Burning Man

Guten Tag, mein Name ist nicht Antonia Rados und ich berichte trotzdem live aus Izmir und das Krisengebiet befindet sich auch eher auf meinem Körper, als in einem türkischen Urlaubsort.

Verwirrend? Keine Angst, es wird noch schlimmer.

Frau Rados könnte eventuell von meiner Schulter berichten.

Die Schwere meines Sonnenbrands lässt sich vielleicht daran erkennen, dass die Köche und Animateure es lustig finden, dem Tomatensalat hier im Hotel meinen Namen zu geben.

Gut, ich hatte den Krieg begonnen und auf Ihren Namenschildern aus „Animateur“, frech „Amateur“ gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eigentlich sinniere ich hier ganz friedlich über den möglichen Zusammenhang des extrem gesitteten Verhaltens am abendlichen Buffet und dem niedrigen Anteil an deutschen Urlaubern.

Was soll ich auch sonst machen?

Meine Strategie sich am ersten Tag vollends den gesamten Körper, exklusive des Genitalbereichs, zu verbrennen, um im Anschluss im Zimmer mindestens zwei oder mehr volle Tage Ruhe auf dem Zimmer genießen zu können, scheint aufzugehen.

Sarah B. würde auf mich fliegen.

Wund gelegen in weniger als 75 Minuten.

Aber worum soll es heute gehen?

Nun ja, wo wir bei dem Thema „Strategie“ schon einmal angekommen sind. Nach den beiden Berichten zum Rock-Festival Wochenende, erhielt ich erstmals auch hinterfragendes Feedback bezüglich der Richtigkeit und der Erfolgschancen meiner Strategie.

Auch die Fan-Aktion wurde kritisch beäugt.

Mir entfällt das ein oder andere Mal, dass man neben den Rebellenabenteuern wenig bis gar nichts von der Zeit außerhalb der Stadien, der Züge  und der Campingplätze erfährt und somit die ein oder andere Hintergrundinformation fehlen könnte.

Diese Zeilen sollen dem besseren Verständnis dienen oder zumindest eine Grundlage zur Einschätzung bieten.

Es geht mir NICHT darum Kritik, Anregungen oder geäußertes Unverständnis zu Teilen unserer Aktion zu widerlegen oder mit Gegenargumenten zu befeuern. Ganz im Gegenteil. Ich bin für jegliche Form von Pushback aufrichtig dankbar. Ehrlich!

Es erhöht den Reflexionsturnus und dämpft Euphoriephasen, was hilfreich sein kann. Dabei geht es weniger darum, ob die Rückmeldungen von einem ausgewiesenen Asperger-Experten kommen, sondern vielmehr darum, in wie weit jemand über einen gesunden Menschenverstand verfügt. Manchmal, vielleist sogar meistens, sicherlich aber nicht immer, ist es aber tatsächlich so, dass einem unverantwortlichem Handeln meinerseits ein sorgfältig gewähltes Ziel mit guten Erfolgschancen gegenüber steht.

Sofern man die Erfolgschancen prognostizieren kann.

 

Sohnemann hat in vielen Bereichen im Laufe der Jahre hinzu gelernt. Er hat gelernt zu akzeptieren oder sich ihm unangenehmen Erfordernissen zu stellen. Ein für mich prägendes Beispiel neben der Toilettenstory ist die Weigerung sich bei einem Friseur die Haare abschneiden zu lassen. Es war für Ihn nicht einzusehen und absolut unverständlich, dass von seinem Körper etwas abgeschnitten werden sollte und er zu allem Überfliss auch noch dafür bezahlen muss. Über die ersten dreieinhalb Jahre hinweg musste Mama dieser Tätigkeit nachts nachgehen. Dem Sohn wurde dann mittels Maschine nachts der Schädel geschoren oder zumindest auf ein Niveau gestutzt, welches ihn von Carlos Valderrama unterscheidet. Es hat eine Weile gedauert seine Abneigung gegenüber Friseuren zu ergründen. Wie bei allen anderen Dingen auch, teilte er sehr heftig mit, dass er dort nicht hingeht ohne sofort die Begründung oder die Ursache mitzuteilen. Als ich mir die Fingernägel abknipste und er mich darauf hin fragte ob es nicht komisch wäre sich Teile des Körpers abzuschneiden und was ich im Anschluss mit meinen Fingernägeln machen würde, hatten wir den ersten Schritt zur Lösung.

Wir berichteten Ihm vom sogenannten Schnippinator, einem Dienstleister der Haare kürzen kann ohne sie mit der Schere zu schneiden. Im Anschluss bekommt man die Haare als Erinnerung für zu Hause und kann diese aufheben. Der Schnippinator ist quasi der Friseur für Kinder mit besonderer Logik. In der Innenstadt gab es eine Filiale von Hairlight Express, einer Friseurkette, deren Erkennungszeichen eine Ampel im Schaufenster ist. Zeigt die Ampel grün, kann man ohne Termin reingehen und bekommt sofort einen Schnitt verpasst.

Ein Gimmick, welches der Friseur natürlich nicht hat.

Ich informierte die Mitarbeiter vorab, die in einem Bereich den Spiegel abhängten und dem Sohn mit dem Schnippi-Gerät die Kopfbehaarung erstmals in menschliche Formen stutzten. Fein säuberlich packte die Dame die Haare in eine Tüte und Sohnemann konnte stolz sein Tütchen mitnehmen.

Heute, gute 4 Jahre später gibt es die Filiale nicht mehr. Die Umstellung sorgte ein wenig für Schwierigkeiten, weil kein weiterer Schnippinator über eine Ampel verfügt.Glücklicherweise fanden wir in einem kleineren Nachbarort einen Friseur, direkt an einer Straßenecke mit einer Ampel für die Fußgänger zur Überquerung. Ansonsten ist fast alles geblieben, außer dass der Sohn sich für den Friseur/Schnippinator Besuch mittlerweile bezahlen lässt, weil er die Haare dann da lässt und diese der Haarindustrie zugeführt werden. ( Fragt nicht-Würde den Rahmen dieses Blogposts sprengen)

Was das mit meiner Strategie zu tun hat?

