Käsebrötchen

Es war Mittwoch. Ich erinnere mich genau. Ich erhielt nämlich morgens ein noch warmes Käsebrötchen beim Discount-Bäcker. Ich freute mich einerseits über den bisherigen emotionalen Höhepunkt der Woche. Andererseits war ich traurig, denn ich war sicher, es würde für die Woche auch wieder der einzige bleiben. Ja, es läuft bei mir. Und doch ist alles gut.

Jay-Jay hat sein Zeugnis bekommen, was durchweg aus guten Noten besteht. Er freute sich am meisten über die wunderschöne Symmetrie auf seinem Zeugnis: Es stand tatsächlich neben jedem Fach die gleiche Note.

Irre. Eine irre Leistung für unseren Sohn. Wir sind riesig stolz auf ihn.

Auch die Lehrer und Therapeuten sind im Rahmen der Interdisziplinär-Treffen vollkommen angetan von dem „lieben, kleinen Kerl“ und belustigen sich über die Fragen neuer Lehrer oder Vertretungslehrer, die sich wundern, für wen denn in der Klasse die Schulassistenz zuständig sein könnte.

Jay-Jay hat seit der ersten Klasse eine persönliche Schulassistentin, die ihm zur Verfügung steht. Wir, oder besser gesagt meine Frau,  begleitet dies von der ersten Minute mit am engsten von allen Maßnahmen, die wir zur Förderung unseres Sohnes unterstützen. Die Schulassistenz wurde von uns gebeten, zu keinem Zeitpunkt als Jay-Jays persönliche Betreuerin aufzutreten. Die Angst vor der Stigmatisierung durch einen Mob von Sechsjährigen – und glauben Sie mir, dieser Satz wäre für mich vor einigen Jahren auch noch lustig gewesen, – ist mehr als groß. Insbesondere innerhalb eines kleinen Dorfes wäre Jay-Jay mit einer persönlichen Betreuung, die im Unterricht vielleicht neben ihm sitzt und ihm die Hausaufgaben aufschreibt und ihm den Schulranzen auf den Rücken schnallt, unnötig auffällig gewesen.

Wir hatten den Wunsch geäußert, die Schulassistenz möge sich wie eine zweite Lehrerin verhalten. Sie solle überall eingreifen wo sie es im Unterricht für notwendig hielte.

Wenn Peter und Dirk in der dritten Reihe ständig schnuddeln, könnte sie ja behutsam eingreifen und sich fünf Minuten zwischen die beiden setzen. Wenn Lara und Jaqueline im Diktat nicht hinterherkommen, könnte sie unterstützend nur bei den beiden eingreifen und der Rest der Klasse könnte das Diktat ohne größere Unterbrechungen fortsetzen. Und wenn Jay-Jay eben verträumt die Anzahl an „Ääääähs“ bei Lehrer X anfängt zu zählen , kann sie ihn vielleicht motivieren, ein wenig am Unterricht teilzunehmen. Über Monate hinweg ist es niemandem in der Lehrerschaft sofort klar geworden, für wen die Schulassistenz eigentlich zuständig ist, weil Jay-Jay es schafft, sich in der Schule zusammenzureissen. Die Therapeutin ist schwer erstaunt und begeistert ob seiner Disziplin. Er unterdrückt in der Schule viele seiner Zwänge und überwindet viele seiner Schwächen in der Schule. Dies hat ihm eine angemessene Integration in den Klassenverbund beschert.

Er ist für die einen der „Laberhannes“, weil er gerne mal zwei bis drei Kilometer zu dick aufträgt, wenn er den Jungs Geschichten erzählt, wie er beim Joggen von Rehen „angegriffen“ wurde, für die anderen ist er 2014-02-02 16.52.09der Klugscheisser, weil er jedem in der Pause erklärt, wie man ggf. noch die Klimakatastrophe verhindern kann oder wie ein schwarzes Loch funktioniert, während die Jungs über Fußball sprechen wollen. Den BVB, den FC Bayern. So richtig viel Vielfalt gibt es in diesem Klassenverbund aktuell leider nicht.

