#64 Uwe liebt Rot-Weiss Essen

Rot-Weiss Essen! Post für den Sohn. Das gab es lange nicht mehr. Umso mehr freue ich mich, dass es so ein ausserordentlich schönes Exemplar geworden ist. Zudem schreibt Uwe über einen Verein bei dem wir noch nicht zu Gast waren und aus dessen Fankreisen wir noch keinen Brief bekommen haben. Vielen Dank an Uwe, der in seinem Blog Im Schatten der Tribüne im Schwerpunkt natürlich mit RWE beschäftigt (besonders ans Herz lege möchte ich Euch das Bilderbuch zum Georg-Melches Stadion.), aber auch Fußballthemen ausserhalb des Essener Mikrokosmos ausgiebig beleuchtet. Lesens- und folgenswert. Natürlich auch auf Twitter oder auf Facebook.

Lieber Jay-Jay,

sehr interessiert verfolge ich seit längerer Zeit Deinen Weg durch die Stadien der Republik und die damit auch verbundene Suche nach einem Verein, der Dein Herz erobern könnte. Und ich glaube (nein, ich weiss es!), ich habe da einen Verein für Dich, der Dein Fanherz im Sturm erobern kann und von dem in all den wunderbaren Briefen an Dich noch nicht einmal die Rede ist: Rot-Weiss Essen hat das Potential, die Wochenendrebellen langfristig an ein Stadion zu binden und Dich in den Kreis all dieser tollen Menschen aufzunehmen, die die Seele von Rot-Weiss Essen ausmachen. Na gut, natürlich hat der RWE in seinem Umfeld auch weniger tolle Menschen zu bieten, aber das ist dann leider wie bei jedem anderen Verein auch. Was wir jetzt aktuell nicht haben, ist besonders großer sportlicher Erfolg. Und das ehrlich gesagt schon ziemlich lange nicht mehr. Trotzdem aber gucken immer noch so viele Fans die Heimspiele des RWE oder begleiten diesen zu den Auswärtsspielen, so dass manch Zweitligaverein neidisch an die Hafenstraße nach Essen schaut. Erwähnte ich es schon? Wir spielen aktuell in der viertklassigen Regionalliga West.

Was wir aber definitiv zu bieten haben, ist eine große Geschichte mit ganz vielen bekannten Namen, wie zum Beispiel Helmut Rahn oder Willi „Ente“ Lippens. Der Helmut Rahn lebt leider

RWE

Rot-Weiss Essen

nicht mehr und Willi Lippens spielt auch nicht mehr aktiv, da schon über siebzig Jahre alt. (Ente Lippens hatte aber vergangene Saison sogar noch einen Spielerpass. Das ist aber eine eigene Geschichte) Wenn Ihr zukünftig mit Zeit an die Hafenstraße 97a anreist, um ein Spiel Deines neuen Lieblingsvereins anzuschauen, dann besucht doch einfach vor dem Spiel die „Friesenstube“. Dieses Lokal war zu Lebzeiten die Stammkneipe von unserem „Boss“ Helmut Rahn und da kann man auch heute noch an seinem Platz sitzend (also da wo Helmut Rahn seinen Stammplatz hatte) Kaffee, Kuchen oder ein lecker Pils für Erwachsene genießen. Und viele Dinge angucken, die an Helmut Rahn erinnern. Der Helmut hat schließlich auch ganz viel dazu beigetragen, dass Deutschland 1954 erstmals Weltmeister im Fußball wurde. Aber das weisst Du sicher alles schon längst. Und wenn Du mehr über Helmut Rahn wissen möchtest: er hat schon ziemlich früh ein Buch über sich geschrieben.

 Der Willi Lippens ist durch die Zeit von Rot-Weiss Essen in der Bundesliga bekannt geworden. Da hat er so manchen Gegenspieler schwindelig gespielt und durch seinen ganz besonderen Laufstil bekam er schnell den Spitznamen „Ente“. Willi Lippens rannte irgendwie nicht, sondern watschelte halt so vor sich hin. In den sieben Jahren Bundesliga hatte der RWE auch nicht so viel Erfolg, aber er war immerhin mal einige Zeit mit dabei. In dieser Zeit hatte sich der Verein dann auch den Ruf erworben, dass in Essen an der Hafenstraße ein, sagen wir mal, etwas rauher Wind für Fans der Gastmannschaften weht. Aber es ging auch herzlich zu. Die Fankurve in diesen Tagen hieß „Westkurve“ und hat auch heute noch einen legendären Ruf, obwohl sie schon 1994 abgerissen wurde. Unser Stadion, das Georg Melches Stadion, war schon damals sehr alt, und deshalb musste die Westkurve als Erstes abgerissen werden. Leider hat man keine neue Tribüne mehr aufgebaut. Ob das einfach vergessen wurde; nicht genug Geld dafür da war oder warum auch immer…auf jeden Fall hatte der RWE dann ganz lange Zeit einfach nur ein Stadion mit drei Tribünen. Auch wieder etwas, was andere Vereine in ihrer Geschichte nicht bieten können. Ok, dafür hatten sie vielleicht Stadien, welche einfach auch „besser in Schuss“ waren. Uns Fans egal, wir liebten unser „GMS“ bis zum letzten Tage und vermissen es auch heute noch.

