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Festgehaltenes abseits unseren Rebellentouren.

Wissenschaftliche Betrachtungen der Corona-Pandemie

Unsere Welt verändert sich derzeit in rasendem Tempo und die Krise lässt sowohl das beste, als auch das niederste in uns Menschen zum Vorschein kommen. Ich bin kein Virologe und zur Gefährlichkeit oder zum weiteren Verlauf der Corona-Pandemie weiß ich vermutlich nicht viel mehr als ihr. Dennoch kam natürlich auch ich nicht drumherum, mich mit dieser Pandemie zu beschäftigen, spätestens in Anbetracht der geplanten Wochenendrebellen-Lesungen in der Schweiz und meiner Projektpräsentation in Peking. Zuerst möchte ich sagen, dass ich es sehr beachtenswert finde, wie viel Aufmerksamkeit Wissenschaftlern in den letzten Wochen gezollt wird und wie konsequent sich nach der Wahrheit gerichtet wird, ich hoffe wir nehmen einiges daraus mit.

Als ich etwas Recherche betrieb, fielen mir jedoch immer wieder auch Parallelen zur Physik auf. Die Verbreitung von Viren folgt etwa recht ähnlichen Gesetzmäßigkeiten wie die Verbreitung von Schadstoffen in Flüssigkeiten und lässt sich physikalisch als Diffusionsprozess beschreiben. Die Dynamik von Pandemien unterliegt den gleichen Prinzipien, die Sonnensysteme ins Chaos stürzen und die Zahl der Infizierten wächst auf ähnliche Weise wie viele andere grundlegende Systeme in der Natur. Daher möchte ich die Corona-Pandemie hier aus wissenschaftliche Sicht darlegen.

Levy-Flüge und Random Walks

Viren bewegen sich zum einen an ihren Wirt gebunden und können zum anderen auf andere Wirte überspringen. Dieses Verhalten gleicht in etwa dem eines Geldscheins und tatsächlich unterliegen sowohl die Ausbreitungen von Geldscheinen, als auch die von Viren dem sogenannten Levy-Flug. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass die Richtung zwar komplett zufällig ist, die Länge der Sprünge, anders als beim gewöhnlichen „Random walk“, nicht immer gleich lang sind, sondern lediglich einer Wahrscheinlichkeitsverteilung unterliegen, nämlich sind lange Schritte unwahrscheinlicher und kürzere häufiger.

In den meisten Fällen bleiben die Geldscheine lange Zeit an einem Ort, sie legen nur wenige Kilometer pro Tag zurück, doch in sehr seltenen Fällen gibt es plötzlich ganze Sprünge über viele tausend Kilometer. Ähnliches ist bei Viren und ihren Wirten der Fall. Frühe Epidemien glichen eher dem klassischen „Random walk“ mit sehr kurzen zufälligen Schritten, so war es etwa im Falle der Pestepidemie im 14.Jahrhundert. Doch gerade diese seltenen, aber möglichen langen Schritte, etwa durch Fernreisen, machen eine Epidemie zur Pandemie, das System ist so instabil, dass dieser minimale Prozentsatz drastische Folgen haben kann.

Das gleicht einem Brückenpfeiler. Er kann mit vielen Tonnen Masse belastet werden, ohne dass irgendwas passiert. Doch ist ein kritischer Punkt erreicht, genügt auch das Gewicht einer Mücke, um den Pfeiler zum Einsturz zu bringen. Eine Pandemie verhält sich ähnlich: Ein einzelner langer Levy-Flug genügt, um eine Epidemie an einen ganz anderen Ort zu bringen. Und ist sie erstmal dort, verbreitet sie sich rasend.

Exponentielles Wachstum und das SI-Modell

Grund dafür ist die besondere Dynamik, mit der sich Viren vermehren. Da mehr Träger des Virus auch noch mehr Menschen anstecken können, was zu noch mehr Trägern führt, die noch mehr Menschen anstecken können, und so weiter, liegt hier eine positive Rückkopplung (häufig Teufelskreis genannt) vor, die sich selbst verstärkt, ähnlich wie das Kreischen, das entsteht, wenn ein Mikrofon zu nahe am Verstärker liegt, der den Ton verstärkt und den verstärkten Ton wieder als neuen Input ins Mikrofon gibt. Das führt zum sogenannten exponentiellen Wachstum.

Wir Menschen sind vor allem mit linearem Wachstum vertraut, also mit Wachstum, bei dem die Änderungsrate stets konstant bleibt, da die meisten Dinge in der Natur sich auf diese Weise verändern. Ein Beispiel ist eine Badewanne, in die pro Minute zehn Liter Wasser laufen. Jeder kann nun sehr einfach berechnen, wie sich die Badewanne in Zukunft entwickeln wird, denn die Gleichung lautet ganz einfach y = t * 10 l. Setzt man für t die Zeit in Minuten ein, lässt sich die Wassermenge (y) für jeden Zeitpunkt exakt und eindeutig berechnen.

y = 1 * 10 l = 10 l

y = 2 * 10 l = 20 l

y = 3 * 10 l = 30 l

y = 1,635 * 1030 * 10 l = 1,635 * 1031 l  (falls es eine große Badewanne ist und du viel Zeit hast)

Das ist die einfachste Art von Wachstum. Doch viel schwerer greifbar ist das exponentielle Wachstum, mit dem sich der Virus ausbreitet hat. Eine alte indische Legende dazu besagt, dass der grausame Herrscher Shihram einst sein Volk tyrannisierte und der weise Sissa durch die Erfindung des Schachspiels, in dem der König zwar die wichtigste Person, jedoch ohne die Hilfe der Bauern machtlos ist, versteckte Kritik an ihm übte. Doch diesem gefiel das Spiel und der gewährte Sissa daher einen Wunsch und schwor, er könne ihm jeden Wunsch erfüllen, den er sich ausdenken könne.

Ein weiteres gutes Beispiel ist das Falten von Papier. Die Gleichung für die Dicke eines Platts Papier nach x Faltungen lautet y = 0,099 mm *2^x. 0,099 Millimeter ist hierbei die Dicke eines Blatts. Das sieht ganz harmlos aus, geht jedoch schnell in schwindelerregende Höhen. Faltet man das Blatt zehnmal ist es fast zehn Zentimeter hoch. Faltet man es 30 Mal, ist es hundert Kilometer hoch und reicht bis ins Weltall. Bei 42 Mal falten reicht es bis zum Mond und bei 103 Mal falten würde das beobachtbare Universum zu klein für die Höhe des Blatts, es wäre ganze 106 Milliarden Lichtjahre dick.

Solche Zahlen entziehen sich jeglicher menschlicher Vorstellungskraft. Rein mathematisch müssten sich Viren in etwa nach diesem Muster vermehren und so früher oder später die ganze Weltbevölkerung angesteckt haben. Das ist das sogenannte SI-Modell der Ausbreitung ansteckender Krankheiten, hier ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit nur davon abhängig, wie viele Infizierte und wie viele nicht infizierte Menschen es gibt. Dabei wird unterliegt die Ausbreitung des Virus einer Differenzialgleichung. Erinnern wir uns an die Badewanne, jedem Zeitpunkt wird eine Menge an Wasser zugeordnet. Eine Differentialgleichung ordnet nun einer Funktion ihre eigene Ableitung, also sozusagen ihre Veränderung, zu. Das macht Sinn: Die Änderung der Anzahl der Infizierten ist hier nur von der Anzahl der Infizierten abhängig.

Herdeneffekt und Basisreproduktionszahl

Doch dies ist nur eine stark vereinfachte Form, wir haben es in der Realität nicht mit exponentiellem Wachstum, sondern mit logistischem Wachstum zu tun, das entspricht einer Art exponentiellem Wachstum mit einer Limitierung. Und selbst das ist nur eine Vereinfachung. Ab einem gewissen Punkt wird das exponentielle Wachstum also flacher und kommt schließlich zum Stillstand, denn in der Realität genesen Menschen auch wieder und können sogar immun werden (womit die Änderung der Infektionsrate nicht nur von der Anzahl der Infizierten abhängig ist), sodass nicht die gesamte Weltbevölkerung infiziert wird, sondern ein Grenzwert gegeben ist, ab dem sich der Trend umkehren muss. Der Punkt, ab dem das passiert, ist durch den sogenannten Herdeneffekt gegeben.

Da Gedächtniszellen im menschlichen Körper die Bildung von Antikörpern bei erneuter Infektion vereinfachen, bleibt eine zweite Infektion häufig aus oder fällt wesentlich milder aus. Und wenn ein gewisser Anteil der Bevölkerung immun ist, geht die Zahl Infizierter Menschen wieder zurück, das sagt der Herdeneffekt. Die Zahl der Menschen, die immun sein müssen, um den Herdeneffekt zu erreichen, lässt sich recht einfach berechnen:

HImin = 1 – 1/R0

Wie wir aber zudem sehen, ist R0 hier die einzige Zahl, die wir beeinflussen können. Durch Schutzmaßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren, Maskenpflicht, etc. können wir also dafür sorgen, dass die Basisrepoduktionszahl unter 1 sinkt und das Virus bekämpft werden kann, sodass sich weniger Menschen gleichzeitig infizieren und somit die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht überschritten werden. Natürlich zögert sich das Erreichen des Herdeneffekts dadurch hinaus, vermutlich wird ein Impfstoff dem zuvorkommen, sodass der Herdeneffekt gar nicht erst erreicht wird.

Kein einziger Mensch darf mehr sterben als es unvermeidbar ist und das mathematische Verhältnis gibt recht offensichtlich an, wieso die Verminderung sozialer Kontakte und weitere Schutzmaßnahmen der einzige Weg dafür sind.

Herdenimmunität eine sozialdarwinistische Strategie

Das bedeutet, das Erreichen der Herdenimmunität bezahlt man damit, dass man große Teile der Gesellschaft „wegsterben“ lässt, in der Regel sind es dann natürlich ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen – man entledigt sich also den Teilen der Bevölkerung, die eine Gefahr für die Allgemeinheit sind. Und häufig sind die Menschen, die das befürworten, dieselben Menschen, die China vorwerfen, der einzelne sei dort nichts wert. Wir Menschen sind die einzige Spezies, die dem einzelnen Individuum einen Wert zukommen lässt und das macht uns zu etwas sehr Besonderem. Wir sollten auch in dieser Krise dem treu bleiben, wir sollten nicht nur die Menschheit bewahren, sondern auch die Menschlichkeit, das, was uns auszeichnet, was uns von Tieren unterscheidet.

Die Wissenschaft sagt uns folgendes:

  • Schutzmaßnahmen können die Basisreproduktionszahl senken.
  • Durch die Senkung der Basisreproduktionszahl kann die Krankheit bekämpft werden.
  • Ohne Schutzmaßnahmen breitet sich das Virus zu schnell bis zum Grenzwert aus.
  • Das schnelle Erreichen des Herdeneffekts beim Grenzwert würde mit Millionen Toten einhergehen.

Corona-Pandemie in der Wissenschaft

Vor allem in der Raumfahrt und der Astronomie gibt es nun große Verzögerungen. Eigentlich wollte man die Sensation von 2019 wiederholen und weitere Fotos von Schwarzen Löchern mit dem Event Horizon Telescope anfertigen. Das ist jedoch kein normales Teleskop, es ist ein Netzwerk von Teleskopen auf dem gesamten Globus und es muss simultan an allen Teleskopen beobachtet werden, um so etwas wie ein Foto eines Schwarzen Lochs anfertigen zu können. Das geht natürlich momentan nicht, doch 2021 wird es wieder den Betrieb aufnehmen und das sogar modifiziert. Wir müssen also noch warten auf weitere Bilder von Schwarzen Löchern, aber wenn es dann soweit ist, werden sie noch viel großartiger.

Auch zahlreiche Missionen ins All sind verschoben. Die ISS ist trotz Corona-Pandemie vollständig mit sechs Astronauten besetzt – sicherlich einer der angenehmsten Orte momentan. Die Arbeitspferde der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, die Ariane 5-Raketen werden jedoch vorerst am Boden bleiben.

Auch die geplante europäisch-russische Mission zum Mars liegt auf Eis, dem ExoMars Trace Gas Orbiter, der bereits den Mars umkreist (derzeit coronabedingt aber im Stand-by-Modus) sollte eigentlich noch 2020 der Rover Rosalind Franklin folgen. Entsprechend seiner Benennung nach der berühmten Wissenschaftlerin, die einen großen Beitrag zur Enthüllung der DNA-Struktur leistete, soll er nach organischen Molekülen als Rest ehemaligen Lebens auf dem Mars suchen. In letzter Zeit machte der Fallschirm für die Landung auf dem Roten Planeten Probleme, der Start für 2020 rückte in die Ferne, nun steht es fest: Rosalind Franklin wird frühestens 2022 starten, die Corona-Pandemie machte weitere Tests extrem schwierig.

Obwohl auf der ISS alles noch recht normal ist, ist auch die bemannte Raumfahrt betroffen, so laufen die Vorbereitungen für die bemannte Landung von Menschen nahe des Südpols des Mondes für 2024 auf Hochtouren, das Raumschiff Orion, die Rakete Space Launch System und die verschiedenen Entwürfe privater Unternehmen für eine Landefähre müssen etwa noch getestet werden, diese Tests werden nun verschoben und auch der Bau der Module für die Mondstation LOP-G könnte sich verschieben. Bisher hält die NASA dennoch weiter am Ziel einer Landung 2024 fest, wir wollen alle hoffen, dass sie es schaffen, aber einfach wird es nicht.

