Festivalrebellen-Bye,bye besondere Logik

Rise against!

Der Sohn hatte sich entschieden. Es galt zu gehorchen. Entscheidungen zu treffen fällt ihm zunehmend schwer. Er wägt auch bei kleineren Fragestellungen lange ab, um dann doch zu dem Ergebnis zu kommen, er könne sich einfach nicht entscheiden.

Dieses Mal tat er es, und demnach war es irgendwie auch Pflicht, seinem Wunsch zu folgen, und obwohl unser jährlicher Festivalbesuch mit dem Metallica-Besuch während des Rock im Park Festivals im Juni eigentlich abgeschlossen war, ließ ich mich, zugegebenermaßen auch nicht ganz uneigennützig, erweichen.

„Rise against“ gehört seit einigen Jahren zu meinen Lieblingsbands, sie liefern live fast durchweg souveräne, lebendige Shows ab und verzichten auf großes Feuerwerks-Special-Effects-Brimborium drum herum. Der Sohn wollte sie letztes Jahr schon sehr gerne sehen und zwar  aufgrund eines einzigen Songs (Satellite), und mir gefiel der Gedanke, die Gelegenheit zu nutzen, mit ihm gemeinsam den Jungs bei ein paar Songs zu lauschen. Das Ticket für das Open Flair Festival war schnell bestellt und auch das Line Up um den Headliner herum konnte sich durchaus sehen lassen.

Überhaupt ist das Eschweger Festival absolut empfehlenswert. Insbesondere, wenn man vielleicht auf die klassischen Randerscheinungen und Nebenwirkungen eines Rockfestivals keinen besonders großen Wert legt.

Auch hier trifft man, wie auf allen Festivals, seltsame Gestalten.

Männer in Leoparden-Leggings und Spitzen-BH, Schland-Morphsuits und auch das jüngst scheinbar inflationär oft gestochene Bärentatzen-auf-Brust-Tattoo von Damen, bei deren Brust-Beschaffenheit man durchaus den Rückschluss zulassen könnte, die Tatzen würden bei Verzicht auf Halt schaffende, textile Hilfsmittel in ihrem eigentlichen Anwendungsbereich über den Boden schlurfend ihrer ursprünglich geplanten Bestimmung nachkommen.

Männergruppen, die Strichlisten an speziell für die Durchführung des einmaligen Geschlechtsverkehrs aufgebauten Zelten führen und ein schier unerschöpfliches Maß an völlig unsinnigen Saufspielen darbieten können, findet man ebenfalls leider auch auf diesem Festival.

Aber das Open Flair bietet mehr.

Angefangen bei den perfekt gebrieften Securities, die sowohl bei der Eingangskontrolle, als auch an den Wellenbrechern einen verantwortungsvollen, aber durchaus spaßfördernden Umgang pflegten und vollständig auf martialisches Gehabe verzichten. Das Verteilen von Wasserrationen, Augenspülungen und das Heraushieven aus heiklen Situationen gehört sicherlich zum Standard, aber Begrüßung mit Konfetti, das Verteilen von Bonbons oder das aktive Anbieten von Fotos aus dem Graben heraus habe ich zumindest bisher bei keinem Festival erlebt. Keinerlei Muskelspiel-Auftritte und stets ein gut gelauntes, kompetentes Team. Klasse.

Dazu hat Eschwege mit seinen gerade einmal 20.000 Einwohnern eine Größe, die einen persönlicheren Bezug zum gesamten Veranstaltungsort zulässt, als dies in etwa in Nürnberg der Fall hätte sein können. Man ist zu Fuß innerhalb von zehn Minuten in der Innenstadt, die die Festivalbetreiber mit zahlreichen Aktionen gekonnt einbinden.

Zu guter Letzt hat diese Innenstadt, aber das mag vielleicht auch nicht jeder, einen ganz besonderen Charme. 2014-08-09 10.48.01

Böse formuliert könnte man behaupten die letzten individuellen Einzelhändler liegen auch hier schon im Sterben, bevor die Filialisten rund um H&M, Douglas, McDonald’s und Co auch dieser Innenstadt ihr letztes Stück Persönlichkeit und Individualität genommen haben. Aber was schert’s mich, was mit den Läden in zwei Jahren ist.

WordpressOpenflair1Zudem machten „Miederwaren Tietze“ und „Eisenwaren Bräutigam“ zwar hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes und der dargebotenen Kundenfrequenz einer eher komatösen Eindruck, aber ihre Einrichtung, ihr Charme und die spürbare Verbundenheit zu Ort und Anwohnern lassen mich hoffen, dass zumindest die „Landfleischerei Opfer“ noch ein bis zwei Jahre vor sich hinsiecht. Ich mochte die Atmosphäre sehr, vor allem die recht plumpe und trotzdem liebevolle Art und Weise, mit der jeder Einzelhändler versucht hat, sich sein Stück vom Festivalbesucherbudget-Kuchen abzuschneiden. Lediglich die besagte Landfleischerei besaß die Eier zu sagen: „Holt euch Eure Wurst woanders. Wir machen erst einmal Betriebsferien.“

Dafür gibt’s die güldene Chuzpe-Salami am Band.

Aber zurück zum Wesentlichen.

Mittlerweile macht es mich schon gar nicht mehr stutzig, auch wenn man keinesfalls von einer übertriebenen Erwartungshaltung sprechen kann, dass wir auf ein Festival fahren, man Stars an Stars aneinandergereiht bewundern kann und – Rummenigge-Fans aufgepasst – am Ende des Tages mein Held wieder einmal mehr der eigene Sohn ist.

Am ersten Festivalabend folgte dem formidablen Auftritt von „Das Pack“, den wir schleunigst nach „Du sagst du wolltest tanzen, doch du wolltest mich nur stanzen“ verließen, ein kurzes Treffen mit „Zebrahead“ mit dem Sohn, mit Plektronübergabe und allem Pi-Pa-Po und zum Abschluss deren eingängig punkigem Festivalauftritt. Danach der Gang zu „Bett“.

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Wir hatten einen benachbarten, kostenpflichtigen Campingplatz gebucht, der nicht automatisch Bestandteil des Festivalpakets war, was uns neben der luxuriösen Ausstattung mit Strom, Duschen und WC einen völlig Generator-Dixi-Containerduschen befreiten Aufenthalt ermöglichte. Außerdem blieben uns somit natürlich jegliche Geräuschkulissen erspart, die beim Rückwärtstrinken, folgend aus übermäßigem Alkoholkonsum, entstehen oder aus wilden, verzweifelten Ausrufen nach der Freundin, die anscheinend orientierungslos über das Campinggelände streunert und in 11 von 10 Fällen immer „Helgaaaaaaaaaaa“ heisst, resultieren.

Wir genossen innerhalb weniger Minuten und im Anschluss an eine abendliche Körperpflege, deren Umfang dem einer Pottsau würdig wäre, die wohlige Wärme in unserem Deluxezelt.

Nach kleineren Meinungsverschiedenheiten im Nachgang zu den letzten Festivals, dessen Besuchsanlass ja eigentlich immer in ein wenig Abenteuer, vielmehr aber auch das Ziel beinhaltete, tägliche Routinen des Sohnes in neuer, ihm wohlfeiler Atmosphäre bewusst zu brechen, entschieden wir in diesem Jahr, etwas besser ausgestattet das Open Flair Festival zu besuchen.