Bei vielen Problemen gab es bisher zwei entscheidende Faktoren. Zunächst war es immer wichtig das Problem möglichst zu präzisieren. In diesem Beispiel war es das Problem, dass Haare bei einem Friseur abgeschnitten werden sollen und dass diese eigentlich ihm gehören. Das Angetatsche am Kopf gab ihm dann meistens den Rest.

Umgangen wurde dies dann durch die Umbenennung und durch eine Maschine, die nicht sichtbar schneidet, wie eine Schere.

Einen ähnlichen Ansatz suche ich in der Fan-Aktion, die ich aber bezüglich der Hintergründe besser hätte erklären sollen. Es geht hier nicht um Verehrung oder Huldigung.

Klar gefällt ihm das auch (egal ob 1899 Fan oder 1860 😉 ), aber meine Hauptintention ist hier eigentlich einen Zwischenschritt zum Thema „Freundschaft“ zu gehen.

Ich kann noch nicht sagen warum dies so ist, aber ich erhoffe mir vielleicht wieder einen etwas längeren aufklärenden Kommentar eines hilfreichen Ratgebers aus dem Norden, der sich sonst nur mit Säufern und Mördern umgibt.

Vermutlich wird er darauf hinweisen, dass Freundschaften für Aspies einfach keinerlei Bedeutung haben und deswegen auch der Sohn keinerlei Interesse hegt Freunde zu finden.

Beim Sohn deute ich seine Formulierungen aus den Gesprächen über das Thema Freundschaft immer ein wenig anders. Für mich wirkt es immer so als hätte er Angst mehr zu geben als er bekommt. Gleichzeitig achtet er bei Menschen, die er gerne mag darauf, dass er in ähnlicher Menge zurück gibt.

Beispiel: Er erhielt vor einigen Tagen von jemandem zwei Postkarten und ein Hörspiel, worüber er sich sehr gefreut hat. Nach der Freude benötigte er aber eine Einschätzung von mir.

Warum sind das zwei Postkarten?

Wieso haben beiden Postkarten das gleiche Thema?

Warum haben die Postkarten dieses Thema?

(Beide Postkarten bildeten Spielern eines Bundesligisten ab, die trotz herausragendem Trainer nicht sonderlich erfokgreich sind)

Ist das Hörspiel geschenkt oder geliehen?

Wieso hat der Versand so lange gedauert?

Eigentlich Fragen, deren Beantwortung teilweise nicht unbedingt einen hohen Mehrwert bieten, ihm aber wichtig erschienen um seine nächste Handlung abzuwägen.

Ihm ging es um das zurück geben, was er nun für notwendig, höflich, ratsam oder vielleicht auch für eine lästige Pflichterfüllung gegenüber einem Fan hielt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau.

Obwohl er gerne mehr geschrieben hätte bestand seine Antwort aus zwei Postkarten, die ebenfalls thematisch, wie auch die erhaltenen zusammen passen. Er rang mit sich, weil er gerne noch etwas mehr mitgeteilt hätte, aber es passte eben nun mal nicht mehr auf die Karte ohne die vorgedruckten Linien zu überschreiben.

Mehr Probleme machte ihm die Hörspiel CD. Ich habe seine Frage zum Status der CD, ob er diese nun geliehen bekommen hat oder geschenkt, bewusst nicht beantwortet und ihm empfohlen den Adressaten seiner Postkarten selbst zu fragen. Er verweigerte dies und versandte bisher auch nicht die Postkarten. Offiziell mit der Begründung er hätte auch etwas länger auf die Karten gewartet und kann deshalb ja nicht so schnell antworten.

Ich persönlich glaube jedoch er kämpft innerlich noch mit der CD. Er würde gerne etwas zurückleihen oder schenken. Grundsätzlich ist sein Eigentum aber nicht gedacht um es zu teilen, zu verleihen oder zu verschenken. Gleichzeitig verwehrte ich ihm aber von meinem geld etwas zu kaufen, bot ihm aber widerum an ihm Geld zu leihen.

Vermutlich können mir 70% der Leser, die jetzt noch ausharren und auf eine lustige Fäkalgeschichte oder ähnliches warten, nicht mehr folgen, aber er erlernt aktuell Schritt für Schritt und ganz behutsam, was Freundschaft in kleinem Umfang auch bedeuten kann. Vielleicht etwas materialistisch angehaucht, aber es ist definitiv ein großer Schritt für ihn. Natürlich hat es nichts mit Freundschaft zu tun sich gegenseitig Geschenke zu machen, aber es bedeutet in jedem Fall, dass es etwas ist was auf Gegenseitigkeit beruht, dass zum Nehmen auch geben gehört, und dies auch ein großer Unterschied zum Fantum ist und dies etwas ist was ihn an Grenzen und darüber hinaus führt.

Ich habe wenig Probleme damit, wenn er irgendwann vielleicht doch in der Schule jemanden findet, der nicht sein Freund ist, aber von dem der Sohn Fan ist und umgekehrt.

Vielleicht ist dies alles aber auch ein utopischer Gedanke, der ins Leere führt. Sagen wir es mit den Worten eines abgewandelten Blogpost Titels, den ich sehr genoss:

Rebels with a cause, abgeleitet von Jon Spurlings: Rebels for the cause.

Andreas Bock fragte sich in der genialsten aller 11Freunde Sonderausgaben warum dieser Buchtitel nicht in Anlehung an Arsenals Klub Slogan ( „Erfolg durch Harmonie“) geändert wurde. Zum Beispiel in: „Erfolg durch Chaos“

Eine durchaus berechtigte Frage, die gleichzeitig ein Titel für unsere Strategie sein könnte.

Und das führt uns wieder zum Ursprung des Blogposts.

Die Strategie.

Ja, wir werden alle Stadien der ersten, zweiten und dritten Liga abtingeln.

Ja, es ist mir völlig egal, wenn ich dann eine Dauerkarte für den SV Sandhausen kaufen muss.

Ja, ich habe leicht reden, was Sandhausen betrifft, da es relativ unwahrscheinlich ist.

Ja, dazu wird sich noch das ein oder andere Stadion im Ausland gesellen.