Dringlicher sieht es mit der europäisch-japanischen Mission BepiColombo aus, sie ist zwar seit 2018 auf dem Weg zum Merkur, um ihn zu erreichen, muss sie jedoch die Planeten als Gravitationsschleuder nutzen und so beschleunigen – auch die Erde. Erst vor kurzem flog BepiColombo an der Erde vorbei, die war sogar mit kleinen Teleskopen sichtbar. Dabei mussten Instrumente getestet werden und man musste aufpassen, dass das Manöver korrekt ausgeführt wird. Das kann man natürlich auch nicht verschieben, eine Raumsonde kann im All nicht einfach anhalten, daher war das Satellitenkontrollzentrum unter Einhaltung von Abstandsregeln besetzt und das Manöver konnte erfolgreich umgesetzt werden.

Auch am LIGO werden momentan keine Gravitationswellen gejagt und am LHC liegt die Aufrüstung auf Eis. Die Teleskope der Europäischen Südsternwarte machen ebenfalls Pause und durch den eingeschränkten Flugverkehr werden auch weniger meteorologische Daten gesammelt, was die Zuverlässigkeit von Wettervorhersagen verschlechtert.

Entspannter sieht es die Wissenschaft in China, der Rover Yutu-2 rollt seit 14 Monaten über die Rückseite des Mondes – noch nie hielt ein Rover so lange auf unserem Trabanten durch. Für dieses Jahr sind dort noch knapp 40 Raketenstarts geplant, etwa Chang´e 5, eine Sonde, die zwei Kilogramm Mondgestein zur Erde bringen soll. Auch eine chinesische Mission zum Mars mit Lander und Rover ist noch für dieses Jahr geplant, trotz der Corona-Pandemie versucht man mit aller Kraft, einen Starttermin im Juli oder August einzuhalten, denn dann liegt eine besonders günstige Konstellation von Erde und Mars vor, die einen Flug in acht Monaten ermöglicht und nur alle 26 Monate auftritt.

Primär laufen in China aber derzeit die Vorbereitungen zum Start des Kernmoduls der großen Chinesischen Raumstation, in der ab 2022 dauerhaft sechs Menschen leben sollen. Unter höchsten Schutzvorkehrungen scheut man dort keine großen Investitionen in Wissenschaft und Raumfahrt, weshalb die Hürden vor allem technisch sind. Die Rakete Langer Marsch 5 hat in letzter Zeit nämlich eine Art Pechsträhne, es gab mehrere Fehlstarts. Doch man lässt sich nicht unterkriegen, noch dieses Jahr soll das Raumschiff, welches die Station versorgen wird, seinen Jungfernflug absolvieren.

So wird sich auch die Wissenschaft wieder erholen. Doch wir sollten uns wirklich Fragen, ob wir der Wissenschaft in Zukunft nicht immer diese Bedeutung zumessen wollen – es wäre sehr zu wünschen.

Weder „China-Virus“, noch „Asien-Virus“

Wir müssen uns diese Fragen zudem schnell stellen, denn unsere Welt wird in Zukunft nicht ungefährlicher werden. SARS-CoV-2 ist vermutlich durch eine sogenannte Zoonose auf einem Wet Market auf den Menschen übergesprungen.

Solche Wet Markets sind in vielen asiatischen Ländern vorzufinden. Dennoch sind Bezeichnungen wie „Asien-Virus“ oder „China-Virus“ vollkommen unangemessen und auch wissenschaftlich nicht sinnvoll. Das Virus ist zwar in China ausgebrochen und das hat zum Teil sicherlich auch etwa mit den Wet Markets zutun, die man daher hinterfragen sollte, doch wie bereits oben erklärt, treten Viren durch Zoonose fast dauernd auf der Welt über, aber nur wenige werden durch einen zufälligen langen Levy-Flug (also vielleicht einen Touristen, der sich infiziert) zu einer globalen Pandemie wie jetzt die Corona-Pandemie. Die ganze Welt mit ihrem derzeitigen Lebensstil trägt also eine Mitschuld, die Virus-Drehscheibe in Europa war beispielsweise Ischgl in Österreich.

Zudem sind Wet Markets nicht der einzige Ort, an dem sich eine Zoonose ereignen kann. Fledermäuse sind beispielsweise häufig Träger von Coronaviren, ihr Immunsystem ist jedoch gut gegen sie gerüstet. Eine zufällige Mutation kann es dem Virus jedoch ermöglichen, auf andere Arten überzuspringen, die nicht so gut gewappnet sind – in diesem Fall der Mensch. Man vermutet, dass im Fall von SARS-CoV-2 das Virus von einer Fledermaus ein ein weiteres Tier übertragen wurde, das es dann auf den Menschen übertrug.

Das bedeutet, Zoonose kann sich an jedem Ort ereignen, an dem Menschen und Tiere eng zusammenleben. Und wenn die Zerstörung der Biotope vieler Lebewesen weiter so voranschreitet, wird dies in Zukunft viel häufiger der Fall sein, auch mitten in Städten. Hinzu kommt, dass sich durch das Aussterben vieler Tierarten sogenannte Generalisten durchsetzen, also extrem anpassungsfähige Tiere. Somit sinkt die Vielfalt des Ökosystems und das macht es noch anfälliger für Viren. Des weiteren können harte Winter eine Pandemie verhindern, die nun auch wegfallen. Und Krankheiten übertragende Mücken fühlen sich durch die Klimakatastrophe und das Ausdehnen von warmgemäßigten Klimazonen in ganz neuen Regionen zuhause. All das legt es nah, dass Pandemien in Zukunft deutlich häufiger werden.

Das macht es umso wichtiger, dass wir nun daraus lernen. Wir haben in unseren Breitengraden einen sehr weit ausgelegten Freiheitsbegriff: Autofahren, Fleischessen, das sind für uns Freiheiten. Und natürlich sind das grundsätzlich angenehme Sachen. Doch nun gilt es, unseren Freiheitsbegriff enger zu fassen, uns also einzuschränken, damit dieser enger gefasste Freiheitsbegriff auf der ganzen Welt gelten kann. Das bedeutet, wir müssen zum Beispiel auf das Rausgehen verzichten, um anderen Menschen das Überleben zu sichern. Und genau das gilt für sehr viele andere Dinge: Wir müssen auf Fleisch verzichten, um anderen Menschen Trinkwasser und Nahrung zu sichern. Wir müssen aufs Autofahren verzichten, um anderen Menschen ein bewohnbares Land zu sichern.

Wir werden nicht an Auflagen und Einschränkungen ersticken. Wenn wir ersticken, dann an unserer Gier, unserem Egoismus, unserer Arroganz und unserer Selbstsucht. Wir haben in den letzten Monaten einen ganz neuen Staat kennengelernt, der anhand wissenschaftlicher Tatsachen handelt und diese auch gegenüber der Wirtschaft vertritt und zumindest an diese Aspekte könnte ich mich gut gewöhnen. Ich hoffe, dass wir möglichst viel von dieser Bereitschaft zum Verzicht mitnehmen. Und ich glaube, die Chancen stehen gut.

In Teilen Osteuropas ist beispielsweise die Schweinepest ausgebrochen, das wird zu einem höheren Fleischpreis führen und besonders die größeren Lebensmittelkonzerne treffen, die auf Exporte und Importe angewiesen sind. Es ist also durchaus im Rahmen des möglichen, dass Fleisch und andere Luxusprodukte endlich den Preis bekommen, den sie für viele andere Menschen verursachen. Wenn wir das schaffen, können wir jeder noch kommenden Krise mit der beruhigenden Gewissheit entgegensehen, dass wir zusammenhalten, wenn es darauf ankommt.

Glaube ich das? Nein, ich denke, die nächsten Jahre werden ein totales Desaster, ich denke, es werden noch viele Menschen sterben, da wir die Beschränkungen lockern, Maßnahmen gegen die Klimakrise werden aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, in ein paar Jahren kommt dann die nächste Wirtschaftskrise bedingt durch Hitzewellen und Hungersnöte – hunderttausende Klimaflüchtlinge werden aus ihrer Heimat vertrieben. Trump wird wiedergewählt und reitet sich aus Ablenkung vor der katastrophalen innenpolitischen Organisation tief in einen außenpolitischen Konflikt rein.

Was auch immer in den kommenden Jahren passieren wird und auch wenn es nur ein kleiner Trost ist, ihr könnt euch sicher sein, dass wir uns bewusst sind, dass es keine Welt wird, in der es engagierte und anständige Menschen weniger braucht – ganz im Gegenteil. Wir werden weitermachen, wir werden kämpfen bis zur letzten Sekunde!

Wochenendrebellen Live

Netflix drosselt die Geschwindigkeit, Youtube separiert Bandbreitekapazitäten, die großen Netzprovider sperren die Mediathekenzugänge: Die Wochenendrebellen sind live auf Youtube und via Zoom mit der vermutlich längsten Lesung, die jemals ein Mensch ertragen musste (Das ist ein Witz, die längste dauerte 55 Tage, solange wird das Dolmetschen wohl nicht möglich sein.).

Nach einer Lesung im Stadion nach dem Spiel, im Pfarramt, auf einer Autismus-Konferenz, einem Sofa in einem Fanprojekt, auf dem Wasted in Jarmen-Festival von Feine Sahne Fischfilet und in einer Bahnhofshalle wird das auch für uns noch etwas Neues, kommt nun aber sicherlich zum richtigen Zeitpunkt.

Im Ernst, es wird bestimmt schön. Kommt rum, wir stellen sicher, dass die Pandemie und ihre Konsequenzen für ein paar Stunden in den Hintergrund treten und ihr einen kleinen Blick über den Tellerrand werft. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe KickOn von InklusionFußball.de statt und wird barrierearm angeboten.

Wir lesen aus unserem Buch „Wir Wochenendrebellen“ jeweils eine Geschichte vor, die wir gemeinsam auf einem Ausflug erlebt haben, dabei lassen wir das Publikum zwischen drei Geschichten auswählen, gelesen wird dann das Kapitel mit den meisten Stimmen.

Zudem werde ich wie immer auch den frühen Höhepunkt unseres Buches vortragen, nämlich mein Einleitungskapitel und in einem Text erläutern, warum wir die Lesereise überhaupt machen. Doch der Großteil der Lesung besteht nicht aus dem Vorlesen von Kapiteln, sondern aus Diskussionen, der Beantwortung von Fragen, dem Erzählen von Anekdoten oder Intervenieren meinerseits. Daher kommt auch die übliche Länge von drei Stunden zustande.

Die Wege zur Teilnahme sind einfach:

Ihr könnt euch über diesen Link für die Teilnahme via Zoom einloggen. Für den stabileren Empfang ist der Download der Desktop oder Mobil-App empfohlen. Ihr benötigt allerdings keinen Benutzeraccount!

Die Lesung wird parallel live auf Youtube gestreamt. Unseren Kanal findet ihr hier, bei der Gelegenheit würden wir uns natürlich sehr freuen, wenn ihr ihn abonniert.

Der Direktlink zum Livestream ist hier.

Infos zum gesamten Programm von Inklusion-fussball.de findet ihr hier.

Hinweise zur Barrierefreiheit

Es wird eine Schriftverdolmetschung angeboten.

Für ein möglichst barrierearmes Veranstaltungserlebnis mittels einer Schriftverdolmetschung empfehlen wir den Download der Zoom-App und die Nutzung eines Laptops. Eine DGS-Verdolmetschung der Veranstaltung über einen geteilten Bildschirm ist auf dem  Smartphone oder Tablet leider technisch nicht in adäquater Form möglich. Wir versuchen unser Bestes, die Veranstaltungen so barrierearm wie möglich anzubieten. Falls ihr Unterstützung von uns benötigt, meldet euren Bedarf per E-Mail über das KickOn@Home- Kontaktformular mindestens 48 Stunden vor Veranstaltungsbeginn an.

Wochenendrebellen Livelesung Informationen

Wie immer werden wir auch an diesem Abend wieder um Spenden bitten. Das wird online sicherlich nicht so einfach wie vor Ort, aber es würde uns auch freuen, wenn ihr vielleicht den Ankündigungslink oder auch diesen Post verbreitet. Sollte eine Spende derzeit finanziell nicht möglich sein, seid ihr natürlich dennoch herzlich eingeladen und könnt ja vielleicht an eurem nächsten Geburtstag, zu Weihnachten, einem anderen Anlass oder einfach so eine eigene Spendenaktion starten.

Wir werden uns eingestehen müssen, dass auch die COVID-19-Pandemie die dringend notwendige Verhaltenswende in unserer Gesellschaft nicht bringen wird. So wie uns heute die Freiheit des Besuchs einer Après-Ski-Party in Österreich wichtiger ist als das Überleben anderer Menschen, so waren uns in Vergangenheit auch unsere westlichen Luxusgüter wichtiger als die grundlegende Trinkwasserversorgung anderer Menschen und der Frage, wann wir wieder Kaffee trinken gehen dürfen kommt mehr Aufmerksamkeit zuteil wie der Frage, wie lange in Moria noch Menschen in Dreck und Morast eingepfercht sind.

Und so wird es aller Voraussicht nach auch weiterhin sein. Es passiert nichts Neues, es spielt sich nur immer wieder in unterschiedlicher Perversität ab.

Wir sind davon überzeugt, dass alle Menschen gleich sind und die elementaren Menschenrechte bedingungslos für alle sichergestellt sein müssen. Doch wie man derzeit unschwer erkennen kann, ist dies kein Selbstläufer. Es gibt keinen Gott, der dafür sorgt, dass alles schon wieder gut wird, es ist ganz alleine unsere Aufgabe, unseren Planeten zu einem Ort zu machen, den die anständigen Menschen dieser Welt mit Stolz ihre Heimat nennen können, weil alle Menschen auf der Welt gleich und wirklich frei sind.

Das kommt übrigens aus der kommunistische Kampfschrift „Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, zu der sich am 10.Dezember 1948 die Staaten der Welt bekannten. Bis heute leider nur ein Ideal.

