Geerbte Dauerkarte

Mein Ur-Opa, mein Opa und mein Vater standen jeweils mit ihren Söhnen in der Kurve und somit war klar, dass ich meinen Sohn auch auf die einzig echten Farben polen möchte muss. Es war der letzte Wunsch meines Opas am Sterbebett und deswegen stand ich nun am vergangenem Wochenende erstmals im Block des …..

Bullshit! Meinen Opa hat Fussball kaum interessiert und mein Dad war mit mir Anfang der Achtziger ein einziges Mal im Rheinstadion woran ich nur eine blasse Erinnerung habe. Und überhaupt. Ich stehe nicht Woche für Woche in DER Kurve, sondern Woche für Woche in einer Kurve, oder zumindest in der Nähe einer solchen.

Ich bin 50%iger Bestandteil der „Mannschaft-für-Sohn-Findungskommission“. Gerne würde ich Euch die Geschichte von dem Vater erzählen, der seinem Sohn nicht vorschreiben will welche Farben er zu tragen hat und welcher Mannschaft er sein Fanherz schenken muss. Noch lieber die Geschichte von dem Vater, der keine Kosten und Mühen scheut um mit seinem Sohnemann für die ehrenvolle Mannschaftsfindung die Stadien der Republik bereist. Gerne würde ich Euch auch erklären, wie logisch dieses Projekt ist. Schließlich entscheidet man sich ja für sein restliches Leben, oder? Gerne würde ich Euch sagen, dass dies die einzigen Gründe sind warum wir bereits nach Frankfurt, Fürth, Dortmund, Leverkusen, München, Sandhausen, Strümp, Oberhausen, Mailand, Prag, Aalen, Hamburg und in viele weitere Stadien gereist sind. Gerne, gerne. Ist aber nur die halbe Wahrheit. Vielleicht sogar nur ein Drittel derer. Mein Sohn hat das Asperger-Syndrom. Asperger ist eine Entwicklungsstörung im Rahmen des Autismus-Spektrums. Nicht heilbar.

Dies ist wirklich kein Grund in den Betroffenheitsmodus zu verfallen, denn unser Sohn ist sehr glücklich und da ist nicht der Hauch eines Zweifels Vater des besten Sohns der Welt zu sein, aber man muss es wissen wenn man unsere Erlebnisse auf den Reisen verstehen will. Die aus dieser Störung heraus resultierenden Problematiken sind umfangreich und von Fall zu Fall differenziert ausgeprägt. Im Falle meines Sohnes ist es so, dass er oft nicht in der Lage ist seine Aufmerksamkeit willentlich zu steuern, er ist nicht in der Lage zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden, er hat eine deutlich empfindsamere Sensorik und Probleme in der sozialen Interaktion. Das bedeutet übersetzt, dass er auf seinem eigenem Geburtstag durchaus auch gerne alleine in seinem Zimmer Legosteine nach Farben oder Formen sortiert, während die Gästekinder im Garten spielen, dass er niemanden küssen möchte und noch nie jemanden geküsst hat. Es bedeutet auch, dass gleichaltrige Kinder durchaus schon mal zur Antwort bekommen:

„Ich hasse Dich und ich wünschte du wärst tot.“ Vielleicht, weil das Kind besser Fussball spielt.Es ist nicht so, dass er gerne Menschen mit seinen Aussagen verletzt, aber er tut es. Häufig. Unkontrolliert. Ohne jegliche Rücksicht.

Erst am vergangenem Sonntag hat er mich im ICE auf der Rückreise aus Gelsenkirchen publikumswirksam im Bord Bistro angeschrien, wie sehr er mich hasste und dass ich die Scheisse alleine fressen könnte. Welches schwerwiegende Problem ein Kind so zum Ausrasten bringt? Der Kellner im Bord Bistro hatte vergessen die Sauce zu den Nudeln extra zu reichen und hatte diese schon über die Nudeln geschüttet. Was dann für Aussenstehende wirken mag , wie ein Fall aus: „RTL- Mitten im Leben – Erziehungsprobleme“ ist in Wirklichkeit der meist „normale“ Umgang eines Asperger-Autisten im Umgang mit gebrochenen Regelwerken und Routinen. Regel 7694 : Beim Essen dürfen Zutaten nicht miteinander vermischt sein.Klingt vielleicht lustig. Ist es aber selten. Heute sehe ich das auch entspannter. Aber auch für mich war es schwierig mit den „logischen“  Reaktionen der Bord-Bistrokellner, Passagiere und sonstigen Umfeldbetretern klar zu kommen. Die ratsamen Tipps würde ich mir und vor allem meinem Sohn gerne ersparen.

