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Warum die Bauernproteste verfassungsfeindlich sind

Die aktuellen Proteste von Landwirten gegen das Agrarpaket sind Akte puren Egoismus von Menschen, die meinen, sie könnten die Bevölkerung durch wirtschaftliche Abhängigkeit erpressen und somit die Zerstörung unser aller Biosphäre rechtfertigen. Somit sind die Forderungen der Bauern eine Gefahr für das langfristige Bestehen der menschlichen Zivilisation, die Demokratie und Menschenrechte. Sie sind verfassungsfeindlich.

Schädliche Forderungen

Die Bauernproteste, initiiert vom Bündnis „Land schafft Verbindung“ (der Titel ist übrigens noch das konkreteste an diesem ganzen Bündnis) richten sich vor allem gegen das im Vorjahr verabschiedete viel zu lasche Agrarpaket der Bundesregierung, dessen Kern das sogenannte „Aktionsprogramm Insektenschutz“ ist. Es enthält etwa ein Verbot von bestimmten Insektiziden in Naturschutzgebieten, einen Mindestabstand zu Gewässern von 10 Metern beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Deklaration von Streuobstwiesen und artenreichem Grünland als Naturschutzgebiete und eine erhebliche Einschränkung des Glyphosatgebrauchs ab 2020. Grundsätzlich also alles sinnvolle und notwendige, teils nicht weit genug gehende (das Tierwohllabel ist etwa freiwillig, um ein Beispiel zu nennen) Gesetze, die dem Insektensterben entgegenwirken werden. Insekten sind für den Stoffkreislauf und als Bestäuber unabdingbar und das Insektensterben lässt sich eindeutig belegen. Die Roten Listen der gefährdeten Arten in Deutschland verzeichneten einen negativen Trend bei mehr als 3000 Insektenarten. Die Ironie: Das Insektensterben wird vor allem die Landwirtschaft betreffen. Insgesamt sind Pflanzen im Wert von insgesamt 1,13 Milliarden Euro in Deutschland von Bestäubern abhängig. Vor allem beim Obst- und Gemüseanbau, aber auch bei Ackerkulturpflanzen, etwa Raps wird die Ernte also einbrechen, wenn die im Agrarpaket verabschiedeten Maßnahmen nicht zügig umgesetzt werden.

Thesen wissenschaftlich nicht haltbar

Doch viele Bauern, die sich an den jetzigen Protesten beteiligen, betreiben Realitätsverdrängung der höchsten Form. So leugnen manche schlicht die gesundheitsschädliche Wirkung der Stickstoffverbindung Nitrat, um gegen die Düngemittelverschärfung zu wettern. Wie ich hier schon im Rahmen von Silvesterböllern geschrieben habe, wandelt der Körper Nitrat ab einer gewissen Konzentration in Nitrit um, welches krebserregend wirkt, Rote Blutkörperchen schädigt und zu Fehlgeburten führen kann. Gelangt zu viel Nitrat auf die Felder, kann dieses nicht aufgenommen werden und gelangt ins Grundwasser, wo wir alle das Zeug trinken dürfen. Sebastian Dickow, Sprecher der Bewegung, behauptete anschließend, die meisten Bauern würden nicht überdüngen. Dem gegenüber steht eine Studie der Universität Gießen, wonach Bauern im Schnitt 77 Kilogramm mehr Nitrat pro Hektar genutzt haben, als die Pflanzen aufnehmen können. Hinweise seitens Dickow auf Lücken in der Statistik konnten ebenfalls eindeutig widerlegt werden.

Wenn Felder überdüngt werden, landen die überflüssigen Düngemittel in der Atmosphäre und im Grundwasser.

Schließlich blamierte sich Dickow vollkommen, indem er sagte, dass große Mengen des Stickstoffs unschädlich seinen, da sie gar nicht ins Grundwasser kämen. Eigentlich hat er damit sogar recht. Bleibt nur das unschöne Detail, dass Ablagerungen, die sich nicht auswaschen, in die Luft gelangen und dort das Klima belasten. Und letztlich landen sie über den Niederschlag doch wieder im Boden. Die Düngemittelverschärfung wird durch die wissenschaftliche Faktenlage also eindeutig gestützt. Es mag verständlich sein, dass sich manche Bauern von den mehrmals verschärften Verordnungen überfordert fühlen. Doch letztlich bleiben diese Verschärfungen nicht willkürlich, sondern basieren auf Modellrechnungen und Simulationen. Sie sind das, was wir tun müssen, um zu überleben, alternativlos. Und die Einschränkungen die sie für manche mitbringt, sind dann persönliches Pech – und zudem deutlich schwächer als die des Insektensterbens.

Bauern profitieren vom Agrarpaket

Das perfide ist, dass Dickow und seine Kollegen vorgeben, alle Bauern zu repräsentieren. Doch den meisten Bauern ist das Insektensterben nicht egal und sie verstehen auch die Notwendigkeit von Tierschutz. Es ärgert mich zudem, dass durch die Bauernproteste ein sehr ehrenwerte und wichtiger Beruf diffamiert wird. Auf welcher Seite „Land schafft Verbindung“ steht, zeigt sich, wenn man sich die Gesichter hinter den Protesten etwas genauer ansieht. Dirk Andresen, der bekannteste Sprecher der Bewegung ist etwa – welch Überraschung – am Andresen Siedenbollentin GmbH & Co. KG beteiligt, einem industriellen Agrarunternehmen mit 1250 Sauen. Letztlich unterscheidet er sich also in keiner Form von Öl- oder Kohlelobbyisten, denen die Zukunft im Grunde genommen egal ist – und die Landwirtschaft auch. Während man Fridays for Future häufig Unterwanderung vorwirft, sind die Bauernproteste nicht nur von Rechtsextremisten unterwandert, sondern praktisch ideologisch verwandt. So durfte etwa der schweizerische Rechtsextremist Ignaz Bearth auf einer Bauerndemo nicht nur sprechen, sondern bekam sogar Applaus, war also durch die breite Masse legitimiert. Er ist Gründer der schweizerischen Partei DPS, die 2017 mit der PNOS fusionierte. Diese wiederum trat mit Parolen wie „Nationale Erneuerungsbewegung“, „Wir säubern!“ und „Eidgenössischer Sozialismus“ an und forderte die Umwandlung der Schweiz in einer Meritokratie.

Jene Erfindung, welche die Menschheit vor 200.000 Jahren groß gemacht hat, ist nun gut dabei, sie wieder auszulöschen. Diejenigen, die das provozieren, sind jedoch keine Bauern, auch wenn sie schicke Traktoren haben – das sind Lobbyisten und genau so sollten wir ihre Anliegen auch behandeln. Demonstrationen von alten weißen Männern, die durch Erpressung mit scheinbarer wirtschaftlicher Abhängigkeit das Recht bekommen wollen, einen mit einer Biokalypse verbundenen Völkermord auszulösen sind verfassungsfeindlich – und somit sollte ein Verbot kein Tabu sein. Die echten Bauern sind unsere Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise – das zeigten die reichlich besuchten Gegendemonstrationen unter dem Motto „Wir haben es satt.“ für eine ökologische Agrarwende.

Wird Betelgeuse zur Supernova?

Historische Bedeutung von Betelgeuse

In den letzten Tagen hat es endlich mal wieder ein astronomisches Thema in die Schlagzeilen und die Öffentlichkeit geschafft, und zwar die Geschehnisse rund um den Stern Betelgeuse. Erstmal: Ja, er heißt Betelgeuse, alle anderen Namen (Beteigeuze, Betelgeuze, Beteigeuse,…) sind Ergebnisse der fehlerhaften Übernahme des arabischen Namen in das lateinische Alphabet. Und daran sieht man bereits, dass der Stern wirklich schon seit sehr langer Zeit bekannt ist, nämlich bereits in Werken des arabischen Astronomen Azophi auftaucht, der im zehnten Jahrhundert gelebt hat. Als zweithellster Stern des markanten Sternbilds Orion hat er auch eine große mythologische Bedeutung und hat ganze antike Kulturen maßgeblich beeinflusst. Aufgrund seiner tiefroten Färbung galt er lange als Zeichen für Krieg und da er als erster Stern des Orions über dem Horizont aufgeht auch als Ankündiger und Bote.

Betelgeuse aus astronomischer Sicht

Die tiefrote Färbung des Sterns und seine große Helligkeit sind charakteristisch für die Sternklasse der Roten Überriesen. Diese Sterne sind massereiche Sterne kurz vor ihrem Tod. Ein Stern wird durch zwei Kräfte stabil gehalten. Zum einen die eigene Gravitation, die den Stern in sich zusammenstürzen lassen will, zum anderen der Energiefluss, der durch das Verschmelzen von Atomkernen zu neuen Atomkernen in seinem Innern nach außen strömt. Da sich diese Kräfte ausgleichen, kann ein Stern bestehen. Doch wenn der Wasserstoff im Innern des Sterns vollständig zu Helium verschmolzen ist, fällt der Strahlungsdruck plötzlich weg und die Gravitation presst den Stern zusammen. Normalerweise, würde man sagen, müsste der Stern nun kleiner werden, da keine Energie mehr erzeugt wird, doch das Gegenteil passiert.

Die Gravitation presst den Stern zusammen, sodass die Temperatur in seinem Innern aufgrund des Gasgesetzes steigt und nun ausreicht, um auch Helium zu verschmelzen und die Temperaturen in seinen äußeren Schalen zumindest für die Verschmelzung von Wasserstoffatomen ausreicht. Dadurch wird nun also mehr Energie als vorher erzeugt und der Stern wird größer. Wenn das Helium vollständig zu Kohlenstoff verschmolzen ist, wird der Stern wieder zusammengepresst, wodurch der Druck so weit steigt, dass im Kern der Kohlenstoff zu Neon und in den Schalen das Helium zu Kohlenstoff verschmolzen werden kann. Dadurch wird noch mehr Energie freigesetzt. Dies geht dann immer so weiter, wodurch der Stern den Aufbau einer Zwiebel bekommt, mit immer schwereren Elementen bis zum Kern hin. Irgendwann wird im Kern Silizium zu Eisen verschmolzen, doch Eisen kann nicht weiter verschmolzen werden. Wenn sich im Kern also Eisen ablagert, lässt der Strahlungsdruck wieder nach, aber diesmal für immer. Die Gravitation gewinnt und lässt den Stern in einer gewaltigen Explosion kollabieren, einer Supernova. Übrig bleibt der extrem verdichtete Kern als Neutronenstern oder Schwarzes Loch. Betelgeuse ist gerade in diesem letzten Stadium der Fusion von Silizium und steht somit kurz vor der Beendigung seines Lebens.

