellen“ ist im Benevento Verlag erschienen, die Taschenbuchausgabe erscheint im September 2019 im Goldmann-Verlag und Richard Kropf hat sich die Optionen auf die Filmrechte gesichert und arbeitet an einem Drehbuch. Wer „Wir Wochenendrebellen“ online kaufen möchte sollte dies hier tun.

Wer das Buch gerne signiert haben möchte oder es mit einer WIdmung verschenken möchte wendet sich am besten per Mail, Instagram oder Facebook an uns oder besucht eine unserer Lesungen.

Wochenendrebellische Linktipps

Die schnellste Zusammenfassung unseres Treibens. Das 90-Sekunden-Video zum Gewinn des Grimme Online Awards 2017: https://www.youtube.com/watch?v=RFHv2C805iE

Bildmaterial für Presse und Medien: www.wochenendrebellen.de/medien

Unser Lieblingsradioauftritt. Jason und ich zu Gast bei „Mensch Otto“.

Video von der Verleihung des Grimme Online Awards am 30.06.2017: https://www.youtube.com/watch?v=Bq7mV02Mc8c

Link zu einem ausführlicherem Interview in der Sendung Buchgeflüster: https://www.youtube.com/watch?v=6yi_ijdt7dw

TV Beitrag bei RTL: https://www.rtl-hessen.de/beitrag/7-jahre-durch-ganz-europa-12-jaehriger-autist-sucht-lieblingsfussballclub

Die Wochenendrebellen im Netz:

Instagram

Facebook

Youtube

Termine Lesereise 2018/2019

Erfurt, 30.11.2018, 19:00 Uhr im Fanprojekt Erfurt.

Duisburg, 15.12.2018, 19:02 Uhr, Zebraherde e.V.

Oldenburg, 23.03.2019, Vortragssaal des Kulturzentrum Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital

Göttingen, 08.02.2019, 19:00 Uhr, Fanprojekt Göttingen

Trier, 23.02.2019 im Fanprojekt Trier. (Konkretes Datum und Uhrzeit nach Spieltagsterminierung)

Mönchengladbach, 16.03.2019 (weitere Infos folgen)

 

Wir stehen in Kontakt mit interessierten Veranstaltern für folgende Städte:
Stuttgart, Osnabrück Augsburg, Düsseldorf, Hamburg, Karlsruhe, Rostock, Meppen, Mannheim, Zwickau und Essen.

Weitere Vorschläge oder Interessenten mit Location und Veranstalter für Termine bis September 2019 gerne an: 
wochenendrebell (@ ) wochenendrebell.de

Die Wochenendrebellen unterstützen:

Steady ist eine Plattform auf der man die unterschiedlichsten Projekte mit kleinen, regelmäßigen Beiträgen unterstützen kann. Wir haben mit Unterstützung unserer Steady-Unterstützer neulich zum Beispiel neue Kopfhörer zum Podcasten gekauft um unsere Radiorebell-Tonqualität zu verbessern. Alle Einnahme aus Steady fließen zu 100% in unsere Arbeit am Podcast und in die Finanzierung von Ideen zur Unterstützung der Neven-Subotic-Stiftung. Vielen, lieben Dank allen aktuellen Unterstützern. Hier kann man sich unsere Steady-Seite anschauen.

Eine noch einfachere Form der Unterstützung wäre das Verbreiten dieses Beitrags. 

Vielen Dank für jede Form von Support.

Wir danken für Teilung und Verbreitung.

Deutschland

In unserer neuen Folge reden Jason und ich über unseren Besuch der Gala des Deutschen Fußballkulturpreises, über unseren ökologischen Wohnzimmerumbau, über Hitlergrüße an der Schule und über Deutschland. Viel Spaß beim Hören. Weiterlesen

Minecraft & Youtube

Na ja, eigentlich sprechen wir nur über Themen von denen Jason oder ich wenigstens den Hauch einer Ahnung haben. Na ja, das ist dieses Mal anders. Wir haben eine Expertin eingeladen, die uns die Faszination von Minecraft und Youtube erklären möchte. Na ja, das hat so semi-gut funktioniert, aber hört es euch am besten selbst an. 

Viel Spaß damit.

 

Was ist Ehre?

Was ist Ehre?

