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97 Mathematische Grundlagen Astrophysik

Mathematische Grundlagen der Astrophysik. Uff. Als Steady-Unterstützer darf man sich das Thema einer Folge wünschen und ich bin mir sicher Kai hat es gut gemeint und hegt keinerlei Groll mir gegenüber. Nun denn, dies ist dabei herausgekommen.

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Mathematische Grundlagen Astrophysik

00:00:55 Intro überspringen

00:01:03 Einleitung- Astrophysikalische Grundlagen

00:03:53 Was ist Astrophysik?

00:04:20 Keplersche Gesetze

00:04:54 Kreisbahn vs. Ellipsen

00:06:00 Energetische Vorteile der Kugelform

00:08:10 Ästhetik in der Wissenschaft

00:08:51 Die Epizykeltheorie

00:10:41 Astrophysik in zwei Sätzen

00:11:06 Mathematik und Astrophysik: Mathematische Grundlagen Astrophysik

00:11:20 Die Natur der Mathematik

00:12:44 Historische Rolle der Keplerschen Gesetze

00:13:18 Die Gegenerde

00:14:12 Kernfusion

00:14:36 Innere Dynamik von Sternen

00:15:08 Entstehung von Sternen

00:15:53 Das Gasgesetz

00:16:10 Wasserstoffbrennen über die Proton-Proton-Reaktion

00:19:09 Schalenbrennen

00:23:43 Die Sonne als Roter Riese

00:24:50 Fusionsprozesse in massereichen Sternen

00:26:40 Keine Supernova bei Betelgeuse?

00:28:05 Lichtlaufzeiten

00:29:56 Atombau

00:31:02 Neutronensterne

00:34:08 Raumkrümmung oder warum man auf Neutronensternen seinen Hinterkopf sehen kann

Dies ist eine Radiorebell-Episode mit dem Wochenendrebellen-Wochenrückblick eines von aktuell zwei Formaten innerhalb des Radiorebell-Podcasts. Jede Woche blicken wir auf unsere ganz persönliche Woche zurück und suchen uns aus verschiedenen Themenblöcken ein Thema aus. In der „Klage der Nation“ könnte es um Themen gehen, die viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten, vielleicht besprechen wir einen Film oder Jason erklärt mir ein wissenschaftliches Phänomen. Vielleicht küren wir auch den Horst der Woche oder analysieren die Herkunft eines schönen Wortes.

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Doomsday Clock: Es ist mehr als fünf vor zwölf

Seit 1947 ist viel Scheiße passiert, das gehört wohl zu den wenigen Dingen, in denen sich im Grunde genommen alle einig sind. Und diesen Planeten in den schlechtesten Zustand seit 1947 zu versetzen, ist daher durchaus eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die wir Menschen wohl gemeistert haben, zumindest wenn es nach den Wissenschaftlern des Bulletin of the Atomic Scientists geht. Die Forscher dieses Fachblatts, darunter 17 Nobelpreisträger, haben nun die sogenannte Doomsday Clock, die Weltuntergangsuhr, um weitere 33 Sekunden auf nun 100 Sekunden vor Mitternacht vorgestellt – und somit so nah an den Weltuntergang wie noch nie zuvor.

Die „Uhr des Jüngsten Gerichts“

Alles begann am 6.August 1945 als auf Befehl von US-Präsident Truman eine Uranbombe über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde. Innerhalb einer Sekunde stand alles im Umkreis von 10 Kilometern in Flammen, Menschen verdampften durch die Explosionshitze, ein Atompilz erhob sich 13 Kilometer in die Atmosphäre. Der Atombombenabwurf auf Hiroshima und der drei Tage später erfolgende Abwurf einer wesentlich stärkeren Plutoniumbombe auf Nagasaki stehen bis heute für die Schrecken des Krieges. Doch noch etwas war klar: Die Menschheit kann jene Kraft, mit der die Sonne lebensspendendes Licht und Wärme erzeugt, nutzen, um sich selbst zu vernichten.

Somit machten es sich einige der am Bau der Atombombe beteiligte Wissenschaftler nach Ende des Krieges zur Aufgabe, die Menschen über die Gefahr einer Selbstauslöschung der Menschheit aufmerksam zu machen, um dafür zu sorgen, dass wir uns nie wieder an den Rand der Ausrottung bringen. 1945 gründeten sie daher das Bulletin of the Atomic Scientists und 1947 die Doomsday Clock, die symbolisch den Zustand der Welt und wie nah wir vor der Selbstzerstörung stehen anzeigt und stellten sie auf sieben vor zwölf. Und wie wir leider wissen, ging es danach direkt nur so semi-gut weiter. Kernwaffentests der UdSSr, die Zündung von Wasserstoffbomben und Ausbrechen nationalistischer Kriege führten dazu, dass die Uhr bis 1953 schrittweise auf zwei vor zwölf vorgestellt wurde. Doch wir kriegten die Kurve wieder. Mit Beginn der Abrüstung, dem Ende des Kalten Krieges, verstärkter internationaler Zusammenarbeit und der Demokratisierung Europas schien die Gefahr beseitigt, 1991 zeigte die Uhr 17 vor zwölf.

Endzeit

Dann kam die Klimakatastrophe. Die Pole schmolzen rasend schnell ab, Extremwetterlagen nahmen zu, Hitzerekorde wurden gebrochen. Zudem wuchs die Anzahl der Atombomben, es kam zu einer erneuten nuklearen Aufrüstung. Stellvertreterkriege in der Ukraine, in Syrien und in Afghanistan erinnerten „an die dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges“.  Die Doomsday Clock tickte und tickte bis sie 2019 auf zwei Minuten vor zwölf Stand – und somit auf dem Stand des Kalten Krieges. Doch 2019 sollte als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels unumkehrbar und gleichzeitig direkt spürbar würden. Zwei Kontinente standen in Flammen, mitten in Europa gab es Hitzetote, Städte und Inseln standen unter Wasser, in der Arktis begannen mit dem Abschmelzen des Permafrosts unumkehrbare Prozesse. Daher stellten die Wissenschaftler die Uhr für 2020 erneut vor, womit es nun 100 Sekunden vor zwölf ist. Wir stehen also kürzer vor dem Weltuntergang als in jenen düsteren Stunden des Kalten Krieges.

Aufgrund der bereits spürbaren Auswirkungen der Klimakatastrophe und einer erneuten Phase nuklearer Aufrüstung steht die Weltuntergangsuhr nun auf 100 Sekunden vor zwölf.