Dadurch, dass in einem so großen Stern fast keine Konvektionsströme gibt, die Wasserstoff von der Oberfläche ins Innere befördern, leben Sterne je länger, desto kleiner sie sind. Während kleine Rote Zwerge viel länger leben, als das Universum bisher existiert und sonnenähnliche Sterne mehrere Milliarden Jahre, brennen Sterne wie Betelgeuse nur wenige Millionen Jahre.

Kurz vor der Explosion

Dass Betelgeuse kurz vor seiner Explosion steht, ist nichts neues. Doch „kurz“ ist in der Astronomie immer relativ und bedeutet in diesem Fall irgendwann in den nächsten paar 100.000 Jahren. Nun jedoch deutet sich an, dass die Supernova von Betelgeuse womöglich unmittelbar bevorsteht oder sogar schon vorbei, aber wegen der Entfernung von 640 Lichtjahren noch nicht bei der Erde angekommen. Dies deutet man daraus, dass sich Sterne kurz, und damit ist nach menschlichen Maßstäben kurz gemeint, vor ihrer Explosion noch einmal abdunkeln. Dies ist bei Betelgeuse derzeit extrem auffällig und sogar mit bloßen Auge zu beobachten. Normalerweise ist er in den Top Ten der hellsten Sterne am Nachthimmel, doch aktuell gehört er nicht mehr mal zu den 20 hellsten Sternen. Das kann bedeuten, dass die Explosion kurz bevorsteht, muss es aber nicht.

Wegen der relativen Nähe und Größe des Sterns, ist er einer der wenigen Sterne, die wir nicht nur als Punkt, sondern mit Teleskopen als Scheibe sehen können.

Denn Betelgeuse ist sowieso ein veränderlicher Stern, seine Helligkeit variiert also in zwei parallel verlaufenden Zyklen. Wenn die Minima beider Zyklen also zusammenfallen, kann es auch zu einer starken Verdunklung kommen und es muss nichts mit dem baldigen Ableben des Sterns zutun haben. Es ist also gut möglich, dass der Stern sich in wenigen Wochen wieder aufhellt. Doch, obwohl es nicht wahrscheinlich ist, könnte es dennoch sein, dass wir die Supernova und Betelgeuse erleben. Was würde das für uns bedeuten?

Heller als der Mond

Die Explosion wäre von der Erde aus nicht zu übersehen. Für wenige Wochen würde Betelgeuse so stark leuchten wie eine ganze Galaxie. Am Nachthimmel wäre er so hell wie der Vollmond und die Explosion mit bloßem Auge zu sehen. Er wäre so leuchtstark, dass man ihn selbst tagsüber am Himmel sehen würde. Zweifellos wäre es ein spektakulärer Anblick, der einmalig in der gesamten Menschheitsgeschichte wäre. Die letzte Supernova innerhalb unserer Galaxis fand 1604 unter dem Namen „Keplers Supernova“ statt und war nicht annähernd so hell, wie es Betelgeuses sein wird. Zudem hatte man damals keine Ahnung, was eine Supernova eigentlich ist und war sich der Besonderheit dieses Ereignisses nicht wirklich bewusst, was bereits im Namen „Supernova“ steckt, der auf ein neu auftauchendes Objekt hinweist. In Wahrheit taucht jedoch kein Objekt neu auf, sondern es explodiert eins.

Keine akute Gefahr

Eine Supernova ist die gewaltigste Explosion, die es im Universum gibt, sie setzt große Mengen an Energie und Strahlung frei. Im Umkreis von 10 Lichtjahren würde eine solche Explosion vermutlich das irdische Leben ausrotten, vermutlich gab es im Ordovizium eine Supernova, die eines der großen sechs Massenaussterben der Erdgeschichte verursacht hat. Daher beobachten Wissenschaftler Supernovae in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft häufig mit Sorge. Der Großteil der Strahlung wird jedoch an den Polen des Sterns emittiert und bei Betelgeuse wissen wir, dass keiner der Pole der Erde zugewandt ist. Ein Massenaussterben ist trotz der relativen Nähe zur Erde also ausgeschlossen, dennoch könnte es in kleinem Umfang zu einer Schädigung der Ozonschicht und einem höheren Hautkrebsrisiko kommen, es müssten also entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Viel mehr dürften wir uns darauf freuen, vor allem die Wissenschaftler. Eine Supernova in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft wäre eine großartige Gelegenheit, mehr über diese Endphase großer Sterne zu erfahren.

Kultureller Einschnitt

In erster Linie wäre es jedoch ein kulturelles Großereignis. Betelgeuse war schon immer da und hat die Menschheit seit Anbeginn der Zeit begleitet. Die Menschen der Steinzeit blickten zu ihm empor und fragten sich, was wohl dieses rote Licht sei, im alten Ägypten sah man in dem Stern einen Gott, im antiken Griechenland erzählte man sich mythologische Geschichten, im Mittelalter blickten erste kluge Köpfe in den Himmel und erforschten den Stern – und nun wäre er mit wenigen Wochen weg. Das legendäre Sternbild des Orion wäre zerstört. Der Sternhimmel, der über Tausende Jahre als statisch und unveränderlich galt, würde ich verändern und das vor unseren Augen. Es wäre das erste mal, dass wir mit eigenen Augen sehen, dass das Universum nicht ewig ist, sondern vergänglich wie alles andere, sich das alles nur auf sehr großen Zeitskalen abspielt.

Wenn Betelgeuse dann eines Tages von der Bildfläche verschwindet, womöglich ja in gar nicht so ferner Zukunft, wird es auch irgendwie etwas wehmütig machen. Da, wo wir früher den hellen roten Stern Betelgeuse gesehen haben, werden wir dann nichts mehr sehen. Doch in Wahrheit wird auch dann dort der Überrest des Sterns in Form eines Neutronensterns umgeben von einem bunten Nebel zu sehen sein. Wobei ich persönlich mich erstmal dran gewöhnen werden müssen: Betelgeuse, der Neutronenstern – wir leben in verrückten Zeiten.

Buschfeuer: In Australien verbrennt die Hoffnung auf Besserung

„Ich, Scott John Morrison, schwöre, dass ich dem australischen Volk im Amt des Premierministers gut und wahrhaftig dienen werde und dass ich Ihrer Majestät, Königin Elisabeth der Zweiten, Königin von Australien, treu und gewissenhaft ergeben sein werde. So wahr mir Gott helfe!“, diese Worte sprach der Australische Premierminister Scott Morrison bei seiner Vereidigung. Das war am 24. August 2018, etwa eineinhalb Jahre bevor er den Eid brach, seine Bevölkerung verriet und sein Land an die Kohleindustrie verkaufte. Aber fangen wir erstmal ganz von vorne an.

Regierung von Australien im Griff der Kohleindustrie

Die Australische Kohleindustrie ist die mächtigste der Welt, etwa 77% des Strommixes besteht dort aus Kohle, zudem ist Australien der weltgrößte Kohleexporteur. Die politische Macht dieser Lobby steht außer Frage, Premierminister Malcom Turnbull musste in Folge seines Vorhabens, die CO2-Emissionen seines Landes bis zum Jahr 2030 um 26% zu senken (Referenzjahr 2005, also eigentlich vollkommen lächerlich) zurücktreten. Sein Nachfolger Morrison hat sich eindeutig für die Seite der fossilen Kapitalisten entschieden. In Anbetracht der aktuellen Geschehnisse sprach er fast schon heuchlerisch: „Wir werden uns nicht auf unbesonnene Klimaziele einlassen und heimische Industrien aufgeben, wodurch australische Arbeitsplätze gefährdet würden.“ Nun ja, zumindest Inkonsequenz kann man Herrn Morrison nicht vorwerfen. Derzeit plant Australien die größte Kohlemine aller Zeiten – unter Beteiligung des deutschen Unternehmens Siemens.

Die Energiepolitik Australiens hat Folgen: Das Land hat die größten Pro-Kopf-CO2-Emissionen der Welt, etwa 57 Tonnen pro Person und Jahr. In Deutschland sind es etwa 11 Tonnen, in Indien 1,6 Tonnen. Durch Wälder, Böden und Ozeane können pro Jahr etwa 2,3 Tonnen pro Person gebunden werden, in etwa so viel dürfte also jeder Mensch ausstoßen, um die Klimakrise zu stoppen. Doch wenn es nach Morrison geht, würde man die gesamte Kohle abbauen und verbrennen, bis nichts mehr übrig ist. Zur Einordnung: Diese Menge beträgt etwa 5 Billionen Tonnen Kohlenstoff, deren Verbrennung zu einer Erderwärmung von etwa 9°C führen würde – ganz Australien wäre vollkommen unbewohnbar. Und nun lasst euch folgenden Teil seines Amtseides nochmal auf der Zunge zergehen:

„Ich, Scott John Morrison, schwöre, dass ich dem australischen Volk im Amt des Premierministers Australiens gut und wahrhaftig dienen werde.“

Wenn das kein Amtsmissbrauch ist, dann hat das Wort „Amtsmissbrauch“ keinen Sinn.

Verbrechen an sich selbst

Doch Australien ist nicht nur einer der Haupttäter der Klimakrise – es leidet gleichzeitig auch wie kaum ein anderes Land unter ihr. Schon bei wenigen Grad Celsius Erderwärmung würde ein Großteil des australischen Inlands unbewohnbar. Die 40°C, die wir in Deutschland letzten Sommer als neue Rekordtemperatur registrierten, sind im aktuellen Sommer in Australien bereits mancherorts die Durchschnittstemperatur, Spitzenwerte von 50°C wurden erreicht. Das Great Barrier Reef, das Wahrzeichen Australiens und die einzige lebendige Struktur, die mit bloßen Auge aus dem Weltall gesehen werden kann, liegt akut im Sterben. Zwischen 1985 und 2012 verlor das Riff 50% seiner Korallen. Die Erderwärmung führt auch zu wärmeren Ozeanen, wodurch viele Lebewesen nicht überleben können und somit die Artenvielfalt im Riff sinkt. Gleichzeitig nehmen die Meere Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf und versauern dadurch, was die Wachstumsrate von Korallen senkt. Zudem machen die höheren Temperaturen zerstörerische Zyklone häufiger und die Korallen verbleichen.

Das Great Barrier Reef gilt als womöglich bereits nicht mehr zu retten.

2013 genehmigte die Regierung von Australien den Bau des größten Kohlehafens der Welt direkt am Great Barrier Reef, wofür drei Millionen Kubikmeter Schlamm direkt im Riff entsorgt werden sollen. Selbst die Deutsche Bank (!) ließ die Finanzierung für das Projekt fallen. Der australische Umweltminister bezweifelte jedoch, dass das Verbrennen von Kohle einen merkbaren Einfluss auf das Ökosystem hat. Kleine Randnotiz: Wenn Banken aus Deutschland eine strengere Klimapolitik verfolgen als das nationale Umweltministerium, läuft in diesem Land irgendetwas verdammt schief.

