Archiv der Kategorie: Wochenendrebellen

Unsere Tourerlebnisse

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112 Studie Erderwärmung | Corona | Autismus-Challenge

Endlich mal wieder eine Wochenrückblick und dann geht es um eine neue katastrophale Studie zur Erderwärmung, die Corona-Pandemie, Arschlöcher auf Tik-Tok und noch größere Arschlöcher im echten Leben. Aber es geht auch um einen Kometen. Immerhin.

00:00: Passage des Kometen C/2020 F3 (NEOWISE)

Es ist keine Ordnung mehr jetzt in den Sternen. Die Kometen müssten sonst verboten werden. Ein Komet reist ohne Unterlass um am Firmament und hat keinen Pass. Und jetzt richtet so ein Vagabund uns die Welt bei Butz und Stingel zugrund. Aber lass mal das wies da oben steht, auch hier unten sieht man, dass es auf den Ruin zugeht.

Könnte von letzter Woche sein, ist aber tatsächlich der Text des Kometenlieds von 1833. Nun konnte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Kometen mit bloßem Auge beobachten, nämlich den Schweifstern C/2020 F3 (NEOWISE), der in den vergangenen Wochen die Erde passierte und dies nehmen wir zum Anlass, mal ein bisschen über Kometen zu sprechen: Was sind Kometen überhaupt und wieso brachten sie Menschen schon immer mit Furcht und Schrecken in Verbindung? C/2020 F3 (NEOWISE) macht sich jetzt wieder auf den Weg in die Tiefen des Alls. Ich bin schon gespannt, wann wir den nächsten Kometen bestaunen dürfen.

15:30: TV Termin bei RTL zur Autismus-Challenge

Ich durfte vor einigen Wochen auch mal wieder im Fernsehen zu Wort kommen, allerdings weder zum Thema Groundhopping, noch zu Klima, Autismus oder Wissenschaft. Es ging um das Thema Autismus, bzw. um die Autism-Awareness-Challenge, bei der Bewegungen, die klischeehaft als „autistisch“ gelten, nachgeahmt wurden. Ich denke meine Position dazu zu betonen, erübrigt sich hier, schaut euch den Beitrag am besten einfach an. In der Podcastfolge sprechen wir allerdings auch über ein paar Fehler, die im Beitrag unterlaufen sind und darüber, wie wir unsere Verantwortung zur Autismus-Aufklärung zukünftig wahrnehmen wollen.

32:30: Status im Forschungszentrum

Normalerweise ist um diese Zeit der jährliche Kongress in meinem Forschungszentrum, wo Menschen von überall herkommen, wir unsere Projekte präsentieren und es wissenschaftliche Vortragsreihen gibt. Wegen der Corona-Pandemie war das dieses Jahr nicht möglich, dafür aber zumindest die Verleihung der Zertifikate. Für mich war es dieses Mal in doppelter Hinsicht speziell, denn ich wurde nicht nur für meine wissenschaftlichen Forschungen geehrt, sondern auch für meine Arbeit für den internationalen Wettbewerb in China, der ja abgesagt wurde und nun online stattfindet. Daher berichte ich zu diesem Anlass auch über meine Vorbereitung für den Online-Wettbewerb und meine künftigen Forschungen.

48:00: Update zum neuen Blog

Der Hauptgrund aus dem wir derzeit so wenig podcasten ist unsere Arbeit an unserer neuen Homepage. Durch bessere Suchmaschinenoptimierung eine klarere Strukturierung und eine höhere Veröffentlichungsfrequenz soll sie mehr Reichweite schaffen und eine Basis für alle gegenwärtigen und zukünftigen Projekte sein – doch unsere Ansprüche sind hoch und obwohl ich acht Stunden am Tag fast nur daran arbeite, wird es noch ein wenig dauern. Ich erinnere mich noch gut an den ursprünglichen Termin, an dem die Seite online sein sollte: April 2019. Tja, das wird wohl knapp, dafür erfahrt ihr aber den aktuellen Stand und auch einige neue Details über unser aktuell größtes Projekt in dieser Podcast-Episode.

54:30: Besuch bei Dynamo Windrad

Der für mich wichtigste Punkt auch auf unserer neuen Seite wird der Klimaschutz sein und dementsprechend engagieren wir uns neben unserer Aufklärung, unserem privaten Klimaschutz und meiner Forschung auch dort immer mehr öffentlich. Daher arbeiten wir nun mit dem Kassler Fußballverein Dynamo Windrad zusammen, bei dem wir auch schon eine Lesung hatten und der nun seinen Sportplatz umbauen, dabei aber besonders auf ökologische Kriterien Acht geben möchte. Sie haben mich daher darum gebeten, eine Art ökologisches Gutachten zu schreiben und darin Einsparpotentiale zu erläutern. Da dies nach einem vielversprechenden Projekt klingt und das Zeitaufwand-CO2-Einspar-Verhältnis zu stimmen scheint, habe ich dies natürlich gemacht und arbeite gerade daran. Von meinem ersten Besuch dort erzähle ich im Podcast. Wer weiß, wenn ich keinen Lieblingsverein finde, baue ich ihn mir vielleicht einfach selbst…

57:00: Aktuelle Corona-Situation

Über die Corona-Pandemie und ihre wissenschaftlichen und politischen Hintergründe haben wir schon häufiger gesprochen, nun geht es jedoch um unseren aktuellen Umgang damit in einer Zeit, in der die grassierende Seuche scheinbar kaum noch jemanden interessiert. Natürlich sind wir uns beide einig, dass der derzeitige leichtsinnige Umgang völlig unangebracht ist, jedoch haben wir auch Differenzen in unserem Umgang mit dem Virus und der Strenge der selbstauferlegten Maßnahmen. Unter anderem darüber sprechen wir in dieser Episode. Natürlich kann ich an dieser Stelle auch nur noch einmal ausdrücklich für den Download der Corona Warn-App werben.

01:12:00: Studie zur Erderwärmung

Ich hatte neulich einen ziemlich üblen Albtraum: Der totale Kollaps des sibirischen Permafrosts hatte zu einer nicht mehr aufhaltbaren Erderwärmung geführt, große Teile der Erde waren unbewohnbar geworden und nun suchten grassierende Seuchen, furchtbare Hitzewellen und gigantische Stürme den Planeten heim. Interessanterweise war dies nicht nur der Inhalt meines Traums zur Erderwärmung, sondern auch der einer Studie zur Erderwärmung, die ich am Tag zuvor gelesen habe. Sie sagt aus, dass die 1,5°C-Marke bei der Klimakatastrophe, also die Schwelle, ab der irreversible Prozesse in Gang gesetzt werden könnten, deutlich früher überschritten wird als bisher gedacht, nämlich bis 2024. Präziser ausgedrückt: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% wird mindestens ein komplettes Jahr zwischen 2020 und 2024 im Durchschnitt 1,5°C wärmer sein als zu vorindustrieller Zeit, mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% mindestens ein Monat. Genaueres über die Studie und weshalb sie so wenige Wellen schlägt, besprechen wir im Podcast.

01:22:00 Anzeige ist raus.

Zum Schluss mussten wir leider noch über ein nicht nur nicht erfreuliches, sondern absolut beängstigendes Thema sprechen, ein Jugendlicher aus meiner Schule hat nämlich vergangene Woche versucht, mich mit einem Traktor zu überfahren und hätte es beinahe auch geschafft. Ich wurde glücklicherweise nicht verletzt und konnte in letzter Sekunde hinter einen Blechcontainer springen. Nachdem ich antisemitische Witze an meiner Schule auffliegen lassen habe, demonstrativ mit Maske auftrete, die Schulleitung lautstark dafür gefeiert habe, dass ein Schüler für das Zeigen des Hitlergrußes suspendiert wurde und mein Buch nun in der Schulbücherei aussteht, hat sich unser Projekt auch in meiner Schule, an der die Nazi-Partei AfD bei der letzten U18-Wahl stärkste Kraft wurde und der Junge, der den Hitlergruß zeigte, breite Solidarität genoss, herumgesprochen und ich wurde in jüngerer Vergangenheit häufiger angegangen. Jugendliche sind mir aufgelauert, haben mich umzingelt, bepöbelt oder bedroht und unsere Drohungen, die wir per Mail erhalten haben, sind nun auch kein Geheimnis. Aber genug ist genug. Dieser konkrete gewaltsame Angriff, der tödlich hätte enden können ist jedoch eindeutig ein weiterer Schritt, den wir so nicht auf uns sitzen lassen werden. Näheres dazu besprechen wir am Ende dieser Episode.

Katastrophale Erderwärmung, eine Pandemie und ewige Verzögerungen bei unserer Website – so kann man einen Wochenendrebellen-Wochenrückblick natürlich nicht enden lassen. Daher haben wir nun eine Abmachung geschlossen: Pro Wochenrückblick müssen mindestens zwei Themen in einem positiven Kontext stehen. Die ganze Scheiße, die über die Zeit passiert wird von nun an also zumindest hübsch eingerahmt.

Schule, Zukunft und Digitalisierung hier exempülarisch dargestellt durch ein IPhone, einen Rechner und lehrmaterial.

111 Die Zukunft der Schule

Die Zukunft der Schule: Unsere Welt verändert sich momentan dramatisch, auch wenn ich mit meinen 15 Jahren noch keine „Früher was das so“- Geschichten erzählen kann, erkenne natürlich auch ich, dass unsere Gesellschaft eine ganz andere ist als noch zu meiner Grundschul- oder Kindergartenzeit. Das Klima hat sich verändert, Wissenschaft und Technologie haben sich verändert, die Gesellschaft hat sich verändert und auch die Menschen haben sich natürlich verändert. Doch während die Welt teils nach wenigen Monaten nicht wieder zu erkennen ist, blieb ein ganz wesentliches Element des Lebens von Menschen in meinem Alter fast immer eine Konstante: Die Schule. Doch das scheint nun vorbei.