Ja, die Festivals werden von Jahr zu Jahr größer werden.

Das Projekt dient allerdings kaum noch zum Erlernen und vermitteln von Emotionen.

Dies gelang auf zwei Festivals bsiher schon deutlich besser als auf allen Fußballspielen zusammen. Vielleicht ändert sich das , wenn der Sohn seinen Verein gefunden hat. Vielleicht auch nicht. Vielleicht findet er auch keinen Verein. Vielleicht will er auch gar keinen Verein finden.

Sohn würde sagen: „Ist mir Latte!“

Ich bin auf der Suche.

Auf der Suche nach Lösungen für gefühlt 8576 verschiedene Probleme und in diesem Umfang ist es normal, dass man eventuell 25.000 verschiedene Ansätze ausprobiert und antestet. Hätte ich mehr Zeit könnte ich jeden Abend unproblematisch einen üppigen Blogpost füllen, was wir heute probiert und geschafft haben, was ich getestet und wo ich versagt habe oder wo uns im Rahmen eines Miniprojekts alles um die Ohren geflogen ist. Es ist aber nicht so, dass wir strategisch eine Problemliste abarbeiten, sondern es scheint mir manchmal eher wie ein taktisch geprägtes Spiel, vielleicht wie Schach, mit einem Gegner auf Augenhöhe, der eigentlich kein Gegner ist , sondern der Mensch den ich am meisten liebe auf der Welt.

Die schönsten Momente sind aber weiterhin, die wo ich vergesse, was sein Problem ist und einfach akzeptiere, dass er damit zu 95 % kein Problem hat. Dies geht in fremden Umgebungen wesentlich einfacher, weil wir keinerlei nachhaltige Konsequenzen für ihn zu befürchten haben.

Im Rahmen unserer Aktivitäten kann ich den Sohn an Grenzen und darüber hinaus führen. Ich habe vom Asperger-Syndrom nicht mehr oder weniger Ahnung als einige von Euch, aber ich kenne meinen Sohn gut genug um zu spüren, was ihm gut tut, was ihm wichtig ist und was ihm Probleme bereitet. Ich setze ihn Problemen aus, wenn jegliche Form der Eskalation die geringste Belastung für das Umfeld darstellt. Es gibt nichts Praktischeres, als einen gepflegten Intensivausraster auf einem Campingplatz, wo uns kein Schwein kennt.

Dinge, die ihm gut tun setze ich auch schon mal ein, um gnadenlos egoistisch meinen Willen durchzusetzen oder ihn einer besonderen Herausforderung zu stellen.

So existiert seit einiger Zeit ein konkreter Vertrag mit dem Sohn. Er liebt Regeln, hasst es aber wenn diese nicht unmissverständlich kommuniziert sind. So war es leicht ihn von einem ausgeklügelten Regelwerk zu überzeugen.

Er bekommt einen grünen Klebepunkt , wenn ….

… er sich alleine duscht und sich die Haare wäscht.

… er mit seiner Schwester oder jemand anderem etwas teilt.

Er bekommt einen roten Klebepunkt, wenn …

… er sich im Falle eine Ausrasters nach dem Codewort „Frikadellenschnitzel“  sich nicht sofort beruhigt.

… er die Wörter „Arschloch“ , oder „Arsch“ benutzt.

Dies ist nur ein Auszug des Regelwerks, welches mittlerweile jeweils zehn Bedingungen umfasst und kontinuierlich wächst. Es gibt genau so viele Möglichkeiten rote wie auch grüne Punkte zu erhalten.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit für größere Projekte, wie zum Beispiel das erlernen einer Fähigkeit ( aktuell: Schuhe alleine binden) fünf grüne Sonderpunkte auf einmal zu erhalten.

Das Regelwerk, der aktuelle Punktestand, sowie der dazugehörige unterschriebene Vertrag hängen gut sichtbar für alle aus. Regelmäßig wird das Regelwerk um eine grüne und eine rote Bedingung erweitert.

Sind auf dem Punktekonto mehr rote als grüne Punkte werden die Tourplanungen und Stadionbesuche sofort auf Eis gelegt.

Gelingt es dem Sohn bis Ende des Jahres zwanzig grüne Punkte mehr zu holen als er rote Punkte bekommen hat fliegen wir im nächsten Jahr nach Barcelona ins Nou Camp.

Klingt fies und berechnend ist aber ungemein effizient. Der Sohn verweigert zwar weiterhin rigoros zum Beispiel das Teilen von Dingen, aber auch wenn es sehr lange dauert, duscht er zum Beispiel mittlerweile komplett selbständig was für meineFrau eine riesige Entlastung darstellt, wobei im Regelwerk natürlich abbrausen anstatt duschen steht, denn der Sohn duscht ja nie.

Letzte Woche duschte der Sohn übrigens sieben Mal an einem Tag. Die Regel hätte wohl etwas detaillierter erfasst werden müssen.

 

Zwei Dinge noch, bevor ich Euch in Ruhe lasse und meinen blasenbepackten Körper dann doch zu einem Doktor schleppe.

Meine hochgeschätzte, satzzeichenverteilende und mich korrigierende Twitterprinzessin, dessen Namen ich hier glaube ich nicht sagen darf,  befindet sich ebenfalls im Urlaub. Falls sich also jemand in jüngerer Vergangenheit über die Qualitätsschwankungen in Rechtschreibung und Zeichensetzung wundert. Das lag nicht an persönlicher Weiterentwicklung, sondern an tatkräftiger Unterstützung. Mein innerlicher Monk kommt aber auch mit dieser version gut klar. Sollte es jemanden geben, der jemanden kennt, der dies nicht zu Ende lesen konnte, weil ihm schlecht wurde anhand , der, ganzen, ! Satzzeichen, und ; Kommatatatasätzungs? und: Rechtsschreibungsfehler!, so fühle er sich frei, den Blogpost in Word zu kopieren, zu korrigieren und mir an die E-Mailadresse zu senden, die in meinem zu 90% korrekten Impressum zu finden ist. Es klingt vielleicht komisch, aber mich stören nicht die fehler, sondern eher, dass dies als mangelnder Respekt gegenüber dem Leser ausgelegt werden könnte. Dem soll nicht so sein.

