#4 Julian liebt die TSG 1899 Hoffenheim

Lieber Jay-Jay,

mein Name ist Julian, ich bin 22 und Hoffenheim-Fan. Wir haben uns schon
einmal getroffen, als du den SV Sandhausen besucht hast (Ich war der
jüngste der drei Männer und hatte keinen Bart). Wie du gesehen hast, ist
Sandhausen nur ein großes Dorf, das kleine Stadion steht am Wald und es
kommen nicht so viele Leute. So ähnlich ist das bei mir in Hoffenheim
eigentlich auch, das Dorf ist noch kleiner und es passen noch weniger
Leute ins Hoffenheimer Stadion, deswegen spielt Hoffenheim jetzt auch in
Sinsheim, wo du ja auch schon warst.

Ich bin nicht als Hoffenheim-Fan geboren worden, ich habe meinen Verein
auch schon einmal gewechselt. Als ich fünf oder sechs Jahre alt war,
habe ich im Fernsehen die Bayern gesehen. Und dann fand ich erstmal die
Bayern gut. Ich hatte ein Trikot von Ruggiero Rizzitelli, der war damals
der erste Italiener in der Bundesliga. Trotzdem war ich kein richtiger
Fan. Ich fand die irgendwie gut, weil die eigentlich alle gut fanden.
Und es war leicht, die Bayern gut zu finden: Sie haben ja fast immer
gewonnen. Aber zu einem Bundesligaspiel der Bayern bin ich damals nie
gefahren.

Wenn du dich dich fragst, wie es passieren konnte, dass ich Fan von
Hoffenheim werde: es war ganz einfach. Stell dir vor, du gehst in deinem
Dorf auf den Sportplatz und guckst dem Dorfverein zu. Bei dir spielt da
der SV Birstein und der Sportplatz heißt »Grafkampfbahn«,
wenn das im Internet richtig steht. Am Ende der Saison, wenn sie gut
spielen, wenn sie gegen SKG Mittelgründau, FSV Großenhausen und FSV Hailer
gewinnen, steigen sie vielleicht auf. Dann würden sie eine Liga höher
wahrscheinlich schon gegen den SV Breitenborn und den VfB Oberndorf spielen.
Und wenn sie dann immer noch gut mithalten können, steigen sie
vielleicht schon wieder auf. Im Moment spielen sie – wenn ich mich nicht
verzählt habe – in der 8. Liga, aber du weißt, der SV Birstein könnte bis in die Bundesliga aufsteigen, wenn sie
nur immer weiter aufsteigen. Und genau das ist mir passiert.

Als ich 8 Jahre alt war, habe ich in Hoffenheim gewohnt und damals
wurden um den Sportplatz ein paar Tribünen gebaut, sodass er ein kleines
Stadion wurde. Um die Einweihung zu feiern, hat es der Verein geschafft,
den FC Bayern zu einem Freundschaftsspiel gegen die TSG Hoffenheim
einzuladen. Ich war beim Eröffnungsspiel, um die Bayern zu sehen, aber
ich bin immer wieder gekommen, um die TSG Hoffenheim zu sehen. In diesem
kleinen Stadion hat dann also mein Dorfverein zu dieser Zeit gegen
andere Dorfmannschaften wie Bammental und Dielheim gespielt. In der
folgenden Saison war ich wieder dort, als sie eine Liga höher gegen die
Mannschaften aus Dorfmerkingen und Bonlanden spielte. Und so ging es
einfach weiter. Ich war eigentlich bei jedem Spiel auf dem Sportplatz
und so lange ich noch nicht 14 war, musste ich nicht einmal Eintritt
bezahlen, weil Kinder kostenlos ins Stadion durften. Ich hatte fast zehn
Jahre lang meinen Stammplatz: Auf der Seite, wo die Hoffenheimer stehen,
einen Stehplatz links neben dem Tor. Nach einer Weile habe ich dann,
wenn Leute gefragt haben, welches mein Lieblingsverein ist, nicht
»Bayern« oder einen anderen Bundesligaverein genannt, sondern
»Hoffenheim« gesagt. Die TSG stieg dann in die zweite Liga auf und
spielte gegen den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach und auch in
der zweiten Liga waren sie am Ende die zweitbeste Mannschaft und stiegen
2008 in die Bundesliga auf. Dafür war der Sportplatz in Hoffenheim zu
klein und die TSG ist erst für ein halbes Jahr nach Mannheim und dann
nach Sinsheim umgezogen, wo sie heute spielt. Derselbe Dorfverein, den
ich schon in der Verbandsliga regelmäßig gesehen habe, spielt jetzt
gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund. Und gegen Dortmund gewinnen
wir sogar meistens.

Vielen Dank an Julian. Ihr findet sein lesenswertes Blog hier. Lohnt wirklich. Tellerand und so.

Ausserdem ist er hier auf Twitter zu finden.

Was es mit diesem Brief auf sich hat, warum du auch einen schreiben darfst musst und wer dieser Jay-Jay ist erfährt man hier.

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