Bye bye Bayern!

Ich hatte es befürchtet, aber der Doktor , den ich dazu befragte, obwohl ich ihn eigentlich nur wegen meiner Erkrankung aufsuchte, bestätigte mich.

„Es schlagen keine zwei Herzen in Ihrer Brust“

Welch Schock.

Ich konnte somit nicht gleichzeitig Fan des FC Bayern München und  von der Fortuna aus Düsseldorf sein. Ich ahnte es schon länger , hatte aber nun die finale ärztliche Bestätigung.

Ich denke man konnte  diesem Doc trauen.

Es gelang ihm schließlich auch meinen tödlichen Ebola-Virus in einen einen „kleinen viralen Infekt“ zu verwandeln.

Ich wies ihn sicherheitshalber auf die außerordentliche Größe meines Herzens hin und den vielen Platz , den ich dort bereits Menschen einräumte. Doch Monsieur Docteur riet mir dringend davon ab mein Herz einer chirurgischen Teilung zu unterziehen.

Ein Herz. Ein Verein.

Wie schon gesagt ich war mir sowieso nicht mehr sicher ob der FC Bayern meine Ansprüche als Fan erfüllt.

Ein echter Fan muss ja in emotionaler Beziehung zu seinem Verein stehen. Eine emotionale Beziehung wiederum ist kein eindimensionales Konstrukt, sondern ein innig verwobenes Gefühlslabyrinth, mit Bergen, Tälern  und  schmerzhaften Hindernissen und vielfältigsten Achterbahnähnlichen Taumeleien von Frust über Verzweiflung zu bedingungsloser Liebe und wieder zurück. Man weiss nie so genau was einen hinter der nächsten Ecke des Labyrinths erwartet.

Wie viele Emotionsschichten verbirgen sich eigentlich zwischen dem völlig überraschenden Gewinn der Championsleague und dem unerwarteten Absturz in die 3.Liga.

Millionen hauchdünn geraspelte unterschiedliche Schichten ?

Egal, denn diese Frage ist fast schon unseriös. Jedes Team hat eigentlich seine Range, eine Bandbreite an Tabellenplätzen in der man sich in aller Regel aufzuhalten hat.

Traurig , ist aber so.

Bewegt sich der Verein innerhalb dieser Range so ist die Anhängerschaft zufrieden, gibt es Ausreisser nach unten oder bewegt man sich dauerhaft im unteren Segment dieser Bandbreite so ist die Stimmung im Fanlager dementsprechend schlecht.

Wagt es ein Verein gar die untere Grenze seiner Range dauerhaft zu verlassen so drohen Revolten, Aufruhr und Boykott.  Bricht aber ein Verein nach oben aus seinem ihm vorgegebenem Rahmen aus gerät der Fan zeitweise in völlige Ekstase.

Gut, es gibt auch Städte wie Köln und Berlin , wo jeder kurzzeitigste Ausbruch nach oben ausreicht um den gerade mühsam erklommenen Platz sofort als neue Untergrenze zu definieren und die Bandbreite nach oben in galaktische Sphären zu hieven, aber um diese Vereine soll es ja nicht gehen.

Es geht um MEINEN FC Bayern.

Es war tatsächlich Uschi, die mich hinterfragen ließ ob da noch so alles intakt läuft in meiner Beziehung mit dem FC Bayern. Es waren nicht Ihre königsblauen Reize, sondern es war Ihr Umgang mit Ihrer Beziehung. Ein ganz normales Bundesligaspiel. Es gab nur 3 Punkte. Der Gegner war spielerisch unterlegen. Es war nur eine Frage der Zeit bis man ihn bezwungen hatte. Der Gegner hatte bisher auswärts nichts geholt. Und trotzdem litt Uschi nach dem 1-1 als würde in diesem Spiel entschieden werden welcher Verein ab morgen aus der Bundesliga direkt in die Kreisklasse D absteigen müsste.

Hatte ich jemals so intensives Miterleben bei MEINEM FC Bayern?

Ich habe einige Tage gebraucht um das Erlebte zu verstehen und meine bisherigen Fanerlebnisse , meinen Umgang mit Erfolg und Misserfolg des FC Bayern zu reflektieren.

Das Ergebnis machte mich traurig.