Zudem möchte ich noch einmal ein klitzekleines Dankeschön an die Schalker Timeline auf Twitter loswerden. In dieser Woche ist der dritte Band der 1904 Geschichten erschienen, ein typisch schalkebeklopptes Projekt unter der Führung von Matthias Bergdörfer. Was es mit seinem Projekt auf sich hat erfahrt ihr hier.

Es ist mir eine Riesenehre als Nichtschalker mit  „Dschohnsi, Sohn Uschi und ich“ einen kleinen Teil zum 3.Band beitragen zu können. Der Blogpost ist durch Retweets und Weiterleitungen bei Matthias gelandet, der die Autoreneinnahmen eines jeden Bandes einem sozialen Projekt mit königsblauem Hauch spendet. Ihr könnt solltet müsst das Buch also kaufen ohne Angst zu haben, dass Ihr dem Deppen, der sich kalkweiß ohne Sonnencréme der prallen türkischen Sohne stellt die Reise ins Nou Camp finanziert.

Vielen Dank fürs teilen, loben, verbreiten, einstecken, zurückkloppen und dafür, dass dieser königsblaue Pöbel so ist wie er ist:

Ihr seid Könige im Herzen!

Mittlerweile gilt auch für mich auch als Nicht-Schalke-Fan:

„Mit ohne Schalke geht gar nich“

8 Gedanken zu „Burning Man

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  2. Pingback: Rebellensamba-Brasilien 2014 | Der Wochenendrebell

  3. Stefan

    Wir kommen aus dem Norden, wir rauben und wir morden, wir waschen uns nie – Sankt Pauli! (sind aber trotzdem nicht alles Autisten und gewaschen sind sie hoffentlich auch zum größten Teil)

    Vermutlich wird er darauf hinweisen, dass Freundschaften für Aspies einfach keinerlei Bedeutung haben und deswegen auch der Sohn keinerlei Interesse hegt Freunde zu finden.

    Hm, nein, das werde ich nicht. Schon gar nicht so verallgemeinernd, sondern nur auf mich selbst bezogen. Ich weiß, ich schrieb es auf mich selbst bezogen so, aber je länger ich drüber nachdenke, desto weniger würde ich das so schreiben, jedenfalls nicht in dieser Absolutheit. Zumindest ganz früher galt das für mich nämlich nicht zur Gänze – während der Grundschule bspw. hatte ich durchaus noch (auch aktives) Interesse daran, Freunde kennenzulernen, und im Kindergarten hatte ich auch wirklich welche und wurde sogar ein ganzes Mal zu einem Geburtstag eines anderen Kindes eingeladen. 😉 Uhm. Geburtstage feierte ich aber eh immer nur im Kreis der Familie, das eine Mal, wo ich mal ein paar Leute einlud, war die Zeit, als ich ein Mailbox- System betrug, wo ich meinen Geburtstag mit einem Usertreffen der BBS verband- das war aber eher ein- naja- Reinfall.

    Nach einem Schulwechsel, ich glaube, das muss zwischen der 6. und 7. Klasse gewesen sein, hatte ich dann wirklich kein nennenswertes Interesse mehr an Freunden, jedenfalls nicht in der Art von Freunden, die „Normale“ als Freunde bezeichnen würden. Mir reichten „Bekanntschaften“, oder Leute, mit denen ich bestimmte Tätigkeiten gemeinsam machen konnte. Das tue und tat ich dann, wie schon geschrieben, auch. Aber außerhalb dieser bestimmten Sachen traf und treffe ich mich dann nicht mit denen.
    Freunde während der Schulzeit waren zum Beispiel diejenigen, die mir irgendwelchen Schulstoff besser erklären konnten wie der Lehrer, mit denen traf ich mich dann, um genau das zu machen. Genauso auch anders herum, die kamen zu mir, damit ich ihnen meinerseits was erklären konnte. Aber man ging nicht zusammen ins Kino, in die Eisdiele oder was auch immer, denn dazu gab es keine Veranlassung, denn das konnte ich genauso gut auch alleine nur für mich und nur mit mir tun, ohne deren Begleitung. Für das Erlebnis Kino- Blockbuster brauchte ich die nicht, denn da wollte ich eh den Film (und die Werbung, hehe) sehen, und ständig herumquatschende Klassenkameraden etc. hätten mich da eh nur bei gestört. In der Eisdiele schmeckt das Eis genauso gut, wenn man es alleine isst… :> Und da ich mir zu dem Zeitpunkt eh schon deutlich bewusst war, dass ich irgendwie anders war wie andere in meinem Alter (aber den Grund noch nicht kannte, da haben es die heutigen Kids echt etwas leichter, jedenfalls in diesem Punkt…), nahm ich es nicht allzu tragisch, dass andere an mir genauso wenig Interesse hatten- sondern hielt es für eher normal, genauso normal wie den Umstand, dass man sich eben nur dann trifft, wenn man was bestimmtes _gemeinsam_ machen will, weil es alleine eben nicht möglich ist. Siehe das Schulstoffbeispiel versus das Beispiel mit dem Kinobesuch. Och menno, und wieso kriege ich es eigentlich nicht hin, ohne solch Megasätze über einen kompletten Absatz auszukommen? Weil ich immer wieder noch was einschieben muss, was mir auch noch im Kopf herumschwirrt, glaube ich…

    Warum sind das zwei Postkarten?

    Ähm, das hätte mich aber jetzt auch irritiert. Waren die denn beide beschrieben? Und wenn ja, warum wurden die nicht leer geschickt, und stattdessen dann ein Briefpapier genutzt?

    Ist das Hörspiel geschenkt oder geliehen?

    Finde ich jetzt auch erst mal eine ziemlich naheliegende Frage?! Hast du da wieder 😉 was wichtiges verschwiegen, was man zum besseren Verständnis wissen sollte?

    Ihm ging es um das zurück geben, was er nun für notwendig, höflich, ratsam oder vielleicht auch für eine lästige Pflichterfüllung gegenüber einem Fan hielt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau.

