My first ground

Es war der 11.09.2013 und es war auch so ein seltsamer Tag.

Ich hatte mir einen halben Tag frei genommen, weil der Sohn heute von seiner ersten Gitarrenunterrichtsstunde zurückkehrt und ich das schlimmste befürchtete; das erfolgreichste aller Springermedien machte im Sport-Teil groß damit auf, dass Messi auch Asperger-Autist sei und der Modebeauftragte des Web04 folgte mir plötzlich auf Twitter. Wer meinen Auftritt beim Schalkedelsol, einem Gelsenkirchener Twittertreffen, miterlebt hat, der kann nachvollziehen, dass ich dieses Following zunächst als nachträgliche Häme zu meinem damaligen Outfit verstanden haben wollte, woraufhin ich den werten neuen Follower ergoogelte. Es gab einen Artikel über ihn, der ihn tatsächlich als Model outete und zudem als Gitarrist einer Band, dessen Name mir bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nichts sagte.

Nun ja. Die Band gefiel und spielt zudem demnächst nur knappe 30 km von hier.

Was das alles zu bedeuten hat?

Eigentlich ganz einfach. Gestern wurde Bach zum IOC Präsidenten gewählt und trotzdem ist alles im Fluss. Der Sohn wählt in der Schule Gitarrenunterricht anstatt Kampfsport, was Mami lieber gewesen wäre. Dem Papsi folgt der Gitarrist der Band Kmpfsprt, der wiederum Modebeauftragter beim Web04 ist. Der Papsi läuft oft rum wie ein Staubsaugervertreter. Sagt zumindest der Zippy, der keine Feuerzeuge herstellt und glaube ich nicht einmal raucht, und umso enttäuschter war ich dann, als ich feststellen musste, dass der Song

„Sie nannten ihn Staubsaugerjunge“

eigentlich

„Sie nannten ihn Staubsaugerlunge“

heißt und es noch nicht einmal um mich geht.

Pah. Egal.

Mir ist es gelungen, in dieser Woche eine Meet&Greet Möglichkeit mit Lars Ulrich abzusagen und das Paramore-Konzert zu vergessen, auf welches ich eigentlich gehen wollte. Stattdessen musste ich dem Sohnemann erklären, warum er in den Herbstferien mit Mami, Opa, Oma, Schwester, aber eben ohne Papsi in den Urlaub fliegen muss.

Jogginghosen-Mode und Gitarren-Kampfsport eines Staubsaugervertreters.

Mein Leben in einem Satz. Vergesst es.

Assoziationsoverload. Kommen wir zum wesentlichen.

Nun sitze ich hie rund starre auf die Dinge, die vor mir ausgebreitet liegen.

Fünf verschiedene Tageszeitungen, Kicker, Sport Bild, Spiegel der entsprechenden Woche, die Musik Charts, die ersten abgeschnittenen Haare, der erste Milchzahn, die ersten Schuhe, der erste Popel, die ersten Söckchen, der erste Strampler, sein erstes Festival Shirt, sein erstes Bilderbuch, sein Lieblingsbabyspielzeug usw..

Das ein oder andere lesende Elternteil kennt das vielleicht. Für das erste Kind müssen Erinnerungen aufgehoben werden. Beim Sohn ist dies mittlerweile eine ansehnlich gefüllte Kiste von 110 cm Breite, 60 cm Höhe und 40 cm Tiefe. Er soll sie zu seinem 18. Geburtstag bekommen. Ich schrieb dies ja schon mal, dass Eltern beim ersten Kind ein wahnsinniges Bohei veranstalten, was sich bei Kind zwei so dermaßen legt, dass man Angst haben muss, ob Kind drei überhaupt noch einen Vornamen erhält.

