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Rote Karte!

Ich hätte schon unmittelbar nach Einstieg misstrauisch werden können. Im gut gefüllten ICE Richtung München war ein Doppelsitzplatz frei, direkt hinter ein paar netten, alten Damen.

 

Ich hatte den Laptop noch nicht aufgeklappt, als unter lautem Gekicher der Sektkorken, der von einer der netten, alten Damen an die Decke des Zuges katapultiert wurde, soeben knapp an meiner rechten Schläfe vorbei schoss.

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Berlin,Berlin!

„Ooooorrrrrrr, Mama, nie darf ich neben Dir sitzen“

„Krieg ich was Süßes?“

“Ich muss Pipi“

(Manchmal) hat es auch was Gutes stolzer Papa eines aussergewöhnliches Kindes sein zu dürfen.

Während es einigen Kindern gelang, sowohl ihren Eltern als auch vielen anderen Mitreisenden des ICE 595 von Berlin nach München den letzten Nerv zu rauben, saß mein Sohn buddhagleich auf Platz 12 des Wagen 5 und zog sich genüsslich das „50 Jahre Bundesliga Hörbuch“ des 11 Freunde Magazins  rein, um sich direkt im Anschluss dem Beginn von Folge 42 von Collinas Erben einzuverleiben. Zeitgleich studierte er alte Taktikanalysen der Sport Bild und verglich, in diesem Fall Spielsysteme der acht! verbliebenen Championsleague – Teilnehmer.

Es ist dann schon ein wenig beängstigend/beschämend/peinlich/erniedrigend wie mich mein 7-jähriger Sohn mit ein oder zwei Fragen zu den Vorteilen des 4-2-3-1 gegenüber des 4-3-3 im ICE Großraumabteil da stehen lässt, wie Lothar Matthäus vorm Sendechef von Al Jazeera.

Planlos vor Mannheim. Weiterlesen

Triebkopfschaden

Triebkopfschaden

Ich mag Bahnfahren. Aber Ich mag DB-Laien nicht. Eigentlich sollte sich niemand mit mir ein Großraumabteil teilen dürfen wenn er nicht mindestens eine Evakuierung auf freier Strecke vorweisen kann.Diese Rumheulerei wenn auf einer 6 Stunden Strecke , der Zug 10 Minuten Verspätung hat erfolgt ja meistens von Personen, die selbst bei eigenverantwortlicher Anreise zu einem Date oder Termin im eigenen Wohnort 20 Minuten zu spät kommen. Und das ohne die berühmten Fallen, die eine Bahnfahrt im Fernverkehr so mit sich bringen kann.

Ein wenig Bahn-Jammer-Professionalität erwarte ich also schon wenn man sich mit mir so durch Deutschland bahnt. Daher hier ein paar Tipps für die DB Rookies.

Ein nicht unerheblicher Teil der Ausfälle und Verspätungen resultiert aus Problematiken, die auch an jedem anderem Arbeitsplatz geschehen. Der Zugführer hat verschlafen oder die Crew des Anschlusszuges ist an der Hotelbar versackt. Und wer sagt denn das es nie passiert , dass der geplante Zugführer kurz vor Abfahrt  hinter dem Ostflügel des Frankfurter Flughafens von seinem Crackdealer verdroschen wird?

Dies sind natürlich keine Durchsagen, die man im ICE zu hören bekommt. (Obwohl es göttlich wäre, oder?) Die DB verwendet daher einen saisonalen Trouble Code, der vom jeweiligen Zugpersonal durchgesagt wird:

In den Monaten November bis Februar sind dies selbstverständlich:

Vereiste Weichen!

Gerne wird in den genannten Monaten, je nach Witterung auch mal gerne in den März hineinreichend auf die vereisten Weichen verwiesen, wenn es zu Verspätungen oder Zugausfällen kommt. Besonders gut geschultes DB Personal achtet gelegentlich sogar darauf diese standardisierte Ansage nicht an milden Februardienstagen bei +8 Grad zu verwenden.

Böschungsbrand

Der Böschungsbrand ist quasi die vereiste Weiche des Juni, Juli und August. Dieses flammende Inferno begegnet einem häufiger als man es nach erstem Hören erwartet. Meinen Berechnungen zu Folge und unter der Vorraussetzung normalen Pflanzenwachstums kann es auf der Strecke München-Hamburg keinerlei Böschungen mit einer Höhe vom mehr als 10 cm mehr geben.

Motiviertes DB Zugbegleitpersonal schafft es meist sogar etwas panischen Unterton in die Durchsage zu legen, so dass nur die ganz hartgesottenen Hardcorebahnfahrer sich nicht gleich aus Angst vor dem flammenden Inferno auf einer der 2 (von 9) nicht defekten ( Schnitt 2012) ICE Toiletten einschließen.

In  der meist direkt folgenden auf  englisch gesprochenen Variante meint man oft: „Burn, motherfucker, burn “ heraus zu hören.  Dies spielt sich aber größtenteils unterbewusst ab.

Triebkopfschaden

Die Allroundwaffe. Gefürchtet von jedem DB Heavy User und im Ranking direkt hinter der Oberleitungsstörung liegend wird diese meist in den Zwittermonaten eingesetzt in denen selbst der „Nur-an-Muttis-Geburtstag-mit-der-Bahn-Fahrer“ nicht glaubt, dass eingefrorene Weichen der Grund für die 2-stündige Verspätung sein könnten.Aus aktuellem Anlass weisen wir jedoch darauf hin, dass ein Triebkopfschaden sich nicht eignet um das erste Treffen mit den Eltern von „der Mann“ zu verhindern.

Das sich Zugführer jahrelang über grimmige Blicke gegenüber Fahrgästen sich erst ein Toplevel freischalten müssen, bevor Sie diese ultimative Waffe einsetzen dürfen, bleibt wohl ein unbestätigtes Gerücht.

Gute Reise,keep cool und toi,toi,toi.