Die Uhr tickt

Die derzeitigen Geschehnisse übertreffen die schlimmsten Vorhersagen der Wissenschaftler. Die Arktis wird schon in wenigen Jahren das erste mal seit 2,7 Millionen Jahren eisfrei sein, das Abschmelzen des Permafrosts sagten Wissenschaftler erst für 2090 voraus, Ökosysteme wie der Amazonas oder das Great Barrier Reef sind vermutlich bereits verloren. In der Natur steht alles in einem sehr labilen und empfindlichen Gleichgewicht. So sorgen die Bäume des Amazonas etwa dafür, dass das lokale Mikroklima feuchter wird. Damit wiederum setzen sie die Existenzgrundlage für andere Bäume und sich selbst. Bricht der Bestand einmal ein, kippt das Klima unwiderruflich. Und das ist nur ein Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn das Klima endgültig und im großen Maßstab kippt. Wenn wir die Atmosphäre weiter mit Kohlendioxid anreichern, wird sich das Aufsteigen von Methanblasen aus gesättigten Schichten in der Tiefsee beschleunigen. Jede Blase aufsteigenden Methans bringt Bewegung in diese Schicht und lässt noch mehr Methan aufsteigen. Im Laufe von Jahrzehnten entgasen sich die gesamten Meere. Die Menge des dort gespeicherten Methans übertrifft die der jetzigen Atmosphäre um das 100-fache. Irgendwann ist der Point-of-no-return erreicht. Selbst ohne weiteres menschliches Zutun würde die Erde dann immer wärmer, eine sogenannte Rückkopplung wäre in Gang gesetzt, wie etwa bei einem Mikrofon, das zu nah am Verstärker liegt. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde sich die Erde um etwa 4°C erwärmen – ganze Kontinente würden unbewohnbar, Großstädte wären überflutet und hunderte Millionen Klimaflüchtlinge würden den Nazis neuen Zündstoff geben. Hungersnöte, Epidemien und Kriege würden eine dezimierte Menschheit plagen. Mitternacht auf der Doomsday Clock.

Wir haben es hier mit einer ganz anderen Bedrohung als jemals zuvor zu tun. Denn selbst bei totaler Stagnation wird die Situation immer schlimmer, anders als etwa 1953 im Kalten Krieg. Daher denke ich persönlich, dass wir es nicht mehr schaffen werden. Doch die Doomsday Clock unterscheidet sich in einer Hinsicht von allen anderen Uhren – wir können sie zurückdrehen. Wir alle zusammen.

Feine Sahne Fischfilet

96 Drogenrausch im Sternerestaurant

Premiere. Wir podcasten alle gemeinsam. Es geht um den einsetzenden körperlichen Verfall von Mami, die Weltverbesserungsstrategien von Jason und seiner Schwester, Drogen, Game of Thrones, Organspende und natürlich unsere Familienvereinbarung.

Disclaimer: Das Thema Drogen wurde intensiv in den letzten Wochen in der Familie besprochen. In der Podcastfolge belustigen wir uns eher über die Thematik, was nicht den Eindruck erwecken soll, dass wir Drogenkonsum verherrlichen.

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00:00:55          Intro überspringen

00:00:56          Vorstellung der Gäste

00:05:00          Bisherige Jahres-Highlights

00:20:05          Wochenendrebellen-Family im Sterne Restaurant

00:28:45         Familiäre Shoppinggewohnheiten

00:38:00          Familienvereinbarung

00:42:00          Wahl des Familienvorsitzenden

00:53:00          Unser Weg in die familiäre Klimaneutralität

01:06:00          Wer wäre welche Serienfigur?

01:11:00          Unser nachhaltiges Dogenimperium

01:15:00          Youtube-Star 2030- Dauerfeuer

01:16:30          Was ist Minecraft?

01:28:00          Organspende

01:32:00          Leonas Schlusswort und zwei Frösche

Dies ist eine Radiorebell-Episode mit dem Wochenendrebellen-Wochenrückblick eines von aktuell zwei Formaten innerhalb des Radiorebell-Podcasts. Jede Woche blicken wir auf unsere ganz persönliche Woche zurück und suchen uns aus verschiedenen Themenblöcken ein Thema aus. In der „Klage der Nation“ könnte es um Themen gehen, die viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten, vielleicht besprechen wir einen Film oder Jason erklärt mir ein wissenschaftliches Phänomen. Vielleicht küren wir auch den Horst der Woche oder analysieren die Herkunft eines schönen Wortes.

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Warum die Bauernproteste verfassungsfeindlich sind

Die aktuellen Proteste von Landwirten gegen das Agrarpaket sind Akte puren Egoismus von Menschen, die meinen, sie könnten die Bevölkerung durch wirtschaftliche Abhängigkeit erpressen und somit die Zerstörung unser aller Biosphäre rechtfertigen. Somit sind die Forderungen der Bauern eine Gefahr für das langfristige Bestehen der menschlichen Zivilisation, die Demokratie und Menschenrechte. Sie sind verfassungsfeindlich.

Schädliche Forderungen

Die Bauernproteste, initiiert vom Bündnis „Land schafft Verbindung“ (der Titel ist übrigens noch das konkreteste an diesem ganzen Bündnis) richten sich vor allem gegen das im Vorjahr verabschiedete viel zu lasche Agrarpaket der Bundesregierung, dessen Kern das sogenannte „Aktionsprogramm Insektenschutz“ ist. Es enthält etwa ein Verbot von bestimmten Insektiziden in Naturschutzgebieten, einen Mindestabstand zu Gewässern von 10 Metern beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Deklaration von Streuobstwiesen und artenreichem Grünland als Naturschutzgebiete und eine erhebliche Einschränkung des Glyphosatgebrauchs ab 2020. Grundsätzlich also alles sinnvolle und notwendige, teils nicht weit genug gehende (das Tierwohllabel ist etwa freiwillig, um ein Beispiel zu nennen) Gesetze, die dem Insektensterben entgegenwirken werden. Insekten sind für den Stoffkreislauf und als Bestäuber unabdingbar und das Insektensterben lässt sich eindeutig belegen. Die Roten Listen der gefährdeten Arten in Deutschland verzeichneten einen negativen Trend bei mehr als 3000 Insektenarten. Die Ironie: Das Insektensterben wird vor allem die Landwirtschaft betreffen. Insgesamt sind Pflanzen im Wert von insgesamt 1,13 Milliarden Euro in Deutschland von Bestäubern abhängig. Vor allem beim Obst- und Gemüseanbau, aber auch bei Ackerkulturpflanzen, etwa Raps wird die Ernte also einbrechen, wenn die im Agrarpaket verabschiedeten Maßnahmen nicht zügig umgesetzt werden.