    ? Du schreibst doch selbst, dass er seine Sachen nicht gerne anderen verleiht. Da finde ich es naheliegend, wenn er dann seinerseits sicher gehen möchte, dass er den anderen möglichst nicht dadurch verärgert, dass er es möglicherweise einfach behält, obwohl derjenige es doch auch genauso ungerne wie er selbst verliehen hat.

    Obwohl er gerne mehr geschrieben hätte bestand seine Antwort aus zwei Postkarten, die ebenfalls thematisch, wie auch die erhaltenen zusammen passen. Er rang mit sich, weil er gerne noch etwas mehr mitgeteilt hätte, aber es passte eben nun mal nicht mehr auf die Karte ohne die vorgedruckten Linien zu überschreiben.

    Süss. Vorgedruckte Linien bei Postkarten? An die muss man sich natürlich halten, sonst wären sie ja nicht aufgedruckt worden. 😉
    Aber ich seh schon, du willst auf einen ganz anderen Punkt hinaus…:

    Mehr Probleme machte ihm die Hörspiel CD. Ich habe seine Frage zum Status der CD, ob er diese nun geliehen bekommen hat oder geschenkt, bewusst nicht beantwortet

    Hm. Gemein.

    und ihm empfohlen den Adressaten seiner Postkarten selbst zu fragen. Er verweigerte dies

    Ja. Weil das nicht Teil der ihm bekannten Spielregeln ist. Weil das etwas ist, was eigentlich geregelt sein sollte, bevor man etwas an jemand anderen verschickt, was vermutlich dem Absender etwas wert war.
    Er weiß, dass der Absender davon ausgeht, dass er selbst es automatisch wissen würde, ob sie geliehen oder verschenkt seien, oder aber das du es ihm erzählen würdest, weil du es weist. Der Umstand, dass das nur der Absender weiß, ob er das Hörspiel zurückhaben möchte, das aber keinem anderen mitgeteilt hat, ist klar erkennbar unlogisch. Und damit nicht aspiekompatibel. Niemand verschickt einfach so ein Hörspiel, ohne Angaben dazu zu machen, ob er es verschenkt oder wieder haben möchte.
    Fragt er nun jedoch beim Absender nach, macht er damit dann aber deutlich, dass er es eben nicht weiß, und das er es auch nicht geschafft hat es herauszufinden, ohne den Absender zu fragen. Warum sollte er sich dieser „Blöße“ hingeben, dass er so eine elementare Info nicht aus seinem Vater herausgepresst bekam? 😉 Dann lieber erst mal gar nichts machen, dann kann man im Zweifelsfall immer noch sagen, dass man ja von Anfang an wusste, dass das _natürlich_ ein Geschenk war (oder ersatzweise natürlich eine Leihgabe, die man auch zurücksenden würde, aber sie eben noch nicht komplett gehört hätte)…

    und versandte bisher auch nicht die Postkarten.

    …weil _dann_ ja möglicherweise die Nachfrage käme, wieso er denn nicht auch das Hörbuch zurückgesendet hat, denn es sei doch klar gewesen, dass das nur geliehen sei. Oder- bezugnehmend auf einen älteren Artikel- wieso er sich nicht für das Geschenk bedankt hätte. Aber solange er die Postkarten dann nicht zurücksendet…

    Offiziell mit der Begründung er hätte auch etwas länger auf die Karten gewartet und kann deshalb ja nicht so schnell antworten.

    Ich persönlich glaube jedoch er kämpft innerlich noch mit der CD. Er würde gerne etwas zurückleihen oder schenken.

    Klar. Er macht genau das, was man als Aspie halt so macht- man instrumentalisiert seine „Freunde“ und teilt sie in Interessensgruppen ein, in Gemeinschaften, mit denen man etwas ganz bestimmtes macht. Dieser Freund, Fan or whatever ist dann halt einer, mit dem er Hörbücher und Postkarten austauscht (und sonst nix).
    Insofern: Klar will er was zurücksenden, es gibt eben kein „nur mal so miteinander treffen“, sprich, ein „schickt sie dir nur, erwartet dann aber keine gleichartige Gegenleistung von ihm“ ist perse erst einmal ein wenig suspekt. Da fragt „man“ sich dann halt, was derjenige denn damit bezwecken möchte, warum er das tut, was er damit erreichen möchte. „Mir einfach eine Freude machen“ ist bei dem dann einsetzenden Gedankenspielen (vergl. meinen Kommentar zum Krieg im Kopf- Artikel und dem Weg zum Briefkasten) halt ein kleines bisschen sehr kurz gedacht- zu kurz für einen Aspie, der überlegt sich dann eher etwas mehr als bloß so einen banalen Grund wie „will mir eine Freude machen“.

    Grundsätzlich ist sein Eigentum aber nicht gedacht um es zu teilen, zu verleihen oder zu verschenken. Gleichzeitig verwehrte ich ihm aber von meinem geld etwas zu kaufen, bot ihm aber widerum an ihm Geld zu leihen.

    Um Himmels Willen, Eltern können aber auch unendlich kompliziert sein. Dir ist schon klar, was du damit in seinem Kopf verursachst, wenn du ihm deinerseits nun etwas leihst, damit er jemand anderem etwas leihen kann, weil derjenige ihm etwas geliehen hat?
    Herjeh! Krieg im Kopf, der vielleicht ja anhand des vorhergehenden Satzes deutlich wurde… Willst du das wirklich so? Dann wundere dich aber doch nicht, dass die Entscheidungsfindung, ob er auf dein Leihangebot einfach so eingehen kann eine etwas länger dauernde Nachdenkensphase benötigt. Kriegt er Taschengeld? Dann sag ihm lieber, dass er dafür sparen soll (und auf die Karte noch dazuschreiben soll, dass der Empfänger doch noch etwas Geduld mit der Einlösung von seinem Teil des Tauschgeschäftes haben soll, hehe). Nein, ihm etwas zu leihen, damit er sich für etwas geliehenes mit einer Leihgabe bedanken finde ich keine wirklich gute Lösung. nicht im Sinne eines Kopfes, in dessen Innerem gerade eine wilde Schlacht zwischen verschiedenen Gedanken tobt. 😉

    Vermutlich können mir 70% der Leser, die jetzt noch ausharren und auf eine lustige Fäkalgeschichte oder ähnliches warten, nicht mehr folgen, aber er erlernt aktuell Schritt für Schritt und ganz behutsam, was Freundschaft in kleinem Umfang auch bedeuten kann. Vielleicht etwas materialistisch angehaucht, aber es ist definitiv ein großer Schritt für ihn. Natürlich hat es nichts mit Freundschaft zu tun sich gegenseitig Geschenke zu machen, aber es bedeutet in jedem Fall, dass es etwas ist was auf Gegenseitigkeit beruht, dass zum Nehmen auch geben gehört, und dies auch ein großer Unterschied zum Fantum ist und dies etwas ist was ihn an Grenzen und darüber hinaus führt.