Ich habe in einer Episode des Autismus-Podcasts bereits mit Papsi über das Thema „Schule und Autismus“ gesprochen, nun nehme mir im Familien-Podcast in Anbetracht des vergangenen Wochen im pandemiebedingten Homeschooling einmal das Thema „Die Zukunft der Schule“ vor und zwar im Gespräch mit meinem elfjährigen Cousin Sean. Er betreibt mit meiner Schwester den YouTube-Kanal Dauerfeuer und besucht dieselbe Schule wie ich.

Wir sprechen am Anfang etwas über unsere allgemeine schulische Situation, als Bald-Zehntklässler sollte ich natürlich eigentlich kurz vor der Berufswahl stehen – blöd nur, dass ich seit vielen Jahren weiß, was ich machen möchte, mich aber dennoch in einem dicken Ordner mit Ausbildungsberufen beschäftigen musste. In diesem Kontext kritisieren wir natürlich auch die unserer Meinung nach viel zu dominante Stellung der Schule im Leben von Jugendlichen und überhaupt das gesamte leistungsbasierte System mit Zahlnoten – ihr erfahrt aber auch, wieso ich trotz meiner kritischen Haltung den Ordner regelgemäß und pünktlich abgegeben habe.

Schnell kommen wir aber auf die letzten Wochen zu sprechen, in denen wir beide gar keinen, bzw. später sehr eingeschränkten Schulunterricht hatten. Dabei sprechen wir auch über die Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen und fünfzehnseitige Pandemiepläne, die als PDF an Schüler mit der Nachricht „Bitte lesen.“ verschickt wurden. Dies nutzen wir dann um darüber zu diskutieren, wie die Zukunft der Schule, bzw. die Schule der Zukunft aussehen könnte. Wir besprechen zum Beispiel folgende Punkte:

  • Haben Schüler*innen in Zukunft viel weniger Stunden Schule?
  • Ist Homeschooling vielleicht irgendwann eine dauerhafte Alternative?
  • Verschwindet die Hierarchie zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen?
  • Welche politisch-gesellschaftliche Einstellung muss die Schule vermitteln?
  • Was ist mit Berufen, die es bald gar nicht mehr gibt und Berufen, die es noch nicht gibt – oder die sich stark verändern werden?

Besonders über letzteres lohnt es sich nachzudenken, das zeigt eine persönliche Anekdote. Schon vor drei Jahren wurde ich mehrfach darauf hingewiesen, ich solle mich – wenn ich tatsächlich Physiker werden möchte – doch am besten möglichst schnell mal mit Programmieren beschäftigen, denn in fünf bis zehn Jahren laufe in der sich rasant digitalisierenden Wissenschaft nichts mehr ohne Programmierkenntnisse. Ich will nicht sagen, dass ich das nicht ernst genommen habe, es war natürlich nachvollziehbar, aber eine akute Dringlichkeit sah ich lange Zeit nicht.

Vor einigen Monaten geriet ich mit meinen Forschungen zur Chaostheorie am Schülerforschungszentrum dann in eine Sackgasse, ich war auf eine Messpräzision angewiesen, die mit uns verfügbarem Equipment (und vielleicht auch überhaupt…) nicht zu erreichen ist. Ich optimierte meinen Versuchsaufbau, aber die Resultate waren für meine Fragestellung völlig nutzlos. Also machte ich mich ans Rechnen und überschlug einmal, wie groß die Abweichungen sein dürfen.

Das Ergebnis des Ganzen: Ich muss jetzt in Windeseile die Programmiersprache Python lernen, um noch vor dem nächsten wichtigen Wettbewerb mein System simulieren zu können. Wenn selbst ich hier verpennt habe, will ich nicht wissen, wie es bei Menschen aussieht, die sich nicht durch die Wissenschaft unmittelbar damit konfrontiert sehen. Denn ich bin mir sicher: Programmieren wird sich nicht auf die Wissenschaft beschränken, es wird die Microsoft-Grundkenntnisse von morgen sein. Die Schule muss in Zukunft viel stärker berücksichtigen, in welcher Zukunft die Schüler*innen von heute leben werden. Digitalisierung ist dabei das Schlüsselwort.

„Fünf Stunden Programmierunterricht die Woche sollten das Minimum sein.“

Wir ziehen hier also den harten Vergleich zwischen wie es eigentlich laufen sollte und wie es gelaufen ist und kommen dabei auch zum Schluss: Nicht alles ist schlecht und wir beide wissen es selbstverständlich zu schätzen, dass wir einen garantierten Zugang zu Bildung haben. Doch das hindert uns nicht, uns auch kritisch mit dem Schulsystem auseinanderzusetzen: Wieso sollte dieselbe Schule, die uns stets zu eigenständigem Denken ermahnt, uns genau das vorenthalten wollen?

Wir führen aber auch das Beispiel des Schülerforschungszentrums, das Sean seit einigen Monaten ebenfalls besucht, als mögliche Form einer „Schule der Zukunft“ ein und diskutieren über die Sinnhaftigkeit von Politikunterricht aus dem Schulbuch. Dabei sind wir uns einig: Schule muss nicht nur nicht neutral sein, sie darf in heutigen Zeiten nicht neutral sein.

Wenn es um Politik geht, muss die Schule regelrechten Linksextremismus vermitteln, nämlich die Einstellung, dass alle Menschen absolut und bedingungslos gleich sind. Dass der NSU-Terror, die deutsche Kolonialherrschaft und die Klimakatastrophe im Unterricht kaum vorkommen, dafür aber Demokratietheorien gelehrt werden, die der Hufeisentheorie oder ähnlichem entsprechen, ist ein Skandal und dann verwundern jüngere Vorfälle wie die antisemitischen „Witze“ oder das schockierende Juniorwahl-Ergebnis der AfD an meiner Schule auch nicht weiter. Wenn das die Zukunft der Schule ist, dann ist es schon bald die Zukunft der ganzen Menschheit.

Natürlich sind wir keine Hellseher und wir wissen nicht, ob unsere Ideen und Vorschläge zur Zukunft der Schule wirklich umgesetzt werden oder ob sich die Schule in Zukunft vielleicht ganz anders entwickelt, das kann man in heutigen Zeiten auch kaum noch prognostizieren. Schlussendlich bleibt aber klar, dass es nicht mehr so sein wird, wie es lange war. Auch die Schule muss und wird sich in Zukunft drastisch verändern und das ist auch gut so. Nachzuholen gäbe es sicherlich genug.

Ein Hammer für Richter

110 Ein echter Hammer

Wir sind alle etwas im Stress, daher nur eine Kurzbeschreibung

Die ersten acht Minuten sprechen wir über den Start von Space X. Im Anschluss sprechen Papsi, meine Schwester und ich ein wenig über Corona und die Auswirkungen auf die die Schule und unser Leben in den letzen zwei Monaten. Im Anschluss besprechen wir die Reichweitenaussichten für den neuen Youtube-Kanal meiner Schwester auf dem sie die ganze Zeit nur Livestreams anbietet, wo sie zu beobachten ist, wie sie Kartoffelchips wegfuttert. Außerdem probierren wir uns erneut mit unserem Frageformat aus und besprechen wie eine Netflix-Serie aussehen würde und wovon die Serie handeln würde, wenn wir diese komplett frei gestalten könnten. Wir reden über den Status Trump aus dem Blickwinkel meiner Schwester.

Außerdem reden wir über Träume und mit welcher Person man gerne mal einen Tag verbringen würde. Eine bunte Folge ohne festes Thema. Ganz am Schluss kommt dann noch ein echter Hammer.

Podcast mit Oma

109 Podcast mit Oma- War früher alles besser?

In der letzten Folge habe ich mit meinem Opa über ein brisantes Thema gesprochen, einige Menschen behaupten immer wieder: „Früher war alles besser.“. Doch ich kann mir darüber natürlich nur schwer ein Urteil bilden, schließlich habe ich das „früher“ nie erlebt und selbst Papsi hat dort nur eine relativ beschränkte Sicht.

Nachdem ich diese Frage zuletzt mit meinem Opa erörtert habe, kam nun meine Oma, geboren im Jahr 1953, zu Wort – natürlich ebenfalls coronabedingt mit gegebenem Sicherheitsabstand. Als sie geboren ist, war Josef Stalin noch an der Macht und Elisabeth II. war noch nicht gekrönt worden, wenn es um das Thema „Früher war alles besser“ geht, ist sie also die ideale Ansprechpartnerin. Im Gegensatz zu den meisten Menschen die sagen „Früher war alles besser.“ weiß sie also auch, wovon sie spricht, wenn sie „früher“ sagt.

Sie konnte natürlich die ein oder andere Geschichte meines Opas nochmal aus ihrer Perspektive erläutern und teils etwas zurechtrücken. Tatsächlich unterscheideten sich die Geschichten und Erlebnisse beider vor allem in der Kindheit überraschend stark, obwohl sie in ähnlichen Epochen unter ähnlichen Bedingungen stattfanden.

So habe ich natürlich auch mit meiner Oma über die politischen Ereignisse der jeweiligen Zeit gesprochen, von den Anfängen des Kalten Krieges über die Mondlandung, den Mauerfall, die Anschläge des 11.Septembers bis zu den technologischen Entwicklungen der letzten Jahre – und noch vieles mehr. Sie erzählt, wie sie diese Veränderungen erlebt hat und auch wie sie sich auf ihr persönliches Lebens ausgewirkt haben.

Der größte Teil des Podcasts besteht aber aus persönlichen Erzählungen über ihre Erlebnisse unter den damaligen Umständen. Das beginnt mit ihrem Alltag als sie so alt war wie ich – obwohl er sich natürlich grundlegend von meinem unterscheidet, gibt es auch Gemeinsamkeiten: Sie hat ebenfalls gearbeitet und sich auch nicht dem Willen ihrer Eltern unterworfen. Spätestens bei ihren Besuchen in der Disko und dem Rückweg nachts zu Fuß durch den Wald enden die Gemeinsamkeiten aber auch.

Sicherlich wichtig ist aber ihre Geschichte davon, wie sie meinen Opa kennengelernt hat, denn interessanterweise unterscheidet sich sich etwas von seiner Version aus der letzten Folge. Überhaupt liegen einige Angaben manchmal ein wenig auseinander – aber davon könnt ihr euch ja dann selbst ein Bild machen.