„Dem gehört mal der Arsch versohlt“, „

„Der würde bei mir nichts mehr zu essen bekommen…“,

„Wenn (Stimme erhebt sich) MEINE (Stimme senkt sich) Kinder….. blablabla“,

Nach dem Tausendsten Mal fehlt aber die Hoffnung, dass Dich jemand versteht.

„Sie haben so Recht.“

Für mehr reicht die Kraft oft nicht mehr. Ich bin des Erklärens, des Aufklärens und der Entschuldigungen überdrüssig. Viele seiner „Macken“ waren und sind mir bis heute aber egal oder berühren mich wenig, weil ich mittlerweile gelernt habe nicht zu bewerten, wie ich mich in der entsprechenden Situation fühlen würde, sondern nur noch darauf achte , ob mein Sohn sich wohlfühlt. Und das tut er nunmal in Situationen, die wir vielleicht traurig, ungewöhnlich oder als vereinsamt anmutend beschreiben würden. Was mich jedoch tief getroffen hat ist der mangelhafte Umgang mit den Emotionen anderer. Klar, kann man sagen, dass man nichts vermisst nur weil man Emotionen anderer nicht so feinschichtig unterteilen kann.

Wo kann ein Asperger-Autist mehr über Emotionen von Menschen erfahren als in einem Fussballstadion?  Und so rammeln wir nun durch die Republik nach fest auferlegtem Regelwerk mit unendlich vielen  peinlichen, demütigenden, lustigen, lehrreichen, ernüchternden , traurigen, erschütternden und nachdenklich machenden Erlebnissen und Erkenntnissen, die die Aussagen von so manchem Asperger-Autismus-Experten ganz gehörig ins Wanken bringen könnten. Seinen Verein hat er noch nicht gefunden. Eventuell wird er sich nie entscheiden können wollen. Vielleicht beinhaltet das Projekt nach Regelanpassung Nummer sechshundertzwölf aber auch irgendwann einmal die zwingend erforderlichen Besuche der 6.spanischen Liga.

Wer sind die Wochenendrebellen?

Wir sind Mirco und Jason, Vater und Sohn und besuchen seit einigen Jahren Fußballstadien in Deutschland auf der Suche nach einem Lieblingsverein für den Sohn. Darüber blogge ich (und manchmal der Sohn selbst) und der Podcast gibt Der-menschliche-Körper-Folge 25uns ergänzend dazu die Möglichkeit, dass der mittlerweile elf Jahre alte Sohn direkt persönlich seine Meinung zum Besten geben kann und nicht von mir falsch interpretiert werden kann. Über unsere nächsten Reisen informieren kann man sich, wenn mal was planbar ist, auf unserer Facebook-Seite. Klassisch bildlastig geht es zukünftig vielleicht bei Pinterest auf diversen Pinnwänden zu. Jason bloggt zudem auf Spektrograph.com zu wissenschaftlichen Themen rund um Astronomie, Physik, Biologie, und Geschichte. Unregelmäßig twittert er zudem unter @wochenendrebell. Wirklich stolz sind wir auf den vierten Platz bei der Verleihung des Deutschen Fußballkulturpreises 2016 (Kategorie: Fußballblogs), auf die Auszeichnung Goldener Blogger 2016 (Kategorie: Mama, Papa und Elternblogs) und auf die Nominierung für den Grimme Online-Award 2017. Am allermeisten freuen wir uns aber über direktes Feedback auf Facebook, als ITunes Rezension oder als Kommentar direkt im Blog.

Wir freuen uns über die Teilung unserer Inhalte.

Radiorebell – Podcast-Episodenempfehlungen

Unseren gemeinsamen Podcast gibt es seit 2016. Hier geht es zu unserer ersten Podcast-Folge und zu einer ausführlicheren Erklärung warum wir podcasten. In De-menschliche Körper-Radiorebelleiner der spannendsten Folge reden wir über Jasons Asperger-Autismus. Folge für Folge besprechen wir ein Thema, welches in der Folge zuvor offiziell ausgelost wurde. Sehr amüsant ist auch die Folge über Dinge, die wir gerne mögen oder auch über Dinge, die wir nicht so gerne mögen. Erstaunt war ich über das Wissen des Sohnes, was den amerikanischen Präsidenten Donald Trump angeht. Die Folge haben wir am Tag nach der US-Wahl aufgenommen. Mitten in der Nacht in einem Hotel in Berlin aufgezeichnet haben wir eine Folge, nachdem wir den Preis für den Goldene Blogger in der Kategorie Elternblog erhalten haben.