Ich glaube, ich habe so meine nostalgisch-sentimentalen Momente, was mich oft dazu verleitet, vieles nicht  nur gedanklich festhalten zu wollen. Das ist schwer, denn die besten Momente lassen sich nie festhalten. Hätte man die Gelegenheit dazu, wäre es kein bester Moment mehr, weil man in besten Momenten keinen Gedanken daran verschwendet, die Kamera herauszuholen, um den Jubel des Stürmers von Fortuna Düsseldorf fest zu halten, der in der Nachspielzeit des Champions-LeagueFinales das entscheidende Tor …

Ich glaube, ich habe meine futuristisch-utopischen Momente, was mich oft dazu verleitet, vielleicht unrealistische Dinge realisieren zu wollen. Das ist schwer, denn die besten Ideen lassen sich nie alleine umsetzen. Hätte man allerdings Unterstützung, so könnte durchaus Großes entstehen. Wichtig für optimales Gelingen ist, dass die Unterstützer mit kleinem Aufwand zu etwas Großem beitragen können. Schwieriger wird es, wenn man relativ viel leisten soll – im Verhältnis zum zu erwartenden Resultat.

Ich habe gestern mehr oder weniger zufällig überschlagen, dass der Sohn nun mehr Fußballspiele der ersten und zweiten Liga live gesehen hat, als ich bis zum vergangenen Jahr und dem Beginn unseres Projektes in meinen ersten 30 Lebensjahren. Wie der ein oder andere sicherlich schon festgestellt hat, gilt im Rahmen unseres Projektes mehr der Weg als Ziel, aber trotzdem wird die Entscheidung, welcher Mannschaft der Sohn sein Herz schenkt, sollte sie dann, wann auch immer fallen, natürlich Auswirkungen auf unsere weiteren Fußballreisen haben.

Mit der Dauerkarte von Energie Cottbus, Holstein Kiel oder dem SC Freiburg ausgestattet und bei wöchentlichen Fahrten von zwölf Stunden und mehr wird auch dieses Blog dann wohl sein Ende finden, oder zumindest einen stilistischen Wandel hin zu mehr dramatischen Leidensberichten erfahren.

Nein, im Ernst. Was im Rahmen der letzten Berichte immer ein wenig untergegangen ist, ist, dass der Sohn seinen Verein finden soll, dies aber unfairerweise durch einen einzigen Spielausgang, ein blökendes Maskottchen oder das unglückliche Verhalten eines einzelnen Fans beeinflusst werden könnte.

Ich habe vor einiger Zeit via Twitter versucht, die Erinnerungen an den ersten Stadionbesuch zu beleben, und bin von der Anzahl an Rückmeldungen, sowie von den daraus resultierenden Konversationen und Geschichten, immer noch beeindruckt. Einige durften noch Stan Libuda live erleben, haben den 1.FC Köln in der Westkampfbahn spielen sehen, sind wegen Littbarski ins Stadion um dann als HSV-Fan wieder heraus zu kommen, und zwei Teilnehmer haben im Rahmen einer weitergehenden Diskussion festgestellt, dass sie in der Jugend gemeinsam im gleichen Verein gekickt haben.

Die immense Anzahl an Rückmeldungen, in Verbindung mit der anregenden Diskussion zweier Twitterer am heutigen Tag, die die Unterschiede zwischen dem FC Bayern München und RB Leipzig zu definieren versuchten und von denen gefühlt mindestens einer von beiden eigentlich vor einem Trümmerhaufen seiner Fanbeziehung gestanden haben müsste, hat mich ermutigt, einen Gedanken zu äußern, mit dem ich schon einige Zeit schwanger gehe, mich aber mangels Sorge vor zu wenig Rückmeldungen nicht getraut habe ihn zu äußern.

Wie ihr vielleicht wisst, nutzen wir die Zugzeit gerne für den hemmungslosen Konsum von Fußballmedien. Der Sohn mag natürlich den Schiedsrichterpodcast von Collinas Erben. Wir haben uns aber auch schon am Rautenradio erfreut, und seit vorletzter Woche ist auch des Sohnes Götze(n) -Bild, dank der Erfolgsfans und Herrn Quambusch, u.a. Leiter für dieses spannende Projekt, ein wenig ins Schwanken gekommen.