Doch so nostalgisch und lustig diese Geschichten aus früheren Zeiten auch sind, letztlich kamen auch wir zu dem Schluss, dass das Leben heute leichter und unbeschwerter ist, doch uns ein wenig der damaligen Einstellung momentan auch nicht schaden würde. Doch ob es so bleibt, dass unser Leben auch in Zukunft automatisch einfacher, leichter und schöner wird, darin waren wir uns nicht einig.

Denn natürlich hat der Blick in die Vergangenheit vor allem einen Zweck: Lernen für die Zukunft. Hier hat meine Oma einen etwas optimistischeren Blick als ich, sie meint, wir könnten die Kurve noch kriegen. Ich hoffe sie hat Recht und ich kann in einem Podcast mit den Enkeln meiner Schwester mit Recht sagen: „Früher war alles besser? Nein.“

00:02:00 1953

00:06:00 1959

00:09:00 Angst: Früher vs heute.

00:12:00 1972

Volljährigkeit und der Umgang damit.

00:15:00 Kennenlernen Opa.

00:20:00 Abschied von daheim und wie meine Oma Weihnachten kennenlernte.

00:22:00 Germknödelgate

00:24:00 1974 Hochzeit

1977 Geburt des ersten Kindes

1980 Geburt des 2.Kindes

00:45:00 Interesse für Politik

00:55:00 1980

00:58:00 1989 Mauerfall

01:05:00 1992 Gründung EU

01:06:00 2001 Anschläge in den USA.

01:14:00 2002 Euroeinführung

01:18:00 2004 Smartphones

01:28:00 2005 Das Jahrhundertereignis

01:29:00 2010

01:31:00 2020

01:35:00 Wie wird die Zukunft?

War frueher alles besser?-Ein Bild voin meinem Opa als er grob in meinem Alter war.

108 Früher war alles besser?

Früher war alles besser: Weniger Kriminalität, mehr Wertschätzung und ein gemütlicheres Leben, so sehen es laut einer Umfrage aus dem Jahr 2018 gut zwei Drittel der Europäer. Doch wie war es früher eigentlich? Darauf haben die wenigsten, die das behaupten, eine Antwort und auch ich kann mir darüber schwer ein Urteil bilden – das einzig Nostalgische, das ich über die Vergangenheit sagen kann ist meistens: „Als ich in deinem Alter war, war der Pluto noch ein Planet.“, und selbst das nur zu Babys.

Daher habe ich diese Frage mit jemandem erörtert, der das früher und das heute kennt, der 1950 geboren ist – zu einer Zeit noch vor dem ersten Satelliten und vor der Entschlüsselung der DNA: Mein Opa. Coronabedingt mit dem gegebenen Sicherheitsabstand sprachen wir über die letzten 70 Jahre Menschheitsgeschichte. Kaum jemand kann wohl besser beurteilen, ob es früher wirklich besser war – und wenn ja, dann wann denn genau?

Wir haben von den 50ern bis zu den 2020ern die Ereignisse jedes Jahrzehnts besprochen und natürlich auch mal diskutiert: Dabei sprachen wir über Reaktionen auf die Mondlandung, den Mauerfall, den Euro und Gründung der Europäischen Union. Über politisches Engagement, die Notstandsgesetze, die Umweltbewegungen und die Grünen zu Opas Zeit, über Survival-Pakete zur Jahrtausendwende und Zugfahren in den 50ern. Über die Zeit bei der Bundeswehr (oder besser gesagt die Zeit, wo er eigentlich bei der Bundeswehr hätte sein müssen), den damaligen Umgang mit dem zweiten Weltkrieg und warum es schon damals Verschwörungstheorien gab.

Aber wir sprechen auch über persönlichere Ereignisse, etwa wie er meine Oma kennengelernt hat – naja, zumindest wie er es in Erinnerung hat oder wie er das erste Mal Vater wurde. Natürlich sprechen wir auch darüber, wie er das erste Mal Opa wurde und was er so gemacht hat, als er in meinem Alter war – die Antwort hat mich ehrlich überrascht. Aber wir sind auch auf Ähnlichkeiten und Parallelen gestoßen. Und eines gab es wohl schon immer: Diejenigen, die gesagt haben: „Früher war alles besser.“

Aber auch damals dachte man schon über die Zukunft nach und wir sprechen auch darüber, wie man sich damals die Zukunft vorgestellt hat und wie es letztlich geworden ist. Das beginnt bei den Science Fiction-Romanen der 50er, die mein Opa und sein Vater gelesen haben. Dort wurde über tragbare Computer und große bemannte Raumstationen geschrieben, so wie man heute über Unsterblichkeit und Marsflüge schreibt – doch häufig wurde einiges als Unsinn bezeichnet, gar nicht vorhergesagt oder falsch vorhergesagt: Staubsauger mit Atomkraft betrieben oder riesige bewohnte Zylinder im All gibt es auch heute noch nicht.

Doch letztlich zeigen Sätze wie diese hier, wie schnell sich unsere Welt dramatisch verändern kann und es sicher auch wieder tun wird.

„640 Kilobytes ist alles, was eine Applikation jemals benötigen sollte.“

„Es wird noch Generationen dauern, bis der Mensch auf dem Mond landet.“

„Die Kernenergie ist sicher.“

Schließlich sind wir dabei zu einem Schluss gekommen: Die letzten Jahrzehnte sind von einer beispiellosen Zunahme unserer Lebensqualität geprägt. Unser Leben ist so einfach wie noch nie, so schnell wie noch nie und so sicher wie noch nie. Die wenigsten, die behaupten, früher sei alles besser gewesen, haben das „früher“ wohl wirklich selbst erlebt.

Die Tatsache, dass wir diesen Podcast digital aufnehmen, über unsere Website mit der ganzen Welt teilen und dabei unsere Ansichten und Meinungen ohne jegliche Restriktion äußern können und jeder ihn mit einem Computer aufrufen kann, der in seine Tasche passt und dabei zehntausende Male leistungsstärker ist als der Bordcomputer des Apollo-Raumschiffs, spricht im wesentlichen für sich.

„Früher war alles besser“ verkörpert natürlich vor allem einen besorgten Blick in die Zukunft. Unsere Welt ist so schnelllebig und verändert sich in so einem rasenden Tempo, dass viele Menschen sich nicht mehr zurecht finden. Dabei sind wir auch zu dem Schluss gekommen, dass es in Zukunft immer schneller dramatische Veränderungen unserer Welt geben wird. Doch der weitere Anstieg der weltweiten Lebensqualität wird aufgrund der Klimakatastrophe und wachsender Ungleichheit in Zukunft kein Selbstläufer mehr sein – dafür werden wir wieder kämpfen müssen. Sonst müssen wir vielleicht unseren Enkeln eines Tages tatsächlich erklären: Früher war alles besser.

Wissenschaftliche Betrachtungen der Corona-Pandemie

Unsere Welt verändert sich derzeit in rasendem Tempo und die Krise lässt sowohl das beste, als auch das niederste in uns Menschen zum Vorschein kommen. Ich bin kein Virologe und zur Gefährlichkeit oder zum weiteren Verlauf der Corona-Pandemie weiß ich vermutlich nicht viel mehr als ihr. Dennoch kam natürlich auch ich nicht drumherum, mich mit dieser Pandemie zu beschäftigen, spätestens in Anbetracht der geplanten Wochenendrebellen-Lesungen in der Schweiz und meiner Projektpräsentation in Peking. Zuerst möchte ich sagen, dass ich es sehr beachtenswert finde, wie viel Aufmerksamkeit Wissenschaftlern in den letzten Wochen gezollt wird und wie konsequent sich nach der Wahrheit gerichtet wird, ich hoffe wir nehmen einiges daraus mit.

Als ich etwas Recherche betrieb, fielen mir jedoch immer wieder auch Parallelen zur Physik auf. Die Verbreitung von Viren folgt etwa recht ähnlichen Gesetzmäßigkeiten wie die Verbreitung von Schadstoffen in Flüssigkeiten und lässt sich physikalisch als Diffusionsprozess beschreiben. Die Dynamik von Pandemien unterliegt den gleichen Prinzipien, die Sonnensysteme ins Chaos stürzen und die Zahl der Infizierten wächst auf ähnliche Weise wie viele andere grundlegende Systeme in der Natur. Daher möchte ich die Corona-Pandemie hier aus wissenschaftliche Sicht darlegen.

Levy-Flüge und Random Walks

Viren bewegen sich zum einen an ihren Wirt gebunden und können zum anderen auf andere Wirte überspringen. Dieses Verhalten gleicht in etwa dem eines Geldscheins und tatsächlich unterliegen sowohl die Ausbreitungen von Geldscheinen, als auch die von Viren dem sogenannten Levy-Flug. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass die Richtung zwar komplett zufällig ist, die Länge der Sprünge, anders als beim gewöhnlichen „Random walk“, nicht immer gleich lang sind, sondern lediglich einer Wahrscheinlichkeitsverteilung unterliegen, nämlich sind lange Schritte unwahrscheinlicher und kürzere häufiger.

In den meisten Fällen bleiben die Geldscheine lange Zeit an einem Ort, sie legen nur wenige Kilometer pro Tag zurück, doch in sehr seltenen Fällen gibt es plötzlich ganze Sprünge über viele tausend Kilometer. Ähnliches ist bei Viren und ihren Wirten der Fall. Frühe Epidemien glichen eher dem klassischen „Random walk“ mit sehr kurzen zufälligen Schritten, so war es etwa im Falle der Pestepidemie im 14.Jahrhundert. Doch gerade diese seltenen, aber möglichen langen Schritte, etwa durch Fernreisen, machen eine Epidemie zur Pandemie, das System ist so instabil, dass dieser minimale Prozentsatz drastische Folgen haben kann.

Das gleicht einem Brückenpfeiler. Er kann mit vielen Tonnen Masse belastet werden, ohne dass irgendwas passiert. Doch ist ein kritischer Punkt erreicht, genügt auch das Gewicht einer Mücke, um den Pfeiler zum Einsturz zu bringen. Eine Pandemie verhält sich ähnlich: Ein einzelner langer Levy-Flug genügt, um eine Epidemie an einen ganz anderen Ort zu bringen. Und ist sie erstmal dort, verbreitet sie sich rasend.