Mit dem Ziel, weiterhin dem Camping näher zu sein als dem Hotel, stockte ich unsere Ausstattung nur minimal auf.

So wohnten wir auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Rebellen in einem 2 Meter hohem Viermann-Zelt mit begehbarem, uneinsehbarem Ankleidezimmer, Getränkekühlung, Tisch, Stühlen, Getränkehaltern, überdachtem Vorzelt, LED-Beleuchtung, Grill und nem halben Kasten Vita Malz über die vier Tage durchaus fürstlich und kuschelten uns am ersten Abend unter die Decken.

Seine Füße wären kalt, und ob er mir dir nicht zwischen die Beine legen könne.

O.K., es waren die Füße, und nicht o.k., sie waren kalt. Aber es war auch die aktive Suche nach Nähe, eine Situation, deren Ehre mir nicht allzu häufig zu Teil wird.

Mit der Gewissheit, am Ende einer möglichen Diskussion sowieso mit den Eisquanten zwischen den Beinen liegen zu dürfen, zierte ich mich und druckste rum, ob diese Maßnahme zur Erwärmung für mich wohl in Ordnung wäre.

Diesen Gesichtsausdruck mit diesem feinen Schimmern in den Augen und dem Grinsen, dessen Intensität an Aufrichtigkeit schwer zu übertreffen sein dürfte, werde ich wohl als stetige Erinnerung an einen ersten fantastischen Festivalabend in Erinnerung fest verschließen.

„Du willst es doch auch. Jetzt tu hier nicht so, wärme mich und lies mir dieses Buch von der Frau, die so lustig spricht vor.“

Sehr verehrter Leser,
wir unterbrechen diesen Beitrag für die Werbung.

2014-08-08 22.30.44Kaufen Sie das Buch von der Frau, die nicht lustig spricht, sondern die im Textilvergehen-Podcast, so herrlich berlinert, dass der Sohnemann sie mittlerweile so prägnant im Ohr hat, dass er abends auch von der wunderbaren Frau Fiebrig das Telefonbuch vorgelesen bekommen könnte, und friedlich ohne größere Wartezeiten einschlummern könnte.

Dit is ne Jute. Kauft mal das Buch. Lohnt!

Und so las ich ihm für ungefähr 45 Sekunden aus dem wunderbaren Buch „Bring mich zum Rasen“ vor und sinnierte noch kurz, ob „ Er bringt mich zum Rasen“ nicht auch ein passender Titel für ein Buch über unsere Stadion-Abenteuer wäre schon schlummerten wir beide glücklich und zufrieden ein. Tag zwei sollte einen von uns fordern.

Tag zwei war geprägt vom bevorstehenden Highlight, dem Auftritt der Broilers. Ich mochte die Band einigermaßen und der Sohn bezeichnete sie direkt nach dem ersten Liveerlebnis sogar als seine Lieblingsband. Mit Kmpfsprt wartete zudem auch eines meiner Festivalhighlights, so dass ich dem Tag entspannt entgegen sah.

Weil Ernährung so ein immens heikles Thema bei Jay-Jay ist und ihm die strikte Einhaltung der Reihenfolge von Frühstück, Mittagessen und Abendessen, völlig unabhängig von Zeiten und Inhalt , sehr wichtig ist, frühstückten wir um halb zwölf. Als wir beide unsere Pizza aufgegessen hatten, beschloss der Sohn, nun sein erstes Plakat zu bemalen. Er sah dies vor einigen Wochen, als auf EinsFestival diverse Festivalmitschnitte gezeigt wurden, und viele Fans Botschaften via beschrifteter Pappkartons an die Künstler sendeten.

Er wolle dies beim nächsten Mal auch machen, sagte er damals, und so munitionierte ich das sowieso schon kaum bepackte Auto bereits vor der Abfahrt mit zugeschnittenem Tonpapier und verschiedenfarbigen dicken Filzstiften auf.

Das Plakat, welches er entschied, für Kmpfsprt zu malen, beinhaltete einen kleinen Gruß.Die Auswahlkriterien, es ausgerechnet für diese Band zu malen hingen natürlich eindeutig mit der Qualität der Band zusammen.

2014-08-08 16.22.07 KopieDas Auswahl-Regelwerk:

1. Die sprechen deutsch, können das Plakat also lesen.

2. Die spielen jetzt gleich, dann kann Papsi das Schild gleich zurück zum Auto schleppen.

3. Als der Sohn zur Routinevorbereitung sich von jeder auftretenden Band ein Youtube-Video anschaute, fand er sie zumindest nicht so schlecht. Sie erhielten ein „+“, was als Kennzeichnung auf dem Festivalplan so viel aussagte wie: „Schauen wir uns mal an“.2014-08-08 17.10.27 Kopie

Nun ja, was soll ich sagen. Eine solide rockig-punkige Vorstellung der Herren Kmpfsprt, ein Gruß zurück von der Bühne an den Sohn und ein Autogramm auf dem Festivalposter genügten, dass der Sohn die Jungs nach seiner ersten Band-Bewertungsrunde auf Platz eins seiner Lieblingsbandliste platzierte. Danke noch mal.

Doch es sollten noch die Broilers folgen.

Wir nutzen die auf dem Festivalplan günstig mit einem Minuszeichen* markierten Bands (*„Müssen wir nicht schauen“), um kurz zum Campingplatz zurückzufahren und ein wenig zu pausieren. Auf unserem Campingplatz befand sich ein Fußballtor, und da ein Fußball glücklicherweise auch in der kargen, fast schon asketischen Campingvergangenheit schon zur Grundausstattung gehörte, kickten wir ein wenig. Es war eine Art Eins gegen Eins im Elfmeterschießen, währenddessen mir der Sohn erklärte, dass er sich ja nicht richtig freuen würde über Tore, wie auch über andere Erfolgserlebnisse. Er korrigierte sich sofort und erklärte mir, dass er sich schon freue, sogar sehr doll und sehr häufig aber das er das nicht so nach außen zeigen kann und mag. Ich ermutigte ihn, dass er sich natürlich freuen kann wie er das möchte, aber das er es vielleicht auch einfach mal ausprobieren solle, ob sich ein Freude-Vulkanausbruch nicht durchaus spaßig anfühlen könnte.

Er beschrieb mir das Unwohlsein, welches seiner Meinung während „eines Emotionsausbruchs“ als Gefühl folge oder eher damit einherginge, als Angst, man könnte sich darüber lustig machen, wie er aussieht, wenn er sich freut, und noch mehr als „kopfzerdrückende Angst“, es fände jemand eine Möglichkeit, ihm die Freude inmitten der Freude zu nehmen, so dass er seinen Emotionsausbruch unterbrechen muss. Das müsse sich ja fürchterlich anfühlen. Ich verstand, was er meinte, da er mir mehrfach schon detailliert schilderte was „kopfzerdrückende Ängste“ für ihn bedeuten und welche Gefühlsraserei sich dann in seinem Kopf abspielt.

Vor einigen Jahren wäre mir vermutlich der Fehler unterlaufen, ihn mit einer kleinen Schwindelei dazu zu „zwingen“, sich ausgelassener zu freuen.

„Wenn man sich immer nur nach innen freuen würde, drückt es den Magen zusammen und man kann weniger Eis essen.“

Vor einigen Jahren wäre ich damit vermutlich durchgekommen.

