Archiv des Autors: Jason von Juterczenka

Wie in Black Mirror: Mutter trifft verstorbene Tochter

Ich habe vor einigen Wochen die TV-Dystopie Black Mirror geschaut. Ich möchte gar nicht zu viel darüber erzählen, am besten schaut ihr euch sie selbst an, aber grob gesagt ist jede Folge eine abgeschlossene Geschichte, die in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft spielt und die sozialen, politischen oder gesellschaftlichen „Nebenwirkungen“ technischen Fortschritts durch bewusste Übertreibung thematisiert. Natürlich wirken manche Szenarien schon sehr weit entfernt, doch in ihren Grundzügen sind die meist nur Weiterentwicklungen bereits existierender Trends. Und es ist erschreckend, wie nahe die Zukunft, in der einige Folgen spielen, doch sein kann. So geht es etwa in der 2013 ausgestrahlten Folge „Die Waldo-Kandidatur“ um eine Cartoonfigur, die in Großbritannien zur Wahl antritt und ihr Wahlprogramm zunächst auf die Beleidigung anderer Politiker und die digitale Verbreitung unsäglicher Gerüchte beschränkt, was der Figur schnell einen außer Kontrolle geratenen Kultstatus beschert. Lange galt die Folge als unrealistischer Tiefpunkt der Serie, doch die Parallelen zu Präsidentschaft von Donald Trump könnten offensichtlicher kaum sein.

Die Folge Black Mirror-Folge „Abgestürzt“ spielt in einer Welt, in der Menschen wie Hotels oder Restaurants mit Sternen bewertet werden und die Anzahl an Sternen über den gesellschaftlichen Status entscheidet, so gibt es etwa Zonen, Wohnungen oder Verkehrsanbindungen, die erst ab einem gewissen Punkteschnitt zugänglich sind und unterhalb einer Grenze landet man sogar im Gefängnis. Die Geschichte beschreibt den Absturz einer Frau, die ihre Unmut über dieses System kundtut. Ab Ende 2020 soll für 22 Millionen Bürger Pekings ein solches System tatsächlich verpflichtend in Kraft treten, wobei sich die Punktevergabe hierbei auf die Auswertung von Überwachungsdaten stützte und die Regeln von der chinesischen Führung erarbeitet wurden.

Black Mirror lag nun also schon mehr als einmal richtig und doch gab es diese Episoden, wo man sich eigentlich recht sicher ist, dass sie zumindest während der eigenen Lebenszeit wohl nicht mehr Realität werden.

Wiedergänger

Eine davon war die Folge „Wiedergänger„, wo eine Frau die Trauer um ihren verstorbenen Mann durch ein Programm bewältigt, dass alle Informationen über ihn aus dem Internet sammelt und damit eine KI füttert, die dann in einem Chat genauso schreibt und antwortet wie ihr Ehemann. Später wird auch die Stimme des Mannes gespeichert und die Frau kann mit ihrem Mann telefonieren. Im letzten Schritt bekommt sie in einem Karton einen zunächst identitätslosen Avatar geliefert, den sie nach Anleitung in ihrer Badewanne „aktivieren“ kann und der dann genau wie ihr Mann aussieht, spricht und agiert. Das geht soweit, dass sie zwischenzeitlich vergisst, dass es sich nur um ein Imitat handelt, doch kleine Unstimmigkeiten erinnern sie immer wieder schmerzvoll daran, dass das Wesen nur eine gefühllose oberflächliche Kopie ist. Letztlich verfällt die Frau dadurch dem Wahnsinn.

Obwohl am Anfang realistisch, musste ich bei der letzten Entwicklungsstufe schon etwas schmunzeln. Selbst wenn es technologisch möglich wäre, gäbe es dafür wahrscheinlich null gesellschaftliche Akzeptanz, dachte ich. Zumindest so ähnlich ereignete sich dieses Szenario jedoch vor kurzem tatsächlich, vielleicht in einigen Ebenen sogar noch etwas problematischer als in Black Mirror geschildert.

Die Südkoreanerin Jang Ji Sung verlor ihre Tochter Nayeon im Alter von nur sieben Jahren an Leukämie, aufgrund des schnellen Krankheitsverlaufs hatte sie kaum Zeit, sich von ihr zu verabschieden. Diese Möglichkeit sollte ihr durch Virtual Reality gegeben werden. Ein VR-Headset versetzte sie in die virtuelle Version eines Parks, in dem sie und Nayeon früher häufig gemeinsam waren. Plötzlich kam ein digitaler Klon ihrer Tochter hinter einem Felsen hervor – mit demselben Aussehen, demselben Verhalten und derselben Stimme. Jang konnte sich mit dem Imitat ihrer Tochter in Echtzeit unterhalten, ihre Stimme und Verhaltensmuster extrahierte man sich aus Daten, die zu Lebzeiten von Nayeon aufgenommen wurden. Doch die Simulation ging noch weiter – durch mit Sensoren ausgestattete Handschuhe konnte Jang die digitale Version ihrer Tochter sogar berühren und ihre Hand halten. So konnte sie sich von ihrer Tochter verabschieden. Ist das potentielle Black Mirror-Technologie sinnstiftend angewandt?

Gesicht, Stimme und Verhalten imitiert

Für die Animation des Mädchens benötige man wohl acht Monate, für die realistische Abbildung der Bewegungen nutzte man ein Kindermodel und Motion-Capture-Technologie. Für die Echtzeit-Interaktion und Gesprächsführung wurde der virtuelle Avatar Nayeons eigens programmiert. Dies ermöglichte Jang, mit Nayeon Gespräche zu führen, zu laufen und sogar in der virtuellen Parklandschaft zu picknicken. Zunächst war Jang zurückhaltend und ängstlich, doch mit der Zeit ließ sie sich darauf ein. Niemand unter den Zuschauern wollte unterdessen so recht glauben, was dort gerade passiert. Zum Schluss sprach die Nayeon zu ihrer Mutter: „Mama, immer wenn du nach meiner Hand greifen willst, halte sie einfach in den Himmel.“, worauf die beiden gemeinsam aufstiegen und von oben auf die virtuelle Welt herabschauten. Dann verwandelte sich Nayeon in einen Schmetterling und flog davon.

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Aus den gesammelten Daten imitierte man Nayeons Gesicht, ihr Verhalten und ihre Stimme.

So weit, so gut. Sicherlich sind die psychologischen Auswirkungen eines solchen virtuellen Wiedersehens noch nicht erforscht und ich halte es für schwierig, dass plötzlich eine Anmeldung bei Youtube als Qualifikation ausreicht, um sich angehalten zu sehen, über dieses Geschehen zu urteilen, doch grundsätzlich ist das wie alle anderen Arten auch eine legitime Form der Trauerbewältigung, da Jang selbst sich das Wiedersehen gewünscht hat. Selbst in dieser schwierigen Situation, vielleicht sogar gerade darin, sollte man niemandem die Mündigkeit aberkennen, eigene Entscheidungen zu treffen und selbst am besten zu wissen, was gut für einen ist.

Persönlichkeitsrechte von Verstorbenen?

Problematisch könnte jedoch sein, dass dieses virtuelle Wiedersehen – anders als etwa bei Black Mirror – im Rahmen einer südkoreanischen TV-Show namens „I met you“ stattfand. Selbstverständlich wurde der Clip schnell zu einer Youtube-Sensation, innerhalb einer Woche wurde es über 13 Millionen Mal aufgerufen. Jang hat die Entscheidung zwar selbst getroffen, doch bei den Persönlichkeitsrechten ihrer verstorbenen Tochter wird es schon schwieriger. Zwar imitiert der Avatar die Redensart Nayeons, doch es sind eben keine Zitate. Ihre Identität wird also für Dinge genutzt, die sie so nie gesagt hat und wogegen sie zudem keine Möglichkeit hat, sich zu wehren.

In diesem speziellen Fall tritt das moralische Dilemma sicherlich nicht ganz so deutlich hervor, schließlich ist die faktische Aussagekraft der Sätze, welche die virtuelle Nayeon spricht, recht begrenzt. Doch etwa in Filmen soll schon bald die Identität verstorbener Schauspieler genutzt werden, um alte Figuren wiederauferstehen zu lassen. Je weiter man diese Technologie in die Zukunft spinnt, desto größer werden die ethischen Fragen, die vorher unbedingt geklärt werden sollten.

Das virtuelle Wiedersehen auf Youtube

Mein persönliches Fazit ist, dass pauschale Abneigung gegen diese Möglichkeit sicherlich nicht richtig ist und man niemandem absprechen sollte, selbst zu entscheiden, wie er Trauer bewältigt. Und doch müssen wir die Persönlichkeitsrechte verstorbener Personen klarer definieren. Denn letztlich kann man aus Black Mirror vor allem eine Lehre ziehen: Wenn Technologie zur Dystopie wird, dann liegt das immer an menschlichem Fehlverhalten.

Werteunion Klima Manifest

Werteunion Klima-Manifest 2020

Das Werteunion Klima-Manifest. Oder fangen wir mit der Werteunion selbst vielleicht an. Ein Haufen sich selbst für besonders wichtig haltender Konservativer mit angeblich fast 4000 Mitgliedern (Eigenaussage ohne Beleg) schafft es immer wieder in die Öffentlichkeit und nun auch in dieses Blog. Es sich zur Aufgabe machend den Weg für eine schwarz-braune Koalition mit der AfD freizuschießen, verliert man auf den Seiten der Werteunion und ihrer Mitglieder schon einmal schnell den Überblick und muss immer wieder prüfen, ob man sich nicht doch auf der Seite eines rechtsradikalen Netzwerks befindet. Die Wortwahl, die Bilder, es ist mir schleierhaft, wie man sich auch nur in der Nähe einer Partei bewegen kann, die das intern duldet.

Das Klima-Manifest 2020 der Werteunion beinhaltet einerseits so viel Unfug, dass ich nicht ein seriöses Medium fand, dass sich überwinden konnte, diesen Humbug überhaupt zum Thema zu machen, andererseits wurde das Netz vollgespült mit zahlreichen Verweisen von vermeintlich unabhängigen Schundseiten, die das Manifest teilen und positiv begleiten und somit der Eindruck entstehen könnte, dass da ein paar Herren endlich mal dieser linksgrünversifften Klimahysterie ein Ende setzen.

Wer verweist auf, verbreitet und unterstützt das Werteunion Klima-Manifest?

Zu finden ist das Manifest auf kaltesonne.de, von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt ehemaliger Vorstandsvorsitzender von RWE und bis Ende letzten Jahres Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Forschung, die sich auf Grund seiner klimapolitischen Aussagen von ihm trennte.

Natürlich ist auch EIKE wieder vorn dabei, wenn es um Klimawandelleugnung geht.

Auch Vernunftkraft Hessen bejubelt das Werteunion Klima-Manifest. Hier ist Rolf Zimmermann laut Impressum verantwortlich. Herr Zimmermann verbringt seine Freizeit gerne in geplanten Windanlagen-Regionen um eventuell einen Schwarzmilan zu erspähen, der eine Klage gegen den Bau der Windkraftanlage aussichtsreicher gestalten würde. Er ist eigentlich FDP´ler scheut aber die AfD-Nähe nicht.

Auf Mediagnose verbreitet Rüdiger Stobbe das WerteUnion Klima-Manifest. Er ist Autor bei Achgut und publizierte auch auf der EIKE-Seite und er hat zumindest einen unsympathischen Namensvetter, der ebenfalls aus Aachen stammt und diesen Leserbrief in der Welt zum Besten gab in dem er u.a. sagte, dass mit der Homo-Ehe die größten Verbrechen an der Menschheit eingeleitet werden, gegen die jene des 20.Jahrhunderts vergleichsweise gering erscheinen werden.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass die zu großen Teilen selbst nicht an den Inhalt des Werteunion Klima-Manifests glauben und es schlicht und einfach taktisches Kalkül einiger privilegierter in der Geschichte hängengebliebener ist, die wissen, was sie für ihr Publikum schreiben und erzählen müssen und dass dann Fakten nicht von großer Relevanz sind. Trotzdem erreicht die illustre Runde eine beunruhigende Reichweite, die sich zudem auf ihren Plattformen gegenseitig recht intransparent und scheinbar natürlich viral multipliziert und daher der Beitrag in Tichys Einblick geteilt von HP Friedrich nur noch eine Frage der Zeit ist.

Deswegen folgt hier eine Widerlegung der wichtigsten im Werteunion Klima-Manifest aufgezählten Unwahrheiten zum Klima. Da ich glaube, in der gleichen Zeit durch meine Projekte mehr sinnvolles für Bildung in Äthiopien tun zu können als gegen den taktisch platzierten Bullshit der Werteunion und aus Platzgründen, habe ich mich hier auf die wichtigsten beschränkt.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die Sonnenaktivität und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne sind die Hauptsteuerungsfaktoren des Klimawandels.