Fast jeder Verein der 1 und 2. Bundesliga hat eine Bandbreite zur Verfügung , die eine Vielzahl an Emotionen erlaubt. Man nehme den HSV, Schalke 04 oder auch den SC Freiburg. Eine Bandbreite umfasst im Normalfall  minimum 4-6 Tabellenplätze, ggf. auch Liga übergreifend.

Zusätzlich spielt dann aber die Attraktivität des gezeigten Fussballs eine entscheidende Rolle.

So weiss man in Hannover (zufällig gewähltes Beispiel)  die Attraktivität des durchs eigene Team gespielten Balles zu schätzen und toleriert vielleicht auch eine Saison ausserhalb des internationalen Geschäfts, also am unteren Rand der Bandbreite.

Oder beim VFB Stuttgart, wo sich vielleicht eine der grottigsten Rückrunden vergangener Jahre sich hinter Pokalerfolgen auf nationaler oder internationaler Ebene verstecken darf.

Das was ich in Schalke erstmals so intensiv erleben durfte war quasi die erhöhte Sensibilität des Fans beim gratwandern auf Bandbreitengrenzen.

Aber wie ist das bei meinem FC Bayern?

Größte Fanbase Deutschlands?

Rekordmeister der Rekorde.

Explodierende Mitgliederzahlen.

Alles noch imposanter.

Alles dadurch noch gefühlsintensiver?

Nö.

Die Siege langweilen mich, da sie Folge großartiger Investitionen sind. Man kann doch nicht feiern, wenn man einen deutlich Schwächeren besiegt hat. Man hat doch dann nur seine sportliche Pflicht erfüllt.

Leidenschaft.

Eine Währung, die anscheinend auf keinem Festgeldkonto liegt.

Die Bandbreite des FC Bayern ist gleich Null. Normalität ist die deutsche Meisterschaft.

Normalität mit Stern wäre das Double. Es sei denn der BVB holt die Champions League in diesem Jahr. Dann ist pöltzlich selbst ein Double wertlos.

Ausgelassene Freude herrscht dann eventuell beim Triple.

Dauerhafter Ausbruch nach oben ?  Unmöglich oder dann einfach entsetzlich langweilig.

Ausbruch nach unten? Gefühlt alles was nicht Platz 1 ist.

Dies ist bei näherer Betrachtung eine mittlere Katastrophe.

FC Bayern Fans genießen vielleicht. Eventuell ärgert man sich auch über schlechte Spiele , ist wütend, regt sich auf, ist traurig.

Aber leiden? FC Bayern Fans leiden nicht.

Diese Problematik nimmt aktuell Auswüchse, die mir gelinde gesagt fürchterlich auf die Eier gehen.

Der FC Bayern hatte am vergangenen Wochenende ein unerwartet aufregendes Spiel abzuliefern.Während die bajuwarische Presse Tipps veröffentlichte was man alles während des Spiel erledigen könnte, ging es auch in den sozialen Medien lediglich um die Höhe des Sieges, den errechneten Meistertermin, die fehlenden Punkte zur Punkt-Tor-Sieg-Wenigste Gegentor-Keine Ahnung -Rekord-Meisterschaft, sowie der Vergleich der Follower-Anzahl zwischen dem FCB und dem BVB bei Twitter.

Und weil das nicht schon traurig genug ist , ist das Hauptthema der Bayernfans nach Spielende die  Niederlage der Dortmunder Borussen und die Tatsache, dass kein Spieler und kein Verantwortlicher dazu Stellung beziehen wollte.

Ich sag´s ja nur ungern. Aber selbst ohne Gegentore und mit 34 Siegen kann niemand die letzten zwei Jahre ungeschehen machen. Die lassen sich auch nicht wegkaufen. Das waren Effizienzmeisterschaften der Dortmunder Borussen. Meisterschaften, die nicht auf dem mit Abstand höchsten Lizenzspieleretat basierten.

Unholbar für den FC Bayern.

Mit Spieleretats weit oberhalb aller nationalen Mitbewerber holt man logische Meisterschaften.

Bayern Fans leiden nicht.

Und lasst uns bei Leiden bitte nicht von 3 oder 4 Spielen ( Madjer, Sloskjaer, Drogba)  in zwanzig Jahren FC Bayern sprechen.

Vielleicht wurde „gelitten“, beim DFB Pokalfinale, als man laut Fipsi Lahm eigentlich die bessere MAnnschaft war und trotzdem…..

 

Bitte.

Man kann die Eingangsfrage natürlich weiter spinnen.