Zur Vorbereitung schauten wir Tom Cruise und Jack Nicholson, aber für Jason blieb die Frage der Ehre irgendwie unbeantwortet. Wir recherchierten bezüglich der Handwerkerehre, der Verbrecherehre und überlegen was ein Verfassungsschützer so beruflich machen könnte. Trotzdem ist eine eine amüsante Episode draus geworden. Viel Spaß damit.

Testweise all das mal ohne Intro und Outro, da es doch einige nervte. Intro-Rückkehr dann sobald wir mit Kapitelmarken arbeiten.

Was ist Stolz?

Ich will kein Nazi sein also bin ich jetzt ein linker Chaot. So läuft das jetzt hier. Entscheidet euch. Du willst nicht das Menschen auf Grund Ihrer Haarfarbe oder Herkunft, vielleicht auf Grund des Klangs ihres Namen oder wegen ihrer sexuellen Ausrichtung gejagt werden? Dann bist du ein linker Chaot. Ich kann es nicht ändern. Ich habe die Regeln nicht gemacht.

Ich bin mittlerweile sogar überzeugter linker Chaot, weil ich tagesaktuell Bestätigung dafür erhalte zu welcher Sorte von Menschen ich nicht gehören möchte. Es sind Menschen, wie die 6000 Menschen in Chemnitz, die am vergangenen Montag eindrucksvoll Parolen grölend, Ärsche zeigend ihre Trauer um Daniel H. zum Ausdruck brachten. Ich hasse diese Menschen und da spielt es auch keine Rolle ob die aus Chemnitz, München oder Gütersloh kommen.

„Aber das sind doch nicht alle Nazis?“

Das vermag ich nicht zu beurteilen, hat auch für meinen Hass keine sonderlich große Relevanz und doch ist es vielleicht die Begrifflichkeit, die meine Abscheu allgemeingültig am besten trägt und ob da innerhalb des Mobs jemand still Präsenz und Solidarität mit Nazis zeigt oder vorfreudig die Quarzsandhandschuhe überstreifte ist mir ziemlich egal.

Chemnnitz war seitens der Rechtsextremisten unglaublich straff organisiert. Da wirkte bezüglich der Mobilisierung kein viraler Effekt, das ist harte Arbeit, viel Fleiß und Geschick, welches in ein hervorragend organisiertes und stabil kommunizierendes Netzwerk geflossen ist. Eklig, aber wichtig zu berücksichtigen.

Man mobilisiert nicht mal eben 6000 Menschen, die aktiv für oder gegen etwas auf die Straße gehen. Es gab bundesweite Anreisen, was zeigt welche Opferbereitschaft vorhanden und zu welchen zeitlichen Investments man seitens der Gesellschaftsfeinde bereit und in der Lage ist. Chemnitz ist ein Meilenstein der radikalen Rechten, da es trotz der drastischen Dimensionen gesellschaftlich zu kaum nennenswerter Gegenwehr außerhalb der allseits üblichen Empörung kam.

Wer diese Nazis schützt, deckt oder mit Ihnen auf die Straße geht, macht sich mit Ihnen gemein und ist nicht weniger verachtenswert als der braune Mob selbst und es wäre schön, wenn wir aufhören könnten Besorgnis oder soziale Stellung als Ausrede gelten zu lassen, dass man sich wie ein rechtsradikales Arschloch verhält.

„Die Politik wird uns helfen“

Unser Innenminister hält es nicht für nötig ein klares vollwertiges Statement gegen Rechtsextremismus abzugeben und ergänzt stattdessen das Statement des Regierungssprechers, dessen Stellungnahme aber auch nicht so klang als hätte er Sorgen über die Geschehnisse in Chemnitz.

Aber es liegt nicht an Seehofer. Vermutlich hasse ich auch große Teile der CDU/CSU und das nicht erst seit Ausruf der konservativen Revolution und der unsäglichen Grenzabweisungs-Schmierenkomödie. Das war die Initialzündung für das erneute Erstarken der AfD.

„Aber wir haben ja noch die anderen Parteien?“

Sebastian Czaja fasste letzte Woche meinen Eindruck von der FDP wunderbar in einem Tweet zusammen.

