Archiv der Kategorie: Trainingszeiten

Festgehaltenes abseits unseren Rebellentouren.

Falsche Prognosen der Vergangenheit

Ein neues Jahrzehnt bricht an, das Jahrzehnt, in dem sich entscheiden wird, welchen weiteren Weg die Menschheit einschlägt. Doch dafür ist es hin und wieder auch nötig zu bilanzieren und sich vor Augen zu führen, wie sehr Prognosen doch daneben liegen können.

„Eine Rakete wird niemals in der Lage sein, die Erdatmosphäre zu verlassen!“

New York Times

Das schrieb die New York Times im Jahr 1936. Zu diesem Zeitpunkt war dies selbst unter Wissenschaftlern eigentlich noch Konsens, schließlich führten die mathematischen Berechnungen den Forschern vor Augen, wie kompliziert ein Flug ins All ist und daher waren solche Prognosen aus der Zeit betrachtet durchaus sinnvoll. Man war sich zudem recht sicher, dass es nicht möglich ist, Geschosse in Höhen zu transportieren, ab denen sie nicht mehr zur Erde zurückfallen. Man muss zudem berücksichtigen, dass man unter Wissenschaftlern damals weniger an Raketen dachte, wenn es um potentielle Reisen ins All ging, sondern eher an die Weltraumkanone, die mit der die Astronauten in Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“ die Reise antreten. Die Geschwindigkeit, die nötig ist, damit ein Objekt nicht mehr zur Erde zurückfällt, liegt bei fast 8 Kilometern pro Sekunde – völlig utopisch für diese Zeit.

Noch in den 30ern hielt man es für unmöglich, Geschosse in den Orbit zu transportieren.

Und doch sollte sich die Prophezeiung als eine gigantische Fehleinschätzung erweisen. 1944, nur acht Jahre später, verließ die erste Rakete der Erdatmosphäre. Leider handelte es sich dabei um eine Aggregat 4-Rakete der Nationalsozialisten, somit werden wir für immer damit leben müssen, dass dieser erste Schritt der Menschheit ins All hinaus im Namen einer menschenverachtenden Ideologie erfolgte. Die Rakete, die eigentlich für Kriegszwecke konstruiert wurde stieg auf eine Höhe von 175 Kilometern. Erst nach dem Krieg wurde die Grenze zum All auf 100 Kilometer definiert, weshalb den Nazis der technologische Erfolg zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst war. Die 8 Kilometer pro Stunde erreichte die Rakete jedoch nicht, daher stürzte sie zur Erde zurück. Das erste Objekt, dass dann tatsächlich schnell genug war, um nicht mehr zur Erde zurückzufallen war Sputnik 1 im Jahr 1957 – 21 Jahre, nachdem die New York Times dies für unmöglich proklamierte. Obwohl sich die Weltraumkanone aufgrund der enormen Beschleunigungskräfte nie als Transportmittel durchsetzte, erwies auch sie sich als möglich, 1966 schoss eine Weltraumkanone ein 180 Kilogramm schweres Projektil auf eine Höhe von 180 Kilometern und somit in den erdnahen Weltraum.

„640 Kilobytes ist alles, was eine Applikation jemals benötigen sollte.“

Bill Gates

Ich schreibe diese Sätze von einem Laptop mit einem Speicherplatz von 121 Gigabyte, was 126.877.696 Kilobyte, was etwa dem 20.000-fachen der Schätzung von Bill Gates entspricht, die er 1981 formulierte. Wenig später begann die digitale Revolution und damit die exponentielle Vervielfachung der Transistorenanzahl auf einem Mikrochip. Bis heute verdoppelt sich diese etwa alle 18 Monate, was wir das Mooresche Gesetz nennen. Die Menge der verarbeiteten Daten folgt sogar einem 12-Monats-Takt, was bedeutet, dass alleine im Jahr 2019 so viele Daten verarbeitet wurden wie in der gesamten Menschheitsgeschichte davor.

Diese Entwicklung führt dafür, dass stetig neue Einheiten für Informationseinheiten erfunden werden müssen. Derzeit befindet sich die Menge der pro Jahr verarbeiteten Daten in der Größenordnungen von Zettabytes, also 1000000000000000000000 (10^21) Bytes. Zum Vergleich: Mit einem Zettabyte lassen sich etwa 2 Milliarden Jahre Musik spielen – also von der Entstehung erster komplexer Lebewesen bis heute. Die gesamte Kapazität des Internets liegt bei Yottabytes, also 1000000000000000000000000 (10^24) Bytes. Derzeit gibt es noch keine Rechner, die diese Menge speichern können, der Download würde selbst mit hochmoderner Internetverbindung viel länger dauern, als das Universum existiert. Bis 2025 wird sich die pro Jahr (!) verarbeitete Datenmenge in den Yottabyte-Bereich erstrecken. Und schon wenige Jahre später werden wir wieder neue Namen benötigen – dann werden wir Xona-, Nena-, und Wekabytes nutzen.

Moderne Supercomputer können ganze alternative Universen simulieren.

Und praktische Anwendungen gibt es für solche Kapazitäten natürlich. So lassen sich auch nichtlineare Systeme wie etwa das Klima so simulieren, was lange selbst theoretisch für unmöglich galt. Ganze Universen können bereits simuliert werden, wodurch man die Umstände kurz nach dem Urknall simulieren und betrachten kann, aus welchen sich ein Universum entwickelt, das wie unseres aussieht und aus welchen nicht. So lassen sich unzählig viele Parallelwelten im Computer erschaffen, von denen sich einige ganz anders entwickeln als unser Kosmos. Und auch die Daten des menschlichen Genoms werden sich schon bald auf einem einfachen USB-Stick tragen lassen. Die Einheit Kilobyte wird dann wohl schon lange aus dem Wörterbuch gestrichen sein.

„Es wird noch Generationen dauern, bis der Mensch auf dem Mond landet.“

Sir Harold Spencer

Diese Prognose von 1957 ist schon etwas optimistischer, was Raumfahrt angeht und sollte dennoch deutlich daneben liegen. Es kommt von Präsidenten der Internationalen Astronomischen Union, wobei man sagen muss, dass Kennedy sein Ziel zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgerufen hat. Erst vier Jahre später kam die Ankündigung, man wolle innerhalb von 10 Jahren einen Menschen auf dem Mond landen – und nicht in 200 so wie es Menschen wie Spencer prophezeiten. Ebenfalls muss gesagt werden, dass er nicht der einzige war, so gab es selbst in den 50ern noch Menschen die gesagt haben, eine Reise zum Mond sei gänzlich unmöglich. Tatsächlich war man sich zu diesem Zeitpunkt einiger Probleme noch gar nicht bewusst, sodass etwas längere Forschung vermutlich wirklich für mehr Sicherheit gesorgt hätte, so wusste man weder vom Sonnenwind, noch von dem Einfluss kosmischer Strahlung auf den Menschen etwas. Dieses Wissen kam erst mit den Langzeitaufenthalten auf den Raumstationen der neueren Zeit, daher ist heutigen Prognosen in der Hinsicht etwas mehr zu vertrauen.

Schon wenige Jahre nach dieser Prognose wateten Menschen im Mondstaub.

Schwerer als Luft? – Solche Flugmaschinen sind unmöglich.

William Thomson

Das war bei weitem nicht der einzige geistige Erguss des Physikers William Thomson, den man als Erfinder der thermodynamischen Temperaturskala kennt. So behauptete er auch, die Röntgenstrahlen seien nicht möglich und es handle sich somit um einen Betrug und das Radio habe keinerlei Zukunft. Zwar war Luftfahrt in dieser Zeit tatsächlich nur mit Flugkörpern, die leichter als Luft sind, etwa Heißluftballons, möglich. Dennoch hat Thomson (als Physiker) dabei wohl übersehen, dass auch Vögel schwerer sind als Luft und dennoch fliegen können. Außerdem war die nötige mathematische Grundlage für Fluggeräte, die schwerer sind als Luft auch in seiner Zeit schon vorhanden. Dennoch galt Fliegen als etwas extrem Unheimliches, fast Übersinnliches. Wenn Heißluftballons am Himmel waren oder wenig später dann auch die ersten Fluggeräte mit Tragflächen, bekamen die Menschen meist große Panik und davon waren auch damalige Prognosen geprägt.

Es galt als nicht gesichert, ob menschengemachte Objekte schwerer als Luft jemals fliegen könnten.

„Die Kernenergie ist sicher.“

Ernst Bloch

„Das müsste halten.“, „Was ist das für ein Draht.“, „Jaja, die Sicherung ist draußen.“, das sind wohl typische letzte Worte eines Menschen. Prognosen wie „Die Kernenergie ist sicher.“ erinnern schon etwas daran. Das „Prinzip Hoffnung“ war ein Kind der Atom-Euphorie der Nachkriegszeit. Man ging jedoch nicht nur so weit zu sagen, dass Kernenergie keinerlei Risiko darstelle. Selbst wenn ein Atomkraftwerk explodiere, sei bereits in 100 Metern Entfernung keine nennenswerte Radioaktivität mehr vorhanden, so die Prognose. Man dachte, mit Atomkraft könnte man jedes Problem lösen. Ein paar Kilo Uran sollten ausreichen, um ganze Wüsten verschwinden zu lassen und die Arktis in einer Riviera zu verwandeln. Unternehmen wollten Autos, Züge und Staubsauger mit Atomkraft auf den Markt bringen.

Der Zerstörungsradius einer Atomexplosion wurde mit etwa 100 Metern veranschlagt.

Vermutlich kommen euch diese Prognosen über Atomkraft lächerlich vor, doch so sehr unterscheiden sie sich gar nicht, von dem quasireligiösen Fanatismus, mit dem etwa das Automobil in Europa bis heute behandelt wird. Und letztlich muss man ebenfalls betrachten, dass der rasende technische Fortschritt, den uns diese Prognosen vor Augen führen, eben nicht immer alles löst. Der Klimawandel und die soziale Gerechtigkeit blieben von all diesen Fortschritten unbeeinflusst und das wird auch in Zukunft so bleiben. Der technologische Fortschritt wird uns nicht retten. Aber er wird uns in eine Zukunft führen, für die es sich zu kämpfen lohnt.

#wirböllernnicht

Wir sprechen zu wenig über Feuerwerk an Silvester. Schade, denn diese Diskussion ist eine wunderbare Gelegenheit (eigentlich auch für politische Parteien), sich zu profilieren und zu zeigen, ob sie konservative Ideologen sind, die irrationale Entscheidungen treffen und gegen „Verbotsideologien“ oder „Kulturkämpfe“ sind oder ob sie unaufgeregt und sachlich mit aller Konsequenz das tun, wozu sie eigentlich gewählt sind – einen klaren Rahmen vorgeben, der eigentlich keiner Diskussion mehr bedürfen sollte. Genau diesen möchte ich mit diesem Artikel zum Thema Böllern schaffen. Zunächst die Fakten.