Wenn „Fan sein“ eine emotionale Bindung voraussetzt, man mit dem FC Bayern aber gar nicht die volle Bandbreite an Emotionen erleben kann, dann ist der Begriff „Bayern-Fan“.

Spinnt dazu Eure eigene Story weiter. Mir ist es ehrlich gesagt auch egal.

Wäre  es unfair die Fortuna mit dem FC Bayern zu vergleichen ?

Titel. Erfolge. Siege ohne Ende. Tore. Geile Transfers.

Und auf der anderen Seite :

Konzeptfu.. , äh,… Fortuna Düsseldorf.

Aber hey!

Deutscher Meister 1933.

Ich kann auch gar nicht so richtig sagen warum es so ist wie es ist, aber die Katemann Einwürfe haben mich tatsächlich schon immer mehr beeindruckt als die Basler Freistöße und das linke Bein von Baffoe habe ich wenn auch über Umwege schließlich mitfinanziert.

Fortuna hat Style. Einen Style , den ich mag.

Für mich war und ist die Fortuna Mischung aus erfolgsorientiertem enorm effizienten Kampffussball und einer kreativ-loyal-demütig-lautstärksten  Fanbase perfekt.

Und ja, es ist richtig. Wie eingangs erwähnt spielt auch das Spielen von attraktivem Fussball eine Rolle.

Aber ich bin ja auch nicht Hoffenheim Fan in Jahr 1 nach Aufstieg in die Bundesliga geworden und so etwas unterliegt nunmal auch der Verhältnismäßigkeit des vorhandenen Materials. Und es spricht ja nichts dagegen sich auch Spiele vom BVB, vom SC Freiburg oder auch vom FC Bayern München anzuschauen, wenn man einfach nur Bock hat ein geiles Game zu sehen.

Aus dem Levels wird sicherlich kein Coentrao werden.  Und wer Menschenfresser Latka,  Stehaufmänchen Lambertz und Wirbelwind Kruse nicht mag, der kann sich ja an einer vier Ligen umfassenden Bandbreite des Vereins erfreuen, was in der jüngeren Vergangenheit ausser der TSG 1899 Hoffenheim auch niemand zu bieten hat.

Ich möchte endlich mit Überzeugung von „WIR“ sprechen, schreiben, denken und das kann ich mit eurem FC Bayern nicht, wenn immer wieder Personen aus dem handelnden Umfeld sich so verhalten wie sie es tun. Nicht einmal. Ständig. Auch das geht mir auf den Senkel und da werden fünfzig Retterspiele nichts dran ändern.

Von daher . Einzig logisch. Einzig sinnvoll.

Nach über 20 Jahren Rumgeknutsche und Gefummel.

Bye, bye, Bayern!

Wir können Freunde bleiben.

Denn nur wo Leid ist kann auch Liebe sein.

Ich glaube ich bin verliebt. Ob es ernst ist? Ich weiss es nicht.

Es ist jedenfalls mehr als Rumgeficke. Vielleicht bin ich ein Misserfolgsfan, aber gibt es einen besseren zeitpunkt dem FC BAyern vollends den Rücken zuzukehren?

fümmenneunzicholé!

Übrigens, als Information, gerne auch für Nicht-Fussballfans. Der Herr Doktor wies mich auch darauf hin , dass gelegentliche Schwindelanfälle nicht begründet sind in der Gewissheit die ganze Welt drehe sich nur um einen selbst.

Auch den Zusammenhang den einige BAyernfans vielleicht zwischen ihren Bauschmerzen und

„Ich = Nabel der Welt…..“ suchen…

VERGESST ES! Demut steht jedem.

 

 

 

 

 

14 Gedanken zu „Bye bye Bayern!

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  3. FerretingJules

    Ja…die Bandbreite des FcBayern ist keine, die nach emotionalen Ausbrüchen und Überraschungen schreit, wenn man sich an dem Tabellenstand der Bundesliga orientiert…

    Als Kind habe ich mich ohne jeden ersichtlichen Grund dafür entschieden, der Werkself aus Leverkusen meine Zimmer-Wände und Fußball-Träume zu schenken. Irgendwann ist mit dem Chaos der Nachschulzeit der Fußball etwas abhanden gekommen. Für Bayer04 blieb eine ungebrochene Sympathie und nostalgische Erinnerungen. Inzwischen füllt das runde Leder wieder 60% meiner Freizeit und einen großen Teil meiner Berufung aus. Die Lust am Bratzen, Kicken, Stolpern, Tacklen, Schimpfen, Bluten und Rotzen ist nicht gewichen….aber angewachsen. Um den Genuss am schönen, am sauberen und am taktisch überragenden Ballsport.
    Der sich nun mal vor allem bei den Bayern findet.