„Antifaschisten sind auch Faschisten. Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist keine gute Idee. Gewaltmonopol liegt allein beim Staat. Wir müssen laut sein, aber niemals radikal. SC @SawsanChebli“

Selbst als Reaktion auf einen Tweet von Sawsan Chebli, den sie mittlerweile löschte und erklärte, ist die Aussage „Antifaschisten sind auch Faschisten..“ völlig unabhängig von den noch folgenden Sätzen eine Aussage, die sich weit weg außerhalb des Bereiches befindet, den ich so als den gesellschaftlichen Mindestkonsens gesehen habe.

Und Herr Czja ist ja nicht einmal bei der AfD. Den Czaja hasse ich demnach auch und wenn ich so das liberale Weltbild von Kubicki sehe, in dem man als Mensch für sich selbst scheinbar überhaupt gar keine Verantwortung mehr trägt, so wird mir speiübel.

Wo wir bei der AfD gerade sind. Die hasse ich natürlich auch alle. Restlos. Sortiert in unterschiedliche Gruppen.

Der Überzeugungswähler

„Deutschland muss wieder eine starke Nation werden“

Ein Teil von denen hat vermutlich unterm Stein geschlafen, verklärt die Vergangenheit oder glaubt halt einfach als privilegierter Bürger, dass es ihm mit seiner genetischen Grundausstattung noch besser gehen könnte, wenn doch nur endlich die Flüchtlinge weg sind, alle Menschen mit einer nichtweißen Hautfarbe verschwinden und am besten auch gleich all die Behinderten, Homosexuellen, Juden und Nicht-Biodeutschen.

Protestwähler

Du bist der Schlimmste. Dich hasse ich sowieso. Du hast es nicht den anderen Parteien gezeigt. Du hast Nazis Rückszugsräume und Stabs-Jobs geschaffen.

Glückwunsch. Du bist Täter, nicht Opfer. Ich hasse dich.

Das Dummvolk

Natürlich sind Menschen mit geringerem Intellekt unter den AfD-Wählern überdurchschnittlich repräsentiert.

Es gibt die kühl-rechnenden, den persönlichen Vorteil suchenden AFD-Missionare und es gibt die dumpfe Masse, die denkt es hört ihnen endlich mal jemand zu oder es tut jetzt mal endlich jemand etwas für sie, denn das Geld ist immer knapp und der Job ist scheiße oder man kriegt gar keinen. Idioten können nützlich sein, wenn man gelernt hat sie anzusprechen und wenn Generationen verschwinden, die die Erinnerung an vergangene Massaker als Zeitzeuge wachhalten können sind sie zudem gefährlich.  

Wie ich linker Chaot wurde?

Ich bin vermutlich linker Chaot seit meiner Geburt 1977. Das war absehbar. Wer meine Eltern kennt weiß genau, wenn ein Kind, dass von den beiden erzogen wird, sich irgendwann einmal entscheiden muss ob er linker Chaot oder Nazi sein möchte, dann wird er einer der linkesten Chaoten oder chaotischsten Linken überhaupt.

Meine Eltern waren immer anständig und haben mich zu Anstand erzogen. Dulder, Unterstützer oder Tolerierer von Nazis, Rechtsradikalen, Rassisten und Gesellschaftsfeinden zu sein, schließt Anstand haben aus. Da, genau an dieser Stelle endet Kompromissbereitschaft und meine Fähigkeit zum Diskurs.

Da mag man mir die Moralkeule vorwerfen, Gutmenschsein unterstellen oder mich in die linksgrünversiffte oder auch Antifa-Ecke stellen. Es ist mir auch scheißegal über welche Begrifflichkeit der braune Mob versucht die Deutungshoheit zu erzielen.

Ich habe nicht studiert, bin eher durchschnittlich gebildet aber ich bin sehr anständig und ich umgebe mich gerne mit anständigen Menschen.   

Die AfD zu wählen ist zumindest unanständig und wenn es um mein Verhältnis zu Menschen ohne Anstand geht, dann sehe ich diesen Spalt in der Gesellschaft vor dem sich alle fürchten durchaus positiv, denn wenn auf der einen Seite die anständigen Menschen stehen und auf der anderen Seite der Rest, dann kann dieser Spalt gar nicht tief und breit genug sein, damit ich mit diesen Menschen nicht in Kontakt treten muss.

 „Aber wir müssen mit den Nazis reden.“

NEIN.

