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Wie in Black Mirror: Mutter trifft verstorbene Tochter

Ich habe vor einigen Wochen die TV-Dystopie Black Mirror geschaut. Ich möchte gar nicht zu viel darüber erzählen, am besten schaut ihr euch sie selbst an, aber grob gesagt ist jede Folge eine abgeschlossene Geschichte, die in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft spielt und die sozialen, politischen oder gesellschaftlichen „Nebenwirkungen“ technischen Fortschritts durch bewusste Übertreibung thematisiert. Natürlich wirken manche Szenarien schon sehr weit entfernt, doch in ihren Grundzügen sind die meist nur Weiterentwicklungen bereits existierender Trends. Und es ist erschreckend, wie nahe die Zukunft, in der einige Folgen spielen, doch sein kann. So geht es etwa in der 2013 ausgestrahlten Folge „Die Waldo-Kandidatur“ um eine Cartoonfigur, die in Großbritannien zur Wahl antritt und ihr Wahlprogramm zunächst auf die Beleidigung anderer Politiker und die digitale Verbreitung unsäglicher Gerüchte beschränkt, was der Figur schnell einen außer Kontrolle geratenen Kultstatus beschert. Lange galt die Folge als unrealistischer Tiefpunkt der Serie, doch die Parallelen zu Präsidentschaft von Donald Trump könnten offensichtlicher kaum sein.

Die Folge Black Mirror-Folge „Abgestürzt“ spielt in einer Welt, in der Menschen wie Hotels oder Restaurants mit Sternen bewertet werden und die Anzahl an Sternen über den gesellschaftlichen Status entscheidet, so gibt es etwa Zonen, Wohnungen oder Verkehrsanbindungen, die erst ab einem gewissen Punkteschnitt zugänglich sind und unterhalb einer Grenze landet man sogar im Gefängnis. Die Geschichte beschreibt den Absturz einer Frau, die ihre Unmut über dieses System kundtut. Ab Ende 2020 soll für 22 Millionen Bürger Pekings ein solches System tatsächlich verpflichtend in Kraft treten, wobei sich die Punktevergabe hierbei auf die Auswertung von Überwachungsdaten stützte und die Regeln von der chinesischen Führung erarbeitet wurden.

Black Mirror lag nun also schon mehr als einmal richtig und doch gab es diese Episoden, wo man sich eigentlich recht sicher ist, dass sie zumindest während der eigenen Lebenszeit wohl nicht mehr Realität werden.

Wiedergänger

Eine davon war die Folge „Wiedergänger„, wo eine Frau die Trauer um ihren verstorbenen Mann durch ein Programm bewältigt, dass alle Informationen über ihn aus dem Internet sammelt und damit eine KI füttert, die dann in einem Chat genauso schreibt und antwortet wie ihr Ehemann. Später wird auch die Stimme des Mannes gespeichert und die Frau kann mit ihrem Mann telefonieren. Im letzten Schritt bekommt sie in einem Karton einen zunächst identitätslosen Avatar geliefert, den sie nach Anleitung in ihrer Badewanne „aktivieren“ kann und der dann genau wie ihr Mann aussieht, spricht und agiert. Das geht soweit, dass sie zwischenzeitlich vergisst, dass es sich nur um ein Imitat handelt, doch kleine Unstimmigkeiten erinnern sie immer wieder schmerzvoll daran, dass das Wesen nur eine gefühllose oberflächliche Kopie ist. Letztlich verfällt die Frau dadurch dem Wahnsinn.

Obwohl am Anfang realistisch, musste ich bei der letzten Entwicklungsstufe schon etwas schmunzeln. Selbst wenn es technologisch möglich wäre, gäbe es dafür wahrscheinlich null gesellschaftliche Akzeptanz, dachte ich. Zumindest so ähnlich ereignete sich dieses Szenario jedoch vor kurzem tatsächlich, vielleicht in einigen Ebenen sogar noch etwas problematischer als in Black Mirror geschildert.

Die Südkoreanerin Jang Ji Sung verlor ihre Tochter Nayeon im Alter von nur sieben Jahren an Leukämie, aufgrund des schnellen Krankheitsverlaufs hatte sie kaum Zeit, sich von ihr zu verabschieden. Diese Möglichkeit sollte ihr durch Virtual Reality gegeben werden. Ein VR-Headset versetzte sie in die virtuelle Version eines Parks, in dem sie und Nayeon früher häufig gemeinsam waren. Plötzlich kam ein digitaler Klon ihrer Tochter hinter einem Felsen hervor – mit demselben Aussehen, demselben Verhalten und derselben Stimme. Jang konnte sich mit dem Imitat ihrer Tochter in Echtzeit unterhalten, ihre Stimme und Verhaltensmuster extrahierte man sich aus Daten, die zu Lebzeiten von Nayeon aufgenommen wurden. Doch die Simulation ging noch weiter – durch mit Sensoren ausgestattete Handschuhe konnte Jang die digitale Version ihrer Tochter sogar berühren und ihre Hand halten. So konnte sie sich von ihrer Tochter verabschieden. Ist das potentielle Black Mirror-Technologie sinnstiftend angewandt?