    Ich hätte über meine ganze Jugend hinweg mit Inbrunst behauptet, den Verein abgrundtief zu hassen für seine Arroganz, seine Überlegenheit, seine unsympathischen Fans, seine Art aus meiner Liebe Fußball ein Geschäft zu machen, seine rosa angelaufenen, aufgeblasenen Manager und die hässlichen Sponsoren.
    Und ich verbinde mein emotionalstes Fußballspiel mit ihm.
    99 gegen ManU. Nie zuvor war ich so aufgeladen…und erschrocken über mein Empathievermögen für den FcBayern München.

    Fußball ist noch immer die schönste Nebensache der Welt und eines der wenigen Dinge, die aus rationalen Erwachsenen, emotionale und unreflektierte Vollpfosten zaubern können.

    Fußball ist auch eines der traurigsten Phänomene unserer Gesellschaft…aber darüber will ich hier nicht weiter weinen.

    Meinen Verein gibt es nicht. Es gibt einen Verein meiner Kindheit. Und einen Verein der jüngsten Zeit. Der mit seinem Fußball das geschulte Auge begeistert. Die Art, in der ein hochklassiges Aufeinandertreffen mich euphorisiert ist nicht zu vergleichen mit den Ausbrüchen meiner Kindheit. Und die Freude am Fußball auf höchstem Niveau wird nie in der Lage dazu sein, dass, was den Fußball meiner Jugend, mein romantisches Bild vom Linienfieber ausmacht zu verdrängen.

    Die Tatsache, dass Bayern das Problem hat, den siegeshunrigen Mainstream einzusammeln, der sich für Duisburg zu schade und für Cottbus zu linksalternativ ist, und Titel irgendwie salonfähig sind, ändert nichts daran, dass jeder von uns aus den seltsamsten Gründen, gerade für die anderen unverständlichsten Dinge eine Bandbreite an Emotionen aufbringen kann…der Fc Bayern ist davon nicht ausgenommen.

    Es gibt den Bayern-Fan. Und es gibt die, die sich neu verlieben und den Wurst-Uli gegen die Bier-Uschi eintauschen.

    Ich hole mir mein Bier in der Kreisliga und unterstütze meine Kiezromantik und den regionalen und Nachwuchs-Fußball. Fürs Auge und das Jammern auf hohem Niveau, erhalte ich mir meine Hass-Liebe zu den Bayern…solange ich den Sky-Sponsoren-Fifa-Katar-Viagogo-Betrieb noch ignorieren kann.

    Antworten
  4. Marco

    wie würde thurn und taxis jetzt sagen? ui ui ui ui harter tobak.

    vorab, jeder kann sein fandasein ausleben wie er mag das gilt natürlich auch für dich. ich kenne dich ja nicht und kann daher nur auf das geschriebene eingehen. ein paar fragen hätte ich da schon.

    wann oder warum bist du bayern fan geworden? kann man das sprichwort „einmal fan von xyz , immer fan von xyz“ nicht für jeden verein anwenden ?
    muss ein fan denn immer leiden ?

    emotionen und leidenschaften müssen nicht immer nur das negative momentum sein, man kann auch positiv leiden. ich bin nun seit den 80gern fan des FCB. habe spiele auf einem 1000 DDR mark teuren Radio verfolgt, wegen des eisernen vorhanges. seit der wende besuche ich meinen verein. egal ob er, was schon vorkam, mal auf platz 12, 10 oder eben auf der 1 landet. ich für meinen teil möchte natürlich immer das optimum für meinen verein, dass ja sinn und zweck der sache aber im endeffekt gehe ich wegen des spiels ins stadion.

    und ja ich leide auch bei einem spiel wie letztes wochenende, wenn ich sehe wie die spieler sich den arsch aufreißen um das spiel noch zu drehen. ja ich leide wenn ich sehe was man für chancen versiebt. sicher weiß ich persönlich nicht wie es sich anfühlt wenn man absteigt aber wer von euch weiß wie man leidet wenn man ein finale verliert oder besser gesagt in 3 jahren 2 finale verliert. wenn man wie 99 2 min . entfernt war von der extase oder letzen mai als 7 min. bis zur unsterblichkeit fehlten?

    ganz im ernst viel glück mit der fortuna aber ich für mein teil könnte nie mehr das gleich für einen anderen verein empfinden als aktuell für den FCB.