Und obwohl völlig klar ist, dass die australische Umweltpolitik konträr zu den Interessen der Bevölkerung ausgerichtet ist, verkauft Morrison seine Politik erfolgreich als Sicherung von Arbeitsplätzen und somit als bürgerfreundliche Maßnahme. Bei einer Rede im Australischen Parlament brachte Morrison als damaliger Finanzminister sogar ein Stück Kohle mit und erklärte sarkastisch, man müsse keine Angst davor haben. Die Abgeordneten lachten. Diesen Lachen sollte ihnen noch im Halse steckenbleiben.

Brände in Australien sind eine Folge Klimakrise

Nun, im Jahr 2020, wüten in Australien Brände von bisher unbekanntem Ausmaß. Schon mindestens 24 Menschen sind ihnen zum Opfer gefallen, etwa eine halbe Milliarde Tiere. Doch selbst die Mehrheit der überlebenden Tiere wird in den nächsten Wochen und Monaten sterben, da sie keine Nahrung finden werden. Dieses Foto eines verkohlten Babykängurus, das sich auf der Flucht offenbar in einem Zaun verhedderte dann verbrannte ging um die Welt und erhöhte den Druck auf die Politik vorübergehend.

Doch in einer Partei, in der selbst die komplette Leugnung des menschengemachten Klimawandels üblich ist (der amtierende Vizepremierminister nannte die Klimakrise etwa eine Erfindung „fabulierender innenstädtischer Verrückter“) , will man über den Zusammenhang dieser zu den Buschbränden natürlich überhaupt nicht sprechen. Man versucht derzeit, Debatten über die tiefere Ursache der Brände als Instrumentalisierung der Todesopfer darzustellen. Gleichzeitig scherzten Mitglieder seiner Regierung bei der Bekanntgabe der ersten beiden Todesopfer, die beiden hätten „wahrscheinlich eh die Grünen gewählt“.

Der IPCC sagte schon vor langem voraus, dass mit häufigeren Bränden bereits bei 1°C Erderwärmung zu rechnen ist und genau das ist jetzt in Australien eingetreten. Da wir derzeit etwa bei diesem 1°C sind, spricht das eindeutig für die Gültigkeit von IPCC-Prognosen (was, wenn man sich diese mal anschaut aber auch weniger positiv ist, als es sich anhört). Wenn man länger darüber nachdenkt, ist dieser Schluss aber eigentlich auch trivial. Die Klimakrise führt zum einen zu höheren Temperaturen und zum anderen zu weniger Niederschlag. Beides führt dazu, dass Pflanzen und Böden austrocknen und fördert somit Brände. Ähnlich wie bei den Bränden in der Arktis oder im Amazonas unterliegen diese einem sehr labilen Gleichgewicht. So schafft der Amazonas etwa die Grundlage für seine eigene Existenz. Eigentlich dürfte an dieser Stelle kein Wald existieren, weil es zu trocken ist. Aber weil dort bereits Bäume sind, ist genug Feuchtigkeit vorhanden, um den Wald weiter existieren zu lassen. Bricht der Bestand an Bäumen ein, ist der Wald somit für immer verloren.

Jeder Brand verschlechtert die Aufnahmekapazität des Bodens für CO2 und treibt die Klimakrise – und somit seine eigene Ursache – noch weiter voran. Es handelt sich um eine Rückkopplung. Einmal in Gang gesetzt, setzt sie sich auch ohne menschlichen Einfluss fort. Der kritische Punkt (Kipppunkt) zum Ingangsetzen dieser Rückkopplung muss noch nicht überschritten sein – könnte er aber und wird er definitiv bald sein.

Die Brände trafen bereits eine Fläche, die größer ist als die der Niederlande.

Technik wäre bereits vorhanden

Für alle, die meinen, Technik und Innovation würden uns daraus retten, gibt es leider eine Enttäuschung. Es gibt bereits eine Satellitentechnologie, die durch die Analyse des Grundwasserpegels Brände mit recht großer Sicherheit vorhersagen kann und in Brasilien im Rahmen der Amazonas-Brände bereits eingesetzt wurde und zudem chemische Löschmittel, die viel effizienter als einfaches Wasser sind. Doch wenn schlicht und einfach der politische Wille fehlt, hilft die fortschrittlichste Technologie nicht. Das zeigen die Brände von Australien nur ein weiteres mal.

Dennoch weitere Kohlekraftwerke geplant

Und so müssen die Menschen nun am eigenen Leibe erfahren, warum sie eben doch Angst vor Kohle haben müssen. Und diese Angst müssen sie verbreiten, denn wir alle müssen sie haben. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass kein Australier seelenruhig vor der aufziehenden Feuerwand stehenbleibt und murmelt „Keine Panik, das regelt der Markt.“. Doch das wirklich verheerende an den Bränden ist nicht, dass sie zu einem irreversiblen Kollaps des Ökosystems führen und somit Australien langfristig unbewohnbar machen könnten, sondern dass sie zeigen, dass selbst diese Katastrophe nicht ausreicht, um politischen Druck zu erzeugen, wie es etwa bei Fukushima der Fall war. Denn immer noch sind im Jahr 2020 Kohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 579 Gigawatt geplant oder in Bau, was zu einer Steigung des durch Kohle erzeugten Stroms um 29% führen würde, obwohl der Weltklimarat ohne Zweifel sagt, dass bis 2030 fast alle Kohlekraftwerke stillgelegt sein müssen, um unterhalb der ersten Kipppunkte zu bleiben. Und wenn das, was derzeit passiert nicht ausreicht, halte ich unsere Welt mit ziemlich großer Sicherheit für verloren. Unsere Erde brennt an allen Ecken und Enden – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch wir können Lehren aus dem Debakel von Australien ziehen. Die Strategie, einfach zu warten, bis die Folgen des Klimawandels so offensichtlich werden, dass gehandelt werden muss und auch wird, funktioniert schlicht und einfach nicht. Schon letztes Jahr verbrannte vor den Augen der Welt der größte Sauerstoffproduzent unseres Planeten und niemanden hat es interessiert. Venedig stand für Wochen unter Wasser und niemanden hat es interessiert. Mitten in Europa gab es Hitzetote und niemanden hat es interessiert. Es gibt keinen Fukushima-Effekt mehr. Wir müssen den Druck aktiv erzeugen. Und damit meine ich uns alle. Boykottiert brasilianisches Rindfleisch, wechselt zu Ökostrom, wählt die Regierungen ab, die Geschäfte mit diesen Verbrechern machen und geht auf die Straße! Wir sind die ersten die es spüren und die letzten, die noch etwas tun können.

Falsche Prognosen der Vergangenheit

Ein neues Jahrzehnt bricht an, das Jahrzehnt, in dem sich entscheiden wird, welchen weiteren Weg die Menschheit einschlägt. Doch dafür ist es hin und wieder auch nötig zu bilanzieren und sich vor Augen zu führen, wie sehr Prognosen doch daneben liegen können.

„Eine Rakete wird niemals in der Lage sein, die Erdatmosphäre zu verlassen!“

New York Times

Das schrieb die New York Times im Jahr 1936. Zu diesem Zeitpunkt war dies selbst unter Wissenschaftlern eigentlich noch Konsens, schließlich führten die mathematischen Berechnungen den Forschern vor Augen, wie kompliziert ein Flug ins All ist und daher waren solche Prognosen aus der Zeit betrachtet durchaus sinnvoll. Man war sich zudem recht sicher, dass es nicht möglich ist, Geschosse in Höhen zu transportieren, ab denen sie nicht mehr zur Erde zurückfallen. Man muss zudem berücksichtigen, dass man unter Wissenschaftlern damals weniger an Raketen dachte, wenn es um potentielle Reisen ins All ging, sondern eher an die Weltraumkanone, die mit der die Astronauten in Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“ die Reise antreten. Die Geschwindigkeit, die nötig ist, damit ein Objekt nicht mehr zur Erde zurückfällt, liegt bei fast 8 Kilometern pro Sekunde – völlig utopisch für diese Zeit.

Noch in den 30ern hielt man es für unmöglich, Geschosse in den Orbit zu transportieren.

Und doch sollte sich die Prophezeiung als eine gigantische Fehleinschätzung erweisen. 1944, nur acht Jahre später, verließ die erste Rakete der Erdatmosphäre. Leider handelte es sich dabei um eine Aggregat 4-Rakete der Nationalsozialisten, somit werden wir für immer damit leben müssen, dass dieser erste Schritt der Menschheit ins All hinaus im Namen einer menschenverachtenden Ideologie erfolgte. Die Rakete, die eigentlich für Kriegszwecke konstruiert wurde stieg auf eine Höhe von 175 Kilometern. Erst nach dem Krieg wurde die Grenze zum All auf 100 Kilometer definiert, weshalb den Nazis der technologische Erfolg zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst war. Die 8 Kilometer pro Stunde erreichte die Rakete jedoch nicht, daher stürzte sie zur Erde zurück. Das erste Objekt, dass dann tatsächlich schnell genug war, um nicht mehr zur Erde zurückzufallen war Sputnik 1 im Jahr 1957 – 21 Jahre, nachdem die New York Times dies für unmöglich proklamierte. Obwohl sich die Weltraumkanone aufgrund der enormen Beschleunigungskräfte nie als Transportmittel durchsetzte, erwies auch sie sich als möglich, 1966 schoss eine Weltraumkanone ein 180 Kilogramm schweres Projektil auf eine Höhe von 180 Kilometern und somit in den erdnahen Weltraum.

„640 Kilobytes ist alles, was eine Applikation jemals benötigen sollte.“

Bill Gates

Ich schreibe diese Sätze von einem Laptop mit einem Speicherplatz von 121 Gigabyte, was 126.877.696 Kilobyte, was etwa dem 20.000-fachen der Schätzung von Bill Gates entspricht, die er 1981 formulierte. Wenig später begann die digitale Revolution und damit die exponentielle Vervielfachung der Transistorenanzahl auf einem Mikrochip. Bis heute verdoppelt sich diese etwa alle 18 Monate, was wir das Mooresche Gesetz nennen. Die Menge der verarbeiteten Daten folgt sogar einem 12-Monats-Takt, was bedeutet, dass alleine im Jahr 2019 so viele Daten verarbeitet wurden wie in der gesamten Menschheitsgeschichte davor.