Gesicht, Stimme und Verhalten imitiert

Für die Animation des Mädchens benötige man wohl acht Monate, für die realistische Abbildung der Bewegungen nutzte man ein Kindermodel und Motion-Capture-Technologie. Für die Echtzeit-Interaktion und Gesprächsführung wurde der virtuelle Avatar Nayeons eigens programmiert. Dies ermöglichte Jang, mit Nayeon Gespräche zu führen, zu laufen und sogar in der virtuellen Parklandschaft zu picknicken. Zunächst war Jang zurückhaltend und ängstlich, doch mit der Zeit ließ sie sich darauf ein. Niemand unter den Zuschauern wollte unterdessen so recht glauben, was dort gerade passiert. Zum Schluss sprach die Nayeon zu ihrer Mutter: „Mama, immer wenn du nach meiner Hand greifen willst, halte sie einfach in den Himmel.“, worauf die beiden gemeinsam aufstiegen und von oben auf die virtuelle Welt herabschauten. Dann verwandelte sich Nayeon in einen Schmetterling und flog davon.

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Aus den gesammelten Daten imitierte man Nayeons Gesicht, ihr Verhalten und ihre Stimme.

So weit, so gut. Sicherlich sind die psychologischen Auswirkungen eines solchen virtuellen Wiedersehens noch nicht erforscht und ich halte es für schwierig, dass plötzlich eine Anmeldung bei Youtube als Qualifikation ausreicht, um sich angehalten zu sehen, über dieses Geschehen zu urteilen, doch grundsätzlich ist das wie alle anderen Arten auch eine legitime Form der Trauerbewältigung, da Jang selbst sich das Wiedersehen gewünscht hat. Selbst in dieser schwierigen Situation, vielleicht sogar gerade darin, sollte man niemandem die Mündigkeit aberkennen, eigene Entscheidungen zu treffen und selbst am besten zu wissen, was gut für einen ist.

Persönlichkeitsrechte von Verstorbenen?

Problematisch könnte jedoch sein, dass dieses virtuelle Wiedersehen – anders als etwa bei Black Mirror – im Rahmen einer südkoreanischen TV-Show namens „I met you“ stattfand. Selbstverständlich wurde der Clip schnell zu einer Youtube-Sensation, innerhalb einer Woche wurde es über 13 Millionen Mal aufgerufen. Jang hat die Entscheidung zwar selbst getroffen, doch bei den Persönlichkeitsrechten ihrer verstorbenen Tochter wird es schon schwieriger. Zwar imitiert der Avatar die Redensart Nayeons, doch es sind eben keine Zitate. Ihre Identität wird also für Dinge genutzt, die sie so nie gesagt hat und wogegen sie zudem keine Möglichkeit hat, sich zu wehren.

In diesem speziellen Fall tritt das moralische Dilemma sicherlich nicht ganz so deutlich hervor, schließlich ist die faktische Aussagekraft der Sätze, welche die virtuelle Nayeon spricht, recht begrenzt. Doch etwa in Filmen soll schon bald die Identität verstorbener Schauspieler genutzt werden, um alte Figuren wiederauferstehen zu lassen. Je weiter man diese Technologie in die Zukunft spinnt, desto größer werden die ethischen Fragen, die vorher unbedingt geklärt werden sollten.

Das virtuelle Wiedersehen auf Youtube

Mein persönliches Fazit ist, dass pauschale Abneigung gegen diese Möglichkeit sicherlich nicht richtig ist und man niemandem absprechen sollte, selbst zu entscheiden, wie er Trauer bewältigt. Und doch müssen wir die Persönlichkeitsrechte verstorbener Personen klarer definieren. Denn letztlich kann man aus Black Mirror vor allem eine Lehre ziehen: Wenn Technologie zur Dystopie wird, dann liegt das immer an menschlichem Fehlverhalten.