Vor einigen, (ja, sehr vielen Jahren, ich bin alt, gab es aber auch kein Google, was ich hier namentlich nur nennen möchte, weil es nun mal des Sohnes Suchmaschine ist.) Er würde sich das Wissen dazu anlesen und mich auskontern.

Er würde mich zerlegen, mir den kompletten Verdauungsprozess des verzehrten Eises erklären und mich mit Gegenfragen ausknocken, wie denn die Freude an welche Position im Körper gelangt, welchen Durchmesser sie hat, wie hoch sie ist und wie viel Kilogramm sie wiegt.

Es war aber auch gar nicht nötig. Der Sohn hatte Mut gefasst und verpackte seine Jubel-Choreographie, die er nach jedem gehaltenem Elfmeter zum Besten gab, als Spaß.

„Papsi, das geht doch gar nicht. Guck mal. So albern würde das aussehen, wenn ich jubeln würde nachdem ich deine Kullerbälle gehalten habe.“

Er sprach’s, und stürmte in Form eines „C“ vom Torpfosten Richtung Außenlinie einschwenkend zum Sechzehner. Mit hochgerissenen Armen riss er sich das Shirt über den Kopf, fiel mit einem ausgestoßenem „Uff“ auf die Knie, nahm sich vom Boden einen ordentliche Portion guter Eschweger Maulwurfshügelerde und ließ sich diese über den Kopf rieseln. Es folgten weitere schwer beeindruckende, improvisierte Jubelvorführungen, die ich glücklicherweise zumindest in Teilen aufzeichnen konnte. Aber der Tag war nun schon ein Highlight. Albernheit ist selten und klassisch kindisches Verhalten ebenfalls. Es war mir ein Hochgenuss, und als ich dem Sohn sagte, wir müssten nun los, damit wir die Broilers noch zu sehen bekommen, teilte der sonst so unentscheidungsfreudige Herr mit:

„Die kennen wir doch schon. Wir bleiben hier und kicken noch ein bisschen. Ausserdem hört man die sowieso bis hier her.“

Es stießen noch weitere Jungs hinzu, denen er kurz das Regelwerk erklärte, welches keinesfalls 2014-08-08 20.47.52 KopieJay-Jay Gewinngarantien oder ähnlich abgefahrene Sonderregelungen beinhaltete und spielte mit ihnen Fußball. Ganz selbstverständlich, völlig stressfrei. Als sei es das normalste der Welt.

„Ist es ja auch“, würde er vermutlich nun sagen. Von den letzten Broilers-Klängen beschallt ging es früh schlafen und ich beglückwünschte ihn zu seinem couragiertem und engagiertem Verhalten beim Spiel mit den anderen Kindern. Ich habe es in all den Jahren bisher nicht sehen dürfen, dass Jay-Jay innerhalb einer Gruppe interagiert, Spaß hat, bei Problemen versucht, zu moderieren, Regeln anderer akzeptiert und gleichzeitig Rückschläge mit einem Lächeln toleriert. Die Jungs wollten sich am Folgetag noch einmal treffen, was Jay-Jay sichtlich freute, was er den Jungs auch mit einer Zusage mitteilte, so dass ich ihm vorsichtig zu verstehen geben wollte, dass er da ja fast schon neue Freunde gefunden hat. Mit dem Thema „Freunde“ hat er es nicht so, ich will da nicht zu viel verraten, da der Chef dieses Blogs selbst dabei ist, ein paar Zeilen zu dem Thema zu verfassen. In der Kurzversion lässt sich aber sagen, dass er aus mir immer noch nicht ganz erfindlichen Gründen Freunde nicht haben möchte.

So erklärte er mir dann auch an diesem Abend, dass diese seine Mitspieler eben keine Freunde seien.

Ich verstand seinen Einwand, dass man noch kein Freund ist, nur weil man mal zusammen Fußball spielt, aber trotzdem erwiderte ich, dass man sehen konnte, wie gut sie sich verstanden, und dass daraus ganz bestimmt eine Freundschaft entstehen könnte, wenn man sich morgen wieder trifft und gemeinsam Spaß hat und übermorgen und nächste Woche usw.

„Genau das wird aber nicht passieren Papsi. Wir können uns nicht mehr so häufig treffen, weil wir nicht so oft in Eschwege sind“.

Ich verstand nicht, aber der Sohn legte zügig nach und erklärte mir, dass er dem morgigen Treffen nur zugestimmt hat, weil ja klar ist, dass das nie Freunde werden können, weil die wieder weg sind dann. So würde er es ja auch bei den Kindern halten, die er Urlaub kennen lernt. Ich begriff schnell, dass diese Information völlig neu ist und schon eine immense Bedeutung haben könnte, trotzdem gelang es mir nicht zu ergründen, was die örtliche Nähe oder in dem Fall die Distanz mit dem Zulassen eines völlig ungezwungenen, lockeren und souveränen Umgangs mit den Jungs zu tun hatte. Nun gut. Es war vorerst nicht zu ändern. Der Sohnemann wollte gelesen haben und schlummerte friedlich ein.

Seltsam, wenn einem im Nachhinein klar wird, dass er das Thema nicht so wichtig empfand, während es bei mir innerlich förmlich danach schrie, vielleicht ein wenig mehr zur Ursache des eigentlichen Problems mit Freunden zu finden. Er schien ja mehr als gut damit klar zu kommen, keinen Freund zu haben. Aber ich kam es nicht. Sollen die Ausraster bleiben, soll er zögern bei Entscheidungen oder sie vermeiden, soll er mich anschreien, weil er sich bei den Hausaufgaben verschrieben hat, soll er mit mir manchmal umgehen, als wäre ich das letzte Stück Dreck und soll er wegen mir auch Bayern-Fan wer…..

Nein, streichen wir das. Aber wenn er es nur wollen würde, einen echten Freund zu finden. Das wäre großartig. Papsi will das, also für ihn, nicht für mich. Ich komme auch ohne Freunde klar. 😉

Jay-Jay will nunmal nicht.

 

Tag drei wies dann erste Spuren regelfetischistischer Konstanz auf. Nach dem alltäglichem Pizzafrühstück sondierten wir die zahlreichen Aktionsplätze in der wie bereits erwähnt außerordentlich netten Eschweger Innenstadt. Es ist den Organisatoren gelungen, ein Festival zu schaffen, welches über die Bühnen und Campingplätze hinaus in das Ortsgeschehen integriert wird.

Zahlreiche Walking Acts, die ihr Können an prägnanten Plätzen zur Schau stellen, ein Kleinkunstzelt mit attraktivem Kulturprogramm und Indoor-Veranstaltungen im E-Werk vom Poetry Slam bis zu durchaus amüsanten Comedyshows und einem die vollen vier Tage parallel laufenden abwechslungsreichen Kinderprogramm sind nur einige sehr spezielle Zusatzaktionen, die dem Open Flair eine unfassbar hohe Programmdichte bescheren.

So genossen wir Mister M, der sich Kettensägen jonglierend und Feuerwerk auf seinem Kopf anzündend pädagogisch außerordentlich wertvoll zeigte, sowie ein russisches Gesangsduo bestehend aus einem Typ, Marke unrasierter Klaus Schlappner, mit verdreckten, verschlissenen Jeans und einer Ziehharmonika und einer zierlich-anmutigen Dame in roten Lack-Heels zum weißen Mini und einem weißen bauchfreien Top, die völlig frei jeder hörenswerten Stimme russische Klagelieder jaulte und trotzdem zahlreiche Zuhörer Zuseher um sich versammelt wissen durfte.

