#31 Marie liebt den FC Bayern München

Dies ist ein Brief für meinen Sohn. Eine Vielzahl netter Menschen hat sich die Zeit genommen um Jay-Jay ein paar Zeilen nieder zu schreiben und ihm Details zur Findung ihrer Fußballliebe zu verraten. Woche für Woche veröffentlichen wir eines der großartigen Werke unterschiedlichster Autoren. Innerhalb weniger Monate ist auch mit einer Antwort zu rechnen. Alle Briefe und Antworten findet man dann hier. Die Antwort des Sohnes auf den Brief von Marie findet man hier. Was bei ihr mit der Vereinswahl schief gelaufen ist erfahren wir leider nicht. Sie wirkte eigentlich ganz nett.

Hallo Jay-Jay,

seinen Verein sucht man sich gar nicht so wirklich aus. Es bahnt sich zwar schon länger an, aber dann ist er da und so oft man ihn auch hinterfragt, kritisiert und verflucht, der Verein bleibt. Zumindest, wenn er so tief im Herz verankert ist, dass er dort nicht mehr verschwinden möchte. Mein Verein ist der FC Bayern.

Mit 6 Jahren habe ich gemeinsam mit meinem Papa die Sportschau verfolgt und mich mitgefreut oder geschimpft. Das erste Mal Olympiastadion und damals schon stolz, den Bayern-Schal zu tragen. Die Schulzeit und der Sportunterricht im Bayern-Trikot. Ich wuchs im Vogtland auf, das eigenständig sein möchte und sich geographisch bloß nicht zu Sachsen zählen möchte, und konnte deshalb nicht so oft im Stadion sein. Das änderte sich, als ich nach dem Abitur nach Augsburg zog – näher zum Verein. In all den Jahren stellte sich nie die Frage, ob ich meinen Verein weiter unterstützen möchte. Dann zog ich wieder weg von meiner rot-weißen Liebe, ausgerechnet in den Norden nach Hamburg. Und habe mich dort dem Fanclub angeschlossen und an vorderster Front organisiert. Auf dem Weg zum Stammtisch wurde ich oft böse beschimpft und beim Stammtisch musste ich natürlich auch erst einmal zeigen, dass ich mich als Blondine nicht nur wegen der Haare von Mario Gomez für den FC Bayern interessiere. Und trotz aller Widrigkeiten und dem vielen Stress, den man sich auf einigen Fahrten zumutet, würde ich niemals bereuen, dass ich mich für den Rekordmeister entschieden habe. Soweit ich mich eben entscheiden konnte.

Von der sogenannten Vereinsliebe meiner damaligen Klassenkameraden ist oft nur ein Facebook-Like geblieben. Ich dagegen stehe, so oft es eben geht im Block, und brülle mir die Seele aus dem Leib. Ich liebe meinen Verein und werde ihn immer lieben – egal, ob den jetzt ganz viele Leute ziemlich doof finden.
Es wird spannend zu sehen, Jay-Jay, was für ein Fan du mal werden wirst. Allesfahrer? Sitzplatzsympathisant? Hör auf jeden Fall auf deinen Papsi, sollte er Dir mal sagen, dass es zu viel wird. Mein Papa, der mir den Verein mit auf den Weg gegeben hat, sagt mir heute oft, ich soll es nicht übertreiben und auch mal an meinen Mann denken. Womit er natürlich recht hat.
Ich könnte jetzt seitenlang weiterschreiben, aber ich möchte dich ja auch nicht langweilen, darum: Egal, für welchen Verein dein Herz mal schlägt, er wird es wert sein, dass du vieles auf Dich nimmst. Weil er dir so viel zurückgibt, dass es sich lohnt, dass du auch mal beschimpft wirst oder auch tagelang in einem Bus hockst. Du wirst auf jeden Fall entschädigt – mal weniger, mal mehr.
Viel Freude mit deinem Verein wünscht:
Marie.
FC-Bayern-München-Logo
Die bezaubernde Marie findet ihr hier auf Twitter. Bitte folgen!
Was es mit diesem Brief auf sich hat, warum du auch einen schreiben darfst musst und wer dieser Jay-Jay ist erfährt man hier.
 

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