Tor für Wattenscheid!

Eigentlich war vereinbart , dass wir die beiden Relegationsspiele des KSV Hessen Kassel noch mitnehmen und ansonsten Berlin ( Bericht folgt demnächst ) der Abschluss der diesjährigen Saison bilden sollte.

Eigentlich.

Auslöser des Besuchs bei der SG Wattenscheid 09 war daher erstmals mehr mein eigenes Interesse als das meines Sohnes. Ein lockeres Treffen in kleiner Runde mit einigen liebgewonnen twitternden Fußballfans (und der @Mykx war auch da) war das Ziel.

Sohnemann wurde instruiert über die bevorstehenden Abweichungen auf diesem Ausflug und nahm es zu Beginn auch sehr gelassen.

Er: „4.Liga? Zur Tour gehören doch nur Liga 1-3.“

Ich: “Aber Wattenscheid spielte mal in der 1.Bundesliga“

Er: “Wie alt war ich da“

Ich: “Frag lieber wie alt ich war“

Nach einer ausufernden Diskussion einigten wir uns jedenfalls, dass wir nun dann doch noch eine Tour machen, die eventuell auch als Ersatztour für Kiel gelten könnte, sofern dies am kommenden Mittwoch vielleicht zeitlich in Verbindung mit der Schule nicht zu schaffen ist.

Wir brachen relativ frühzeitig auf, da wir erstmals ausschließlich auf Nahverkehrszüge wie dem ERB und dem RE angewiesen waren, deren Anschlussqualitäten insbesondere am Wochenende durchaus zu berücksichtigen sind. Wider Erwarten trafen wir aber pünktlich um 13:00 Uhr im Wattenscheider Hauptbahnhof ein.

„Papsi, sind wir hier richtig ?“, fragte Sohn mit süffisantem Grinsen und in Anbetracht des ein oder anderen Fauxpas, der mir unterlaufen ist.

Auch ich war schwer erstaunt. Ich hatte mir den Bahnhof ein wenig größer vorgestellt. Sohnemann war sichtlich beeindruckt  und zog sogleich erstaunliche Querverbindungen.

„Mit so einem Bahnhof kann man trotzdem Bundesliga spielen?“

Er verglich sofort mit dem Bahnhof, den er von zu Hause kennt, einem Ort mit 1200 Einwohnern. Dies gefiel ihm sichtlich. Wir betraten die Bahnhofsvorhalle, in der ich mir einen Geldautomaten erhoffte und nur eine Imbissbude und eine geschlossene Kneipe fand. Egal.

Wattenscheid begrüßte uns mit Rebellenwetter. Der Himmel weinte wohl seit Samstag, 25.05.2013 22:30 Uhr .Und es waren keine Freudentränen.

Auch wir hatten das Finale ein wenig gefeiert. Der kleine Neffe wurde zur Fußballparty eingeladen.

Thematisch angepasstes Raclette. Geschmücktes Wohnzimmer. Eventisierung at home. Selbst Autokorso ( allerdings vor dem Spiel) , und Bier ( o.k. Malzbier) gab es für die Kurzen. Ein Heidenspaß. Allerdings nun auch  mit ersten Konsequenzen. Sohnemann ist gestern gegen halb zwölf ins Bett und sein Cousin schmiss ihn um halb acht aus dem selbigen. Müdigkeit machte sich breit. Ein kleiner Spaziergang durch Wattenscheid auf der Suche nach einem Geldautomat sollte Abhilfe schaffen.

Circa 45 Minuten später , und um die Erfahrung des Anblicks von Wattenscheids Schokoladenseite reicher, kamen wir dann in einer Filiale eines amerik. Burgerkonzerns an wo wir etwas trinken wollten.

( Alle Trinkhallen waren übrigens geschlossen.)

Sohnemann begann bereits mit der Platzauswahl, die durchaus auch mal länger dauern kann, weil auch sie manchmal strengen Kriterien unterliegt. Nach meiner Bestellung versuchte ich der netten Bedienung zu entlocken ob es in Wattenscheid einen Geldautomaten gäbe. Sein Gesicht verriet mir schnell, dass er meinen Witzversuch nicht verstanden hatte, zu meiner Überraschung fiel ihm aber außer:

„Versuchen Sie es in der Innenstadt.“

nicht sonderlich viel ein.