Thesen wissenschaftlich nicht haltbar

Doch viele Bauern, die sich an den jetzigen Protesten beteiligen, betreiben Realitätsverdrängung der höchsten Form. So leugnen manche schlicht die gesundheitsschädliche Wirkung der Stickstoffverbindung Nitrat, um gegen die Düngemittelverschärfung zu wettern. Wie ich hier schon im Rahmen von Silvesterböllern geschrieben habe, wandelt der Körper Nitrat ab einer gewissen Konzentration in Nitrit um, welches krebserregend wirkt, Rote Blutkörperchen schädigt und zu Fehlgeburten führen kann. Gelangt zu viel Nitrat auf die Felder, kann dieses nicht aufgenommen werden und gelangt ins Grundwasser, wo wir alle das Zeug trinken dürfen. Sebastian Dickow, Sprecher der Bewegung, behauptete anschließend, die meisten Bauern würden nicht überdüngen. Dem gegenüber steht eine Studie der Universität Gießen, wonach Bauern im Schnitt 77 Kilogramm mehr Nitrat pro Hektar genutzt haben, als die Pflanzen aufnehmen können. Hinweise seitens Dickow auf Lücken in der Statistik konnten ebenfalls eindeutig widerlegt werden.

Wenn Felder überdüngt werden, landen die überflüssigen Düngemittel in der Atmosphäre und im Grundwasser.

Schließlich blamierte sich Dickow vollkommen, indem er sagte, dass große Mengen des Stickstoffs unschädlich seinen, da sie gar nicht ins Grundwasser kämen. Eigentlich hat er damit sogar recht. Bleibt nur das unschöne Detail, dass Ablagerungen, die sich nicht auswaschen, in die Luft gelangen und dort das Klima belasten. Und letztlich landen sie über den Niederschlag doch wieder im Boden. Die Düngemittelverschärfung wird durch die wissenschaftliche Faktenlage also eindeutig gestützt. Es mag verständlich sein, dass sich manche Bauern von den mehrmals verschärften Verordnungen überfordert fühlen. Doch letztlich bleiben diese Verschärfungen nicht willkürlich, sondern basieren auf Modellrechnungen und Simulationen. Sie sind das, was wir tun müssen, um zu überleben, alternativlos. Und die Einschränkungen die sie für manche mitbringt, sind dann persönliches Pech – und zudem deutlich schwächer als die des Insektensterbens.

Bauern profitieren vom Agrarpaket

Das perfide ist, dass Dickow und seine Kollegen vorgeben, alle Bauern zu repräsentieren. Doch den meisten Bauern ist das Insektensterben nicht egal und sie verstehen auch die Notwendigkeit von Tierschutz. Es ärgert mich zudem, dass durch die Bauernproteste ein sehr ehrenwerte und wichtiger Beruf diffamiert wird. Auf welcher Seite „Land schafft Verbindung“ steht, zeigt sich, wenn man sich die Gesichter hinter den Protesten etwas genauer ansieht. Dirk Andresen, der bekannteste Sprecher der Bewegung ist etwa – welch Überraschung – am Andresen Siedenbollentin GmbH & Co. KG beteiligt, einem industriellen Agrarunternehmen mit 1250 Sauen. Letztlich unterscheidet er sich also in keiner Form von Öl- oder Kohlelobbyisten, denen die Zukunft im Grunde genommen egal ist – und die Landwirtschaft auch. Während man Fridays for Future häufig Unterwanderung vorwirft, sind die Bauernproteste nicht nur von Rechtsextremisten unterwandert, sondern praktisch ideologisch verwandt. So durfte etwa der schweizerische Rechtsextremist Ignaz Bearth auf einer Bauerndemo nicht nur sprechen, sondern bekam sogar Applaus, war also durch die breite Masse legitimiert. Er ist Gründer der schweizerischen Partei DPS, die 2017 mit der PNOS fusionierte. Diese wiederum trat mit Parolen wie „Nationale Erneuerungsbewegung“, „Wir säubern!“ und „Eidgenössischer Sozialismus“ an und forderte die Umwandlung der Schweiz in einer Meritokratie.

Jene Erfindung, welche die Menschheit vor 200.000 Jahren groß gemacht hat, ist nun gut dabei, sie wieder auszulöschen. Diejenigen, die das provozieren, sind jedoch keine Bauern, auch wenn sie schicke Traktoren haben – das sind Lobbyisten und genau so sollten wir ihre Anliegen auch behandeln. Demonstrationen von alten weißen Männern, die durch Erpressung mit scheinbarer wirtschaftlicher Abhängigkeit das Recht bekommen wollen, einen mit einer Biokalypse verbundenen Völkermord auszulösen sind verfassungsfeindlich – und somit sollte ein Verbot kein Tabu sein. Die echten Bauern sind unsere Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise – das zeigten die reichlich besuchten Gegendemonstrationen unter dem Motto „Wir haben es satt.“ für eine ökologische Agrarwende.

Wird Betelgeuse zur Supernova?

Historische Bedeutung von Betelgeuse

In den letzten Tagen hat es endlich mal wieder ein astronomisches Thema in die Schlagzeilen und die Öffentlichkeit geschafft, und zwar die Geschehnisse rund um den Stern Betelgeuse. Erstmal: Ja, er heißt Betelgeuse, alle anderen Namen (Beteigeuze, Betelgeuze, Beteigeuse,…) sind Ergebnisse der fehlerhaften Übernahme des arabischen Namen in das lateinische Alphabet. Und daran sieht man bereits, dass der Stern wirklich schon seit sehr langer Zeit bekannt ist, nämlich bereits in Werken des arabischen Astronomen Azophi auftaucht, der im zehnten Jahrhundert gelebt hat. Als zweithellster Stern des markanten Sternbilds Orion hat er auch eine große mythologische Bedeutung und hat ganze antike Kulturen maßgeblich beeinflusst. Aufgrund seiner tiefroten Färbung galt er lange als Zeichen für Krieg und da er als erster Stern des Orions über dem Horizont aufgeht auch als Ankündiger und Bote.

Betelgeuse aus astronomischer Sicht

Die tiefrote Färbung des Sterns und seine große Helligkeit sind charakteristisch für die Sternklasse der Roten Überriesen. Diese Sterne sind massereiche Sterne kurz vor ihrem Tod. Ein Stern wird durch zwei Kräfte stabil gehalten. Zum einen die eigene Gravitation, die den Stern in sich zusammenstürzen lassen will, zum anderen der Energiefluss, der durch das Verschmelzen von Atomkernen zu neuen Atomkernen in seinem Innern nach außen strömt. Da sich diese Kräfte ausgleichen, kann ein Stern bestehen. Doch wenn der Wasserstoff im Innern des Sterns vollständig zu Helium verschmolzen ist, fällt der Strahlungsdruck plötzlich weg und die Gravitation presst den Stern zusammen. Normalerweise, würde man sagen, müsste der Stern nun kleiner werden, da keine Energie mehr erzeugt wird, doch das Gegenteil passiert.