Bezüglich der Musik bildeten „Boysetsfire“ den Höhepunkt des Tages, wie meine Schulter, den Sohn headbangend durch die Menge hievend, nun deutlich spüren durfte. Zudem wusste der Tag mit einem klasse Job-Tipp vom Sohn aufzuwarten. Ich solle doch Security werden, meinte der Sohn. Ich müsse mich zwar dann extra tätowieren lassen, aber ich müsse den ganzen Tag nur Leute nass spritzen und Konfetti schmeissen. Ich denk darüber nach.

Es wurde Zeit, zu Bett zu gehen.

„Papsi, habe ich das Asperger-Syndrom?“

Meine Antwort, das dies gut möglich sei, da es sich dabei um die medizinisch korrekte Bezeichnung für eine besondere Logik handele, befriedigte ihn anscheinend zunächst. Er fragte mich dies morgens, unvermittelt,  einige Tage, bevor wir zum Open Flair gefahren sind. Vielleicht wollte ich mir nach seinem zufriedenem Gesichtsausdruck aber nur einreden, das Thema wäre nun durch, in der Hoffnung, ich zerstöre nicht etwas mit meinen unbedachten Aussagen, was wir über Jahre nun behutsam aufgebaut haben. Eigentlich war es nur logisch, dass er weitere Fragen hat. Besonders logisch sogar.

Ein Buch verriet ihm, was es mit der Logik auf sich haben könnte. Nicole Schuster erklärt anhand von „Social stories“ und mit Schaffung eines fiktiven Charakters, der Asperger-Autistin Colline, klassische Problemsituationen und beschreibt ihren Umgang damit.

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Er hatte das Buch mit zum Festival genommen und forderte nun die Lesung von Kapitel sechs. Danach würde ich verstehen, warum er keine Freunde haben möchte.

Ich verstand es nicht, da Colline in ihrer Geschichte eher verzweifelt nach einem Freund sucht, der ihr Interesse, das Sammeln von Moosen, mit ihr teilt. Letztendlich spielte die Geschichte dann auch nur eine untergeordnete Rolle, diente sie doch nur dem Einstieg zu einem Gespräch zum Thema Freundschaft, in dem mir klar wurde, wie sehr er eigentlich einen Freund haben möchte.

Er hatte nämlich eigentlich auch schon mal einen. Mit Moritz hat er über Wochen sehr viel Zeit verbracht. Sie haben sich in den Waldrand gegenüber verzogen um dort geschützt unter den Bäumen und Büschen ihr Domizil zu bauen. Es gab eine Toilette (ausgehobene Grube), ein Wohnzimmer (eine Europalette mit Lacktischdecke überzogen) und eine Falle für die Räuber (ein am Eingang gespanntes Seil), die ihnen ihr Hab und Gut stehlen wollten. Es lief toll, über viele Wochen, bis Moritz keine Lust mehr hatte, jeweils nach Jay-Jays Regeln zu spielen.

Er hat ihn aufs Übelste beschimpft und sie haben sich schwer gestritten und treffen sich nun seit vielen Monaten nicht mehr. Ich prognostizierte ihm dies, sofern er sein Verhalten nicht anpassen würde, doch die Überzeugung, dass das genau so laufen muss, und dass sein Gegenüber zu akzeptieren und sich anzupassen habe, war recht eingefahren.

Nun ist er sein Feind, sagt er. Er hat mir gestanden, dass er keine Freunde mehr haben möchte, weil es ihn ärgert und sauer macht, an den Verlust zu denken. Seine Vermeidungsstrategie à la „Wenn ich keinen Freund habe, kann ich ihn auch nicht verlieren“ stimmte mich traurig. Ich versuchte ihn schon seit einiger Zeit über Umbenennungen zu überzeugen, öfters mit jemandem zu spielen oder sich zu treffen. Umbenennungen hatten über viele Jahre schon beim Besuch des Schnippinators herausragend geklappt, da er einen Friseur ja niemals besuchen würde. Spielkamerad, Kumpel, Bro… Keine Bezeichnung zog. Keine Chance. Dieses Mal nicht. Er sprach von diesem Tage an über „Freunde“ noch abwertender, als er es zuvor schon tat. Freunde akzeptiert er, wenn überhaupt, nur aus der Familie. Die ist immer da und kann nicht einfach weggehen.

Schön. Traurig. Schön traurig.

Aber das Gespräch war noch nicht beendet. Warum das ein Syndrom ist, wollte er wissen. Ein Syndrom wäre doch immer eine Krankheit. Papsi glänzte mit einer möglichst dummen Antwort.

„Nein, es gibt ja auch keine Tabletten, die es heilen. Also ist es auch keine Krankheit.“

„Man kann Krebs mit Tabletten heilen?“

Die Sorge um die Richtung, die dieses Gespräch nahm, ging einher mit einem Höchstmaß an Überforderung.

Ich zog die Notbremse, bat den Sohn, da am nächsten Tag weiter drüber zu sprechen, denn es sei ja schon so spät und ich sollte doch noch ein Kapitel aus dem Buch vorlesen, in dem es um Colline und ihre Rätsel ging.

Ich habe nicht einen Fetzen Inhalt dieses Kapitels in Erinnerung.

Wir wurden früh wach an Tag vier, und so schnell, wie er eingeschlafen war, so schnell waren wir auch wieder beim Thema.

„Papsi, selbst wenn es Tabletten gegen das Asperger-Syndrom geben würde, würde ich die gar nicht nehmen wollen.“

Er mag seine besondere Logik. Er könnte auf Teile davon verzichten, sieht aber auch die positiven Seiten, indem er spezielle Fähigkeiten dem Asperger-Autisten in sich zuschreibt.

Aber wenn es keine Krankheit war, was ist es dann, wollte er gerne wissen.

„Es ist eine Eigenart, die manche Leute haben. Manche stärker, manche schwächer.“

„So wie dein kleiner, krummer Finger und mein Schwimmfuß*?“

*(Zwei Zehen von Jay-Jay sind überdurchschnittlich weit miteinander verbunden und er geht davon aus, dass ihm dies im Schwimmunterricht einen Wettbewerbsvorteil verschafft und Papsi hat einen kleinen sehr krummen Finger.)

Ich sagte ihm, dass dies in etwa vergleichbar ist, und fühlte mich erstmals wieder, als stände ich mit Klitschko im Ring, und verfügte über den Vollbesitz meiner Kräfte.

Es drehte sich nicht mehr alles. und ich hatte für eine kurze Millisekunde den Eindruck, ich könnte hier schadlos aus dem Ring steigen, als er mir mit „Autist“ den nächsten Begriff um die Ohren schlug, den er gerne näher erklärt bekommen wollte. Ich versuchte, Zeit zu gewinnen, indem ich so tat, als ob ich Atheist verstanden hätte, worauf er konterte, er wüsste, was ein Atheist sei, und ich solle nicht vom Thema ablenken. Er verlor sich dann selbst kurzzeitig noch in die Wortspielerei, dass er ja ein autistischer Atheist wäre, und in Verbindungen mit der Erlernung eines Kunststücks sogar ein autistischer Artisten-Atheist sein könnte, und er es bedauerte, nicht aus Australien zu kommen oder aus einem Land das Autitistan heißt. Mir gefiel sein vorurteilsfreier und ungehemmter Umgang mit den Begrifflichkeiten, wohl ahnend, dass noch mindestens ein heikler Begriff fallen könnte, und entschied, die Gunst der ungezwungenen Atmosphäre, noch auf der Luftmatratze liegend, zu nutzen, und brachte das Wort „Behinderung“ ins Spiel.