Tatsächlich strahlt die Sonne nicht immer mit der gleichen Leistung. Sie erzeugt Wärme in ihrem Inneren, indem sie einen Kernbrennstoff, nämlich das Element Wasserstoff, fusioniert. Das bedeutet, durch den enormen Druck und die hohe Temperatur kann sie Atomkerne zu neuen Atomkernen verschmelzen. Da das Resultat jedoch eine geringere Masse hat als die Ursprungsstoffe, wird diese Massedifferenz zu Energie, die sie nach Außen strahlt. Diese Energie ist eine nach außen gerichtete Kraft und wirkt der nach Innen gerichteten Gravitation entgegen, wodurch der Stern insgesamt stabil bleibt. Je weniger Kernbrennstoff übrig bleibt, desto weniger Fusionsreaktionen können im Innern der Sonne stattfinden, daher lässt der Strahlungsdruck im Laufe der Zeit nach. Das bedeutet, dass die Gravitation die Überhand übernimmt und die Sonne langsam zusammendrückt. Man würde nun denken, die Sonne würde dadurch immer kleiner und schwächer, wodurch sie kälter würde. Doch da der Druck im Kern der Sonne dadurch natürlich steigt, kann nun das Fusionsprodukt, Helium, selbst fusioniert werden. Dadurch erzeugt die Sonne dann mehr Energie. Im Laufe der Zeit strahlt die Sonne also tatsächlich immer stärker.

Wie auch die Erde, erzeugt die Sonne ein Magnetfeld, nur eben ein viel Stärkeres. Und ebenfalls wie die Erde rotiert auch die Sonne. Doch da die Sonne kein fester Körper aus Gestein ist, sondern eine Gaskugel, besitzt sie eine differentielle Rotation, sie rotiert also an unterschiedlichen Breiten unterschiedlich schnell. Dies führt zu Turbulenzen im Gas der Sonne. Zusätzlich besitzt die Sonne ein gewaltiges Magnetfeld, das sich alle 11 Jahre umpolt. Dadurch entsteht tatsächlich eine veränderliche Leistung der Sonne in einem 11-Jahres-Zyklus, dem sogenannten Schwabe-Zyklus.

Sonnenflecken sind ein Zeichen hoher Sonnenaktivität.

Und auch die Erdumlaufbahn um die Sonne ändert sich zyklisch. Zunächst ändert sich die Neigung der Erdachse relativ zur Bahnebene der Erde. Derzeit beträgt sie 23,5°, ihr Minimum liegt bei 22°, ihr Maximum bei 24,5°. Zudem ist der Orbit der Erde kein Kreis, sondern eine Ellipse, denn der sonnennächste Punkt liegt bei 147 Millionen Kilometern, der sonnenfernste Punkt bei 152 Millionen Kilometern. Dies ist einer Kreisbahn schon ziemlich nahe, es gibt auch Zeiten, in denen die Abweichungen von einer Kreisbahn (also die Exzentrizität, dieses Wort müsste bei der Werteunion nun wirklich jedem ein Begriff sein) höher ist. Und zudem schwankt auch die sogenannte Präzession der Erdachse. Jetzt wird es kompliziert: Die geneigte Erdachse bewegt sich auf einer Kreisbahn um die eigentliche Senkrechte der Bahnebene herum. Die Erde taumelt also wie ein Kreisel. Wenn sich diese drei Zyklen überlagern, die Exzentrizität der Erdbahn, die Neigung der Erdachse und die Präzession, können sie durchaus zu einer merkbaren Änderung des Klimas führen.

Doch sind es wirklich diese Phänomene, die mit dem derzeitigen Anstieg der globalen Temperaturen zusammenhängen. Dies lässt sich recht einfach beurteilen, man muss sich nur die Zeitmaßstäbe anschauen, in denen sich die globale Erwärmung abspielt und die Zeitmaßstäbe, in denen sich die natürlichen Phänomene abspielen. Die globale Erwärmung lässt sich bis etwa ins 19.Jahrhundert zurückverfolgen, der Großteil spielt sich jedoch in den letzten 50 Jahren ab. Wie haben also eine Temperaturänderung von etwa 1°C innerhalb einigen Jahrzehnten. Der Schwabe-Zyklus liegt bei etwa 11 Jahren, einen solchen Zyklus findet man im irdischen Klima nicht. Zudem strahlt die Sonne in einem Maximum um nur etwa 0,001% stärker. Wie sieht es mit den anderen Zyklen aus? Die Exzentrizität der Erdbahn schwankt in einem 100.000-Jahre-Zyklus, die Neigung der Erdachse in einem 41.000-Jahre-Zyklus und die Präzession der Erdachse in einem 23.000-Jahre-Zyklus. Und auch wenn die Sonne immer heißer strahlt, sind dies etwa 10% Helligkeitszunahme alle Milliarde Jahre. Dies entspricht also einer Helligkeitssteigerung von 0,000001% auf 100 Jahre.

Natürlich beeinflusst die Sonne das Klima, doch die Sonne ist ein astronomischer Faktor und astronomische Ereignisse spielen sich auf enorm großen Zeitspannen ab. Die Sonne kann also als faktisch konstanter Faktor gesehen werden. Natürlich erzeugt Kohlendioxid keine Wärme, die gesamte Wärme, welche die Erde empfängt, kommt von der Sonne und zu kleinem Teil vom Zerfall radioaktiver Elemente im Innern der Erde. Doch Kohlendioxid sorgt dafür, dass die Wärme, welche die Erde von der Sonne empfängt, festgehalten wird.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Das CO2 ist für den Temperaturanstieg nicht ursächlich, z.B. gab es vor rund 450 Mio. Jahren eine Eiszeit (Ordovizium) mit 4400 ppm CO2.“

Zunächst einmal: Die Durchschnittstemperatur des Ordoviziums lag 2°C über der heutigen. Die Eiszeit, auf sie sich hier bezogen wird, umfasst nur einen kleinen Teil des Ordoviziums. Über den Großteil des Ordoviziums war die Erde gänzlich eisfrei. Die Kälteperiode, auf die sich bezogen wird, die sogenannte Anden-Sahara-Eiszeit ist auf Faktoren zurückzuführen, die heute keine Gültigkeit mehr haben. So strahlte die Sonne gemäß des anfangs erläuterten Prinzips zu dieser Zeit um 4,5% schwächer. Im Gegensatz zu den 0,000001% der letzten 100 Jahre kann eine solche Veränderung selbstverständlich Folgen auf das Klima haben. Die sogenannte Solarkonstante, die angibt, wie viel Energie ein Quadratmeter Erde von der Sonne empfängt, lag damals bei 1306 W/m^2, heute bei 1367 W/m^2. Zudem verlangsamt sich die Erdrotation, wodurch wir für das Ordovizium auf eine Tagesdauer von 21,5 Stunden kommen, was in Simulationen unter damaligen Gegebenheiten ebenfalls eine Abkühlung verursachte. Moose, die sich im Ordovizium massiv ausbreiteten, entzogen dem Boden Elemente wie Magnesium und Eisen. Dies ermöglichte die massenhafte Bindung von atmosphärischem Kohlendioxid (!) im Boden. Da das daraus resultierende kältere Klima die Ausbreitung der Moose befeuerte, entstand eine Rückkopplung: Noch mehr Moose entstanden, sie entzogen dem Boden noch mehr Elemente, noch mehr Kohlendioxid wurde gebunden, es wurde noch kälter, noch mehr Moose breiteten sich aus, usw. Die Anden-Sahara-Eiszeit lässt sich also durchaus auf den Rückgang der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre zurückführen.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Der IPCC kann seinen prognostizierten Kipp-Punkt („Tipping Point“) in keiner Weise rechtfertigen. Das ist auch verständlich, denn niemals in der Klimavergangenheit „kippte“ das Klima von warm zu (immer) wärmer, auch dann nicht, als die CO2 Konzentration deutlich höher über der von heute lag.“

Doch, das tat es. Hier sind die Informationen schlicht sachlich falsch. Das Klima kippte schon einmal ins Wärmere und löste dabei das größte Massenaussterben aller Zeiten aus, und zwar vor 252 Millionen Jahre an der Perm-Trias-Grenze. Es begann mit einer Phase extrem starken Vulkanismus am sogenannten Sibirischen Trapp. Dadurch gelangten große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre (vergleichbar mit dem Ausstoß des Menschen) und erhöhten die Konzentration von etwa 100 ppm auf mehrere 1000 ppm, also selbstverständlich „deutlich höher als die von heute“, was innerhalb weniger Jahrhunderte eine Erwärmung von 5°C verursachte. Dies führte zu einer Erwärmung der oberen Meeresschichten von 8°C, was sofort 95% aller wirbellosen Arten tötete. Zudem wurden durch die Erwärmung der Meere die Methanlager am Meeresboden aufgelöst. Massenweise Methan, welches eine viel größere Treibhauswirkung als Kohlendioxid hat, gelangte in die Atmosphäre und sorgte für eine Erwärmung um weitere 5°C, was 75% der Landlebewesen betraf. Durch die höhere Temperatur wurde die Ausgasung noch beschleunigt, was zu noch einer höheren Temperatur führte. So entstand durch das Überschreiten eines Kipppunktes die größte Katastrophe in der Erdgeschichte und der Zusammenbruch beinahe aller Ökosysteme. Die Kipppunkte selbst erkläre ich u.a. in dieser Folge unseres Podcasts.

Im Sibirischen Trapp wurde innerhalb einer Millionen Jahre genug Lava produziert, um die ganze Erde mit einer drei Meter dicken Schicht daraus zu bedecken.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Wetterereignisse wie El Niño und Vulkanausbrüche mit ihren riesigen Staubmengen können das Klima auch signifikant verändern.“

Ja, wie Vulkanausbrüche das Klima verändern können, haben wir im Ordovizium gesehen. Theoretisch wäre es also durchaus möglich, den Klimawandel auch durch Vulkanismus zu erklären. Da bleibt einfach nur der simple Fakt, dass der Vulkanismus derzeit rückläufig ist. Würde man lediglich den vulkanischen Einfluss auf das Klima betrachten, würde die Erde sich abkühlen. Es hat zwar nichts mit meiner Argumentation zutun, aber mit der Unfähigkeit der Werteunion, dass die „riesigen Staubmengen“ in der Tat das Klima verändern – es nämlich abkühlen. Der Staub (in Kombination mit Schwefelsäure) verdeckt lediglich die Sonne und kann zu einem sogenannten Vulkanischen Winter führen, Vulkanismus erhitzt die Erde durch die Kohlendioxidemissionen, nicht durch Staub, den Staub absorbiert Wärme und hält sie damit von der Erdoberfläche fern, während Kohlendioxid sie reflektiert und zum Erdboden zurückwirft. Wetterereignisse sind zudem stets Folgen des Klimas, nie seine Ursache. Wetter spielt sich auf weit kürzeren Skalen ab als Klima, zudem handelt es sich bei El Niño um ein denkbar schlechtes Beispiel, da es wiederkehrend vorkommt. Klima macht Wetter, nicht Wetter Klima.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Das deutsche Klimapaket muss angesichts der zu erwartenden Wirkungslosigkeit vom Tisch.“

Joa.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die bisherigen Klimavereinbarungen sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen – zumal sie westliche Staaten einseitig belasten, während der CO2-Hauptverursacher China in seinem weiteren Wachstumskurs nicht eingeschränkt wird. Gleiches gilt für Indien.“

Auch hier werden Zahlen schlicht verfälscht. Westliche Staaten sind die Hauptverursacher der Klimakrise. Deutschland hatte 2018 einen Pro-Kopf-Ausstoß von 9,5 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten, die USA von 16,14 Tonnen. In der Volksrepublik China sind es 7,95 Tonnen, in Indien sogar nur 1,94 Tonnen. Und dennoch sind die Investitionen Chinas in Klimaschutz höher als die der gesamten Europäischen Union. Als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt die Schuld auf ein armes Schwellenland mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt zu schieben, ist einfach nur unverschämt und armselig. Würden alle Menschen auf der Erde so wie der Durchschnittsbürger in Indien leben, gäbe es keine Klimakrise, denn durch Pflanzen, Böden und Ozeane werden etwa 2,3 Tonnen pro Person und Jahr gebunden, Auch wohlhabende industrielle Länder können ihre Emissionen senken, so liegt UK etwa bei 5,59 Tonnen, Frankreich bei 4,96 Tonnen und die Schweiz bei 4,79 Tonnen.

„Wer wieder gewählt wen will muß zurück zur Atomenergie, gerne als Fusionsreaktor.“

Diese Aussage (Rechtschreibfehler übernommen) ist kein Teil des Werteunion Klima-Manifest, lediglich von der Seite der Werteunion Bayern, auf der sie die positiven Rückmeldung aus der rechten Blase feiern. Doch auch im Werteunion Klima-Manifest selbst kann man lesen: „Moderne Technologien, die einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ermöglichen, sind zu begrüßen.“. Tatsächlich ist der relative CO2-Ausstoß eines Atomkraftwerks (Kernspaltung wohlgemerkt, zur Fusion komme ich gleich) recht gering, viel geringer wie etwa bei Kohle, die Nachteile des Atommülls sind offensichtlich, haben mit der Klimakrise an sich jedoch nicht viel zu tun. Dennoch ist ein Ausbau der mit Risiken behafteten Atomenergie viel teurer als ein Ausbau erneuerbarer Energien, so kam eine Studie auf Kosten von 2,18 Cent pro Kilowattstunde. Zudem ist auch die Menge spaltbaren Materials begrenzt und der Uranabbau mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Ein Ausbau der Kernenergie ist also teuer und selbstverständlich risikoreicher als ein Ausbau erneuerbarer Energien. Diese sind für den Klimaschutz daher vorzuziehen.