Holographie-Durchbruch: Forscher entwickeln fühlbares Hologramm

Eine kurze Geschichte der Holographie

Ihre heimliche Geburtsstunde hatte die Holographie bereits 1920. Der polnische Physiker Mieczyslaw Wolfke wollte die graphische Darstellung von Objekten erstmals unterteilen. Zunächst sollten die kurzwelligen Spektren aufgenommen werden, später die langwelligeren für den Menschen sichtbaren. Doch aus technischen Schwierigkeiten gelang dies erst 28 Jahre später, 1948, dem ungarischen Physiker Dennis Gábor. Damit zeigte er, dass sich die Welleneigenschaften des Lichts (nämlich die Interferenz zwischen dem reflektierte Licht und einer zugehörigen Referenzwelle) so ausnutzen lassen, dass damit Informationen über die verschiedenen Bilder gespeichert werden können. Dass er damit den Grundstein für die Erzeugung von Hologrammen legte, erkannte man erst später, daher dauerte es 23 Jahre bis man ihn 1971 mit dem Nobelpreis für Physik auszeichnete.

Doch als Gábor versuchte, erste tatsächliche Hologramme mit den Namen berühmter Physiker zu erzeugen, wurde er enttäuscht: Dunkle Flecken störten das Bild und es überlagerte sich mit einem weiteren verzerrten Bild, sodass man die Namen kaum noch erkennen konnte. Kein Wunder, aufgrund der technologischen Ausstattung musste er mit einer Quecksilberdampflampe und einer Lochblende arbeiten. 1959 gelang es den Physikern Emmett Leith und Juris Upatnieks, das störende überlagernde Bild zu entfernen und erstmals hochwertige Hologramme zu erstellen. Durch die experimentelle Realisierung des Lasers 1960 bekam die Holographie einen Vorschub, der 2018 schließlich in der Schaffung des ersten frei beweglichen Hologramms mündete, die man eigentlich erst weit in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts gesehen hat – ein entscheidender Schritt in Richtung Telepräsenz.

Ultraschall statt Laser

Doch während es in Science Fiction Serien nicht nur möglich war, Hologramme zu erzeugen, zu sehen und zu bewegen, sondern auch sie zu spüren, zu hören und mit ihnen zu interagieren, fehlte diese Komponente bisher bei realen Hologrammen. Dies konnte durch ähnliche Technologie behoben werden, mit der man 2018 das erste bewegliche Hologramm erschuf. Dort leuchtete man mithilfe eines präzisen Lasers Partikel an, deren Leuchten das Hologramm erzeugte. Ryuji Hirajama und sein Team ersetzen Laser durch Ultraschalltöne. Da sich auch Schall durch ein Feld, nämlich ein akustisches Feld, beschreiben lässt, welches einen eigenen Druck ausübt, können dadurch die Teilchen zum Schweben gebracht und dann beleuchtet werden.

Mithilfe eines Lasers wurden zunächst winzige Partikel angeleuchtet, die dann das Hologramm erzeugt haben.

Dieses Modell steckt natürlich noch mitten in der Forschung und derzeit ist es auch noch etwa mikrowellengroß und man erstellte Hologramme von sich bewegenden Buchstaben, einem Globus, einem Zauberwürfel und mehr. Die Auflösung lasse sich allerdings noch verbessern, der Aufwand dafür sei überschaubar.

Taktiles Feedback und Akkustik

Da Ultraschall zwar für das menschliche Ohr nicht hörbar ist, aber dennoch ein Energieträger, wodurch entweder Geräusche erzeugt werden können oder aber auch unsere Haut stimuliert wird. Somit fühlt man Widerstand und eine Art Kribbeln, wenn man das Hologramm berührt, in etwa als würde man ein normales Objekt anfassen. Ein Sensor überwacht das Hologramm und erkennt, wenn man sich ihm nähert. Dann werden die Ultraschallwellen an der Stelle, wo man das Hologramm berührt, komprimiert und üben somit Gegendruck aus. Ein Schall von ungefähr 150 Dezibel entspricht dann einem Kribbeln am Finger. Auch in Ton lassen sich diese Wellen umwandeln, bisher aber nur in eher primitive Töne.

Fast wie das Holodeck

Noch ist diese neue Technik ganz am Anfang. Die Auflösung ist noch spärlich, die emittierten Töne spärlich und die Unterschiede zu einem realen Objekt noch deutlich zu fühlen. Dennoch kommt dieses Hologramm schon sehr nah an die in Filmen gezeigten heran. in Zukunft möchte man mit noch höheren Frequenzen noch deutlichere Sinneseindrücke hervorrufen, die Auflösung verbessern und komplexere Töne ermöglichen. Dann wären eines nicht allzu fernen Tages vielleicht Hologramme möglich, die sich nicht mehr von realen Objekten unterscheiden lassen.