Über ein Abonnement über Android oder ITunes freuen wir uns sehr. Warum man Podcasts mögen könnte und was man zum Hören so benötigt hat Heiko Bielinski schön zusammengefasst.

 

Warum wir auf Steady aktiv sind?

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, für Zeit mit meinem Sohn bezahlt werden zu wollen. Der-menschliche-Körper-EuropareiseErst recht nicht, dass der ein oder andere Moralapostel mir vorwerfen kann, ich würde aus dem Leid meines Sohnes, welches nicht einmal vorhanden ist, Kapital schlagen wollen. Wir sind nicht reich und nicht arm und das Mittagessen wird unabhängig von einer Unterstützung nicht größer oder kleiner als zuvor. Wir werden auch in dreißig Jahren noch mehr Nahrung in Überfluss, als viel zu viele Menschen auf der Welt deutlich zu wenig haben. Trotzdem haben wir uns dafür entschieden, dass man uns über eine Crowdfundingplattform unterstützen kann. Das Equipment gab es nicht geschenkt, und für die eine oder andere Podcastfolge werden vielleicht ein paar Randkosten entstehen.

Steady funktioniert unter anderem, indem zusätzlicher exklusiver Inhalt an eine regelmäßig zahlende Supporter-Gruppe freigegeben wird. So sehr ich den Gedanken der nachhaltigen Unterstützung schätze, umso mehr widerstrebt es mir aber auch, die Mitleser und Mithörer in unterschiedliche Klassen zu unterteilen. Daher wird einem Steady-Unterstützer nicht einmal etwas besonderes geboten. Als treuer Feed-Begleiter oder Blogabonennt bekommt man also die identischen Inhalte. Sinnlos? Nein. Rebellisch? Vielleicht. Fair? Ich denke, ja.

Wenn also der ein oder andere Mitleid mit der armen Familie und dem autistischen Sohn hat, dann sucht Euch eine lokale Hilfsorganisation Eures Vertrauens und gebt dort ein paar Euro aus für Menschen bei denen es um die Existenz oder ums nackte Überleben geht. Besonders empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang die Neven-Subotic-Stiftung. Guter Typ mit einem leidenschaftlichen Team und effizientem Engagement in einer Sache die längst weltweit Selbstverständlichkeit sein müsste, in viel zu vielen Fällen aber längst nicht selbstverständlich ist. Der freie Zugang zu sauberem Wasser ohne auf das Recht auf Bildung verzichten zu müssen.  

Es gibt unzählig viele Menschen, die es dringender brauchen, und Mitleid ist bei uns nicht vonnöten. Wir haben den besten Sohn der Welt. Über Unterstützung freuen wir uns aber trotzdem, und Kommentare, Belehrungen, Be- und Verurteilungen nehme ich gerne per Mail unter radiorebell@wochenendrebell.de entgegen. Mit Antwortgarantie. Über Rezensionen oder Blogkommentare freuen wir uns auch, im Gegensatz zur Mail liest hier aber auch der Podcast-Chef mit. Ich danke für Eure Rücksichtnahme.

 

 

72 Gedanken zu „Geerbte Dauerkarte

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  4. Paul

    Hallo Jay-Jay,
    ich beeindruckt von deinem Groundhopper Dasein. Respekt dafür.Mein Lieblingsverein wartet noch auf deinen Besuch.Der Wuppertaler Sport Verein.Schon die Anreise mit der einzigartigen Schwebebahn dürfte ein Erlebnis sein und ja die Aufzüge funktionieren in der Regel immer.
    Wir spielen zwar nur noch in der 5ten Liga aber haben immer eine tolle Stimmung und ein baulich so kaum mehr zu sehendes Stadio.Am 28.02 ist das 1ste Saisonspiel vielleicht hast du ja Lust mal vorbei zu kommen.
    Ich würde mich freuen wenn du dich mal meldest.