Fusionsenergie ist ein alter Traum, den man auch unter Wissenschaftlern nicht vollständig abgeschrieben hat. Zum Klimaschutz wird Fusionsenergie jedoch keinen Beitrag leisten. Zwar ist das Fusionieren von Atomkernen auf der Erde trotz der hohen Abstoßungskräfte zwischen den Kernen möglich, doch es ist fraglich, ob dabei ein Energieüberschuss entsteht, ob also mehr Energie freigegeben wird, als für die Ingangsetzung der Reaktion nötig ist. Das erste geplante Kraftwerk, welches tatsächlich Strom durch Kernfusion erzeugen soll, ist DEMO, das ab 2040 etwa 1 Gigawatt Fusionsenergie ins Netz einspeisen soll. Damit ist es noch viel zu klein für den kommerziellen Betrieb, mit echten Fusionskraftwerken ist erst nach 2075 zu rechnen – viel zu spät für das Aufhalten der Klimakatastrophe. Zudem sind einige Fragen wie etwa die Lösbarkeit der Plasmainstabilitäten oder einer dauerhaften Aufrechterhaltung des Stroms statt eines gepulsten Reaktors noch gar nicht geklärt. Es ist also nicht zu 100% sicher, ob jemals ein Fusionsreaktor ans Netz gehen wird. Ich persönlich möchte mein Überleben nicht an diese Technologie hängen.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Bekannt sind das römische Temperaturoptimum und die mittelalterliche Warmzeit von 1000 bis 1400 – mit dazwischenliegenden „kleinen Eiszeiten“. Hinzu kommen kleinere Temperaturänderungen: Alleine zwischen 1860 und heute gab es kurzfristige Schwankungen von vier Kalt- und drei Warmphasen.“

Alle genannten Phänomene waren räumlich begrenzt, bzw. traten an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten auf. Bei der derzeitigen Veränderung des Klimas jedoch zeigt sich eine beispiellose Kohärenz. Auf 98% der Erdoberfläche ist ein wärmeres Klima nachweisbar, bei der mittelalterlichen Warmzeit und auch der kleinen Eiszeit handelte es sich um regionale Phänomene. Außerdem waren sie alle viel schwächer ausgeprägt als die Klimakrise, bei der Kleinen Eiszeit handelte es sich etwa um eine regionale Abkühlung von etwa 0,1°C, also 10-mal schwächer als die Klimakrise. Auch die Kleine Eiszeit war übrigens teilweise durch den Menschen verursacht, denn die Kleine Eiszeit folgte auf einen krankheitsbedingten Bevölkerungsrückgang im Mittelalter, durch den viele Flächen wiederbewaldet wurden – ein Beweis für die Wirkung von Aufforstung. Zudem war der Golfstrom zu dieser Zeit etwa 10% schwächer, was zu einer einseitigen Abkühlung in Europa führte, nicht jedoch in anderen Teilen der Welt.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Bei ausschließlicher Betrachtung der letzten 2000 Jahre könnte man also auch den Trend sehen, dass sich die Erde „pro Jahrtausend um 0,3 °C abkühlt“

Ja, bei ausschließlicher Betrachtung der letzten 4,5 Millionen Jahren könnte man auch sagen, dass sich die Erde um viele tausend Grad Celsius abgekühlt hat. Da die Erde zu diesem Zeitpunkt jedoch ein glühender Magmaball war, macht dies aber genauso wenig Sinn. Denn der Zeitraum 2000 Jahre ist so ausgewählt, dass er zufällig genau in die Römische Warmzeit fällt. Auch diese konzentrierte sich jedoch vor allem auf Europa und ist zum Beispiel durch die Ausbreitung von Vegetation bedingt. In Nordeuropa war es zu dieser Epoche allerdings kälter als im Durchschnitt. Wenn man willkürlich eine regionale Warmzeit nimmt und dann sagt, dass es heute auf der gesamten Welt kühler ist, dann ist dies nicht nur konstruiert, sondern auch vollkommen realitätsfern.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Da die Infrarot-Absorptionsbande des Kohlendioxids bereits nahezu vollständig gesättigt ist, beeinflusst der Mensch das Weltklima durch den Ausstoß von zusätzlichem CO2 nur unwesentlich“

Okay, von Infrarot-Absorbtionsbanden zu sprechen, kann mindestens als mutig betrachtet werden. Zunächst sollte man erklären, worum es sich dabei überhaupt handelt, denn das Argument der Werteunion profitiert vor allem davon, dass die wenigsten ihrer Anhänger es verstehen. Gasmoleküle, die aus mehr als zwei Atomen bestehen – wozu Kohlendioxid zählt, nicht aber Sauerstoff oder Stickstoff, die das Klima daher nicht beeinflussen, absorbieren (für Werteunion-Mitglieder: schlucken) gewisse Formen von Strahlung, entscheidend dafür ist die Wellenlänge der Strahlen. Wenn die Strahlung absorbiert wird, nimmt das Kohlendioxid die Energie auf und die Moleküle werden in Schwingungen versetzt. Bei diesen Schwingungen wird Wärmeenergie frei, die dann zum Teil zurück zur Erdoberfläche gelangt. Deshalb heizt Kohlendioxid als dreiatomiges Molekül die Erde auf, die wesentlich häufigeren Elemente Sauerstoff, Stickstoff und Argon jedoch nicht. Bei der Energie, die von Erdboden auf das Kohlendioxid trifft handelt es sich um Infrarotstrahlung, also um Wärme. Wäre die Infrarot-Absorbtionsbande nun gesättigt, wie die Werteunion behauptet, könnte die Infrarotstrahlung ungehindert passieren und würde zurück ins All geworfen. Doch das Problem ist, dass Kohlendioxid zwei Absorbtionsbanden hat, von denen nur eine in ihren Kernbereichen gesättigt ist, nicht jedoch an den Rändern. Es gibt also noch genug Spielraum für die Erderwärmung, eine Sättigung beider Emissionsbanden ist auf der Erde praktisch nicht möglich, lediglich auf Planeten mit viel wärmerem Klima, etwa der Venus.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die natürlichen Klimaschwankungen resultieren aus dem zyklischen Wechsel der Sonnenaktivität und den davon abhängigen Meeresoszillationen einschließlich El Nino.“

Die Schwankungen der Sonnenaktivität sind zu schwach um den alleinigen Einfluss auf Meeresoszillationen zu haben. Außerdem können Wetterereignisse wie schon geschrieben kein Klima beeinflussen. Keiner der geschilderten Kausalverbindungen trifft zu.

Dies sollte das letzte Mal sein, dass auf diesem Blog die Existenz des menschengemachten Klimawandels belegt wird, denn eine Diskussion entspricht bereits einer Legitimation der Existenzberechtigung einer Gegenmeinung, die hier schlicht und einfach nicht vorliegt. Ich möchte meine Zeit demnächst nutzen, um etwa gegen die Klimakrise zutun und nicht um Antidemokraten von der Werteunion darüber aufzuklären. Und das hier habe ich nur geschrieben, damit ihr es mir gleich tut.

Es würde mir selbstverständlich helfen, wenn ihr diesen Beitrag teilt, oder verlinkt, gerne auch in Diskussionen mit der Werteunion. Vielleicht hat ja jemand von denen Lust auf eine Diskussion auf Faktenbasis oder eine gemeinsame Podcast-Aufnahme.

Warum ich in diesem Blogpost und auch zukünftig donotlink.it nutze und warum auch du dir das überlegen könntest.

Wenn ich in diesem Blogpost zu Schmuddelseiten verlinke, nutze ich donotlink.it.

Auszug aus deren Webseite:

Wann immer Sie eine Website verlinken, wird ihre Position in den Suchmaschinen gestärkt. Manchmal möchten Sie einen Link zu einer Website veröffentlichen, ohne deren Rang zu verbessern. Hier kommt donotlink.it ins Spiel.

Was macht donotlink.it?
Die Verwendung von donotlink.it anstelle der direkten Verlinkung zu fragwürdigen Websites verhindert, dass Ihre Links die Position dieser Websites in den Suchmaschinen verbessern. Außerdem wird donotlink.it den Referer entfernen, so dass die verlinkte Website nicht weiß, woher ihre Besucher kommen.

Wie funktioniert das?
Diese Url wird in unserer robots.txt-Datei blockiert, so dass (Suchmaschinen-)Roboter davon abgehalten werden, sie zu durchsuchen.
Das „nofollow“-Attribut des Links und der Zwischenseite gibt den Robots eine weitere Erinnerung, den Link nicht zu crawlen.
Wenn ein bekannter Roboter den Link crawlen will, identifiziert unser Code ihn und stellt ihm eine leere Seite (403 Verboten) zur Verfügung, anstatt auf die Url umzuleiten.
Umleitungen werden über JavaScript und nicht über http-Antwortstatuscodes implementiert, so dass der Browser den Referrer aus der Anfrage entfernt.

Quellen

Max-Planck-Gesellschaft über Schwankungen der Sonnenhelligkeit

Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung über das Magnetfeld der Sonne während des Sonnenfleckenminimums

Erläuterung zu einer Vorlesung an der TU-Berlin zum zyklischen Auftreten von Sonnenflecken

Erklärung der Freien Universität Berlin zur Veränderung der Erdbahnparameter

Bericht über eine Studie der University of California zu den Ursachen der Anden-Sahara-Eiszeit

Auszug aus der Wikipedia über das Klima des Ordoviziums

Studie zu den Ursachen der Anden-Sahara-Eiszeit

Studie über den Ablauf des Massensterbens an der Perm-Trias-Grenze

Erklärung des Naturkundemuseums Berlin zu den Auswirkungen des Massensterbens an der Perm-Trias-Grenze auf die Ökosysteme

Statistik zum Pro-Kopf-CO2-Ausstoß einzelner Länder

Erklärung des Umweltbundesamtes zu den Kosten der Atomkraft

Eintrag zur Machbarkeit eines Fusionskraftwerkes des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Artikel von scinexx.de zu der globalen Kohärenz der Klimakrise

Artikel von deutschlandfunk.de zu den Ursachen der Kleinen Eiszeit

Artikel von klimafakten.de zu der Regionalität der Mittelalterlichen Warmzeit

Erklärung des Umweltbundesamtes zur Sättigung der Infrarot-Absorbtionsbanden von CO2

Anmerkungen zum Strahlentransport von scienceblogs.de

Artikel über die Wirkung von CO2 von quarks.de

Erklärung von heise.de zu einer Greenpeace-Studie zu den Kosten der Atomkraft

Beinahe-Kollision im Erdorbit: Satelliten verfehlen aneinander knapp

Die Anzahl der Satelliten im Erdorbit nimmt derzeit rasant zu. Waren es vor einigen Jahren noch 1000, werden es schon in wenigen Jahren mehrere zehntausend sein, darunter einige tausende Starlink-Satelliten von SpaceX, mit denen auf der ganzen Erde lückenloses Internet ermöglicht werden soll. Die Satelliten ermöglichen die Beobachtung der Auswirkungen der Klimakrise, Urbanisierung und Umweltverschmutzung, Highspeed-Internet oder dienen militärischen Zwecken – ohne Satelliten wäre die moderne Zivilisation undenkbar. Zudem sind sie finanziell die lukrativste Sparte der Raumfahrt, schon heute ist es ein Milliardengeschäft. Man könnte meinen, es würde langsam eng dort oben und eigentlich müsste es jeden Tag krachen.

Solche Bilder erwecken den Eindruck, der Erdorbit platze aus allen Nähten, doch die Relationen sind verzehrt, meistens liegen mehrere tausend Kilometer zwischen zwei wenige Meter großen Satelliten.

Doch dort ist so viel Platz, dass jeder Satellit normalerweise viele tausend Kilometer Abstand zum nächsten hat. Hin und wieder kommen sich einige Satelliten dennoch gefährlich nahe – die ständig bemannte Internationale Raumstation etwa musste bereits mehrfach Ausweichmanöver fliegen. Das erste Mal, dass zwei Satelliten tatsächlich kollidierten waren am 10. Februar 2009 der amerikanische Satellit Iridium 33 und der russische Satellit Kosmos 2251. Obwohl ein Vorbeiflug in 600 Metern Abstand geplant war (was immer noch sehr wenig ist), kollidierten die Satelliten und erzeugten eine Trümmerwolke, die noch heute die Erde umkreist und Raumfahrzeuge gefährdet.

Vor kurzem wurde wieder eine mögliche Kollision vorhergesagt, das Weltraumteleskop IRAS und der GGSE-4 sollten in einem Mindestabstand von nur 13 Metern aneinander vorbeifliegen.