Die Gravitation presst den Stern zusammen, sodass die Temperatur in seinem Innern aufgrund des Gasgesetzes steigt und nun ausreicht, um auch Helium zu verschmelzen und die Temperaturen in seinen äußeren Schalen zumindest für die Verschmelzung von Wasserstoffatomen ausreicht. Dadurch wird nun also mehr Energie als vorher erzeugt und der Stern wird größer. Wenn das Helium vollständig zu Kohlenstoff verschmolzen ist, wird der Stern wieder zusammengepresst, wodurch der Druck so weit steigt, dass im Kern der Kohlenstoff zu Neon und in den Schalen das Helium zu Kohlenstoff verschmolzen werden kann. Dadurch wird noch mehr Energie freigesetzt. Dies geht dann immer so weiter, wodurch der Stern den Aufbau einer Zwiebel bekommt, mit immer schwereren Elementen bis zum Kern hin. Irgendwann wird im Kern Silizium zu Eisen verschmolzen, doch Eisen kann nicht weiter verschmolzen werden. Wenn sich im Kern also Eisen ablagert, lässt der Strahlungsdruck wieder nach, aber diesmal für immer. Die Gravitation gewinnt und lässt den Stern in einer gewaltigen Explosion kollabieren, einer Supernova. Übrig bleibt der extrem verdichtete Kern als Neutronenstern oder Schwarzes Loch. Betelgeuse ist gerade in diesem letzten Stadium der Fusion von Silizium und steht somit kurz vor der Beendigung seines Lebens.

Dadurch, dass in einem so großen Stern fast keine Konvektionsströme gibt, die Wasserstoff von der Oberfläche ins Innere befördern, leben Sterne je länger, desto kleiner sie sind. Während kleine Rote Zwerge viel länger leben, als das Universum bisher existiert und sonnenähnliche Sterne mehrere Milliarden Jahre, brennen Sterne wie Betelgeuse nur wenige Millionen Jahre.

Kurz vor der Explosion

Dass Betelgeuse kurz vor seiner Explosion steht, ist nichts neues. Doch „kurz“ ist in der Astronomie immer relativ und bedeutet in diesem Fall irgendwann in den nächsten paar 100.000 Jahren. Nun jedoch deutet sich an, dass die Supernova von Betelgeuse womöglich unmittelbar bevorsteht oder sogar schon vorbei, aber wegen der Entfernung von 640 Lichtjahren noch nicht bei der Erde angekommen. Dies deutet man daraus, dass sich Sterne kurz, und damit ist nach menschlichen Maßstäben kurz gemeint, vor ihrer Explosion noch einmal abdunkeln. Dies ist bei Betelgeuse derzeit extrem auffällig und sogar mit bloßen Auge zu beobachten. Normalerweise ist er in den Top Ten der hellsten Sterne am Nachthimmel, doch aktuell gehört er nicht mehr mal zu den 20 hellsten Sternen. Das kann bedeuten, dass die Explosion kurz bevorsteht, muss es aber nicht.

Wegen der relativen Nähe und Größe des Sterns, ist er einer der wenigen Sterne, die wir nicht nur als Punkt, sondern mit Teleskopen als Scheibe sehen können.

Denn Betelgeuse ist sowieso ein veränderlicher Stern, seine Helligkeit variiert also in zwei parallel verlaufenden Zyklen. Wenn die Minima beider Zyklen also zusammenfallen, kann es auch zu einer starken Verdunklung kommen und es muss nichts mit dem baldigen Ableben des Sterns zutun haben. Es ist also gut möglich, dass der Stern sich in wenigen Wochen wieder aufhellt. Doch, obwohl es nicht wahrscheinlich ist, könnte es dennoch sein, dass wir die Supernova und Betelgeuse erleben. Was würde das für uns bedeuten?

Heller als der Mond

Die Explosion wäre von der Erde aus nicht zu übersehen. Für wenige Wochen würde Betelgeuse so stark leuchten wie eine ganze Galaxie. Am Nachthimmel wäre er so hell wie der Vollmond und die Explosion mit bloßem Auge zu sehen. Er wäre so leuchtstark, dass man ihn selbst tagsüber am Himmel sehen würde. Zweifellos wäre es ein spektakulärer Anblick, der einmalig in der gesamten Menschheitsgeschichte wäre. Die letzte Supernova innerhalb unserer Galaxis fand 1604 unter dem Namen „Keplers Supernova“ statt und war nicht annähernd so hell, wie es Betelgeuses sein wird. Zudem hatte man damals keine Ahnung, was eine Supernova eigentlich ist und war sich der Besonderheit dieses Ereignisses nicht wirklich bewusst, was bereits im Namen „Supernova“ steckt, der auf ein neu auftauchendes Objekt hinweist. In Wahrheit taucht jedoch kein Objekt neu auf, sondern es explodiert eins.

Keine akute Gefahr

Eine Supernova ist die gewaltigste Explosion, die es im Universum gibt, sie setzt große Mengen an Energie und Strahlung frei. Im Umkreis von 10 Lichtjahren würde eine solche Explosion vermutlich das irdische Leben ausrotten, vermutlich gab es im Ordovizium eine Supernova, die eines der großen sechs Massenaussterben der Erdgeschichte verursacht hat. Daher beobachten Wissenschaftler Supernovae in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft häufig mit Sorge. Der Großteil der Strahlung wird jedoch an den Polen des Sterns emittiert und bei Betelgeuse wissen wir, dass keiner der Pole der Erde zugewandt ist. Ein Massenaussterben ist trotz der relativen Nähe zur Erde also ausgeschlossen, dennoch könnte es in kleinem Umfang zu einer Schädigung der Ozonschicht und einem höheren Hautkrebsrisiko kommen, es müssten also entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Viel mehr dürften wir uns darauf freuen, vor allem die Wissenschaftler. Eine Supernova in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft wäre eine großartige Gelegenheit, mehr über diese Endphase großer Sterne zu erfahren.

Kultureller Einschnitt

In erster Linie wäre es jedoch ein kulturelles Großereignis. Betelgeuse war schon immer da und hat die Menschheit seit Anbeginn der Zeit begleitet. Die Menschen der Steinzeit blickten zu ihm empor und fragten sich, was wohl dieses rote Licht sei, im alten Ägypten sah man in dem Stern einen Gott, im antiken Griechenland erzählte man sich mythologische Geschichten, im Mittelalter blickten erste kluge Köpfe in den Himmel und erforschten den Stern – und nun wäre er mit wenigen Wochen weg. Das legendäre Sternbild des Orion wäre zerstört. Der Sternhimmel, der über Tausende Jahre als statisch und unveränderlich galt, würde ich verändern und das vor unseren Augen. Es wäre das erste mal, dass wir mit eigenen Augen sehen, dass das Universum nicht ewig ist, sondern vergänglich wie alles andere, sich das alles nur auf sehr großen Zeitskalen abspielt.