Der finale Umdenkmoment für mich war das Abschmelzen des arktischen Permafrosts im Jahr 2019. Milliarden Tonnen eines hochgefährlichen Treibhausgases, welche die Erde über Jahrzehntausende grundlegend verändern und große Teile unbewohnbar machen werden werden, strömten in der Arktis aus dem Boden in die Atmosphäre – und niemanden hat es interessiert. Einige Monate später standen in Europa Städte unter Wasser, mit Australien brannte ein ganzer Kontinent und niemanden hat es interessiert. Ich begrub meine Hoffnung darauf, dass unser Versagen nur offensichtlich genug werden muss, um die Wende zu bringen.

Dennoch war ich voller Motivation. Ich erneuerte meine Position, die ich bereits 2016 gegenüber Papsi vertreten habe und die den Beginn unserer Lesereise darstellte:

„Wenn nicht wir die Welt zu einem besseren Ort machen können, wer denn dann?“

Das „wir“ meint natürlich in erster Linie die Wochenendrebellen selbst, ist aber eher im übertragenden Sinne zu verstehen, denn natürlich können wir die Welt nicht alleine besser machen, wir unterstützen mit unseren Spenden die Neven Subotic Stiftung beim nachhaltigen Brunnenbau in Nordäthiopien. Denn das ist einer der Orte auf der Welt, an dem echte Freiheiten nicht nur eingeschränkt, sondern quasi nicht vorhanden sind, nämlich das Recht auf sauberes Trinkwasser.

Eure Spenden gehen zu 100% an die Neven Subotic Stiftung und diese nutzt sie zu 100% in einem Brunnenbauprojekt, alle Verwaltungs- und Reisekosten, die für einen möglichst effizienten Einsatz der Spendengelder nötig sind, werden von Neven Subotic selbst getragen. Das ist ein Versprechen.

Den aktuellen Spendenstand unserer Aktion findet ihr hier, unser Ziel haben wir nach wie vor klar vor Augen: 50.000 Euro. Auch das habe ich versprochen. Helft uns dabei, es zu erreichen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen und habt euren momentan dringend nötigen Spaß mit unseren Geschichten. Wir freuen schon uns auf euch.

Du magst helfen? Mathematisch betrachtet dürfte die Spendensumme steigen umso mehr Zuschauer unsere Veranstaltung sehen. Teile die Info in Facebook-Gruppen, Groundhopping-Foren und nagele es ans schwarze Brett im Autismus-Therapieinstitut. Informiere Menschen bei denen du das Gefühl hast sie könnten entweder diese Form der Ablenkung gebrauchen oder die einfach Spaß an einem Abend mit uns haben könnten.

ISS soll bis 2030 im Orbit bleiben

Die Internationale Raumstation ISS stellt derzeit den größten Versuch der Menschheit dar, dauerhaft außerhalb der Erde zu leben und zu arbeiten. Die Station hat eine Spannweite von 110 Metern, kann neun Menschen beherbergen und wird von 16 Staaten gemeinsam betrieben. Hier werden Auswirkungen kosmischer Strahlung und Schwerelosigkeit auf den Menschen untersucht, astronomische Beobachtungen durchgeführt, neue Materialien in der Schwerelosigkeit getestet und auch Touristen haben die Station besucht. Nicht zuletzt ist die Raumstation des Paradebeispiel für gelungene Völkerverständigung und zeigt, was die Menschheit erreichen kann, wenn sie an einem Strang zieht. Dennoch ist der Betrieb der Station gefährdet. Technische Schwierigkeiten und nationale Interessen könnten ihn vorzeitig beenden. Doch derzeit stehen die Zeichen gut, dass die Station bis zu ihrem technischen Verfallsdatum im Jahr 2030 besucht werden kann.

Vom Pioniergeist zur Routine

Schon lange vor der ersten Mondlandung gab es Ideen für Raumstationen. Realistischere Vorhaben sahen eine internationale Station mit bis zu 20 Bewohnern, einige Physiker und Ingenieure träumten jedoch von riesigen bewohnten Röhren, die hunderttausenden Menschen ein dauerhaftes Zuhause bieten und ein eigenständiges Ökosystem bilden. Doch die Realität holte die NASA schnell ein. Nach Ende des Apollo-Programms war die Sowjetunion in Sachen Raumstationen meilenweit voraus. Erst nach Ende des Kalten Krieges zog man wieder den Bau einer internationalen Raumstation in Betracht. Das erste Modul der ISS sollte jedoch erst 1998 ins All starten. Schon über 20 Jahre umkreist die Station nun in einer Höhe von etwa 400 Kilometern die Erde. Doch langsam ist man dem stupiden Umkreisen der Erde überdrüssig.

Raumfahrt ist zur Routine geworden und hat wenig mit dem zu tun, in dessen Zeichen der Aufbruch ins All anfangs stand, das Entdecken neuer Welten, die Kolonialisierung anderer Himmelskörper, die Ausdehnung der Menschheit auf das Sonnensystem. Daher haben NASA und ESA gemeinsam ein neues Programm aufgelegt mit dem Ziel der Errichtung einer permanenten menschlichen Präsenz auf dem Mond. „Auf dem Mond“ ist hierbei nicht wörtlich zu verstehen, denn geplant ist eine neue internationale Raumstation im Orbit des Mondes, die vier Menschen für drei Monate beherbergen und mit der neuen Orion-Kapsel angeflogen werden kann. Von dort aus sollen Astronauten 2024 zum Südpol des Mondes fliegen. Doch dieses Projekt wird eine Menge Geld verschlingen, was ist dann mit der ISS?

Labor, Fabrik und Weltraumhotel

Urprünglich stellte sich die US-Regierung eine Mischung aus privatem Labor, schwereloser Fabrik und Weltraumhotel vor. Im Grunde genommen war ihr eigentlich alles recht, was kein weiteres Steuergeld kostet. Doch kein privates Unternehmen scheint in der Lage, bis 2024 eine Versorgung der Station errichten zu können, auch das Interesse hält sich bisher gering. Zudem gibt es auch wissenschaftliche Experimente, die 2024 noch nicht abgeschlossen sein werden. ESA und NASA sicherten die Finanzierung jedoch nur bis dahin zu. Die Frage um die Zukunft der Station blieb vor allem zwischen den USA und Russland lange ungeklärt, Europa trägt zwar acht Prozent der ISS-Kosten, hat jedoch genau wie die Amerikaner derzeit keinen eigenen bemannten Raumtransporter. Russland verhöhnte die Amerikaner daher und meinte, der russische Teil könne unabhängig vom amerikanischen betrieben werden, aber der amerikanische nicht unabhängig vom russischen. Ansonsten müssten die USA ihre Astronauten zukünftig „mit dem Trampolin zur ISS bringen“. Russland plante lange, die russischen Module abzukoppeln und eine eigene Station zu bauen. Die USA wollen ihre Abhängigkeit beenden, indem sie private Firmen bemannte Raumkapseln zur Versorgung der ISS bauen lassen.

Rein technisch ließe sich die Raumstation bis circa 2030 betreiben.

Betrieb bis 2030 wahrscheinlich

Doch kürzlich kamen auch aus Russland wieder optimistischere Worte. Dmitri Rogosin, der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos meinte, man würde die Station bis 2030 weiter betreiben wollen, bis dahin sei es in etwa technisch möglich. Viel länger kann man die Station nicht mehr sinnvoll betreiben, denn die Leistung der Solarkollektoren lässt durch Mikrometeoriten stetig nach und auch die schützenden Außenwände der ISS sind regelrecht durchlöchert. Dann soll die Station durch ein gezieltes Manöver in die Erdatmosphäre eindringen. Noch nie zuvor wurde ein so großes Objekt aus dem Orbit entfernt. Man erwartet, dass große Stücke der Station den Eintritt überstehen und im Südpazifik abstürzen werden, einem Gebiet fernab jeglichen menschlichen Lebens. Bis dahin werden aber schon längst wieder Menschen auf dem Mond gelandet sein.

Voyager Golden Record: Eine Botschaft für die Ewigkeit?

Jede Kultur hat ihre Relikte hinterlassen, die noch existierten, lange nach dem sie untergingen. So gibt es noch heute die Pyramiden, die Akropolis und das Kolosseum als Andenken an die Leistung unserer Vorfahren. Doch es wird eine Hinterlassenschaft der Menschheit geben, die noch existieren wird, wenn selbst unsere Erde Geschichte ist. Die Voyager Golden Record.

Die Planeten als Sprungbrett nutzen

Alles begann in den 1960er Jahren. Ein Mathematiker namens Michael Minovitch stellte die Hypothese auf, Raumsonden könnten durch enge Vorbeiflüge an den Planeten an Geschwindigkeit gewinnen ohne Treibstoff zu verbrauchen. Er nannte dieses Phänomen Swing-by-Manöver. Damit könnte man sogar die äußeren Planeten erreichen, meinte er. Zu diesem Zeitpunkt ist gerade mal eine Sonde am Mars vorbeigeflogen, Reisen ins äußere Sonnensystem waren pure Science Fiction.

Und doch schien der Traum, mit Swing-by-Manöver bis an die Grenzen unseres Sonnensystems zu fliegen ungebrochen. Dies verschärfte sich als man einige Jahre später herausfand, dass die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun in den späten 1970er Jahren so stehen würden, dass eine Sonde sich quasi mit Swing-by-Manövern von Planet zu Planet hangeln könnte und somit alle Gasplaneten erforschen könnte, um anschließend das Sonnensystem zu verlassen.

Ein Rennen gegen die Zeit

Von diesem Zeitpunkt aus begann für die Wissenschaftler ein Rennen gegen die Zeit. Diese besondere Konstellation wäre es 176 Jahre später erneut aufgetreten, also galt es die NASA schnellstmöglich von einer Mission, die man inzwischen „Planetary Grand Tour“ (Große Planetare Rundreise) nannte zu überzeugen. Es sollten vier Raumsonden gebaut werden. Zwei würden die Strecke Jupiter – Uranus – Neptun und zwei die Strecke Jupiter – Saturn – Pluto fliegen. All dies waren Himmelskörper, die man bis dahin nur aus dem Teleskop kannte. Die Flugzeit zu Pluto hätte 12 Jahre gedauert, daher wollte man notwendige Systeme doppelt einbauen, falls eines ausfallen würde. Besondere Angst hatte man vor dem Asteroidengürtel. Jenseits des Mars vermutete man einen Gürtel aus Asteroiden, der womöglich so dicht sein könnte, dass er nicht passabel für eine Raumsonde wäre.

Doch die Kosten von 700 Millionen Dollar und das Risiko waren zu groß. Daher strich die NASA das Programm in den 1970ern, wenige Jahre vor der Deadline. Aufgrund massiver Proteste seitens der Wissenschaftler schloss man einen Kompromiss – das Voyager-Programm. Statt vier Sonden sollten zu zwei fliegen, die eine Lebensdauer von vier Jahren haben und nur Jupiter und Saturn erforschen, während Uranus und Neptun aufgegeben werden.

Ein wenig Schummelei

So soll es sein. Die Wissenschaftler und Ingenieure machten sich and die Arbeit, aber immer mit dem deprimierenden Hintergedanken im Kopf, dass sie in ihrem Leben wohl niemals scharfe Bilder von Uranus, Neptun und Pluto sahen. Inzwischen war Jupiter schon von der Pioneer-Sonde erforscht worden. Also entschieden sich einige, die Anweisungen der NASA zu ignorieren. Als 1975 der Bau begann konstruierten sie die Sonde von Anfang an so, dass sie eine Chance hatte, auch bis zu ihren Passagen bei Uranus und Neptun funktionsfähig zu sein. 1977 war die Entwicklung vollendet und man taufte die Sonde Voyager-Raumsonden.

Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun

Voyager 1 sollte sich durch ein Swing-by-Manöver am Saturn aus dem Sonnensystems katapultieren, während man Voyager 2 einfach weiter fliegen lassen wollte, um eventuell doch noch Uranus und Neptun zu erreichen. Den Asteroidengürtel, der tatsächlich viel weniger dicht ist überstanden die Sonden unbeschadet. Voyager 1 entdeckte ein neues Ringsystem bei Jupiter, welches Voyager 2 weniger Monate genauer untersuchte. Auch die Atmosphäre und die Monde wurden genauer erforscht – mit großen Erfolg. Voyager 1 vollbrachte ein Swing-by-Manöver am Saturn und wurde dadurch auf eine Bahn geschossen, die sie in einem 35°-Winkel zum Sonnensystem in die tiefen des Alls fliegen lässt – auf das sie eines Tages andere Sterne erreichen sollte. Doch der Antrieb, eine Radionuklidbatterie ist begrenzt und sollte zur Neige gehen. Man hielt die Mission für beendet.

Voyager 2 flog durch Kurskorrekturen weiter zu Uranus und Neptun. Dort entdeckte Voyager 2 neun neue Monde des Planeten bevor auch die die Zone der Planeten verließ.

Eine Botschaft für die Ewigkeit

Schon lange vor dem Start der Sonden war man sich bewusst, dass sie eines fernen Tages unser Sonnensystem verlassen und in die Tiefen der Galaxis fliegen würden. Womöglich würde sie dort auf Außerirdische stoßen, die die Raumsonde begutachten. Daher wollte man den Raumsonden eine Botschaft mitgeben, die potentielle Außerirdische von der Existenz Menschheit informiert. Doch das ist schwieriger als gedacht. Denn wie soll man Außerirdischen von denen wir nichts wissen, erklären wie man die Nachricht abspielt und was sie bedeutet? Ein eigenes Forscherteam wurde damit beauftragt. Man entschied sich eine vergoldete Platte aus Kupfer zu nutzen. Die Platten befinden sich mit Kassette und Nadel zum Abspielen in einer Hülle. Auf der Hülle ist eine Anleitung zum Bau eines Plattenspielers.