    Antworten
    1. wochenendrebell Beitragsautor

      Hallo Marco,

      Informationen wie ich Bayern Fan geworden bin findest du im vorherigen Blogpost „Fortuna München olé“.
      Bis vor 3 Wochen hatte ich allerdings nicht den geringsten Zweifel ein eingefleischter, leidenschaftlicher Bayern-Fan zu sein.
      Warum sich dies geändert hat erfährst du im Blogpost:Dschohnsi, Sohni,Uschi und ich.

      Antworten
      1. Marco

        @wochenendrebell:

        vielen dank und die geschichte WARUM habe ich ja sogar schon gelesen 😉
        nun werde ich mir das fortuna bayern noch mal reinziehen.

        liebe grüße

        Antworten
  5. Sagittarius

    Ich finde den Blog von der Schreibe her richtig gut. Du findest die richtigen Worte für das polarisierende Thema. Können Bayernfans leiden? Gute Frage. Ich sage sie können, aber nur auf hohen Niveau. Wenn sie mal unglücklich ein Champions Leageu Finale im Elfmeterschießen verloren haben. Dann leiden sie. Wenn sie die Woche zuvor mal ein Pokalfinale in den Sand gesetzt haben, dann geht das eher in Richtung „ärgerlich“. Ich will nicht verallgmeinern oder ähnliches. Es gibt treue Bayernfans. Sicherlich. Aber es gibt genügend, die nicht mit dem vollen Herzen dabei sind (Stichpunkt Leidenschaft) als Fans anderer Mannschaften. Ob das jetzt bessere oder schlechtere Fans sind sollen andere beurteilen.

    Ich schweife ab. Ob man jetzt mit seinen Verein wirklich einmal abgestiegen sein muss, um alles mitgefühlt zu haben, weiß ich nicht. Ich habe als Spieler und als Fan schon einiges erlebt. Sicher mehr als Fan. Aufstiege, Abstiege, Zahlungsunfähigkeiten, ich musste sogar schon „mitleiden“ wie der Verein kurz vor dem Bankrott stand. Aber ich habe eines gelernt. Diese Vereine, die durch alle Not schon gegangen sind und deren Erfolge eher in Richtung „Wunder“ oder „Ereignis“ gehen, haben den deutlich ehrlicheren Anhang!
    Sorry FCB, das ist meine Erfahrung!

    Antworten
  6. Benjamin

    „Gut, es gibt auch Städte wie Köln und Berlin…“
    DANKE, dass hier nicht Schalke steht! Vor einigen Jahren wäre das vermutlich noch anders gewesen. Das macht mich ein wenig stolz. 🙂
    Weiterschreiben!

    Antworten
  7. Andi

    Ich habe den Eintrag mit Interesse gelesen und auf Twitter ein wenig die Reaktionen verfolgt. Natürlich können sich Sympathien und Leidenschaften verschieben – das ist überhaupt nicht verwerflich. Problematisch finde ich es aber, wenn eine Meinung stellvertretend für die aller Bayernfans stehen soll und das in einer hochgradig unrechten Unterstellung endet. Ich selbst kann sehr wohl mit dem FC Bayern leiden, das auch ausgesprochen ausgeprägt. Ich gebe zu: Im Abstiegsfall leidet man bestimmt anders, als wenn man sieht, dass seine Bayern den Dortmundern eine Zeit lang nicht das Wasser reichen konnten. Ein Abstieg ist jedoch ein Extrem. Ein anderes Extrem ist eine nach Spielanteilen und Spielverlauf unverdiente Finalniederlage in der Champions League. Und da kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses Leiden, das zahlreiche Bayernfans ab da über eine beachtliche Dauer gefühlt haben, schwächer sein soll, als irgendein anderes Leiden im Fußball. Viele beschrieben gar eine „innere Leere“ am Tag nach dem Finale im eigenen Stadion. Das ist doch mit das heftigste, was man nach einer Sportveranstaltung überhaupt fühlen kann. Weiter kann ich mir nicht vorstellen, dass die Tränen der Bayernfans nach 2001 oder eben 2012 weniger salzig gewesen sein sollen, als die Tränen von Fans, die sich künftig auf eine unterklassigere Liga einstellen müssen. Und ich kann mir irgendwie kaum vorstellen, dass du so denkst, nach den Eindrücken, die ich nach den weiteren Artikeln hier oder auf Twitter erlangen konnte.

