#5 Mein Interview mit Ralph Gunesch

Mein Sohn Jay-Jay, seit vergangener Woche zehn Jahre alt,  (JJ) bat mich das Interview abzutippen, welches er mit Ralph Gunesch (RG) im Rahmen des Hasscup-Turniers des ersten TKSchlands am vergangenem Wochenende in Köln führte. Jay-Jay hat sich auf das Interview selbst vorbereitet und mich nur in zwei Fällen um Rat gebeten. Das Fragen-Spektrum umfasst Fragen, die ihn thematisch einfach interessieren oder die sich im Rahmen unseres Projektes ergeben haben und Fragen, die er sich einfach aus Interviews der 11Freunde Magazine heraus geklaut hat. Ein Teil der Fragen zielte vermutlich auch darauf ab, selbst die Hintergrundgeschichte zu seinem heldenhaften Sprung vom Fünfer zum Besten geben zu können. Jay-Jay hat sich seine Fragen fein säuberlich mit zusätzlichen Regieanweisungen für sich selbst aufgeschrieben und herausgekommen ist dieses wirklich lesenswerte Interview. Ganz besonderen Dank an Ralph, der unabhängig von seiner nicht gerade ganz einfachen Situation, sofort zugesagt hat und Jay-Jay im Vorfeld ermutigte. Viel Spaß beim Lesen.

Wir sitzen im Hotel Cologne. Drei frisch gebackene Hasscup-Sieger. Jay-Jay blickt auf seine Notizen.

JJ: Hier steht „Begrüßung“. 

RG: Begrüßt haben wir uns doch schon.

JJ: Okay, Danke für die Zeit. Bist du aufgeregt?

RG: Ein bisschen. Es ist das erste Interview, was wir beide zusammen machen, also bin ich ein bisschen aufgeregt. Ja.

JJ: Ralph, wenn du auf die letzten zwölf Monate zurückblickst, war es dann ein gutes Jahr oder ein schlechtes?

RG: Die letzten zwölf Monate? Ich würde sagen, es war eine schwere Zeit, denn vor etwas mehr als zwölf Monaten habe ich mich verletzt, ich hatte noch Krücken, kurz nach der OP, es tat mir alles weh. Das war sehr schwer für mich. Ich war dann acht Monate verletzt und hab dann am letzten Spieltag wieder gespielt, was mich persönlich sehr gefreut hat. Die letzten zwölf Monate gingen sehr schwer los, waren dann zwischenzeitlich sehr schön und sind jetzt wieder nicht so leicht, weil ich ja aktuell noch keinen neuen Verein habe und nun schauen muss, wie es weitergeht.

JJ: Muss man eigentlich gut sein in der Schule, um Fußballprofi zu werden?

RG: Wenn du gut in der Schule bist hilft dir das immer. Das hilft dir in deinem ganzen Leben, und das hilft dir auch ein bisschen beim Fußball.

JJ: Welches war dein Lieblingsfach und in welchem Fach warst du besonders schlecht?

RG: Mein Lieblingsfach war natürlich Sport und, ich muss gestehen, bis zur zehnten Klasse auch Mathe. Und gar nicht gut war ich erstaunlicherweise, obwohl ich es heute fließend spreche, in Englisch, und in Französisch hatte ich so meine Schwierigkeiten mit den Vokabeln. Und Politik war immer, ähm, oh (Die Bedienung der Hotelbar platzt in unser Gespräch und fragt, was wir trinken möchten.)

Ich nehme ein Ginger Ale, bitte.

Mmh ja. In welchem Fach warst du denn gut?

JJ: In Deutsch sehr gut, in Englisch und in Musik und Religion.

RG: Oh, singst du gut und gerne, oder spielst du ein Instrument?

JJ: Ich spiele Gitarre.

RG: Ach, cool. Siehst du. Ich beneide Leute, die ein Instrument spielen können, ich beneide Menschen, die singen können. Ich kann beides gar nicht. Ich kann nur Musik anhören. Aber eigentlich wolltest du mich ja interviewen.

JJ: Kannst du dich noch an etwas lustiges aus deiner Schulzeit erinnern?