Er zuckte kurz und fragte, wer noch eine Behinderung hätte.

Ich erklärte ihm, dass viele Menschen eine Behinderung hätten. In unterschiedlichster Form. Ich erzählte ihm von meiner Seh-„Behinderung“ und den Kontaktlinsen, die mir helfen, und von Mamis Narbe im Gesicht, die sie auch eine Zeit lang behinderte, aber auch an seinen Opa mit den verrückten Ideen erinnerte ich ihn, der sicherlich auch eine ganz besondere Logik hatte. Ich bin mir dem Beigeschmack dieses Vergleiches durchaus bewusst und erwarte auch keine durchgängige Akzeptanz diesbezüglich, aber versetzt euch bitte mal in meine Lage. Papsi war nur noch eine ziemlich ängstlicher, kleiner Wicht in einer ganz schön engen Ecke.

Jay-Jay bestand darauf, dass er aber auf jeden Fall die beste und stärkste aller besonderen Logiken hat und in seinem Leben sicherlich mehr Rätsel zu finden sind als bei der Colline, was ich ihm bestätigte.

Er zählte die bereits gelösten Rätsel auf, die Ticks, die er im Laufe der Jahre lindern oder ablegen konnte. Das Gespräch lief, wie so häufig, auf gruselig sachlichem Niveau, wenn man bedenkt, dass ich mit einem Neunjährigen sprach.

Wir besprachen auch, dass das Asperger-Syndrom als Schwerbehinderung eingestuft werden kann. Ich hatte immer große Angst davor, dies ihm gegenüber auszusprechen, wusste aber auch, das ein einberufenes Familienmeeting am Esszimmertisch auch nicht geeignet wäre für ein „Jay-Jay, wir müssen reden“- Date bezüglich dieser Thematik. Ich hatte auch einfach viel zu viel Angst, da das Wort „Behinderung“ auch an seiner Schule schon oft als Schimpfwort verwendet wurde. Mir war sein Asperger-Syndrom doch längst egal, auch wenn es natürlich unserer Familienleben beeinflusste. Aber ich hatte Angst, es könnte ihn brechen.

Was eine kurze Schweigepause verursachte, die sich anfühlte, als läge sie im zweistelligen Minutenbereich, geschah vermutlich in knapp einer halben Minute. Seine Antwort kam lässig-lächelnd und elegant positioniert und verpasste mir das Gesprächs-K.O. um in der Box-Ring-Thematik zu bleiben.

„Schwere Behinderung? Ts, die haben auch nicht so richtig Ahnung. Oder wissen die gar nicht, dass meine besondere Logik genau so viele Behilflichkeiten wie Behinderungen hat?“

Der schönste Niederschlag aller Zeiten.

 

Musikalisch bot der Tag wenig reizvolles. Wir streunerten nach „Bosysetsfire“ über das Festivalgelände, um dann kurz bei „Enter Shikari“ zu verweilen. Es war ein kurzes Vergnügen, welches er mit der beherzten Frage, was der Mann auf der Bühne für eine Krankheit habe, abrupt beendete. Jay-Jay beschrieb das Gejaule als eine „Behinderung für die Ohren“ und kurzzeitig befürchtete ich, wir würden hier geradewegs in einen neuen Tick hineinlaufen, dass jegliche Beobachtungen des Sohnes nun in einen Behinderungskontext gesetzt würden, doch der auf dem Sportplatz hinter der Hauptbühne aufgebaute Kinderbereich rettete uns.2014-08-09 18.05.37 Kopie Der Sohn tobte quer über den Platz. Rutschen, Jonglageschulung, Kistenklettern, der begehbare Rutschen-Elefant für Kleinkinder und der Ball, in den man reinklettern konnte, um sich selbst über ein Spielfeld zu rollen, hatten es ihm angetan.

Wir hätten an diesem Tag vielleicht auch noch eine Band gesehen, wenn wir nicht zufällig auch im Bereich der Geschicklichkeitsspiele gelandet wären.

An einer Tafel musste ein kleiner Mühlstein, der lose in einem über zwei Bänder zu bedienenden Aufzug lag, an einer Vielzahl Löchern vorbei in ein ausgesägtes Dreieck bugsiert werden. Die ersten beiden misslungenen Versuche schrieben wir dem Wind zu, Versuche drei bis irgendwo um die zwanzig lagen dann an dem vermutlich defekten Equipment. Danach wurde es ungemütlicher, weil er nach jedem erfolglosem Versuch an den Kordeln riss und aufs Übelste auf das Schei….Drec….Fi….. Spiel beschimpft hat. 2014-08-09 18.11.14Ich bot ihm mehrfach Türen an, aus der Nummer rauszukommen. Das Spiel wäre unschaffbar. Das ist nur für Rechtshänder, das schafft man nur zu zweit, das ist für Erwachsene, die Seile sind zu alt,……..

Es interessierte ihn nicht. Das Geschimpfe wurde lauter und erste Elternteile entfernten ihre Kinder, in Anbetracht der Fäkalwörtertiraden von den Spielgeräten in seiner Nähe. Ich bat ihn inständig, die Ruhe zu bewahren , weniger weil mir sein Auftreten peinlich war, sondern vielmehr, weil ich wusste, dass die Chancen, den Stein schadlos durch den Lochparcours zu führen, höher sein dürften, wenn er nicht auf hundertachtzig wäre.

Ich konnte nicht mehr. Ich sagte ihm, dass ich nun gehen würde, und wir uns an unserem Notfalltreffpunkt sehen würden, sobald er fertig wäre.

Ich ließ ihn zurück, besorgte mir einen Kaffee zur Beruhigung und beobachtete ihn im Anschluss von einem schattigen Plätzchen auf der Wiese in sicherer Entfernung.

Er startete einen wütenden Anlauf nach dem nächsten. Die Seile, an denen zur einfacheren Bedienung am Ende jeweils eine Holzkugel befestigt war, flogen nach jedem Versuch durch die Gegend. Es dauerte gut und gerne weitere zwanzig Minuten, bevor nach der Wutphase die Verzweiflungsphase eintrat. Dies sind immer die übelsten Momente. Ich sehe diesen Blick und seine Tränen meistens, wenn etwas unreparierbar zerstört wurde. Neulich zerfiel ein Glas und es zersplitterte in tausend Teile. Er fegte es säuberlich zusammen und wollte beginnen, die einzelnen Scherben wieder zusammen zu kleben. Er hatte dieses Glas als Dekoration für sein Zimmer von Oma bekommen. Er hatte es sich aus Omas Bestand ausgesucht. Ein altes Hannen Alt Glas. (Ich möchte der Auswahl aber keine besondere Bedeutung beimessen.)

Er weinte nicht laut oder aufgeregt oder schrie, sondern er schluchzte bezüglich des Verlust seines Glases und er beruhigte sich erst, als ich versprach, mich die nächsten Tage darum zu kümmern. Ebay sei dank, präsentierte ich Tage später das genesene Glas.