Man machte sich die Gesetze der Physik zur Nutze, denn die sind überall gleich. Die benötigte Schwingungsfrequenz der Platte gab man in Verhältnis zur Schwingungsfrequenz eines Wasserstoffatoms an – denn die ist überall im Universum gleich. Der Wasserstoff wurde ebenfalls als H2-Molekül dargestellt. Auch wo die Außerirdischen und finden können ist vermerkt. Die Position der Sonne ist im Verhältnis zu 14 leuchtstarken Pulsaren angegeben, das sind Sternenleichen, die wie kosmische Leuchttürme funktionieren, da sie extrem große Mengen an Strahlung absondern. Durch sie kann man Positionen angeben.

Beethoven, Mozart und Bach

Doch die Technik war nicht die einzige Hürde. Man musste sich auch überlegen, was man den Außerirdischen sagen möchte. Schließlich entschied man sich unter anderem Klänge der Erde „The sounds of earth“ mitzuschicken. Dabei waren Stücke von Beethoven, Mozart und Bach, Volksmusik aus Senegal, Panflöten von den Salomonen-Inseln und Sackpfeifen aus Aserbaidschan. Weitere Geräusche sind Donner, der menschliche Herzschlag, der Start einer Saturn V, und ein Vulkanausbruch.

Außerdem gibt es Grußbotschaften in 55 Sprachen. Schaut man sich deren Inhalt an, bekommt man schon ein leichtes Unbehagen, wenn man bedenkt, dass dies alles ist, was die Außerirdischen über die Menschheit wissen und zusätzlich noch unseres Position im All notiert ist. Dort stehen so geistreiche Sätze wie: „Freunde im Weltraum, wie geht es Euch allen? Habt Ihr schon gegessen? Kommt und besucht uns, wenn Ihr Zeit habt.“ (Ja, die Doppeldeutigkeit wurde mehrfach kritisiert.) Aber auch Sätze wie „Grüße an Euch, wer immer Ihr seid: Wir sind Euch wohlgesinnt und bringen Frieden zu den Sternen.“ auf Latein oder einfach nur „Frieden“ auf Hebräisch.

Der der Platte besteht aus Bildern, darunter Bilder unseres Sonnensystems, eines Menschen bei einem Weltraumspaziergang, das Taj Mahal, die Anatomie des Menschen, eine Skizze unserer DNA, ein Bild der Erde, ein Fötus, Kinder unterschiedlicher Herkunft, die ihre Hände auf einen Globus legen, das UN-Hauptquartier bei Nacht, Mathematische Formeln und eine stillende Mutter.

Die Grußbotschaft von Präsident Carter

„Diese Voyager-Raumkapsel wurde von den Vereinigten Staaten von Amerika gebaut. Wir sind eine Gemeinschaft von 240 Millionen Menschen unter den über 4 Milliarden, die den Planeten Erde bewohnen. Wir Menschen sind noch in nationalen Staaten unterteilt, aber diese Staaten werden bald eine einzige, globale Zivilisation sein.“

Weiter: „Wir schicken diese Botschaft ins Weltall. Wahrscheinlich wird sie auch noch 1 Milliarde Jahre nach uns leben, wenn unsere Zivilisation sich zutiefst verändert und die Oberfläche der Erde sich weitgehend verwandelt haben wird. Von den 200 Millionen Sternen der Milchstraße haben vielleicht einige – eventuell viele – bewohnte Planeten und der Raumfahrt kundige Zivilisationen. Sollte eine solche Zivilisation die Voyager-Kapsel auffangen und diese auf eine Bild-Ton-Platte aufgenommene Botschaft verstehen, so lautet sie folgendermaßen:


Dies ist ein Geschenk von einer kleinen, fernen Welt, ein Zeugnis unserer Geräusche, unserer Wissenschaft, unserer Bilder, unserer Musik, unseres Denkens und unseres Fühlens. Wir versuchen, unsere Zeit zu überleben, so daß wir in eurer leben können. Wir hoffen, nach der Lösung unserer gegenwärtigen Probleme einmal einer Gemeinschaft von Milchstraßen-Zivilisationen beizutreten. Diese Platte soll für unsere Hoffnung unsere Entschlossenheit sprechen sowie für unsere Bereitwilligkeit inmitten eines unermeßlichen, ehrfurchtgebietenden Universums“

Nachricht des US-Präsidenten Jimmy Carter auf der Voyager Golden Record

Der lange Weg zu den Aliens

Doch wir müssen uns nichts vormachen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bilder je wieder von einem Lebewesen gesehen werden ist nicht groß. Die Geschätzte Lebensdauer der Schallplatten beträgt 500 Millionen Jahre – 250 mal länger, als aufrecht gehende Menschen die Erde bevölkern und in kosmologischen Zeitskalen dennoch nur ein Wimpernschlag. Wenn Außerirdische die Sonde finden, müssten sie der Raumfahrt kundig sein und die Sonde abfangen.

Da wir über die Wahrscheinlichkeit intelligenten Lebens im Universum so gut wie nichts wissen, können wir auch nicht einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Botschaft abgespielt wird. Vielleicht ist es auch einfach ein ewiges Andenken an unsere Zivilisation. Sicher ist, dass, sollte sie je abgespielt werden, bis dahin noch viele Jahrtausende vergehen werden.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Botschaft jemals von einem anderen als uns gehört wird.

Nur ein Wunschtraum?

Vielleicht ist das auch besser so, denken sich einige. So wurde beispielsweise kritisiert, dass wir unsere Position im Universum so leichtfertig preisgeben, ihnen zeigen, dass wir sowieso keine Chance hätten, sollten sie nicht friedlich gesinnt sein und sie in Grußbotschaften zu uns einladen. Doch noch viel mehr Kritik bekam der Inhalt der Botschaft. Schließlich zeigen wir uns von der besten Seite, als Zivilisation, die zusammenhält, denen Herkunft und Ethnie egal ist, die ins All fliegt, über ausgeklügelte Medizin verfügt und Friedensbotschaften ins All sendet.

So würde wohl niemand die damalige Gesellschaft beschreiben. Keine Bilder von sterbenden Walen, hungernden Kindern, Naziaufmärschen im Nationalsozialismus oder Atombombenexplosionen. Solange wir dies nicht auch in eine Botschaft integrieren ist sie vielleicht kein Andenken an die damalige Gesellschaft, sondern ein Andenken daran, wie die Menschen der damaligen Gesellschaft sich gesehen haben oder gerne gesehen hätten. Schließlich regte sie aber vor allem zum Nachdenken über uns selbst an. Und trauriger Weise sind wir dem Ideal auf der Voyager Golden Record in den letzten Jahren nicht wirklich näher gekommen.

Vorhut der Menschheit

Und wie geht es mit Voyager weiter? Sie haben das Sonnensystem inzwischen verlassen – und funktionieren noch immer. Statt vier Jahren senden die Voyager-Sonden jetzt schon 40 Jahre. Sie befinden sich im interstellaren Raum, in der die galaktische kosmische Strahlung den Sonnenwind verdrängt hat und sind in die lokale interstellare Gaswolke eingetaucht. Voyager 1 wird 2024 die Distanz von einem Lichttag zur Sonne überschreiten – und dabei vermutlich noch immer wissenschaftliche Daten sammeln.

Die Sonne ist lange nur noch ein Stern unter vielen – so werden sie in 500 Jahren die Oortsche Wolke erreichen, eine Ansammlung an Kometen, in die unser Sonnensystem eingebettet ist. In 40.000 Jahren wird sie den Stern Gliese 445 passieren. Voyager 2 wird in 300.000 Jahren das Doppelsternsystem Sirius passieren. Und sie werden weiter fliegen. Dabei werden die Orte erreichen, die dem Menschen vermutlich für immer verschlossen sind und die Nachricht von der Existenz der Menschheit in ferne Welten transportieren.

Wie in Black Mirror: Mutter trifft verstorbene Tochter

Ich habe vor einigen Wochen die TV-Dystopie Black Mirror geschaut. Ich möchte gar nicht zu viel darüber erzählen, am besten schaut ihr euch sie selbst an, aber grob gesagt ist jede Folge eine abgeschlossene Geschichte, die in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft spielt und die sozialen, politischen oder gesellschaftlichen „Nebenwirkungen“ technischen Fortschritts durch bewusste Übertreibung thematisiert. Natürlich wirken manche Szenarien schon sehr weit entfernt, doch in ihren Grundzügen sind die meist nur Weiterentwicklungen bereits existierender Trends. Und es ist erschreckend, wie nahe die Zukunft, in der einige Folgen spielen, doch sein kann. So geht es etwa in der 2013 ausgestrahlten Folge „Die Waldo-Kandidatur“ um eine Cartoonfigur, die in Großbritannien zur Wahl antritt und ihr Wahlprogramm zunächst auf die Beleidigung anderer Politiker und die digitale Verbreitung unsäglicher Gerüchte beschränkt, was der Figur schnell einen außer Kontrolle geratenen Kultstatus beschert. Lange galt die Folge als unrealistischer Tiefpunkt der Serie, doch die Parallelen zu Präsidentschaft von Donald Trump könnten offensichtlicher kaum sein.

Die Folge Black Mirror-Folge „Abgestürzt“ spielt in einer Welt, in der Menschen wie Hotels oder Restaurants mit Sternen bewertet werden und die Anzahl an Sternen über den gesellschaftlichen Status entscheidet, so gibt es etwa Zonen, Wohnungen oder Verkehrsanbindungen, die erst ab einem gewissen Punkteschnitt zugänglich sind und unterhalb einer Grenze landet man sogar im Gefängnis. Die Geschichte beschreibt den Absturz einer Frau, die ihre Unmut über dieses System kundtut. Ab Ende 2020 soll für 22 Millionen Bürger Pekings ein solches System tatsächlich verpflichtend in Kraft treten, wobei sich die Punktevergabe hierbei auf die Auswertung von Überwachungsdaten stützte und die Regeln von der chinesischen Führung erarbeitet wurden.

Black Mirror lag nun also schon mehr als einmal richtig und doch gab es diese Episoden, wo man sich eigentlich recht sicher ist, dass sie zumindest während der eigenen Lebenszeit wohl nicht mehr Realität werden.

Wiedergänger

Eine davon war die Folge „Wiedergänger„, wo eine Frau die Trauer um ihren verstorbenen Mann durch ein Programm bewältigt, dass alle Informationen über ihn aus dem Internet sammelt und damit eine KI füttert, die dann in einem Chat genauso schreibt und antwortet wie ihr Ehemann. Später wird auch die Stimme des Mannes gespeichert und die Frau kann mit ihrem Mann telefonieren. Im letzten Schritt bekommt sie in einem Karton einen zunächst identitätslosen Avatar geliefert, den sie nach Anleitung in ihrer Badewanne „aktivieren“ kann und der dann genau wie ihr Mann aussieht, spricht und agiert. Das geht soweit, dass sie zwischenzeitlich vergisst, dass es sich nur um ein Imitat handelt, doch kleine Unstimmigkeiten erinnern sie immer wieder schmerzvoll daran, dass das Wesen nur eine gefühllose oberflächliche Kopie ist. Letztlich verfällt die Frau dadurch dem Wahnsinn.

Obwohl am Anfang realistisch, musste ich bei der letzten Entwicklungsstufe schon etwas schmunzeln. Selbst wenn es technologisch möglich wäre, gäbe es dafür wahrscheinlich null gesellschaftliche Akzeptanz, dachte ich. Zumindest so ähnlich ereignete sich dieses Szenario jedoch vor kurzem tatsächlich, vielleicht in einigen Ebenen sogar noch etwas problematischer als in Black Mirror geschildert.

Die Südkoreanerin Jang Ji Sung verlor ihre Tochter Nayeon im Alter von nur sieben Jahren an Leukämie, aufgrund des schnellen Krankheitsverlaufs hatte sie kaum Zeit, sich von ihr zu verabschieden. Diese Möglichkeit sollte ihr durch Virtual Reality gegeben werden. Ein VR-Headset versetzte sie in die virtuelle Version eines Parks, in dem sie und Nayeon früher häufig gemeinsam waren. Plötzlich kam ein digitaler Klon ihrer Tochter hinter einem Felsen hervor – mit demselben Aussehen, demselben Verhalten und derselben Stimme. Jang konnte sich mit dem Imitat ihrer Tochter in Echtzeit unterhalten, ihre Stimme und Verhaltensmuster extrahierte man sich aus Daten, die zu Lebzeiten von Nayeon aufgenommen wurden. Doch die Simulation ging noch weiter – durch mit Sensoren ausgestattete Handschuhe konnte Jang die digitale Version ihrer Tochter sogar berühren und ihre Hand halten. So konnte sie sich von ihrer Tochter verabschieden. Ist das potentielle Black Mirror-Technologie sinnstiftend angewandt?

Gesicht, Stimme und Verhalten imitiert

Für die Animation des Mädchens benötige man wohl acht Monate, für die realistische Abbildung der Bewegungen nutzte man ein Kindermodel und Motion-Capture-Technologie. Für die Echtzeit-Interaktion und Gesprächsführung wurde der virtuelle Avatar Nayeons eigens programmiert. Dies ermöglichte Jang, mit Nayeon Gespräche zu führen, zu laufen und sogar in der virtuellen Parklandschaft zu picknicken. Zunächst war Jang zurückhaltend und ängstlich, doch mit der Zeit ließ sie sich darauf ein. Niemand unter den Zuschauern wollte unterdessen so recht glauben, was dort gerade passiert. Zum Schluss sprach die Nayeon zu ihrer Mutter: „Mama, immer wenn du nach meiner Hand greifen willst, halte sie einfach in den Himmel.“, worauf die beiden gemeinsam aufstiegen und von oben auf die virtuelle Welt herabschauten. Dann verwandelte sich Nayeon in einen Schmetterling und flog davon.