Kollision der Satelliten galt als möglich

Die Wahrscheinlichkeit für eine Kollision wurde auf 1:100, später sogar auf 1:20 geschätzt, was außergewöhnlich hoch war. Die ISS etwa fliegt bereits Ausweichmanöver ab einer Wahrscheinlichkeit von 1:100.000, da diese auch bemannt ist und eine Kollision tödliche Folgen haben könnte. Da in diesem Fall jedoch beide Satelliten inaktiv waren, war ein Ausweichmanöver nicht möglich. Man konnte also nichts anderes tun, als zum Himmel zu schauen und zu hoffen. IRAS war das erste Infrarot-Teleskop aller Zeiten und wiegt etwa eine Tonne, GGSE-4 ist ein Testsatellit der Airforce und wiegt 85 Kilogramm, sie flogen mit einer relativen Geschwindigkeit von 14,7 Kilometern pro Sekunde auf einander zu. Eine solche Kollision hätte einen Lichtblitz erzeugt, den Astronomen auch auf der Erde hätten beobachten können. GGSE-4 wäre vermutlich vollständig zerstört wurden, IRAS lediglich beschädigt. In jedem Fall entstünde eine den Globus umspannende Trümmerwolke aus tausenden Objekten, die sich Jahrzehnte halten würde und die Erde auf etwa 900 Kilometern Höhe umrundet, also zwar über der Raumstation, doch innerhalb des dicht besetzten niedrigen Erdorbits. Es erinnert an die Gedanken des US-amerikanischen Astronomen Donald Kessler der 1978 vor einem Kaskadeneffekt warnte, durch den sich die Menge des Weltraumschrotts durch Kollisionen innerhalb weniger Jahre exponentiell vervielfachen und somit Raumfahrt für künftige Generationen extrem schwierig machen würde. Durch Kollisionen entstehen immer mehr Trümmer, die dann neue Kollisionen verursachen – eine nicht aufzuhaltender Kettenreaktion.

Wenn in wenigen Jahren wieder Menschen zum Mond aufbrechen, müssen diese den erdnahen Weltraum durchqueren, geplante Megakonstellationen wie Starlink wären ebenfalls gefährdet und ein Weltraumaufzug ist bereits heute durch die Zerstörungsgefahr durch Trümmer nicht zu realisieren. Wenn wir so weiter machen, hinterlassen wir unseren Nachkommen nicht nur eine unbewohnbare Erde, sondern auch einen nicht benutzbaren Erdorbit.

Vermutlich durch Weltraumschrott verursachtes Einschlagloch in der Internationalen Raumstation

Maßnahmen gegen Weltraumschrott

Leider sind die rechtlichen Vorgaben im All recht schwammig, im Grunde genommen gibt es keine Haftung für die Verunreinigung des Erdorbits, lediglich bei einem Satellitenabsturz haftet das Land, welches den Satelliten betreibt. Dennoch erkennen die Raumfahrtbehörden die Gefahr und reagieren. So weicht die NASA langsam von der gängigen Praxis ab, ausgediente Satelliten und Raketenstufen einfach im Erdorbit zu belassen und bringt sie entweder zum kontrollieren Absturz oder befördert sie auf einen Friedhofsorbit weit weg von allen anderen Raumfahrzeugen. Dann bleibt natürlich noch der bereits vorhandene Müll. 2025 wird die erste „Müllabfuhr“ im All starten, die ESA-Sonde ClearSpace-1. Sie wird eine 100 Kilogramm schwere Trägerraketenstufe mit vier Roboterarmen greifen und aus dem Orbit ziehen. Es sollen weitere Sonden folgen, die mehrere Objekte greifen sollen. So soll der Erdorbit in Zukunft perspektivisch sauber gehalten werden und erst dann wird man über Weltraumhotels oder gar einen Weltraumfahrstuhl ernsthaft nachdenken können.

Letztlich flogen IRAS und GGSE-4 in 47 Metern Abstand aneinander vorbei. Die Situation ging also noch recht glimpflich aus, doch die nächste Begegnung ist nur eine Frage der Zeit.

Doomsday Clock: Es ist mehr als fünf vor zwölf

Seit 1947 ist viel Scheiße passiert, das gehört wohl zu den wenigen Dingen, in denen sich im Grunde genommen alle einig sind. Und diesen Planeten in den schlechtesten Zustand seit 1947 zu versetzen, ist daher durchaus eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die wir Menschen wohl gemeistert haben, zumindest wenn es nach den Wissenschaftlern des Bulletin of the Atomic Scientists geht. Die Forscher dieses Fachblatts, darunter 17 Nobelpreisträger, haben nun die sogenannte Doomsday Clock, die Weltuntergangsuhr, um weitere 33 Sekunden auf nun 100 Sekunden vor Mitternacht vorgestellt – und somit so nah an den Weltuntergang wie noch nie zuvor.

Die „Uhr des Jüngsten Gerichts“

Alles begann am 6.August 1945 als auf Befehl von US-Präsident Truman eine Uranbombe über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde. Innerhalb einer Sekunde stand alles im Umkreis von 10 Kilometern in Flammen, Menschen verdampften durch die Explosionshitze, ein Atompilz erhob sich 13 Kilometer in die Atmosphäre. Der Atombombenabwurf auf Hiroshima und der drei Tage später erfolgende Abwurf einer wesentlich stärkeren Plutoniumbombe auf Nagasaki stehen bis heute für die Schrecken des Krieges. Doch noch etwas war klar: Die Menschheit kann jene Kraft, mit der die Sonne lebensspendendes Licht und Wärme erzeugt, nutzen, um sich selbst zu vernichten.

Somit machten es sich einige der am Bau der Atombombe beteiligte Wissenschaftler nach Ende des Krieges zur Aufgabe, die Menschen über die Gefahr einer Selbstauslöschung der Menschheit aufmerksam zu machen, um dafür zu sorgen, dass wir uns nie wieder an den Rand der Ausrottung bringen. 1945 gründeten sie daher das Bulletin of the Atomic Scientists und 1947 die Doomsday Clock, die symbolisch den Zustand der Welt und wie nah wir vor der Selbstzerstörung stehen anzeigt und stellten sie auf sieben vor zwölf. Und wie wir leider wissen, ging es danach direkt nur so semi-gut weiter. Kernwaffentests der UdSSr, die Zündung von Wasserstoffbomben und Ausbrechen nationalistischer Kriege führten dazu, dass die Uhr bis 1953 schrittweise auf zwei vor zwölf vorgestellt wurde. Doch wir kriegten die Kurve wieder. Mit Beginn der Abrüstung, dem Ende des Kalten Krieges, verstärkter internationaler Zusammenarbeit und der Demokratisierung Europas schien die Gefahr beseitigt, 1991 zeigte die Uhr 17 vor zwölf.

Endzeit

Dann kam die Klimakatastrophe. Die Pole schmolzen rasend schnell ab, Extremwetterlagen nahmen zu, Hitzerekorde wurden gebrochen. Zudem wuchs die Anzahl der Atombomben, es kam zu einer erneuten nuklearen Aufrüstung. Stellvertreterkriege in der Ukraine, in Syrien und in Afghanistan erinnerten „an die dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges“.  Die Doomsday Clock tickte und tickte bis sie 2019 auf zwei Minuten vor zwölf Stand – und somit auf dem Stand des Kalten Krieges. Doch 2019 sollte als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels unumkehrbar und gleichzeitig direkt spürbar würden. Zwei Kontinente standen in Flammen, mitten in Europa gab es Hitzetote, Städte und Inseln standen unter Wasser, in der Arktis begannen mit dem Abschmelzen des Permafrosts unumkehrbare Prozesse. Daher stellten die Wissenschaftler die Uhr für 2020 erneut vor, womit es nun 100 Sekunden vor zwölf ist. Wir stehen also kürzer vor dem Weltuntergang als in jenen düsteren Stunden des Kalten Krieges.

Aufgrund der bereits spürbaren Auswirkungen der Klimakatastrophe und einer erneuten Phase nuklearer Aufrüstung steht die Weltuntergangsuhr nun auf 100 Sekunden vor zwölf.

Die Uhr tickt

Die derzeitigen Geschehnisse übertreffen die schlimmsten Vorhersagen der Wissenschaftler. Die Arktis wird schon in wenigen Jahren das erste mal seit 2,7 Millionen Jahren eisfrei sein, das Abschmelzen des Permafrosts sagten Wissenschaftler erst für 2090 voraus, Ökosysteme wie der Amazonas oder das Great Barrier Reef sind vermutlich bereits verloren. In der Natur steht alles in einem sehr labilen und empfindlichen Gleichgewicht. So sorgen die Bäume des Amazonas etwa dafür, dass das lokale Mikroklima feuchter wird. Damit wiederum setzen sie die Existenzgrundlage für andere Bäume und sich selbst. Bricht der Bestand einmal ein, kippt das Klima unwiderruflich. Und das ist nur ein Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn das Klima endgültig und im großen Maßstab kippt. Wenn wir die Atmosphäre weiter mit Kohlendioxid anreichern, wird sich das Aufsteigen von Methanblasen aus gesättigten Schichten in der Tiefsee beschleunigen. Jede Blase aufsteigenden Methans bringt Bewegung in diese Schicht und lässt noch mehr Methan aufsteigen. Im Laufe von Jahrzehnten entgasen sich die gesamten Meere. Die Menge des dort gespeicherten Methans übertrifft die der jetzigen Atmosphäre um das 100-fache. Irgendwann ist der Point-of-no-return erreicht. Selbst ohne weiteres menschliches Zutun würde die Erde dann immer wärmer, eine sogenannte Rückkopplung wäre in Gang gesetzt, wie etwa bei einem Mikrofon, das zu nah am Verstärker liegt. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde sich die Erde um etwa 4°C erwärmen – ganze Kontinente würden unbewohnbar, Großstädte wären überflutet und hunderte Millionen Klimaflüchtlinge würden den Nazis neuen Zündstoff geben. Hungersnöte, Epidemien und Kriege würden eine dezimierte Menschheit plagen. Mitternacht auf der Doomsday Clock.

Wir haben es hier mit einer ganz anderen Bedrohung als jemals zuvor zu tun. Denn selbst bei totaler Stagnation wird die Situation immer schlimmer, anders als etwa 1953 im Kalten Krieg. Daher denke ich persönlich, dass wir es nicht mehr schaffen werden. Doch die Doomsday Clock unterscheidet sich in einer Hinsicht von allen anderen Uhren – wir können sie zurückdrehen. Wir alle zusammen.

Warum die Bauernproteste verfassungsfeindlich sind

Die aktuellen Proteste von Landwirten gegen das Agrarpaket sind Akte puren Egoismus von Menschen, die meinen, sie könnten die Bevölkerung durch wirtschaftliche Abhängigkeit erpressen und somit die Zerstörung unser aller Biosphäre rechtfertigen. Somit sind die Forderungen der Bauern eine Gefahr für das langfristige Bestehen der menschlichen Zivilisation, die Demokratie und Menschenrechte. Sie sind verfassungsfeindlich.

Schädliche Forderungen

Die Bauernproteste, initiiert vom Bündnis „Land schafft Verbindung“ (der Titel ist übrigens noch das konkreteste an diesem ganzen Bündnis) richten sich vor allem gegen das im Vorjahr verabschiedete viel zu lasche Agrarpaket der Bundesregierung, dessen Kern das sogenannte „Aktionsprogramm Insektenschutz“ ist. Es enthält etwa ein Verbot von bestimmten Insektiziden in Naturschutzgebieten, einen Mindestabstand zu Gewässern von 10 Metern beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Deklaration von Streuobstwiesen und artenreichem Grünland als Naturschutzgebiete und eine erhebliche Einschränkung des Glyphosatgebrauchs ab 2020. Grundsätzlich also alles sinnvolle und notwendige, teils nicht weit genug gehende (das Tierwohllabel ist etwa freiwillig, um ein Beispiel zu nennen) Gesetze, die dem Insektensterben entgegenwirken werden. Insekten sind für den Stoffkreislauf und als Bestäuber unabdingbar und das Insektensterben lässt sich eindeutig belegen. Die Roten Listen der gefährdeten Arten in Deutschland verzeichneten einen negativen Trend bei mehr als 3000 Insektenarten. Die Ironie: Das Insektensterben wird vor allem die Landwirtschaft betreffen. Insgesamt sind Pflanzen im Wert von insgesamt 1,13 Milliarden Euro in Deutschland von Bestäubern abhängig. Vor allem beim Obst- und Gemüseanbau, aber auch bei Ackerkulturpflanzen, etwa Raps wird die Ernte also einbrechen, wenn die im Agrarpaket verabschiedeten Maßnahmen nicht zügig umgesetzt werden.

Thesen wissenschaftlich nicht haltbar

Doch viele Bauern, die sich an den jetzigen Protesten beteiligen, betreiben Realitätsverdrängung der höchsten Form. So leugnen manche schlicht die gesundheitsschädliche Wirkung der Stickstoffverbindung Nitrat, um gegen die Düngemittelverschärfung zu wettern. Wie ich hier schon im Rahmen von Silvesterböllern geschrieben habe, wandelt der Körper Nitrat ab einer gewissen Konzentration in Nitrit um, welches krebserregend wirkt, Rote Blutkörperchen schädigt und zu Fehlgeburten führen kann. Gelangt zu viel Nitrat auf die Felder, kann dieses nicht aufgenommen werden und gelangt ins Grundwasser, wo wir alle das Zeug trinken dürfen. Sebastian Dickow, Sprecher der Bewegung, behauptete anschließend, die meisten Bauern würden nicht überdüngen. Dem gegenüber steht eine Studie der Universität Gießen, wonach Bauern im Schnitt 77 Kilogramm mehr Nitrat pro Hektar genutzt haben, als die Pflanzen aufnehmen können. Hinweise seitens Dickow auf Lücken in der Statistik konnten ebenfalls eindeutig widerlegt werden.

Wenn Felder überdüngt werden, landen die überflüssigen Düngemittel in der Atmosphäre und im Grundwasser.