Feuerwerk in Köln

1.Feinstaub

Was ist Feinstaub?

Als Feinstaub werden Partikel mit einem Durchmesser von unter 10 Mikrometern bezeichnet. Durchmesser ist dabei nicht als der klassische Durchmesser von Planeten, Sternen oder Galaxien zu verstehen, denn bei diesen Staubpartikeln handelt es sich nicht ansatzweise um kugelförmige Objekte. Daher beschreibt der Durchmesser hier vielmehr den Durchmesser eines hypothetischen kugelförmigen Partikels, das dieselbe Fallgeschwindigkeit hat wie das eigentliche Partikel. Hat ein Partikel also einen Aerodynamischen Durchmesser von 10 Mikrometern, dann bedeutet das lediglich, dass es so schnell fällt wie ein hypothetisches kugelförmiges Partikel mit einem tatsächlichen Durchmesser von 10 Mikrometern. Die Fallgeschwindigkeit ist auch bei der ökologischen Debatte wichtig, da davon und von der Wetterlage abhängig ist, wie lange Feinstaub in der Atmosphäre verbleibt.

Um zu verdeutlichen, um welche Größenordnungen es sich handelt: Ein Mikrometer entspricht einem Millionstel Meter, also einem tausendstel Millimeter. Ein Blatt Papier hat eine Dicke von etwa 80 Mikrometern, ein menschliches Haar eine Dicke von 100 Mikrometern und die kleinsten Käferarten beginnen bei etwa 250 Mikrometern.

Probleme des Feinstaubs

Feinstaub ist also klein genug, um in in den menschlichen Körper einzudringen, in sein Bronchialsystem, sehr kleine Partikel sogar in die Lungenbläschen und ins Blut, wo sie Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen, Lungenschwäche und Kreislaufprobleme verursachen können, da sie im Nasen-Rachen-Raum nicht mehr gefiltert werden. Da die Partikel nicht löslich sind, werden sie so gut wie gar nicht abgebaut und reichern sich in der Lunge an. Selbst Konzentrationen unterhalb des EU-Grenzwerts stehen im Verdacht, Lungenkrebs zu fördern. Somit geht die Europäische Kommission von 310.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr durch Feinstaub innerhalb der EU aus, wodurch sich die Lebenszeit eines EU-Bürgers durchschnittlich um 8,6 Monate durch Feinstaub verringert.

Überdimensionierte Feinstaubemissionen an Silvester

Etwa 2% der deutschen Feinstaubemissionen sind auf Feuerwerkskörper zurückzuführen, ein absoluter Großteil davon in der Silvesternacht, was etwa 4200 – 5000 Tonnen entspricht. Wem das nicht dramatisch genug klingt: Es sind etwa 17% der Feinstaubemissionen des Verkehrssektors. Der EU-Grenzwert für Feinstaub liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, doch er ist leider nicht ganz wasserdicht, da er an eine bestimmten Anzahl an Tagen im Jahr auch beliebig weit überschritten werden darf. In der Silvesternacht wurden in einigen deutschen Innenstädten teils Konzentrationen von bis zu 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Da der Feinstaub oft über lange Zeit in der Atmosphäre bleibt und selbst im Boden oder in Gewässer noch immer schädlich sein kann, verurteilt die Politik mit der Duldung von privatem Silvesterfeuerwerk tausende wehrlose Menschen zum Tode.

2.Giftige Bestandteile von Feuerwerkskörpern

Es folgt eine Auflistung und Erläuterung nur einiger der giftigsten Bestandteile von Feuerwerk und die Einflüsse, die sie auf den menschlichen Körper haben können.

Blei

Das man Blei vielleicht nicht im Abguss entsorgen sollte, ist den meisten Menschen wohl klar. Schließlich ist es ein hochgiftiges Schwermetall, dessen Ionen, also geladene Bleiatome sich im Körper ablagern und dort Stoffwechselreaktionen verlangsamen oder sogar komplett blockieren. So hemmen sie etwa Enzyme und Eiweiße, die die Bestandteile unserer Nahrung für uns teilen und so erst Überleben und Handlungen möglich machen. Zellen werden somit beschädigt und sterben letztlich ab. Bei einer hohen Dosis kann das zum Tod führen. Bei langfristiger Aufnahme von Blei wird es nicht mehr abtransportiert und lagert sich in den Knochen und Zähnen ab, wo es Calcium ersetzt, was zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, heftigen Bauchschmerzen und Muskelschwäche führt.

Aluminium

Aluminium war früher eines der wertvollsten Elemente überhaupt. So gibt es die Legende, dass Napoleon Bonaparte seinen wertvollsten Gästen Aluminium- statt Goldgeschirr gegeben hat. Mit der Industrialisierung wurde es schließlich zum Massenprodukt und heute ist es aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Doch auch über die gesundheitliche Diskussion wird heiß diskutiert und auch noch geforscht. Aber man geht zumindest davon aus, dass Aluminium eine Rolle bei Fehlgeburten, Knochenbrüchigkeit, Alzheimer, Krebs, Nierenschäden, Hirnschäden und Blutarmut haben kann. Obwohl viele Folgen wohl noch unbekannt sind, wird Aluminium in Feuerwerk eingesetzt.

Nitrat

Nitrat ist kein chemisches Element, sondern eine Verbindung von Sauerstoff und Stickstoff und an sich ungefährlich, sogar ein beliebtes Düngemittel. Doch wenn eine bestimmte Kapazität für Nitrat im Körper erreicht ist, können gewisse Bakterien das Nitrat in das hochgiftige Nitrit umwandeln, welches dann krebserregend wirkt, Gefäße verstopft, Rote Blutkörperchen schädigt, die für den Sauerstofftransport im Körper nötig sind, und auch zu Fehlgeburten führen kann.

Nitrat gelangt häufig durchs Grundwasser in den menschlichen Körper. So wird etwa viel zu viel Nitrat als Düngemittel auf die Felder geworfen. Da die Pflanzen häufig nur die Hälfte davon aufnehmen können, sickert der Rest ins Grundwasser. Aber auch in Silvesterböllern ist Nitrat erhalten.

Arsen

Arsen gehört zu den giftigsten Stoffen überhaupt und kann dem entsprechend sehr viele teils tödliche Beschwerden verursachen. So reizt es die Eingeweide, etwa den Magen, kann zu einer geringeren Produktion von Roten Blutkörperchen, Fehlgeburten, Immunschwäche, Unfruchtbarkeit, Herzstillstand, Hautkrankheiten, Hirnschäden und Mutationen führen, außerdem wirkt es ebenfalls krebserregend. Und doch kommt er in Feuerwerk vor.

Barium

Barium klingt irgendwie schon gefährlich, wenn ihr mich fragt und genau so ist es auch. Barium und alle seine Verbindungen, die sich in Wasser lösen lassen sind giftig für den Menschen. Der Stoff lagert sich vor allem in Lungen, Knochen und Muskeln ab. Dort kann es zu Muskelkrämpfen, Muskellähmungen (teilweise bis zum Tod durch Ersticken), Herzstillstand, Bluthochdruck, Atemproblemen, Durchfall und einem Kreislaufkollaps führen. Die tödliche Dosis für einen erwachsenen Menschen liegt dabei bereits bei einem Gramm.

Schwefel

Schwefel geht sehr häufig anorganische Verbindungen mit anderen Elementen ein, etwa Schwefelwasserstoff, Schwefeldioxid und Schwefelkohlenstoff ein, von denen sehr viele hochgiftig sind. Die Folgen sind teils noch unerforscht, doch sie reichen von Übelkeit, Hustenanfällen, Erbrechen, Krämpfen und Atemlähmungen über Verätzungen, Reizungen der Schleimhäute und Kopfschmerzen, bis zu Gesichtslähmungen, Schlaf-, Hör- und Sehstörungen und psychischer Instabilität.

Einige Schwefelverbindungen sind hochgiftig für den menschlichen Körper und auch in Feuerwerkskörpern enthalten.

3.Müll, Geräuschbelastung und Verbrennungen

Ich könnte noch ewig so weiter machen. Feuerwerk führt zu ungesunden Lärmbelastungen, vor allem für Tiere mit viel empfindlicherem gehör als Menschen, durch die abgebrannten Raketen liegt überall Müll herum, der nicht immer abbaubar ist, jedes Jahr gibt es Verletzungen, weil einige Menschen nicht damit umgehen können, die Arbeitsbedingungen in einigen Ländern bei der Herstellung der Feuerwerkskörper sind katastrophal und gefährlich, die Kosten und Umweltbelastungen für all die Feuerwehreinsätze in dieser Zeit sind unermesslich.

Müll von Feuerwerksraketen

Was müsste passieren?

Eigentlich müssten wir gar nicht so lange darüber diskutieren. Privates Feuerwerk ist Körperverletzung, Umweltverschmutzung, Nötigung und gehört verboten. Privates Feuerwerk muss in Deutschland verboten sein und die Stadt kann ein kontrolliertes, sauberes und verantwortungsvolles zentrales Feuerwerk organisieren. Es ist die Aufgabe der Politik, den Menschen einen Rahmen zu setzen, der unverrückbar festgegeben ist. Dazu gehört etwa, dass man nicht aus Spaß Arsen in Babybrei mischt. Dazu gehört, dass man nicht mit Schwefelwasserstoff duscht und dazu gehört, dass man kein flüssiges Blei in den Abguss kippt. Über manche Dinge bedarf es einfach keiner Diskussion, weil die Faktenlage eindeutig ist. Und doch gibt es keine Feuerwerksverbote auf Bundes- oder Landesebene. Aber was soll´s, wir sind es doch mittlerweile gewöhnt, dass wir die Aufgaben der Politik übernehmen. Also, an die Arbeit.

#wirböllernnicht – Das Gewinnspiel

Natürlich haben wir uns ebenfalls gefragt, was wir tun können, um gegen Feuerwerk vorzugehen, außer natürlich selbst darauf zu verzichten und das private Umfeld dementsprechend aufzuklären. Zum einen habe ich dafür diesen Beitrag geschrieben, um die Menschen aufzuklären, zum anderen hatten wir aber auch noch eine etwas verbindlichere Idee.

