Darkroomfantasien

Es dauerte wie schon befürchtet doch 2 oder drei Tage um den Nachwirkungen der ersten sportlichen Betätigungen Herr zu werden und seinen Körper wieder in vollem Funktionsumfang nutzen zu können.

Und auch auf die Gefahr hin, dass diese Aufzeichnungen  sich nur noch um das Thema „Laufen“ und „Leiden“ drehen , war Lauf 2 tatsächlich das erste spannendere Erlebnis nach Lauf 1. Ich befürchte ich habe kein sonderlich aufregendes Leben.

Jedenfalls bin ich genau 1 Woche nach Lauf 1 nach Hause gekommen und wusste, dass es wohl ab dem nächsten Tage auf Grund diverser beruflicher Verpflichtungen sehr eng werden könnte.

Weder der Blick auf die Uhr ( 17:00 Uhr-Winterzeit) noch der Blick nach draussen  hielten mich davon ab in mein Ihr-wisst-schon-wie schickes Outfit zu klettern sich mit Mp3 Player, Telefon und der Taschenlampe des Sohnes zu bewaffnen und los zu laufen.

Dies unterwies sich auch auf den ersten 2 Kilometern der Strecke (identisch wie Lauf 1 –So war es zumindest geplant)

Als völlig unproblematisch und selbst bei Eintritt in das fast ja schon bekannte Waldstück lief ich mit der dann eingeschalteten Taschenlampe völlig euphorisch benebelt dem Untergang entgegen.

Denn nur wenige Meter weiter spürte man unweigerlich den Unterschied zwischen:

Straße =  Häuser mit Licht und alle 50 Meter Strassenlaterne.

Und : der völligen Finsternis eines Waldstücks im Winter um 18:00 Uhr.

Der Spaziergänger der mir ohne Vorwarnung aus dem dunklen Horizont  und ohne Licht entgegen trampelte erschreckte mich nur bis kurz vor Herzstillstand, aber mit der kleinen Taschenlampe von Sohnemann hatte meine Hatz durchs Unterholz einfach dieses grundsätzliche Ambiente  von Blairwitch project III

Die eigentlich völlig bescheuerte Angst es könnte hier irgendeiner aus dem Gebüsch springen und mich einfach kaltmachen wurde zu keinem Moment von meinem beim Laufen vermutlich nicht einwandfrei funktionierendem Gehirn hinterfragt.

Wer sollte sich schon hier mitten im Dunkeln in das Waldstück schmeissen um irgendwelchen Leuten aufzulauern? Es gab wahrscheinlich kaum einen Zeitpunkt wo man sich auf dieser Strecke sicherer bewegen konnte.

O.K., aber was ist eigentlich mit Wildschweinen? Mist, die Viecher gibt´s doch hier en masse. Oder wenn Papa oder Mama von den Rehen aus Lauf 1 hier auch nachts Sport machen und mich einfach umrennen? Sekündlich wechselten die Gedanken.

Ist es nicht so, dass in den Zeitungsberichten meistens irgendwo beiläufig steht, das man die Leiche in einem Waldstück fand? Wer hat die denn bitte meistens gefunden. Das waren alles Jogger oder Spaziergänger und ich lief leider noch immer in der Geschwindigkeit, dass ich für beide Profile in Frage käme.

Das nächste Problem war der enorme Matsch. Bei einer kleinen Pause stellt ich fest, dass mir nicht die Beine schwer vorkamen, sondern meine Füsse so schwer waren , weil der ganze Dreck und Modder (Gibt´s das Wort offiziell?) an meinen Sohlen kleben blieb. Zudem hatte ich die ein oder andere Pfütze zu viel mitgenommen, so dass meine Socken bei kurz-vor-patschnass waren.

Kurz: Ideale Bedingungen wenn man betrachtet, dass noch gut 4,5 km zu bewältigen waren.

Zusätzliches Problem und das kennt Ihr bestimmt zumindest vom Autofahren-

Im Dunkeln sieht die Umgebung nunmal völlig anders aus:

Dies, ihr ahnt es vielleicht ,führte  an der ein oder anderen Weggabelung zu falschen Entscheidungen.

Egal, der Herrgott hat die Musik und das sage ich mittlerweile aus dem vollsten Brustton der Überzeugung ausschließlich zur Motivation in solch prekären Situationen geschaffen.

Tim McIlrath und seine Mannen (Rise against) scheuchten mich also quer durch die Prärie bevor ich kurzzeitig auf einer normal befahrenen öffentlichen Straße landete. ,

leider  fiel mir dies erst auf als  das erste Auto sich von hinten nährte und während ich noch prüfte wieso die Taschenlampe so hell ist, mich fast über den Haufen fuhr.

Zur Erklärung muss man den Nichtdörflern vielleicht sagen , dass man hier gemeinhin eine Strasse zwischen zwei 1000 Seelen-Ortschaften durchaus auch schon mal mit einem Kartoffelacker von Bauer Hubert in Putzbrunn-Süd verwechseln könnte. Aber ich bin ja nicht sonderlich verwöhnt und ein Stück fester Boden unter den Füssen kam mir auch entgegen.

Nervig war dann eigentlich nur noch das letzte „So-muss-Reinhold-Messner-gelitten-haben“ Bergstück über geschätzte 150 Meter und einer Steigung im Promillebereich . Diese kleine Taschenlampe fühlte sich an wie die neu auf dem Markt erschiene Mag-Lite 5000 , die größere Bundesligavereine jetzt anstatt dieser hässlichen Flutlichtmasten nutzen können.

Kurz: Sie war sauschwer.

Aber . Völlig versifft, zugematscht, durchnässt, fettich-mit-Welt erreichte ich mein Ziel in 0:57 h.

Zurückgelegte Strecke:8,33 km

Pace:06:57

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