    Viele Grüße
    Paul

    Antworten
  5. Oskar

    Tja ich habe es wahrscheinlich auch, bzw ich bin gerade dabei rauszufinden welche dauerhafte Störung der Grund für meine ständigen Probleme ist.
    Das kann man sich eben nicht aussuchen und wie immer ist es schwer mit dauerhaften Konsequenzen zu leben, ABER:
    Was du tust ist grundrichtig. Ich hätte mir eine solche Hilfe gewünscht aber weder die Medizin noch meine Eltern waren damals so weit.
    Trotz Asberger kann man sich emotional halbwegs finden, ein „normales Leben“ führen mit sozialem Kontakt und fast allem was dazu gehört.
    Das Leben mag anders sein aber es muss nicht weniger erfüllt sein.
    Das zeigen mir die Asberger denen ich bisher begegnet bin, Förderung und Therapie können sicher viel bewirken und heute sind die Möglichkeiten noch viel besser.
    Gerade in der Psychiatrie tut sich wissenschaftlich gerade eine ganze Menge.

    Beste grüße aus einer Einrichtung für Psychotherapie nahe Hamburg

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  17. @2smart4u

    Salve @ColliniSue,

    bin via Twitter auf Deinen Blog gestoßen & muss sagen, hat mich – gerade als Papa – sehr berührt, auch wenn ich erst die nun von mir kommentierte Seite gelesen habe – der Rest wird sicherlich noch folgen, wenn denn die Zeit reicht, aber das wird sie, nehme ich mir jedenfalls fest vor.

    Und auch Danke für die Erweiterung meines Horizonts, damit ich beim nächsten Aufreger über „schwer erziehbare Kids“ mir einfach mal die Frage stelle, ob hier nicht ebenfalls jemand mit AS unterwegs ist.

    Deinem Sohn drück ich die Daumen, dass er vielleicht doch einmal seinen Verein findet – und Deine Unterstützung mit der Tour durch die Stadien ist episch.

    Wir lesen auns auf Twitter!

    @2smart4u

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  19. Fohlenpapa

    Hallo ihr beiden Fußball-Entdecker,

    ich lese Euren Blog sehr gerne – vor allem die Einträge von JayJay. Mein älter Sohn hat ebenfalls das Asperger-Syndrom und liebt ebenfalls den Fußball. Für ihn war allerdings schon früh klar, dass er wie Papa und Opa auch Gladbach-Fan sein möchte… Wobei: Schalke findet er auch ganz gut.

    Letztens waren wir dann alle zusammen im Stadion im Borussia-Park – und es war großartig. Zwar waren die Eindrücke für den Sohnemann schon ziemlich schwer zu verarbeiten (Höhe der Plätze, das Gedränge an den Aufgängen, die Gerüche und Geräusche von essenden Sitznachbarn). Alles in allem aber ein Klasse-Erlebnis und mal wieder ein gewaltiger Sprung nach vorne in seiner Entwicklung.

    Ich wünsche JayJay, dass er irgendwann auch „seinen“ Verein findet, hoffe aber auch, dass das nicht so schnell passiert. Denn dann müssten wir ja wahrscheinlich auf die tollen Reiseberichte verzichten, oder?

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  23. KarstenTS

    „dicke, fette Probleme in der sozialen Interaktion und in der Motorik“ findest Du in jedem Stehblock. Außerdem sagt Hornby: Nicht Du suchst Dir den Club aus, der Club sucht Dich aus. In jedem Fall wünsche ich Euch viel Spaß bei der Suche.

    Antworten
  24. Der Caspers

    Ganz wunderbarer Text.

    Also bis auf das mit der Entwicklungsstörung.

    Wir sind nicht gestört, wir ticken einfach nur anders. Vielleicht sind wir auch manchmal einfach nur auf dem falschen Planeten gelandet, aber auch das ist keine Störung 🙂

    Antworten
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  36. Pa Neu

    Dein Text rührt mich wahnsinnig an. Spontan kommt mir – wie so oft – eine Erinnerung in den Kopf:

    Ich arbeitete in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung, als meine Frau mit unserem ersten Kind schwanger war. Die Mutter eines Bewohners mit Down-Syndrom fragte mich damals, was wir uns wünschten, Mädchen oder Junge. Ich habe gesagt, dass es mir egal sei. Hauptsache, ich würde es mit all seinen Eigenarten so annehmen können, wie es ist. So wie es die meisten Eltern der Bewohnerinnen tun. Da schossen der Mutter Tränen in die Augen…

    Die gleichen Tränen, die mir in die Augen schossen, als ich deinen blog las.