Diese Schluchz-Phase hatten wir nun auch erreicht. Es gab nichts mehr, was ich für ihn tun konnte. Er will in diesem Moment keine Hilfe, weil er es unbedingt ohne Hilfe schaffen möchte.

Es galt sich jetzt meinerseits einfach auf den Moment der Aufgabe vorzubereiten und sich einen Kompromiss zu überlegen, der ihm zusagen könnte. Eine Konstellation, die ihn das Gesicht wahren liesse oder es uns zumindest ermöglichen würde, zur Tagesordnung überzugehen. Wir verbrachten insgesamt zwei STUNDEN!  an diesem Schei…Drec….Fi….. Spiel, bis ich anhand des Gesichtsausdrucks und des kurzen Jubelschreis erkennen konnte: Er hatte es geschafft. Nach vermutlich 500 Versuchen hatte er diesen verdammten Mühle-Stein in das Dreieck bugsiert. Er suchte mich, ich sprang auf und lief zu ihm und beglückwünschte ihn. Ich hätte es ja nicht gesehen, bemängelte er. Er müsse das jetzt noch einmal schaffen und schnappte sich wieder die beiden Seile. Trotz einer gewissen Bräune aus dem kurz zuvor absolvierten Urlaub muss ich schlagartig käsebleich geworden sein. Es war mittlerweile zwanzig nach acht. Auf dem gesamten Sportplatz tummelten sich vielleicht noch fünf Kinder, die aber allesamt bei den Abbauarbeiten halfen, und scheinbar zu den zahlreich eingeteilten Betreuern gehörten. Ich rang um eine Erklärung, während der Sohnemann im ersten Versuch nach dem Erfolgserlebnis den Mühlstein einfach erneut zielsicher an den Löchern vorbei in das Dreieck versinken ließ. Das dreckig-erleichterte Grinsen seinerseits gab mir meinen Urlaubsteint zurück und wir verließen zügig das Festivalgelände.

„Wann spielt morgen Wirtz?“

„Um 14:15 Uhr.“

„Dann fahren wir morgen früh kurz nach Hause und zu Oma und Opa. Ich muss ihnen was erzählen.“

Der Wecker schmiss uns um halb acht aus dem Bett. Mir kam Jay-Jays Wunsch, kurz heimzufahren, entgegen, da wir auf Grund des späten Auftritts von „Rise against“ am Sonntagabend erst mitten in der Nacht heimkehren würden.

Ich musste am Montag morgen sehr früh arbeiten und wir konnten uns so schon dem Zeltabbau widmen und daheim dann auch schon das Auto entladen.

„Papsi und ich haben das Asperger-Syndrom. Das klingt ernster als es ist. Ihr braucht euch keine Sorgen machen.“ Oma und Opa waren zunächst ob der überraschenden Ansage ein wenig geplättet, aber Jay-Jay saß dort relativ entspannt, und schilderte ihnen die Situation, als würde er von einer Zwei in der Mathearbeit berichten. Viel mehr Zeit blieb uns dann auch gar nicht, da wir pünktlich zurück sein wollten, und uns auch noch ein anstrengenderes Line up bevorstand. Pünktlich zur Begutachtung des Auftritts von Daniel Wirtz kamen wir auf dem Festivalgelände an. Jay-Jay genoss den Auftritt wieder aus der Papsi-Schulter-Perspektive und erfreute sich unter anderem an einem WM-Fußball, den ein recht betrunkener Typ bei einem Gewinnspiel gewann und kein großes Interesse daran hegte, den Ball den ganzen Abend mit rumzuschleppen. Prima. Ich freute mich. Nun stand ich da. In der rechten Hand einen schwarzen Müllsack, zum Schutz vor dem Regen für das Festivalplakat, auf dem sich schon die Jungs von Zebrahead und Kmpfsprt verewigten, und in der linken Hand des Sohnes Festival-Accessoires wie Sonnenbrille, Hut, Jacke und Regenponcho, die in regelmäßigen Abständen von dem Herrn auf meiner Schulter abgerufen wurden. Der Ball musste unter dem T-Shirt Platz finden, was mir nicht sonderlich gut stand. Aber nun gut.

Wir überbrückten ein übles Gewitter in einem naheliegendem Nicht-Filialisten-Burgerbetrieb, um uns dann rechtzeitig zum völlig gefluteten Festivalgelände zu bewegen.2014-08-10 19.02.42 Der Sohn hatte nun Autogramm-Blut geleckt und wollte gerne „Rise against“ auf dem Plakat unterschreiben lassen, was durchaus einfach erschien, da die angekündigte Autogrammstunde erst in einer guten Stunde begann. Leider hatten auch 120 Meter Mensch die gleiche Idee, und so reihten wir uns in der Schlange ein und ich zählte die Sekunden, bis die absehbare Frage kam.

„Wie lange stehen wir jetzt hier?“

„Ich denke, etwa eine Stunde.“

„Falsch. Du stehst vielleicht hier eine Stunde. Ich nicht.“

Er würde sich erst einmal was zu trinken holen. Da sich die Buden in Sichtweite befanden stimmte ich dem zu. Der Sohnemann genoss sein Getränk, um mir nur wenige Sekunden später mitzuteilen, er würde sich jetzt mal  „Die Schröders“ ansehen. Wir machten einen Platz in Sichtweite aus und so genoss er sein erstes Konzert alleine, gut geschützt unter einem Baum, denn es hatte angefangen zu regnen. Der Regen kürzte die Schlange um spektakuläre fünf Meter und zum Ende der Schröders fragte ich mich, warum wir eigentlich nur einen Regenponcho hatten und diesen jemand trug, der völlig im Trockenen stand.

Der Sohn kam zurück, nicht ohne sich mit süffisantem Grinsen über mein jämmerliches Aussehen zu belustigen. Den Ball noch unterm T-Shirt, durchnässt von oben bis unten und die Witzbolde, die sich im Schlamm gewälzt haben und mit dem Modder durch die Gegen warfen, hatten auch ihre Spuren hinterlassen. Aber es ging vorwärts. Die Schlange fasste noch maximal zwanzig Meter, was dem Sohn trotzdem nicht die Ruhe nahm, sich erst einmal etwas zu essen zu holen. Pfannkuchen verspeisend stand er nun in einem Fotobox-Zelt, von dem aus er mich sehr gut sah, weil es direkt neben dem Zelt stand wo „Rise against“ gerade fleissig Autogramme schrieben. Dort genoss er seine Süßspeise, bis er sah, dass wir gleich an der Reihe sein müssten. Die Schlange fasste noch maximal fünf Meter und es ging plötzlich deutlich zügiger vorwärts. Dies lag allerdings darin begründet, dass die Autogrammstunde beendet war und Securities als kleine Entschädigung Tourplakate verteilten. Ich war in Stimmung. Nicht, dass ich völlig durchnässt eineinhalb Stunden nichtstuend in einer Warteschlange im strömenden Regen stand, aber ich wusste, was ich mir nun vom Sohn anhören durfte. Wer Schuld war an dem ganzen Desaster, und wer sich hätte mehr anstrengen müssen und wer jetzt eben nachher auf die Bühne springen muss, um „Rise against“ zur Unterschrift zu zwingen.

