Radiorebell – Episode #13 – Asperger-Autismus

Die Impfungen unseres Sohnes,11 Jahre, Asperger-Autist, kombiniert mit der emotionalen Vernachlässigung nach der Geburt und dem Stress, dem er ausgesetzt war, während der Schwangerschaft, hat uns einen behinderten Sohn geschenkt, dem man drei Säcke Streichhölzer vor die Füße schmeißen kann und er erkennt die Anzahl innerhalb weniger Sekunden. Er kann das auch mit brennenden Streichhölzern. Er ist quasi Rain Man 2.0 und das sieht man ihm auch an. Das sieht man nämlich allen Autisten an. Sie sehen aus, wie verrückte Genies, die leider nicht in der Lage sind ein selbständiges Leben zu führen und in der Regel zu gefühlskalten Amokläufern mutieren. Zum Glück lässt sich Autismus heilen.

Das ist natürlich alles außerordentlicher Bullshit und das wissen die meisten Leser des Blogs und Hörer des Podcasts natürlich und in dem Moment, wenn ihr in einem Blog oder in einem Podcast Informationen über die Heilung von Autismus erhaltet, dürft Ihr das Browserfenster radiorebell-e13-asperger_autismus-1920x1080schließen und euch der ernsthaften Infosuche widmen. Jay-Jay ist Autist und die vielen Nuancen seiner Persönlichkeit entwickelten sich weniger wegen seines Autismus, sondern mit seinem Autismus, aber hauptsächlich geprägt von seinen selbst gemachten Erfahrungen und Entdeckungen. Im Podcast schildert er seinen Autismus unterteilt in die „Behinderungen“ und die „Behilflichkeiten“, denn neben den Schwierigkeiten, die er als Asperger-Autist in dem ein oder anderen Bereich hat, so sieht und empfindet Jay-Jay auch Vorteile, auf die er auch keinesfalls verzichten möchte.

Ich bin weder Autismus-Experte, noch Mediziner oder Asperger-Therapeut und mich interessieren wissenschaftliche Hintergründe nur sekundär, aber Jay-Jay hat einen außerordentlichen Ehrgeiz entwickelt der Welt zu zeigen was er alles kann und ich bin mir sicher: was er schaffen will, wird er auch schaffen und das nicht weil er die außergewöhnlichen Fähigkeiten eines Savants besitzt, sondern weil er fleißig, ehrgeizig, neugierig, wissbegierig, hartnäckig und diszipliniert und hoch konzentriert an Dingen arbeiten kann, auch wenn er gelegentlich sehr freakig erscheint.

Ich habe Jay-Jay leichtfertigerweise vor fünf Jahren gesagt, dass ich die Welt ein bisschen besser mache bevor ich irgendwann gehe. Nun stehe ich hier vor dem gesellschaftlichen Scherbenhaufen einer erstarkten oder zumindest jetzt wieder offensiv auftretenden Rechten und einem Europa dessen Zusammenhalt auch nur noch subventionsgeprägt zusammengekleistert ist und muss schon meine letzte Patrone raushauen. Der Sohnemann macht die Welt einfach selbst besser. Ich helfe ihm dabei. Er verfügt da insgesamt sowieso über mehr Fähigkeiten als ich und wenn ich lieb bin, darf ich vielleicht einer der ersten sein, die den Mars bevölkern, wenn Jay-Jay ihn bewohnbar gemacht hat. Wie auch immer. Ich habe im Podcast versucht mich von wissenschaftlichen Ausführungen fern zu halten, den Sohn seine Sicht schildern zu lassen und habe die vielen Momente, wo wir ihn „an die Wand klatschen könnten“, weil unsere Nerven so unfassbar blank lagen, wenn er stundenlang mit wie ein Hund bellend durchs Wohnzimmer fährt oder seine Schwester mit fiesesten Provokationen malträtiert, außen vor gelassen. Geplant aber ebenfalls nicht zur Sprache kam leider die fehlende Sichtbarkeit von Autismus.  Dazu vielleicht lieber ein andermal einmal mehr. Wie war das eigentlich mit der Diagnose? Wie kamen wir dazu unseren Sohn diagnostizieren zu lassen? Was ist für den Sohn das Problem, wenn er gefragt wird ob er behindert sei? Was hat es mit den Behinderungen und den Behilflichkeiten auf sich? Wie geht der Sohn ganz persönlich mit seiner Situation um? Würde er seine Behinderung wegzaubern wollen? Welches Lebensziel wird ihm durch Autismus verwehrt? Warum fehlen einem keine fünf Millionen Euro? Warum ist Jay-Jay mit elf schon erwachsen? Wie ist der Stand seines Forschungsprojekts und was wird das Thema der nächsten Folge unseres Podcasts sein? Wie ekelhaft sich ein Salatblatt im Mund anfühlen kann klären wir ebenfalls, so wie auch ca. 0,5 % seiner ganz individuellen Herausforderungen und seine Taktik im Umgang mit Mitschülern. Wie anstrengend es ist, wenn morgens Dein Sitzplatz im Bus nicht frei ist und welche Auswirkungen auf den gesamten Tag haben kann, erklärt Jay-Jay eindrucksvoll und auch das Thema Wahrnehmung, bzw. die Funktion von Hirnfiltern reissen wir an.