RG: Etwas lustiges aus der Schulzeit? Mmh, ja. Das ist im Nachhinein jetzt eher nicht so witzig. Mein Sitznachbar hat mal in der achten Klasse Papier, welches in der Heizung lag, angezündet und wir haben dann alle einen Klassenbucheintrag bekommen, weil er nicht zugeben wollte, dass er es war. Und wir haben ihn natürlich auch nicht verpetzt. So etwas macht man nicht. Wir fanden das damals ganz lustig, aber eigentlich ist das sehr gefährlich. Man macht kein offenes Feuer in der Schule.

Und einmal musste ich den ganzen Hof putzen und fegen, weil wir mit einer Banane, die nicht mehr gut war, im Umkleideraum der Sporthalle, rumgeworfen haben. Das fanden die Lehrer nicht lustig.

JJ: Kannst du dich an deine F-Jugend Zeit als Fußballer erinnern?

RG: Ja, da habe ich nämlich angefangen mit Fußball. Das ist lange her, aber daran kann ich mich tatsächlich gut erinnern.

JJ: Wie war dein Trainer?

RG: Ich hatte zwei Trainer. Einer der Trainer war mein Vater, und er war sehr streng mit mir. Also er hat es nicht böse gemeint, aber war halt streng, und der andere Trainer, nun ja, der war auch sehr streng, aber heute weiß ich irgendwie auch, dass beide nur mein bestes wollten.

JJ: Hattest du auch das Problem wie ich, dass da nur Pfeifen in der Mannschaft waren?

RG: Erstmal habe ich heute gesehen, dass du keine Pfeife bist. Es war ja heute das erste Mal, dass wir zusammen gespielt haben, und ich hatte damals auch Leute mit in meiner Mannschaft, die dann irgendwann nicht mehr so den Spaß am Fußball hatten und demnach auch nicht so richtig mitgespielt haben.

Außerhalb der Fragen, die Jay-Jay sich vorbereitet hat, gibt es wohl einen kleinen Einwand seinerseits.

 JJ: Ich hatte in meiner F-Jugend nur Pfeifen in meiner Mannschaft.

RG: Mmh, ja aber in dem Alter ist das doch noch gar nicht so wichtig, in dem Alter ist doch nur entscheidend, dass du Spaß am Fußball hast. Egal, wie gut du bist.

JJ: Gab es Spieler, die besser waren als du?

RG: Die gab es oft, und ich war auch in der Kindheit und in der Jugend nie der beste von allen. Da gab es immer andere, die waren besser. Aber ja, aus irgendwelchen Gründen sind die halt nicht Profi geworden.

JJ: In welchem Verein und auf welcher Position hast du da gespielt?

RG: In der F-Jugend, das war mein erster Verein damals. Das war die SV 09 Baesweiler. Die gibt es heute gar nicht mehr. Die heißen jetzt anders. Und ich habe tatsächlich als rechter Außenstürmer angefangen.

Ich habe vorne rechts mit der Elf gespielt.

JJ: Hattest du als Kind einen Lieblingsverein. So richtig mit Bettwäsche und Trikot und so?

RG: Ja, den hatte ich.

Längeres Schweigen.

Ich hatte tatsächlich, so ganz schlimm mit Trikot und allem, war es der FC Bayern München.

 Längeres Schweigen.

JJ: Hast du als Kind lieber getobt oder entspannt?

RG: Als Kind habe ich überwiegend getobt. In den Ferien haben wir uns morgens um 10 Uhr mit Kumpels getroffen und haben den ganzen Tag Fußball gespielt und sind erst nach Hause, wenn es einfach zu dunkel war. Meine Eltern haben mich den ganzen Tag nicht gesehen, aber sie wussten, ich bin auf der Wiese Fußball spielen und das war für sie okay. Lange, lange Zeit mehr getobt als entspannt. Das mit dem Entspannen, das kam dann alles erst später.

JJ: Wie alt warst du, als du dein Schwimmabzeichen gemacht hast?

RG: Mein Schwimmabzeichen? Ich habe damals nicht viele Schwimmabzeichen, aber ich bin damals die Stadtmeisterschaften mitgeschwommen, da war ich glaube ich sieben oder acht.

JJ: Bist du schon einmal vom Fünfer gesprungen?

RG: Ja. Ich liebe es vom Fünfer und vom Zehner zu springen. Das macht mir richtig Spaß.