Ich erklärte ihm die Situation. Er drückte mir relativ desinteressiert das Tourplakat in die Hand und sagte:

„Dann sollen die sich halt einen anderen Fan suchen. Komm, wir gehen zu Lagwagon.“

Ich wusste nicht so richtig, ob ich weinen sollte, angesichts der Tatsache, dass ich mir die 90 Minuten Dusche hätte sparen können, oder mich freuen sollte, weil er die fehlenden Autogramme so megaentspannt sah. Egal. Lagwagon spielten auf der kleineren Freibühne, die im Gegensatz zur HR3 Bühne nicht geteert war, sondern aus einem Rasenstück bestand. Zumindest muss da einmal so etwas wie Rasen gewesen sein, bevor sich der Bereich vor der Bühne zu einem Spielfeld für Schlammcatch-Einlagen entwickelt hatte. Vorsichtig kämpften wir uns in Reihe eins, wo der Boden durch die Stützen der vordersten Absperrung geschützt war.

Reihe eins hieß Nähe zu den Boxen und wirkte sich immer auch ein wenig auf Jay-Jays Art aus, wie er Musik genießt. Während er sonst regungslos und fast teilnahmslos die Musik auf sich wirken lässt und höchstens mal mitklatscht wenn mehrere Tausend den Takt vorgeben, gibt er in Reihe eins für seine Verhältnisse richtig Gas.2014-08-10 20.47.23 Kopie Da wird die Pommesgabel gereckt und der Papsi zum Mini-Circle-Pit aufgefordert, dass mir das Herz aufgeht. Leider sieht sich ein 130 cm große Junge in Reihe eins headbangend  anderen Herausforderungen entgegengesetzt als es sein 190 cm großer Begleiter erahnen kann. Er schlug mit dem Kopf, seine nicht vorhandene Mähne schwingen wollend, gegen die Absperrung.
Zum Glück lachte er sofort darüber, auch wenn die Schimpftirade auf das Metallstück sicherlich eh keiner gehört hatte. Der Security hatte es gesehen und bot an, ihn über die Absperrung hinweg auf der Box zu platzieren. 2014-08-10 21.52.07 Lagwagon wurde dem Sohnemann also quasi auf Augenhöhe präsentiert und er genoss die explizite Sonderstellung sehr. Als er dann noch ein weiteres Plektron vom Gitarristen erhielt, hatte die Band sein Herz erobert, und dass er nicht mitwirken durfte bei der Matschschlacht, unter der auch der Sänger der Band zu leiden hatte, ließ sich dann sichtbar leicht verkraften.

Und so endete das Festival. Es hatte nicht das beste Line up und das Wetter war in alle Richtungen immer zu extrem. Die Mücken waren Hölle und das Vita Malz war meistens warm. Trotzdem war es wohl das beste Festival, auf dem ich je gewesen bin. Ach ja. „Rise against.“ Der Grund, warum wir hier waren. Der Sohn hat sein Lied abgewartet und dann sind wir abgehauen, weil er keine Lust mehr hatte.

„Das haben sie jetzt davon“, sagte der Sohn.

 

 

 

7 Gedanken zu „Festivalrebellen-Bye,bye besondere Logik

  1. Klaas

    Wunderbar. Ganz, ganz wunderbar. Wieder mal vielen Dank für diesen Text. Ich habe gelacht, mitgefiebert und wieder Einiges erfahren, was mir komplett neu war. Ich finde es absolut großartig was du, was Jay-Jay, was ihr da macht.

    Und bei „lies mir dieses Buch von der Frau, die so lustig spricht vor“ hab ich richtig laut gelacht. Und ja: das Buch ist toll. Vielleicht sogar tolltastisch. Weiter so!

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  2. KiezkickerDe

    Ouf, du packst immer so unheimlich viele Dinge in einem einzigen Artikel rein, unterteile die doch mal ein wenig, das macht es mir dann auch einfacher, den „Übersetzer“ zu spielen….

    Nicht erkennbares Jubeln:
    Rührt sicher aus der Situation her, dass man sich (als Aspie? Oder tun NTs das auch in der Intensität?) öfter mal in der Situation wiederfindet, seine Aussenwirkung dahingehend zu überprüfen, ob sie denn auffällig ist. Ob man sich „normgerecht“ verhält. Man eckt so oft mit irgend was an, man ist sich bewusst, dass man irgend wie anders ist – da versucht man alles zu vermeiden, was zu weiterem Auffallen führen könnte, und sei es auch nur, dass man sich eben auffallend beim jubeln verält. In diesem Zusammenhang verstehe ich nun zwar nicht, warum er scheinbar keine Probleme damit zu haben scheint, in einem vollen Stadion Bäume zu fällen, aber ich finde, das spricht schon sehr deutlich dafür.

    Auch, dass er keine Probleme damit hat, sich Spielkameraden zu suchen, wenn er genau weiss, dass er diese ohnehin bald nicht mehr wiedersehen wird, wohingegen längerfristie Freundschaften ein Problem darzustellen scheinen spricht imho für dieses starke „sich selbst beobachten und auf Auffälligkeiten abchecken“ – denn bei Leuten, die man mit hinreichend hoher Wahrscheinlichkeit (und er wird da den Grad dieser Wahrscheinlichkeit für sich selbst sehr, sehr genau festgelegt haben) nie mehr wieder sieht, kann man sich endlich komplett normal verhalten, also in seinem Sinne normal.

    Ich unterteile da Freundschaften gerne in drei Phasen – der ersten, wo man sich eben kennenlernt, ohne den anderen jedoch wirklich zu kennen (und wo man autistische Verhaltensarten gut verstecken und überspielen kann), der zweiten, wo das Verhältnis vertrauter wird (und der andere langsam merken könnte, dass man „anders tickt“), und der dritten, wo man sich „halt schon immer kennt“, wo persönliche Eigenheiten dann letztlich keine Rolle mehr spielen.

    Innerhalb der ersten Phase kann man sich entweder normal, indem man…: Man muss sich nicht verstellen, man muss sein Verhalten nicht vorab immer dahingehend abchecken, wie das auf andere wirken würde – Dinge, die normalerweise wohl genau dann zutreffen, wenn man eine lange Freundschaft mit jemanden pflegt. Man kann sich einfach so verhalten, wie man sich gerne verhalten möchte, kann herumtollen und herumalbern, egal, ob das vielleicht „kindisch“ wirkt (klingt irgendwie komisch, wenn ich das in Bezug auf ein Kind schreibe) oder auch nicht – denn selbst wenn es das tut – man sieht den anderen ja nie wieder, und es macht einem dann auch nichts aus, wenn der andere einem im Nachhinein als „seltsam“ empfand (und das dann womöglich dann auch noch anderen erzählt), denn man ist ja in einer ganz anderen Gegend…

    Oder eben normal, indem…: Man sich eben doch ganz bewusst verstellt und „normgerecht“ verhält, wie es ein Nichtautist eben tun würde (oder wie man es zuvor bei anderen beobachtet hat). Hält man locker eine kurze Zeit lang durch. Einen Urlaub lang.
    Später merken diese Kurzzeitfreunde dann halt aber doch, dass man sich irgend wie verstellt…