Für andere widerum ist er „der komische Kauz“, weil sie um die ein oder andere Eigenart von Jay-Jay wissen. Sie wissen halt, dass er auch im tiefsten Winter ohne Jacke, Handschuhe, Mütze oder Schal auf den Schulhof rennt, und sie bekommen auch den täglichen letzten Ausraster vor Schulbeginn mit.

Jay-Jay muss den ersten Platz an der Bushaltestelle haben. Sein Schulranzen muss an erster Stelle der Reihe sein. Muss. Dazu gibt es nur eine mögliche Alternative: Die völlige Eskalation an der Bushaltestelle. Mit den anderen 8-10 Kindern und Ihren Mamas als Publikum.

Er schreit dann, wie scheiße alle sind, und wird abfällig, laut und aggressiv. Er beschimpfte früher dann auch seine Mama. Wüst und derb. Sie versuchte immer zu moderieren und zu organisieren und zu schlichten, oder zumindest Einhalt zu gebieten, wenn der Ranzen quer über die Straße flog. Sie erklärte nach und nach den Eltern, dass dieser Platz für Jay-Jay wichtig ist. Das es ihm wichtig ist, erster im Bus zu sein. Der Tag ist ansonsten schon gelaufen. Der ganze Tag. Der Tag ist gelaufen heißt, dass Jay-Jay den ganzen Tag nicht für Schulunterricht zu gebrauchen ist, und der Rest des Tages definitiv die Hölle wird.

Es dauerte dann ein paar Wochen, bis einige der Eltern die morgendliche Organisation mit ihren Kids anpassten. Einige gingen jetzt immer erst einige Minuten später mit ihren Kindern zum Bus, andere Eltern platzierten einfach mal ungefragt Jay-Jays Schulranzen an die erste Stelle in der Reihe, auch wenn er später ankam. Ich denke, eher aus Hilfsbereitschaft, denn aus Angst. Dafür sind wir unheimlich dankbar, denn ist nicht selbstverständlich.

Es gab aber auch Eltern, die diese Bereitschaft zur Rücksichtnahme ihren Kindern nicht vermitteln konnten oder wollten.

Meine Frau ging also selbst im tiefsten Winter mit Jay-Jay knappe 20 Minuten vor Busankunft schon zur Haltestelle, die 3 Minuten von uns entfernt liegt. Nur um sicher zu gehen.Platz eins in der Schlange und so.

Nun ja, Jay-Jay ist also der Prahlhans, der großkotzige Besserwisser, der Voll-Nerd, oder auch der hinterhältige Tyrann, aber die Geschichte dazu würde jetzt zu weit führen.

Unterm Strich zählt der Erfolg. Er ist im Klassenverbund integriert. Es gibt den einen oder anderen Klassenkameraden, der ihn zum Geburtstag einlädt. Sicherlich oftmals als klassische Gegeneinladung zu seinem Geburtstag, aber manchmal vermutlich auch mit einem gewissem Maß an Verbundenheit zu Jay-Jay.

Die Schulassistenz hat gute Arbeit geleistet. Dies wurde sicherlich auch bereitwillig von der Lehrerschaft zum Vorteil genutzt, da die Schulassistenz wohl zwischendurch auch die ein oder andere Unterrichtsstunde alleine übernommen hat, aber nun gut. Das Ergebnis zählt. Und das ist großartig. Bis vor einigen Jahren standen wir vor der Frage, ob eine Regelschule überhaupt möglich sei.

Es gibt die ein oder andere Problematik, die Jay-Jay in der Schulzeit nachhaltig ablegen konnte, oder eben auch ein paar Eigenarten, die er zumindest in der Schulzeit unterdrücken konnte. Jay-Jay hatte sehr früh verstanden, wie wichtig Schule und Bildung für sein späteres Leben sein wird. Wenn ihn mal der Ehrgeiz gepackt hat, kann er penetrant diszipliniert und zielstrebig sein.