Diese Entwicklung führt dafür, dass stetig neue Einheiten für Informationseinheiten erfunden werden müssen. Derzeit befindet sich die Menge der pro Jahr verarbeiteten Daten in der Größenordnungen von Zettabytes, also 1000000000000000000000 (10^21) Bytes. Zum Vergleich: Mit einem Zettabyte lassen sich etwa 2 Milliarden Jahre Musik spielen – also von der Entstehung erster komplexer Lebewesen bis heute. Die gesamte Kapazität des Internets liegt bei Yottabytes, also 1000000000000000000000000 (10^24) Bytes. Derzeit gibt es noch keine Rechner, die diese Menge speichern können, der Download würde selbst mit hochmoderner Internetverbindung viel länger dauern, als das Universum existiert. Bis 2025 wird sich die pro Jahr (!) verarbeitete Datenmenge in den Yottabyte-Bereich erstrecken. Und schon wenige Jahre später werden wir wieder neue Namen benötigen – dann werden wir Xona-, Nena-, und Wekabytes nutzen.

Moderne Supercomputer können ganze alternative Universen simulieren.

Und praktische Anwendungen gibt es für solche Kapazitäten natürlich. So lassen sich auch nichtlineare Systeme wie etwa das Klima so simulieren, was lange selbst theoretisch für unmöglich galt. Ganze Universen können bereits simuliert werden, wodurch man die Umstände kurz nach dem Urknall simulieren und betrachten kann, aus welchen sich ein Universum entwickelt, das wie unseres aussieht und aus welchen nicht. So lassen sich unzählig viele Parallelwelten im Computer erschaffen, von denen sich einige ganz anders entwickeln als unser Kosmos. Und auch die Daten des menschlichen Genoms werden sich schon bald auf einem einfachen USB-Stick tragen lassen. Die Einheit Kilobyte wird dann wohl schon lange aus dem Wörterbuch gestrichen sein.

„Es wird noch Generationen dauern, bis der Mensch auf dem Mond landet.“

Sir Harold Spencer

Diese Prognose von 1957 ist schon etwas optimistischer, was Raumfahrt angeht und sollte dennoch deutlich daneben liegen. Es kommt von Präsidenten der Internationalen Astronomischen Union, wobei man sagen muss, dass Kennedy sein Ziel zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgerufen hat. Erst vier Jahre später kam die Ankündigung, man wolle innerhalb von 10 Jahren einen Menschen auf dem Mond landen – und nicht in 200 so wie es Menschen wie Spencer prophezeiten. Ebenfalls muss gesagt werden, dass er nicht der einzige war, so gab es selbst in den 50ern noch Menschen die gesagt haben, eine Reise zum Mond sei gänzlich unmöglich. Tatsächlich war man sich zu diesem Zeitpunkt einiger Probleme noch gar nicht bewusst, sodass etwas längere Forschung vermutlich wirklich für mehr Sicherheit gesorgt hätte, so wusste man weder vom Sonnenwind, noch von dem Einfluss kosmischer Strahlung auf den Menschen etwas. Dieses Wissen kam erst mit den Langzeitaufenthalten auf den Raumstationen der neueren Zeit, daher ist heutigen Prognosen in der Hinsicht etwas mehr zu vertrauen.

Schon wenige Jahre nach dieser Prognose wateten Menschen im Mondstaub.

Schwerer als Luft? – Solche Flugmaschinen sind unmöglich.

William Thomson

Das war bei weitem nicht der einzige geistige Erguss des Physikers William Thomson, den man als Erfinder der thermodynamischen Temperaturskala kennt. So behauptete er auch, die Röntgenstrahlen seien nicht möglich und es handle sich somit um einen Betrug und das Radio habe keinerlei Zukunft. Zwar war Luftfahrt in dieser Zeit tatsächlich nur mit Flugkörpern, die leichter als Luft sind, etwa Heißluftballons, möglich. Dennoch hat Thomson (als Physiker) dabei wohl übersehen, dass auch Vögel schwerer sind als Luft und dennoch fliegen können. Außerdem war die nötige mathematische Grundlage für Fluggeräte, die schwerer sind als Luft auch in seiner Zeit schon vorhanden. Dennoch galt Fliegen als etwas extrem Unheimliches, fast Übersinnliches. Wenn Heißluftballons am Himmel waren oder wenig später dann auch die ersten Fluggeräte mit Tragflächen, bekamen die Menschen meist große Panik und davon waren auch damalige Prognosen geprägt.

Es galt als nicht gesichert, ob menschengemachte Objekte schwerer als Luft jemals fliegen könnten.

„Die Kernenergie ist sicher.“

Ernst Bloch

„Das müsste halten.“, „Was ist das für ein Draht.“, „Jaja, die Sicherung ist draußen.“, das sind wohl typische letzte Worte eines Menschen. Prognosen wie „Die Kernenergie ist sicher.“ erinnern schon etwas daran. Das „Prinzip Hoffnung“ war ein Kind der Atom-Euphorie der Nachkriegszeit. Man ging jedoch nicht nur so weit zu sagen, dass Kernenergie keinerlei Risiko darstelle. Selbst wenn ein Atomkraftwerk explodiere, sei bereits in 100 Metern Entfernung keine nennenswerte Radioaktivität mehr vorhanden, so die Prognose. Man dachte, mit Atomkraft könnte man jedes Problem lösen. Ein paar Kilo Uran sollten ausreichen, um ganze Wüsten verschwinden zu lassen und die Arktis in einer Riviera zu verwandeln. Unternehmen wollten Autos, Züge und Staubsauger mit Atomkraft auf den Markt bringen.

Der Zerstörungsradius einer Atomexplosion wurde mit etwa 100 Metern veranschlagt.

Vermutlich kommen euch diese Prognosen über Atomkraft lächerlich vor, doch so sehr unterscheiden sie sich gar nicht, von dem quasireligiösen Fanatismus, mit dem etwa das Automobil in Europa bis heute behandelt wird. Und letztlich muss man ebenfalls betrachten, dass der rasende technische Fortschritt, den uns diese Prognosen vor Augen führen, eben nicht immer alles löst. Der Klimawandel und die soziale Gerechtigkeit blieben von all diesen Fortschritten unbeeinflusst und das wird auch in Zukunft so bleiben. Der technologische Fortschritt wird uns nicht retten. Aber er wird uns in eine Zukunft führen, für die es sich zu kämpfen lohnt.

#wirböllernnicht

Wir sprechen zu wenig über Feuerwerk an Silvester. Schade, denn diese Diskussion ist eine wunderbare Gelegenheit (eigentlich auch für politische Parteien), sich zu profilieren und zu zeigen, ob sie konservative Ideologen sind, die irrationale Entscheidungen treffen und gegen „Verbotsideologien“ oder „Kulturkämpfe“ sind oder ob sie unaufgeregt und sachlich mit aller Konsequenz das tun, wozu sie eigentlich gewählt sind – einen klaren Rahmen vorgeben, der eigentlich keiner Diskussion mehr bedürfen sollte. Genau diesen möchte ich mit diesem Artikel zum Thema Böllern schaffen. Zunächst die Fakten.

Feuerwerk in Köln

1.Feinstaub

Was ist Feinstaub?

Als Feinstaub werden Partikel mit einem Durchmesser von unter 10 Mikrometern bezeichnet. Durchmesser ist dabei nicht als der klassische Durchmesser von Planeten, Sternen oder Galaxien zu verstehen, denn bei diesen Staubpartikeln handelt es sich nicht ansatzweise um kugelförmige Objekte. Daher beschreibt der Durchmesser hier vielmehr den Durchmesser eines hypothetischen kugelförmigen Partikels, das dieselbe Fallgeschwindigkeit hat wie das eigentliche Partikel. Hat ein Partikel also einen Aerodynamischen Durchmesser von 10 Mikrometern, dann bedeutet das lediglich, dass es so schnell fällt wie ein hypothetisches kugelförmiges Partikel mit einem tatsächlichen Durchmesser von 10 Mikrometern. Die Fallgeschwindigkeit ist auch bei der ökologischen Debatte wichtig, da davon und von der Wetterlage abhängig ist, wie lange Feinstaub in der Atmosphäre verbleibt.

Um zu verdeutlichen, um welche Größenordnungen es sich handelt: Ein Mikrometer entspricht einem Millionstel Meter, also einem tausendstel Millimeter. Ein Blatt Papier hat eine Dicke von etwa 80 Mikrometern, ein menschliches Haar eine Dicke von 100 Mikrometern und die kleinsten Käferarten beginnen bei etwa 250 Mikrometern.

Probleme des Feinstaubs

Feinstaub ist also klein genug, um in in den menschlichen Körper einzudringen, in sein Bronchialsystem, sehr kleine Partikel sogar in die Lungenbläschen und ins Blut, wo sie Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen, Lungenschwäche und Kreislaufprobleme verursachen können, da sie im Nasen-Rachen-Raum nicht mehr gefiltert werden. Da die Partikel nicht löslich sind, werden sie so gut wie gar nicht abgebaut und reichern sich in der Lunge an. Selbst Konzentrationen unterhalb des EU-Grenzwerts stehen im Verdacht, Lungenkrebs zu fördern. Somit geht die Europäische Kommission von 310.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr durch Feinstaub innerhalb der EU aus, wodurch sich die Lebenszeit eines EU-Bürgers durchschnittlich um 8,6 Monate durch Feinstaub verringert.

Überdimensionierte Feinstaubemissionen an Silvester

Etwa 2% der deutschen Feinstaubemissionen sind auf Feuerwerkskörper zurückzuführen, ein absoluter Großteil davon in der Silvesternacht, was etwa 4200 – 5000 Tonnen entspricht. Wem das nicht dramatisch genug klingt: Es sind etwa 17% der Feinstaubemissionen des Verkehrssektors. Der EU-Grenzwert für Feinstaub liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, doch er ist leider nicht ganz wasserdicht, da er an eine bestimmten Anzahl an Tagen im Jahr auch beliebig weit überschritten werden darf. In der Silvesternacht wurden in einigen deutschen Innenstädten teils Konzentrationen von bis zu 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Da der Feinstaub oft über lange Zeit in der Atmosphäre bleibt und selbst im Boden oder in Gewässer noch immer schädlich sein kann, verurteilt die Politik mit der Duldung von privatem Silvesterfeuerwerk tausende wehrlose Menschen zum Tode.

2.Giftige Bestandteile von Feuerwerkskörpern

Es folgt eine Auflistung und Erläuterung nur einiger der giftigsten Bestandteile von Feuerwerk und die Einflüsse, die sie auf den menschlichen Körper haben können.