    Ich habe ein wenig das Gefühl, dieser Blogartikel sollte hauptsächlich kontrovers sein, kontroverse Reaktionen hervorrufen. Das fände ich sehr schade, aber ich will natürlich nichts unterstellen und irgendwie erscheint mir das auch unrealistisch. Aber es ist eben so ein Gefühl.

    Antworten
    1. wochenendrebell Beitragsautor

      Hallo Andi,
      vielen Dank für die offenen Worte.
      Ich will es mal so sagen. Eventuell hast du kein Wort von dem verstanden was ich geschrieben habe. Dürfte, wenn dem so ist meine Schuld sein, weil ich es nicht deutlich genug herauskommt.
      ich formuliere es dann mal deutlicher mit der Bitte sich ausschließlich mit dem Inhalt der Aussage auseinandersetzen.
      Es geht nicht um den Championsleague Sieg und nicht um den Abstieg . Es geht um die Zeit und die Erlebnisse dazwischen
      Ich messe auch Leidenschaft nicht an der Anzahl an geflossenen Tränen und um gleich eine Antwort von Marco, einem offensichtlichem BAyern-Fan zu mit zu beantworten:
      Fans müssen nicht leiden.

      Genau genommen möchte ich ja sogar , dass niemand leiden muss. Das Wort alleine stört mich ja schon im Zusammenhang mit dem Ergebnis eines Fussballspiels.
      Ich habe in Schalke in der Nordkurve gespürt , dass da etwas ist , was ich bisher so nie erlebt habe und von „meinem“ FC Bayern nicht kannte.
      Dieses Etwas hat mich dazu bewogen mein „Fanleben“ zu reflektieren. Das Ergebnis ist bekannt. Das muss man nicht gut finden.
      Aber wisst du was mich nervt? Jeder Fan köchelt Woche für Woche im Saft seiner eigenen Kurve und maßt sich an über die gegenüberliegende Seite urteilen zu dürfen.
      Standest du schon in Dortmund inmitten der Süd? Nein. Warum auch. ich hätte auch nie in der Schalker Nord gestanden , wenn …..
      Ich maße mir nicht an über Bayern Fans zu urteilen. Jeder soll so glücklich werden wie er mag.
      Ich definiere Leidenschaft für mich anders als Ihr ? Na und?
      Ihr definiert Erfolg anders als ich. Der FC Bayern steht vermutlich vor der perfektesten Saison seit Bestehen des Vereins.
      Trotzdem kann ein einziges Spiel evtl. die ganze Saison zunichte machen.
      Nervenkitzel?
      Für mich ein irrsinniges Unterfangen, welches ich so nicht mehr möchte.
      Will ich ein gutes Fussballspiel sehen dann bleiben beide FCB´s erste Wahl, aber für mich gehört da insgesamt noch ein wenig mehr dazu.
      Und diese Mehr habe ich beim FC Bayern nicht gefunden, weil ich über 25 Jahre nicht danach gesucht haben. Deshalb kann man mich für einen Deppen halten. Akzeptiert.
      Aber meinen Abschied als unrealistisch einzuschätzen ist für mich nicht nachvollziehbar und zeigt in Ansätzen vielleicht auch wieder ein Problem was ich mit vielen Bayern-Fans habe. Aber wer die letzten zwei Zeilen des Blogposts liest , weiss welches Problem ich meine.
      Aber es führt uns dann auch unweigerlich zum nächsten Punkt .Was ist ein Fan? Wann fängt das an?
      Kurz zusammengefasst möchte ich mit meinem eigenen Verein genügend erleben um mich nicht an den Niederlagen oder Problemen anderer Vereine ergötzen zu müssen.
      Dies passiert in den letzten Wochen aus den roten Reihen auffällig intensiv und häufig.Für mich hat das logische Gründe.

      Antworten
      1. heinzkamke

        @wochenendrebell:

        Jeder Fan köchelt Woche für Woche im Saft seiner eigenen Kurve und maßt sich an über die gegenüberliegende Seite urteilen zu dürfen.