Schließlich blamierte sich Dickow vollkommen, indem er sagte, dass große Mengen des Stickstoffs unschädlich seinen, da sie gar nicht ins Grundwasser kämen. Eigentlich hat er damit sogar recht. Bleibt nur das unschöne Detail, dass Ablagerungen, die sich nicht auswaschen, in die Luft gelangen und dort das Klima belasten. Und letztlich landen sie über den Niederschlag doch wieder im Boden. Die Düngemittelverschärfung wird durch die wissenschaftliche Faktenlage also eindeutig gestützt. Es mag verständlich sein, dass sich manche Bauern von den mehrmals verschärften Verordnungen überfordert fühlen. Doch letztlich bleiben diese Verschärfungen nicht willkürlich, sondern basieren auf Modellrechnungen und Simulationen. Sie sind das, was wir tun müssen, um zu überleben, alternativlos. Und die Einschränkungen die sie für manche mitbringt, sind dann persönliches Pech – und zudem deutlich schwächer als die des Insektensterbens.

Bauern profitieren vom Agrarpaket

Das perfide ist, dass Dickow und seine Kollegen vorgeben, alle Bauern zu repräsentieren. Doch den meisten Bauern ist das Insektensterben nicht egal und sie verstehen auch die Notwendigkeit von Tierschutz. Es ärgert mich zudem, dass durch die Bauernproteste ein sehr ehrenwerte und wichtiger Beruf diffamiert wird. Auf welcher Seite „Land schafft Verbindung“ steht, zeigt sich, wenn man sich die Gesichter hinter den Protesten etwas genauer ansieht. Dirk Andresen, der bekannteste Sprecher der Bewegung ist etwa – welch Überraschung – am Andresen Siedenbollentin GmbH & Co. KG beteiligt, einem industriellen Agrarunternehmen mit 1250 Sauen. Letztlich unterscheidet er sich also in keiner Form von Öl- oder Kohlelobbyisten, denen die Zukunft im Grunde genommen egal ist – und die Landwirtschaft auch. Während man Fridays for Future häufig Unterwanderung vorwirft, sind die Bauernproteste nicht nur von Rechtsextremisten unterwandert, sondern praktisch ideologisch verwandt. So durfte etwa der schweizerische Rechtsextremist Ignaz Bearth auf einer Bauerndemo nicht nur sprechen, sondern bekam sogar Applaus, war also durch die breite Masse legitimiert. Er ist Gründer der schweizerischen Partei DPS, die 2017 mit der PNOS fusionierte. Diese wiederum trat mit Parolen wie „Nationale Erneuerungsbewegung“, „Wir säubern!“ und „Eidgenössischer Sozialismus“ an und forderte die Umwandlung der Schweiz in einer Meritokratie.

Jene Erfindung, welche die Menschheit vor 200.000 Jahren groß gemacht hat, ist nun gut dabei, sie wieder auszulöschen. Diejenigen, die das provozieren, sind jedoch keine Bauern, auch wenn sie schicke Traktoren haben – das sind Lobbyisten und genau so sollten wir ihre Anliegen auch behandeln. Demonstrationen von alten weißen Männern, die durch Erpressung mit scheinbarer wirtschaftlicher Abhängigkeit das Recht bekommen wollen, einen mit einer Biokalypse verbundenen Völkermord auszulösen sind verfassungsfeindlich – und somit sollte ein Verbot kein Tabu sein. Die echten Bauern sind unsere Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise – das zeigten die reichlich besuchten Gegendemonstrationen unter dem Motto „Wir haben es satt.“ für eine ökologische Agrarwende.

Wird Betelgeuse zur Supernova?

Historische Bedeutung von Betelgeuse

In den letzten Tagen hat es endlich mal wieder ein astronomisches Thema in die Schlagzeilen und die Öffentlichkeit geschafft, und zwar die Geschehnisse rund um den Stern Betelgeuse. Erstmal: Ja, er heißt Betelgeuse, alle anderen Namen (Beteigeuze, Betelgeuze, Beteigeuse,…) sind Ergebnisse der fehlerhaften Übernahme des arabischen Namen in das lateinische Alphabet. Und daran sieht man bereits, dass der Stern wirklich schon seit sehr langer Zeit bekannt ist, nämlich bereits in Werken des arabischen Astronomen Azophi auftaucht, der im zehnten Jahrhundert gelebt hat. Als zweithellster Stern des markanten Sternbilds Orion hat er auch eine große mythologische Bedeutung und hat ganze antike Kulturen maßgeblich beeinflusst. Aufgrund seiner tiefroten Färbung galt er lange als Zeichen für Krieg und da er als erster Stern des Orions über dem Horizont aufgeht auch als Ankündiger und Bote.

Betelgeuse aus astronomischer Sicht

Die tiefrote Färbung des Sterns und seine große Helligkeit sind charakteristisch für die Sternklasse der Roten Überriesen. Diese Sterne sind massereiche Sterne kurz vor ihrem Tod. Ein Stern wird durch zwei Kräfte stabil gehalten. Zum einen die eigene Gravitation, die den Stern in sich zusammenstürzen lassen will, zum anderen der Energiefluss, der durch das Verschmelzen von Atomkernen zu neuen Atomkernen in seinem Innern nach außen strömt. Da sich diese Kräfte ausgleichen, kann ein Stern bestehen. Doch wenn der Wasserstoff im Innern des Sterns vollständig zu Helium verschmolzen ist, fällt der Strahlungsdruck plötzlich weg und die Gravitation presst den Stern zusammen. Normalerweise, würde man sagen, müsste der Stern nun kleiner werden, da keine Energie mehr erzeugt wird, doch das Gegenteil passiert.

Die Gravitation presst den Stern zusammen, sodass die Temperatur in seinem Innern aufgrund des Gasgesetzes steigt und nun ausreicht, um auch Helium zu verschmelzen und die Temperaturen in seinen äußeren Schalen zumindest für die Verschmelzung von Wasserstoffatomen ausreicht. Dadurch wird nun also mehr Energie als vorher erzeugt und der Stern wird größer. Wenn das Helium vollständig zu Kohlenstoff verschmolzen ist, wird der Stern wieder zusammengepresst, wodurch der Druck so weit steigt, dass im Kern der Kohlenstoff zu Neon und in den Schalen das Helium zu Kohlenstoff verschmolzen werden kann. Dadurch wird noch mehr Energie freigesetzt. Dies geht dann immer so weiter, wodurch der Stern den Aufbau einer Zwiebel bekommt, mit immer schwereren Elementen bis zum Kern hin. Irgendwann wird im Kern Silizium zu Eisen verschmolzen, doch Eisen kann nicht weiter verschmolzen werden. Wenn sich im Kern also Eisen ablagert, lässt der Strahlungsdruck wieder nach, aber diesmal für immer. Die Gravitation gewinnt und lässt den Stern in einer gewaltigen Explosion kollabieren, einer Supernova. Übrig bleibt der extrem verdichtete Kern als Neutronenstern oder Schwarzes Loch. Betelgeuse ist gerade in diesem letzten Stadium der Fusion von Silizium und steht somit kurz vor der Beendigung seines Lebens.

Dadurch, dass in einem so großen Stern fast keine Konvektionsströme gibt, die Wasserstoff von der Oberfläche ins Innere befördern, leben Sterne je länger, desto kleiner sie sind. Während kleine Rote Zwerge viel länger leben, als das Universum bisher existiert und sonnenähnliche Sterne mehrere Milliarden Jahre, brennen Sterne wie Betelgeuse nur wenige Millionen Jahre.

Kurz vor der Explosion

Dass Betelgeuse kurz vor seiner Explosion steht, ist nichts neues. Doch „kurz“ ist in der Astronomie immer relativ und bedeutet in diesem Fall irgendwann in den nächsten paar 100.000 Jahren. Nun jedoch deutet sich an, dass die Supernova von Betelgeuse womöglich unmittelbar bevorsteht oder sogar schon vorbei, aber wegen der Entfernung von 640 Lichtjahren noch nicht bei der Erde angekommen. Dies deutet man daraus, dass sich Sterne kurz, und damit ist nach menschlichen Maßstäben kurz gemeint, vor ihrer Explosion noch einmal abdunkeln. Dies ist bei Betelgeuse derzeit extrem auffällig und sogar mit bloßen Auge zu beobachten. Normalerweise ist er in den Top Ten der hellsten Sterne am Nachthimmel, doch aktuell gehört er nicht mehr mal zu den 20 hellsten Sternen. Das kann bedeuten, dass die Explosion kurz bevorsteht, muss es aber nicht.

Wegen der relativen Nähe und Größe des Sterns, ist er einer der wenigen Sterne, die wir nicht nur als Punkt, sondern mit Teleskopen als Scheibe sehen können.

Denn Betelgeuse ist sowieso ein veränderlicher Stern, seine Helligkeit variiert also in zwei parallel verlaufenden Zyklen. Wenn die Minima beider Zyklen also zusammenfallen, kann es auch zu einer starken Verdunklung kommen und es muss nichts mit dem baldigen Ableben des Sterns zutun haben. Es ist also gut möglich, dass der Stern sich in wenigen Wochen wieder aufhellt. Doch, obwohl es nicht wahrscheinlich ist, könnte es dennoch sein, dass wir die Supernova und Betelgeuse erleben. Was würde das für uns bedeuten?

Heller als der Mond

Die Explosion wäre von der Erde aus nicht zu übersehen. Für wenige Wochen würde Betelgeuse so stark leuchten wie eine ganze Galaxie. Am Nachthimmel wäre er so hell wie der Vollmond und die Explosion mit bloßem Auge zu sehen. Er wäre so leuchtstark, dass man ihn selbst tagsüber am Himmel sehen würde. Zweifellos wäre es ein spektakulärer Anblick, der einmalig in der gesamten Menschheitsgeschichte wäre. Die letzte Supernova innerhalb unserer Galaxis fand 1604 unter dem Namen „Keplers Supernova“ statt und war nicht annähernd so hell, wie es Betelgeuses sein wird. Zudem hatte man damals keine Ahnung, was eine Supernova eigentlich ist und war sich der Besonderheit dieses Ereignisses nicht wirklich bewusst, was bereits im Namen „Supernova“ steckt, der auf ein neu auftauchendes Objekt hinweist. In Wahrheit taucht jedoch kein Objekt neu auf, sondern es explodiert eins.

Keine akute Gefahr

Eine Supernova ist die gewaltigste Explosion, die es im Universum gibt, sie setzt große Mengen an Energie und Strahlung frei. Im Umkreis von 10 Lichtjahren würde eine solche Explosion vermutlich das irdische Leben ausrotten, vermutlich gab es im Ordovizium eine Supernova, die eines der großen sechs Massenaussterben der Erdgeschichte verursacht hat. Daher beobachten Wissenschaftler Supernovae in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft häufig mit Sorge. Der Großteil der Strahlung wird jedoch an den Polen des Sterns emittiert und bei Betelgeuse wissen wir, dass keiner der Pole der Erde zugewandt ist. Ein Massenaussterben ist trotz der relativen Nähe zur Erde also ausgeschlossen, dennoch könnte es in kleinem Umfang zu einer Schädigung der Ozonschicht und einem höheren Hautkrebsrisiko kommen, es müssten also entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Viel mehr dürften wir uns darauf freuen, vor allem die Wissenschaftler. Eine Supernova in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft wäre eine großartige Gelegenheit, mehr über diese Endphase großer Sterne zu erfahren.

Kultureller Einschnitt

In erster Linie wäre es jedoch ein kulturelles Großereignis. Betelgeuse war schon immer da und hat die Menschheit seit Anbeginn der Zeit begleitet. Die Menschen der Steinzeit blickten zu ihm empor und fragten sich, was wohl dieses rote Licht sei, im alten Ägypten sah man in dem Stern einen Gott, im antiken Griechenland erzählte man sich mythologische Geschichten, im Mittelalter blickten erste kluge Köpfe in den Himmel und erforschten den Stern – und nun wäre er mit wenigen Wochen weg. Das legendäre Sternbild des Orion wäre zerstört. Der Sternhimmel, der über Tausende Jahre als statisch und unveränderlich galt, würde ich verändern und das vor unseren Augen. Es wäre das erste mal, dass wir mit eigenen Augen sehen, dass das Universum nicht ewig ist, sondern vergänglich wie alles andere, sich das alles nur auf sehr großen Zeitskalen abspielt.

Wenn Betelgeuse dann eines Tages von der Bildfläche verschwindet, womöglich ja in gar nicht so ferner Zukunft, wird es auch irgendwie etwas wehmütig machen. Da, wo wir früher den hellen roten Stern Betelgeuse gesehen haben, werden wir dann nichts mehr sehen. Doch in Wahrheit wird auch dann dort der Überrest des Sterns in Form eines Neutronensterns umgeben von einem bunten Nebel zu sehen sein. Wobei ich persönlich mich erstmal dran gewöhnen werden müssen: Betelgeuse, der Neutronenstern – wir leben in verrückten Zeiten.

Buschfeuer: In Australien verbrennt die Hoffnung auf Besserung

„Ich, Scott John Morrison, schwöre, dass ich dem australischen Volk im Amt des Premierministers gut und wahrhaftig dienen werde und dass ich Ihrer Majestät, Königin Elisabeth der Zweiten, Königin von Australien, treu und gewissenhaft ergeben sein werde. So wahr mir Gott helfe!“, diese Worte sprach der Australische Premierminister Scott Morrison bei seiner Vereidigung. Das war am 24. August 2018, etwa eineinhalb Jahre bevor er den Eid brach, seine Bevölkerung verriet und sein Land an die Kohleindustrie verkaufte. Aber fangen wir erstmal ganz von vorne an.