    Mag sein, dass er das lernt. Mag aber auch sein, dass du gerade lernst, wieso Freundschaften bei Aspies etwas anders funktionieren wie bei NTs? Er führt dir doch gerade wunderbar vor, dass es so was wie „einfach nur Freunde sein, ohne jedes Nehmen direkt mit einem Geben beantworten zu müssen“ halt in der Form nur sehr selten bei Aspies gibt (Achtung, wenn ich so verallgemeinernd schreibe, schreibe ich dennoch ausdrücklich immer nur von meinem eigenen Hintergrund ausgehend. Ich werde keine Studien oder sowas für meine Annahmen vorlegen können, die das geschriebene bestätigen, hehe). Ist es nicht gerade auch das, was Freundschaften auszeichnet? Hatte ich bisher jedenfalls so verstanden, aber vielleicht habe ich diese Lektion bisher auch noch nicht verstanden, möglich wäre es ja.
    Aber wolltest du ihm nicht gerade das Gegenteil davon beibringen, eben das es bei den NTs bei Freunden eben doch genau jenes gibt, dass man eben nicht eins zu eins austauscht? Ich glaube, dann befindest du dich gerade auf dem Holzweg direkt in eine Sackgasse. In der wird dein Sohn sich wohl fühlen, keine Frage. Diese Art von Freundschaft folgt klaren Regeln, nämlich denen, dass ein Geschenk auch irgendwas zurück zu geben erfordert. Die Frage ist halt, ob das wirklich das von dir angestrebte Ziel ist, was du beim Vermitteln der Vorteile einer Freundschaft tatsächlich anstrebst. Dein Blogpost liest sich eher so, als wolltest du ihn in die Richtung einer „neurotypischen Freundschaftsausübung“ stubsen- dann wäre aber die richtige Variante, dass du ihm eben kein Geld leihst, damit er sich für das Geschenkt/ die Leihgabe „revanchieren“ kann, sondern ihm vermittelst, dass es vollkommen in Ordnung ist, ein Geschenk nicht mit einem Gegengeschenk zu beantworten- jedenfalls nicht direkt. Vermittel ihm, dass das Zeit hat, dass es nicht etwas gleich wertvolles sein muss (im Sinne von Geldwert, Zeilenanzahl, …) sondern das es in Ordnung ist, wenn das eben auch ein andern mal erfolgen kann. Vielleicht erst in einem Monat, vielleicht auch erst in einem Jahr- und auch durchaus in Dingen wie „Zeit für den anderen“ oder „ein offenes Ohr haben“ „abbezahlt“ werden können, also einer komplett anderen Währungsart. Ja, vielleicht ist es hilfreich, ihm das mit verschiedenen Währungen nahezubringen. Ihm zu sagen, dass der Ami mit $ bezahlt, der deutsche mit €, dass beides wertvoll ist, obwohl es im jeweiligen Land nicht unbedingt sofort bei jedem Bäcker bereitwillig angenommen wird. Aber bei Einrichtungen (aka Freunden), die etwas damit anfangen können eben doch wertvoll sein kann (wie die Zeit, die er dann vielleicht im Tausch gegen das Hörbuch mal für den Freund aufwendet, eben eine andere Währungsart, eine andere Bezahlmethode, ein anderer Ausgleich, ein Tauschobjekt).

    Die schönsten Momente sind aber weiterhin, die wo ich vergesse, was sein Problem ist und einfach akzeptiere, dass er damit zu 95 % kein Problem hat.

    Das finde ich einen schönen Satz. Sehr schön. Und eigentlich auch ziemlich das entscheidendste – du schriebst ja schon mal, dass er dir die beiden Dinge benannte, die ihm selbst am meisten stören- bei mir sind es auch eher wenige Dinge, die mir an meinem ASS missfallen. Da es, speziell in den Medien, immer wieder erwähnt wird: Ich stehe irgendwelchen „Therapien“ sehr skeptisch gegenüber. Ich weiß, dass der Große zu einer Therapie oder so was geht, schriebst du irgendwo, aber für mich kommt so was einfach nicht in Frage. Ich will nicht „normal“ sein. Ich wäre dann nicht mehr ich selbst. Und mit den paar Dingen, die mich wirklich stören, habe ich im Laufe der Jahre leben gelernt. Mehr oder weniger gut. Ich glaube nicht, dass mir dabei ein Therapeut hätte helfen können, denn denen fehlt es zumeist ohnehin in den Einblick, den ich selbst in mich habe. Die denken einfach anders…

    Es gibt nichts Praktischeres, als einen gepflegten Intensivausraster auf einem Campingplatz, wo uns kein Schwein kennt.

    Auch wenn ich sonst niemanden umarme und mich hüten würde, es bei dir in der Realität zu versuchen – aber fühl dich einfach mal für diese Worte ordentlich durchgeknuddelt.

    Er bekommt einen roten Klebepunkt, wenn …
    … er sich im Falle eine Ausrasters nach dem Codewort „Frikadellenschnitzel“ sich nicht sofort beruhigt.