Exponentielles Wachstum und das SI-Modell

Grund dafür ist die besondere Dynamik, mit der sich Viren vermehren. Da mehr Träger des Virus auch noch mehr Menschen anstecken können, was zu noch mehr Trägern führt, die noch mehr Menschen anstecken können, und so weiter, liegt hier eine positive Rückkopplung (häufig Teufelskreis genannt) vor, die sich selbst verstärkt, ähnlich wie das Kreischen, das entsteht, wenn ein Mikrofon zu nahe am Verstärker liegt, der den Ton verstärkt und den verstärkten Ton wieder als neuen Input ins Mikrofon gibt. Das führt zum sogenannten exponentiellen Wachstum.

Wir Menschen sind vor allem mit linearem Wachstum vertraut, also mit Wachstum, bei dem die Änderungsrate stets konstant bleibt, da die meisten Dinge in der Natur sich auf diese Weise verändern. Ein Beispiel ist eine Badewanne, in die pro Minute zehn Liter Wasser laufen. Jeder kann nun sehr einfach berechnen, wie sich die Badewanne in Zukunft entwickeln wird, denn die Gleichung lautet ganz einfach y = t * 10 l. Setzt man für t die Zeit in Minuten ein, lässt sich die Wassermenge (y) für jeden Zeitpunkt exakt und eindeutig berechnen.

y = 1 * 10 l = 10 l

y = 2 * 10 l = 20 l

y = 3 * 10 l = 30 l

y = 1,635 * 1030 * 10 l = 1,635 * 1031 l  (falls es eine große Badewanne ist und du viel Zeit hast)

Das ist die einfachste Art von Wachstum. Doch viel schwerer greifbar ist das exponentielle Wachstum, mit dem sich der Virus ausbreitet hat. Eine alte indische Legende dazu besagt, dass der grausame Herrscher Shihram einst sein Volk tyrannisierte und der weise Sissa durch die Erfindung des Schachspiels, in dem der König zwar die wichtigste Person, jedoch ohne die Hilfe der Bauern machtlos ist, versteckte Kritik an ihm übte. Doch diesem gefiel das Spiel und der gewährte Sissa daher einen Wunsch und schwor, er könne ihm jeden Wunsch erfüllen, den er sich ausdenken könne.

Also wünschte sich Sissa nichts als Weizenkörner. Jedoch wollte er diese auf einem Schachbrett angeordnet haben, und zwar in einem bestimmten Muster. Auf jedem Feld sollten doppelt so viele Körner liegen, wie auf dem vorhergehenden, also ein Korn auf dem ersten Feld, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten, acht auf dem vierten und so weiter und das auf allen 64 Feldern. Das klingt nach einem sehr bescheidenen Wunsch, doch das liegt nur daran, dass wir diese Art von Wachstum nicht fassen können. Insgesamt müssten ganze 18.446.744.073.709.551.615 Weizenkörner auf dem Schachbrett liegen, also etwa 18,45 Trillionen, was einem Gewicht von 730 Milliarden Tonnen entspräche.

Ein weiteres gutes Beispiel ist das Falten von Papier. Die Gleichung für die Dicke eines Platts Papier nach x Faltungen lautet y = 0,099 mm *2^x. 0,099 Millimeter ist hierbei die Dicke eines Blatts. Das sieht ganz harmlos aus, geht jedoch schnell in schwindelerregende Höhen. Faltet man das Blatt zehnmal ist es fast zehn Zentimeter hoch. Faltet man es 30 Mal, ist es hundert Kilometer hoch und reicht bis ins Weltall. Bei 42 Mal falten reicht es bis zum Mond und bei 103 Mal falten würde das beobachtbare Universum zu klein für die Höhe des Blatts, es wäre ganze 106 Milliarden Lichtjahre dick.

Solche Zahlen entziehen sich jeglicher menschlicher Vorstellungskraft. Rein mathematisch müssten sich Viren in etwa nach diesem Muster vermehren und so früher oder später die ganze Weltbevölkerung angesteckt haben. Das ist das sogenannte SI-Modell der Ausbreitung ansteckender Krankheiten, hier ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit nur davon abhängig, wie viele Infizierte und wie viele nicht infizierte Menschen es gibt. Dabei wird unterliegt die Ausbreitung des Virus einer Differenzialgleichung. Erinnern wir uns an die Badewanne, jedem Zeitpunkt wird eine Menge an Wasser zugeordnet. Eine Differentialgleichung ordnet nun einer Funktion ihre eigene Ableitung, also sozusagen ihre Veränderung, zu. Das macht Sinn: Die Änderung der Anzahl der Infizierten ist hier nur von der Anzahl der Infizierten abhängig.

Herdeneffekt und Basisreproduktionszahl

Doch dies ist nur eine stark vereinfachte Form, wir haben es in der Realität nicht mit exponentiellem Wachstum, sondern mit logistischem Wachstum zu tun, das entspricht einer Art exponentiellem Wachstum mit einer Limitierung. Und selbst das ist nur eine Vereinfachung. Ab einem gewissen Punkt wird das exponentielle Wachstum also flacher und kommt schließlich zum Stillstand, denn in der Realität genesen Menschen auch wieder und können sogar immun werden (womit die Änderung der Infektionsrate nicht nur von der Anzahl der Infizierten abhängig ist), sodass nicht die gesamte Weltbevölkerung infiziert wird, sondern ein Grenzwert gegeben ist, ab dem sich der Trend umkehren muss. Der Punkt, ab dem das passiert, ist durch den sogenannten Herdeneffekt gegeben.

Da Gedächtniszellen im menschlichen Körper die Bildung von Antikörpern bei erneuter Infektion vereinfachen, bleibt eine zweite Infektion häufig aus oder fällt wesentlich milder aus. Und wenn ein gewisser Anteil der Bevölkerung immun ist, geht die Zahl Infizierter Menschen wieder zurück, das sagt der Herdeneffekt. Die Zahl der Menschen, die immun sein müssen, um den Herdeneffekt zu erreichen, lässt sich recht einfach berechnen:

HImin = 1 – 1/R0

R0 ist hierbei ein Wert, der sich Basisreproduktionszahl nennt. Sie gibt an, wie viele gesunde Menschen ein infizierter Mensch im Laufe seiner Erkrankung ansteckt. Genau von dieser Zahl ist abhängig, wann der Herdeneffekt eintritt. Liegt die Basisreproduktionszahl bei 1, ergibt sich eine minimale Herdenimmunität von null, die Krankheit breitet sich also gar nicht aus und liegt sie im Durchschnitt sogar unter 1, erhält man einen negativen Wert und die Krankheit wird bekämpft und geht zurück. Und genau hier liegt das Problem: Aufgrund der hohen Inkubationszeit lag die Basisreproduktionszahl bei SARS-CoV-2 lange bei einem sehr hohen Wert, ein Mensch steckte drei, vier oder fünf Menschen an, für das Erreichen der Herdenimmunität müssten hier etwa zwei Drittel der Menschen immun werden. Bevor das Virus zurückgeht, würden sich also zwangsläufig zwei Drittel der Bevölkerung anstecken.

Wie wir aber zudem sehen, ist R0 hier die einzige Zahl, die wir beeinflussen können. Durch Schutzmaßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren, Maskenpflicht, etc. können wir also dafür sorgen, dass die Basisrepoduktionszahl unter 1 sinkt und das Virus bekämpft werden kann, sodass sich weniger Menschen gleichzeitig infizieren und somit die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht überschritten werden. Natürlich zögert sich das Erreichen des Herdeneffekts dadurch hinaus, vermutlich wird ein Impfstoff dem zuvorkommen, sodass der Herdeneffekt gar nicht erst erreicht wird.

Kein einziger Mensch darf mehr sterben als es unvermeidbar ist und das mathematische Verhältnis gibt recht offensichtlich an, wieso die Verminderung sozialer Kontakte und weitere Schutzmaßnahmen der einzige Weg dafür sind.

Herdenimmunität eine sozialdarwinistische Strategie

Trifft man keinerlei Schutzmaßnahmen, schießt R0 in die Höhe, und bereits, wenn sie 1,1 erreicht, sieht die Dynamik der Pandemie grundsätzlich anders aus – exponentielles Wachstum reagiert sehr sensibel auf Störungen.

Das bedeutet, das Erreichen der Herdenimmunität bezahlt man damit, dass man große Teile der Gesellschaft „wegsterben“ lässt, in der Regel sind es dann natürlich ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen – man entledigt sich also den Teilen der Bevölkerung, die eine Gefahr für die Allgemeinheit sind. Und häufig sind die Menschen, die das befürworten, dieselben Menschen, die China vorwerfen, der einzelne sei dort nichts wert. Wir Menschen sind die einzige Spezies, die dem einzelnen Individuum einen Wert zukommen lässt und das macht uns zu etwas sehr Besonderem. Wir sollten auch in dieser Krise dem treu bleiben, wir sollten nicht nur die Menschheit bewahren, sondern auch die Menschlichkeit, das, was uns auszeichnet, was uns von Tieren unterscheidet.

Die Wissenschaft sagt uns folgendes:

  • Schutzmaßnahmen können die Basisreproduktionszahl senken.
  • Durch die Senkung der Basisreproduktionszahl kann die Krankheit bekämpft werden.
  • Ohne Schutzmaßnahmen breitet sich das Virus zu schnell bis zum Grenzwert aus.
  • Das schnelle Erreichen des Herdeneffekts beim Grenzwert würde mit Millionen Toten einhergehen.