Regierung von Australien im Griff der Kohleindustrie

Die Australische Kohleindustrie ist die mächtigste der Welt, etwa 77% des Strommixes besteht dort aus Kohle, zudem ist Australien der weltgrößte Kohleexporteur. Die politische Macht dieser Lobby steht außer Frage, Premierminister Malcom Turnbull musste in Folge seines Vorhabens, die CO2-Emissionen seines Landes bis zum Jahr 2030 um 26% zu senken (Referenzjahr 2005, also eigentlich vollkommen lächerlich) zurücktreten. Sein Nachfolger Morrison hat sich eindeutig für die Seite der fossilen Kapitalisten entschieden. In Anbetracht der aktuellen Geschehnisse sprach er fast schon heuchlerisch: „Wir werden uns nicht auf unbesonnene Klimaziele einlassen und heimische Industrien aufgeben, wodurch australische Arbeitsplätze gefährdet würden.“ Nun ja, zumindest Inkonsequenz kann man Herrn Morrison nicht vorwerfen. Derzeit plant Australien die größte Kohlemine aller Zeiten – unter Beteiligung des deutschen Unternehmens Siemens.

Die Energiepolitik Australiens hat Folgen: Das Land hat die größten Pro-Kopf-CO2-Emissionen der Welt, etwa 57 Tonnen pro Person und Jahr. In Deutschland sind es etwa 11 Tonnen, in Indien 1,6 Tonnen. Durch Wälder, Böden und Ozeane können pro Jahr etwa 2,3 Tonnen pro Person gebunden werden, in etwa so viel dürfte also jeder Mensch ausstoßen, um die Klimakrise zu stoppen. Doch wenn es nach Morrison geht, würde man die gesamte Kohle abbauen und verbrennen, bis nichts mehr übrig ist. Zur Einordnung: Diese Menge beträgt etwa 5 Billionen Tonnen Kohlenstoff, deren Verbrennung zu einer Erderwärmung von etwa 9°C führen würde – ganz Australien wäre vollkommen unbewohnbar. Und nun lasst euch folgenden Teil seines Amtseides nochmal auf der Zunge zergehen:

„Ich, Scott John Morrison, schwöre, dass ich dem australischen Volk im Amt des Premierministers Australiens gut und wahrhaftig dienen werde.“

Wenn das kein Amtsmissbrauch ist, dann hat das Wort „Amtsmissbrauch“ keinen Sinn.

Verbrechen an sich selbst

Doch Australien ist nicht nur einer der Haupttäter der Klimakrise – es leidet gleichzeitig auch wie kaum ein anderes Land unter ihr. Schon bei wenigen Grad Celsius Erderwärmung würde ein Großteil des australischen Inlands unbewohnbar. Die 40°C, die wir in Deutschland letzten Sommer als neue Rekordtemperatur registrierten, sind im aktuellen Sommer in Australien bereits mancherorts die Durchschnittstemperatur, Spitzenwerte von 50°C wurden erreicht. Das Great Barrier Reef, das Wahrzeichen Australiens und die einzige lebendige Struktur, die mit bloßen Auge aus dem Weltall gesehen werden kann, liegt akut im Sterben. Zwischen 1985 und 2012 verlor das Riff 50% seiner Korallen. Die Erderwärmung führt auch zu wärmeren Ozeanen, wodurch viele Lebewesen nicht überleben können und somit die Artenvielfalt im Riff sinkt. Gleichzeitig nehmen die Meere Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf und versauern dadurch, was die Wachstumsrate von Korallen senkt. Zudem machen die höheren Temperaturen zerstörerische Zyklone häufiger und die Korallen verbleichen.

Das Great Barrier Reef gilt als womöglich bereits nicht mehr zu retten.

2013 genehmigte die Regierung von Australien den Bau des größten Kohlehafens der Welt direkt am Great Barrier Reef, wofür drei Millionen Kubikmeter Schlamm direkt im Riff entsorgt werden sollen. Selbst die Deutsche Bank (!) ließ die Finanzierung für das Projekt fallen. Der australische Umweltminister bezweifelte jedoch, dass das Verbrennen von Kohle einen merkbaren Einfluss auf das Ökosystem hat. Kleine Randnotiz: Wenn Banken aus Deutschland eine strengere Klimapolitik verfolgen als das nationale Umweltministerium, läuft in diesem Land irgendetwas verdammt schief.

Und obwohl völlig klar ist, dass die australische Umweltpolitik konträr zu den Interessen der Bevölkerung ausgerichtet ist, verkauft Morrison seine Politik erfolgreich als Sicherung von Arbeitsplätzen und somit als bürgerfreundliche Maßnahme. Bei einer Rede im Australischen Parlament brachte Morrison als damaliger Finanzminister sogar ein Stück Kohle mit und erklärte sarkastisch, man müsse keine Angst davor haben. Die Abgeordneten lachten. Diesen Lachen sollte ihnen noch im Halse steckenbleiben.

Brände in Australien sind eine Folge Klimakrise

Nun, im Jahr 2020, wüten in Australien Brände von bisher unbekanntem Ausmaß. Schon mindestens 24 Menschen sind ihnen zum Opfer gefallen, etwa eine halbe Milliarde Tiere. Doch selbst die Mehrheit der überlebenden Tiere wird in den nächsten Wochen und Monaten sterben, da sie keine Nahrung finden werden. Dieses Foto eines verkohlten Babykängurus, das sich auf der Flucht offenbar in einem Zaun verhedderte dann verbrannte ging um die Welt und erhöhte den Druck auf die Politik vorübergehend.

Doch in einer Partei, in der selbst die komplette Leugnung des menschengemachten Klimawandels üblich ist (der amtierende Vizepremierminister nannte die Klimakrise etwa eine Erfindung „fabulierender innenstädtischer Verrückter“) , will man über den Zusammenhang dieser zu den Buschbränden natürlich überhaupt nicht sprechen. Man versucht derzeit, Debatten über die tiefere Ursache der Brände als Instrumentalisierung der Todesopfer darzustellen. Gleichzeitig scherzten Mitglieder seiner Regierung bei der Bekanntgabe der ersten beiden Todesopfer, die beiden hätten „wahrscheinlich eh die Grünen gewählt“.

Der IPCC sagte schon vor langem voraus, dass mit häufigeren Bränden bereits bei 1°C Erderwärmung zu rechnen ist und genau das ist jetzt in Australien eingetreten. Da wir derzeit etwa bei diesem 1°C sind, spricht das eindeutig für die Gültigkeit von IPCC-Prognosen (was, wenn man sich diese mal anschaut aber auch weniger positiv ist, als es sich anhört). Wenn man länger darüber nachdenkt, ist dieser Schluss aber eigentlich auch trivial. Die Klimakrise führt zum einen zu höheren Temperaturen und zum anderen zu weniger Niederschlag. Beides führt dazu, dass Pflanzen und Böden austrocknen und fördert somit Brände. Ähnlich wie bei den Bränden in der Arktis oder im Amazonas unterliegen diese einem sehr labilen Gleichgewicht. So schafft der Amazonas etwa die Grundlage für seine eigene Existenz. Eigentlich dürfte an dieser Stelle kein Wald existieren, weil es zu trocken ist. Aber weil dort bereits Bäume sind, ist genug Feuchtigkeit vorhanden, um den Wald weiter existieren zu lassen. Bricht der Bestand an Bäumen ein, ist der Wald somit für immer verloren.

Jeder Brand verschlechtert die Aufnahmekapazität des Bodens für CO2 und treibt die Klimakrise – und somit seine eigene Ursache – noch weiter voran. Es handelt sich um eine Rückkopplung. Einmal in Gang gesetzt, setzt sie sich auch ohne menschlichen Einfluss fort. Der kritische Punkt (Kipppunkt) zum Ingangsetzen dieser Rückkopplung muss noch nicht überschritten sein – könnte er aber und wird er definitiv bald sein.

Die Brände trafen bereits eine Fläche, die größer ist als die der Niederlande.

Technik wäre bereits vorhanden

Für alle, die meinen, Technik und Innovation würden uns daraus retten, gibt es leider eine Enttäuschung. Es gibt bereits eine Satellitentechnologie, die durch die Analyse des Grundwasserpegels Brände mit recht großer Sicherheit vorhersagen kann und in Brasilien im Rahmen der Amazonas-Brände bereits eingesetzt wurde und zudem chemische Löschmittel, die viel effizienter als einfaches Wasser sind. Doch wenn schlicht und einfach der politische Wille fehlt, hilft die fortschrittlichste Technologie nicht. Das zeigen die Brände von Australien nur ein weiteres mal.

Dennoch weitere Kohlekraftwerke geplant

Und so müssen die Menschen nun am eigenen Leibe erfahren, warum sie eben doch Angst vor Kohle haben müssen. Und diese Angst müssen sie verbreiten, denn wir alle müssen sie haben. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass kein Australier seelenruhig vor der aufziehenden Feuerwand stehenbleibt und murmelt „Keine Panik, das regelt der Markt.“. Doch das wirklich verheerende an den Bränden ist nicht, dass sie zu einem irreversiblen Kollaps des Ökosystems führen und somit Australien langfristig unbewohnbar machen könnten, sondern dass sie zeigen, dass selbst diese Katastrophe nicht ausreicht, um politischen Druck zu erzeugen, wie es etwa bei Fukushima der Fall war. Denn immer noch sind im Jahr 2020 Kohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 579 Gigawatt geplant oder in Bau, was zu einer Steigung des durch Kohle erzeugten Stroms um 29% führen würde, obwohl der Weltklimarat ohne Zweifel sagt, dass bis 2030 fast alle Kohlekraftwerke stillgelegt sein müssen, um unterhalb der ersten Kipppunkte zu bleiben. Und wenn das, was derzeit passiert nicht ausreicht, halte ich unsere Welt mit ziemlich großer Sicherheit für verloren. Unsere Erde brennt an allen Ecken und Enden – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch wir können Lehren aus dem Debakel von Australien ziehen. Die Strategie, einfach zu warten, bis die Folgen des Klimawandels so offensichtlich werden, dass gehandelt werden muss und auch wird, funktioniert schlicht und einfach nicht. Schon letztes Jahr verbrannte vor den Augen der Welt der größte Sauerstoffproduzent unseres Planeten und niemanden hat es interessiert. Venedig stand für Wochen unter Wasser und niemanden hat es interessiert. Mitten in Europa gab es Hitzetote und niemanden hat es interessiert. Es gibt keinen Fukushima-Effekt mehr. Wir müssen den Druck aktiv erzeugen. Und damit meine ich uns alle. Boykottiert brasilianisches Rindfleisch, wechselt zu Ökostrom, wählt die Regierungen ab, die Geschäfte mit diesen Verbrechern machen und geht auf die Straße! Wir sind die ersten die es spüren und die letzten, die noch etwas tun können.

Falsche Prognosen der Vergangenheit

Ein neues Jahrzehnt bricht an, das Jahrzehnt, in dem sich entscheiden wird, welchen weiteren Weg die Menschheit einschlägt. Doch dafür ist es hin und wieder auch nötig zu bilanzieren und sich vor Augen zu führen, wie sehr Prognosen doch daneben liegen können.

„Eine Rakete wird niemals in der Lage sein, die Erdatmosphäre zu verlassen!“

New York Times

Das schrieb die New York Times im Jahr 1936. Zu diesem Zeitpunkt war dies selbst unter Wissenschaftlern eigentlich noch Konsens, schließlich führten die mathematischen Berechnungen den Forschern vor Augen, wie kompliziert ein Flug ins All ist und daher waren solche Prognosen aus der Zeit betrachtet durchaus sinnvoll. Man war sich zudem recht sicher, dass es nicht möglich ist, Geschosse in Höhen zu transportieren, ab denen sie nicht mehr zur Erde zurückfallen. Man muss zudem berücksichtigen, dass man unter Wissenschaftlern damals weniger an Raketen dachte, wenn es um potentielle Reisen ins All ging, sondern eher an die Weltraumkanone, die mit der die Astronauten in Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“ die Reise antreten. Die Geschwindigkeit, die nötig ist, damit ein Objekt nicht mehr zur Erde zurückfällt, liegt bei fast 8 Kilometern pro Sekunde – völlig utopisch für diese Zeit.

Noch in den 30ern hielt man es für unmöglich, Geschosse in den Orbit zu transportieren.

Und doch sollte sich die Prophezeiung als eine gigantische Fehleinschätzung erweisen. 1944, nur acht Jahre später, verließ die erste Rakete der Erdatmosphäre. Leider handelte es sich dabei um eine Aggregat 4-Rakete der Nationalsozialisten, somit werden wir für immer damit leben müssen, dass dieser erste Schritt der Menschheit ins All hinaus im Namen einer menschenverachtenden Ideologie erfolgte. Die Rakete, die eigentlich für Kriegszwecke konstruiert wurde stieg auf eine Höhe von 175 Kilometern. Erst nach dem Krieg wurde die Grenze zum All auf 100 Kilometer definiert, weshalb den Nazis der technologische Erfolg zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst war. Die 8 Kilometer pro Stunde erreichte die Rakete jedoch nicht, daher stürzte sie zur Erde zurück. Das erste Objekt, dass dann tatsächlich schnell genug war, um nicht mehr zur Erde zurückzufallen war Sputnik 1 im Jahr 1957 – 21 Jahre, nachdem die New York Times dies für unmöglich proklamierte. Obwohl sich die Weltraumkanone aufgrund der enormen Beschleunigungskräfte nie als Transportmittel durchsetzte, erwies auch sie sich als möglich, 1966 schoss eine Weltraumkanone ein 180 Kilogramm schweres Projektil auf eine Höhe von 180 Kilometern und somit in den erdnahen Weltraum.