Wenn Betelgeuse dann eines Tages von der Bildfläche verschwindet, womöglich ja in gar nicht so ferner Zukunft, wird es auch irgendwie etwas wehmütig machen. Da, wo wir früher den hellen roten Stern Betelgeuse gesehen haben, werden wir dann nichts mehr sehen. Doch in Wahrheit wird auch dann dort der Überrest des Sterns in Form eines Neutronensterns umgeben von einem bunten Nebel zu sehen sein. Wobei ich persönlich mich erstmal dran gewöhnen werden müssen: Betelgeuse, der Neutronenstern – wir leben in verrückten Zeiten.

Feine Sahne Fischfilet

95 Feine Sahne in 4 D und Luther gesucht!

Feine Sahne Fischfilet. Wir waren beim Tourabschluss und haben gepodcastet. Sogar gleich zwei Mal und einmal davon sogar in einer Qualität, dass wir es mit euch teilen können. Wir suchen Luther, Jason berichtet von seinen 9D-Erfahrungen, wir sprechen über die heilende Wirkung von Fischfilet, wie Jason besoffen eine Tankstelle kapert und auch noch einmal über Einhorn Crowdfunding.

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Feine Sahne Fischfilet

Dies ist eine Radiorebell-Episode mit dem Wochenendrebellen-Wochenrückblick eines von aktuell zwei Formaten innerhalb des Radiorebell-Podcasts. Jede Woche blicken wir auf unsere ganz persönliche Woche zurück und suchen uns aus verschiedenen Themenblöcken ein Thema aus. In der „Klage der Nation“ könnte es um Themen gehen, die viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten, vielleicht besprechen wir einen Film oder Jason erklärt mir ein wissenschaftliches Phänomen. Vielleicht küren wir auch den Horst der Woche oder analysieren die Herkunft eines schönen Wortes.

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Buschfeuer: In Australien verbrennt die Hoffnung auf Besserung

„Ich, Scott John Morrison, schwöre, dass ich dem australischen Volk im Amt des Premierministers gut und wahrhaftig dienen werde und dass ich Ihrer Majestät, Königin Elisabeth der Zweiten, Königin von Australien, treu und gewissenhaft ergeben sein werde. So wahr mir Gott helfe!“, diese Worte sprach der Australische Premierminister Scott Morrison bei seiner Vereidigung. Das war am 24. August 2018, etwa eineinhalb Jahre bevor er den Eid brach, seine Bevölkerung verriet und sein Land an die Kohleindustrie verkaufte. Aber fangen wir erstmal ganz von vorne an.

Regierung von Australien im Griff der Kohleindustrie

Die Australische Kohleindustrie ist die mächtigste der Welt, etwa 77% des Strommixes besteht dort aus Kohle, zudem ist Australien der weltgrößte Kohleexporteur. Die politische Macht dieser Lobby steht außer Frage, Premierminister Malcom Turnbull musste in Folge seines Vorhabens, die CO2-Emissionen seines Landes bis zum Jahr 2030 um 26% zu senken (Referenzjahr 2005, also eigentlich vollkommen lächerlich) zurücktreten. Sein Nachfolger Morrison hat sich eindeutig für die Seite der fossilen Kapitalisten entschieden. In Anbetracht der aktuellen Geschehnisse sprach er fast schon heuchlerisch: „Wir werden uns nicht auf unbesonnene Klimaziele einlassen und heimische Industrien aufgeben, wodurch australische Arbeitsplätze gefährdet würden.“ Nun ja, zumindest Inkonsequenz kann man Herrn Morrison nicht vorwerfen. Derzeit plant Australien die größte Kohlemine aller Zeiten – unter Beteiligung des deutschen Unternehmens Siemens.

Die Energiepolitik Australiens hat Folgen: Das Land hat die größten Pro-Kopf-CO2-Emissionen der Welt, etwa 57 Tonnen pro Person und Jahr. In Deutschland sind es etwa 11 Tonnen, in Indien 1,6 Tonnen. Durch Wälder, Böden und Ozeane können pro Jahr etwa 2,3 Tonnen pro Person gebunden werden, in etwa so viel dürfte also jeder Mensch ausstoßen, um die Klimakrise zu stoppen. Doch wenn es nach Morrison geht, würde man die gesamte Kohle abbauen und verbrennen, bis nichts mehr übrig ist. Zur Einordnung: Diese Menge beträgt etwa 5 Billionen Tonnen Kohlenstoff, deren Verbrennung zu einer Erderwärmung von etwa 9°C führen würde – ganz Australien wäre vollkommen unbewohnbar. Und nun lasst euch folgenden Teil seines Amtseides nochmal auf der Zunge zergehen:

„Ich, Scott John Morrison, schwöre, dass ich dem australischen Volk im Amt des Premierministers Australiens gut und wahrhaftig dienen werde.“

Wenn das kein Amtsmissbrauch ist, dann hat das Wort „Amtsmissbrauch“ keinen Sinn.

Verbrechen an sich selbst

Doch Australien ist nicht nur einer der Haupttäter der Klimakrise – es leidet gleichzeitig auch wie kaum ein anderes Land unter ihr. Schon bei wenigen Grad Celsius Erderwärmung würde ein Großteil des australischen Inlands unbewohnbar. Die 40°C, die wir in Deutschland letzten Sommer als neue Rekordtemperatur registrierten, sind im aktuellen Sommer in Australien bereits mancherorts die Durchschnittstemperatur, Spitzenwerte von 50°C wurden erreicht. Das Great Barrier Reef, das Wahrzeichen Australiens und die einzige lebendige Struktur, die mit bloßen Auge aus dem Weltall gesehen werden kann, liegt akut im Sterben. Zwischen 1985 und 2012 verlor das Riff 50% seiner Korallen. Die Erderwärmung führt auch zu wärmeren Ozeanen, wodurch viele Lebewesen nicht überleben können und somit die Artenvielfalt im Riff sinkt. Gleichzeitig nehmen die Meere Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf und versauern dadurch, was die Wachstumsrate von Korallen senkt. Zudem machen die höheren Temperaturen zerstörerische Zyklone häufiger und die Korallen verbleichen.

Das Great Barrier Reef gilt als womöglich bereits nicht mehr zu retten.

2013 genehmigte die Regierung von Australien den Bau des größten Kohlehafens der Welt direkt am Great Barrier Reef, wofür drei Millionen Kubikmeter Schlamm direkt im Riff entsorgt werden sollen. Selbst die Deutsche Bank (!) ließ die Finanzierung für das Projekt fallen. Der australische Umweltminister bezweifelte jedoch, dass das Verbrennen von Kohle einen merkbaren Einfluss auf das Ökosystem hat. Kleine Randnotiz: Wenn Banken aus Deutschland eine strengere Klimapolitik verfolgen als das nationale Umweltministerium, läuft in diesem Land irgendetwas verdammt schief.