Blei

Das man Blei vielleicht nicht im Abguss entsorgen sollte, ist den meisten Menschen wohl klar. Schließlich ist es ein hochgiftiges Schwermetall, dessen Ionen, also geladene Bleiatome sich im Körper ablagern und dort Stoffwechselreaktionen verlangsamen oder sogar komplett blockieren. So hemmen sie etwa Enzyme und Eiweiße, die die Bestandteile unserer Nahrung für uns teilen und so erst Überleben und Handlungen möglich machen. Zellen werden somit beschädigt und sterben letztlich ab. Bei einer hohen Dosis kann das zum Tod führen. Bei langfristiger Aufnahme von Blei wird es nicht mehr abtransportiert und lagert sich in den Knochen und Zähnen ab, wo es Calcium ersetzt, was zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, heftigen Bauchschmerzen und Muskelschwäche führt.

Aluminium

Aluminium war früher eines der wertvollsten Elemente überhaupt. So gibt es die Legende, dass Napoleon Bonaparte seinen wertvollsten Gästen Aluminium- statt Goldgeschirr gegeben hat. Mit der Industrialisierung wurde es schließlich zum Massenprodukt und heute ist es aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Doch auch über die gesundheitliche Diskussion wird heiß diskutiert und auch noch geforscht. Aber man geht zumindest davon aus, dass Aluminium eine Rolle bei Fehlgeburten, Knochenbrüchigkeit, Alzheimer, Krebs, Nierenschäden, Hirnschäden und Blutarmut haben kann. Obwohl viele Folgen wohl noch unbekannt sind, wird Aluminium in Feuerwerk eingesetzt.

Nitrat

Nitrat ist kein chemisches Element, sondern eine Verbindung von Sauerstoff und Stickstoff und an sich ungefährlich, sogar ein beliebtes Düngemittel. Doch wenn eine bestimmte Kapazität für Nitrat im Körper erreicht ist, können gewisse Bakterien das Nitrat in das hochgiftige Nitrit umwandeln, welches dann krebserregend wirkt, Gefäße verstopft, Rote Blutkörperchen schädigt, die für den Sauerstofftransport im Körper nötig sind, und auch zu Fehlgeburten führen kann.

Nitrat gelangt häufig durchs Grundwasser in den menschlichen Körper. So wird etwa viel zu viel Nitrat als Düngemittel auf die Felder geworfen. Da die Pflanzen häufig nur die Hälfte davon aufnehmen können, sickert der Rest ins Grundwasser. Aber auch in Silvesterböllern ist Nitrat erhalten.

Arsen

Arsen gehört zu den giftigsten Stoffen überhaupt und kann dem entsprechend sehr viele teils tödliche Beschwerden verursachen. So reizt es die Eingeweide, etwa den Magen, kann zu einer geringeren Produktion von Roten Blutkörperchen, Fehlgeburten, Immunschwäche, Unfruchtbarkeit, Herzstillstand, Hautkrankheiten, Hirnschäden und Mutationen führen, außerdem wirkt es ebenfalls krebserregend. Und doch kommt er in Feuerwerk vor.

Barium

Barium klingt irgendwie schon gefährlich, wenn ihr mich fragt und genau so ist es auch. Barium und alle seine Verbindungen, die sich in Wasser lösen lassen sind giftig für den Menschen. Der Stoff lagert sich vor allem in Lungen, Knochen und Muskeln ab. Dort kann es zu Muskelkrämpfen, Muskellähmungen (teilweise bis zum Tod durch Ersticken), Herzstillstand, Bluthochdruck, Atemproblemen, Durchfall und einem Kreislaufkollaps führen. Die tödliche Dosis für einen erwachsenen Menschen liegt dabei bereits bei einem Gramm.

Schwefel

Schwefel geht sehr häufig anorganische Verbindungen mit anderen Elementen ein, etwa Schwefelwasserstoff, Schwefeldioxid und Schwefelkohlenstoff ein, von denen sehr viele hochgiftig sind. Die Folgen sind teils noch unerforscht, doch sie reichen von Übelkeit, Hustenanfällen, Erbrechen, Krämpfen und Atemlähmungen über Verätzungen, Reizungen der Schleimhäute und Kopfschmerzen, bis zu Gesichtslähmungen, Schlaf-, Hör- und Sehstörungen und psychischer Instabilität.

Einige Schwefelverbindungen sind hochgiftig für den menschlichen Körper und auch in Feuerwerkskörpern enthalten.

3.Müll, Geräuschbelastung und Verbrennungen

Ich könnte noch ewig so weiter machen. Feuerwerk führt zu ungesunden Lärmbelastungen, vor allem für Tiere mit viel empfindlicherem gehör als Menschen, durch die abgebrannten Raketen liegt überall Müll herum, der nicht immer abbaubar ist, jedes Jahr gibt es Verletzungen, weil einige Menschen nicht damit umgehen können, die Arbeitsbedingungen in einigen Ländern bei der Herstellung der Feuerwerkskörper sind katastrophal und gefährlich, die Kosten und Umweltbelastungen für all die Feuerwehreinsätze in dieser Zeit sind unermesslich.

Müll von Feuerwerksraketen

Was müsste passieren?

Eigentlich müssten wir gar nicht so lange darüber diskutieren. Privates Feuerwerk ist Körperverletzung, Umweltverschmutzung, Nötigung und gehört verboten. Privates Feuerwerk muss in Deutschland verboten sein und die Stadt kann ein kontrolliertes, sauberes und verantwortungsvolles zentrales Feuerwerk organisieren. Es ist die Aufgabe der Politik, den Menschen einen Rahmen zu setzen, der unverrückbar festgegeben ist. Dazu gehört etwa, dass man nicht aus Spaß Arsen in Babybrei mischt. Dazu gehört, dass man nicht mit Schwefelwasserstoff duscht und dazu gehört, dass man kein flüssiges Blei in den Abguss kippt. Über manche Dinge bedarf es einfach keiner Diskussion, weil die Faktenlage eindeutig ist. Und doch gibt es keine Feuerwerksverbote auf Bundes- oder Landesebene. Aber was soll´s, wir sind es doch mittlerweile gewöhnt, dass wir die Aufgaben der Politik übernehmen. Also, an die Arbeit.

#wirböllernnicht – Das Gewinnspiel

Natürlich haben wir uns ebenfalls gefragt, was wir tun können, um gegen Feuerwerk vorzugehen, außer natürlich selbst darauf zu verzichten und das private Umfeld dementsprechend aufzuklären. Zum einen habe ich dafür diesen Beitrag geschrieben, um die Menschen aufzuklären, zum anderen hatten wir aber auch noch eine etwas verbindlichere Idee.

Wer sich in irgendeiner Form (Twitter, Facebook, Blog-Kommentar) einfach mit der Nachricht „Wir böllern nicht.“ oder dem Hashtag #wirböllernnicht meldet und sich damit verbindlich (auf Vertrauensbasis) dazu verpflichtet, an Silvester aus das Böllern zu verzichten, hat die Chance, ein Exemplar meines Buches (T)raumschiff Erde geschenkt zu bekommen, in dem ich die Metapher des Planeten Erde, der als Raumschiff durchs All fliegt vertiefe, einen perspektivreichen kritischen Blick auf die derzeitige Besatzung des Raumschiffs werfe und dann in einem radikalen Appell mit konkreten Forderungen zu einer 180°-Wende im Umgang mit unserem Planeten ausrufe. Die einfachste Form der Teilnahme ist das Teilen dieses Beitrags, da es vielleicht dem ein oder anderen auch ermöglicht mehr über die Gefahren zu erfahren. Unter allen Teilnehmern verlosen wir drei Exemplare.

Ich wünsche euch einen böllerfreien Rutsch ins neue Jahr.

Teilnahmebedingungen

  1. Das Gewinnspiel dauert bis 31.12.2019, 23:59 Uhr. 
  2. Es werden drei signierte Ausgaben des limitierten Hardcovers (T)raumchiff Erde verlost.
  3. Die Teilnahme erfolgt über einen Kommentar, der den Hashtag #wirböllernnicht enthält und der unter diesem Blogpost oder unter dem dazugehörigen Facebookpost platziert wurde. Eine Teilnahme via Twitter ist mit einfacher Nutzung des Hashtags #wirböllernnicht möglich. Der Einsatz des Hashtags kann hier in einem eigenständigen Tweet erfolgen. Ein Retweet oder die Teilung dieses Artikels verhilft auch zur Teilnahme am Gewinnspiel.
  4. Kommentare die gegen die Facebook bzw. Twitter Richtlinien, deutsches Recht und oder das Copyright verstoßen werden nach Kenntnisnahme ohne Ankündigung entfernt. Der Teilnehmer ist damit vom Gewinn ausgeschlossen.
  5. Teilnahmeberechtigt sind Personen aus Deutschland und Österreich.
  6. Über den Gewinner entscheidet das Zufallsprinzip.
  7. Die Gewinner werden über die Reaktion auf den jeweiligen Kommentar oder Tweet informiert. Der Gewinner muss sich innerhalb von 5 Werktagen per E-Mail an wochenendrebell@wochenendrebell.de mit den Adressdaten melden, wo das Buch hingesendet werden soll. Meldet sich ein Gewinner nicht innerhalb dieser Frist, wird das Buch unter allen Teilnehmern erneut verlost. 
  8. Alle Daten werden spätestens 30 Tage nach Ende des Gewinnspiels gelöscht, die Kommentare auf Facebook oder Twitter Teilnehmer bleiben allerdings bestehen und sind weiterhin öffentlich einsehbar. Adressdaten werden nur von den Gewinnern erfasst und nur zum Versand des Gewinnes genutzt. Diese Daten werden weder mit niemandem geteilt.  Den Teilnehmern stehen gesetzliche Auskunfts-, Änderungs- und Widerrufsrechte zu.
  9. Das Gewinnspiel wird nicht von Facebook oder Instagram gesponsert oder unterstützt.
  10. Du verpflichtest du dich auf Vertrauensbasis dazu, an Silvester keine Feuerwerkskörper anzuwenden.

CHEOPS: Start des weltweit ersten Weltraumteleskops zur Exoplanetenkunde verschoben

Die Entdeckung des ersten Exoplaneten ist nun schon fast 30 Jahre her, in diesem Jahr wurde dafür sogar der Nobelpreis für Physik verliehen. Doch bis heute sind diese Planeten meist nicht viel mehr als Kurven aus Diagrammen in den Büros von Wissenschaftler. In einigen Fällen lassen sich die Oberflächenbedingungen grob simulieren, doch das Erfassen von Details oder sogar direkte Beobachtungen sind bis heute nicht möglich. Dies soll die CHEOPS-Mission der ESA ändern. Das Weltraumteleskop soll erstmals Details von bereits bekannten Exoplaneten erfassen. Doch der Start im Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana schlug gestern fehl und soll am heutigen Tag um 09:45 MESZ wiederholt werden.