Zusätzlich blättern wir uns natürlich durchaus auch durch die Vielzahl an lesenswerten Fußballblogs, auch wenn die Themen einzelner Posts für den Sohn dann doch manchmal zu spezifisch sind, oder zu viel Hintergrundwissen des entsprechenden Vereins erfordern, und wir, oder besser gesagt er, ja hauptsächlich versucht, eine Frage zu ergründen.

Immer, wenn wir planen, innerhalb einer Tour einen der Blogger oder auch Twitterer zu treffen, interessiert ihn meistens nicht der Name desjenigen, sondern von welchem Verein derjenige Fan ist – und vor allem warum.

Wie ist er Fan von X geworden?

Warum ist er Fan von X geworden?

Hat der auch mal gewechselt wie du, Papsi?

Eine Information, die man in den Blogposts auch gelegentlich, wenn aber auch nicht ausführlich findet und aus den Tweets ebenfalls nicht erfährt.

Er traut sich dann bei den Treffen auch meistens nicht zu fragen, oder der Faktor Zeit lässt ihm nicht die Gelegenheit, ein ausreichendes Maß an Vertrauen zu fassen, um überhaupt ein Gespräch zuzulassen.

Vielleicht habe ich den Sohn mit dem Star/Fan zwischenzeitlich ein wenig überfordert. Er sortiert zwar nach und nach Mannschaften aus, aber einen triftigen Grund, warum er nun Fan von X oder Y werden könnte, hat er noch nicht in ausreichendem Umfang erlebt.

Nennt es übertrieben, lächerlich oder unsinnig, aber warum soll ich dem Sohn erzählen wie toll es ist Fan von Kaiserslautern, Aue oder RB Leipzig zu sein?

Das könnten die entsprechenden Fans doch viel besser.

Darum darf dies als Aufruf betrachtet werden, mich oder, besser gesagt uns, zu unterstützen. Werdet Mitglied in der „Mannschaft-für-Sohn-Findungskommission“ und beantwortet mir – frei nach Euren Vorstellungen – die Frage, warum ausgerechnet der FC X Euer Verein und Eure Liebe ist, wie es dazu gekommen ist und was Euch der Verein gibt.

Eure Beiträge, gleich welcher Länge und welchen Umfangs und Inhalts, ob mit Foto oder ohne, ob kurz oder lang, werde ich dann hier im Blog und auf der Facebookseite unter Nennung Eures Namens/ Twitternamens/ Pseudonyms veröffentlichen und mit dem Sohn besprechen.

Dies wäre eine großartige Unterstützung und passende Lektüre auf dem Weg zum jeweiligen Team.

Um in Erinnerung an die Einleitung Eurem Schaffenswerk ein wenig Nachhaltigkeit zu geben, würde ich mich zudem freuen, wenn ihr Eure Zeilen direkt an Jay-Jay richtet. Dies ist nicht sein richtiger Name, aber anscheinend der coole Spitzname, den er in der Schule verpasst bekommen hat. Ich werde ihm die Zeilen vorlesen und mit ihm besprechen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass diese Kategorie dann auch zur feierlichen Blogübergabe zu seinem achtzehnten Geburtstag noch einmal sein Interesse weckt.

Sendet mir Eure Beiträge bitte per Mail an:

jay-jay@wochenendrebell.de

Alternativ könnt ihr Eure Geschichte auch direkt in die Kommentare packen. Lasst mich dann aber wissen, falls es nicht in Ordnung ist, diese in die neue Blogkategorie zu kopieren.

Fragen oder auch Anregungen ebenfalls per Mail oder auf Twitter über @collinisue.

Wir freuen uns über jedwede Form von Fanwerdungsgeschichten, selbst wenn es „nur“ die Bestätigung der Behauptung aus dem letzten Blogpost ist, was regionale Nähe in Verbindung mit Erfolgsfaktoren von Mannschaften angeht.