Und obwohl völlig klar ist, dass die australische Umweltpolitik konträr zu den Interessen der Bevölkerung ausgerichtet ist, verkauft Morrison seine Politik erfolgreich als Sicherung von Arbeitsplätzen und somit als bürgerfreundliche Maßnahme. Bei einer Rede im Australischen Parlament brachte Morrison als damaliger Finanzminister sogar ein Stück Kohle mit und erklärte sarkastisch, man müsse keine Angst davor haben. Die Abgeordneten lachten. Diesen Lachen sollte ihnen noch im Halse steckenbleiben.

Brände in Australien sind eine Folge Klimakrise

Nun, im Jahr 2020, wüten in Australien Brände von bisher unbekanntem Ausmaß. Schon mindestens 24 Menschen sind ihnen zum Opfer gefallen, etwa eine halbe Milliarde Tiere. Doch selbst die Mehrheit der überlebenden Tiere wird in den nächsten Wochen und Monaten sterben, da sie keine Nahrung finden werden. Dieses Foto eines verkohlten Babykängurus, das sich auf der Flucht offenbar in einem Zaun verhedderte dann verbrannte ging um die Welt und erhöhte den Druck auf die Politik vorübergehend.

Doch in einer Partei, in der selbst die komplette Leugnung des menschengemachten Klimawandels üblich ist (der amtierende Vizepremierminister nannte die Klimakrise etwa eine Erfindung „fabulierender innenstädtischer Verrückter“) , will man über den Zusammenhang dieser zu den Buschbränden natürlich überhaupt nicht sprechen. Man versucht derzeit, Debatten über die tiefere Ursache der Brände als Instrumentalisierung der Todesopfer darzustellen. Gleichzeitig scherzten Mitglieder seiner Regierung bei der Bekanntgabe der ersten beiden Todesopfer, die beiden hätten „wahrscheinlich eh die Grünen gewählt“.

Der IPCC sagte schon vor langem voraus, dass mit häufigeren Bränden bereits bei 1°C Erderwärmung zu rechnen ist und genau das ist jetzt in Australien eingetreten. Da wir derzeit etwa bei diesem 1°C sind, spricht das eindeutig für die Gültigkeit von IPCC-Prognosen (was, wenn man sich diese mal anschaut aber auch weniger positiv ist, als es sich anhört). Wenn man länger darüber nachdenkt, ist dieser Schluss aber eigentlich auch trivial. Die Klimakrise führt zum einen zu höheren Temperaturen und zum anderen zu weniger Niederschlag. Beides führt dazu, dass Pflanzen und Böden austrocknen und fördert somit Brände. Ähnlich wie bei den Bränden in der Arktis oder im Amazonas unterliegen diese einem sehr labilen Gleichgewicht. So schafft der Amazonas etwa die Grundlage für seine eigene Existenz. Eigentlich dürfte an dieser Stelle kein Wald existieren, weil es zu trocken ist. Aber weil dort bereits Bäume sind, ist genug Feuchtigkeit vorhanden, um den Wald weiter existieren zu lassen. Bricht der Bestand an Bäumen ein, ist der Wald somit für immer verloren.

Jeder Brand verschlechtert die Aufnahmekapazität des Bodens für CO2 und treibt die Klimakrise – und somit seine eigene Ursache – noch weiter voran. Es handelt sich um eine Rückkopplung. Einmal in Gang gesetzt, setzt sie sich auch ohne menschlichen Einfluss fort. Der kritische Punkt (Kipppunkt) zum Ingangsetzen dieser Rückkopplung muss noch nicht überschritten sein – könnte er aber und wird er definitiv bald sein.

Die Brände trafen bereits eine Fläche, die größer ist als die der Niederlande.

Technik wäre bereits vorhanden

Für alle, die meinen, Technik und Innovation würden uns daraus retten, gibt es leider eine Enttäuschung. Es gibt bereits eine Satellitentechnologie, die durch die Analyse des Grundwasserpegels Brände mit recht großer Sicherheit vorhersagen kann und in Brasilien im Rahmen der Amazonas-Brände bereits eingesetzt wurde und zudem chemische Löschmittel, die viel effizienter als einfaches Wasser sind. Doch wenn schlicht und einfach der politische Wille fehlt, hilft die fortschrittlichste Technologie nicht. Das zeigen die Brände von Australien nur ein weiteres mal.

Dennoch weitere Kohlekraftwerke geplant

Und so müssen die Menschen nun am eigenen Leibe erfahren, warum sie eben doch Angst vor Kohle haben müssen. Und diese Angst müssen sie verbreiten, denn wir alle müssen sie haben. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass kein Australier seelenruhig vor der aufziehenden Feuerwand stehenbleibt und murmelt „Keine Panik, das regelt der Markt.“. Doch das wirklich verheerende an den Bränden ist nicht, dass sie zu einem irreversiblen Kollaps des Ökosystems führen und somit Australien langfristig unbewohnbar machen könnten, sondern dass sie zeigen, dass selbst diese Katastrophe nicht ausreicht, um politischen Druck zu erzeugen, wie es etwa bei Fukushima der Fall war. Denn immer noch sind im Jahr 2020 Kohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 579 Gigawatt geplant oder in Bau, was zu einer Steigung des durch Kohle erzeugten Stroms um 29% führen würde, obwohl der Weltklimarat ohne Zweifel sagt, dass bis 2030 fast alle Kohlekraftwerke stillgelegt sein müssen, um unterhalb der ersten Kipppunkte zu bleiben. Und wenn das, was derzeit passiert nicht ausreicht, halte ich unsere Welt mit ziemlich großer Sicherheit für verloren. Unsere Erde brennt an allen Ecken und Enden – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch wir können Lehren aus dem Debakel von Australien ziehen. Die Strategie, einfach zu warten, bis die Folgen des Klimawandels so offensichtlich werden, dass gehandelt werden muss und auch wird, funktioniert schlicht und einfach nicht. Schon letztes Jahr verbrannte vor den Augen der Welt der größte Sauerstoffproduzent unseres Planeten und niemanden hat es interessiert. Venedig stand für Wochen unter Wasser und niemanden hat es interessiert. Mitten in Europa gab es Hitzetote und niemanden hat es interessiert. Es gibt keinen Fukushima-Effekt mehr. Wir müssen den Druck aktiv erzeugen. Und damit meine ich uns alle. Boykottiert brasilianisches Rindfleisch, wechselt zu Ökostrom, wählt die Regierungen ab, die Geschäfte mit diesen Verbrechern machen und geht auf die Straße! Wir sind die ersten die es spüren und die letzten, die noch etwas tun können.