„640 Kilobytes ist alles, was eine Applikation jemals benötigen sollte.“

Bill Gates

Ich schreibe diese Sätze von einem Laptop mit einem Speicherplatz von 121 Gigabyte, was 126.877.696 Kilobyte, was etwa dem 20.000-fachen der Schätzung von Bill Gates entspricht, die er 1981 formulierte. Wenig später begann die digitale Revolution und damit die exponentielle Vervielfachung der Transistorenanzahl auf einem Mikrochip. Bis heute verdoppelt sich diese etwa alle 18 Monate, was wir das Mooresche Gesetz nennen. Die Menge der verarbeiteten Daten folgt sogar einem 12-Monats-Takt, was bedeutet, dass alleine im Jahr 2019 so viele Daten verarbeitet wurden wie in der gesamten Menschheitsgeschichte davor.

Diese Entwicklung führt dafür, dass stetig neue Einheiten für Informationseinheiten erfunden werden müssen. Derzeit befindet sich die Menge der pro Jahr verarbeiteten Daten in der Größenordnungen von Zettabytes, also 1000000000000000000000 (10^21) Bytes. Zum Vergleich: Mit einem Zettabyte lassen sich etwa 2 Milliarden Jahre Musik spielen – also von der Entstehung erster komplexer Lebewesen bis heute. Die gesamte Kapazität des Internets liegt bei Yottabytes, also 1000000000000000000000000 (10^24) Bytes. Derzeit gibt es noch keine Rechner, die diese Menge speichern können, der Download würde selbst mit hochmoderner Internetverbindung viel länger dauern, als das Universum existiert. Bis 2025 wird sich die pro Jahr (!) verarbeitete Datenmenge in den Yottabyte-Bereich erstrecken. Und schon wenige Jahre später werden wir wieder neue Namen benötigen – dann werden wir Xona-, Nena-, und Wekabytes nutzen.

Moderne Supercomputer können ganze alternative Universen simulieren.

Und praktische Anwendungen gibt es für solche Kapazitäten natürlich. So lassen sich auch nichtlineare Systeme wie etwa das Klima so simulieren, was lange selbst theoretisch für unmöglich galt. Ganze Universen können bereits simuliert werden, wodurch man die Umstände kurz nach dem Urknall simulieren und betrachten kann, aus welchen sich ein Universum entwickelt, das wie unseres aussieht und aus welchen nicht. So lassen sich unzählig viele Parallelwelten im Computer erschaffen, von denen sich einige ganz anders entwickeln als unser Kosmos. Und auch die Daten des menschlichen Genoms werden sich schon bald auf einem einfachen USB-Stick tragen lassen. Die Einheit Kilobyte wird dann wohl schon lange aus dem Wörterbuch gestrichen sein.

„Es wird noch Generationen dauern, bis der Mensch auf dem Mond landet.“

Sir Harold Spencer

Diese Prognose von 1957 ist schon etwas optimistischer, was Raumfahrt angeht und sollte dennoch deutlich daneben liegen. Es kommt von Präsidenten der Internationalen Astronomischen Union, wobei man sagen muss, dass Kennedy sein Ziel zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgerufen hat. Erst vier Jahre später kam die Ankündigung, man wolle innerhalb von 10 Jahren einen Menschen auf dem Mond landen – und nicht in 200 so wie es Menschen wie Spencer prophezeiten. Ebenfalls muss gesagt werden, dass er nicht der einzige war, so gab es selbst in den 50ern noch Menschen die gesagt haben, eine Reise zum Mond sei gänzlich unmöglich. Tatsächlich war man sich zu diesem Zeitpunkt einiger Probleme noch gar nicht bewusst, sodass etwas längere Forschung vermutlich wirklich für mehr Sicherheit gesorgt hätte, so wusste man weder vom Sonnenwind, noch von dem Einfluss kosmischer Strahlung auf den Menschen etwas. Dieses Wissen kam erst mit den Langzeitaufenthalten auf den Raumstationen der neueren Zeit, daher ist heutigen Prognosen in der Hinsicht etwas mehr zu vertrauen.

Schon wenige Jahre nach dieser Prognose wateten Menschen im Mondstaub.

Schwerer als Luft? – Solche Flugmaschinen sind unmöglich.

William Thomson

Das war bei weitem nicht der einzige geistige Erguss des Physikers William Thomson, den man als Erfinder der thermodynamischen Temperaturskala kennt. So behauptete er auch, die Röntgenstrahlen seien nicht möglich und es handle sich somit um einen Betrug und das Radio habe keinerlei Zukunft. Zwar war Luftfahrt in dieser Zeit tatsächlich nur mit Flugkörpern, die leichter als Luft sind, etwa Heißluftballons, möglich. Dennoch hat Thomson (als Physiker) dabei wohl übersehen, dass auch Vögel schwerer sind als Luft und dennoch fliegen können. Außerdem war die nötige mathematische Grundlage für Fluggeräte, die schwerer sind als Luft auch in seiner Zeit schon vorhanden. Dennoch galt Fliegen als etwas extrem Unheimliches, fast Übersinnliches. Wenn Heißluftballons am Himmel waren oder wenig später dann auch die ersten Fluggeräte mit Tragflächen, bekamen die Menschen meist große Panik und davon waren auch damalige Prognosen geprägt.

Es galt als nicht gesichert, ob menschengemachte Objekte schwerer als Luft jemals fliegen könnten.

„Die Kernenergie ist sicher.“

Ernst Bloch

„Das müsste halten.“, „Was ist das für ein Draht.“, „Jaja, die Sicherung ist draußen.“, das sind wohl typische letzte Worte eines Menschen. Prognosen wie „Die Kernenergie ist sicher.“ erinnern schon etwas daran. Das „Prinzip Hoffnung“ war ein Kind der Atom-Euphorie der Nachkriegszeit. Man ging jedoch nicht nur so weit zu sagen, dass Kernenergie keinerlei Risiko darstelle. Selbst wenn ein Atomkraftwerk explodiere, sei bereits in 100 Metern Entfernung keine nennenswerte Radioaktivität mehr vorhanden, so die Prognose. Man dachte, mit Atomkraft könnte man jedes Problem lösen. Ein paar Kilo Uran sollten ausreichen, um ganze Wüsten verschwinden zu lassen und die Arktis in einer Riviera zu verwandeln. Unternehmen wollten Autos, Züge und Staubsauger mit Atomkraft auf den Markt bringen.

Der Zerstörungsradius einer Atomexplosion wurde mit etwa 100 Metern veranschlagt.

Vermutlich kommen euch diese Prognosen über Atomkraft lächerlich vor, doch so sehr unterscheiden sie sich gar nicht, von dem quasireligiösen Fanatismus, mit dem etwa das Automobil in Europa bis heute behandelt wird. Und letztlich muss man ebenfalls betrachten, dass der rasende technische Fortschritt, den uns diese Prognosen vor Augen führen, eben nicht immer alles löst. Der Klimawandel und die soziale Gerechtigkeit blieben von all diesen Fortschritten unbeeinflusst und das wird auch in Zukunft so bleiben. Der technologische Fortschritt wird uns nicht retten. Aber er wird uns in eine Zukunft führen, für die es sich zu kämpfen lohnt.

#wirböllernnicht

Wir sprechen zu wenig über Feuerwerk an Silvester. Schade, denn diese Diskussion ist eine wunderbare Gelegenheit (eigentlich auch für politische Parteien), sich zu profilieren und zu zeigen, ob sie konservative Ideologen sind, die irrationale Entscheidungen treffen und gegen „Verbotsideologien“ oder „Kulturkämpfe“ sind oder ob sie unaufgeregt und sachlich mit aller Konsequenz das tun, wozu sie eigentlich gewählt sind – einen klaren Rahmen vorgeben, der eigentlich keiner Diskussion mehr bedürfen sollte. Genau diesen möchte ich mit diesem Artikel zum Thema Böllern schaffen. Zunächst die Fakten.

Feuerwerk in Köln

1.Feinstaub

Was ist Feinstaub?

Als Feinstaub werden Partikel mit einem Durchmesser von unter 10 Mikrometern bezeichnet. Durchmesser ist dabei nicht als der klassische Durchmesser von Planeten, Sternen oder Galaxien zu verstehen, denn bei diesen Staubpartikeln handelt es sich nicht ansatzweise um kugelförmige Objekte. Daher beschreibt der Durchmesser hier vielmehr den Durchmesser eines hypothetischen kugelförmigen Partikels, das dieselbe Fallgeschwindigkeit hat wie das eigentliche Partikel. Hat ein Partikel also einen Aerodynamischen Durchmesser von 10 Mikrometern, dann bedeutet das lediglich, dass es so schnell fällt wie ein hypothetisches kugelförmiges Partikel mit einem tatsächlichen Durchmesser von 10 Mikrometern. Die Fallgeschwindigkeit ist auch bei der ökologischen Debatte wichtig, da davon und von der Wetterlage abhängig ist, wie lange Feinstaub in der Atmosphäre verbleibt.

Um zu verdeutlichen, um welche Größenordnungen es sich handelt: Ein Mikrometer entspricht einem Millionstel Meter, also einem tausendstel Millimeter. Ein Blatt Papier hat eine Dicke von etwa 80 Mikrometern, ein menschliches Haar eine Dicke von 100 Mikrometern und die kleinsten Käferarten beginnen bei etwa 250 Mikrometern.

Probleme des Feinstaubs

Feinstaub ist also klein genug, um in in den menschlichen Körper einzudringen, in sein Bronchialsystem, sehr kleine Partikel sogar in die Lungenbläschen und ins Blut, wo sie Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen, Lungenschwäche und Kreislaufprobleme verursachen können, da sie im Nasen-Rachen-Raum nicht mehr gefiltert werden. Da die Partikel nicht löslich sind, werden sie so gut wie gar nicht abgebaut und reichern sich in der Lunge an. Selbst Konzentrationen unterhalb des EU-Grenzwerts stehen im Verdacht, Lungenkrebs zu fördern. Somit geht die Europäische Kommission von 310.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr durch Feinstaub innerhalb der EU aus, wodurch sich die Lebenszeit eines EU-Bürgers durchschnittlich um 8,6 Monate durch Feinstaub verringert.

Überdimensionierte Feinstaubemissionen an Silvester

Etwa 2% der deutschen Feinstaubemissionen sind auf Feuerwerkskörper zurückzuführen, ein absoluter Großteil davon in der Silvesternacht, was etwa 4200 – 5000 Tonnen entspricht. Wem das nicht dramatisch genug klingt: Es sind etwa 17% der Feinstaubemissionen des Verkehrssektors. Der EU-Grenzwert für Feinstaub liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, doch er ist leider nicht ganz wasserdicht, da er an eine bestimmten Anzahl an Tagen im Jahr auch beliebig weit überschritten werden darf. In der Silvesternacht wurden in einigen deutschen Innenstädten teils Konzentrationen von bis zu 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Da der Feinstaub oft über lange Zeit in der Atmosphäre bleibt und selbst im Boden oder in Gewässer noch immer schädlich sein kann, verurteilt die Politik mit der Duldung von privatem Silvesterfeuerwerk tausende wehrlose Menschen zum Tode.

2.Giftige Bestandteile von Feuerwerkskörpern

Es folgt eine Auflistung und Erläuterung nur einiger der giftigsten Bestandteile von Feuerwerk und die Einflüsse, die sie auf den menschlichen Körper haben können.

Blei

Das man Blei vielleicht nicht im Abguss entsorgen sollte, ist den meisten Menschen wohl klar. Schließlich ist es ein hochgiftiges Schwermetall, dessen Ionen, also geladene Bleiatome sich im Körper ablagern und dort Stoffwechselreaktionen verlangsamen oder sogar komplett blockieren. So hemmen sie etwa Enzyme und Eiweiße, die die Bestandteile unserer Nahrung für uns teilen und so erst Überleben und Handlungen möglich machen. Zellen werden somit beschädigt und sterben letztlich ab. Bei einer hohen Dosis kann das zum Tod führen. Bei langfristiger Aufnahme von Blei wird es nicht mehr abtransportiert und lagert sich in den Knochen und Zähnen ab, wo es Calcium ersetzt, was zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, heftigen Bauchschmerzen und Muskelschwäche führt.

Aluminium

Aluminium war früher eines der wertvollsten Elemente überhaupt. So gibt es die Legende, dass Napoleon Bonaparte seinen wertvollsten Gästen Aluminium- statt Goldgeschirr gegeben hat. Mit der Industrialisierung wurde es schließlich zum Massenprodukt und heute ist es aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Doch auch über die gesundheitliche Diskussion wird heiß diskutiert und auch noch geforscht. Aber man geht zumindest davon aus, dass Aluminium eine Rolle bei Fehlgeburten, Knochenbrüchigkeit, Alzheimer, Krebs, Nierenschäden, Hirnschäden und Blutarmut haben kann. Obwohl viele Folgen wohl noch unbekannt sind, wird Aluminium in Feuerwerk eingesetzt.