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Aus den gesammelten Daten imitierte man Nayeons Gesicht, ihr Verhalten und ihre Stimme.

So weit, so gut. Sicherlich sind die psychologischen Auswirkungen eines solchen virtuellen Wiedersehens noch nicht erforscht und ich halte es für schwierig, dass plötzlich eine Anmeldung bei Youtube als Qualifikation ausreicht, um sich angehalten zu sehen, über dieses Geschehen zu urteilen, doch grundsätzlich ist das wie alle anderen Arten auch eine legitime Form der Trauerbewältigung, da Jang selbst sich das Wiedersehen gewünscht hat. Selbst in dieser schwierigen Situation, vielleicht sogar gerade darin, sollte man niemandem die Mündigkeit aberkennen, eigene Entscheidungen zu treffen und selbst am besten zu wissen, was gut für einen ist.

Persönlichkeitsrechte von Verstorbenen?

Problematisch könnte jedoch sein, dass dieses virtuelle Wiedersehen – anders als etwa bei Black Mirror – im Rahmen einer südkoreanischen TV-Show namens „I met you“ stattfand. Selbstverständlich wurde der Clip schnell zu einer Youtube-Sensation, innerhalb einer Woche wurde es über 13 Millionen Mal aufgerufen. Jang hat die Entscheidung zwar selbst getroffen, doch bei den Persönlichkeitsrechten ihrer verstorbenen Tochter wird es schon schwieriger. Zwar imitiert der Avatar die Redensart Nayeons, doch es sind eben keine Zitate. Ihre Identität wird also für Dinge genutzt, die sie so nie gesagt hat und wogegen sie zudem keine Möglichkeit hat, sich zu wehren.

In diesem speziellen Fall tritt das moralische Dilemma sicherlich nicht ganz so deutlich hervor, schließlich ist die faktische Aussagekraft der Sätze, welche die virtuelle Nayeon spricht, recht begrenzt. Doch etwa in Filmen soll schon bald die Identität verstorbener Schauspieler genutzt werden, um alte Figuren wiederauferstehen zu lassen. Je weiter man diese Technologie in die Zukunft spinnt, desto größer werden die ethischen Fragen, die vorher unbedingt geklärt werden sollten.

Das virtuelle Wiedersehen auf Youtube

Mein persönliches Fazit ist, dass pauschale Abneigung gegen diese Möglichkeit sicherlich nicht richtig ist und man niemandem absprechen sollte, selbst zu entscheiden, wie er Trauer bewältigt. Und doch müssen wir die Persönlichkeitsrechte verstorbener Personen klarer definieren. Denn letztlich kann man aus Black Mirror vor allem eine Lehre ziehen: Wenn Technologie zur Dystopie wird, dann liegt das immer an menschlichem Fehlverhalten.

Werteunion Klima Manifest

Das Werteunion Klima-Manifest widerlegt

Das Werteunion Klima-Manifest. Oder fangen wir vielleicht mit der Werteunion selbst an. Ein Haufen sich selbst für besonders wichtig haltender Konservativer mit angeblich fast 4000 Mitgliedern (Eigenaussage ohne Beleg) schafft es immer wieder in die Öffentlichkeit und nun auch in dieses Blog. Es sich zur Aufgabe machend den Weg für eine schwarz-braune Koalition mit der AfD freizuschießen, verliert man auf den Seiten der Werteunion und ihrer Mitglieder schon einmal schnell den Überblick und muss immer wieder prüfen, ob man sich nicht doch auf der Seite eines rechtsradikalen Netzwerks befindet. Die Wortwahl, die Bilder, es ist mir schleierhaft, wie man sich auch nur in der Nähe einer Partei bewegen kann, die das intern duldet.

Das Klima-Manifest 2020 der Werteunion beinhaltet einerseits so viel Unfug, dass ich nicht ein seriöses Medium fand, dass sich überwinden konnte, diesen Humbug überhaupt zum Thema zu machen, andererseits wurde das Netz vollgespült mit zahlreichen Verweisen von vermeintlich unabhängigen Schundseiten, die das Manifest teilen und positiv begleiten und somit der Eindruck entstehen könnte, dass da ein paar Herren endlich mal dieser linksgrünversifften Klimahysterie ein Ende setzen.

Wer verweist auf, verbreitet und unterstützt das Werteunion Klima-Manifest?

Zu finden ist das Manifest auf kaltesonne.de von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von RWE und bis Ende letzten Jahres Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Forschung, die sich auf Grund seiner klimapolitischen Aussagen von ihm trennte. Er ist unter seinem Spitznamen „der Hendrik Streeck der Klimakrise“ vor allem für seine spektakulär daneben liegenden Prognosen bekannt.

Prof. Stefan Rahmstorf, Creative Commons BY-SA 4.0, update by HTComparison real temperature data vs.Vahrenholt andLünings 2012 prognosis updateCC BY-SA 4.0

Natürlich ist auch EIKE wieder vorn dabei, wenn es um Klimawandelleugnung geht.

Auch Vernunftkraft Hessen bejubelt das Werteunion Klima-Manifest. Hier ist Rolf Zimmermann laut Impressum verantwortlich. Herr Zimmermann verbringt seine Freizeit gerne in geplanten Windanlagen-Regionen um eventuell einen Schwarzmilan zu erspähen, der eine Klage gegen den Bau der Windkraftanlage aussichtsreicher gestalten würde. Er ist eigentlich FDP´ler scheut aber die AfD-Nähe nicht.

Auf Mediagnose verbreitet Rüdiger Stobbe das WerteUnion Klima-Manifest. Er ist Autor bei Achgut und publizierte auch auf der EIKE-Seite und er hat zumindest einen unsympathischen Namensvetter, der ebenfalls aus Aachen stammt und diesen Leserbrief in der Welt zum Besten gab in dem er u.a. sagte, dass mit der Homo-Ehe die größten Verbrechen an der Menschheit eingeleitet werden, gegen die jene des 20.Jahrhunderts vergleichsweise gering erscheinen werden.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass die zu großen Teilen selbst nicht an den Inhalt des Werteunion Klima-Manifests glauben und es schlicht und einfach taktisches Kalkül einiger privilegierter in der Geschichte hängengebliebener ist, die wissen, was sie für ihr Publikum schreiben und erzählen müssen und dass dann Fakten nicht von großer Relevanz sind. Trotzdem erreicht die illustre Runde eine beunruhigende Reichweite, die sich zudem auf ihren Plattformen gegenseitig recht intransparent und scheinbar natürlich viral multipliziert und daher der Beitrag in Tichys Einblick geteilt von HP Friedrich nur noch eine Frage der Zeit ist.

Deswegen folgt hier eine Widerlegung der wichtigsten im Werteunion Klima-Manifest aufgezählten Unwahrheiten zum Klima. Da ich glaube, in der gleichen Zeit durch meine Projekte mehr sinnvolles für Bildung in Äthiopien tun zu können als gegen den taktisch platzierten Bullshit der Werteunion und aus Platzgründen, habe ich mich hier auf die wichtigsten beschränkt.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die Sonnenaktivität und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne sind die Hauptsteuerungsfaktoren des Klimawandels.

Tatsächlich strahlt die Sonne nicht immer mit der gleichen Leistung. Sie erzeugt Wärme in ihrem Inneren, indem sie einen Kernbrennstoff, nämlich das Element Wasserstoff, fusioniert. Das bedeutet, durch den enormen Druck und die hohe Temperatur kann sie Atomkerne zu neuen Atomkernen verschmelzen. Da das Resultat jedoch eine geringere Masse hat als die Ursprungsstoffe, wird diese Massedifferenz zu Energie, die sie nach Außen strahlt. Diese Energie ist eine nach außen gerichtete Kraft und wirkt der nach Innen gerichteten Gravitation entgegen, wodurch der Stern insgesamt stabil bleibt. Je weniger Kernbrennstoff übrig bleibt, desto weniger Fusionsreaktionen können im Innern der Sonne stattfinden, daher lässt der Strahlungsdruck im Laufe der Zeit nach. Das bedeutet, dass die Gravitation langsam die Überhand gewinnt und die Sonne mit der Zeit zusammendrückt. Man könnte nun denken, die Sonne würde dadurch immer kleiner und schwächer – doch da der Druck im Kern der Sonne durch die Komprimierung steigt, kann nun das Fusionsprodukt, Helium, selbst fusioniert werden. Daher generiert die Sonne dann tatsächlich mehr Energie. Im Laufe der Zeit strahlt die Sonne also immer stärker – bis zu der Stelle ist noch alles korrekt.

Sonnenflecken sind ein Zeichen hoher Sonnenaktivität.

Es gibt noch einen weiteren auf die Sonne bezogenen Faktor: Wie auch die Erde, erzeugt die Sonne ein Magnetfeld, nur eben ein viel Stärkeres. Und ebenfalls wie die Erde rotiert auch die Sonne. Doch da die Sonne kein fester Körper aus Gestein ist, sondern eine Gaskugel, besitzt sie eine differentielle Rotation, sie rotiert also an unterschiedlichen Breiten unterschiedlich schnell. Dies führt zu Turbulenzen im Gas der Sonne, welche die abgestrahlte Leistung kurzfristig verändern können. Das riesige Magnetgeld polt sich zudem alle elf Jahre um, dadurch entsteht eine periodisch veränderliche Leistung der Sonne in einem elf-Jahres-Zyklus, dem sogenannten Schwabe-Zyklus.

Und auch die Erdumlaufbahn um die Sonne ändert sich zyklisch. Zunächst ändert sich die Neigung der Erdachse relativ zur Bahnebene der Erde. Derzeit beträgt sie 23,5°, ihr Minimum liegt bei 22°, ihr Maximum bei 24,5°. Zudem ist der Orbit der Erde kein Kreis, sondern eine Ellipse, denn der sonnennächste Punkt liegt bei 147 Millionen Kilometern, der sonnenfernste Punkt bei 152 Millionen Kilometern. Dies ist einer Kreisbahn schon ziemlich nahe, es gibt aber auch Zeiten, in denen die Abweichungen von einer Kreisbahn (also die Exzentrizität) höher ist. Auch die sogenannte Präzession der Erdachse schwankt. Jetzt wird es kompliziert: Die geneigte Erdachse bewegt sich auf einer Kreisbahn um die eigentliche Senkrechte der Bahnebene herum. Die Erde taumelt also wie ein Kreisel, wenn er langsamer wird. Wenn sich diese drei Zyklen überlagern, die Exzentrizität der Erdbahn, die Neigung der Erdachse und die Präzession, können sie durchaus zu einer erheblichen Änderung des Klimas führen.

Doch sind es wirklich diese Phänomene, die mit dem derzeitigen Anstieg der globalen Temperaturen zusammenhängen? Dies lässt sich recht einfach beurteilen, man muss sich nur die Zeitmaßstäbe anschauen, in denen sich die globale Erwärmung abspielt und die Zeitmaßstäbe, in denen sich die natürlichen Phänomene abspielen. Die globale Erwärmung lässt sich bis etwa ins 19.Jahrhundert zurückverfolgen, der Großteil spielt sich jedoch in den letzten 50 Jahren ab. Wie haben bisher also eine stetige Temperaturänderung von insgesamt etwa einem Grad Celsius innerhalb einiger Jahrzehnte, bzw. weniger Jahrhunderte.

Der Schwabe-Zyklus liegt wie bereits gesagt bei elf Jahren, einen solchen Zyklus findet man im irdischen Klima nicht. Zudem strahlt die Sonne in einem solchen Maximum auch um nur etwa 0,001% stärker – der Einfluss auf das Klima ist minimal. Wie sieht es mit den anderen Zyklen aus? Die Exzentrizität der Erdbahn schwankt in einem 100.000-Jahre-Zyklus, die Neigung der Erdachse in einem 41.000-Jahre-Zyklus und die Präzession der Erdachse in einem 26.000-Jahre-Zyklus. Und auch wenn die Sonne mit der Zeit immer heißer strahlt, sind dies etwa zehn Prozent Helligkeitszunahme alle Milliarde Jahre. Dies entspricht einer Helligkeitssteigerung von 0,000001% auf 100 Jahre.

Natürlich gibt es auch bei der Sonnenaktivität auch größere Zyklen, es gibt gemäßigtere und besonders harte Maxima. Während wir für den Großteil des 20.Jahrhunderts jedoch eine generell eher aktive Phase der Sonnenaktivität durchlebten, befindet sie sich aktuell in einer moderaten Phase – einige Forscher*innen sagen für 2030 sogar ein „Super-Minimum“ voraus, mit einer niedrigeren Aktivität als jemals zuvor in den letzten 300 Jahren. Die Angaben der Werteunion gehen hier also schlicht an den Messwerten vorbei.

Natürlich beeinflusst die Sonne das Klima – stärker als alles andere. Doch die Sonne ist ein astronomischer Faktor und astronomische Ereignisse spielen sich auf enorm großen Zeitspannen ab. Die Sonne kann für das Klima innerhalb einiger Jahrzehnte also als praktisch konstanter Faktor gesehen werden.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Das CO2 ist für den Temperaturanstieg nicht ursächlich, z.B. gab es vor rund 450 Mio. Jahren eine Eiszeit (Ordovizium) mit 4400 ppm CO2.“

Zunächst einmal: Die Durchschnittstemperatur des Ordoviziums lag zwei Grad Celsius über der heutigen und das lag an der hohen CO2-Konzentration. Die Eiszeit, auf sie sich hier bezogen wird, umfasst nur einen winzig kleinen Teil des Ordoviziums. Über den Großteil des Ordoviziums war die Erde nämlich gänzlich eisfrei. Eine über das gesamte 42 Millionen Jahre dauernde Ordovizium gemittelte CO2-Konzentration mit der geringsten Temperatur, die man in diesem Zeitraum finden konnte zu vergleichen, ist in etwa so sinnvoll wie… mir fällt beim besten Willen nichts ein, was vergleichbar absurd ist.