Wer sich in irgendeiner Form (Twitter, Facebook, Blog-Kommentar) einfach mit der Nachricht „Wir böllern nicht.“ oder dem Hashtag #wirböllernnicht meldet und sich damit verbindlich (auf Vertrauensbasis) dazu verpflichtet, an Silvester aus das Böllern zu verzichten, hat die Chance, ein Exemplar meines Buches (T)raumschiff Erde geschenkt zu bekommen, in dem ich die Metapher des Planeten Erde, der als Raumschiff durchs All fliegt vertiefe, einen perspektivreichen kritischen Blick auf die derzeitige Besatzung des Raumschiffs werfe und dann in einem radikalen Appell mit konkreten Forderungen zu einer 180°-Wende im Umgang mit unserem Planeten ausrufe. Die einfachste Form der Teilnahme ist das Teilen dieses Beitrags, da es vielleicht dem ein oder anderen auch ermöglicht mehr über die Gefahren zu erfahren. Unter allen Teilnehmern verlosen wir drei Exemplare.

Ich wünsche euch einen böllerfreien Rutsch ins neue Jahr.

Teilnahmebedingungen

  1. Das Gewinnspiel dauert bis 31.12.2019, 23:59 Uhr. 
  2. Es werden drei signierte Ausgaben des limitierten Hardcovers (T)raumchiff Erde verlost.
  3. Die Teilnahme erfolgt über einen Kommentar, der den Hashtag #wirböllernnicht enthält und der unter diesem Blogpost oder unter dem dazugehörigen Facebookpost platziert wurde. Eine Teilnahme via Twitter ist mit einfacher Nutzung des Hashtags #wirböllernnicht möglich. Der Einsatz des Hashtags kann hier in einem eigenständigen Tweet erfolgen. Ein Retweet oder die Teilung dieses Artikels verhilft auch zur Teilnahme am Gewinnspiel.
  4. Kommentare die gegen die Facebook bzw. Twitter Richtlinien, deutsches Recht und oder das Copyright verstoßen werden nach Kenntnisnahme ohne Ankündigung entfernt. Der Teilnehmer ist damit vom Gewinn ausgeschlossen.
  5. Teilnahmeberechtigt sind Personen aus Deutschland und Österreich.
  6. Über den Gewinner entscheidet das Zufallsprinzip.
  7. Die Gewinner werden über die Reaktion auf den jeweiligen Kommentar oder Tweet informiert. Der Gewinner muss sich innerhalb von 5 Werktagen per E-Mail an wochenendrebell@wochenendrebell.de mit den Adressdaten melden, wo das Buch hingesendet werden soll. Meldet sich ein Gewinner nicht innerhalb dieser Frist, wird das Buch unter allen Teilnehmern erneut verlost. 
  8. Alle Daten werden spätestens 30 Tage nach Ende des Gewinnspiels gelöscht, die Kommentare auf Facebook oder Twitter Teilnehmer bleiben allerdings bestehen und sind weiterhin öffentlich einsehbar. Adressdaten werden nur von den Gewinnern erfasst und nur zum Versand des Gewinnes genutzt. Diese Daten werden weder mit niemandem geteilt.  Den Teilnehmern stehen gesetzliche Auskunfts-, Änderungs- und Widerrufsrechte zu.
  9. Das Gewinnspiel wird nicht von Facebook oder Instagram gesponsert oder unterstützt.
  10. Du verpflichtest du dich auf Vertrauensbasis dazu, an Silvester keine Feuerwerkskörper anzuwenden.

CHEOPS: Start des weltweit ersten Weltraumteleskops zur Exoplanetenkunde verschoben

Die Entdeckung des ersten Exoplaneten ist nun schon fast 30 Jahre her, in diesem Jahr wurde dafür sogar der Nobelpreis für Physik verliehen. Doch bis heute sind diese Planeten meist nicht viel mehr als Kurven aus Diagrammen in den Büros von Wissenschaftler. In einigen Fällen lassen sich die Oberflächenbedingungen grob simulieren, doch das Erfassen von Details oder sogar direkte Beobachtungen sind bis heute nicht möglich. Dies soll die CHEOPS-Mission der ESA ändern. Das Weltraumteleskop soll erstmals Details von bereits bekannten Exoplaneten erfassen. Doch der Start im Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana schlug gestern fehl und soll am heutigen Tag um 09:45 MESZ wiederholt werden.

Detaillierte Untersuchung von Exoplaneten

CHEOPS steht für „Characterising Exoplanet Satellite“, die primäre Aufgabe des Weltraumteleskops ist es also nicht, neue Planeten zu entdecken, sondern bereits bekannte einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, gerade erdähnliche Planeten um nahe Sterne, also etwa Himmelskörper zwischen der Größe von Erde und Neptun. Dies sind sogenannte Supererden, also Gesteinsplaneten, von denen einige auch lebensfreundliche Bedingungen aufweisen können, allerdings auch Wüsten- oder Wasserplaneten sein können. Etwa 500 Sterne sollen beobachtet werden, um all diese Sterne wurden bereits Planeten entdeckt.

Die Planeten sollen bei Transits um ihren Stern beobachtet werden, so kann zunächst die Größe und somit geklärt werden, ob es sich um Gesteins- oder Gasplaneten hält. Gasplaneten sind für Lebenssuche recht uninteressant, handelt es sich jedoch um Gesteinsplaneten, kann aus Masse und Durchmesser die Dichte berechnet werden, was Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung zulässt. Im nächsten Schritt sollen eventuelle Atmosphären und deren Zusammensetzung untersucht werden. Sollte man Elemente wie Sauerstoff oder Methan finden, wäre das ein starker Hinweis auf einen bewohnbaren oder sogar bewohnten Planeten.

CHEOPS soll unter anderem herausfinden, ob es sich bei Planeten um Gasriesen oder Gesteinsplaneten handelt.

Aufbau der Sonde

CHEOPS soll die Erde in 700 Kilometern Höhe umkreisen, also noch im niedrigen Erdorbit leicht über der ISS und Hubble, aber deutlich unter den Bahnen der TV-Satelliten. Es ist 2,6 Meter hoch und wiegt 290 Kilogramm. Das Teleskop selbst hat eine Öffnung von 32 Zentimetern und eine Länge von 1,2 Metern. Die Mission wird von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA in Kooperation mit der Schweiz und andere internationalen Partnern betrieben. Durch Solarpaneele zur Energieversorgung und einen Hitzeschild, ähnlich wie ihn Parker Solar Probe hat, nur deutlich kleiner, wird die empfindliche Technik vor der Sonnenstrahlung geschützt. So soll eine Lebensdauer von 3,5 Jahren erreicht werden, evtl. sogar mehr, sodass die Mission auch spontan verlängert werden kann.

Start kurzfristig abgebrochen

Der Start von CHEOPS markiert die Entstehung eines neuen Astronomischen Forschungsgebiets, der Exoplanetenkunde, in der Exoplaneten studiert und nicht nur entdeckt werden. Jedenfalls wird er den markieren, denn obwohl der Start für gestern Morgen geplant war, ist CHEOPS noch am Boden, heute 09:54 Uhr MESZ soll ein erneuter Startversuch erfolgen. Derzeit ist noch nicht sicher, wieso der Start 90 Minuten vor Ablauf des Countdowns automatisiert abgebrochen wurde. Da die Sojus-Fregat-Rakete von der Russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos produziert wurde, leitet diese derzeit die Untersuchungen.

Nur der Anfang

Läuft alles nach Plan, ist CHEOPS nur der Anfang dieses neuen Forschungszweigs, so ist es auch die erste von sogenannten S-Class-Missionen der ESA, die kostengünstig sind und in recht kurzer Zeit hintereinander gestartet werden sollen. Und auch zur Erforschung von Exoplaneten gibt es noch viele Möglichkeiten. So ist es etwa denkbar, ein Teleskop am Gravitationslinsenpunkt unserer Sonne, weit außerhalb des Kuipergürtels, zu platzieren. Dieses Teleskop könnte quasi die Sonne als Spiegel nutzen und so eine Auflösung erzielen, die mehrere Pixel große Bilder von Exoplaneten ermöglichen würden. Noch ist dies eine Vision, doch mit dem Start von CHEOPS werden wir dieser Version womöglich einen Schritt näher kommen.

NASA-Mission zur Sonne

Erste Daten der Parker Solar Probe bringen Überraschungen

1958 veröffentlichte die National Academy of Sciences eine Studie zur Sonnenforschung. Man publizierte die Idee einer Raumsonde, welche die Sonne aus extremer Nähe untersuchen sollte. Ziel war, sie nicht nur einfach an der Sonne vorbeifliegen, sondern die Sonde direkt durch die Sonnenatmosphäre fliegen zu lassen. Da die extremen Temperaturen mit damaliger Technologie nicht abzuschirmen war, blieb es bei den Studien. Mit der Zeit wurde die Idee realistischer und konkrete Konzeptstudien begannen. Doch erst 2018 startete die Mission tatsächlich unter dem Namen Parker Solar Probe. Eine Raumsonde der Rekorde. Dabei stellte die Mission, die nach dem Solarphysiker Eugene Parker und damit als erste Sonde nach einem noch lebenden Wissenschaftler benannt wurde, die Ingenieure von unglaublich große Herausforderungen. Himmelsmechanisch ist die Sonne durch ihre enorme Gravitationskraft sehr schwer zu erreichen. Bei ihrer größten Annäherung an die Sonne erreicht Parker Solar Probe eine Geschwindigkeit von 200 km/s – das sind immerhin 0,067% der Lichtgeschwindigkeit oder in etwa drei Sekunden von Hamburg nach München. Damit stellt sie das schnellste Raumschiff da, welches die Menschheit je gebaut hat. Doch bis zum nächsten Stern würde selbst sie immer noch über 6.300 Jahre Flugzeit benötigen. Einen weiteren Rekord hält die Sonde. Sie kommt sich der Sonne so nahe, wie noch kein menschengemachtes Objekt zuvor, weniger als 9 Sonnenradien über der Oberfläche, also innerhalb der Korona, der Sonnenatmosphäre.