Die Therapeutin erklärte uns, wie sie in den vielen Einzelgesprächen mit Jay-Jay herausfinden konnte, wie viel Kraft es ihn kostet, sich in der Schule so zusammenzureissen und alles zu unterdrücken. Sie war die erste, die uns demnach auch logisch erklären konnte warum Jay-Jay so oft als pflegeleichtes, liebes Kind wahrgenommen wird, und er sich dann zu Hause im Jekyll-Hide-Stil zum unausstehlichen Tyrann entwickelt.

Meine Frau hat ihn niemals geschlagen, und sie wird es auch niemals tun, aber es berührte mich sehr, wie sie mir verzweifelt gestand, dass sie Angst davor hat, irgendwann einmal doch die Fassung zu verlieren. Das ihre Nerven einfach blank liegen, wenn Jay-Jay aufdreht, seine kleine Schwester im Haushalt absichtlich in Gefahr bringt, unmittelbare persönliche Bespaßung nachhaltig fordert oder sich eben einfach nur laut quiekende Geräusche machend sich 20 Minuten durch die Wohnung bewegt. Unstopbar. Schrill. Fragt mal unsere Nachbarn.

„Stellen Sie sich ein Kaltgetränk mit Kohlensäure in einer Flasche vor. Und diese Flasche schütteln sie den ganzen Morgen. Das ist Ihr Sohn. Geschüttelt von den Überforderungen, die der Schulalltag ihm beschert. All sein Frust, seine Ängste, seine Sorgen, der ganze Overload an Rahmengeschehnissen, die ein geregelter Schulablauf noch so mit sich bringt. All das muss er verarbeiten und es will eigentlich raus aus ihm – wie die Kohlensäure aus der Flasche. Wenn er nach Hause kommt und er die Schulphase in seinem Tagesablauf routiniert abgehakt hat, öffnet sich die Flasche. Dann kommt alles raus, was den ganzen Tag für Druck gesorgt hat.“    Wir fanden den Vergleich gut, auch wenn meine Frau zu Recht einwarf, dass der Vergleich dahingehend hinkt, dass der Ausbrauch der Kohlensäureflasche nach fünf Sekunden vorbei ist. Jay-Jay kann an „guten“ Tagen das tyrannische Level bis 22:30 Uhr aufrecht erhalten.

Wie auch immer. Für ihn ist es unter den Umständen erst Recht eine riesige Leistung so ein Zeugnis hinzulegen. Wir freuen uns wirklich sehr für ihn. Insgesamt muss man als Zwischenfazit auch einfach mal festhalten, welch gute Unterstützung wir insgesamt vom Staat erhalten. Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier ein falsches Fass aufmache, bin ich schon froh, in einem Land zu leben, welches dieses Maß an Unterstützung, wenn auch mit durch meine Steuern finanziert, leisten kann. Ich stand z.B. den Einzeltherapiestunden im Autismus Therapie Institut sehr kritisch gegenüber. Jay-Jay kam immer relativ selbstsicher und überzeugt, geradezu amüsiert aus den Therapiestunden heraus.

Er erzählte früh, dass er schnallt, was die Dame von ihm will, aber er sich dann daraus gerne Spielchen macht. Nach seinen Schilderungen war ich der festen Überzeugung, da werde nicht therapiert, sondern da eine Runde „Mensch-ärgere-dich-nicht“ zusammen gespielt, und ein Siebenjähriger zieht eine ausgebildete Therapeutin über den Leisten.

Mittlerweile beurteile ich das anders.

Die Empfehlung für die Schule lautet demnach: Gymnasium.

Dies bedeutet für ihn Schulwechsel in einen anderen Ort, an eine andere Schule, mit maximal zwei Jungs aus seiner Klasse. Es erwarten ihn also eine Menge Herausforderungen. Mit Schulassistenz? Ohne Schulassistenz? Schwierig. Jay-Jay hat seine Vorstellungen. Wir haben unsere Vorstellungen. Nicht zwingend deckungsgleich.