Gegen Ende des Podcasts sprechen wir u.a. über die Wahrnehmung mit und ohne Filter und kommen auf dieses Bild zu sprechen.

Gegen Ende des Podcasts sprechen wir u.a. über die Wahrnehmung mit und ohne Filter und kommen auf dieses Bild zu sprechen, welches bei uns im Wohnzimmer hängt.

Fragen über Fragen, die wir in der neuen Folge unseres Podcasts beantworten. Wir bewegen uns recht unstrukturiert durch das Leben meines Sohnes und sprechen über die Aspekte von Asperger über die er sprechen möchte. Dadurch ergibt sich vielleicht kein vollständig rundes, vollständiges Bild, aber man bekommt vielleicht eine Vorstellung vom Umfang der Schwierigkeiten, Herausforderungen und von der Tiefe der schönen Momente.

Wer sich wirklich etwas intensiver mit der Thematik auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich das Stöbern in folgenden Blogs von engagierten Autisten. (Wenn ich etwas über das Bäckerhandwerk wissen möchte, frage ich ja auch keinen Kumpel des Bäckers.)

Am hilfreichsten sind für mich ganz persönlich die Ausführungen von Benjamin Falk im Realitätsfilter. Ihm gelang es mir der vorhandenen groben Muster bewusst zu werden ohne zu vergessen, dass es sich auch bei jedem Autisten um eine ganz individuelle Persönlichkeit handelt.

Ausserordentlich beeindruckend sind immer wieder die Ausführungen von Marlies Hübner im Blog Robotinabox.de und in Ihrem Buch „Verstörungstheorien

Das Fotobus entdeckte ich über Twitter. Das leidenschaftliche Engagement tagtäglich Medien mit Ihrem Unsinn, den sie über Autismus verbreiten zu konfrontieren und Richtigstellung einzufordern ist enorm. Sie schützt damit auch meinen Sohn.

Sehr großartig ist auch Daniela Schreiters Blog Fuchskind. Ihr Buch „Der Schattenspringer“ hat unserem Sohn sehr geholfen, da er erstmals begriff, dass er nicht alleine ist mit den Herausforderungen, die für ihn schwierig sind und mit den Ansichten, die nicht jeder mit ihm teilt. Ihr Comic-Buch „Schattenspringer 2- Per Anhalter durch die Pubertät“ ist hier bestellbar.

Sehr aktiv um Aufklärung bemüht ist Alexander Knauerhase, Betreiber von  Quergedachtes und  Autor des Buchs „Autismus mal anders“

Die Hobbithexe möchte irgendwann ein Buch schreiben über die 375 Möglichkeiten in der Schule zu scheitern obwohl man intelligent ist. Auch das Buch würde ich lesen. 

Wie enorm wichtig Diagnose sein kann, beschreibt BloOsPlanet sehr bewegend in Ihrem Blog.

Das größte Portfolio an Informationen aus tausenden Quellen bietet Michael Schmitz auf Autismusbuecher.de, wobei die Seite eigentlich Autismusbuechertrailerlinksund mehr.de heißen müsste. Hier verliere ich mich nachts um der wunderbaren Temple Grandin zu lauschen.

Wenn wir über sehr aktive Autisten sprechen darf Denise Linke nicht fehlen. Sie ist Herausgeberin des N#mmer Magazins, einem Magazin für Autisten, AD(H)Sler

Ebenfalls sehr lesenswert empfand ich ganz persönlich:

Ellas Blog von Silke Bauerfeind, die in sehr übersichtlichen Kategorien das Thema Asperger aus allen Blickwinkeln beleuchtet.

Sehr viel lernen über Missverständnisse zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen kann man im Blog von Frau Gelhaar.

Der beeindruckendste Blog über das Familienleben mit einem Autisten liest man im Blog Butterblumenland. In den niedergeschriebenen Gedanken finde ich mich oft wieder.

Spät diagnostiziert wurde auch Mädel76, die Ihren klugen Gedanken im Blog Raum schenkt.

Ich habe diesbezüglich sicherlich noch einige vergessen, werde dies aber nun nach und nach in der Blogroll nachholen.

Mein Sohn und ich podcasten zu Themen, die wir jeweils vorab in eine große Losbox werfen. Jay-Jay ist elf und Asperger-Autist. Eine Übersicht der Themen, findet man hier.

 

Ein Gedanke zu „Radiorebell – Episode #13 – Asperger-Autismus

  1. Rachel

    Super spannendes Interview.
    Mir wurde gerade klar wie unglaublich anstrengend ich wohl manchmal für meinen Mann sein muss…bhu.
    Ich find es sehr schön wie ihr miteinander sprecht und kann Jay Jay in vielen Dingen gut verstehen.

    Vielleicht würde es auch helfen, mit erwachsenen Asperger-Autisten zu sprechen die mehr Lebenserfahrung haben und sich daher besser mit den Definitionen auskennen?

    Ich denk, er wird nach der Schule merken das die Welt der Erwachsenen sogut wie keine Rücksicht darauf nimmt, was für soziale Probleme Autisten nunmal haben aber man kann trotzdem ein erfülltes Leben haben und zufrieden sein.

    LG Rachel

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