Rätsel der Korona
Die Korona ist eine der geheimnisvollsten Orte im ganzen Sonnensystem. So beträgt die Temperatur etwa eine Millionen Grad Celsius, die der darunter liegenden Sonnenoberfläche aber nur 5500 Grad Celsius, also viele hundert mal kühler. Das ist in etwa so, als wäre die Luft über der Herdplatte viel heißer als die Herdplatte selbst. Warum das so ist, weiß man bis heute nicht genau, eben so wenig wie wir die Vorgänge im Inneren der Sonne kennen. Die Parker Solar Probe streift den äußersten Bereich der Korona, wodurch erstmals direkte Messungen möglich sind. Bereits einige neue Erkenntnisse
Nachdem Parker Solar Probe die Sonne insgesamt schon drei mal in geringem Abstand passiert hat, veröffentlichte die NASA nun erst Ergebnisse – und dabei waren bereits ganz neue Entdeckungen. Diese waren nur durch die enorme Geschwindigkeit der Sonde möglich. Denn so passte Parker Solar Probe ihre Geschwindigkeit an die Rotationsgeschwindigkeit der Sonne an. Dadurch betrag die relative Geschwindigkeit zwischen der Sonde und der Sonnenoberfläche null. So konnte die Oberfläche erstmals ohne den störenden Effekt der Sonnenrotation beobachtet werden. Nun möchte ich einige dieser neuen Entdeckungen vorstellen.
Switchbacks: Zacken im Sonnenwind

Parker Solar Probe entdeckte neue Strukturen im Sonnenwind, sogenannte Switchbacks. Dies sind Ströme, wo sich der Sonnenwind lokal für eine kurze Zeit wendet, fast zur Sonne zurückkehrt. Auch die elektromagnetischen Felder im direkten Umfeld der Sonne kehrten sich kurzfristig um, was die Sonde registrierte. Was Parker Solar Probe jedoch nicht herausfinden konnte, ist wie die Switchbacks entstehen. Eine Möglichkeit ist, dass ausströmende koronale Massenauswürfe Einfluss auf die Magnetfelder haben.
Staubfreie Zone rund um die Sonne


Über das, was innerhalb der Merkurbahn liegt, hat man schon seit Jahrhunderten Vermutungen angestellt. Im 19.Jahrhundert vermutete man noch den legendären Planeten Vulkan, der in extrem geringem Sonnenabstand seine Bahn zieht, noch heute kursiert die Theorie der Vulkanoiden, also einem kleinen Asteroidengürtel innerhalb der Merkurbahn. Und ebenfalls schon länger vermutete man die Abwesenheit kosmischen Staubes in direkter Sonnenumgebung, denn er müsste durch den Sonnenwind weggeblasen werden. Und tatsächlich registrierte Parker Solar Probe eine mit der Entfernung zur Sonne abfallende Menge an Staub. Sonnenwind wird mitgerissen.
Zudem wies die Sonde überraschend starke Scherkräfte im direkten Umfeld der Sonne nach. Der Sonnenwind ist somit nicht gleichmäßig verteilt und strömt von der Sonne weg, sondern wird in einer Zone, die etwa 32 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt beginnt, von der Rotation der Sonne mitgezogen. In kleinem Umfang hatte man diese Scherkräfte schon durch Berechnungen vorhergesagt, doch selbst die ersten Messungen ergeben schon zehn mal höhere Scherkräfte als berechnet. Dafür gibt es derzeit keinerlei Erklärung.
Magnetische Inseln
Und ein weiteres bereits theoretisch postuliertes Konstrukt konnte Parker Solar Probe erstmals direkt nachweisen, sogenannte Magnetinseln. Dabei handelt es sich um in sich geschlossene Ellipsen aus Magnetfeldlinien. Sie entstehen, wenn Magnetfelder auseinandergerissen werden und sich dann anschließend neu formieren. So etwas kann etwa durch Protuberanzen passieren. Bewiesen wurde ihre Existenz erst jetzt durch die Parker Solar Probe.

Doch das war nur der Anfang. Denn Parker Solar Probe wird der Sonne noch viel näher kommen. Bisher näherte sie sich auf etwa 50% des Abstandes des Planeten Merkur zur Sonne. Ihr nächster Bahnpunkt wird nur bei etwa 10% des Merkurabstands liegen. Daher ist zu erwarten, dass es noch viele Entdeckungen geben wird. Offene Rätsel gibt es jetzt genug.

Mediziner versetzen Menschen in Kälteschlaf

Das Relevanzkriterium, dass ein Thema braucht, um es in dieses Blog zu schaffen ist nicht, ob es auf der BILD-Titelseite erscheint, ich denke das ist soweit klar. Doch was mich viel mehr ärgert, als wenn Meldungen einfach aus der Luft gegriffen werden ist, wenn ein ernsthaftes und spannendes Thema aufgegriffen und dann kompletter Unsinn darüber berichtet wird. Hinter der Meldung, die es letzte Woche in die BILD schaffte steckt nämlich ein sensationelles Unterfangen, welches tatsächlich das Potential hat, die Medizin zu revolutionieren, der Kälteschlaf.

„Medizin-Revolution: Erster Mensch tiefgekühlt und wiederbelebt“

Bild.de

„Medizinische Sensation! Erster toter Patient tiefgekühlt und wiederbelebt!

tag24.de

Medizinische Revolution: Erster Mensch von Ärzten tiefgekühlt – und wiederbelebt

focus.de

Was? All diese Titel erinnern doch sehr an die zahlreichen Meldungen, die es um die Jahrtausendwende gab, man hätte Technologien entwickelt, um Menschen nach dem Tod zu konservieren, in dem man sie in -196°C kaltem flüssigem Stickstoff einlagert. Seit dem haben sich hunderte Menschen auf diese Weise konservieren lassen, was auch häufig fälschlicherweise als Kälteschlaf bezeichnet wurde. Hat man es nun tatsächlich geschafft, einen dieser Menschen ins Leben zurückzuholen? Oder wie der SPIEGEL etwas differenzierter titelt.

„Kann man einen Patienten wirklich auftauen und wieder einfrieren?“

SPIEGEL ONLINE

Selbstverständlich nicht. Doch was ist nun wirklich dran an diesen Meldungen?

Alles begann mit einer 2017 publizierten Idee des US-amerikanischen Arztes Samuel Tisherman. Er stellte die Idee vor, Menschen mit schweren Schuss- und Stichverletzungen, bei denen der Blutverlust bereits über 50% beträgt, mit sogenannter therapeutischer Hypothermie zu behandeln. Dabei wird die Körpertemperatur des Menschen von 37°C auf etwa 10 – 15°C gekühlt. Und schon haben wir den ersten Fehler in den oben genannten Titeln. Niemand wurde hier tiefgekühlt oder eingefroren, denn der Gefrierpunkt des Wassers liegt bekanntlich bei 0°C. Kühlt man einen Menschen auf eine Temperatur, die deutlich darunter liegt, ist dies kein einfrieren. In einem Kühlschrank werden Waren schließlich auf noch niedrigere Temperaturen als 10°C gekühlt – und doch spricht niemand von einfrieren, weil es sich physikalisch nunmal nicht um ein einfrieren handelt. Es entstehen keine Eiskristalle und es erstarren auch keine Körperflüssigkeiten. Die therapeutische Hypothermie arbeitet mit Temperaturen weit über 0°C.

Anders ginge es auch gar nicht. Beim einfrieren von Menschen würden Eiskristalle entstehen, die unsere Zellen platzen lassen würden, da sich Wasser unterhalb von 4°C wieder ausdehnt. Zwar gibt es Mittel, mit denen dies verhindert werden kann, doch diese sind giftig und davon, sie wieder aus dem Organismus entfernen zu können sind wir noch weit entfernt.

Solche Temperaturen sind für die therapeutische Hypothermie aber auch gar nicht notwendig, denn 10 – 15°C Körpertemperatur reichen völlig dafür aus, dass der Mensch in eine Art Kälteschlaf verfällt – Wissenschaftler sprechen von Stasis. Sobald sich der Mensch im Kälteschlaf befindet, wird ihm das restliche Blut aus den Adern gesaugt und durch eine kalte Kochsalzlösung ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Mensch klinisch tot. Es gibt keine Atmung, kein Herzschlag und selbst die Gehirnaktivitäten fallen aus nahezu null. Ein Arzt, dem man diesen Menschen vor zehn Jahren gezeigt hätte, hätte sofort den Totenschein unterschrieben. Doch seit einigen Jahren wird diese Technik etwa bei Herzstillstandspatienten in besonders schweren Fällen angewandt. Halt, nächster Punkt: Es war also gar nicht der erste Mensch, der in Kälteschlaf versetzt wurde. In der sehr seriösen Fachzeitschrift New Scientist wurde lediglich publiziert, dass Tisherman wohl mehrere Patienten mit schweren Schuss- und Stichverletzungen mit therapeutischer Hypothermie behandelt hat.

Liegt der Mensch also mit Salzlösung in den Adern im Kälteschlaf, soll die lebensrettende OP durchgeführt und die Verletzungen geheilt werden. Dafür hat der Arzt statt weniger Minuten dann bis zu zwei Stunden Zeit. Der Grund dafür ist, das Kälte chemische Reaktionen verlangsamt, da sich Teilchen in kalter Umgebung langsamer bewegen. Auch der Tod – etwa das Absterben der Hirnzellen – ist nicht anderes als ein chemischer Prozess. Kühlt man den Körper auf 10°C, läuft dieser viel langsamer ab und somit bleibt mehr Zeit, bis irreparable Schäden an unserem Denkorgan entstehen.

Im Kälteschlaf laufen alle chemischen Prozesse deutlich langsamer ab und der Körper verbraucht weniger Sauerstoff. Daher haben Ärzte dann mehr Zeit, lebenserhaltende Maßnahmen zu ergreifen.

Das klingt schön und einfach. Der Körper wird durch Infusionen gekühlt, der Patient schläft dadurch ein, das Blut kommt raus, die Kochsalzlösung rein. Und dann wird operiert. Doch nicht grundlos genehmigte die örtliche Ethikkommission die Eingriffe nur bei Menschen mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit von unter 5%. Denn es ist bis heute (!) nicht sicher, ob das Zurückholen aus dem Kälteschlaf funktioniert. Richtig gehört: Wir wissen gar nicht, ob diese Menschen tatsächlich wiederbelebt wurden. Dies soll in der Theorie dadurch funktionieren, dass die Körpertemperatur wieder auf die üblichen 37°C gebracht wird, das Blut wieder in den Organismus gepumpt wird und der Herzschlag durch Reanimation wieder hergestellt werden soll.

Es war also nicht der erste Mensch, der in Kälteschlaf versetzt wurde, er wurde nicht tiefgekühlt und auch nicht mit Gewissheit wiederbelebt.

Letztlich bleibt also nur ein Part der oben gezeigten Titel, an dem tatsächlich etwas dran ist, nämlich der erste: Medizin-Revolution. Ja, das ist ein bedeutender technologischer Fortschritt. Menschen, der Überlebenswahrscheinlichkeit vorher gegen null ging, die mehr als die Hälfte ihres Blutes bereits verloren haben, könnten dadurch gerettet werden. Auch nach mehreren Stunden ohne Herzschlag oder spät erkannten Schlaganfällen könnte die Hypothermie den Medizinern genug Zeit verschaffen, um lebensrettende Maßnahmen im Kälteschlaf zu ergreifen. Doch es wirft auch ein ethisches Problem auf: Die nach der Definition des Todes. Diese hat sich in der Geschichte immer weiter verschoben. Vor Jahrtausenden galt ein Mensch als tot, sobald er für eine längere Zeit ohnmächtig war. Mit Puls oder Herzschlag als Lebensfunktionen war man nicht vertraut. So kam es auch immer wieder dazu, dass Menschen lebendig begraben wurden und dann im Grab wieder zu sich kamen.