Aber hey, Gymnasium, und wir können uns entspannt die Frage stellen ob wir eine Schulassistenz nehmen wollen. Wir müssen nicht darum kämpfen oder betteln. Wir können in Ruhe abwägen und, gleich welche Richtung, ohne nachhaltigen Schaden entscheiden. Luxussituation.

Die Woche mit dem warmen Käsebrötchen hatte demnach also schon durchaus noch einen weiteren emotionalen Höhepunkt zu bieten.

Und es war ja erst Freitag. Am Sonntag spielte Jay-Jay mit seiner Schwester in seinem Zimmer. Das ist selten. Meistens beschäftigt sich meine Frau mit ihm, oder sie beschäftigt sich mit beiden Kindern, wobei die kleine Tochter mit vier Jahren durchaus in der Lage ist, auch mal eine Stunde selbständig und alleine zu malen, oder auf dem Storio rumzutippen.

Die beiden ganz alleine zu lassen, bereitet uns noch immer Unbehagen. Die Hasstiraden auf seine Schwester begannen schließlich schon, als sie sich noch in Mamas Bauch befand. Er würde sie vom Balkon schmeißen, weil es jetzt schon immer nur um sie gehe.

Das entwickelte sich in genau der Härtestufe weiter. Jay-Jays Eifersucht auf seine Schwester ist so immens ausgeprägt wie völlig ungerechtfertigt. Es reicht bei ihm einfach ein winziges Maß an Aufmerksamkeit, dass allein seiner Schwester zuteil wird, und die Eskalation beginnt. Für meine Frau die Hölle.

Und immer wieder wenn man sie doch mal eine Minute alleine lässt, weil man den Eindruck hat, es klappt gerade super, schätzt er eine Gefahrensituation falsch ein und seine Schwester fliegt fast die Treppe hinunter. Er kann, was das angeht, schlecht Konsequenzen einschätzen. Er ist noch heute völlig geschockt, wenn er einen Luftballon versehentlich zum Zerplatzen bringt, und ist dann erschüttert, wenn ich verweigere, den zu reparieren. Die mangelhafte Einschätzung von echten Gefahren wiederum ist beängstigend, weil man sie in Alltagssituationen so schnell vergisst, und er im Gegenzug ja auch komplexere Alltagssituationen zu meistern weiß. Es gab aber auch Zeiten, wo er mir plausibel und sachlich erklärt hat, dass ihm im Straßenverkehr nichts passieren kann. Wenn das Auto auf ihn prallt, geht höchstens das Auto kaputt.

Neulich hätte meine Frau ihn fast überfahren, als sie aus einer Parklücke rausfuhr und ihn bat, an einer Stelle stehen zu bleiben, weil meine Frau erst das Auto rausfahren musste, damit er einsteigen konnte. Er blieb aber nicht stehen.

Der Aufmerksamkeit seiner Tante, die aufgeregt vom Fenster winkte, ist es zu verdanken, dass nichts schlimmeres passiert ist, als Jay-Jay sich hinter das Auto schleichen wollte. Er ist in seiner aggressiven Phase durchaus zu verbalen Standpunktverstärkern in der Lage. Daher sorgen wir uns auch oft um die Kleine.

Da er in der Vergangenheit auch immer mal wieder bei Ausrastern sagte, dass er seine Schwester hasst oder sie auch direkt lautstark beschimpft, oder sie auf eine Unzulänglichkeit, eine schief gemalte Blume oder ähnliches, auf widerwärtigste Art und Weise aufmerksam macht, hat man in all diesen Momenten ernsthafte Zweifel, ob er seiner Schwester gegenüber über positive Empfindungen verfügt.