Die Kälteperiode im Ordovizium, auf die sich bezogen wird, die sogenannte Anden-Sahara-Eiszeit ist übrigens auch auf Faktoren zurückzuführen, die heute keine Gültigkeit mehr haben. So strahlte die Sonne gemäß des anfangs erläuterten Prinzips zu dieser Zeit um 4,5% schwächer. Im Gegensatz zu den 0,000001% der letzten 100 Jahre kann eine solche Veränderung selbstverständlich Folgen für das Klima haben. Die sogenannte Solarkonstante, die angibt, wie viel Energie ein Quadratmeter Erde von der Sonne empfängt, lag damals bei 1.306 W/m2, heute bei 1.367 W/m2.

Zudem verlangsamt sich die Erdrotation, wodurch wir für das Ordovizium auf eine Tagesdauer von 21,5 Stunden kommen, was in Simulationen unter damaligen Gegebenheiten ebenfalls eine Abkühlung verursachte. Moose, die sich im Ordovizium massiv ausbreiteten, entzogen dem Boden Elemente wie Magnesium und Eisen. Dies ermöglichte die massenhafte Bindung von atmosphärischem Kohlendioxid (!) im Boden.

Da das daraus resultierende kältere Klima die Ausbreitung der Moose befeuerte, entstand eine Rückkopplung: Noch mehr Moose entstanden, sie entzogen dem Boden noch mehr Elemente, noch mehr Kohlendioxid wurde gebunden, es wurde noch kälter, noch mehr Moose breiteten sich aus, usw. Die Anden-Sahara-Eiszeit lässt sich also durchaus auf den Rückgang der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre zurückführen.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Der IPCC kann seinen prognostizierten Kipp-Punkt („Tipping Point“) in keiner Weise rechtfertigen. Das ist auch verständlich, denn niemals in der Klimavergangenheit „kippte“ das Klima von warm zu (immer) wärmer, auch dann nicht, als die CO2 Konzentration deutlich höher über der von heute lag.“

Doch, das tat es. Hier sind die Informationen schlicht sachlich falsch. Das Klima kippte schon einmal ins Wärmere und löste dabei das größte Massenaussterben aller Zeiten aus, und zwar vor 252 Millionen Jahre an der Perm-Trias-Grenze. Es begann mit einer Phase extrem starken Vulkanismus am sogenannten Sibirischen Trapp. Dadurch gelangten große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre und erhöhten die Konzentration von etwa 100 ppm auf mehrere 1.000 ppm, also selbstverständlich „deutlich höher als die von heute“, was innerhalb weniger Jahrhunderte eine Erwärmung von fünf Grad Celsius verursachte – vergleichbar mit dem, was wir im Falle einer ungebremsten Erderhitzung erleben könnten.

Dies führte zu einer Erwärmung der oberen Meeresschichten von 8°C, was 95% aller wirbellosen Arten tötete. Zudem wurden durch die Erwärmung der Meere die Methan-Lagerstätten am Meeresboden aufgelöst. Große Mengen Methans, welches eine viel größere Treibhauswirkung als Kohlendioxid hat, gelangten in die Atmosphäre und sorgten für eine Erwärmung um weitere fünf Grad Celsius, was 75% der Landlebewesen betraf. Durch die höhere Temperatur wurde die Ausgasung noch beschleunigt, was zu noch einer höheren Temperatur führte – so entstand durch das Überschreiten eines Kipppunktes die größte Katastrophe in der Erdgeschichte und der Zusammenbruch beinahe aller Ökosysteme. Die Kipppunkte selbst erkläre ich u.a. in dieser Folge unseres Podcasts.

Im Sibirischen Trapp wurde innerhalb einer Millionen Jahre genug Lava produziert, um die ganze Erde mit einer drei Meter dicken Schicht daraus zu bedecken.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Wetterereignisse wie El Niño und Vulkanausbrüche mit ihren riesigen Staubmengen können das Klima auch signifikant verändern.“

Ja, dass Vulkanausbrüche das Klima verändern können, haben wir am Beispiel der Perm-Trias-Grenze gesehen. Theoretisch wäre es also durchaus möglich, den Klimawandel auch durch Vulkanismus zu erklären, sogar auf kurzen Skalen. Da bleibt einfach nur der simple Fakt, dass der Vulkanismus auf der Erde derzeit rückläufig ist. Würde man lediglich den vulkanischen Einfluss auf das Klima betrachten, würde die Erde sich abkühlen. Es hat zwar nichts mit meiner Argumentation zutun, aber mit der Unfähigkeit der Werteunion, dass die „riesigen Staubmengen“ in der Tat das Klima verändern – es nämlich abkühlen. Der Staub (in Kombination mit Schwefelsäure) verdeckt lediglich die Sonne und kann zu einem sogenannten Vulkanischen Winter führen. Vulkanismus erhitzt die Erde durch die Kohlendioxidemissionen, nicht durch Staub, den Staub absorbiert Wärme und hält sie damit von der Erdoberfläche fern, während Kohlendioxid sie reflektiert und zum Erdboden zurückwirft.

Im Falle des zweiten Punkts hat die Werteunion mal wieder den klassischen Fehler der Verwechslung von „Klima“ und „Wetter“ begangen. El Niño ist ein wiederkehrendes Ereignis, welches in Europa innerhalb weniger Jahre zu wärmeren und kälteren Jahren führt. Der Zyklus ist unregelmäßig, aber beträgt etwa vier Jahre, was sich in der Temperaturanomalie auch klar nachvollziehen lässt. Ungeachtet davon steigt jedoch die über Jahre gemittelte Durchschnittstemperatur, die natürlich immer El Niño-Phasen und La Niña-Phasen (das kühlende Gegenstück) enthält. El Niño ist also vergleichbar mit der Schwankung der gemeldeten Corona-Neuinfektionen von Wochentag zu Wochentag. Wenn der Mittelwert steigt und an einem Sonntag mittlerweile mehr Fälle gemeldet werden als früher an einem Mittwoch, besteht dringend Grund zum Handeln. Tatsächlich sind La Niña-Phasen längst wärmer als es El Niño-Phasen vor einigen Jahrzehnten waren.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Das deutsche Klimapaket muss angesichts der zu erwartenden Wirkungslosigkeit vom Tisch.“

Joa.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die bisherigen Klimavereinbarungen sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen – zumal sie westliche Staaten einseitig belasten, während der CO2-Hauptverursacher China in seinem weiteren Wachstumskurs nicht eingeschränkt wird. Gleiches gilt für Indien.“

Auch hier werden Zahlen schlicht verfälscht. Westliche Staaten sind klar die Hauptverursacher der Klimakrise. Deutschland hatte 2018 einen Pro-Kopf-Ausstoß von 9,5 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten, die USA von 16,14 Tonnen. In der Volksrepublik China sind es 7,95 Tonnen, in Indien sogar nur 1,94 Tonnen. Und dennoch sind die Investitionen Chinas in Klimaschutz höher als die der gesamten Europäischen Union.

Es gehört unabhängig von Wissenschaftsleugnung schon eine große Portion charakterliche Verkommenheit dazu, als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt die Schuld auf ein Schwellenland mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt zu schieben, dessen pro-Kopf-Emissionen im Gegensatz zu Deutschland winzig sind. Würden alle Menschen auf der Erde so wie der*die Durchschnittsbürger*in in Indien leben, gäbe es keine Klimakrise. Aber auch Industrieländer können ihre pro-Kopf-Emissionen senken, so liegt UK etwa bei 5,59 Tonnen, Frankreich bei 4,96 Tonnen und die Schweiz bei 4,79 Tonnen.

Ich glaube, eines ist vielen Menschen einfach noch nicht klar: Der einzige Grund, weshalb unser Lebensstil noch nicht längst zum totalen Kollaps des Klimas geführt hat, ist der, dass er anderen Menschen ebendiesen Lebensstil verwehrt.

„Wer wieder gewählt wen will muß zurück zur Atomenergie, gerne als Fusionsreaktor.“

Diese Aussage (Rechtschreibfehler übernommen) ist kein Teil des Werteunion Klima-Manifest, lediglich von der Seite der Werteunion Bayern, auf der sie die positiven Rückmeldung aus der rechten Blase feiern. Doch auch im Werteunion Klima-Manifest selbst kann man lesen: „Moderne Technologien, die einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ermöglichen, sind zu begrüßen“. Tatsächlich ist der relative CO2-Ausstoß eines Atomkraftwerks (Kernspaltung wohlgemerkt, zur Fusion komme ich gleich) recht gering, viel geringer wie etwa bei Kohle. Der Nachteil des ungelösten Atommüll-Problems ist offensichtlich und hochproblematisch, hat mit der Klimakrise an sich jedoch nicht viel zu tun.

Dennoch ist ein Ausbau der mit Risiken behafteten Atomenergie viel teurer als ein Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem, wenn wir die Umweltfolgekosten integrieren. Eine Studie kam für Kernkraft auf Kosten von mindestens 14,3 Cent je Kilowattstunde. Bei Windstrom sind es 9,2 Cent und bei Wasserstrom 8,5 Cent je Kilowattstunde.

Zudem ist auch die Menge spaltbaren Materials begrenzt und der Uranabbau mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Ein Ausbau der Kernenergie ist also teuer und selbstverständlich risikoreicher als ein Ausbau erneuerbarer Energien. Diese sind für den Klimaschutz daher vorzuziehen.

Fusionsenergie ist ein alter Traum, den man auch unter Wissenschaftler*innen nicht vollständig abgeschrieben hat. Zum Klimaschutz wird Fusionsenergie jedoch keinen Beitrag leisten. Zwar ist das Fusionieren von Atomkernen auf der Erde trotz der hohen Abstoßungskräfte zwischen den Kernen möglich, doch es ist fraglich, ob dabei ein signifikanter Energieüberschuss entsteht, ob also mehr Energie freigegeben wird, als für die Ingangsetzung der Reaktion nötig ist – und vor allem, wann es so weit ist.

Das erste geplante Kraftwerk, welches tatsächlich Strom durch Kernfusion erzeugen soll, ist DEMO, das ab 2040 etwa ein Gigawatt Fusionsenergie ins Netz einspeisen soll. Damit ist es noch viel zu klein für den kommerziellen Betrieb, mit echten Fusionskraftwerken ist erst nach 2075 zu rechnen – viel zu spät für das Aufhalten der Klimakatastrophe. Zudem sind einige Fragen wie etwa die Lösbarkeit der Plasmainstabilitäten oder einer dauerhaften Aufrechterhaltung des Stroms statt eines gepulsten Reaktors noch gar nicht geklärt. Ich persönlich möchte mein Überleben nicht an diese Technologie hängen.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Bekannt sind das römische Temperaturoptimum und die mittelalterliche Warmzeit von 1000 bis 1400 – mit dazwischenliegenden „kleinen Eiszeiten“. Hinzu kommen kleinere Temperaturänderungen: Alleine zwischen 1860 und heute gab es kurzfristige Schwankungen von vier Kalt- und drei Warmphasen.“

Alle genannten Phänomene waren räumlich begrenzt, bzw. traten an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten auf. Bei der derzeitigen Veränderung des Klimas jedoch zeigt sich eine beispiellose Kohärenz. Auf 98% der Erdoberfläche ist ein wärmeres Klima nachweisbar, bei der mittelalterlichen Warmzeit und auch der kleinen Eiszeit handelte es sich um regionale Phänomene. Außerdem waren sie alle viel schwächer ausgeprägt als die aktuelle Klimakrise, bei der Kleinen Eiszeit handelte es sich etwa um eine regionale Abkühlung von etwa 0,1°C, also 10-mal schwächer als die Klimakrise.

Auch die Kleine Eiszeit war vermutlich teilweise durch den Menschen verursacht, denn die Kleine Eiszeit folgte auf einen krankheitsbedingten Bevölkerungsrückgang im Mittelalter, durch den viele Flächen wiederbewaldet wurden – ein Beweis für die Wirkung von Aufforstung. Zudem war der Golfstrom zu dieser Zeit etwa zehn Prozent schwächer, was zu einer einseitigen Abkühlung in Europa führte, nicht jedoch in anderen Teilen der Welt.

Die Begrifflichkeiten sind hier zudem recht verwirrend, was von der Werteunion wohl ausgenutzt wird. Diese Grafik klärt das Missverständnis vielleicht auf.

Habitator terrae (https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Habitator_terrae), EiszeitalterCC BY-SA 4.0

Die Kleine Eiszeit war keine Eiszeit, sie war ein Stadial, eine kältere Phase innerhalb einer Warmzeit. Die aktuelle Klimaveränderung spielt sich auf einer viel höheren Ebene ab, es droht das vollständige Ende des sogenannten Känozoischen Eiszeitalters, das seit der Vergletscherung der Antarktis vor 34 Millionen Jahren besteht und der Anbruch eines Warmklimas, also einer eisfreien Epoche.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Bei ausschließlicher Betrachtung der letzten 2000 Jahre könnte man also auch den Trend sehen, dass sich die Erde „pro Jahrtausend um 0,3 °C abkühlt“

Diese Aussage ist bedauerlicherweise falsch. Innerhalb der letzten drei Millionen Jahre war es auf der Welt nie wärmer – kein aufrecht gehender Mensch hat je eine so hohe globale Durchschnittstemperatur erlebt. Die Werteunion bedient sich hier eines altbekannten Tricks der Klimaleugner*innen: Hier wird nämlich ein Eisbohrkern aus Grönland als Quelle herangezogen, der belegt, dass Grönland vor etwa 2.000 Jahren tatsächlich deutlich wärmer war als heute – vermutlich sogar begrünt. Nun gibt es an der Aussage der Werteunion zwei Probleme.