Später hat man den Tod mit dem Herzstillstand definiert. Gelingt es nach einem Herzstillstand nicht, den Menschen innerhalb weniger Minuten zu reanimieren, wurde der Totenschein unterschrieben. Diese Vorstellung änderte sich mit dem Fall der schwedischen Ärztin Anna Bågenholm. Sie stürzte 1999 bei einem Skiunfall in einem zugefrorenen Bach und verbrachte 80 Minuten teils bewusstlos unter Wasser eingequetscht zwischen zwei Felsen. Als das Rettungsteam ankam und sie mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus brachte, hatte sie eine Körpertemperatur von 14,4°C, der Pupillenreflex war nicht da, es gab keinen Herzschlag mehr. Damit war Bågenholm klinisch tot. Dennoch versuchte man alles und pumpte das Blut ab, erwärmte es außerhalb des Körpers und fügte es ihr wieder zu. Und tatsächlich: Die Wiederbelebung gelang und sie blieb ohne Folgeschäden, vermutlich deshalb, weil ihr Körper im Eisbach extrem schnell stark gekühlt wurde und sie damit konserviert wurde. Als man später den Herzschlag für Operationen gezielt anhielt und anschließend wieder reanimiert, definierte man den Todeszustand neu, und zwar mit dem Hirntod. Doch Menschen in Hypothermie sind faktisch hintot, es gibt keinerlei Gehirnströme oder Funktionen mehr. Rechtlich hat Professor Tisherman seine Patienten also getötet. Es ist Zeit für eine weitere Revision des Todesbegriffes, die Unumkehrbarkeit des Hirntodes ist beendet. Daher ist es durchaus eine „Medizinische Revolution“, auch ohne hinzugedichtete oder schlicht falsche Bestandteile. Darauf zu wissen, ob die Eingriffe jedoch wirklich erfolgreich waren, müssen wir jedoch noch etwas warten. Die entsprechende Arbeit, in der auch erwähnt werden soll, wie viele solche Eingriffe Tisherman durchgeführt hat, soll Ende 2020 erscheinen.

Die Idee, Menschen in Kälteschlaf zu versetzen – etwa für die Raumfahrt – tauchte in der Science Fiction-Literatur in den 30ern erstmals auf. In der Medizin ist sie nun bei der Behandlung von Unfallopfern Realität geworden.

In Zukunft könnte diese Technologie noch verfeinert werden. Beispielsweise könnte die Spanne, in der ein Mensch ohne bleibende Schäden im Kälteschlaf verweilen kann, verlängert werden. Es wird auch an einem Medikamenten-Cocktail geforscht, der die anschließende Wiedererwärmung des Körpers erleichtern und Zellschäden verhindern könnte. Lässt sich der Prozess automatisieren, ergäben sich auch spannende Anwendungsmöglichkeiten für die Raumfahrt. Doch Tisherman kam im New Scientist auf das wesentliche zurück: „Ich möchte klarstellen, dass wir nicht versuchen, Menschen zum Saturn zu schicken. Wir versuchen, mehr Zeit zu gewinnen, um Leben zu retten.“, wird er dort zitiert. Und wenn überhaupt, dann wäre auch vor dem Saturn sowieso zuerst der Mars dran.

Holographie-Durchbruch: Forscher entwickeln fühlbares Hologramm

Eine kurze Geschichte der Holographie

Ihre heimliche Geburtsstunde hatte die Holographie bereits 1920. Der polnische Physiker Mieczyslaw Wolfke wollte die graphische Darstellung von Objekten erstmals unterteilen. Zunächst sollten die kurzwelligen Spektren aufgenommen werden, später die langwelligeren für den Menschen sichtbaren. Doch aus technischen Schwierigkeiten gelang dies erst 28 Jahre später, 1948, dem ungarischen Physiker Dennis Gábor. Damit zeigte er, dass sich die Welleneigenschaften des Lichts (nämlich die Interferenz zwischen dem reflektierte Licht und einer zugehörigen Referenzwelle) so ausnutzen lassen, dass damit Informationen über die verschiedenen Bilder gespeichert werden können. Dass er damit den Grundstein für die Erzeugung von Hologrammen legte, erkannte man erst später, daher dauerte es 23 Jahre bis man ihn 1971 mit dem Nobelpreis für Physik auszeichnete.

Doch als Gábor versuchte, erste tatsächliche Hologramme mit den Namen berühmter Physiker zu erzeugen, wurde er enttäuscht: Dunkle Flecken störten das Bild und es überlagerte sich mit einem weiteren verzerrten Bild, sodass man die Namen kaum noch erkennen konnte. Kein Wunder, aufgrund der technologischen Ausstattung musste er mit einer Quecksilberdampflampe und einer Lochblende arbeiten. 1959 gelang es den Physikern Emmett Leith und Juris Upatnieks, das störende überlagernde Bild zu entfernen und erstmals hochwertige Hologramme zu erstellen. Durch die experimentelle Realisierung des Lasers 1960 bekam die Holographie einen Vorschub, der 2018 schließlich in der Schaffung des ersten frei beweglichen Hologramms mündete, die man eigentlich erst weit in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts gesehen hat – ein entscheidender Schritt in Richtung Telepräsenz.

Ultraschall statt Laser

Doch während es in Science Fiction Serien nicht nur möglich war, Hologramme zu erzeugen, zu sehen und zu bewegen, sondern auch sie zu spüren, zu hören und mit ihnen zu interagieren, fehlte diese Komponente bisher bei realen Hologrammen. Dies konnte durch ähnliche Technologie behoben werden, mit der man 2018 das erste bewegliche Hologramm erschuf. Dort leuchtete man mithilfe eines präzisen Lasers Partikel an, deren Leuchten das Hologramm erzeugte. Ryuji Hirajama und sein Team ersetzen Laser durch Ultraschalltöne. Da sich auch Schall durch ein Feld, nämlich ein akustisches Feld, beschreiben lässt, welches einen eigenen Druck ausübt, können dadurch die Teilchen zum Schweben gebracht und dann beleuchtet werden.

Mithilfe eines Lasers wurden zunächst winzige Partikel angeleuchtet, die dann das Hologramm erzeugt haben.

Dieses Modell steckt natürlich noch mitten in der Forschung und derzeit ist es auch noch etwa mikrowellengroß und man erstellte Hologramme von sich bewegenden Buchstaben, einem Globus, einem Zauberwürfel und mehr. Die Auflösung lasse sich allerdings noch verbessern, der Aufwand dafür sei überschaubar.

Taktiles Feedback und Akkustik

Da Ultraschall zwar für das menschliche Ohr nicht hörbar ist, aber dennoch ein Energieträger, wodurch entweder Geräusche erzeugt werden können oder aber auch unsere Haut stimuliert wird. Somit fühlt man Widerstand und eine Art Kribbeln, wenn man das Hologramm berührt, in etwa als würde man ein normales Objekt anfassen. Ein Sensor überwacht das Hologramm und erkennt, wenn man sich ihm nähert. Dann werden die Ultraschallwellen an der Stelle, wo man das Hologramm berührt, komprimiert und üben somit Gegendruck aus. Ein Schall von ungefähr 150 Dezibel entspricht dann einem Kribbeln am Finger. Auch in Ton lassen sich diese Wellen umwandeln, bisher aber nur in eher primitive Töne.

Fast wie das Holodeck

Noch ist diese neue Technik ganz am Anfang. Die Auflösung ist noch spärlich, die emittierten Töne spärlich und die Unterschiede zu einem realen Objekt noch deutlich zu fühlen. Dennoch kommt dieses Hologramm schon sehr nah an die in Filmen gezeigten heran. in Zukunft möchte man mit noch höheren Frequenzen noch deutlichere Sinneseindrücke hervorrufen, die Auflösung verbessern und komplexere Töne ermöglichen. Dann wären eines nicht allzu fernen Tages vielleicht Hologramme möglich, die sich nicht mehr von realen Objekten unterscheiden lassen.

Die Erfolge der Neven Subotic Stiftung

Im letzten Beitrag über die Neven Subotic Stiftung beschrieb ich die Arbeit der Neven Subotic Stiftung, was nachhaltig bedeutet und erklärte die Lage in der Tigray-Region im Norden Äthiopiens. Es gibt noch viel zutun, das ist im Grunde genommen die Moral des Artikels. In diesem Beitrag möchte ich jedoch auf die bisherigen Erfolge der Neven Subotic Stiftung eingehen. Tatsächlich hat sich der Zugang zu Trinkwasser in letzter Zeit nämlich verbessert.

Insgesamt hat die Neven Subotic Stiftung Projekte in 59 Gemeinden und 57 Schulen.

Die Neven Subotic Stiftung setzt sogenannte WASH-Projekte durch. WASH steht für Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene. Neben den 116 fertiggestellten WASH-Projekten sind derzeit 121 weitere Projekte in Bearbeitung. Die Trinkwasserquellen sollen mindestens 25 Liter pro Tag und Person bereithalten und nicht weiter als 1 Kilometer entfernt sein.

Die Neven Subotic Stiftung hat insgesamt 237 abgeschlossene und laufende Projekte.

Wobei ein Projekt nie wirklich abgeschlossen ist. Denn auch nachdem der Brunnen mit Pumpe gebaut ist, der die Menschen mit Wasser versorgt, ist die Arbeit noch nicht getan. Die Brunnen werden regelmäßig gewartet und die Schulungen der Menschen im Umgang mit Wasser fortgesetzt. So ist Neven jedes Jahr in Äthiopien und vergewissert sich nach dem Stand laufender Projekte, trifft aber auch die Bevölkerung der Gemeinden mit abgeschlossenen Projekten, wodurch ein langfristiger Kontakt entsteht.