Warum? Da herrscht kein Interesse an gesellschaftlicher Integration, kein Wille einen Beitrag für eine funktionierende Gesellschaft zu leisten. Welche verdammte Diskussionsbasis sollte man denn mit diesen Gesellschaftsfeinden finden? Das ist doch völlig irre.

Baut Mauern, errichtet Zäune, wenn ihr sicherstellt, dass auf der einen Seite des Grabens die Menschen ohne Anstand stehen und auf der anderen Seite wir, helfe ich Steine schleppen, aber kommt mir nicht mit Kompromissen oder Verständnis gegenüber Nazis, deren Dulder, und Mitläufer.

Wut und das Verbreiten von Ängsten sind der Treibstoff dieser keineswegs zu bemitleidenden Menschen. Das sind keine Opfer, das sind Täter. Lasst euch nicht lähmen und täuschen.

Bleibt anständig, helft den Anständigen, bestätigt Menschen mit Anstand in ihrem Tun und hasst Nazis.

Werdet aktiv und macht euch klar, dass da niemand kommen wird, der uns vor den Nazis rettet.

Wenn wir zulassen, dass der Widerstand gegen Faschisten von den Julians, Bernds und Rolands dieser Welt zur anrüchigen Lebensweise hochstilisiert wird werden die rechtsradikal orientierten Menschen unsere Lebensräume einnehmen. Nazis, Rassisten und Gesellschaftsfeinde sind kein regionales Ost-Problem und gepaart mit der moralischen Flexibilität der Mitte-Extremisten und der massiven Verbreitung von Unwahrheiten in den Netzwerken erhalten wir sehr schnell eine Gesellschaft in der sich niemand mit einem Hauch von Anstand wohlfühlen kann.

 

Meinen Hass habe ich in einer unserer aktuellen Folgen unseres Podcasts Radiorebell erfahren und verarbeiten können. Jason und ich sprechen in unserer dreiteiligen Serie „Heimat, Stolz und Ehre“ in dieser Episode über Stolz und über Chemnitz.

Viel Spaß!

 

 

 

 

 

 

    

Was ist Heimat?

Was ist Heimat? Welch schwer verdauliche Frage und Begrifflichkeit wenn man sich ihrer aktuell völlig überladenen Bedeutung bewusst wird. Weiterlesen

Transsibirische Eisenbahn

Eine neue Folge aus dem Urlaub heraus. Daher erspare ich euch mal einen längeren Begleittext. Es geht um die Transsibirische Eisenbahn und im Hintergrund unserer Aufnahme sitzen 50 Russen und schauen Spanien gegen Russland anlässlich der WM 2018. Schön.

 

DFB-Pokalfinale Berlin

Die besten zehn Sekunden im Leben eines (fast) jeden Eintracht Frankfurt Fans. Wie wir den Gacinovic-Lauf gegen den FC Bayern beim DFB-Pokalfinale erlebt haben besprechen wir u.a. in unserer neuen Podcastfolge. Was wir beim Pokalfinale zu suchen hatten?

„Herr von Juterczenka, wir würden Sie und ihren Sohn gerne in den kommenden 14 Tagen  zum Fußball begleiten. Was halten Sie davon, wenn wir gemeinsam zum Pokalfinale oder zum Champions League Finale fahren?“  Weiterlesen

Deutschland-Deine Fußballseele

„Deutschland – Deine Fußballseele“.

Die Welt-Premiere läuft am 28.05.2018 um 20:15 Uhr auf History.

Die Seele des Fußballs suchen?

Kleiner machen es die Wochenendrebellen nicht mehr. Was für eine großartige Anfrage erreichte uns im Januar diesen Jahres. HISTORY plante eine Dokumentation, sie möchten die Seele des Fußballs suchen und portraitieren und baten die Wochenendrebellen um Unterstützung. Ich war schnell gefesselt von der Idee und als ich erfuhr, dass zudem Rudi Gutendorf, Eike Immel und die Flüchtlingsmannschaft des TuS Koblenz Protagonisten der Dokumentation sind, war schnell klar, dass wir dort nicht absagen können. Jason ist diesbezüglich mittlerweile eher medienerprobt, hat viel Spaß neue, spannende Dinge zu erfahren und zu erleben und mir war zudem klar, dass er wenn er die Rahmenbedingungen hört ebenfalls Feuer und Flamme sein wird. Weiterlesen