Erstens stammt dieser Bohrkern aus den 60ern, der Großteil der globalen Erwärmung spielte sich aber natürlich erst danach ab. Das zweite Problem ist aber noch größer: Der Eisbohrkern aus Grönland sagt etwas aus über die Temperaturen in Grönland zu diesem Zeitpunkt – nicht über die globale Durchschnittstemperatur der Erde. Natürlich lässt sich nicht einfach eine gemessene Temperatur während einer lokalen Warmphase (das bereits erwähnte Römische Temperaturoptimum) mit einer globalen Durchschnittstemperatur vergleichen – bzw. geht das schon, hat aber nichts mit Wissenschaft zutun. Global war es vor 2.000 Jahren deutlich kühler als heute.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Da die Infrarot-Absorptionsbande des Kohlendioxids bereits nahezu vollständig gesättigt ist, beeinflusst der Mensch das Weltklima durch den Ausstoß von zusätzlichem CO2 nur unwesentlich“

Okay, von Infrarot-Absorptionsbanden zu sprechen, kann mindestens als mutig betrachtet werden. Zunächst sollte man erklären, worum es sich dabei überhaupt handelt, denn das Argument der Werteunion profitiert vor allem davon, dass die wenigsten ihrer Anhänger*innen es verstehen. Gasmoleküle, die aus mehr als zwei Atomen bestehen – wozu Kohlendioxid zählt, nicht aber Sauerstoff oder Stickstoff, die das Klima daher nicht beeinflussen – absorbieren gewisse Formen von Strahlung. Entscheidend für die Absorption ist die Wellenlänge der Strahlen.

Wenn die Strahlung absorbiert wird, nimmt das Kohlendioxid die Energie auf und die Moleküle werden in Schwingungen versetzt. Bei diesen Schwingungen wird Wärmeenergie frei, die dann zum Teil zurück zur Erdoberfläche gelangt. Deshalb heizt Kohlendioxid als dreiatomiges Molekül die Erde auf, die wesentlich häufigeren Elemente Sauerstoff, Stickstoff und Argon jedoch nicht. Bei der Energie, die von Erdboden auf das Kohlendioxid trifft handelt es sich um Infrarotstrahlung, also um Wärme.

Wäre die Infrarot-Absorptionsbande nun schon gesättigt, wie die Werteunion behauptet, könnte die Infrarotstrahlung ungehindert passieren und würde ins All entweichen. Doch das Problem ist, dass Kohlendioxid zwei Absorptionsbanden hat, bei Wellenlängen von etwa 4,3 µm und etwa 14,7 µm. Die erste ist in ihren Kernbereichen tatsächlich gesättigt (nicht jedoch an den Rändern), vor allem die zweite ist jedoch nicht gesättigt und daher zum Großteil für den Treibhauseffekt verantwortlich. Es gibt noch genug Spielraum für eine weitere Erderwärmung, eine Sättigung beider Emissionsbanden ist auf der Erde praktisch nicht möglich, lediglich auf Planeten mit viel wärmerem Klima, etwa der Venus.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die natürlichen Klimaschwankungen resultieren aus dem zyklischen Wechsel der Sonnenaktivität und den davon abhängigen Meeresoszillationen einschließlich El Nino.“

Diese Aussage ist korrekt. Die natürlichen Klimaschwankungen tun exakt dies – und deshalb sind sie auf kleinen Zeitskalen auch vernachlässigbar. Tatsächlich bestehen vermutlich Zusammenhänge zwischen der Sonnenaktivität und der El Niño-Zirkulation. Wie die Werteunion schon selbst gesteht, ist dieser Wechsel zyklisch – in der Temperaturentwicklung der jüngeren Geschichte findet sich jedoch kein solcher Zyklus, was auch völlig klar ist, da das Klima eben einer gemittelten Durchschnittstemperatur entspricht. Regelmäßige Schwankungen innerhalb dieses Zeitraums werden durch die Mittelung geglättet wie die Schwankungen von Wochentag zu Wochentag bei der Sieben-Tage-Inzidenz.

Dies sollte das letzte Mal sein, dass auf diesem Blog die Existenz des menschengemachten Klimawandels belegt wird, denn eine Diskussion entspricht bereits einer Legitimation der Existenzberechtigung einer Gegenmeinung, die hier schlicht und einfach nicht vorliegt. Ich möchte meine Zeit demnächst nutzen, um etwa gegen die Klimakrise zutun und nicht um Antidemokrat*innen von der Werteunion darüber aufzuklären. Und das hier habe ich nur geschrieben, damit ihr es mir gleich tut.

Es würde mir selbstverständlich helfen, wenn ihr diesen Beitrag teilt, oder verlinkt, gerne auch in Diskussionen mit der Werteunion. Vielleicht hat ja jemand von denen Lust auf eine Diskussion auf Faktenbasis oder eine gemeinsame Podcast-Aufnahme.

Warum ich in diesem Blogpost und auch zukünftig donotlink.it nutze und warum auch du dir das überlegen könntest.

Wenn ich in diesem Blogpost zu Schmuddelseiten verlinke, nutze ich donotlink.it.

Auszug aus deren Webseite:

Wann immer Sie eine Website verlinken, wird ihre Position in den Suchmaschinen gestärkt. Manchmal möchten Sie einen Link zu einer Website veröffentlichen, ohne deren Rang zu verbessern. Hier kommt donotlink.it ins Spiel.

Was macht donotlink.it?
Die Verwendung von donotlink.it anstelle der direkten Verlinkung zu fragwürdigen Websites verhindert, dass Ihre Links die Position dieser Websites in den Suchmaschinen verbessern. Außerdem wird donotlink.it den Referer entfernen, so dass die verlinkte Website nicht weiß, woher ihre Besucher kommen.

Wie funktioniert das?
Diese Url wird in unserer robots.txt-Datei blockiert, so dass (Suchmaschinen-)Roboter davon abgehalten werden, sie zu durchsuchen.
Das „nofollow“-Attribut des Links und der Zwischenseite gibt den Robots eine weitere Erinnerung, den Link nicht zu crawlen.
Wenn ein bekannter Roboter den Link crawlen will, identifiziert unser Code ihn und stellt ihm eine leere Seite (403 Verboten) zur Verfügung, anstatt auf die Url umzuleiten.
Umleitungen werden über JavaScript und nicht über http-Antwortstatuscodes implementiert, so dass der Browser den Referrer aus der Anfrage entfernt.

Quellen

Max-Planck-Gesellschaft über Schwankungen der Sonnenhelligkeit

Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung über das Magnetfeld der Sonne während des Sonnenfleckenminimums

Erläuterung zu einer Vorlesung an der TU-Berlin zum zyklischen Auftreten von Sonnenflecken

Erklärung der Freien Universität Berlin zur Veränderung der Erdbahnparameter

Bericht über eine Studie der University of California zu den Ursachen der Anden-Sahara-Eiszeit

Auszug aus der Wikipedia über das Klima des Ordoviziums

Studie zu den Ursachen der Anden-Sahara-Eiszeit

Studie über den Ablauf des Massensterbens an der Perm-Trias-Grenze

Erklärung des Naturkundemuseums Berlin zu den Auswirkungen des Massensterbens an der Perm-Trias-Grenze auf die Ökosysteme

Statistik zum Pro-Kopf-CO2-Ausstoß einzelner Länder

Erklärung des Umweltbundesamtes zu den Kosten der Atomkraft

Eintrag zur Machbarkeit eines Fusionskraftwerkes des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Artikel von scinexx.de zu der globalen Kohärenz der Klimakrise

Artikel von deutschlandfunk.de zu den Ursachen der Kleinen Eiszeit

Artikel von klimafakten.de zu der Regionalität der Mittelalterlichen Warmzeit

Erklärung des Umweltbundesamtes zur Sättigung der Infrarot-Absorptionsbanden von CO2

Anmerkungen zum Strahlentransport von scienceblogs.de

Artikel über die Wirkung von CO2 von quarks.de

Erklärung von heise.de zu einer Greenpeace-Studie zu den Kosten der Atomkraft

Beinahe-Kollision im Erdorbit: Satelliten verfehlen aneinander knapp

Die Anzahl der Satelliten im Erdorbit nimmt derzeit rasant zu. Waren es vor einigen Jahren noch 1000, werden es schon in wenigen Jahren mehrere zehntausend sein, darunter einige tausende Starlink-Satelliten von SpaceX, mit denen auf der ganzen Erde lückenloses Internet ermöglicht werden soll. Die Satelliten ermöglichen die Beobachtung der Auswirkungen der Klimakrise, Urbanisierung und Umweltverschmutzung, Highspeed-Internet oder dienen militärischen Zwecken – ohne Satelliten wäre die moderne Zivilisation undenkbar. Zudem sind sie finanziell die lukrativste Sparte der Raumfahrt, schon heute ist es ein Milliardengeschäft. Man könnte meinen, es würde langsam eng dort oben und eigentlich müsste es jeden Tag krachen.

Solche Bilder erwecken den Eindruck, der Erdorbit platze aus allen Nähten, doch die Relationen sind verzehrt, meistens liegen mehrere tausend Kilometer zwischen zwei wenige Meter großen Satelliten.

Doch dort ist so viel Platz, dass jeder Satellit normalerweise viele tausend Kilometer Abstand zum nächsten hat. Hin und wieder kommen sich einige Satelliten dennoch gefährlich nahe – die ständig bemannte Internationale Raumstation etwa musste bereits mehrfach Ausweichmanöver fliegen. Das erste Mal, dass zwei Satelliten tatsächlich kollidierten waren am 10. Februar 2009 der amerikanische Satellit Iridium 33 und der russische Satellit Kosmos 2251. Obwohl ein Vorbeiflug in 600 Metern Abstand geplant war (was immer noch sehr wenig ist), kollidierten die Satelliten und erzeugten eine Trümmerwolke, die noch heute die Erde umkreist und Raumfahrzeuge gefährdet.

Vor kurzem wurde wieder eine mögliche Kollision vorhergesagt, das Weltraumteleskop IRAS und der GGSE-4 sollten in einem Mindestabstand von nur 13 Metern aneinander vorbeifliegen.

Kollision der Satelliten galt als möglich

Die Wahrscheinlichkeit für eine Kollision wurde auf 1:100, später sogar auf 1:20 geschätzt, was außergewöhnlich hoch war. Die ISS etwa fliegt bereits Ausweichmanöver ab einer Wahrscheinlichkeit von 1:100.000, da diese auch bemannt ist und eine Kollision tödliche Folgen haben könnte. Da in diesem Fall jedoch beide Satelliten inaktiv waren, war ein Ausweichmanöver nicht möglich. Man konnte also nichts anderes tun, als zum Himmel zu schauen und zu hoffen. IRAS war das erste Infrarot-Teleskop aller Zeiten und wiegt etwa eine Tonne, GGSE-4 ist ein Testsatellit der Airforce und wiegt 85 Kilogramm, sie flogen mit einer relativen Geschwindigkeit von 14,7 Kilometern pro Sekunde auf einander zu. Eine solche Kollision hätte einen Lichtblitz erzeugt, den Astronomen auch auf der Erde hätten beobachten können. GGSE-4 wäre vermutlich vollständig zerstört wurden, IRAS lediglich beschädigt. In jedem Fall entstünde eine den Globus umspannende Trümmerwolke aus tausenden Objekten, die sich Jahrzehnte halten würde und die Erde auf etwa 900 Kilometern Höhe umrundet, also zwar über der Raumstation, doch innerhalb des dicht besetzten niedrigen Erdorbits. Es erinnert an die Gedanken des US-amerikanischen Astronomen Donald Kessler der 1978 vor einem Kaskadeneffekt warnte, durch den sich die Menge des Weltraumschrotts durch Kollisionen innerhalb weniger Jahre exponentiell vervielfachen und somit Raumfahrt für künftige Generationen extrem schwierig machen würde. Durch Kollisionen entstehen immer mehr Trümmer, die dann neue Kollisionen verursachen – eine nicht aufzuhaltender Kettenreaktion.

Wenn in wenigen Jahren wieder Menschen zum Mond aufbrechen, müssen diese den erdnahen Weltraum durchqueren, geplante Megakonstellationen wie Starlink wären ebenfalls gefährdet und ein Weltraumaufzug ist bereits heute durch die Zerstörungsgefahr durch Trümmer nicht zu realisieren. Wenn wir so weiter machen, hinterlassen wir unseren Nachkommen nicht nur eine unbewohnbare Erde, sondern auch einen nicht benutzbaren Erdorbit.

Vermutlich durch Weltraumschrott verursachtes Einschlagloch in der Internationalen Raumstation

Maßnahmen gegen Weltraumschrott

Leider sind die rechtlichen Vorgaben im All recht schwammig, im Grunde genommen gibt es keine Haftung für die Verunreinigung des Erdorbits, lediglich bei einem Satellitenabsturz haftet das Land, welches den Satelliten betreibt. Dennoch erkennen die Raumfahrtbehörden die Gefahr und reagieren. So weicht die NASA langsam von der gängigen Praxis ab, ausgediente Satelliten und Raketenstufen einfach im Erdorbit zu belassen und bringt sie entweder zum kontrollieren Absturz oder befördert sie auf einen Friedhofsorbit weit weg von allen anderen Raumfahrzeugen. Dann bleibt natürlich noch der bereits vorhandene Müll. 2025 wird die erste „Müllabfuhr“ im All starten, die ESA-Sonde ClearSpace-1. Sie wird eine 100 Kilogramm schwere Trägerraketenstufe mit vier Roboterarmen greifen und aus dem Orbit ziehen. Es sollen weitere Sonden folgen, die mehrere Objekte greifen sollen. So soll der Erdorbit in Zukunft perspektivisch sauber gehalten werden und erst dann wird man über Weltraumhotels oder gar einen Weltraumfahrstuhl ernsthaft nachdenken können.