Die kleine Maus muss viel einstecken und zurückstecken. Gar nicht nur mit meiner Präsenz und Zeit für sie. Auch insgesamt. Die vielen Termine um Jay-Jay gestalten den Wochenablauf. Da sieht es mit planbarer Freizeitbeschäftigung für die Tochter eher schlecht aus. Aber das nur soweit als Rahmen für die eigentliche Geschichte.

Jedenfalls saßen die beiden oben in Jay-Jays Spielzimmer, während Mami nebenan in seinem Schlafzimmer ein wenig aufräumte und versuchte, die Legostadt vorsichtigst zu entstauben.

Die beiden ahnten nicht, dass man nebenan, auch leise gesprochen, jedes Wort hören kann. Sie spielten friedlich und unsere Tochter ergriff nach fünf mucksmäuschenstillen Minuten das Wort:

„Jay-Jay, ich liebe dich.“

Und es dauerte keine drei Sekunden bis er erwiderte:

„Ich dich auch.“

Er hat es ihr einfach so gesagt. Das erste Mal. Meine Frau strahlt wie die Sonne, wenn sie mir von dem Moment erzählt, als sie es hörte. Aber sie musste ja leise sein. Den Satz durfte schließlich kein anderer hören.

Offene Zuneigung ist schwer. Wir wissen, er liebt uns, aber er hat nun einmal seine spezielle Art, uns dies zu zeigen. Bis vor ein paar Jahren gab es noch eine Liebesliste, über die bis zu zehn Menschen auf verschiedene Platzierungen einkategorisiert wurden. Hat sich einer der Menschen besonders schlecht verhalten (ihm zum Beispiel Widerworte gegeben), rutschte man in der Liebesliste eine Platzierung weiter nach unten. Hat man sich großzügig und unterwürfig gezeigt, rutschte man auch schon einmal einen Platz nach oben.

Eine ehemalige Mitarbeiterin von mir hat es bei ihm bis auf Platz fünf geschafft. Er mochte sie sehr gerne. Mama war immer Platz eins. Das hat sich niemals geändert. Das wird sich auch nie ändern. Das hat er immer wieder deutlich gesagt. Meine beste Platzierung war über einen sehr langen Zeitraum Platz acht. A-C-H-T. Ein frustrierender Zustand, über den ich heute zum Glück lachen kann, der mir aber tatsächlich arg zusetzte. Die Mitarbeiterin kündigte dann zum Glück, und im Rahmen unseres Projekts hatte ich wieder mehr Zeit für ihn und konnte mir mittlerweile auch in der Liebesliste einen Champions-League-Platz sichern. Und den werde ich verteidigen.

Dass er offen jemandem sagt, dass er ihn liebt, ist selten. Seine Schwester zehrte von dem Zeichen noch Tage später. In der jüngeren Vergangenheit hat er immer mal wieder zwei oder drei richtig gute Momente mit seiner Schwester, wo er sich überwindet, und sie mal lobt, weil sie beim Kochen geholfen hat, und ihre geformten Klöße besser schmeckten als die von der Mama oder er hilft ihr beim Toilettengang. Es sind die Momente, die meiner Frau und mir enorm Hoffnung geben. Davon ein klein bißchen mehr, und alles wäre perfekt. Alles andere an Eigenarten halten wir aus, oder sie stören gar nicht mehr, oder man hat sich damit arrangiert.

Aber wenn er seinen Mitmenschen, die ihm wirklich nahe stehen, öfters diese Seite zeigen könnte, wären wir überglücklich.

Alles in allem war diese eine Woche dann aber doch eine Woche, die vor emotionalen Höhepunkten nur so strotzte. Dies sollte eigentlich ein Text für ein Buch werden, landet aber nun hier im Blog.

Was lernen wir daraus? Auch bei einem Discount-Bäcker kann man verdammt gute Käsebrötchen bekommen.