Detaillierte Untersuchung von Exoplaneten

CHEOPS steht für „Characterising Exoplanet Satellite“, die primäre Aufgabe des Weltraumteleskops ist es also nicht, neue Planeten zu entdecken, sondern bereits bekannte einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, gerade erdähnliche Planeten um nahe Sterne, also etwa Himmelskörper zwischen der Größe von Erde und Neptun. Dies sind sogenannte Supererden, also Gesteinsplaneten, von denen einige auch lebensfreundliche Bedingungen aufweisen können, allerdings auch Wüsten- oder Wasserplaneten sein können. Etwa 500 Sterne sollen beobachtet werden, um all diese Sterne wurden bereits Planeten entdeckt.

Die Planeten sollen bei Transits um ihren Stern beobachtet werden, so kann zunächst die Größe und somit geklärt werden, ob es sich um Gesteins- oder Gasplaneten hält. Gasplaneten sind für Lebenssuche recht uninteressant, handelt es sich jedoch um Gesteinsplaneten, kann aus Masse und Durchmesser die Dichte berechnet werden, was Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung zulässt. Im nächsten Schritt sollen eventuelle Atmosphären und deren Zusammensetzung untersucht werden. Sollte man Elemente wie Sauerstoff oder Methan finden, wäre das ein starker Hinweis auf einen bewohnbaren oder sogar bewohnten Planeten.

CHEOPS soll unter anderem herausfinden, ob es sich bei Planeten um Gasriesen oder Gesteinsplaneten handelt.

Aufbau der Sonde

CHEOPS soll die Erde in 700 Kilometern Höhe umkreisen, also noch im niedrigen Erdorbit leicht über der ISS und Hubble, aber deutlich unter den Bahnen der TV-Satelliten. Es ist 2,6 Meter hoch und wiegt 290 Kilogramm. Das Teleskop selbst hat eine Öffnung von 32 Zentimetern und eine Länge von 1,2 Metern. Die Mission wird von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA in Kooperation mit der Schweiz und andere internationalen Partnern betrieben. Durch Solarpaneele zur Energieversorgung und einen Hitzeschild, ähnlich wie ihn Parker Solar Probe hat, nur deutlich kleiner, wird die empfindliche Technik vor der Sonnenstrahlung geschützt. So soll eine Lebensdauer von 3,5 Jahren erreicht werden, evtl. sogar mehr, sodass die Mission auch spontan verlängert werden kann.

Start kurzfristig abgebrochen

Der Start von CHEOPS markiert die Entstehung eines neuen Astronomischen Forschungsgebiets, der Exoplanetenkunde, in der Exoplaneten studiert und nicht nur entdeckt werden. Jedenfalls wird er den markieren, denn obwohl der Start für gestern Morgen geplant war, ist CHEOPS noch am Boden, heute 09:54 Uhr MESZ soll ein erneuter Startversuch erfolgen. Derzeit ist noch nicht sicher, wieso der Start 90 Minuten vor Ablauf des Countdowns automatisiert abgebrochen wurde. Da die Sojus-Fregat-Rakete von der Russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos produziert wurde, leitet diese derzeit die Untersuchungen.

Nur der Anfang

Läuft alles nach Plan, ist CHEOPS nur der Anfang dieses neuen Forschungszweigs, so ist es auch die erste von sogenannten S-Class-Missionen der ESA, die kostengünstig sind und in recht kurzer Zeit hintereinander gestartet werden sollen. Und auch zur Erforschung von Exoplaneten gibt es noch viele Möglichkeiten. So ist es etwa denkbar, ein Teleskop am Gravitationslinsenpunkt unserer Sonne, weit außerhalb des Kuipergürtels, zu platzieren. Dieses Teleskop könnte quasi die Sonne als Spiegel nutzen und so eine Auflösung erzielen, die mehrere Pixel große Bilder von Exoplaneten ermöglichen würden. Noch ist dies eine Vision, doch mit dem Start von CHEOPS werden wir dieser Version womöglich einen Schritt näher kommen.

NASA-Mission zur Sonne

Erste Daten der Parker Solar Probe bringen Überraschungen

1958 veröffentlichte die National Academy of Sciences eine Studie zur Sonnenforschung. Man publizierte die Idee einer Raumsonde, welche die Sonne aus extremer Nähe untersuchen sollte. Ziel war, sie nicht nur einfach an der Sonne vorbeifliegen, sondern die Sonde direkt durch die Sonnenatmosphäre fliegen zu lassen. Da die extremen Temperaturen mit damaliger Technologie nicht abzuschirmen war, blieb es bei den Studien. Mit der Zeit wurde die Idee realistischer und konkrete Konzeptstudien begannen. Doch erst 2018 startete die Mission tatsächlich unter dem Namen Parker Solar Probe. Eine Raumsonde der Rekorde. Dabei stellte die Mission, die nach dem Solarphysiker Eugene Parker und damit als erste Sonde nach einem noch lebenden Wissenschaftler benannt wurde, die Ingenieure von unglaublich große Herausforderungen. Himmelsmechanisch ist die Sonne durch ihre enorme Gravitationskraft sehr schwer zu erreichen. Bei ihrer größten Annäherung an die Sonne erreicht Parker Solar Probe eine Geschwindigkeit von 200 km/s – das sind immerhin 0,067% der Lichtgeschwindigkeit oder in etwa drei Sekunden von Hamburg nach München. Damit stellt sie das schnellste Raumschiff da, welches die Menschheit je gebaut hat. Doch bis zum nächsten Stern würde selbst sie immer noch über 6.300 Jahre Flugzeit benötigen. Einen weiteren Rekord hält die Sonde. Sie kommt sich der Sonne so nahe, wie noch kein menschengemachtes Objekt zuvor, weniger als 9 Sonnenradien über der Oberfläche, also innerhalb der Korona, der Sonnenatmosphäre.

Rätsel der Korona
Die Korona ist eine der geheimnisvollsten Orte im ganzen Sonnensystem. So beträgt die Temperatur etwa eine Millionen Grad Celsius, die der darunter liegenden Sonnenoberfläche aber nur 5500 Grad Celsius, also viele hundert mal kühler. Das ist in etwa so, als wäre die Luft über der Herdplatte viel heißer als die Herdplatte selbst. Warum das so ist, weiß man bis heute nicht genau, eben so wenig wie wir die Vorgänge im Inneren der Sonne kennen. Die Parker Solar Probe streift den äußersten Bereich der Korona, wodurch erstmals direkte Messungen möglich sind. Bereits einige neue Erkenntnisse
Nachdem Parker Solar Probe die Sonne insgesamt schon drei mal in geringem Abstand passiert hat, veröffentlichte die NASA nun erst Ergebnisse – und dabei waren bereits ganz neue Entdeckungen. Diese waren nur durch die enorme Geschwindigkeit der Sonde möglich. Denn so passte Parker Solar Probe ihre Geschwindigkeit an die Rotationsgeschwindigkeit der Sonne an. Dadurch betrag die relative Geschwindigkeit zwischen der Sonde und der Sonnenoberfläche null. So konnte die Oberfläche erstmals ohne den störenden Effekt der Sonnenrotation beobachtet werden. Nun möchte ich einige dieser neuen Entdeckungen vorstellen.
Switchbacks: Zacken im Sonnenwind

Parker Solar Probe entdeckte neue Strukturen im Sonnenwind, sogenannte Switchbacks. Dies sind Ströme, wo sich der Sonnenwind lokal für eine kurze Zeit wendet, fast zur Sonne zurückkehrt. Auch die elektromagnetischen Felder im direkten Umfeld der Sonne kehrten sich kurzfristig um, was die Sonde registrierte. Was Parker Solar Probe jedoch nicht herausfinden konnte, ist wie die Switchbacks entstehen. Eine Möglichkeit ist, dass ausströmende koronale Massenauswürfe Einfluss auf die Magnetfelder haben.
Staubfreie Zone rund um die Sonne


Über das, was innerhalb der Merkurbahn liegt, hat man schon seit Jahrhunderten Vermutungen angestellt. Im 19.Jahrhundert vermutete man noch den legendären Planeten Vulkan, der in extrem geringem Sonnenabstand seine Bahn zieht, noch heute kursiert die Theorie der Vulkanoiden, also einem kleinen Asteroidengürtel innerhalb der Merkurbahn. Und ebenfalls schon länger vermutete man die Abwesenheit kosmischen Staubes in direkter Sonnenumgebung, denn er müsste durch den Sonnenwind weggeblasen werden. Und tatsächlich registrierte Parker Solar Probe eine mit der Entfernung zur Sonne abfallende Menge an Staub. Sonnenwind wird mitgerissen.
Zudem wies die Sonde überraschend starke Scherkräfte im direkten Umfeld der Sonne nach. Der Sonnenwind ist somit nicht gleichmäßig verteilt und strömt von der Sonne weg, sondern wird in einer Zone, die etwa 32 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt beginnt, von der Rotation der Sonne mitgezogen. In kleinem Umfang hatte man diese Scherkräfte schon durch Berechnungen vorhergesagt, doch selbst die ersten Messungen ergeben schon zehn mal höhere Scherkräfte als berechnet. Dafür gibt es derzeit keinerlei Erklärung.
Magnetische Inseln
Und ein weiteres bereits theoretisch postuliertes Konstrukt konnte Parker Solar Probe erstmals direkt nachweisen, sogenannte Magnetinseln. Dabei handelt es sich um in sich geschlossene Ellipsen aus Magnetfeldlinien. Sie entstehen, wenn Magnetfelder auseinandergerissen werden und sich dann anschließend neu formieren. So etwas kann etwa durch Protuberanzen passieren. Bewiesen wurde ihre Existenz erst jetzt durch die Parker Solar Probe.

Doch das war nur der Anfang. Denn Parker Solar Probe wird der Sonne noch viel näher kommen. Bisher näherte sie sich auf etwa 50% des Abstandes des Planeten Merkur zur Sonne. Ihr nächster Bahnpunkt wird nur bei etwa 10% des Merkurabstands liegen. Daher ist zu erwarten, dass es noch viele Entdeckungen geben wird. Offene Rätsel gibt es jetzt genug.

Mediziner versetzen Menschen in Kälteschlaf

Das Relevanzkriterium, dass ein Thema braucht, um es in dieses Blog zu schaffen ist nicht, ob es auf der BILD-Titelseite erscheint, ich denke das ist soweit klar. Doch was mich viel mehr ärgert, als wenn Meldungen einfach aus der Luft gegriffen werden ist, wenn ein ernsthaftes und spannendes Thema aufgegriffen und dann kompletter Unsinn darüber berichtet wird. Hinter der Meldung, die es letzte Woche in die BILD schaffte steckt nämlich ein sensationelles Unterfangen, welches tatsächlich das Potential hat, die Medizin zu revolutionieren, der Kälteschlaf.