Und das, obwohl wir gleich daneben ein tolles neues Stadion gebaut bekommen haben. Das heisst jetzt „Stadion Essen“, aber wir Fans gehen einfach immer weiter an die Hafenstraße 97a. Das ist nämlich auch das tolle bei RWE: Wenn andere Vereine ein neues Stadion bekommen, stehen diese meistens außerhalb der Stadt. Unser Stadion ist in Bergeborbeck geblieben und somit konnten die vielen Fans ihren gewohnten Weg zum Stadion behalten. Die Gegend ist nicht besonders schön, aber man sieht überall, dass es sich hier um Fußball und um Rot-Weiss Essen dreht. Ihr müsst mal im Winter zu einem Freitag Abend Spiel kommen, wenn die Flutlichter (leider nicht mehr die schönen alten) angehen und sich diese ganz bestimmte Geräuschkulisse auftut, die ankommende Fans so mit sich bringen. Rund um das Stadion ist auch mittlerweile ganz viel passiert und erinnert an den Verein und das Georg-Melches Stadion. Das heisst, wenn Du oder Dein Papa gerne fotografieren, so gibt es ganz viel zu entdecken. Da steht zum Beispiel das Denkmal von Helmut Rahn, ein alter Flutlichtmast; da steht die Bergarbeiterfigur „kurze Fuffzehn“ mit Lore, der alte Schriftzug des „GMS“. Im Stadion gibt es die Büste von Vereinsgründer Georg Melches und die Meisterschale mit dem Meisterwimpel.

Meisterschale deshalb, da der RWE tatsächlich schon einmal Deutscher Meister war. Und Deutscher Pokalsieger. Das ist natürlich schon ziemlich lange her, war es doch 1953 (Pokalsieg) und 1955 (Deutscher Meister). Aber da wir Fans des RWE immer eine ziemlich große Klappe haben, singen wir auch heute noch oft: „Deutscher Meister ist nur der RWE“. Das wir in der letzten Saison beinahe auch noch aus der vierten Liga abgestiegen wären, verschweige ich dann mal lieber. Aber Jay Jay, wie heißt es doch so schön: Liebe kennt keine Liga. Egal aber, in welcher Liga Rot-Weiss Essen auch spielt, der Ablauf vor jedem Heimspiel ist immer der gleiche: Wir haben nämlich die Fahnengirls, die vor dem Spiel mit ihren rot – weißen Fahnen auflaufen und wir haben zwei Lieder, die jeder RWE Fan schon mit in die Wiege gelegt bekommt: „Opa Luscheskowski“ und „Adiole“. Die Schalker, die alle RWE Fans ziemlich doof finden, haben den Opa mal nachgemacht, aber nur in Essen an der Hafenstraße bei RWE gibt es lautstark gesungen den „Oppa“. Dazu kommt dann meistens noch das Steiger Lied und dann kommt auch schon die Mannschaft. Meistens ist es dann mit dem Spaß vorbei, aber als Fan erträgt man natürlich auch die schlechten Spiele. Dann wird hier halt immer ordentlich gemeckert. Und wie sie hier an der Hafenstraße meckern und maulen können…eine wahre Wonne. Aber, wenn die Fans auch noch so sehr auf das Spiel ihres RWE schimpfen, so sehr zeigt dass auch nur ihre Liebe zum Verein.

Über Rot-Weiss Essen gibt es mittlerweile ganz viele Bücher, dass heisst Du hast auch ohne Spielbesuch die Möglichkeit, sich ganz viel mit dem RWE zu beschäftigen. Und unser Fanprojekt bietet von Foto- über Gitarrenkurse und Filmabende auch ganz, ganz viel für den Fan an. Das Fanprojekt musste leider umziehen, weil im neuen Stadion leider keine Räume für Fans geplant waren, was natürlich ganz blöd ist. Aber an Spieltagen steht nun ein Container im Schatten der (West-) Tribüne. Als man mir das geschrieben hat, habe ich mich sehr gefreut, denn so heisst ja auch mein RWE Blog. Übrigens hat auch Otto Rehhagel lange für den RWE gespielt, denn auch Otto Rehhagel ist ein Essener Junge. Ach Jay Jay, es gibt noch soviel, was es über den RWE zu berichten gibt, und was ihn so einzigartig macht: Sei es die ganz lange Südamerikareise, das DFB Pokalendspiel in Berlin oder die ganzen Geschichten über besondere Spieler und Fans. Aber dann würde der Brief hier ein Buch werden und Du sollst meinen Verein doch selbst entdecken. In einem der vielen Lieder über Rot-Weiss Essen heisst es: „Wo sind wir zuhause, wo wird man uns immer hör`n……an der Hafenstraße RWE“. Ich glaube, Du könntest ebenfalls an der Hafenstraße als Fan Dein zuhause finden.

Nur der RWE!

Herzlichst,

Uwe, „ISDT“

Was es mit dieser ganzen Briefschreiberei auf sich hat erfährt man hier.

Wer wir überhaupt sind und was wir so machen kann man hier nachlesen oder hier nachhören.

Ein Gedanke zu „#64 Uwe liebt Rot-Weiss Essen

  1. mspie

    Glück auf Uwe,

    schöner Text, allerdings „die Schalker, die alle RWE-Fans doof finden“… Ker, dieses Schubladendenken ist doch so 80ziger, oder? In den Farben getrennt, in der Sache vereint! Für den Fussek!

    Blau-weiße Grüße in die 4. Liga an die Hafenstrasse.
    BünderSchalker

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