18 Gedanken zu „Käsebrötchen

  1. Ilka

    Ich würde gerne so viel dazu schreiben und weiss gar nicht – wo ich anfangen soll. Bei der kleinen Schwester, die zurückstecken muss (und ich WEISS ihr gebt euer bestes, dass es möglichst selten vorkommt). Bei den Kindern, die Jay-Jays Tasche nach vorne stellen, damit sein Tag optimal beginnt. Bei euch Eltern, die ihr versuchen müsst, das alles zu koordinieren … Das ist der erste Beitrag, den ich in eurem Blog lese und ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie anstrengend das für alle sein muss. Für alle – auch für Jay-Jay. Aber toll, was alle leisten und beitragen – wie gesagt … ich hätte noch tausend Fragen und ich würde noch gern ganz viele Gedanken dazu schreiben aber ich sag jetzt einfach an dieser Stelle nur:
    Wow. Ihr seid toll. Alle. Dicker Kuss an die kleine Schwester.
    Ilka

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  2. Pingback: Link-O-Rama vom 23 März 2015 | BielinskiBlog

  3. Bob

    Toll, wie ihr das macht.
    Und doch frage ich mich, wieso sperrt unsere Gesellschaft die Kinder in so enge Sprudelflaschen?
    „Jay-Jay hatte sehr früh verstanden, wie wichtig Schule und Bildung für sein späteres Leben sein wird.“ Das ist unser Selbstverständnis. Aber was ist das Ziel dahinter? Ein Leben ohne Armut, mit Ansehen/Erfolg/gesellschaftlicher Anerkennung? Ist das wirklich die Voraussetzung für innere Zufriedenheit und Glück (nämlich das, was ich meinen Kindern wünsche, und du sicher auch deinen)? Jedenfalls sind das ganz schön enge Fesseln, die wie selbstverständlich den unumstößlichen Rahmen zu bilden scheinen.
    Vielleicht hilft es ja, die eigenen Vorstellungen, wie ein Kind glücklich werden *muss*(!), etwas zu lockern (auf lange Sicht) und dadurch das harte Glas ein bisschen verformbar zu machen. Mehr auf das Glücklich-Sein schauen, und das Glücklich-werden ein bisschen zu vergessen?

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    1. wochenendrebell Beitragsautor

      Hallo Bob,
      vielen Dank für dein Kommentar.
      In Ansätzen kann ich verstehen worauf du hinaus willst. Die Konditionierung der Gesellschaft, wer, was, wie, wo, wann zu leisten hat ist ein Problem.
      Trotzdem kann ich dich beruhigen. Ich glaube uns gelingt es glücklich zu sein und trotzdem vorausschauend die Erziehung unseres Sohnes auch im Hinblick auf Schule und Bildung nicht zu vernachlässigen.Die Glasflasche stellt vielleicht tatsächlich einen unumstösslciehn Rahmen dar, was ja nicht heißt, dass man den ganzen Tag schütteln muss oder nicht auch für die Entweihung des Drucks regelmäßig sorgen kann. Beste Grüße

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  4. Claudia

    Dein Artikel gehört definitiv zu MEINEN Wochenhighlights!
    Unser Jay-jay heisst Noah, ist gerade 4 Jahre alt, hat auch älteren und jüngeren Bruder, und ist in mehreren Verhaltensweisen eurem Sohn so auffallend ähnlich, dass mir Freunde den Link zu deinem Blog geschickt haben. Ich hatte beim Lesen schnell feuchte Augen – mal vor Lachen, mal vor Erleichterung, dass es anderen genauso geht wie uns, aber auch wegen einer gewissen Traurigkeit oder Melancholie.
    Was bleibt ist die Erkenntniss, dass man neben all der Kraft und permanenten Konzentration, die man täglich aufbringen muss, neben all den Aggressionen und Ausrastern, die man aushalten muss, das man neben all dem das grosse und unbezahlbare Glück hat, durch so einen ganz besonderen kleinen Menschen seinen eigenen Blickwinkel erweitert zu bekommen. Ich bin sehr dankbar, dass du deine Gedanken geteilt hast und würde gern mehr erfahren(!!!), weil das Leben auf einem fremden Planeten einfacher ist, wenn man sich mit anderen austauschen kann.
    Alles Gute für euch alle,
    Claudia, Eddy und Söhne