Von den 116 fertiggestellten WASH-Projekten profitieren 49.440 Menschen in der Tigray-Region. Diese Menschen haben jetzt Zugang zu hygienischem Wasser ohne viele Kilometer täglich durch die Wüste laufen zu müssen und dabei mehrere Kilo schwere Kanister tragen zu müssen.  Zudem wissen diese Menschen wie sie mit Wasser umgehen müssen und wie sie den Brunnen in Stand halten. So wird vor Ort die Basis für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben gesetzt. Die Kinder müssen nicht mehr Wasser holen und können somit in die Schule gehen, irgendwann einen Beruf erlernen und den wirtschaftlichen Aufschwung stärken. Es gibt kein wirksameres Mittel gegen Krisen als Bildung. Durch die Verbesserung des Lebensstandards sinkt auch die Geburtenrate, die derzeit ein Hauptgrund für die Armut vieler Familien und des Landes überhaupt ist.

Außerdem gibt es in Schulen dann hygienische Sanitäranlagen. Dies sorgt dafür, dass sowohl Jungen als auch Mädchen die Schule besuchen können und auch die Frauen später eine berufliche Laufbahn anstreben können, was die Geburtenrate abermals dämpft und damit die Entwicklung des Landes fördert. Von der Gesamtanzahl der abgeschlossenen und laufenden Projekte werden 83.098 Menschen profitieren, die dann Zugang zu WASH haben werden. In der gesamten Tigray-Region haben 38% der Menschen Zugang zu Trinkwasser und Sanitäranlagen.

Durch den Zugang zu WASH steigt selbstverständlich auch die Lebenserwartung, die derzeit in Äthiopien ca. 65 Jahre beträgt. Das ist im Gegensatz zu den 80 Jahren in Deutschland gering, aber es geht rapide bergauf. 1960 lag die Lebenserwartung in Äthiopien noch bei 38 Jahren. Jemand der in Deutschland als junger Mann gilt wäre in Äthiopien also wahrscheinlich schon tot gewesen. Die niedrige Lebenserwartung in Äthiopien ist jedoch vor allem auf die hohe Kindersterblichkeit zurückzuführen. Doch auch hier ist ein positiver Trend zu verfolgen. 2007 gab es in Äthiopien von 1000 Geburten 99 Todgeburten. 2017 sind es nur noch 58,5 (Deutschland 3,8), was natürlich in seiner Höhe immer noch ein völler unhaltbarer Zustand ist. Schließlich vollenden in Äthiopien sehr viele Kinder das fünfte Lebensjahr nicht. Dem kann man entgegenwirken, etwa mit besserer Hygiene oder Impfungen. Zu all dem leisten WASH-Projekte ein Beitrag, denn Kinder die zur Schule gehen können irgendwann auch Ärzte werden, die die nächste Generation von Kindern versorgen. Die Arbeit der Neven Subotic Stiftung verbessert die Situation in Äthiopien also auf allen Ebenen. Dadurch, dass jeder Spendeneuro 1 zu 1 in ein Projekt fließt und sich neben Brunnenbau auch um Schulung mit Wasser und Wartung der Brunnen gekümmert wird. Insgesamt hat die Neven Subotic Sitftung für 50.000 Menschen nachhaltig Zugang zu sauberem Trinkwasser geschaffen. Dies gelang durch sehr effizientes Management. Jedes Projekt wird in vier Phasen eingeteilt. In Phase 1 finden die Partner der Stiftung vor Ort die beste Lösung, um den Brunnen zu bauen und Wissenschaftler identifizieren den Ort, an dem der Brunnen gebaut werden soll. In Phase 2 werden die Kosten ermittelt und die Spendengelder den jeweiligen Projekten zugeteilt. Dann werden die Partner vor Ort organisiert, die in Phase 3 dann aktiv werden, bis zum Grundwasser bohren und die Pumpe installieren. Die Gemeindemitglieder werden in den Bau mit einbezogen und so bereits am Anfang geschult. Phase 4 beschreibt alles was nach dem Bau des Brunnens geschieht und wird von der Neven Subotic Stiftung selbst als wichtigste Phase bezeichnet. In Phase 4 wird geprüft und dokumentiert. Es wird genau aufgezeichnet, welche Funktionen nicht erfüllt werden. Diese werden dann behoben. Außerdem wird die Anzahl der profitierenden Menschen verfolgt und das gewonnene Wissen als Basis für zukünftige Projekte genutzt. Die Stiftung ist sich bewusst, dass sie viel erreicht hat, doch es wird eingeräumt, dass es noch viel zu tun gibt. Die Stiftung ist als langfristiges Projekt konzipiert, welches auch Pläne für die Zeit nach Nevens aktiver Fußballkarriere hat – zu wünschen wäre es, dass bis dahin keine Stiftungen mehr notwendig sind, sie sich darum kümmern müssen, dass Menschen Zugang zu Wasser haben.

  

Crowdfundingfazit „(T)raumschiff Erde“

Das Crowdfunding für mein Buch (T)raumschiff Erde ist nun fast beendet. In diesem Beitrag möchte ich auf einige Zahlen eingehen, Bilanz ziehen und auch einen kleinen Einblick in die Zukunft geben. Eine Übersicht aller Beiträge, die im Rahmen meines Crowdfundings erschienen sind findet man hier.

12.146 € Euro wurden bisher durch das Crowdfunding gesammelt.

Diese Zahl ist natürlich ein voller Erfolg, trotz aller Analyse sollte man das festhalten. Unsere (eher Papsis) Sorgen um das Erreichen der Fundingschwelle erwiesen sich schon schnell als grundlos.

1966,50 € haben mir Menschen ohne eine Gegenleistung gegeben.

Mmh, natürlich freue mich darüber. Aber warum sich Spender von 20 Euro und mehr mein Buch nicht sichern möchten macht mich ein wenig ratlos. Schließlich ist die Verbreitung der Botschaft, neben der Brunnenfinanzierung ein entscheidendes Ziel. Ich gehe mal davon aus, dass diese Spenden nicht Mitleid geschuldet waren, sondern dem Vertrauen damit was Gutes zu unterstützen.

430 Menschen haben das Crowdfunding unterstützt.

Das ist immer eine Frage des Blickwinkels. Natürlich ist mir das zu wenig. Andererseits ist das Buch halt auch inhaltlich was völlig anderes, wo man sich vielleicht eher einen Harald Lesch kauft als einen Jason. Ich arbeite daran, dass die Käufer dies nicht bereuen werden. Von diesem Hardcover wird es in dieser Form wohl maximal 500 Stück geben. Nicht auszudenken, was dies in wenigen Jahren wert ist, wenn ich relevante wissenschaftliche Preise erhalte und es das Buch ist, welches den Beginn einer Verhaltenswende in dieser Gesellschaft bildete.

413 Exemplare von „(T)raumschiff Erde“ wurden bisher gesichert.

Diese Zahl liegt unter dem, was ich erwartet habe, was aber einen im Kern guten Grund hat, um den es am Ende dieses Beitrags gehen wird. Daher werden wir in den nächsten Tagen entscheiden, ob wir eine Auflage von 500 oder von 1000 Stück drucken lassen werden, die sich kostentechnisch nur minimal unterscheiden. So schön es auch ist, dass ich dennoch das viele Geld gesammelt habe, bleibt festzuhalten, dass dies nicht mein Ziel ist und war. Ich hoffe, dass durch die großzügige Unterstützung genug Geld zusammenkommt, damit das E-Book eine weit größere Anzahl an Menschen erreicht. Dennoch hoffe ich, dass auch dieses limitierte Hardcover noch von möglichst vielen Menschen gekauft wird. Es lohnt sich, versprochen. Die ursprünglich geplante Auflage des limitierten Hardcovers: 1968 Stück. 1968 war die legendäre Apollo 8-Mission, bei der das Foto Earthrise entstand, welches den Menschen die Verletzlichkeit unseres Planeten demonstrierte.

656 Mal wurde der Veröffentlichungsbeitrag auf Twitter geteilt.

Nach dem etwas holprigen Start war die Twitter-Bilanz dann doch noch okay, obwohl ich mit mindestens 1000 Teilungen gerechnet habe. Über Twitter generiere ich einen Großteil meiner Reichweite auch für Blogartikel und Podcastfolgen und auch beim Crowdfunding hat die Twitter-Gemeinde mich tatkräftig unterstützt. Das hat mich gefreut und irgendwo auch beruhigt. Ich bin mir sicher, dass der weiße Haken nicht mehr lange auf sich warten lässt.

20 Beiträge sind zur Bewerbung meines Buches erschienen.

Die Beiträge sind das Rückgrat meiner Kampagne und garantieren zum einen, dass eine konstante Aufmerksamkeit entsteht, ermöglichen aber auch dem Leser ein Blick hinter die Kulissen und präzisieren noch einmal einzelne Aspekte des Buches, wie den Druck, das Cover, die Entstehung und mein Buch als Weihnachtsgeschenk. Fast jeden Tag ist ein Beitrag in Form von Blogpost, Podcast oder Video erschienen, der dem Leser einen anderen Aspekt meines Buches gezeigt hat. Was sich aber auch feststellen lässt, dass nicht mehr viel gelesen wird bei uns im Blog. Papsis Schuld. Das hat er vernachlässigt. Alles in allem haben die 19 Beiträge nun 0,5 % der Reichweite, die ich mit der Bild am Sonntag Kooperation hätte haben können. (Nein, bereue ich nicht, macht nur nachdenklich.)

7200 Menschen* haben die Beiträge zur Bewerbung des Buches gelesen.

Das ist in Anbetracht des Aufwands schon heftig. Ich verstehe Papsi jetzt ein bisschen mehr, wenn er sagt wie sollten diesen ganzen Statistik-Quatsch ausschalten. Motivierend ist das selten. Dass dies eigentlich nur die Anzahl an Aufrufen ist und nicht die Anzahl an Menschen macht es nicht einfacher. Dennoch bin ich weiterhin bekennender Fan der Statistik und auch, wenn dies vielleicht etwas unromantisch erscheint, brauche ich nunmal Zahlen zur Bilanzierung und messe daran den Erfolg meiner Online-Tätigkeiten. Und wenn sie nur dazu da sind, um über sie öffentlich zu meckern.

74 Menschen haben mir ohne ein Dankeschön Geld zukommen lassen.

Diese Zahl war für mich persönlich die größte Überraschung. Es zeichnete sich schon relativ früh ab, dass wir die Fundingschwelle wohl erreichen werden, doch die Anzahl der verkauften Bücher war wie schon gesagt unverhältnismäßig gering. Lange habe ich gerätselt und mir Sorgen gemacht, ob die Kalkulation nicht fehlerhaft war, denn sie ergab, dass ich in etwa 1000 Bücher verkaufen müsste, um überhaupt nur die Kosten zu decken. Positiv zerstört wurde die Kalkulation dadurch, dass viele Menschen mein Projekt einfach so unterstützt haben, ohne sich dabei eines der auf Startnext zu sehenden Dankeschöns zu sichern, wie in etwa das Buch.