Nitrat

Nitrat ist kein chemisches Element, sondern eine Verbindung von Sauerstoff und Stickstoff und an sich ungefährlich, sogar ein beliebtes Düngemittel. Doch wenn eine bestimmte Kapazität für Nitrat im Körper erreicht ist, können gewisse Bakterien das Nitrat in das hochgiftige Nitrit umwandeln, welches dann krebserregend wirkt, Gefäße verstopft, Rote Blutkörperchen schädigt, die für den Sauerstofftransport im Körper nötig sind, und auch zu Fehlgeburten führen kann.

Nitrat gelangt häufig durchs Grundwasser in den menschlichen Körper. So wird etwa viel zu viel Nitrat als Düngemittel auf die Felder geworfen. Da die Pflanzen häufig nur die Hälfte davon aufnehmen können, sickert der Rest ins Grundwasser. Aber auch in Silvesterböllern ist Nitrat erhalten.

Arsen

Arsen gehört zu den giftigsten Stoffen überhaupt und kann dem entsprechend sehr viele teils tödliche Beschwerden verursachen. So reizt es die Eingeweide, etwa den Magen, kann zu einer geringeren Produktion von Roten Blutkörperchen, Fehlgeburten, Immunschwäche, Unfruchtbarkeit, Herzstillstand, Hautkrankheiten, Hirnschäden und Mutationen führen, außerdem wirkt es ebenfalls krebserregend. Und doch kommt er in Feuerwerk vor.

Barium

Barium klingt irgendwie schon gefährlich, wenn ihr mich fragt und genau so ist es auch. Barium und alle seine Verbindungen, die sich in Wasser lösen lassen sind giftig für den Menschen. Der Stoff lagert sich vor allem in Lungen, Knochen und Muskeln ab. Dort kann es zu Muskelkrämpfen, Muskellähmungen (teilweise bis zum Tod durch Ersticken), Herzstillstand, Bluthochdruck, Atemproblemen, Durchfall und einem Kreislaufkollaps führen. Die tödliche Dosis für einen erwachsenen Menschen liegt dabei bereits bei einem Gramm.

Schwefel

Schwefel geht sehr häufig anorganische Verbindungen mit anderen Elementen ein, etwa Schwefelwasserstoff, Schwefeldioxid und Schwefelkohlenstoff ein, von denen sehr viele hochgiftig sind. Die Folgen sind teils noch unerforscht, doch sie reichen von Übelkeit, Hustenanfällen, Erbrechen, Krämpfen und Atemlähmungen über Verätzungen, Reizungen der Schleimhäute und Kopfschmerzen, bis zu Gesichtslähmungen, Schlaf-, Hör- und Sehstörungen und psychischer Instabilität.

Einige Schwefelverbindungen sind hochgiftig für den menschlichen Körper und auch in Feuerwerkskörpern enthalten.

3.Müll, Geräuschbelastung und Verbrennungen

Ich könnte noch ewig so weiter machen. Feuerwerk führt zu ungesunden Lärmbelastungen, vor allem für Tiere mit viel empfindlicherem gehör als Menschen, durch die abgebrannten Raketen liegt überall Müll herum, der nicht immer abbaubar ist, jedes Jahr gibt es Verletzungen, weil einige Menschen nicht damit umgehen können, die Arbeitsbedingungen in einigen Ländern bei der Herstellung der Feuerwerkskörper sind katastrophal und gefährlich, die Kosten und Umweltbelastungen für all die Feuerwehreinsätze in dieser Zeit sind unermesslich.

Müll von Feuerwerksraketen

Was müsste passieren?

Eigentlich müssten wir gar nicht so lange darüber diskutieren. Privates Feuerwerk ist Körperverletzung, Umweltverschmutzung, Nötigung und gehört verboten. Privates Feuerwerk muss in Deutschland verboten sein und die Stadt kann ein kontrolliertes, sauberes und verantwortungsvolles zentrales Feuerwerk organisieren. Es ist die Aufgabe der Politik, den Menschen einen Rahmen zu setzen, der unverrückbar festgegeben ist. Dazu gehört etwa, dass man nicht aus Spaß Arsen in Babybrei mischt. Dazu gehört, dass man nicht mit Schwefelwasserstoff duscht und dazu gehört, dass man kein flüssiges Blei in den Abguss kippt. Über manche Dinge bedarf es einfach keiner Diskussion, weil die Faktenlage eindeutig ist. Und doch gibt es keine Feuerwerksverbote auf Bundes- oder Landesebene. Aber was soll´s, wir sind es doch mittlerweile gewöhnt, dass wir die Aufgaben der Politik übernehmen. Also, an die Arbeit.

#wirböllernnicht – Das Gewinnspiel

Natürlich haben wir uns ebenfalls gefragt, was wir tun können, um gegen Feuerwerk vorzugehen, außer natürlich selbst darauf zu verzichten und das private Umfeld dementsprechend aufzuklären. Zum einen habe ich dafür diesen Beitrag geschrieben, um die Menschen aufzuklären, zum anderen hatten wir aber auch noch eine etwas verbindlichere Idee.

Wer sich in irgendeiner Form (Twitter, Facebook, Blog-Kommentar) einfach mit der Nachricht „Wir böllern nicht.“ oder dem Hashtag #wirböllernnicht meldet und sich damit verbindlich (auf Vertrauensbasis) dazu verpflichtet, an Silvester aus das Böllern zu verzichten, hat die Chance, ein Exemplar meines Buches (T)raumschiff Erde geschenkt zu bekommen, in dem ich die Metapher des Planeten Erde, der als Raumschiff durchs All fliegt vertiefe, einen perspektivreichen kritischen Blick auf die derzeitige Besatzung des Raumschiffs werfe und dann in einem radikalen Appell mit konkreten Forderungen zu einer 180°-Wende im Umgang mit unserem Planeten ausrufe. Die einfachste Form der Teilnahme ist das Teilen dieses Beitrags, da es vielleicht dem ein oder anderen auch ermöglicht mehr über die Gefahren zu erfahren. Unter allen Teilnehmern verlosen wir drei Exemplare.

Ich wünsche euch einen böllerfreien Rutsch ins neue Jahr.

Teilnahmebedingungen

  1. Das Gewinnspiel dauert bis 31.12.2019, 23:59 Uhr. 
  2. Es werden drei signierte Ausgaben des limitierten Hardcovers (T)raumchiff Erde verlost.
  3. Die Teilnahme erfolgt über einen Kommentar, der den Hashtag #wirböllernnicht enthält und der unter diesem Blogpost oder unter dem dazugehörigen Facebookpost platziert wurde. Eine Teilnahme via Twitter ist mit einfacher Nutzung des Hashtags #wirböllernnicht möglich. Der Einsatz des Hashtags kann hier in einem eigenständigen Tweet erfolgen. Ein Retweet oder die Teilung dieses Artikels verhilft auch zur Teilnahme am Gewinnspiel.
  4. Kommentare die gegen die Facebook bzw. Twitter Richtlinien, deutsches Recht und oder das Copyright verstoßen werden nach Kenntnisnahme ohne Ankündigung entfernt. Der Teilnehmer ist damit vom Gewinn ausgeschlossen.
  5. Teilnahmeberechtigt sind Personen aus Deutschland und Österreich.
  6. Über den Gewinner entscheidet das Zufallsprinzip.
  7. Die Gewinner werden über die Reaktion auf den jeweiligen Kommentar oder Tweet informiert. Der Gewinner muss sich innerhalb von 5 Werktagen per E-Mail an wochenendrebell@wochenendrebell.de mit den Adressdaten melden, wo das Buch hingesendet werden soll. Meldet sich ein Gewinner nicht innerhalb dieser Frist, wird das Buch unter allen Teilnehmern erneut verlost. 
  8. Alle Daten werden spätestens 30 Tage nach Ende des Gewinnspiels gelöscht, die Kommentare auf Facebook oder Twitter Teilnehmer bleiben allerdings bestehen und sind weiterhin öffentlich einsehbar. Adressdaten werden nur von den Gewinnern erfasst und nur zum Versand des Gewinnes genutzt. Diese Daten werden weder mit niemandem geteilt.  Den Teilnehmern stehen gesetzliche Auskunfts-, Änderungs- und Widerrufsrechte zu.
  9. Das Gewinnspiel wird nicht von Facebook oder Instagram gesponsert oder unterstützt.
  10. Du verpflichtest du dich auf Vertrauensbasis dazu, an Silvester keine Feuerwerkskörper anzuwenden.

CHEOPS: Start des weltweit ersten Weltraumteleskops zur Exoplanetenkunde verschoben

Die Entdeckung des ersten Exoplaneten ist nun schon fast 30 Jahre her, in diesem Jahr wurde dafür sogar der Nobelpreis für Physik verliehen. Doch bis heute sind diese Planeten meist nicht viel mehr als Kurven aus Diagrammen in den Büros von Wissenschaftler. In einigen Fällen lassen sich die Oberflächenbedingungen grob simulieren, doch das Erfassen von Details oder sogar direkte Beobachtungen sind bis heute nicht möglich. Dies soll die CHEOPS-Mission der ESA ändern. Das Weltraumteleskop soll erstmals Details von bereits bekannten Exoplaneten erfassen. Doch der Start im Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana schlug gestern fehl und soll am heutigen Tag um 09:45 MESZ wiederholt werden.

Detaillierte Untersuchung von Exoplaneten

CHEOPS steht für „Characterising Exoplanet Satellite“, die primäre Aufgabe des Weltraumteleskops ist es also nicht, neue Planeten zu entdecken, sondern bereits bekannte einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, gerade erdähnliche Planeten um nahe Sterne, also etwa Himmelskörper zwischen der Größe von Erde und Neptun. Dies sind sogenannte Supererden, also Gesteinsplaneten, von denen einige auch lebensfreundliche Bedingungen aufweisen können, allerdings auch Wüsten- oder Wasserplaneten sein können. Etwa 500 Sterne sollen beobachtet werden, um all diese Sterne wurden bereits Planeten entdeckt.

Die Planeten sollen bei Transits um ihren Stern beobachtet werden, so kann zunächst die Größe und somit geklärt werden, ob es sich um Gesteins- oder Gasplaneten hält. Gasplaneten sind für Lebenssuche recht uninteressant, handelt es sich jedoch um Gesteinsplaneten, kann aus Masse und Durchmesser die Dichte berechnet werden, was Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung zulässt. Im nächsten Schritt sollen eventuelle Atmosphären und deren Zusammensetzung untersucht werden. Sollte man Elemente wie Sauerstoff oder Methan finden, wäre das ein starker Hinweis auf einen bewohnbaren oder sogar bewohnten Planeten.

CHEOPS soll unter anderem herausfinden, ob es sich bei Planeten um Gasriesen oder Gesteinsplaneten handelt.

Aufbau der Sonde

CHEOPS soll die Erde in 700 Kilometern Höhe umkreisen, also noch im niedrigen Erdorbit leicht über der ISS und Hubble, aber deutlich unter den Bahnen der TV-Satelliten. Es ist 2,6 Meter hoch und wiegt 290 Kilogramm. Das Teleskop selbst hat eine Öffnung von 32 Zentimetern und eine Länge von 1,2 Metern. Die Mission wird von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA in Kooperation mit der Schweiz und andere internationalen Partnern betrieben. Durch Solarpaneele zur Energieversorgung und einen Hitzeschild, ähnlich wie ihn Parker Solar Probe hat, nur deutlich kleiner, wird die empfindliche Technik vor der Sonnenstrahlung geschützt. So soll eine Lebensdauer von 3,5 Jahren erreicht werden, evtl. sogar mehr, sodass die Mission auch spontan verlängert werden kann.

Start kurzfristig abgebrochen

Der Start von CHEOPS markiert die Entstehung eines neuen Astronomischen Forschungsgebiets, der Exoplanetenkunde, in der Exoplaneten studiert und nicht nur entdeckt werden. Jedenfalls wird er den markieren, denn obwohl der Start für gestern Morgen geplant war, ist CHEOPS noch am Boden, heute 09:54 Uhr MESZ soll ein erneuter Startversuch erfolgen. Derzeit ist noch nicht sicher, wieso der Start 90 Minuten vor Ablauf des Countdowns automatisiert abgebrochen wurde. Da die Sojus-Fregat-Rakete von der Russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos produziert wurde, leitet diese derzeit die Untersuchungen.

Nur der Anfang

Läuft alles nach Plan, ist CHEOPS nur der Anfang dieses neuen Forschungszweigs, so ist es auch die erste von sogenannten S-Class-Missionen der ESA, die kostengünstig sind und in recht kurzer Zeit hintereinander gestartet werden sollen. Und auch zur Erforschung von Exoplaneten gibt es noch viele Möglichkeiten. So ist es etwa denkbar, ein Teleskop am Gravitationslinsenpunkt unserer Sonne, weit außerhalb des Kuipergürtels, zu platzieren. Dieses Teleskop könnte quasi die Sonne als Spiegel nutzen und so eine Auflösung erzielen, die mehrere Pixel große Bilder von Exoplaneten ermöglichen würden. Noch ist dies eine Vision, doch mit dem Start von CHEOPS werden wir dieser Version womöglich einen Schritt näher kommen.