Was wir daraus machen, kann sie uns jedoch nicht sagen, das müssen wir selbst wissen. Meiner Meinung nach, und ich möchte hier betonen, dass wir den Bereich der Wissenschaft verlassen und ich hier meine persönliche Meinung darlege, ist die Sache recht klar: Die Wirtschaft dient dem Menschen, daher kann man sie natürlich nicht gegen Menschenleben abwägen. Wenn es direkt um das Überleben von Menschen gibt, dann hat sie Sendepause! Die Welt wird nie wieder die sein, die sie war. Wir werden unsere Werte und Normen neu definieren müssen, die Welt wird sich neu anordnen und das ist unsere Chance, für eine lebenswertere Gesellschaft einzustehen. Die regelrechte „Säuberung“ von Gesellschaften darf nicht normalisiert werden, sie darf nicht ihn die öffentliche Debatte gelangen, sie muss da bleiben, wo sie hingehört: In die Liste der Dinge, die man nicht sagen darf, ohne als Nazi bezeichnet zu werden. Das Überleben ist die elementarste Freiheit, alle anderen sind unterzurordnen.

Corona-Pandemie in der Wissenschaft

Wie ich bereits gesagt habe, beeindruckt es mich wirklich zutiefst, welchen Stellenwert Aussagen von Wissenschaftlern momentan haben. Aber Wissenschaft spielt sich halt doch nicht mit punktförmigen Objekten im Vakuum ab, sie ist genauso ein Bestandteil von Gesellschaft und Kultur wie alles andere auch und ist genauso betroffen von der Corona-Pandemie. Das weiß ich natürlich aus erster Hand, da ich in den letzten Wochen vor allem damit beschäftigt war, Videokonferenzen zur Fortführung meines Forschungsprojektes zu organisieren, aber auch aus Berichten.

Vor allem in der Raumfahrt und der Astronomie gibt es nun große Verzögerungen. Eigentlich wollte man die Sensation von 2019 wiederholen und weitere Fotos von Schwarzen Löchern mit dem Event Horizon Telescope anfertigen. Das ist jedoch kein normales Teleskop, es ist ein Netzwerk von Teleskopen auf dem gesamten Globus und es muss simultan an allen Teleskopen beobachtet werden, um so etwas wie ein Foto eines Schwarzen Lochs anfertigen zu können. Das geht natürlich momentan nicht, doch 2021 wird es wieder den Betrieb aufnehmen und das sogar modifiziert. Wir müssen also noch warten auf weitere Bilder von Schwarzen Löchern, aber wenn es dann soweit ist, werden sie noch viel großartiger.

Auch zahlreiche Missionen ins All sind verschoben. Die ISS ist trotz Corona-Pandemie vollständig mit sechs Astronauten besetzt – sicherlich einer der angenehmsten Orte momentan. Die Arbeitspferde der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, die Ariane 5-Raketen werden jedoch vorerst am Boden bleiben.

Auch die geplante europäisch-russische Mission zum Mars liegt auf Eis, dem ExoMars Trace Gas Orbiter, der bereits den Mars umkreist (derzeit coronabedingt aber im Stand-by-Modus) sollte eigentlich noch 2020 der Rover Rosalind Franklin folgen. Entsprechend seiner Benennung nach der berühmten Wissenschaftlerin, die einen großen Beitrag zur Enthüllung der DNA-Struktur leistete, soll er nach organischen Molekülen als Rest ehemaligen Lebens auf dem Mars suchen. In letzter Zeit machte der Fallschirm für die Landung auf dem Roten Planeten Probleme, der Start für 2020 rückte in die Ferne, nun steht es fest: Rosalind Franklin wird frühestens 2022 starten, die Corona-Pandemie machte weitere Tests extrem schwierig.

Obwohl auf der ISS alles noch recht normal ist, ist auch die bemannte Raumfahrt betroffen, so laufen die Vorbereitungen für die bemannte Landung von Menschen nahe des Südpols des Mondes für 2024 auf Hochtouren, das Raumschiff Orion, die Rakete Space Launch System und die verschiedenen Entwürfe privater Unternehmen für eine Landefähre müssen etwa noch getestet werden, diese Tests werden nun verschoben und auch der Bau der Module für die Mondstation LOP-G könnte sich verschieben. Bisher hält die NASA dennoch weiter am Ziel einer Landung 2024 fest, wir wollen alle hoffen, dass sie es schaffen, aber einfach wird es nicht.

Nichts neues sind Verzögerungen bei der Zukunft der Astronomie, dem James Webb Space Telescope, es soll das Licht aus der Frühzeit des Universums kurz nach dem Urknall empfangen und mehr über die Entstehung von Sternen und Galaxien herausfinden, aber es soll auch erstmals in der Lage sein, die Atmosphären erdähnlicher Planeten nach möglichen Spuren von Leben zu analysieren. Eigentlich sollte das James Webb Space Telescope 2014 nach Entwicklungskosten von 3,3 Milliarden Euro im All sein, doch mittlerweile wird es einen Start frühestens 2021 geben und auch das ist aufgrund der Corona-Pandemie zweifelhaft, die Kosten werden sich voraussichtlich auf mindestens 8,7 Milliarden Euro belaufen.

Dringlicher sieht es mit der europäisch-japanischen Mission BepiColombo aus, sie ist zwar seit 2018 auf dem Weg zum Merkur, um ihn zu erreichen, muss sie jedoch die Planeten als Gravitationsschleuder nutzen und so beschleunigen – auch die Erde. Erst vor kurzem flog BepiColombo an der Erde vorbei, die war sogar mit kleinen Teleskopen sichtbar. Dabei mussten Instrumente getestet werden und man musste aufpassen, dass das Manöver korrekt ausgeführt wird. Das kann man natürlich auch nicht verschieben, eine Raumsonde kann im All nicht einfach anhalten, daher war das Satellitenkontrollzentrum unter Einhaltung von Abstandsregeln besetzt und das Manöver konnte erfolgreich umgesetzt werden.

Auch am LIGO werden momentan keine Gravitationswellen gejagt und am LHC liegt die Aufrüstung auf Eis. Die Teleskope der Europäischen Südsternwarte machen ebenfalls Pause und durch den eingeschränkten Flugverkehr werden auch weniger meteorologische Daten gesammelt, was die Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen verschlechtert.

Entspannter sieht es die Wissenschaft in China, der Rover Yutu-2 rollt seit 14 Monaten über die Rückseite des Mondes – noch nie hielt ein Rover so lange auf unserem Trabanten durch. Für dieses Jahr sind dort noch knapp 40 Raketenstarts geplant, etwa Chang´e 5, eine Sonde, die zwei Kilogramm Mondgestein zur Erde bringen soll. Auch eine chinesische Mission zum Mars mit Lander und Rover ist noch für dieses Jahr geplant, trotz der Corona-Pandemie versucht man mit aller Kraft, einen Starttermin im Juli oder August einzuhalten, denn dann liegt eine besonders günstige Konstellation von Erde und Mars vor, die einen Flug in acht Monaten ermöglicht und nur alle 26 Monate auftritt.

Primär laufen in China aber derzeit die Vorbereitungen zum Start des Kernmoduls der großen Chinesischen Raumstation, in der ab 2022 dauerhaft sechs Menschen leben sollen. Unter höchsten Schutzvorkehrungen scheut man dort keine großen Investitionen in Wissenschaft und Raumfahrt, weshalb die Hürden vor allem technisch sind. Die Rakete Langer Marsch 5 hat in letzter Zeit nämlich eine Art Pechsträhne, es gab mehrere Fehlstarts. Doch man lässt sich nicht unterkriegen, noch dieses Jahr soll das Raumschiff, welches die Station versorgen wird, seinen Jungfernflug absolvieren.

So wird sich auch die Wissenschaft wieder erholen. Doch wir sollten uns wirklich Fragen, ob wir der Wissenschaft in Zukunft nicht immer diese Bedeutung zumessen wollen – es wäre sehr zu wünschen.

Weder „China-Virus“, noch „Asien-Virus“

Wir müssen uns diese Fragen zudem schnell stellen, denn unsere Welt wird in Zukunft nicht ungefährlicher werden. SARS-CoV-2 ist vermutlich durch eine sogenannte Zoonose auf einem Wet Market auf den Menschen übergesprungen.

Solche Wet Markets sind in vielen asiatischen Ländern vorzufinden. Dennoch sind Bezeichnungen wie „Asien-Virus“ oder „China-Virus“ vollkommen unangemessen und auch wissenschaftlich nicht sinnvoll. Das Virus ist zwar in China ausgebrochen und das hat zum Teil sicherlich auch etwa mit den Wet Markets zutun, die man daher hinterfragen sollte, doch wie bereits oben erklärt, treten Viren durch Zoonose fast dauernd auf der Welt über, aber nur wenige werden durch einen zufälligen langen Levy-Flug (also vielleicht einen Touristen, der sich infiziert) zu einer globalen Pandemie wie jetzt die Corona-Pandemie. Die ganze Welt mit ihrem derzeitigen Lebensstil trägt also eine Mitschuld, die Virus-Drehscheibe in Europa war beispielsweise Ischgl in Österreich.

Zudem sind Wet Markets nicht der einzige Ort, an dem sich eine Zoonose ereignen kann. Fledermäuse sind beispielsweise häufig Träger von Coronaviren, ihr Immunsystem ist jedoch gut gegen sie gerüstet. Eine zufällige Mutation kann es dem Virus jedoch ermöglichen, auf andere Arten überzuspringen, die nicht so gut gewappnet sind – in diesem Fall der Mensch. Man vermutet, dass im Fall von SARS-CoV-2 das Virus von einer Fledermaus ein ein weiteres Tier übertragen wurde, das es dann auf den Menschen übertrug.

Das bedeutet, Zoonose kann sich an jedem Ort ereignen, an dem Menschen und Tiere eng zusammenleben. Und wenn die Zerstörung der Biotope vieler Lebewesen weiter so voranschreitet, wird dies in Zukunft viel häufiger der Fall sein, auch mitten in Städten. Hinzu kommt, dass sich durch das Aussterben vieler Tierarten sogenannte Generalisten durchsetzen, also extrem anpassungsfähige Tiere. Somit sinkt die Vielfalt des Ökosystems und das macht es noch anfälliger für Viren. Des weiteren können harte Winter eine Pandemie verhindern, die nun auch wegfallen. Und Krankheiten übertragende Mücken fühlen sich durch die Klimakatastrophe und das Ausdehnen von warmgemäßigten Klimazonen in ganz neuen Regionen zuhause. All das legt es nah, dass Pandemien in Zukunft deutlich häufiger werden.