Was bedeutet das? Bis jetzt war das Crowdfunding ein sehr guter Anfang. „(T)raumschiff Erde“ ist nun veröffentlicht und ich habe sogar minimal daran verdient. Somit konnte ich meine Botschaft in einem ersten kleinen Schritt in die Welt hinaustragen. Doch das kann nur der Anfang sein. Das Geld, welches durch die Crowdfunding-Kampagne verdient wurde, darf nun nicht als Selbstzweck betrachtet werden, sondern muss nun sinnvoll eingesetzt werden, um mit „(T)raumschiff Erde“ viel mehr Menschen zu erreichen und zu einer Verhaltenswende zu bewegen und auch mein Versprechen einzulösen, 50.000 Euro für die Neven Subotic Stiftung zu sammeln.

1 Nazi trieb sein Unwesen.

Torsten Morisse, Todesstrafenbefürworter und nicht ganz fit bezüglich der Verwendung von GEZ-Gebühren habe ich es zu verdanken, dass wir wieder liebevolle Post bekommen haben. Sein Versuch mich bei Facebook zu entmenschlichen erhielt mehr Teilungen als mein Originalaufruf, obwohl ich doch eine gute Sache vorhabe. Menschen meldeten sich, die nur spenden würden um mich in ein Pflegeheim zu stecken, mir eine Lagerzukunft prognostizierten oder mit Papsi im Wald spazieren gehen wollen. Was auf Facebook seit einigen Monaten abläuft sorgt mich nicht wegen mir oder wegen Papsi, sondern in Anbetracht unserer Gesellschaft. Insgesamt bleibt dennoch festzuhalten, dass die vernünftigen und anständigen Menschen nicht nur in der Überzahl waren, sondern sich in überragender Dominanz zeigten – machmal, wie im Allatg auch immer, müssten sie sich vielleicht nur etwas lauter machen. Ich hatte erst in Erwägung gezogen Herrn Morisse eines meiner gratis Bücher zuzusenden. Nach meiner kurzen Recherche befürchte ich allerdings, dass er es nicht verstehen würde.

4212 Menschen haben die Crowdfundingseite aufgerufen.

In Anbetracht dessen, dass Startnext mit einem Schnitt von ca. 1 € pro Besucher plant, habe ich wohl sehr großzügige Unterstützer.

3 Crowdfundingvideoversuche hat es gebraucht.

Unser Plan ein filmisches Meisterwerk in beeindruckendem Ambiente zu produzieren, endete mit einer Aufnahme in meinem Zimmer. Die anderen Versuche waren sehr lustig. Vielleicht machen wir mal ein Video mit Outtakes.

Was bedeutet das? Bis jetzt war das Crowdfunding ein guter Anfang. „(T)raumschiff Erde“ ist nun veröffentlicht und ich habe sogar minimal daran verdient. Somit konnte ich meine Botschaft in einem ersten kleinen Schritt in die Welt hinaustragen. Doch das kann nur der Anfang sein. Mit 500 Büchern und 7200 Aufrufen schafft man keine Revolution. Daher muss es jetzt zügig weitergehen. Das Geld, welches durch die Crowdfunding-Kampagne verdient wurde, darf nun nicht als Selbstzweck betrachtet werden, sondern muss sinnvoll eingesetzt werden, um mit einem Taschenbuch und einem E-Book „(T)raumschiff Erde“ viel mehr Menschen zu erreichen und zu einer ökologischen Verhaltenswende zu bewegen und auch mein Versprechen einzulösen, 50.000 Euro für die Neven Subotic Stiftung zu sammeln. Oder wie es die HNA ausgedrückt hat: Um die Welt zu retten.

Die Arbeit der Neven Subotic Stiftung.

Dies ist ein Beitrag, der im Rahmen einer Reihe rund um ein Crowdfunding für mein Buch (T)raumschiff Erde entstanden ist. Das Buch kannst du dir jetzt exklusiv als Hardcover für dich oder deine Lieben als Weihnachtsgeschenk sichern. Gleichzeitig unterstützt du die Trinkwasserversorgung in Nord-Äthiopien. Wie? Das verrate ich dir im Crowdfunding-Video. Eine Übersicht über alle Beiträge zum Titel des Buches, wo ich es drucken lasse, warum ich überhaupt ein Buch geschrieben habe und viele weitere Infos findest du hier.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und Hören und würde mich freuen, wenn ihr mich dabei unterstützt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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Äthiopien & die Neven Subotic Stiftung

Wie ich im Beitrag über die Entstehungsgeschichte des Buches schrieb, hat das Buch seinen Ursprung in unserer Benefiz-Lesereise zu Gunsten der Neven Subotic Stiftung. Diese wiederum hatte ihren Ursprung in Papsis Versprechen, dass die Welt bis er nicht mehr da ist ganz sicher eine bessere sei. Dieses Versprechen gab er mir 2014 und es schien plausibel, schließlich entwickelte sich immer alles zum besseren, die Erde wurde in den letzten Jahrhunderten zu einem immer besseren Ort. Nach der Wahl in den USA, dem Aufstieg der AfD und der Tatsache, dass der Klimawandel wieder öffentlich in Zweifel gestellt wird fragte ich 2016 dann mal nach, wie es denn so aussehe mit der besseren Welt. Papsi gab zu, dass es nicht ideal lief, wir als zwei Menschen aber ja auch nichts tun könnten. Wenn nicht Menschen etwas tun, wer denn dann, fragte ich mich. Und wenn nicht wir, wer denn dann? Das war der Beginn unserer Lesereise. Wir wählten schnell die Neven Subotic Stiftung als Partner aus, die sich um den nachhaltigen Brunnenbau in Äthiopien kümmert. Genaueres zur Arbeit der Stiftung wird in diesem Beitrag erklärt.

Äthiopien ist ein Binnenstaat im Osten Afrikas und der einwohnermäßig größte Staat, der keinen Zugang zum Meer hat weltweit. 105,3 Millionen Menschen leben in dem Land. Im Index der menschlichen Entwicklung ist Äthiopien Schlusslicht und belegt Platz 174 von 188. Doch seit einiger Zeit tut sich etwas. Immer mehr Menschen streben auch in Äthiopien eine Schulausbildung an und wollen den westlichen Lebensstandard oder zumindest den Mindeststandard für ein menschenwürdiges Leben erreichen. Daher ist Äthiopien weltweit das Land mit der am schnellsten wachsenden Wirtschaft. 2017 hatte es eine Wachstumsrate von 8,3%. Was jedoch eben so schnell wächst wie die Wirtschaft ist die Bevölkerung. Bis zu 3% wächst die äthiopische Bevölkerung jedes Jahr, weltweit sind es 1,2%, in Deutschland 0,4%. Die Menschen in Äthiopien sind mit wenig zufrieden, doch sie wissen, dass die zu den ärmsten der Welt gehören. Äthiopien ist das Land, in dem einst die ersten Menschen leben und das Land wurde in 3000 Jahren nur einmal besetzt. Daher entwickelte sich die äthiopische Gesellschaft lange isoliert und ungestört, ein Grund dafür, dass Äthiopien ein christliches Land ist und große kulturelle Unterschiede zu Nachbarländern wie Eritrea oder Somalia aufweist. Doch die autoritäre Regierung, der lange Krieg und die Lage in der Wüste machen das Land dennoch zu einem sehr armen Land. So haben über die Hälfte der Menschen in Äthiopien keinen Trinkwasserzugang und über ein Drittel lebt in extremer Armut. Die Projekte der Neven Subotic Stiftung sind in der Tigray-Region.

Die Tigray-Region gehört zu den ärmsten Regionen Äthiopiens und liegt im Norden des Landes. Bis zur Jahrtausendwende wütete dort der Äthiopien-Eritrea-Krieg, dem hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. Nachdem Äthiopien die umstrittenen Regionen besetzte kehrte jedoch keine Ruhe ein. Die marxistische Regierung wurde gestürzt und seitdem wird Tigray von der sozialdemokratischen „Revolutionären Demokratischen Front Äthiopischer Völker“ regiert. Die Region liegt im Hochland und ist sehr gebirgig. Über 4,3 Millionen leben in der Tigray-Region, 80,5% davon aus dem Land (weltweit 45%, Deutschland 25%). 95,6% der Bevölkerung ist christlich. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft.

Äthiopien ist ein Land voller Chancen und voller Willen, ein besseres Leben zu erreichen und ein Teil der globalisierten Welt zu werden. In Äthiopien gibt es schier endlose Energieressourcen, touristisch interessante Ziele und ehrgeizige Menschen. Doch gewisse Grundvoraussetzungen sind nötig, um sich zu entfalten und ein menschenwürdiges Leben zu haben.

663.000.000 Menschen auf der Erde haben keinen direkten Trinkwasseranschluss.

Das entspricht:

  • Über achtmal der Bevölkerung Deutschlands.
  • Drei von zehn Menschen auf der Erde.

Und das in einem Zeitalter, in dem Menschen im All leben, wir klonen und unser Erbgut verändern können. Dennoch schaffen wir es nicht, jedem Menschen auf der Erde den Zugang zu Wasser ermöglichen. Es scheint, als wäre durch die Globalisierung jeder Ort auf der Erde nur wenige Meter entfernt. Doch uns Europäern scheint es häufig so, als seien diese Länder auf der anderen Seite der Galaxis.

1000 Kinder sterben täglich an den Folgen verunreinigten Wassers.

Das entspricht:

  • 42 Menschen pro Stunde.
  • Etwa drei Menschen in zwei Minuten.

6 von 10 Menschen haben keinen Zugang zu einer Toilette.

Dass eine solche Katastrophe auf der Erde passieren kann, ohne dass sich jemand daran zu stören scheint ist beängstigend. Doch nicht alle sind so. Einige Menschen scheint dies zu stören. Einer davon ist Neven Subotic, ein Profilfußballer der lange bei Borussia Dortmund spielte und heute in einem der schönsten Stadien Deutschlands spielen darf. 2012 gründete er die Neven Subotic Stiftung. Warum wir uns für die Neven Subotic Stiftung entschieden haben?

  • Weil Wasser das elementarste Grundrecht eines Menschen ist und 2010 zum Menschenrecht erklärt wurde.
  • Weil jeder Spenden-Euro gezielt in ein Projekt fließt und es keine Abzüge für Verwaltungs- und Reisekosten gibt. All diese Kosten übernimmt Neven Subotic.
  • Weil der Brunnenbau der Neven Subotic Stiftung nachhaltig ist und eine Perspektive auf Bildung und Sicherheit bietet.

Wie das konkret vor Ort funktioniert erklärt euch am besten der Gründer selbst.