Es folgte eines dieser Erlebnisse, die mich weiterbilden auf diesen unseren Touren.

Der Herr direkt hinter mir hatte meine Frage mitbekommen und bot mir an mich zu einem Geldautomaten zu fahren. Nachdem ich ihm gesagt habe ich werde einfach in Stadionnähe nochmal nach einem Automaten suchen, lachte er und sagte ich solle nicht rumspinnen. Er würde mich fahren. Der Typ hat Sohnemann und mich zu einem Geldautomaten gefahren und anschließend direkt bis zum Stadion gefahren obwohl er am anderen Ende von Bochum wohnt?  Mir fallen nicht viele Orte ein, wo man Erlebnisse dieser Art hat. Vielen Dank nochmal.

Nach Ankunft im Stadion sollte es aber ähnlich nett weiter gehen. Auf unserer Tour benötige ich selbst ohne Übernachtung immer allerhand Dinge, die das Mitnehmen eines Koffers erfordern.

Nach kurzer Rücksprache mit einem der Ordner sagte dieser mir aber zu die Tasche während des Spiels bei sich im Kassenhäschen zu verwahren. Der Kassenwart widerum empfahl mir nachdem ich meinen Wunsch nach zwei Sitzplatz-Tickets geäussert habe, den „Kleinen“ doch auf den Schoß zu nehmen. Ein Erlebnis welches wir sonst auch eher umgekehrt hatten.

Die Nettigkeiten wurden langsam unheimlich. Ich holte mir erst einmal einen Kaffee. Der junge Mann im Wattenscheid 09 Hoodie fragte, ob mein Sohn nicht Lust hätte mit den Spielern einzulaufen?

O.K., WAS IST HIER LOS?

Sohn hatte Nullkommanullnull Interesse mit den Spielern auf den Platz zu gehen.  (O-Ton:“Was hab ich davon?“)

Trotzdem war die Häufigkeit und Intensität an unaufgeforderter Freundlichkeit auffällig und einen guten Kaffee für 1 € gab es oben drauf.

Zum Spiel und zu Sohnemann kann ich gar nicht so extrem viel sagen. Die 90 Minuten huschten in Anbetracht der netten Gesellschaft vorbei, aber auch auf Grund der Bewegungsfreiheit, die man bei lediglich 1200 Zuschauern so spüren darf hat es Sohn wohl ganz gut gefallen. Ich erhielt eine kurze Standpauke, weil ich mich „mehr um die anderen gekümmert habe“, aber alles in allem hat es ihm sehr gefallen. Was unter anderem auch an der außerordentlich gelungenen musikalischen Untermalung der gesamten Veranstaltung lag.

Die musikalische Ouvertüre gaben die 6-10  Herner Fans , die zugegen waren und Gesänge anstimmten, als wir eintrafen. Die Brücke zum großen Finale schlug dann der Ruhrpottgassenhauer:

„Der liebe Gott schuf die Mädchen aus dem Kohlenpott“,

aber am eingängigsten groovte sich die Tormelodie der SG Wattenscheid 09 durch den Mittelohrkanal. Den stylischen Moves der Twitterbekanntschaften um mich herum nach jedem Tor entnahm ich, dass es nicht nur mir so erging. In der ersten Liga ist dies bei uns bisher gänzlich untergegangen durch diese überbordende BitteDankeundsoweiter-Kacke. Aber dies gefiel. Erstligatauglich. Ich hoffe jedoch, dass sich der Sound in den nächsten Tagen wieder aus meinem Kopf beamt. Die Rückfahrt war dann nach meinem erhaltenen Einlauf auch dementsprechend unspektakulär.  Muss auch mal sein.

Vielen Dank an die Twittertruppe für einen entspannten Nachmittag und für das Gefühl, von vorhandenem  Verständnis, welches da zu sein schien,sofern es nötig gewesen wäre.

4 Gedanken zu „Tor für Wattenscheid!

      1. Mahqz

        Ok. Also hier gibts weder ein richtiges Bahnhofsgebäude noch Schließfächer. Und auch keinen Geldautomaten. Nur einen Kiosk. 😉

        Antworten
  1. Pingback: Relegation, Entlassungen & Insolvenzen | Fokus Fussball

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