Falsche Prognosen der Vergangenheit

Ein neues Jahrzehnt bricht an, das Jahrzehnt, in dem sich entscheiden wird, welchen weiteren Weg die Menschheit einschlägt. Doch dafür ist es hin und wieder auch nötig zu bilanzieren und sich vor Augen zu führen, wie sehr Prognosen doch daneben liegen können.

„Eine Rakete wird niemals in der Lage sein, die Erdatmosphäre zu verlassen!“

New York Times

Das schrieb die New York Times im Jahr 1936. Zu diesem Zeitpunkt war dies selbst unter Wissenschaftlern eigentlich noch Konsens, schließlich führten die mathematischen Berechnungen den Forschern vor Augen, wie kompliziert ein Flug ins All ist und daher waren solche Prognosen aus der Zeit betrachtet durchaus sinnvoll. Man war sich zudem recht sicher, dass es nicht möglich ist, Geschosse in Höhen zu transportieren, ab denen sie nicht mehr zur Erde zurückfallen. Man muss zudem berücksichtigen, dass man unter Wissenschaftlern damals weniger an Raketen dachte, wenn es um potentielle Reisen ins All ging, sondern eher an die Weltraumkanone, die mit der die Astronauten in Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“ die Reise antreten. Die Geschwindigkeit, die nötig ist, damit ein Objekt nicht mehr zur Erde zurückfällt, liegt bei fast 8 Kilometern pro Sekunde – völlig utopisch für diese Zeit.

Noch in den 30ern hielt man es für unmöglich, Geschosse in den Orbit zu transportieren.

Und doch sollte sich die Prophezeiung als eine gigantische Fehleinschätzung erweisen. 1944, nur acht Jahre später, verließ die erste Rakete der Erdatmosphäre. Leider handelte es sich dabei um eine Aggregat 4-Rakete der Nationalsozialisten, somit werden wir für immer damit leben müssen, dass dieser erste Schritt der Menschheit ins All hinaus im Namen einer menschenverachtenden Ideologie erfolgte. Die Rakete, die eigentlich für Kriegszwecke konstruiert wurde stieg auf eine Höhe von 175 Kilometern. Erst nach dem Krieg wurde die Grenze zum All auf 100 Kilometer definiert, weshalb den Nazis der technologische Erfolg zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst war. Die 8 Kilometer pro Stunde erreichte die Rakete jedoch nicht, daher stürzte sie zur Erde zurück. Das erste Objekt, dass dann tatsächlich schnell genug war, um nicht mehr zur Erde zurückzufallen war Sputnik 1 im Jahr 1957 – 21 Jahre, nachdem die New York Times dies für unmöglich proklamierte. Obwohl sich die Weltraumkanone aufgrund der enormen Beschleunigungskräfte nie als Transportmittel durchsetzte, erwies auch sie sich als möglich, 1966 schoss eine Weltraumkanone ein 180 Kilogramm schweres Projektil auf eine Höhe von 180 Kilometern und somit in den erdnahen Weltraum.

„640 Kilobytes ist alles, was eine Applikation jemals benötigen sollte.“

Bill Gates

Ich schreibe diese Sätze von einem Laptop mit einem Speicherplatz von 121 Gigabyte, was 126.877.696 Kilobyte, was etwa dem 20.000-fachen der Schätzung von Bill Gates entspricht, die er 1981 formulierte. Wenig später begann die digitale Revolution und damit die exponentielle Vervielfachung der Transistorenanzahl auf einem Mikrochip. Bis heute verdoppelt sich diese etwa alle 18 Monate, was wir das Mooresche Gesetz nennen. Die Menge der verarbeiteten Daten folgt sogar einem 12-Monats-Takt, was bedeutet, dass alleine im Jahr 2019 so viele Daten verarbeitet wurden wie in der gesamten Menschheitsgeschichte davor.

Diese Entwicklung führt dafür, dass stetig neue Einheiten für Informationseinheiten erfunden werden müssen. Derzeit befindet sich die Menge der pro Jahr verarbeiteten Daten in der Größenordnungen von Zettabytes, also 1000000000000000000000 (10^21) Bytes. Zum Vergleich: Mit einem Zettabyte lassen sich etwa 2 Milliarden Jahre Musik spielen – also von der Entstehung erster komplexer Lebewesen bis heute. Die gesamte Kapazität des Internets liegt bei Yottabytes, also 1000000000000000000000000 (10^24) Bytes. Derzeit gibt es noch keine Rechner, die diese Menge speichern können, der Download würde selbst mit hochmoderner Internetverbindung viel länger dauern, als das Universum existiert. Bis 2025 wird sich die pro Jahr (!) verarbeitete Datenmenge in den Yottabyte-Bereich erstrecken. Und schon wenige Jahre später werden wir wieder neue Namen benötigen – dann werden wir Xona-, Nena-, und Wekabytes nutzen.

Moderne Supercomputer können ganze alternative Universen simulieren.

Und praktische Anwendungen gibt es für solche Kapazitäten natürlich. So lassen sich auch nichtlineare Systeme wie etwa das Klima so simulieren, was lange selbst theoretisch für unmöglich galt. Ganze Universen können bereits simuliert werden, wodurch man die Umstände kurz nach dem Urknall simulieren und betrachten kann, aus welchen sich ein Universum entwickelt, das wie unseres aussieht und aus welchen nicht. So lassen sich unzählig viele Parallelwelten im Computer erschaffen, von denen sich einige ganz anders entwickeln als unser Kosmos. Und auch die Daten des menschlichen Genoms werden sich schon bald auf einem einfachen USB-Stick tragen lassen. Die Einheit Kilobyte wird dann wohl schon lange aus dem Wörterbuch gestrichen sein.

„Es wird noch Generationen dauern, bis der Mensch auf dem Mond landet.“

Sir Harold Spencer

Diese Prognose von 1957 ist schon etwas optimistischer, was Raumfahrt angeht und sollte dennoch deutlich daneben liegen. Es kommt von Präsidenten der Internationalen Astronomischen Union, wobei man sagen muss, dass Kennedy sein Ziel zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgerufen hat. Erst vier Jahre später kam die Ankündigung, man wolle innerhalb von 10 Jahren einen Menschen auf dem Mond landen – und nicht in 200 so wie es Menschen wie Spencer prophezeiten. Ebenfalls muss gesagt werden, dass er nicht der einzige war, so gab es selbst in den 50ern noch Menschen die gesagt haben, eine Reise zum Mond sei gänzlich unmöglich. Tatsächlich war man sich zu diesem Zeitpunkt einiger Probleme noch gar nicht bewusst, sodass etwas längere Forschung vermutlich wirklich für mehr Sicherheit gesorgt hätte, so wusste man weder vom Sonnenwind, noch von dem Einfluss kosmischer Strahlung auf den Menschen etwas. Dieses Wissen kam erst mit den Langzeitaufenthalten auf den Raumstationen der neueren Zeit, daher ist heutigen Prognosen in der Hinsicht etwas mehr zu vertrauen.