Der 28.07.2010 ist ein großer Tag. Denn an diesem Tag erklärte die UN den Zugang zu Wasser offiziell zum Menschenrecht. Eigentlich. Dennoch ist dieses Recht für die meisten Menschen auf der Erde nicht erfüllt. Ziel der UN ist es bis 2030 einen einfachen Zugang zu Wasser und Hygiene auf der ganzen Welt zu schaffen. Sollte es so lange dauern, werden bis dahin noch über 4 Milliarden Kinder an den Folgen verunreinigten Wassers sterben, das ist mehr als die Hälfte der derzeitigen Weltbevölkerung. Die Neven Subotic Stiftung orientiert sich an den Standards der äthiopischen Regierung. Derzeit können viele Kindern nicht zur Schule gehen, da sie die meiste Zeit des Tages Wasserkanister viele Kilometer durch die Wüste tragen müssen. Außerdem gibt es in vielen Schulen keine geschlechtergetrennten Toiletten, daher könnten – wenn überhaupt – nur die Jungen in die Schule gehen. Daher ist Wasser der Schlüssel zu allen anderen Grundrechten und haben wir uns entschlossen die Neven Subotic Stiftung zu unterstützen.

Du hast Fragen zur Arbeit der Stiftung? Setze sie als Kommentar unter diesen Beitrag oder sende Sie uns per Mail an wochenendrebell@wochenendrebell.de. Im Rahmen einer Podcastfolge führen wir demnächst ein Interview mit dem Team der Stiftung, wo sie ihre großartige Arbeit erklären und auch deine Fragen beantworten können.

Das Crowdfunding-Video:

Das Crowdfunding-Video zum Teilen und Verbreiten. Am besten mit Crowdfunding-Link. 😉

Wieso mein Buch nachhaltig produziert werden muss.

Dies ist ein Beitrag, der im Rahmen einer Reihe rund um ein Crowdfunding für mein Buch (T)raumschiff Erde entstanden ist. Das Buch kannst du dir jetzt exklusiv als Hardcover für dich oder deine Lieben als Weihnachtsgeschenk sichern. Gleichzeitig unterstützt du die Trinkwasserversorgung in Nord-Äthiopien. Wie? Das verrate ich dir im Crowdfunding-Video. Eine Übersicht über alle Beiträge zum Titel des Buches, wo ich es drucken lasse, warum ich überhaupt ein Buch geschrieben habe und viele weitere Infos findest du hier.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und Hören und würde mich freuen, wenn ihr mich dabei unterstützt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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Ökologie, Nachhaltigkeit und Verantwortung.

Fast alles was man tut verursacht CO2. Und fast immer wenn man sich deutlich zum Klimaschutz positioniert, erntet man Häme, was man in seinem eigenen Leben alles falsch macht, wenn es um Umweltschutz geht. Ich gehe im Umweltschutz in jedem Bereich in drei Schritten vor. Zuerst optimiere ich mein eigenes Verhalten bestmöglich. Und mit bestmöglich meine ich bestmöglich. Ich gehe dann nicht soweit, wie es ökonomisch, wirtschaftlich oder zeitlich sinnvoll ist, ich gehe auch nicht soweit, bis ich das beste Umwelt-Kosten-Verhältnis habe und auch nicht soweit wie Umweltschutz und Aufwand in einem gesunden Verhältnis stehen. Ich gehe soweit, bis sich nichts mehr verbessern lässt – in allen Lebensbereichen. Denn wenn man das geschafft hat, dann hat man erstens natürlich viel für das Klima getan, kann aber zweitens auch auf solider Basis andere Menschen auffordern, auch etwas zutun und ist resistent vor Angriffen aus dem rechten Rand, die in den letzten Wochen und Monaten massiv zunahmen, sicherlich auch nicht weniger werden, wenn man sich ökologisch verantwortungsvoll verhält, aber da geht es mir ums Prinzip.

Schritt zwei ist, die Menschen zu denen ich direkten Zugang habe zu „missionieren“. Das Wort missionieren wurde hier bewusst gewählt, denn es ist kein freundliches darauf hinweisen, dass man das und das bei Gelegenheit mal verbessern könnte. Freiwillige Verbesserungen sind quasi wirkungslos, das ist die Lehre die man drei Jahrzehnten deutscher Umweltpolitik entnehmen kann. Man muss Druck ausüben – der Zweck rechtfertigt die Mittel. Manchmal reicht es, einfach Fakten vorzulegen, manchmal muss man die Menschen dann schon unter Druck setzen, um etwas zu erreichen. Das funktioniert bei mir beides recht gut. Ich esse kein Fleisch mehr, werde bald Veganer werden, fahre so gut wie nie Auto (auch bei Fahrten, bei denen ich für 20 Kilometer sechs Stunden brauche oder erst deutlich nach Mitternacht zu Hause bin) und kompensiere nicht vermeidbare Emissionen bestmöglich. Auch zu Lesungen und Veranstaltungen, die bis in den letzten Winkel Deutschlands und darüber hinaus verteilt sind, fahre ich immer mit dem Zug, genauso wie ich zum Forschungszentrum, an dem ich zur Chaostheorie forsche mit dem Bus fahre, der dreimal so lange braucht wie das Auto. In der Missionierung meines direkten familiären Umfeldes bin ich ebenfalls weit gekommen. Durch bloße Darlegung von Fakten konnte ich meine Familie etwa dazu bringen maximal zweimal die Woche Fleisch zu essen, das entspricht bei uns alleine durch Papsis früheren exzessiven Fleischkonsum sicherlich 75-80% Reduzierung innerhalb eines Jahres. Das ist gut – aber nicht genug, das weiß ich. In Sachen Mobilität arbeite ich noch. Wir wohnen auf dem Dorf und dennoch schaffte ich es, dass bei uns so etwas wie eine „Autoscham“ einsetzte – teilweise wurde es unangenehm Auto zu fahren. Förmlich wurde dies mit der familieninternen CO2-Abgabe, die Fleisch und Autofahren wieder zu dem degradieren, was sie sind – Privilegien, keine Menschenrechte. In Schritt 1 und 2 läuft es aber. Mein Buch soll Schritt 3 darstellen. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mit derselben Kraft viel mehr erreichen kann, wenn ich mich an die Öffentlichkeit wende, als wenn ich versuche drei von 7,6 Milliarden Menschen noch die letzten Pfündchen CO2 auszutreiben. Doch wie bei allem, mit dem man belehren möchte (ich sehe mich eigentlich nicht als Lehrer in diesem Buch, aber dennoch ist es eine Form von Belehrung), muss man darauf achten, dass man sich nicht unglaubwürdig macht, indem man dem Vorwurf der Menschen gerecht wird, man würde Wasser predigen und Wein saufen. Außerdem sollte man natürlich darauf achten, dass durch so ein Projekt nicht mehr CO2 emittiert wird als eingespart.

Daher habe ich natürlich besonders ökologische Ansprüche an den Druck meines Buches, die aber wiederum mit einem gewissen finanziellen Aufwand verbunden sind. Dennoch sehe ich es auch hier als wichtig an, meinen Prinzipien treu zu bleiben. Ein gewisses Abwägen ist jedoch immer notwendig. Schließlich soll dieses Buch die Menschen dazu bewegen, umweltfreundlicher zu leben. Je mehr Menschen es erreicht, desto mehr CO2 wird eingespart. Es gilt also ein bestmögliches Gleichgewicht herzustellen, sodass das Buch insgesamt die beste ökologische Wirkung erzielt. Zunächst suchte ich also eine Druckerei für das Buch, die es unter folgenden ökologischen Anforderungen drucken kann:

  • Der Druck soll auf Recyclingpapier erfolgen.
  • Das Papier soll bereits klimaneutral produziert werden und nicht über Kompensation „künstlich“ klimaneutralisiert werden.
  • Der Transport muss klimaneutral erfolgen.
  • Es dürfen keine Einschweißfolie, Folienbeschichtung oder Kunststoffe verwendet werden.
  • Die Versandverpackung muss klimaneutral produziert worden sein.
  • Die Druckerei selber soll einen ökologischen Betrieb mit Ökostrom sein.
  • Die Farben und die Verleimung sollen möglichst ökologisch sein.

Es gibt circa 6000 Druckereien in Deutschland, die meisten erfüllen diese Bedingungen natürlich nicht. 30 der Druckereien sind EMAS III – zertifiziert. Das ist ein Umweltzertifikat auf Europäischer Ebene, der an Betriebe verliehen wird, die große Leistung auf dem Gebiet des Umweltmanagements leisten. Auch für das Papier gibt es Auszeichnungen, etwa der Blaue Engel, der das zuverlässigste Siegel in Deutschland auf diesem Gebiet ist. Sind alle diese Bedingungen erfüllt, so sind die Emissionen auf ein Minimum reduziert. Dann beginnt die Phase der Klimakompensation, alle Emissionen die sich also nicht vermeiden lassen, werden durch Klimaprojekte in anderen Ländern, die dadurch finanziert werden ausgeglichen. Diese Praxis wird natürlich scharf kritisiert, ja, sogar mit modernem Ablasshandel verglichen. Tatsächlich muss man das etwas differenzierter betrachten. Wenn Emissionen kompensiert werden, dann sind die Emissionen neutralisiert. Doch langfristig kann Kompensation nicht die einzige Lösung sein, denn alle Kompensationsprojekte laufen auf der Südhalbkugel. Die Emissionen der Südhalbkugel betragen ungefähr die Hälfte der globalen Emissionen. Würden also alle Menschen der Nordhalbkugel ihre Emissionen nun kompensieren, aber selbst so weiter machen, würden sich unsere globalen Emissionen halbieren. Doch die Halbierung reicht nicht, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, daher reicht auch Kompensation alleine für ein klimafreundliches Produkt nicht.

Nicht um sonst war der Begriff „klimaneutral“ 2007 als Unwort des Jahres nominiert. Denn es ist kein geschützter Begriff und es gibt auch keine Kontrollinstanzen. Ein umweltschädliches Produkt kann auch komplett kompensiert werden und sich dann klimaneutral nennen. Genau so soll es eben bei meinem Buch nicht sein. Die Produktion des Papiers soll von sich aus – ohne Kompensation – klimaneutral sein. Erfahrt in diesem einem Podcast-Interview für welche Druckerei ich mich entschieden habe und ob alle Bedingungen erfüllt werden. Außerdem seht ihr in diesem Video, wie ökologisch meine Anreise war und wie in einer Ökodruckerei gearbeitet wird.

https://youtu.be/kgr5JxS8x80

Das Crowdfunding-Video:

Das Crowdfunding-Video zum Teilen und Verbreiten. Am besten mit Crowdfunding-Link. 😉