        Das verstehe ich jetzt nicht so ganz. Nach meinem Dafürhalten war der Hauptkritikpunkt zahlreicher Bayernfans (und auch Andis) der, dass Du vermeintlich allgemeingültige Aussagen über Bayernfans getroffen hast. Du kennst Ihre jeweilige Gefühlswelt nicht, kannst die Intensität Ihres Fanseins nicht bewerten, sondern überträgst Deine Bayernsicht, so zumindest meine Lesart, auf sie. Oder anders: maßt Dir an, über Ihr Fansein zu urteilen („FC Bayern Fans leiden nicht“). Diese Kritik kann ich nachvollziehen, auch wenn es nicht um die „gegenüberliegende Seite“ geht, sondern um die eigene.

        Tatsächlich habe ich in der bisherigen Diskussion, hier oder auf Twitter, soweit ich sie verfolgen konnte, ansonsten kaum Urteile über die Intensität oder auch Authentizität irgendeines Fanlebens gelesen (was an mir liegen mag). Insofern überrascht es mich, dass Du genau diesen Punkt nun so unterstreichst.

        Antworten
  8. xxlhonk

    Ich bin überrascht. Über die ARt und Weise, wie kommuniziert wird. Nicht inhaltlich, sondern über die Plattform.
    Mich wundert nicht, dass die Bayern-Fans sich teilweise angegriffen füllen.
    Mich wundert nicht, dass das (und das wa shier steht) den anderen Fans (weitestgehend) gefällt.
    Mich wundert, wie dünnhäutig viele sind. Und jetzt reagieren,.
    Ich bin mir sicher, dass der Autor zu differenzieren weiß. Und auch sicherlich weiß, dass es Menschen gibt, deren Herz deutlich mehr an dem Verein hängt, als seines.
    Und ich bin mir sicher, dass wir, bei denen es nicht so ist, froh sind, wenn die mal wieder richtig leiden müssten.
    Aber wir wären auch froh, wenn wir annähernd oft Grund zum Feiern hätten.
    Haben wir vielleicht sogar. Nur feiern wir halt andere Dinge.
    Das macht uns nicht besser oder die Bayern fans nicht schlechter. Aber ich bin mir auch sicher, dass ein Bayern Fan (und wir HSVer auch nicht) nicht nachfühlen können, wie sich so ein Abstieg anfühlt. Ich weiß, dass ich sowas wie die letzte Saison nicht allzuoft erleben möchte (Platz 15. Zur Erinnerung) Und die letzte Meisterschaft, die ich mit meinem Verein feiern durfte ist auch schon dreißig Jahre her.
    30!
    Jahre!
    Aber dennoch LIEBE ich meien Verein, auch wenn er mich immer öfter (das mag am zunehmenden Alter) an den Rand eines Herztodes durch Aufregung bringt. Ich liebe ihn und dabei ist es egal. Ob wir aktuell 6ter sind oder 10. Platz 6 das ist mir zu wenig (wenn dann 4ter), Platz 12 wäre mir auch zu wenig. Aber ich kann die Menschen gut verstehen, die das nicht brauchen. ich brauche das auch nicht.Nur fragt mich keiner. Ob ich das brauche.
    Der Verein ist seit 40 jahren einfach da. Immer.
    Und er wird immer da sein. Egal was die wieder für einen Mist machen.
    Das sie so grossartige Arbeit abliefern wie der FCB, daran glaube ich nicht mehr. Schon lange nicht. Wenn sie es aber täten. Ich würde es mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen.
    Und wenn ich bayern fan wäre: ich würde auch abkotzen, wenn man dieses Jahr mit 30 Punkten Vorsprung Meister wird und das Doubel holt. Um dann in der CL gegen Dortmund auzuscheiden oder zu sehen, wie die im Finale stehen und man selber nicht.
    Ich würde kotzen. An deren Stelle. Und das ist Leiden.
    Auch wenn es halt auf einem ganz anderem Niveau statt findet.
    Und Niveau wünschte ich mir auch in der Diskussion um und bei diesem Thema. Wir sind hier nicht bei SPOX. oder so. Und hier meint auch Twitter und die Diskussion dort. Die leider inzwischen dann doch leidenschaftlich aber halt auch unsachlicher wird.
    Das hat weder der Blogbeitrag noch der FC Bayern sich verdient. Egal wie sie nun am Ende da stehen.

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