    HUCH! _DAS_ funktioniert?! Darf ich fragen, wie viele Punkte er in dieser Disziplin in welchem Zeitraum gesammelt hat? Und wie viele das entsprechende Pendant zu dieser Regel (es gibt doch eines, oder?)?
    Ich gehöre nicht zu der Art von Aspies, die zu Ausrastern neig(t)en, aber in den Momenten, in denen ich mich mit meinen Eltern so richtig gezofft habe oder in denen ich „meine drolligen fünf Minuten“ gehabt hatte, hätte ein Codewort _niemals_ geholfen. Ich hätte es ja nicht einmal wahrgenommen, geschweige denn in diesen Momenten verarbeiten und darauf angepasst handeln („funktionieren“ liegt mir da fast auf der Zunge) können, wie denn auch? Ausrasten und (eigenes Handeln oder die Bedeutung eines Codeworts) reflektieren passt doch nun so gar nicht zusammen.

    Ansonsten finde ich die Idee mit dem Punktekonto aber super, aber genauso natürlich auch die Reaktion mit dem sieben Mal pro Tag duschen – ihr lernt in gewisser Weise halt beide voneinander, hehe, ganz im Sinne von genauen Zielvereinbarungen, hehe. Hm. Ich könnte, glaube ich, jetzt auch mal einen Punkt gebrauchen, meine Haare müssten auch mal wieder gekürzt werden, habe ich, glaube ich, nicht mehr, seit du hier bei uns warst.. – und waschen könnte ich sie auch mal wieder (aber das letzte Mal davon ist noch nicht so lange her, lol).
    Oder wenigstens nen Fleißpunkt für den mal wieder tierisch langen Kommentar. Nehme meine Punkte auch gerne gebündelt an. Gerne auch am Freitag. Ich putz mir jetzt auch gleich noch die Zähne, dann hätte ich jetzt ja drei Punkte für den #fcsp zusammen (Kommentieren, Haare waschen und kürzen, und dann auch noch Zähne putzen, man, was bin ich gut heute Abend)

    Vielleicht findet er auch keinen Verein. Vielleicht will er auch gar keinen Verein finden.
    Sohn würde sagen: “Ist mir Latte!”

    Nichts da! So ja nun nicht. Erst die Leser heiß auf den Bericht vom Besuch beim Nou Camp machen (und ich bin überzeugt, dass er die Punktzahl dafür erreichen wird, ohne zu wissen, wie viele davon noch fehlen). Alleine schon, weil ich es so will. Sag ihm das. Ich will den Bericht lesen! Einfach, weil ich da selbst nie hinkommen werde. Jedenfalls nicht mit meinem Lieblingsverein. :-> Und auch wohl sonst nicht..

    Also – weiter machen! 😉

    Antworten
  4. Anita

    Erst mal gute Besserung! 😉

    Und dann (nein ich bin gewiss keine ausgewiesene „Expertin“ in Sachen Autismus, „nur“ Mutter von 2en und 2er autistisch anmutenden Mädchen) möchte ich Dir meine Hochachtung aussprechen für Deinen Mut und Deinen Übermut!!!

    Und damit tust Du Deinem Sohn was Gutes. Er wird (und hat bestimmt schon) Dir seine Grenzen deutlich aufzeigen. Aber wenn Du ihm irgendwas beibringen kannst, dann JETZT!

    Solange eben noch keine Verletzungen und Beschämungen durch irgendwelche Klassenkameraden vorhanden sind!

    Und zum Thema Freundschaft:

    mein Großer sagt eindeutig, dass er sich so etwas wie Freundschaft wünscht. Um eben einen altersentsprechenden Gesprächspartner haben zu können. Eltern sind nämlich von Natur aus doof! 😉 Es fällt ihm nur unglaublich schwer, jemanden zu finden, der so zuverlässig ist, wie er es erwartet. Er investiert noch Kraft und Zeit hinein. Aber es frisst seine Energiereserven. Und mit jeder Enttäuschung wird die Frustrationsgrenze kleiner. Der Moment des Nicht-Mehr-Aushalten-Könnens kommt immer schneller.

    Er merkt immer mehr seine „Andersartigkeit“. Beim Kleinen kann ich beobachten, dass das Thema Freundschaft noch mit mehr Freude angegangen wird. Aber auch hier kann ich erleben, wie die Frustrationsgrenze sinkt.

    Dein Punkteliste finde ich gut. Nutze sie, solange er es zulässt! Eben wie oben, solange er lernen kann darüber, gut so!

    Mit der geschätzten Zahl von Problemen bist Du noch gut bedient. Sie werden evtl. weniger, dafür intensiver. Und leider nicht mehr so einfach lösbar.

    Ich denke, als Eltern von autistischen Kindern braucht man auch nicht zwangsläufig ein „Experte in Sachen Autismus“ zu sein, sondern muss sich in der Hauptsache auf sein Kind einlassen und manchmal muss man das Kind auch einfach nur Sein lassen.

    So oft ich denke, ich hätte bei meinen Kindern „nichts“ erreicht, so oft erstaunen sie mich, was doch alles „hängengeblieben“ ist und wieviel Empathie ihnen innewohnt. Diese zeigt sich „anders“ (mehr lösungsorientiert) ist aber viel effizienter und erträglicher als ein „in den Arm nehmen“.

    Auch finde ich den Gedankengang Deines Sohnes zum Thema „Geschenke erwidern“ sehr gut. Bei meinen Kindern kann ich praktisch die Gehirnwindungen „rattern“ sehen, wenn sie etwas bekommen haben. Nur „unnütze“ Post (Geburtstagskarten usw.) werden als lästig „abgelegt“ und konsequent ignoriert.

    Also, was bleibt …………………… ich möchte Dir Mut zu Deinem Mut und Übermut zusprechen. Hoffe mit Euch, dass Ihr die Augen für Lösungen offen habt und weiter ungewöhnliche Wege geht. Denn die Wege mit autistischen Kindern sind alles, nur nicht „gewöhnlich und geradeaus“. Sie sind „krumm, gehen Umwege“, geraten in den Augen von „Norm“alos auf Abwege usw. usf. Aber manches Ziel lässt sich anders einfach nicht erreichen.

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    1. Stefan

      mein Großer sagt eindeutig, dass er sich so etwas wie Freundschaft wünscht.