JJ: Wovor hast du richtig Angst?

RG: Angst? (Überlegt länger) Das ist eine sehr gute Frage.

Ich habe keine Angst vor Spinnen oder so etwas wie Angst vor Hunden. Das gibt es ja.

Ich habe Angst vor einer Krankheit für Freunde, Familie oder mich. Vor einer Krankheit, die man vielleicht nicht heilen kann. Ja, das wäre wohl etwas wovor ich Angst hätte.

JJ: Willst du später auch einmal Kinder haben? Und sollen Sie so verrückt sein wie ich oder lieber ruhig und brav?

RG: Grundsätzlich möchte ich schon später Kinder. Ich möchte einfach, dass es ihnen gut geht und dass sie Spaß am Leben haben und es gibt viele Kinder, die haben eben Spaß, wenn sie viel zu Hause sind und Bücher lesen, und es gibt Kinder, die haben Spaß am Leben, weil sie total viel unterwegs sind und viel unternehmen, und das sollen sie bitte für sich selber rausfinden. Ich habe beides in meinem Leben gemacht und mir hat beides Freude gemacht und daher sollen sie sich völlig frei entfalten.

JJ: Wenn du dir für deinen Verein ein eigenes Stadion bauen könntest: Worauf würdest du besonders achten?

RG: Eine große Stehplatztribüne hinter den Toren. Stehplätze auf der Gegengeraden, darüber ein Tribüne mit Sitzplätzen, überdacht, genug Bierbuden, genug WCs und das ganze soll so gebaut werden, dass sich jeder eine Karte leisten kann

JJ: Papsi hat gesagt du engagierst dich viel gegen Ausländerfeindlichkeit. Wie kann man dir da helfen?

RG: Da sind sehr viele Dinge, die man tun kann. Eine Freundin von mir gibt zum Beispiel Deutschunterricht im Flüchtlingsheim in Ingolstadt. Sie hat angefangen mit Babybetreuung vor Ort und gibt jetzt Deutschunterricht, für Frauen und für Männer, das wird getrennt gemacht. Dass die dann zumindest so die grundsätzlichen Dinge der deutschen Sprache beherrschen, denn das ist echt nicht leicht zu lernen. Und das macht sie jetzt so nebenbei, denn sie arbeitet ja noch hauptberuflich. Das kann man zum Beispiel tun, denn die Menschen brauchen wirklich Hilfe. Wenn man ein wenig in der Öffentlichkeit steht, kann man auch andere Leute ermuntern, etwas zu tun. Man kann Demos besuchen, du kannst, wenn du in deinem Freundeskreis dumme Sachen hörst, dann kannst du sie darauf aufmerksam machen, dass es falsch ist und versuchen, es ihnen zu erklären. Das sind Kleinigkeiten . Größere Maßnahmen liegen in den Händen der Politiker, aber du kannst in deinem kleinen Kreis aus Freunden, Familie und Menschen in deinem Umfeld, mehr als genug tun.

JJ: Du standest ja heute mit mir auf dem Platz. Was war das für ein Gefühl für dich?

RG: Es war mir eine sehr große Freude und eine große Ehre. Ich hab ja schon sehr viel gelesen und gehört und als ich hörte, dass du kommst, war mir klar, dass ich auch teilnehmen muss und diese Gelegenheit nutze.

JJ:Bist du froh, mich als Kumpel zu haben?

RG: KLAR! Da brauche ich nicht lange überlegen.

Jay-Jay blickt verschämt aber wie ein Honigkuchenpferd grinsend zu Boden und schiebt schnell die nächste Frage hinterher.

JJ: Hast du beim FC Ingolstadt Freunde gefunden?

RG: Ja, wir haben schon eine richtig gute Truppe beisammen gehabt und mit dem ein oder anderen bin ich auch jetzt in der Urlaubszeit in Kontakt geblieben, und ich denke das werden wir auch weiterhin tun.

JJ: Papsi hat gesagt ich soll dich fragen , welches von all deinen Toren das schönste war.

Ähm, ja. Mein schönstes war tatsächlich gegen Hoffenheim, 2008. Das war wirklich ein sehr schönes Bundesligator. Die anderen waren nur so mit dem Kopf. Das war nichts dramatisches. Aber das gegen Hoffenheim. Das war schön. Vielleicht zeigt der Papsi dir das mal auf Youtube.