Schon wenige Jahre nach dieser Prognose wateten Menschen im Mondstaub.

Schwerer als Luft? – Solche Flugmaschinen sind unmöglich.

William Thomson

Das war bei weitem nicht der einzige geistige Erguss des Physikers William Thomson, den man als Erfinder der thermodynamischen Temperaturskala kennt. So behauptete er auch, die Röntgenstrahlen seien nicht möglich und es handle sich somit um einen Betrug und das Radio habe keinerlei Zukunft. Zwar war Luftfahrt in dieser Zeit tatsächlich nur mit Flugkörpern, die leichter als Luft sind, etwa Heißluftballons, möglich. Dennoch hat Thomson (als Physiker) dabei wohl übersehen, dass auch Vögel schwerer sind als Luft und dennoch fliegen können. Außerdem war die nötige mathematische Grundlage für Fluggeräte, die schwerer sind als Luft auch in seiner Zeit schon vorhanden. Dennoch galt Fliegen als etwas extrem Unheimliches, fast Übersinnliches. Wenn Heißluftballons am Himmel waren oder wenig später dann auch die ersten Fluggeräte mit Tragflächen, bekamen die Menschen meist große Panik und davon waren auch damalige Prognosen geprägt.

Es galt als nicht gesichert, ob menschengemachte Objekte schwerer als Luft jemals fliegen könnten.

„Die Kernenergie ist sicher.“

Ernst Bloch

„Das müsste halten.“, „Was ist das für ein Draht.“, „Jaja, die Sicherung ist draußen.“, das sind wohl typische letzte Worte eines Menschen. Prognosen wie „Die Kernenergie ist sicher.“ erinnern schon etwas daran. Das „Prinzip Hoffnung“ war ein Kind der Atom-Euphorie der Nachkriegszeit. Man ging jedoch nicht nur so weit zu sagen, dass Kernenergie keinerlei Risiko darstelle. Selbst wenn ein Atomkraftwerk explodiere, sei bereits in 100 Metern Entfernung keine nennenswerte Radioaktivität mehr vorhanden, so die Prognose. Man dachte, mit Atomkraft könnte man jedes Problem lösen. Ein paar Kilo Uran sollten ausreichen, um ganze Wüsten verschwinden zu lassen und die Arktis in einer Riviera zu verwandeln. Unternehmen wollten Autos, Züge und Staubsauger mit Atomkraft auf den Markt bringen.

Der Zerstörungsradius einer Atomexplosion wurde mit etwa 100 Metern veranschlagt.

Vermutlich kommen euch diese Prognosen über Atomkraft lächerlich vor, doch so sehr unterscheiden sie sich gar nicht, von dem quasireligiösen Fanatismus, mit dem etwa das Automobil in Europa bis heute behandelt wird. Und letztlich muss man ebenfalls betrachten, dass der rasende technische Fortschritt, den uns diese Prognosen vor Augen führen, eben nicht immer alles löst. Der Klimawandel und die soziale Gerechtigkeit blieben von all diesen Fortschritten unbeeinflusst und das wird auch in Zukunft so bleiben. Der technologische Fortschritt wird uns nicht retten. Aber er wird uns in eine Zukunft führen, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Feine Sahne Fischfilet

94 Jahresrückblick mit der geilen Mami.

Wir haben wieder ein wenig zu dritt aufs Jahr zurückgeblickt.

Wenn du unseren Podcast abonnieren möchtest findest du hier alle kostenlosen Abo-Möglichkeiten via Podcatcher oder du hörst uns einfach via Spotify obwohl letzteres sicherlich die unkomfortabelste Lösung ist um Podcast zu hören.

Dies ist eine Radiorebell-Episode mit dem Wochenendrebellen-Wochenrückblick eines von aktuell zwei Formaten innerhalb des Radiorebell-Podcasts. Jede Woche blicken wir auf unsere ganz persönliche Woche zurück, rezensieren und bepunkten einen Film und besprechen in der Klage der Nation ein Thema über das die Nation zu viel oder zu wenig klagt oder welches gar keinen Grund zur Klage bietet, wir aber gerne darüber sprechen wollen. Zum Abschluss gibt es vom Sohn die wissenschaftlich geprägte „spektrografische Minute“.

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demokratiefestival

93 Demokratiefestival, Einhorn, Silvesterböllerei und Holocaustwitze.

Vielleicht tut uns morgens podcasten ganz gut. Ich hatte jedenfalls Spaß, wie lange nicht mehr und das obwohl wir überhaupt nicht über lustige Themen sprachen. Wir blicken ein wenig zurück auf die letztren Weihnachtsfeste und klären noch einmal warum ich erdoganesk gehandelt habe nachdem Jason mich im Kreise der Großfamilie als Arschloch bezeichnete, nur weil ich nicht zugelassen habe, dass er seinen Finishing Move vom Esstisch an seiner Schwester anwendet. Zudem war es Jason ein Bedürfnis über einen Vorfall in der Schule zu sprechen, der ihn sehr mitgenommen hat. Kurz sprechen wir über die Crowdfunding-Kampagne des Unternehmens EInhorn, was mich ein wenig geärgert hat, da es von Startnext massiv hohen Support erhält und sich wenig an die Regeln der Plattform halten muss. Den Machern ist es gelungen ihrem gewinnorientiertem Unternehmen den Touch einer sozialen Bewegung zu verpassen und gleichzeitig über 2 Millionen Euro einzusammeln, die zumindest in Teilen auch nicht transparent nachvollziehbar bezüglich ihrer Verwendung eingesetzt werden müssen Demokratie, aber als gehypter Event. So sehr ich mich freue wenn neue Wege des Protests und der politischen Teilhabe gesucht werden, so sehr erschweren es mir die Kotzbröckchen im Hals, wenn ich eine der prominenten Unterstützerin im Video höre: „29,95* €, so billig war die Weltrettung noch nie.“ Da hat sich FFF instrumentralisieren lassen und man darf durchaus Sorge haben wie viel Kratzer eine Bewegung verkraften kann und wie schnell sie sich von ihren Grundwerten entfernt. Den Machern kann man nur sagen: Hut ab.

*Ticketpreis Demokratiefestival.-

Frohes Fest und euch und all euren Lieben ein paar besinnliche Tage uns einen guten Rutsch ins Jahr 2020.

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Wir sprechen im Wochenrückblick über die Zeit seit Anfang Dezember 2019.

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