      Ohne es zu wissen: Ich schätze deinen Großen auf ungefähr 11, vielleicht auch 12 Jahre. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn dem so wäre…
      Was pflege ich da meist zu schreiben?
      In jüngeren Jahren wünscht man sich Freundschaften, scheitert aber dann an den sozialen Regeln, die dafür erforderlich sind, weil man diese sozialen Regeln bisher nicht gelernt hat. Wenn man diese Regeln im Erwachsenenalter dann endlich mehr oder weniger verstanden hat, fehlt das Wissen darüber, wie man es denn anstellen soll, neue Freundschaften aufzubauen, denn ein entsprechendes Training während der Jugend scheiterte halt häufig an ersterem.

      Es fällt ihm nur unglaublich schwer, jemanden zu finden, der so zuverlässig ist, wie er es erwartet.

      Tja, das mit der Verschwiegenheit ist halt immer so eine Sache, man offenbart u.U. ja halt eine ziemlich verletzliche Seite von sich selbst… Der Punkt ist mir aber mittlerweile (in Bezug auf mein ASS) egal, sonst würde ich hier nicht in der Form kommentieren, wie ich es tue…

      Er investiert noch Kraft und Zeit hinein. Aber es frisst seine Energiereserven. Und mit jeder Enttäuschung wird die Frustrationsgrenze kleiner. Der Moment des Nicht-Mehr-Aushalten-Könnens kommt immer schneller.

      Ja. Freunde zu finden ist etwas, was ich als Arbeit bezeichnen würde. Nicht als das, was man als Spaß bezeichnen würde. Es ist unheimlich aufwendig, weil man aktiv aufpassen und überlegen muss, damit man es vermeidet, direkt wieder ins nächste Fettnäpfchen zu treten, etwas, was andere Gleichaltrige halt mehr oder weniger instinktiv beherrschen (also, das durch entsprechendes Verhalten zu vermeiden. Meistens jedenfalls).

      Er merkt immer mehr seine “Andersartigkeit”. Beim Kleinen kann ich beobachten, dass das Thema Freundschaft noch mit mehr Freude angegangen wird. Aber auch hier kann ich erleben, wie die Frustrationsgrenze sinkt.

      Deckt sich mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe.
      Bitte investiere all deine Kraft, deinen Kindern speziell die „sozialen Regeln“ beizubringen, ohne die wird so vieles andere so viel unheimlich viel schwerer, was andere intuitiv machen. Dieses dort ständige scheitern kostet einfach so unnötig viel Kraft, die dann halt bei anderen Dingen wie dem Aufbauen eines Freundeskreises (jedenfalls eines kleinen) fehlt. ;-( Auch wenn Mutti bei bestimmten Gesprächen natürlich einfach doof ist – aus dem Alter kommen Kinder irgendwann heraus, das ist eine Phase – aber aufgrund des missachtens von sozialen Regeln wegbrechende Freundschaften fehlen einem auch als Erwachsener in gewisser Weise, mit einem Alter, in dem man so unendlich viel mehr mit der eigenen Mutter besprechen kann, was als Kind alles noch nicht ging… und ich muss mich immer wieder zwingen, meine wenigen echten Freunde wenigstens gelegentlich wenigstens mal anzurufen und mich nach deren Befinden zu erkundigen, auch wenn ich ansonsten nichts weiter „wirkliches“ von ihnen möchte- und mich eben nicht nur dann bei denen zu melden, wenn ich was bestimmtes von oder mit denen erreichen möchte. Eine soziale Regel, an deren Erlernen ich noch heute, mit langsam an die 4x rangehenden Lebensjahren mehr oder weniger hart zu knabbern habe… (so, nun aber wirklich duschen, zähne putzen, haare waschen und dann noch „schnell“ den neuesten Blogartikel hier lesen- und vielleicht ja auch wieder „kurz“ kommentieren)

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      1. Anita

        Danke für Dein Rückmeldung und Analyse. 🙂

        Mein Großer ist 17 und der Kleine 6.

        Bei beiden arbeiten wir mit Schulbegleitung, weil eben Mama NICHT in der Schule ist, um die sozialen Fallstricke frühzeitig übersetzen zu können. Es geht so oft erst im Nachklapp. Wochen später. Setzt sich wie ein Puzzle aus diversen „Bröckchen“ (Kommentaren) zusammen, dass es ungemein schwierig ist, die jeweilige Situation überhaupt zu erfassen.

        Da ich aber mich selber irgendwo im Spektrum vermute und selber nur über die Analyse und mit Abstand die Dinge verstehe, ist das mit dem „Simultan-Übersetzen“ mal gar nicht so einfach. Es funktioniert nur über Abgleich erlebter Phasen, gelesener Situationen und oft durch Rücksprache mit mir bekannten Autisten. Weil auch hier jeder einen anderen Blickwinkel einnimmt. Und erst durch die Sicht vieler auf die Dinge, die passiert sind, ist es überhaupt möglich, dass „Puzzle“ zu vervollständigen und zu analysieren und ganz evtl. ein Gespräch darüber zu führen.

        Der Punkt, wo Eltern als Gesprächspartner wieder „zählen“ ist meines Erachtens erst mit Mitte 20 wieder erreicht. Dazwischen hoffe ich auf gute Momente, wo mein Gesagtes einen Zugang zu ihm findet.

        Nochmal Danke und eine Punkt 😉 für Hilfeleistung. Denn auch Dein Kommentar wird zu meiner Lebenserfahrung hinzugefügt und wird sehr wahrscheinlich als Abgleich dienen, bei auftretenden Schwierigkeiten.

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  5. heinzkamke

    Nun, äh, wie soll ich sagen, ich befürchte, Dich enttäuschen zu müssen: die „Rebels with a cause“ hatten nichts mit Arsenal zu tun. Sie bezogen sich auf James Dean.

    Danke für die vertieften Einblicke, speziell für die Ausführungen zu Deiner bzw. Eurer Herangehensweise an das Thema Freundschaft.

    Ach, und gute Besserung. 🙂

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  6. Carlito

    Sehr lesenswert! Und es geht mir echt das Herz auf, wenn ich Deine Berichte zu Euren Projekten und zum Umgang mit Eurem Sohn usw. lese. Es hilft, die Verhältnismäßigkeiten bzgl. der „Problemchen“ der eigenen kleinen Familie gerade zu rücken! Danke dafür!

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