„Medizin-Revolution: Erster Mensch tiefgekühlt und wiederbelebt“

Bild.de

„Medizinische Sensation! Erster toter Patient tiefgekühlt und wiederbelebt!

tag24.de

Medizinische Revolution: Erster Mensch von Ärzten tiefgekühlt – und wiederbelebt

focus.de

Was? All diese Titel erinnern doch sehr an die zahlreichen Meldungen, die es um die Jahrtausendwende gab, man hätte Technologien entwickelt, um Menschen nach dem Tod zu konservieren, in dem man sie in -196°C kaltem flüssigem Stickstoff einlagert. Seit dem haben sich hunderte Menschen auf diese Weise konservieren lassen, was auch häufig fälschlicherweise als Kälteschlaf bezeichnet wurde. Hat man es nun tatsächlich geschafft, einen dieser Menschen ins Leben zurückzuholen? Oder wie der SPIEGEL etwas differenzierter titelt.

„Kann man einen Patienten wirklich auftauen und wieder einfrieren?“

SPIEGEL ONLINE

Selbstverständlich nicht. Doch was ist nun wirklich dran an diesen Meldungen?

Alles begann mit einer 2017 publizierten Idee des US-amerikanischen Arztes Samuel Tisherman. Er stellte die Idee vor, Menschen mit schweren Schuss- und Stichverletzungen, bei denen der Blutverlust bereits über 50% beträgt, mit sogenannter therapeutischer Hypothermie zu behandeln. Dabei wird die Körpertemperatur des Menschen von 37°C auf etwa 10 – 15°C gekühlt. Und schon haben wir den ersten Fehler in den oben genannten Titeln. Niemand wurde hier tiefgekühlt oder eingefroren, denn der Gefrierpunkt des Wassers liegt bekanntlich bei 0°C. Kühlt man einen Menschen auf eine Temperatur, die deutlich darunter liegt, ist dies kein einfrieren. In einem Kühlschrank werden Waren schließlich auf noch niedrigere Temperaturen als 10°C gekühlt – und doch spricht niemand von einfrieren, weil es sich physikalisch nunmal nicht um ein einfrieren handelt. Es entstehen keine Eiskristalle und es erstarren auch keine Körperflüssigkeiten. Die therapeutische Hypothermie arbeitet mit Temperaturen weit über 0°C.

Anders ginge es auch gar nicht. Beim einfrieren von Menschen würden Eiskristalle entstehen, die unsere Zellen platzen lassen würden, da sich Wasser unterhalb von 4°C wieder ausdehnt. Zwar gibt es Mittel, mit denen dies verhindert werden kann, doch diese sind giftig und davon, sie wieder aus dem Organismus entfernen zu können sind wir noch weit entfernt.

Solche Temperaturen sind für die therapeutische Hypothermie aber auch gar nicht notwendig, denn 10 – 15°C Körpertemperatur reichen völlig dafür aus, dass der Mensch in eine Art Kälteschlaf verfällt – Wissenschaftler sprechen von Stasis. Sobald sich der Mensch im Kälteschlaf befindet, wird ihm das restliche Blut aus den Adern gesaugt und durch eine kalte Kochsalzlösung ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Mensch klinisch tot. Es gibt keine Atmung, kein Herzschlag und selbst die Gehirnaktivitäten fallen aus nahezu null. Ein Arzt, dem man diesen Menschen vor zehn Jahren gezeigt hätte, hätte sofort den Totenschein unterschrieben. Doch seit einigen Jahren wird diese Technik etwa bei Herzstillstandspatienten in besonders schweren Fällen angewandt. Halt, nächster Punkt: Es war also gar nicht der erste Mensch, der in Kälteschlaf versetzt wurde. In der sehr seriösen Fachzeitschrift New Scientist wurde lediglich publiziert, dass Tisherman wohl mehrere Patienten mit schweren Schuss- und Stichverletzungen mit therapeutischer Hypothermie behandelt hat.

Liegt der Mensch also mit Salzlösung in den Adern im Kälteschlaf, soll die lebensrettende OP durchgeführt und die Verletzungen geheilt werden. Dafür hat der Arzt statt weniger Minuten dann bis zu zwei Stunden Zeit. Der Grund dafür ist, das Kälte chemische Reaktionen verlangsamt, da sich Teilchen in kalter Umgebung langsamer bewegen. Auch der Tod – etwa das Absterben der Hirnzellen – ist nicht anderes als ein chemischer Prozess. Kühlt man den Körper auf 10°C, läuft dieser viel langsamer ab und somit bleibt mehr Zeit, bis irreparable Schäden an unserem Denkorgan entstehen.

Im Kälteschlaf laufen alle chemischen Prozesse deutlich langsamer ab und der Körper verbraucht weniger Sauerstoff. Daher haben Ärzte dann mehr Zeit, lebenserhaltende Maßnahmen zu ergreifen.

Das klingt schön und einfach. Der Körper wird durch Infusionen gekühlt, der Patient schläft dadurch ein, das Blut kommt raus, die Kochsalzlösung rein. Und dann wird operiert. Doch nicht grundlos genehmigte die örtliche Ethikkommission die Eingriffe nur bei Menschen mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit von unter 5%. Denn es ist bis heute (!) nicht sicher, ob das Zurückholen aus dem Kälteschlaf funktioniert. Richtig gehört: Wir wissen gar nicht, ob diese Menschen tatsächlich wiederbelebt wurden. Dies soll in der Theorie dadurch funktionieren, dass die Körpertemperatur wieder auf die üblichen 37°C gebracht wird, das Blut wieder in den Organismus gepumpt wird und der Herzschlag durch Reanimation wieder hergestellt werden soll.

Es war also nicht der erste Mensch, der in Kälteschlaf versetzt wurde, er wurde nicht tiefgekühlt und auch nicht mit Gewissheit wiederbelebt.

Letztlich bleibt also nur ein Part der oben gezeigten Titel, an dem tatsächlich etwas dran ist, nämlich der erste: Medizin-Revolution. Ja, das ist ein bedeutender technologischer Fortschritt. Menschen, der Überlebenswahrscheinlichkeit vorher gegen null ging, die mehr als die Hälfte ihres Blutes bereits verloren haben, könnten dadurch gerettet werden. Auch nach mehreren Stunden ohne Herzschlag oder spät erkannten Schlaganfällen könnte die Hypothermie den Medizinern genug Zeit verschaffen, um lebensrettende Maßnahmen im Kälteschlaf zu ergreifen. Doch es wirft auch ein ethisches Problem auf: Die nach der Definition des Todes. Diese hat sich in der Geschichte immer weiter verschoben. Vor Jahrtausenden galt ein Mensch als tot, sobald er für eine längere Zeit ohnmächtig war. Mit Puls oder Herzschlag als Lebensfunktionen war man nicht vertraut. So kam es auch immer wieder dazu, dass Menschen lebendig begraben wurden und dann im Grab wieder zu sich kamen.

Später hat man den Tod mit dem Herzstillstand definiert. Gelingt es nach einem Herzstillstand nicht, den Menschen innerhalb weniger Minuten zu reanimieren, wurde der Totenschein unterschrieben. Diese Vorstellung änderte sich mit dem Fall der schwedischen Ärztin Anna Bågenholm. Sie stürzte 1999 bei einem Skiunfall in einem zugefrorenen Bach und verbrachte 80 Minuten teils bewusstlos unter Wasser eingequetscht zwischen zwei Felsen. Als das Rettungsteam ankam und sie mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus brachte, hatte sie eine Körpertemperatur von 14,4°C, der Pupillenreflex war nicht da, es gab keinen Herzschlag mehr. Damit war Bågenholm klinisch tot. Dennoch versuchte man alles und pumpte das Blut ab, erwärmte es außerhalb des Körpers und fügte es ihr wieder zu. Und tatsächlich: Die Wiederbelebung gelang und sie blieb ohne Folgeschäden, vermutlich deshalb, weil ihr Körper im Eisbach extrem schnell stark gekühlt wurde und sie damit konserviert wurde. Als man später den Herzschlag für Operationen gezielt anhielt und anschließend wieder reanimiert, definierte man den Todeszustand neu, und zwar mit dem Hirntod. Doch Menschen in Hypothermie sind faktisch hintot, es gibt keinerlei Gehirnströme oder Funktionen mehr. Rechtlich hat Professor Tisherman seine Patienten also getötet. Es ist Zeit für eine weitere Revision des Todesbegriffes, die Unumkehrbarkeit des Hirntodes ist beendet. Daher ist es durchaus eine „Medizinische Revolution“, auch ohne hinzugedichtete oder schlicht falsche Bestandteile. Darauf zu wissen, ob die Eingriffe jedoch wirklich erfolgreich waren, müssen wir jedoch noch etwas warten. Die entsprechende Arbeit, in der auch erwähnt werden soll, wie viele solche Eingriffe Tisherman durchgeführt hat, soll Ende 2020 erscheinen.

Die Idee, Menschen in Kälteschlaf zu versetzen – etwa für die Raumfahrt – tauchte in der Science Fiction-Literatur in den 30ern erstmals auf. In der Medizin ist sie nun bei der Behandlung von Unfallopfern Realität geworden.

In Zukunft könnte diese Technologie noch verfeinert werden. Beispielsweise könnte die Spanne, in der ein Mensch ohne bleibende Schäden im Kälteschlaf verweilen kann, verlängert werden. Es wird auch an einem Medikamenten-Cocktail geforscht, der die anschließende Wiedererwärmung des Körpers erleichtern und Zellschäden verhindern könnte. Lässt sich der Prozess automatisieren, ergäben sich auch spannende Anwendungsmöglichkeiten für die Raumfahrt. Doch Tisherman kam im New Scientist auf das wesentliche zurück: „Ich möchte klarstellen, dass wir nicht versuchen, Menschen zum Saturn zu schicken. Wir versuchen, mehr Zeit zu gewinnen, um Leben zu retten.“, wird er dort zitiert. Und wenn überhaupt, dann wäre auch vor dem Saturn sowieso zuerst der Mars dran.

Holographie-Durchbruch: Forscher entwickeln fühlbares Hologramm

Eine kurze Geschichte der Holographie

Ihre heimliche Geburtsstunde hatte die Holographie bereits 1920. Der polnische Physiker Mieczyslaw Wolfke wollte die graphische Darstellung von Objekten erstmals unterteilen. Zunächst sollten die kurzwelligen Spektren aufgenommen werden, später die langwelligeren für den Menschen sichtbaren. Doch aus technischen Schwierigkeiten gelang dies erst 28 Jahre später, 1948, dem ungarischen Physiker Dennis Gábor. Damit zeigte er, dass sich die Welleneigenschaften des Lichts (nämlich die Interferenz zwischen dem reflektierte Licht und einer zugehörigen Referenzwelle) so ausnutzen lassen, dass damit Informationen über die verschiedenen Bilder gespeichert werden können. Dass er damit den Grundstein für die Erzeugung von Hologrammen legte, erkannte man erst später, daher dauerte es 23 Jahre bis man ihn 1971 mit dem Nobelpreis für Physik auszeichnete.