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    1. wochenendrebell Beitragsautor

      Hallo Claudia, vielen Dank für deinen lieben Kommentar.
      Im Blog wird es neben den Erlebnissen auf unseren Fußballtouren (wo es aber auch nicht immer zwingend um Fußball geht) immer mal Blogposts, wie diese, die den Alltag versuchen zu erklären, darzustellen oder die ein oder andere Schwierigkeit oder Besonderheit zu verdeutlichen. Auch Jay-JAy selbst schreibt ja gelegentlich (Kategorie: Jetzt schreibe ich.J.J), was noch einmal sehr spannend ist, weil er dort seinen ganz persönlichen Blickwinkel darlegt.

      Beste Grüße, PApsi

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  6. KiezkickerDe

    Achja, dieses ausdrücken von Zuneigung gegenüber Familienmitgliedern…
    Meine Mutter ruft mich mindestens einmal pro Woche an, und betont jedes Mal, wie gerne sie mich hat. Das freut mich, aber ich muss mir immer wieder bewusst sagen „Sag ihr auch mal, dass du sie wirklich magst“, denn das ist irgendwie seltsam – eigentlich Selbstverständlichkeiten bewusst auszusprechen. Natürlich mag ich meine Mutter. Aber ich gehe halt davon aus, dass sie das sowieso weiss und ich es ihr nicht immer wieder aufs Neue sagen muss. Mein Verhältnis zu meinem jüngeren Bruder würde ich als supereng bezeichnen, ich bin für ihn wohl so eine Art Vertrauensperson, er sagt mir persönliche Dinge meist, bevor er sie anderen erzählt, aber trotzdem käme ich nie auf die Idee ihm gegenüber zu sagen, wie gerne ich ihn habe.
    Auch wenn die beiden das öfter zu mir sagen, es fühlt sich für mich komisch an, solche Selbstverständlichkeiten wie das gegenseitige Mögen bei einem Familienmitglied so zu betonen. Ich erinnere mich nicht mehr an den Moment, wann ich es das letzte Mal zu meinem Bruder sagte, dass ich ihn mag, er sagte mir das irgendwann in der letzten Woche. Aber ich glaube, er weiss es auch, ohne das ich es ihm so explizit sage…

    Ich denke, das wird dein Mädel auch wissen. Auch wenn sie sich gerne miteinander zoffen – das tun aber letztlich alle Geschwister….?

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  7. svenlpz

    Hi Glückwunsch Jay-Jay, seinen Eltern und allen Betreuern,
    das ist alles andere als selbstverständlich, das es so gut läuft. Viele andere Aspies können oder dürfen nichtmal eine normale Schule besuchen. Bei uns ist etwas ruhiger ausgeprägt, wobei es da ganztägig immer mal wieder zu Problemen kommt. Unsere Schulassistenz wurde leider schon nach dem ersten Schulhalbjahr eingestellt. Naja, wir stehen jetzt ein Jahr vor dem wichtigen Schritt, wohin geht es nach der Grundschule.
    Als ich dann von dem Gespräch mit Jay-Jays Schwester gelesen habe, da musste ich weinen. Es ist viel viel schwerer diesen keinen Satz zu sagen, als ein gutes Zeugnis zu bekommen.
    Dies zu hören, gerade wenn man die Angst um das kleinere Kind kennt, ist einfach nur himmlisch.
    Auch bei uns ist diese Angst ständig präsent. Der Aspie kann sich häufig nicht ruhig und überlegt genug gegen seinen Bruder, bei uns, artikulieren. Wir haben manchmal zugehört wie sie „miteinander“ reden, aber doch jeder am anderen vorbei spricht. Umso wichtiger ist und war der Schritt, zuzuhören und darauf einzugehen.
    Liebend gern würden wir euch zu uns einladen, ein Heimspiel mit uns zu besuchen und unseren Verein, Projekt, kennen zu lernen. Bringt doch doch eure Mami und Schwester mit, sie können dann mit unserem Kleinen 4 und unserer Mami den Zoo besuchen.
    Ich wünsche euch ein weiter so, der Weg ist gut und richtig.
    Liebe Grüße
    Sven