Letztlich flogen IRAS und GGSE-4 in 47 Metern Abstand aneinander vorbei. Die Situation ging also noch recht glimpflich aus, doch die nächste Begegnung ist nur eine Frage der Zeit.

Doomsday Clock: Es ist mehr als fünf vor zwölf

Seit 1947 ist viel Scheiße passiert, das gehört wohl zu den wenigen Dingen, in denen sich im Grunde genommen alle einig sind. Und diesen Planeten in den schlechtesten Zustand seit 1947 zu versetzen, ist daher durchaus eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die wir Menschen wohl gemeistert haben, zumindest wenn es nach den Wissenschaftlern des Bulletin of the Atomic Scientists geht. Die Forscher dieses Fachblatts, darunter 17 Nobelpreisträger, haben nun die sogenannte Doomsday Clock, die Weltuntergangsuhr, um weitere 33 Sekunden auf nun 100 Sekunden vor Mitternacht vorgestellt – und somit so nah an den Weltuntergang wie noch nie zuvor.

Die „Uhr des Jüngsten Gerichts“

Alles begann am 6.August 1945 als auf Befehl von US-Präsident Truman eine Uranbombe über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde. Innerhalb einer Sekunde stand alles im Umkreis von 10 Kilometern in Flammen, Menschen verdampften durch die Explosionshitze, ein Atompilz erhob sich 13 Kilometer in die Atmosphäre. Der Atombombenabwurf auf Hiroshima und der drei Tage später erfolgende Abwurf einer wesentlich stärkeren Plutoniumbombe auf Nagasaki stehen bis heute für die Schrecken des Krieges. Doch noch etwas war klar: Die Menschheit kann jene Kraft, mit der die Sonne lebensspendendes Licht und Wärme erzeugt, nutzen, um sich selbst zu vernichten.

Somit machten es sich einige der am Bau der Atombombe beteiligte Wissenschaftler nach Ende des Krieges zur Aufgabe, die Menschen über die Gefahr einer Selbstauslöschung der Menschheit aufmerksam zu machen, um dafür zu sorgen, dass wir uns nie wieder an den Rand der Ausrottung bringen. 1945 gründeten sie daher das Bulletin of the Atomic Scientists und 1947 die Doomsday Clock, die symbolisch den Zustand der Welt und wie nah wir vor der Selbstzerstörung stehen anzeigt und stellten sie auf sieben vor zwölf. Und wie wir leider wissen, ging es danach direkt nur so semi-gut weiter. Kernwaffentests der UdSSr, die Zündung von Wasserstoffbomben und Ausbrechen nationalistischer Kriege führten dazu, dass die Uhr bis 1953 schrittweise auf zwei vor zwölf vorgestellt wurde. Doch wir kriegten die Kurve wieder. Mit Beginn der Abrüstung, dem Ende des Kalten Krieges, verstärkter internationaler Zusammenarbeit und der Demokratisierung Europas schien die Gefahr beseitigt, 1991 zeigte die Uhr 17 vor zwölf.

Endzeit

Dann kam die Klimakatastrophe. Die Pole schmolzen rasend schnell ab, Extremwetterlagen nahmen zu, Hitzerekorde wurden gebrochen. Zudem wuchs die Anzahl der Atombomben, es kam zu einer erneuten nuklearen Aufrüstung. Stellvertreterkriege in der Ukraine, in Syrien und in Afghanistan erinnerten „an die dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges“.  Die Doomsday Clock tickte und tickte bis sie 2019 auf zwei Minuten vor zwölf Stand – und somit auf dem Stand des Kalten Krieges. Doch 2019 sollte als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels unumkehrbar und gleichzeitig direkt spürbar würden. Zwei Kontinente standen in Flammen, mitten in Europa gab es Hitzetote, Städte und Inseln standen unter Wasser, in der Arktis begannen mit dem Abschmelzen des Permafrosts unumkehrbare Prozesse. Daher stellten die Wissenschaftler die Uhr für 2020 erneut vor, womit es nun 100 Sekunden vor zwölf ist. Wir stehen also kürzer vor dem Weltuntergang als in jenen düsteren Stunden des Kalten Krieges.

Aufgrund der bereits spürbaren Auswirkungen der Klimakatastrophe und einer erneuten Phase nuklearer Aufrüstung steht die Weltuntergangsuhr nun auf 100 Sekunden vor zwölf.

Die Uhr tickt

Die derzeitigen Geschehnisse übertreffen die schlimmsten Vorhersagen der Wissenschaftler. Die Arktis wird schon in wenigen Jahren das erste mal seit 2,7 Millionen Jahren eisfrei sein, das Abschmelzen des Permafrosts sagten Wissenschaftler erst für 2090 voraus, Ökosysteme wie der Amazonas oder das Great Barrier Reef sind vermutlich bereits verloren. In der Natur steht alles in einem sehr labilen und empfindlichen Gleichgewicht. So sorgen die Bäume des Amazonas etwa dafür, dass das lokale Mikroklima feuchter wird. Damit wiederum setzen sie die Existenzgrundlage für andere Bäume und sich selbst. Bricht der Bestand einmal ein, kippt das Klima unwiderruflich. Und das ist nur ein Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn das Klima endgültig und im großen Maßstab kippt. Wenn wir die Atmosphäre weiter mit Kohlendioxid anreichern, wird sich das Aufsteigen von Methanblasen aus gesättigten Schichten in der Tiefsee beschleunigen. Jede Blase aufsteigenden Methans bringt Bewegung in diese Schicht und lässt noch mehr Methan aufsteigen. Im Laufe von Jahrzehnten entgasen sich die gesamten Meere. Die Menge des dort gespeicherten Methans übertrifft die der jetzigen Atmosphäre um das 100-fache. Irgendwann ist der Point-of-no-return erreicht. Selbst ohne weiteres menschliches Zutun würde die Erde dann immer wärmer, eine sogenannte Rückkopplung wäre in Gang gesetzt, wie etwa bei einem Mikrofon, das zu nah am Verstärker liegt. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde sich die Erde um etwa 4°C erwärmen – ganze Kontinente würden unbewohnbar, Großstädte wären überflutet und hunderte Millionen Klimaflüchtlinge würden den Nazis neuen Zündstoff geben. Hungersnöte, Epidemien und Kriege würden eine dezimierte Menschheit plagen. Mitternacht auf der Doomsday Clock.

Wir haben es hier mit einer ganz anderen Bedrohung als jemals zuvor zu tun. Denn selbst bei totaler Stagnation wird die Situation immer schlimmer, anders als etwa 1953 im Kalten Krieg. Daher denke ich persönlich, dass wir es nicht mehr schaffen werden. Doch die Doomsday Clock unterscheidet sich in einer Hinsicht von allen anderen Uhren – wir können sie zurückdrehen. Wir alle zusammen.

Warum die Bauernproteste verfassungsfeindlich sind

Die aktuellen Proteste von Landwirten gegen das Agrarpaket sind Akte puren Egoismus von Menschen, die meinen, sie könnten die Bevölkerung durch wirtschaftliche Abhängigkeit erpressen und somit die Zerstörung unser aller Biosphäre rechtfertigen. Somit sind die Forderungen der Bauern eine Gefahr für das langfristige Bestehen der menschlichen Zivilisation, die Demokratie und Menschenrechte. Sie sind verfassungsfeindlich.

Schädliche Forderungen

Die Bauernproteste, initiiert vom Bündnis „Land schafft Verbindung“ (der Titel ist übrigens noch das konkreteste an diesem ganzen Bündnis) richten sich vor allem gegen das im Vorjahr verabschiedete viel zu lasche Agrarpaket der Bundesregierung, dessen Kern das sogenannte „Aktionsprogramm Insektenschutz“ ist. Es enthält etwa ein Verbot von bestimmten Insektiziden in Naturschutzgebieten, einen Mindestabstand zu Gewässern von 10 Metern beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Deklaration von Streuobstwiesen und artenreichem Grünland als Naturschutzgebiete und eine erhebliche Einschränkung des Glyphosatgebrauchs ab 2020. Grundsätzlich also alles sinnvolle und notwendige, teils nicht weit genug gehende (das Tierwohllabel ist etwa freiwillig, um ein Beispiel zu nennen) Gesetze, die dem Insektensterben entgegenwirken werden. Insekten sind für den Stoffkreislauf und als Bestäuber unabdingbar und das Insektensterben lässt sich eindeutig belegen. Die Roten Listen der gefährdeten Arten in Deutschland verzeichneten einen negativen Trend bei mehr als 3000 Insektenarten. Die Ironie: Das Insektensterben wird vor allem die Landwirtschaft betreffen. Insgesamt sind Pflanzen im Wert von insgesamt 1,13 Milliarden Euro in Deutschland von Bestäubern abhängig. Vor allem beim Obst- und Gemüseanbau, aber auch bei Ackerkulturpflanzen, etwa Raps wird die Ernte also einbrechen, wenn die im Agrarpaket verabschiedeten Maßnahmen nicht zügig umgesetzt werden.

Thesen wissenschaftlich nicht haltbar

Doch viele Bauern, die sich an den jetzigen Protesten beteiligen, betreiben Realitätsverdrängung der höchsten Form. So leugnen manche schlicht die gesundheitsschädliche Wirkung der Stickstoffverbindung Nitrat, um gegen die Düngemittelverschärfung zu wettern. Wie ich hier schon im Rahmen von Silvesterböllern geschrieben habe, wandelt der Körper Nitrat ab einer gewissen Konzentration in Nitrit um, welches krebserregend wirkt, Rote Blutkörperchen schädigt und zu Fehlgeburten führen kann. Gelangt zu viel Nitrat auf die Felder, kann dieses nicht aufgenommen werden und gelangt ins Grundwasser, wo wir alle das Zeug trinken dürfen. Sebastian Dickow, Sprecher der Bewegung, behauptete anschließend, die meisten Bauern würden nicht überdüngen. Dem gegenüber steht eine Studie der Universität Gießen, wonach Bauern im Schnitt 77 Kilogramm mehr Nitrat pro Hektar genutzt haben, als die Pflanzen aufnehmen können. Hinweise seitens Dickow auf Lücken in der Statistik konnten ebenfalls eindeutig widerlegt werden.

Wenn Felder überdüngt werden, landen die überflüssigen Düngemittel in der Atmosphäre und im Grundwasser.

Schließlich blamierte sich Dickow vollkommen, indem er sagte, dass große Mengen des Stickstoffs unschädlich seinen, da sie gar nicht ins Grundwasser kämen. Eigentlich hat er damit sogar recht. Bleibt nur das unschöne Detail, dass Ablagerungen, die sich nicht auswaschen, in die Luft gelangen und dort das Klima belasten. Und letztlich landen sie über den Niederschlag doch wieder im Boden. Die Düngemittelverschärfung wird durch die wissenschaftliche Faktenlage also eindeutig gestützt. Es mag verständlich sein, dass sich manche Bauern von den mehrmals verschärften Verordnungen überfordert fühlen. Doch letztlich bleiben diese Verschärfungen nicht willkürlich, sondern basieren auf Modellrechnungen und Simulationen. Sie sind das, was wir tun müssen, um zu überleben, alternativlos. Und die Einschränkungen die sie für manche mitbringt, sind dann persönliches Pech – und zudem deutlich schwächer als die des Insektensterbens.

Bauern profitieren vom Agrarpaket

Das perfide ist, dass Dickow und seine Kollegen vorgeben, alle Bauern zu repräsentieren. Doch den meisten Bauern ist das Insektensterben nicht egal und sie verstehen auch die Notwendigkeit von Tierschutz. Es ärgert mich zudem, dass durch die Bauernproteste ein sehr ehrenwerte und wichtiger Beruf diffamiert wird. Auf welcher Seite „Land schafft Verbindung“ steht, zeigt sich, wenn man sich die Gesichter hinter den Protesten etwas genauer ansieht. Dirk Andresen, der bekannteste Sprecher der Bewegung ist etwa – welch Überraschung – am Andresen Siedenbollentin GmbH & Co. KG beteiligt, einem industriellen Agrarunternehmen mit 1250 Sauen. Letztlich unterscheidet er sich also in keiner Form von Öl- oder Kohlelobbyisten, denen die Zukunft im Grunde genommen egal ist – und die Landwirtschaft auch. Während man Fridays for Future häufig Unterwanderung vorwirft, sind die Bauernproteste nicht nur von Rechtsextremisten unterwandert, sondern praktisch ideologisch verwandt. So durfte etwa der schweizerische Rechtsextremist Ignaz Bearth auf einer Bauerndemo nicht nur sprechen, sondern bekam sogar Applaus, war also durch die breite Masse legitimiert. Er ist Gründer der schweizerischen Partei DPS, die 2017 mit der PNOS fusionierte. Diese wiederum trat mit Parolen wie „Nationale Erneuerungsbewegung“, „Wir säubern!“ und „Eidgenössischer Sozialismus“ an und forderte die Umwandlung der Schweiz in einer Meritokratie.

Jene Erfindung, welche die Menschheit vor 200.000 Jahren groß gemacht hat, ist nun gut dabei, sie wieder auszulöschen. Diejenigen, die das provozieren, sind jedoch keine Bauern, auch wenn sie schicke Traktoren haben – das sind Lobbyisten und genau so sollten wir ihre Anliegen auch behandeln. Demonstrationen von alten weißen Männern, die durch Erpressung mit scheinbarer wirtschaftlicher Abhängigkeit das Recht bekommen wollen, einen mit einer Biokalypse verbundenen Völkermord auszulösen sind verfassungsfeindlich – und somit sollte ein Verbot kein Tabu sein. Die echten Bauern sind unsere Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise – das zeigten die reichlich besuchten Gegendemonstrationen unter dem Motto „Wir haben es satt.“ für eine ökologische Agrarwende.