Das macht es umso wichtiger, dass wir nun daraus lernen. Wir haben in unseren Breitengraden einen sehr weit ausgelegten Freiheitsbegriff: Autofahren, Fleischessen, das sind für uns Freiheiten. Und natürlich sind das grundsätzlich angenehme Sachen. Doch nun gilt es, unseren Freiheitsbegriff enger zu fassen, uns also einzuschränken, damit dieser enger gefasste Freiheitsbegriff auf der ganzen Welt gelten kann. Das bedeutet, wir müssen zum Beispiel auf das Rausgehen verzichten, um anderen Menschen das Überleben zu sichern. Und genau das gilt für sehr viele andere Dinge: Wir müssen auf Fleisch verzichten, um anderen Menschen Trinkwasser und Nahrung zu sichern. Wir müssen aufs Autofahren verzichten, um anderen Menschen ein bewohnbares Land zu sichern.

Wir werden nicht an Auflagen und Einschränkungen ersticken. Wenn wir ersticken, dann an unserer Gier, unserem Egoismus, unserer Arroganz und unserer Selbstsucht. Wir haben in den letzten Monaten einen ganz neuen Staat kennengelernt, der anhand wissenschaftlicher Tatsachen handelt und diese auch gegenüber der Wirtschaft vertritt und zumindest an diese Aspekte könnte ich mich gut gewöhnen. Ich hoffe, dass wir möglichst viel von dieser Bereitschaft zum Verzicht mitnehmen. Und ich glaube, die Chancen stehen gut.

In Teilen Osteuropas ist beispielsweise die Schweinepest ausgebrochen, das wird zu einem höheren Fleischpreis führen und besonders die größeren Lebensmittelkonzerne treffen, die auf Exporte und Importe angewiesen sind. Es ist also durchaus im Rahmen des möglichen, dass Fleisch und andere Luxusprodukte endlich den Preis bekommen, den sie für viele andere Menschen verursachen. Wenn wir das schaffen, können wir jeder noch kommenden Krise mit der beruhigenden Gewissheit entgegensehen, dass wir zusammenhalten, wenn es darauf ankommt.

Glaube ich das? Nein, ich denke, die nächsten Jahre werden ein totales Desaster, ich denke, es werden noch viele Menschen sterben, da wir die Beschränkungen lockern, Maßnahmen gegen die Klimakrise werden aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, in ein paar Jahren kommt dann die nächste Wirtschaftskrise bedingt durch Hitzewellen und Hungersnöte – hunderttausende Klimaflüchtlinge werden aus ihrer Heimat vertrieben. Trump wird wiedergewählt und reitet sich aus Ablenkung vor der katastrophalen innenpolitischen Organisation tief in einen außenpolitischen Konflikt rein.

Was auch immer in den kommenden Jahren passieren wird und auch wenn es nur ein kleiner Trost ist, ihr könnt euch sicher sein, dass wir uns bewusst sind, dass es keine Welt wird, in der es engagierte und anständige Menschen weniger braucht – ganz im Gegenteil. Wir werden weitermachen, wir werden kämpfen bis zur letzten Sekunde!

Wochenendrebellen Live

Netflix drosselt die Geschwindigkeit, Youtube separiert Bandbreitekapazitäten, die großen Netzprovider sperren die Mediathekenzugänge: Die Wochenendrebellen sind live auf Youtube und via Zoom mit der vermutlich längsten Lesung, die jemals ein Mensch ertragen musste (Das ist ein Witz, die längste dauerte 55 Tage, solange wird das Dolmetschen wohl nicht möglich sein.).

Nach einer Lesung im Stadion nach dem Spiel, im Pfarramt, auf einer Autismus-Konferenz, einem Sofa in einem Fanprojekt, auf dem Wasted in Jarmen-Festival von Feine Sahne Fischfilet und in einer Bahnhofshalle wird das auch für uns noch etwas Neues, kommt nun aber sicherlich zum richtigen Zeitpunkt.

Im Ernst, es wird bestimmt schön. Kommt rum, wir stellen sicher, dass die Pandemie und ihre Konsequenzen für ein paar Stunden in den Hintergrund treten und ihr einen kleinen Blick über den Tellerrand werft. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe KickOn von InklusionFußball.de statt und wird barrierearm angeboten.

Wir lesen aus unserem Buch „Wir Wochenendrebellen“ jeweils eine Geschichte vor, die wir gemeinsam auf einem Ausflug erlebt haben, dabei lassen wir das Publikum zwischen drei Geschichten auswählen, gelesen wird dann das Kapitel mit den meisten Stimmen.

Zudem werde ich wie immer auch den frühen Höhepunkt unseres Buches vortragen, nämlich mein Einleitungskapitel und in einem Text erläutern, warum wir die Lesereise überhaupt machen. Doch der Großteil der Lesung besteht nicht aus dem Vorlesen von Kapiteln, sondern aus Diskussionen, der Beantwortung von Fragen, dem Erzählen von Anekdoten oder Intervenieren meinerseits. Daher kommt auch die übliche Länge von drei Stunden zustande.

Die Wege zur Teilnahme sind einfach:

Ihr könnt euch über diesen Link für die Teilnahme via Zoom einloggen. Für den stabileren Empfang ist der Download der Desktop oder Mobil-App empfohlen. Ihr benötigt allerdings keinen Benutzeraccount!

Die Lesung wird parallel live auf Youtube gestreamt. Unseren Kanal findet ihr hier, bei der Gelegenheit würden wir uns natürlich sehr freuen, wenn ihr ihn abonniert.

Der Direktlink zum Livestream ist hier.

Infos zum gesamten Programm von Inklusion-fussball.de findet ihr hier.

Hinweise zur Barrierefreiheit

Es wird eine Schriftverdolmetschung angeboten.

Für ein möglichst barrierearmes Veranstaltungserlebnis mittels einer Schriftverdolmetschung empfehlen wir den Download der Zoom-App und die Nutzung eines Laptops. Eine DGS-Verdolmetschung der Veranstaltung über einen geteilten Bildschirm ist auf dem  Smartphone oder Tablet leider technisch nicht in adäquater Form möglich. Wir versuchen unser Bestes, die Veranstaltungen so barrierearm wie möglich anzubieten. Falls ihr Unterstützung von uns benötigt, meldet euren Bedarf per E-Mail über das KickOn@Home- Kontaktformular mindestens 48 Stunden vor Veranstaltungsbeginn an.

Wochenendrebellen Livelesung Informationen

Wie immer werden wir auch an diesem Abend wieder um Spenden bitten. Das wird online sicherlich nicht so einfach wie vor Ort, aber es würde uns auch freuen, wenn ihr vielleicht den Ankündigungslink oder auch diesen Post verbreitet. Sollte eine Spende derzeit finanziell nicht möglich sein, seid ihr natürlich dennoch herzlich eingeladen und könnt ja vielleicht an eurem nächsten Geburtstag, zu Weihnachten, einem anderen Anlass oder einfach so eine eigene Spendenaktion starten.

Wir werden uns eingestehen müssen, dass auch die COVID-19-Pandemie die dringend notwendige Verhaltenswende in unserer Gesellschaft nicht bringen wird. So wie uns heute die Freiheit des Besuchs einer Après-Ski-Party in Österreich wichtiger ist als das Überleben anderer Menschen, so waren uns in Vergangenheit auch unsere westlichen Luxusgüter wichtiger als die grundlegende Trinkwasserversorgung anderer Menschen und der Frage, wann wir wieder Kaffee trinken gehen dürfen kommt mehr Aufmerksamkeit zuteil wie der Frage, wie lange in Moria noch Menschen in Dreck und Morast eingepfercht sind.

Und so wird es aller Voraussicht nach auch weiterhin sein. Es passiert nichts Neues, es spielt sich nur immer wieder in unterschiedlicher Perversität ab.

Wir sind davon überzeugt, dass alle Menschen gleich sind und die elementaren Menschenrechte bedingungslos für alle sichergestellt sein müssen. Doch wie man derzeit unschwer erkennen kann, ist dies kein Selbstläufer. Es gibt keinen Gott, der dafür sorgt, dass alles schon wieder gut wird, es ist ganz alleine unsere Aufgabe, unseren Planeten zu einem Ort zu machen, den die anständigen Menschen dieser Welt mit Stolz ihre Heimat nennen können, weil alle Menschen auf der Welt gleich und wirklich frei sind.

Das kommt übrigens aus der kommunistische Kampfschrift „Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, zu der sich am 10.Dezember 1948 die Staaten der Welt bekannten. Bis heute leider nur ein Ideal.

Der finale Umdenkmoment für mich war das Abschmelzen des arktischen Permafrosts im Jahr 2019. Milliarden Tonnen eines hochgefährlichen Treibhausgases, welche die Erde über Jahrzehntausende grundlegend verändern und große Teile unbewohnbar machen werden werden, strömten in der Arktis aus dem Boden in die Atmosphäre – und niemanden hat es interessiert. Einige Monate später standen in Europa Städte unter Wasser, mit Australien brannte ein ganzer Kontinent und niemanden hat es interessiert. Ich begrub meine Hoffnung darauf, dass unser Versagen nur offensichtlich genug werden muss, um die Wende zu bringen.

Dennoch war ich voller Motivation. Ich erneuerte meine Position, die ich bereits 2016 gegenüber Papsi vertreten habe und die den Beginn unserer Lesereise darstellte:

„Wenn nicht wir die Welt zu einem besseren Ort machen können, wer denn dann?“

Das „wir“ meint natürlich in erster Linie die Wochenendrebellen selbst, ist aber eher im übertragenden Sinne zu verstehen, denn natürlich können wir die Welt nicht alleine besser machen, wir unterstützen mit unseren Spenden die Neven Subotic Stiftung beim nachhaltigen Brunnenbau in Nordäthiopien. Denn das ist einer der Orte auf der Welt, an dem echte Freiheiten nicht nur eingeschränkt, sondern quasi nicht vorhanden sind, nämlich das Recht auf sauberes Trinkwasser.