 

JJ: Wenn du der Interviewer wärst, was würdest du dich auf gar keinen Fall fragen, weil die Antwort vielleicht peinlich ist?

RG: Mmh, du stellst echt verdammt gute Fragen. Da kann sich so manch einer (wörtlich sagtest du Sportjournalist) eine Scheibe von abschneiden.

Was wäre mir peinlich?

Mmh, sportlich oder privat? Puh, lass uns die Frage schieben. Lass uns die an den Schluss hängen.

JJ: Hast du noch Fragen an mich?

RG: Wie war es denn für dich heute, hast du denn ein bißchen Spaß gehabt?

 JJ: Ja.

RG: Das ist gut. Und wie hat Papsi gespielt?

JJ: Mmh, eigentlich ganz gut.

RG: Er war wirklich gut. Mmh, dann ist nur noch die eine Frage offen.

Also, man müsste mich nicht unbedingt danach fragen, warum ich mehr Eigentore als Tore geschossen habe in der Bundesliga. Die Frage mag ich nicht. Weil es stimmt. Ich habe zwei Eigentore in der ersten und zweiten Bundesliga und nur ein selbst geschossenes. Also habe ich mehr Eigentore als Tore. Das ist keine so großartige Bilanz. Das erste Eigentor war doof und das zweite konnte ich nichts für.

JJ: Dann erkläre ich das Interview für beendet.

Fußballturnier #tkschland 2015

Fotocredits: Zur Verfügung gestellt von der Bloggerin, Podcasterin, Journalistin, Fotografin, und Autorin, der wunderbaren Stefanie Fiebrig. Danke.

6 Gedanken zu „#5 Mein Interview mit Ralph Gunesch

  1. KiezkickerDe

    War der Ralph in Englisch nun gut oder schlecht? Da widerspricht er sich ja ein wenig….

    Und das 1:1 war wirklich ein sehr sehenswerter Treffer… 😉

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    1. wochenendrebell Beitragsautor

      Er war wohl relativ schlecht, was ihn erstaunte in Anbetracht der Tatsache, dass er jetzt ja schon recht fit ist im Englischen. Immerhin sprach er ja auch auf dem Kongress in Belfast in englisch.

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  2. Pingback: Der Markt ist überhitzt | Fokus Fussball

  3. heinzkamke

    Tolles Interview, auch wie Ihr zwischendurch die Rollen tauscht! Was mich allerdings schon interessiert hätte: ob Du, Jay-Jay, denn selbst vom Fünfer springst? Hattest Du ja vor einiger Zeit als eines Deiner Wasser-Ziele genannt („Vom 5 Meter Brett springen und das Schwimmabzeichen in Bronsse.“), und die Einführung, die vermutlich Dein Papsi geschrieben hat, klingt ein bisschen so, als hättest Du diese Heldentat zwischenzeitlich vollbracht.

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    1. wochenendrebell Beitragsautor

      Hallo Herr Kamke
      Sorry das es so lange gedauert hat. Ich hatte viel zu tun.
      Ich bin 5 Tage vor meinem 10 Geburtstag vom 5 gesprungen. Mami und Papsi waren nicht dabei. Auf einem anderen Geburtstag war meine letzte Chance. Und dann bin ich gesprungen.
      Und ich habe nicht nur Bronze sondern auch ganz knapp Silber gemacht.

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      1. heinzkamke

        Da habe ich natürlich volles Verständnis, Jay-Jay – geht uns ja allen mal so, dass wir viel zu tun haben und manche Dinge dann etwas in den Hintergrund rücken. Gerade bei Blogkommentaren bin ich selbst öfter mal nachlässig, und dann lassen meine Antworten viel länger auf sich warten als Deine.

        Super, dass Du tatsächlich gesprungen bist, und das auch noch ohne Mami und Papsi, wow! Ich war mit Sicherheit ein paar Jahre älter, als ich erstmals vom Fünfer sprang, und das bisher letzte Mal liegt auch schon ziemlich lange zurück. Und Silber, Glückwunsch! Mein Sonn übt auch grade ein bisschen für Silber, vielleicht klappt’s diesen Sommer noch.

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