    Die Zeit, bis aus solchen „flüchtigen Bekanntschaften“, die man bewusst nicht mehr wieder sehen wird und echten Freunden, mit denen man sich dann wiederum, erneut komplett ungezwungen verhalten kann ist blöderweise unterbrochen und geprägt von der Zeit, in der man sich „erwartungsgemäß und normgerecht“ verhalten muss. Das ist die Zeit, in der man als Autist häufig an dieser Normierung scheitert, weil irgend wann halt dann doch autistische Verhaltensweisen durchschlagen. Die dann letztlich in der Regel dazu führen, dass sich diese Freunde abwenden. Nicht immer im Streit, aber letztlich doch ziehmlich oft. Und sei es auch nur, weil man mal wieder vergisst, dass man sich bei Freunden regelmäßig melden muss, auch wenn aktuell eigentlich gar nichts anliegt – und eben nicht nur, wenn man gerade was gemeinsam mit denen machen möchte. Man also telefonieren und nutzlosen Smalltalk halten muss. 😉
    Ich glaube, er hat diese Erfahrung, wie schwerig diese „2. Phase“ ist, schon öfter machen müssen, die es braucht, zur 3. Phase zu gelangen, einer Freundschaft, bei der man sich halt irgend wann nicht mehr verstellen muss. Auch dann nicht, wenn man Bäume hackt oder sonstige „seltsame“ Dinge tut. Wo man die halt einfach machen kann. Wie zusammen mit den eigenen Familienangehörigen, die einem ja schon lange genug kennen, um zu wissen, dass man eben einige harmlose Eigenarten hat, die vielleicht nicht „normgerecht“ sind, die man aber eben braucht, um als Autist in einer nichtautistischen Umwelt zu funktionieren. Holz hacken. Mit den Händen flattern. Oder sich Hantelscheiben auf den Bauch zu legen, um eine „Drückmaschine“ im Sinne der Temple Grandin zu haben (und herrgottnochmalnein, das ist kein Playdoyer für die Festhaltetherapie, auch wenn google und einige Spinner das so sehen).

    Aber diese 2. Phase ist eben hauptsächlich geprägt von Misserfolgen, die man dann natürlich gerne vermeidet – und sich dann eben lieber Freunde sucht, die man dann nach zwei Tagen eh nicht mehr wieder sieht, wo also gar nicht erst die Gefahr besteht, von der 1. in die 2. Phase der Freundschaft rein zu geraten (und die 3. Phase der echten, langen Freundschaft erscheint eh erst fern am Horizont).
    Man sucht sich also lieber Freunde für wenige Tage („Zweckgemeinschaften“, um gemeinsam Fussball zu spielen), weil man sich dann nicht mehr mit den Problemen auseinandersetzen muss, die Phase 2 für Autisten gerne bereit hält, weil man sich entweder immer weiter verstellen muss, oder eben aneckt, oder aber der andere ein Problem damit bekommt, dass man sich eben mitunter halt einfach nur autistisch verhält. Es braucht schon eine sehr spezielle Art Mensch auf der anderen Seite, die damit klar kommen. ;o)

    Namensänderung: Schön, dass das Spielchen mit der „besonderen Begabung“ dann nun also endlich vorbei ist, ich hatte mich eh gewundert, wie lange das zu funktionieren schien…
    Ich hatte ja schon öfter anklingen lassen, dass ich damit nicht glücklich bin, es aber natürlich akzeptiere, dass du diesen Weg mit ihm gegangen bist, auch beim Thema Schwerbehindertenausweis drang das ja wieder durch… Letztlich macht JayJay das doch schon ganz vernünftig, indem er sich bewusst ist, dass er immer gewisse Probleme haben wird, aber eben auch Dinge hat („besondere Begabungen“, hey!), die andere eben so nicht haben. Neben einem Entenfuss vielleicht auch ein Blick auf Details, eine gewisse Beobachtungsgabe für die Marotten seiner Mitmenschen oder was auch immer.
    Vielleicht ist es jetzt ja an der Zeit, mit ihm das ein oder andere Kapitel von http://www.autismusundcomputer.de/marc2.de.html durchzugehen (oder eben die „fortgeschriebene englische Variante), wie ganz zu Anfang dieses Blogprojektes schon geschrieben, das hat mir einstmals wirklich geholfen, auch wenn da vermeintlich nur Belanglosigkeiten drin stehen – das sind Belanglosigkeiten, die man sich auch erst mal bewusst machen muss. Und sei es auch nur, um diese Seltsamkeiten zu verstehen, die andere scheinbar ohne sie bewusst zu erlernen zu beherschen scheinen. Hände schütteln. Kreis vor einem Spiel bilden….

    Achja, noch ein anderer Punkt, aus dem du ja dann glücklicherweise trotzdem gut raus gekommen bist:
    ——————
    bis ich anhand des Gesichtsausdrucks und des kurzen Jubelschreis erkennen konnte: Er hatte es geschafft. Nach vermutlich 500 Versuchen hatte er diesen verdammten Mühle-Stein in das Dreieck bugsiert. Er suchte mich, ich sprang auf und lief zu ihm und beglückwünschte ihn. Ich hätte es ja nicht gesehen, bemängelte er.
    ——————–

    Warum hast du ihm nicht einfach haargenau erzählt, dass du ihn sehr wohl beobachtet hast, und zwar nicht nur, als es dann endlich klappte, sondern auch vorher schon? Ja, das hätte das „beobachtet werden und sich entsprechend verhalten müssen – bloss nicht zu auffällig jubeln“ – Gefühl bestärkt – aber dich ggbf. vor einer weiteren 500-Versuche – Beobachtungsrolle retten können. Du hättest aber wohl wirklich Details nennen müssen, was er während dieser 500 Versuche wie gemacht hat (und er hätte dann natürlich trotzdem behauptet, dass es alles ganz anders gewesen sei), abedr im innersten hätte er sich damit dann zufrieden gegeben und auf die erneute Vorführung verzichtet. Glück für dich. 😉
    Das könnte übrigens ein gutes Beispiel für autistische Hyperfokussierung gewesen sein, ihm selbst dürfte es gar nicht aufgefallen sein, wie lange und oft er das Spiel gespielt hat. Bzw. aufgefallen wohl schon, aber es wird ihn nicht gstört haben, zahlreiche Wiederholungen absolviert zu haben. Für ihn bestand es halt aus „bis ich es geschafft habe“, nicht aus „Das ist jetzt schon Versuch 342, die Wahrscheinlichkeit, dass ich es dann in Versuch 343 schaffen werde ist so gering, dass ich es eigentlich auch einfach sein lassen kann“.
    Nein, die sich nach und nach wandelnde Stimmung von ihm ist da kein Gegenbeweis für. Die beweist lediglich, dass sich halt seine Laune durch jeden Fehlversuch veränderte, nicht aber, dass ihn die schiere Zahl der Fehlversuche an sich störte, da störte ihn der 340. Fehlversuch nicht weniger oder stärker als schon der zweite.

    Öuf. Ich glaube, das war es jetzt. Wie gesagt, ich fände es ja schöner, wenn du weniger Einzelpunkte in deine Berichte einbauen würdest…
    Ansonsten darfst du dich herzlich eingeladen fühlen, gelegentlich auch mal ne konkrete Frage per „Threema“ zu schreiben, was du ja offenkundig installiert hast – meine ID findest du in meiner Twitterbio. Also, falls du mal wieder eine mögliche Erklärung für irgend was suchst…

    Wobei ich auf die Freunde – Erklärung von JayJay nun natürlich gespannt bin. Der soll beim schreiben mal hinne machen!

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