Doch als Gábor versuchte, erste tatsächliche Hologramme mit den Namen berühmter Physiker zu erzeugen, wurde er enttäuscht: Dunkle Flecken störten das Bild und es überlagerte sich mit einem weiteren verzerrten Bild, sodass man die Namen kaum noch erkennen konnte. Kein Wunder, aufgrund der technologischen Ausstattung musste er mit einer Quecksilberdampflampe und einer Lochblende arbeiten. 1959 gelang es den Physikern Emmett Leith und Juris Upatnieks, das störende überlagernde Bild zu entfernen und erstmals hochwertige Hologramme zu erstellen. Durch die experimentelle Realisierung des Lasers 1960 bekam die Holographie einen Vorschub, der 2018 schließlich in der Schaffung des ersten frei beweglichen Hologramms mündete, die man eigentlich erst weit in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts gesehen hat – ein entscheidender Schritt in Richtung Telepräsenz.

Ultraschall statt Laser

Doch während es in Science Fiction Serien nicht nur möglich war, Hologramme zu erzeugen, zu sehen und zu bewegen, sondern auch sie zu spüren, zu hören und mit ihnen zu interagieren, fehlte diese Komponente bisher bei realen Hologrammen. Dies konnte durch ähnliche Technologie behoben werden, mit der man 2018 das erste bewegliche Hologramm erschuf. Dort leuchtete man mithilfe eines präzisen Lasers Partikel an, deren Leuchten das Hologramm erzeugte. Ryuji Hirajama und sein Team ersetzen Laser durch Ultraschalltöne. Da sich auch Schall durch ein Feld, nämlich ein akustisches Feld, beschreiben lässt, welches einen eigenen Druck ausübt, können dadurch die Teilchen zum Schweben gebracht und dann beleuchtet werden.

Mithilfe eines Lasers wurden zunächst winzige Partikel angeleuchtet, die dann das Hologramm erzeugt haben.

Dieses Modell steckt natürlich noch mitten in der Forschung und derzeit ist es auch noch etwa mikrowellengroß und man erstellte Hologramme von sich bewegenden Buchstaben, einem Globus, einem Zauberwürfel und mehr. Die Auflösung lasse sich allerdings noch verbessern, der Aufwand dafür sei überschaubar.

Taktiles Feedback und Akkustik

Da Ultraschall zwar für das menschliche Ohr nicht hörbar ist, aber dennoch ein Energieträger, wodurch entweder Geräusche erzeugt werden können oder aber auch unsere Haut stimuliert wird. Somit fühlt man Widerstand und eine Art Kribbeln, wenn man das Hologramm berührt, in etwa als würde man ein normales Objekt anfassen. Ein Sensor überwacht das Hologramm und erkennt, wenn man sich ihm nähert. Dann werden die Ultraschallwellen an der Stelle, wo man das Hologramm berührt, komprimiert und üben somit Gegendruck aus. Ein Schall von ungefähr 150 Dezibel entspricht dann einem Kribbeln am Finger. Auch in Ton lassen sich diese Wellen umwandeln, bisher aber nur in eher primitive Töne.

Fast wie das Holodeck

Noch ist diese neue Technik ganz am Anfang. Die Auflösung ist noch spärlich, die emittierten Töne spärlich und die Unterschiede zu einem realen Objekt noch deutlich zu fühlen. Dennoch kommt dieses Hologramm schon sehr nah an die in Filmen gezeigten heran. in Zukunft möchte man mit noch höheren Frequenzen noch deutlichere Sinneseindrücke hervorrufen, die Auflösung verbessern und komplexere Töne ermöglichen. Dann wären eines nicht allzu fernen Tages vielleicht Hologramme möglich, die sich nicht mehr von realen Objekten unterscheiden lassen.

Die Erfolge der Neven Subotic Stiftung

Im letzten Beitrag über die Neven Subotic Stiftung beschrieb ich die Arbeit der Neven Subotic Stiftung, was nachhaltig bedeutet und erklärte die Lage in der Tigray-Region im Norden Äthiopiens. Es gibt noch viel zutun, das ist im Grunde genommen die Moral des Artikels. In diesem Beitrag möchte ich jedoch auf die bisherigen Erfolge der Neven Subotic Stiftung eingehen. Tatsächlich hat sich der Zugang zu Trinkwasser in letzter Zeit nämlich verbessert.

Insgesamt hat die Neven Subotic Stiftung Projekte in 59 Gemeinden und 57 Schulen.

Die Neven Subotic Stiftung setzt sogenannte WASH-Projekte durch. WASH steht für Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene. Neben den 116 fertiggestellten WASH-Projekten sind derzeit 121 weitere Projekte in Bearbeitung. Die Trinkwasserquellen sollen mindestens 25 Liter pro Tag und Person bereithalten und nicht weiter als 1 Kilometer entfernt sein.

Die Neven Subotic Stiftung hat insgesamt 237 abgeschlossene und laufende Projekte.

Wobei ein Projekt nie wirklich abgeschlossen ist. Denn auch nachdem der Brunnen mit Pumpe gebaut ist, der die Menschen mit Wasser versorgt, ist die Arbeit noch nicht getan. Die Brunnen werden regelmäßig gewartet und die Schulungen der Menschen im Umgang mit Wasser fortgesetzt. So ist Neven jedes Jahr in Äthiopien und vergewissert sich nach dem Stand laufender Projekte, trifft aber auch die Bevölkerung der Gemeinden mit abgeschlossenen Projekten, wodurch ein langfristiger Kontakt entsteht.

Von den 116 fertiggestellten WASH-Projekten profitieren 49.440 Menschen in der Tigray-Region. Diese Menschen haben jetzt Zugang zu hygienischem Wasser ohne viele Kilometer täglich durch die Wüste laufen zu müssen und dabei mehrere Kilo schwere Kanister tragen zu müssen.  Zudem wissen diese Menschen wie sie mit Wasser umgehen müssen und wie sie den Brunnen in Stand halten. So wird vor Ort die Basis für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben gesetzt. Die Kinder müssen nicht mehr Wasser holen und können somit in die Schule gehen, irgendwann einen Beruf erlernen und den wirtschaftlichen Aufschwung stärken. Es gibt kein wirksameres Mittel gegen Krisen als Bildung. Durch die Verbesserung des Lebensstandards sinkt auch die Geburtenrate, die derzeit ein Hauptgrund für die Armut vieler Familien und des Landes überhaupt ist.

Außerdem gibt es in Schulen dann hygienische Sanitäranlagen. Dies sorgt dafür, dass sowohl Jungen als auch Mädchen die Schule besuchen können und auch die Frauen später eine berufliche Laufbahn anstreben können, was die Geburtenrate abermals dämpft und damit die Entwicklung des Landes fördert. Von der Gesamtanzahl der abgeschlossenen und laufenden Projekte werden 83.098 Menschen profitieren, die dann Zugang zu WASH haben werden. In der gesamten Tigray-Region haben 38% der Menschen Zugang zu Trinkwasser und Sanitäranlagen.

Durch den Zugang zu WASH steigt selbstverständlich auch die Lebenserwartung, die derzeit in Äthiopien ca. 65 Jahre beträgt. Das ist im Gegensatz zu den 80 Jahren in Deutschland gering, aber es geht rapide bergauf. 1960 lag die Lebenserwartung in Äthiopien noch bei 38 Jahren. Jemand der in Deutschland als junger Mann gilt wäre in Äthiopien also wahrscheinlich schon tot gewesen. Die niedrige Lebenserwartung in Äthiopien ist jedoch vor allem auf die hohe Kindersterblichkeit zurückzuführen. Doch auch hier ist ein positiver Trend zu verfolgen. 2007 gab es in Äthiopien von 1000 Geburten 99 Todgeburten. 2017 sind es nur noch 58,5 (Deutschland 3,8), was natürlich in seiner Höhe immer noch ein völler unhaltbarer Zustand ist. Schließlich vollenden in Äthiopien sehr viele Kinder das fünfte Lebensjahr nicht. Dem kann man entgegenwirken, etwa mit besserer Hygiene oder Impfungen. Zu all dem leisten WASH-Projekte ein Beitrag, denn Kinder die zur Schule gehen können irgendwann auch Ärzte werden, die die nächste Generation von Kindern versorgen. Die Arbeit der Neven Subotic Stiftung verbessert die Situation in Äthiopien also auf allen Ebenen. Dadurch, dass jeder Spendeneuro 1 zu 1 in ein Projekt fließt und sich neben Brunnenbau auch um Schulung mit Wasser und Wartung der Brunnen gekümmert wird. Insgesamt hat die Neven Subotic Sitftung für 50.000 Menschen nachhaltig Zugang zu sauberem Trinkwasser geschaffen. Dies gelang durch sehr effizientes Management. Jedes Projekt wird in vier Phasen eingeteilt. In Phase 1 finden die Partner der Stiftung vor Ort die beste Lösung, um den Brunnen zu bauen und Wissenschaftler identifizieren den Ort, an dem der Brunnen gebaut werden soll. In Phase 2 werden die Kosten ermittelt und die Spendengelder den jeweiligen Projekten zugeteilt. Dann werden die Partner vor Ort organisiert, die in Phase 3 dann aktiv werden, bis zum Grundwasser bohren und die Pumpe installieren. Die Gemeindemitglieder werden in den Bau mit einbezogen und so bereits am Anfang geschult. Phase 4 beschreibt alles was nach dem Bau des Brunnens geschieht und wird von der Neven Subotic Stiftung selbst als wichtigste Phase bezeichnet. In Phase 4 wird geprüft und dokumentiert. Es wird genau aufgezeichnet, welche Funktionen nicht erfüllt werden. Diese werden dann behoben. Außerdem wird die Anzahl der profitierenden Menschen verfolgt und das gewonnene Wissen als Basis für zukünftige Projekte genutzt. Die Stiftung ist sich bewusst, dass sie viel erreicht hat, doch es wird eingeräumt, dass es noch viel zu tun gibt. Die Stiftung ist als langfristiges Projekt konzipiert, welches auch Pläne für die Zeit nach Nevens aktiver Fußballkarriere hat – zu wünschen wäre es, dass bis dahin keine Stiftungen mehr notwendig sind, sie sich darum kümmern müssen, dass Menschen Zugang zu Wasser haben.