    Antworten
    1. wochenendrebell Beitragsautor

      Hallo Sven,
      vielen Dank für deinen Kommentar und die liebe Einladung.
      Mama nutzt unsere Touren gerne einmal zum Durchatmen* ( manchmal auch zum Bügeln und was eben mal so liegen bleibt).
      Momentan sind unsere Touren leider nicht sonderlich langfristig planbar, aber wir versuchen zukünftig etwas früher Bescheid zu geben um den ein oder anderen geknüpften Kontakt zu vertiefen.

      Gruß
      M.

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  8. Anita

    Hallo JayJay,

    tolles Zeugnis!

    Lernen selber ist so „einfach“, wenn denn mal Ruhe in der Klasse wäre, sagen meine vier Kinder immer! 😆

    Hallo Wochenendrebell und Frau,

    seid Euch gewiss, dass er Eure Tochter liebt. Es ist halt immer schwierig, wenn „man“ im Moment lebt und handelt, dies auch jederzeit präsent zu haben!

    Und mal ehrlich, was Euer Junge da leistet ist zu werten wie ein Bergarbeiter im 19. Jahrhundert!

    Der Vergleich mit der Flasche Wasserflasche ist gar nicht schlecht. Die Flasche ist halt nur überdimensional groß. 😉

    Liebe Grüße
    Anita

    (die Euch noch viele warme Momente des Glücks wünscht!)

    Antworten
  9. politgirl

    Ihr Lieben, wie immer kommt mir das alles sehr bekannt vor, die Erzählung rund um die Schwester incl. das „zeigen“ von Gefühlen bis hin zur schulischen Situation, die ich nur mit dauernden Kämpfen an allen Fronten mit allen Therapeuten und Ärzten und teilweise auch mit der Presse, über Jahre hinweg erträglich und lernfördernd und aktzeptierend gestalten konnte. (Neulich gab es es blauen Brief^^, es hört also nie auf.)

    Das „zusammenreissen“ in der Schule kostet unendlich viel Kraft unseren Kindern und verlangt ihnen und letztlich auch uns, denn die Overloads die in der Tat über Stunden andauern können sind grauenvoll, alles ab.
    Da ging schon mal das eine oder andere Möbelstück kaputt oder Max lief weg und wir haben ihn stundenlang gesucht. Oder er verlässt mitten in der Schulzeit die Schule oder er versteckt sich in der Schule und alle suchen ihn und, und , und. Wir könnten auch Bände füllen.

    Egal. Durchhalten. Immer. Irgendwie.

    <3 Doreen

    Antworten
  10. Tanja (@fschmidt77)

    Glückwunsch an Jay-Jay zum tollen Zeugnis!

    @Mama und Papsi von Jay-Jay:
    So stolz, wie ihr auf euren Sohn seid, wie er es schafft, die Schule zu meistern, so stolz solltet ihr auch auf euch sein! Vielleicht macht ihr nicht alles richtig (mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sogar), aber ihr macht euren Kindern jeden Tag ein riesiges, unbezahlbares Geschenk: bedingungslose Liebe! Darauf könnt, solltet, eigentlich: müsst ihr stolz sein.
    Denn der Vergleich mit der Sprudelflasche, die geschüttelt wird, trifft ja auch auf euch zu. Und da Tag für Tag die Geduld aufzubringen, die Kohlensäure nur ganz langsam abzulassen, dafür habt ihr meinen Respekt und meine Bewunderung! In diesem Sinne: Nehmt euch mal eine Minute, um stolz auf euch zu sein und passt auf euch auf!

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