Eure Spenden gehen zu 100% an die Neven Subotic Stiftung und diese nutzt sie zu 100% in einem Brunnenbauprojekt, alle Verwaltungs- und Reisekosten, die für einen möglichst effizienten Einsatz der Spendengelder nötig sind, werden von Neven Subotic selbst getragen. Das ist ein Versprechen.

Den aktuellen Spendenstand unserer Aktion findet ihr hier, unser Ziel haben wir nach wie vor klar vor Augen: 50.000 Euro. Auch das habe ich versprochen. Helft uns dabei, es zu erreichen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen und habt euren momentan dringend nötigen Spaß mit unseren Geschichten. Wir freuen schon uns auf euch.

Du magst helfen? Mathematisch betrachtet dürfte die Spendensumme steigen umso mehr Zuschauer unsere Veranstaltung sehen. Teile die Info in Facebook-Gruppen, Groundhopping-Foren und nagele es ans schwarze Brett im Autismus-Therapieinstitut. Informiere Menschen bei denen du das Gefühl hast sie könnten entweder diese Form der Ablenkung gebrauchen oder die einfach Spaß an einem Abend mit uns haben könnten.

ISS soll bis 2030 im Orbit bleiben

Die Internationale Raumstation ISS stellt derzeit den größten Versuch der Menschheit dar, dauerhaft außerhalb der Erde zu leben und zu arbeiten. Die Station hat eine Spannweite von 110 Metern, kann neun Menschen beherbergen und wird von 16 Staaten gemeinsam betrieben. Hier werden Auswirkungen kosmischer Strahlung und Schwerelosigkeit auf den Menschen untersucht, astronomische Beobachtungen durchgeführt, neue Materialien in der Schwerelosigkeit getestet und auch Touristen haben die Station besucht. Nicht zuletzt ist die Raumstation des Paradebeispiel für gelungene Völkerverständigung und zeigt, was die Menschheit erreichen kann, wenn sie an einem Strang zieht. Dennoch ist der Betrieb der Station gefährdet. Technische Schwierigkeiten und nationale Interessen könnten ihn vorzeitig beenden. Doch derzeit stehen die Zeichen gut, dass die Station bis zu ihrem technischen Verfallsdatum im Jahr 2030 besucht werden kann.

Vom Pioniergeist zur Routine

Schon lange vor der ersten Mondlandung gab es Ideen für Raumstationen. Realistischere Vorhaben sahen eine internationale Station mit bis zu 20 Bewohnern, einige Physiker und Ingenieure träumten jedoch von riesigen bewohnten Röhren, die hunderttausenden Menschen ein dauerhaftes Zuhause bieten und ein eigenständiges Ökosystem bilden. Doch die Realität holte die NASA schnell ein. Nach Ende des Apollo-Programms war die Sowjetunion in Sachen Raumstationen meilenweit voraus. Erst nach Ende des Kalten Krieges zog man wieder den Bau einer internationalen Raumstation in Betracht. Das erste Modul der ISS sollte jedoch erst 1998 ins All starten. Schon über 20 Jahre umkreist die Station nun in einer Höhe von etwa 400 Kilometern die Erde. Doch langsam ist man dem stupiden Umkreisen der Erde überdrüssig.

Raumfahrt ist zur Routine geworden und hat wenig mit dem zu tun, in dessen Zeichen der Aufbruch ins All anfangs stand, das Entdecken neuer Welten, die Kolonialisierung anderer Himmelskörper, die Ausdehnung der Menschheit auf das Sonnensystem. Daher haben NASA und ESA gemeinsam ein neues Programm aufgelegt mit dem Ziel der Errichtung einer permanenten menschlichen Präsenz auf dem Mond. „Auf dem Mond“ ist hierbei nicht wörtlich zu verstehen, denn geplant ist eine neue internationale Raumstation im Orbit des Mondes, die vier Menschen für drei Monate beherbergen und mit der neuen Orion-Kapsel angeflogen werden kann. Von dort aus sollen Astronauten 2024 zum Südpol des Mondes fliegen. Doch dieses Projekt wird eine Menge Geld verschlingen, was ist dann mit der ISS?

Labor, Fabrik und Weltraumhotel

Urprünglich stellte sich die US-Regierung eine Mischung aus privatem Labor, schwereloser Fabrik und Weltraumhotel vor. Im Grunde genommen war ihr eigentlich alles recht, was kein weiteres Steuergeld kostet. Doch kein privates Unternehmen scheint in der Lage, bis 2024 eine Versorgung der Station errichten zu können, auch das Interesse hält sich bisher gering. Zudem gibt es auch wissenschaftliche Experimente, die 2024 noch nicht abgeschlossen sein werden. ESA und NASA sicherten die Finanzierung jedoch nur bis dahin zu. Die Frage um die Zukunft der Station blieb vor allem zwischen den USA und Russland lange ungeklärt, Europa trägt zwar acht Prozent der ISS-Kosten, hat jedoch genau wie die Amerikaner derzeit keinen eigenen bemannten Raumtransporter. Russland verhöhnte die Amerikaner daher und meinte, der russische Teil könne unabhängig vom amerikanischen betrieben werden, aber der amerikanische nicht unabhängig vom russischen. Ansonsten müssten die USA ihre Astronauten zukünftig „mit dem Trampolin zur ISS bringen“. Russland plante lange, die russischen Module abzukoppeln und eine eigene Station zu bauen. Die USA wollen ihre Abhängigkeit beenden, indem sie private Firmen bemannte Raumkapseln zur Versorgung der ISS bauen lassen.

Rein technisch ließe sich die Raumstation bis circa 2030 betreiben.

Betrieb bis 2030 wahrscheinlich

Doch kürzlich kamen auch aus Russland wieder optimistischere Worte. Dmitri Rogosin, der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos meinte, man würde die Station bis 2030 weiter betreiben wollen, bis dahin sei es in etwa technisch möglich. Viel länger kann man die Station nicht mehr sinnvoll betreiben, denn die Leistung der Solarkollektoren lässt durch Mikrometeoriten stetig nach und auch die schützenden Außenwände der ISS sind regelrecht durchlöchert. Dann soll die Station durch ein gezieltes Manöver in die Erdatmosphäre eindringen. Noch nie zuvor wurde ein so großes Objekt aus dem Orbit entfernt. Man erwartet, dass große Stücke der Station den Eintritt überstehen und im Südpazifik abstürzen werden, einem Gebiet fernab jeglichen menschlichen Lebens. Bis dahin werden aber schon längst wieder Menschen auf dem Mond gelandet sein.

Voyager Golden Record: Eine Botschaft für die Ewigkeit?

Jede Kultur hat ihre Relikte hinterlassen, die noch existierten, lange nach dem sie untergingen. So gibt es noch heute die Pyramiden, die Akropolis und das Kolosseum als Andenken an die Leistung unserer Vorfahren. Doch es wird eine Hinterlassenschaft der Menschheit geben, die noch existieren wird, wenn selbst unsere Erde Geschichte ist. Die Voyager Golden Record.

Die Planeten als Sprungbrett nutzen

Alles begann in den 1960er Jahren. Ein Mathematiker namens Michael Minovitch stellte die Hypothese auf, Raumsonden könnten durch enge Vorbeiflüge an den Planeten an Geschwindigkeit gewinnen ohne Treibstoff zu verbrauchen. Er nannte dieses Phänomen Swing-by-Manöver. Damit könnte man sogar die äußeren Planeten erreichen, meinte er. Zu diesem Zeitpunkt ist gerade mal eine Sonde am Mars vorbeigeflogen, Reisen ins äußere Sonnensystem waren pure Science Fiction.

Und doch schien der Traum, mit Swing-by-Manöver bis an die Grenzen unseres Sonnensystems zu fliegen ungebrochen. Dies verschärfte sich als man einige Jahre später herausfand, dass die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun in den späten 1970er Jahren so stehen würden, dass eine Sonde sich quasi mit Swing-by-Manövern von Planet zu Planet hangeln könnte und somit alle Gasplaneten erforschen könnte, um anschließend das Sonnensystem zu verlassen.

Ein Rennen gegen die Zeit

Von diesem Zeitpunkt aus begann für die Wissenschaftler ein Rennen gegen die Zeit. Diese besondere Konstellation wäre es 176 Jahre später erneut aufgetreten, also galt es die NASA schnellstmöglich von einer Mission, die man inzwischen „Planetary Grand Tour“ (Große Planetare Rundreise) nannte zu überzeugen. Es sollten vier Raumsonden gebaut werden. Zwei würden die Strecke Jupiter – Uranus – Neptun und zwei die Strecke Jupiter – Saturn – Pluto fliegen. All dies waren Himmelskörper, die man bis dahin nur aus dem Teleskop kannte. Die Flugzeit zu Pluto hätte 12 Jahre gedauert, daher wollte man notwendige Systeme doppelt einbauen, falls eines ausfallen würde. Besondere Angst hatte man vor dem Asteroidengürtel. Jenseits des Mars vermutete man einen Gürtel aus Asteroiden, der womöglich so dicht sein könnte, dass er nicht passabel für eine Raumsonde wäre.

Doch die Kosten von 700 Millionen Dollar und das Risiko waren zu groß. Daher strich die NASA das Programm in den 1970ern, wenige Jahre vor der Deadline. Aufgrund massiver Proteste seitens der Wissenschaftler schloss man einen Kompromiss – das Voyager-Programm. Statt vier Sonden sollten zu zwei fliegen, die eine Lebensdauer von vier Jahren haben und nur Jupiter und Saturn erforschen, während Uranus und Neptun aufgegeben werden.

Ein wenig Schummelei

So soll es sein. Die Wissenschaftler und Ingenieure machten sich and die Arbeit, aber immer mit dem deprimierenden Hintergedanken im Kopf, dass sie in ihrem Leben wohl niemals scharfe Bilder von Uranus, Neptun und Pluto sahen. Inzwischen war Jupiter schon von der Pioneer-Sonde erforscht worden. Also entschieden sich einige, die Anweisungen der NASA zu ignorieren. Als 1975 der Bau begann konstruierten sie die Sonde von Anfang an so, dass sie eine Chance hatte, auch bis zu ihren Passagen bei Uranus und Neptun funktionsfähig zu sein. 1977 war die Entwicklung vollendet und man taufte die Sonde Voyager-Raumsonden.

Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun

Voyager 1 sollte sich durch ein Swing-by-Manöver am Saturn aus dem Sonnensystems katapultieren, während man Voyager 2 einfach weiter fliegen lassen wollte, um eventuell doch noch Uranus und Neptun zu erreichen. Den Asteroidengürtel, der tatsächlich viel weniger dicht ist überstanden die Sonden unbeschadet. Voyager 1 entdeckte ein neues Ringsystem bei Jupiter, welches Voyager 2 weniger Monate genauer untersuchte. Auch die Atmosphäre und die Monde wurden genauer erforscht – mit großen Erfolg. Voyager 1 vollbrachte ein Swing-by-Manöver am Saturn und wurde dadurch auf eine Bahn geschossen, die sie in einem 35°-Winkel zum Sonnensystem in die tiefen des Alls fliegen lässt – auf das sie eines Tages andere Sterne erreichen sollte. Doch der Antrieb, eine Radionuklidbatterie ist begrenzt und sollte zur Neige gehen. Man hielt die Mission für beendet.

Voyager 2 flog durch Kurskorrekturen weiter zu Uranus und Neptun. Dort entdeckte Voyager 2 neun neue Monde des Planeten bevor auch die die Zone der Planeten verließ.

Eine Botschaft für die Ewigkeit

Schon lange vor dem Start der Sonden war man sich bewusst, dass sie eines fernen Tages unser Sonnensystem verlassen und in die Tiefen der Galaxis fliegen würden. Womöglich würde sie dort auf Außerirdische stoßen, die die Raumsonde begutachten. Daher wollte man den Raumsonden eine Botschaft mitgeben, die potentielle Außerirdische von der Existenz Menschheit informiert. Doch das ist schwieriger als gedacht. Denn wie soll man Außerirdischen von denen wir nichts wissen, erklären wie man die Nachricht abspielt und was sie bedeutet? Ein eigenes Forscherteam wurde damit beauftragt. Man entschied sich eine vergoldete Platte aus Kupfer zu nutzen. Die Platten befinden sich mit Kassette und Nadel zum Abspielen in einer Hülle. Auf der Hülle ist eine Anleitung zum Bau eines Plattenspielers.

Man machte sich die Gesetze der Physik zur Nutze, denn die sind überall gleich. Die benötigte Schwingungsfrequenz der Platte gab man in Verhältnis zur Schwingungsfrequenz eines Wasserstoffatoms an – denn die ist überall im Universum gleich. Der Wasserstoff wurde ebenfalls als H2-Molekül dargestellt. Auch wo die Außerirdischen und finden können ist vermerkt. Die Position der Sonne ist im Verhältnis zu 14 leuchtstarken Pulsaren angegeben, das sind Sternenleichen, die wie kosmische Leuchttürme funktionieren, da sie extrem große Mengen an Strahlung absondern. Durch sie kann man Positionen angeben.

Beethoven, Mozart und Bach

Doch die Technik war nicht die einzige Hürde. Man musste sich auch überlegen, was man den Außerirdischen sagen möchte. Schließlich entschied man sich unter anderem Klänge der Erde „The sounds of earth“ mitzuschicken. Dabei waren Stücke von Beethoven, Mozart und Bach, Volksmusik aus Senegal, Panflöten von den Salomonen-Inseln und Sackpfeifen aus Aserbaidschan. Weitere Geräusche sind Donner, der menschliche Herzschlag, der Start einer Saturn V, und ein Vulkanausbruch.

Außerdem gibt es Grußbotschaften in 55 Sprachen. Schaut man sich deren Inhalt an, bekommt man schon ein leichtes Unbehagen, wenn man bedenkt, dass dies alles ist, was die Außerirdischen über die Menschheit wissen und zusätzlich noch unseres Position im All notiert ist. Dort stehen so geistreiche Sätze wie: „Freunde im Weltraum, wie geht es Euch allen? Habt Ihr schon gegessen? Kommt und besucht uns, wenn Ihr Zeit habt.“ (Ja, die Doppeldeutigkeit wurde mehrfach kritisiert.) Aber auch Sätze wie „Grüße an Euch, wer immer Ihr seid: Wir sind Euch wohlgesinnt und bringen Frieden zu den Sternen.“ auf Latein oder einfach nur „Frieden“ auf Hebräisch.

Der der Platte besteht aus Bildern, darunter Bilder unseres Sonnensystems, eines Menschen bei einem Weltraumspaziergang, das Taj Mahal, die Anatomie des Menschen, eine Skizze unserer DNA, ein Bild der Erde, ein Fötus, Kinder unterschiedlicher Herkunft, die ihre Hände auf einen Globus legen, das UN-Hauptquartier bei Nacht, Mathematische Formeln und eine stillende Mutter.

Die Grußbotschaft von Präsident Carter

„Diese Voyager-Raumkapsel wurde von den Vereinigten Staaten von Amerika gebaut. Wir sind eine Gemeinschaft von 240 Millionen Menschen unter den über 4 Milliarden, die den Planeten Erde bewohnen. Wir Menschen sind noch in nationalen Staaten unterteilt, aber diese Staaten werden bald eine einzige, globale Zivilisation sein.“

Weiter: „Wir schicken diese Botschaft ins Weltall. Wahrscheinlich wird sie auch noch 1 Milliarde Jahre nach uns leben, wenn unsere Zivilisation sich zutiefst verändert und die Oberfläche der Erde sich weitgehend verwandelt haben wird. Von den 200 Millionen Sternen der Milchstraße haben vielleicht einige – eventuell viele – bewohnte Planeten und der Raumfahrt kundige Zivilisationen. Sollte eine solche Zivilisation die Voyager-Kapsel auffangen und diese auf eine Bild-Ton-Platte aufgenommene Botschaft verstehen, so lautet sie folgendermaßen:


Dies ist ein Geschenk von einer kleinen, fernen Welt, ein Zeugnis unserer Geräusche, unserer Wissenschaft, unserer Bilder, unserer Musik, unseres Denkens und unseres Fühlens. Wir versuchen, unsere Zeit zu überleben, so daß wir in eurer leben können. Wir hoffen, nach der Lösung unserer gegenwärtigen Probleme einmal einer Gemeinschaft von Milchstraßen-Zivilisationen beizutreten. Diese Platte soll für unsere Hoffnung unsere Entschlossenheit sprechen sowie für unsere Bereitwilligkeit inmitten eines unermeßlichen, ehrfurchtgebietenden Universums“

Nachricht des US-Präsidenten Jimmy Carter auf der Voyager Golden Record

Der lange Weg zu den Aliens

Doch wir müssen uns nichts vormachen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bilder je wieder von einem Lebewesen gesehen werden ist nicht groß. Die Geschätzte Lebensdauer der Schallplatten beträgt 500 Millionen Jahre – 250 mal länger, als aufrecht gehende Menschen die Erde bevölkern und in kosmologischen Zeitskalen dennoch nur ein Wimpernschlag. Wenn Außerirdische die Sonde finden, müssten sie der Raumfahrt kundig sein und die Sonde abfangen.

Da wir über die Wahrscheinlichkeit intelligenten Lebens im Universum so gut wie nichts wissen, können wir auch nicht einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Botschaft abgespielt wird. Vielleicht ist es auch einfach ein ewiges Andenken an unsere Zivilisation. Sicher ist, dass, sollte sie je abgespielt werden, bis dahin noch viele Jahrtausende vergehen werden.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Botschaft jemals von einem anderen als uns gehört wird.

Nur ein Wunschtraum?

Vielleicht ist das auch besser so, denken sich einige. So wurde beispielsweise kritisiert, dass wir unsere Position im Universum so leichtfertig preisgeben, ihnen zeigen, dass wir sowieso keine Chance hätten, sollten sie nicht friedlich gesinnt sein und sie in Grußbotschaften zu uns einladen. Doch noch viel mehr Kritik bekam der Inhalt der Botschaft. Schließlich zeigen wir uns von der besten Seite, als Zivilisation, die zusammenhält, denen Herkunft und Ethnie egal ist, die ins All fliegt, über ausgeklügelte Medizin verfügt und Friedensbotschaften ins All sendet.

So würde wohl niemand die damalige Gesellschaft beschreiben. Keine Bilder von sterbenden Walen, hungernden Kindern, Naziaufmärschen im Nationalsozialismus oder Atombombenexplosionen. Solange wir dies nicht auch in eine Botschaft integrieren ist sie vielleicht kein Andenken an die damalige Gesellschaft, sondern ein Andenken daran, wie die Menschen der damaligen Gesellschaft sich gesehen haben oder gerne gesehen hätten. Schließlich regte sie aber vor allem zum Nachdenken über uns selbst an. Und trauriger Weise sind wir dem Ideal auf der Voyager Golden Record in den letzten Jahren nicht wirklich näher gekommen.

Vorhut der Menschheit

Und wie geht es mit Voyager weiter? Sie haben das Sonnensystem inzwischen verlassen – und funktionieren noch immer. Statt vier Jahren senden die Voyager-Sonden jetzt schon 40 Jahre. Sie befinden sich im interstellaren Raum, in der die galaktische kosmische Strahlung den Sonnenwind verdrängt hat und sind in die lokale interstellare Gaswolke eingetaucht. Voyager 1 wird 2024 die Distanz von einem Lichttag zur Sonne überschreiten – und dabei vermutlich noch immer wissenschaftliche Daten sammeln.

Die Sonne ist lange nur noch ein Stern unter vielen – so werden sie in 500 Jahren die Oortsche Wolke erreichen, eine Ansammlung an Kometen, in die unser Sonnensystem eingebettet ist. In 40.000 Jahren wird sie den Stern Gliese 445 passieren. Voyager 2 wird in 300.000 Jahren das Doppelsternsystem Sirius passieren. Und sie werden weiter fliegen. Dabei werden die Orte erreichen, die dem Menschen vermutlich für immer verschlossen sind und die Nachricht von der Existenz der Menschheit in ferne Welten transportieren.