    Liebe Grüße
    Patrick

    Antworten
  37. reginewinkelmann

    da ich selber Asperger Autistin bin und vier eigene bertroffene Kinder habe, weiß ich aus beiden Richtungen, wovon du sprichst.
    Und bei aller zweifel, die hin und wieder kommen mögen…. du machst es absolut richtig. Sei Anwalt und Übersetzer für ihn. Sei Coach, Vater und Supervisor.

    Und auch ohne Umarmung und ohne Küsse…
    Wir Autisten wissen wie tiefgreifend wir lieben und wie dankbar wir sein können.
    Auch wenn es manchmal wie eine Mauer ist, die uns nicht möglich macht, das, was in uns ist auch im Außen so zu zeigen.
    Allen die zu uns stehen und uns ein wenig die nichtautistische Welt leichter machen, zeigen wir es, in unserer uneingeschränkten Loyalität.

    Antworten
    1. Anita

      Ich kann mich Regine voll anschließen!

      Auch in bin Mutter von 4 Kindern, davon zwei diagnostizierte Autisten.

      Was wir in unsere Kinder investieren, an Zeit, Kraft und Liebe, bekommen wir zurück! Vielleicht nicht heute oder morgen. Aber es kommt! Und es lohnt sich

      Zitat: Sei Anwalt und Übersetzer für ihn. Sei Coach, Vater und Supervisor.

      zu sein!

      Und es verblüfft sehr oft die erfahrenen Therapeuten, dass man mit ungewöhnlichen Wegen eben doch Erfolge erreichen kann.

      Und es ist wichtig, darüber zu informieren.

      Antworten
  38. Ralph Scherbaum

    Geht weiter Euren weg durch die Fußballstsdien dieser Welt. Vielleicht ist für Deinen Sohn ja der Weg (mit seinem Vater) das Ziel?

    Antworten
    1. Andrea Reichert

      Lieber Wochenendrebell,
      gestern Nachmittag im Lohrheidestadion wollte ich Dich eigentlich noch fragen, wie man auf die Idee kommt, mit seinem 7-jährigen Sohn bis nach Wattenscheid zu fahren, anstatt sich einfach alle 14 Tage Hessen Kassel anzuschauen. Ich habe also nichts gemerkt :-), und irgendwie ging das Gespräch dann in eine andere Richtung. Umso mehr freue ich mich über Deinen Link per Twitter.
      Die Idee und Deinen Einsatz als Vater finde ich super. Es macht richtig Spaß, Deine Texte zu lesen, weil sie eben nicht vor Betroffenheit triefen, sondern über weite Strecken sehr humorvoll sind.
      Schön, dass wir uns kennengelernt haben. Vielleicht treffen wir uns noch mal in einem anderen Stadion … Wart Ihr schon mal in Uerdingen? 🙂
      Liebe Grüße, auch an den Sohnemann,
      Andrea
      P.s. Im ersten Moment habe ich Dich für Arnd Zeigler gehalten. Aber das bist du nicht, gell? 🙂

      Antworten
      1. wochenendrebell Beitragsautor

        Mmh, vielen Dank. Das Arndt Zeigler Thema hatte ich vor geraumer Zeit schon einmal. Aber ich kann dies ziemlich sicher ausschließen.
        Uerdingen. Noch nicht, Kann aber noch kommen. 😉

        Antworten
  39. Pingback: Creeping Death und Pommesgabeln | Der Wochenendrebell

  40. Pingback: Rebels with a cause | angedacht

  41. ruhrtrip

    Ich danke dir für diesen emotionalen und ehrlichen Text. Ich möchte dir Mut zusprechen diesen Weg weiter zu verfolgen. Meine uneingeschränkte Bewunderung gilt dir als Mensch und Vater. Wünsche euch noch erlebnisreiche Reisen und Stadionbesuche. Walk on

    Antworten
  42. Pingback: Boxen.Lude | Der Wochenendrebell

  43. SvenGZ

    Beim lesen Deiner Blogeinträge mischt sich Betroffenheit unter die Bewunderung, man fragt sich, ob oder wie oft man vermeindlich nörgelnden, unbeherrschten Kinder nebst ihren Eltern Unrecht getan hat, wie oft man wohl fälschlicher Weise vorverurteilt hat.
    Doch die Bewunderung überwiegt.
    Die Art und Weise wie Du die Entwicklung Deines Kindes unterstützt und dazu auch noch diese Worte findest, um uns daran teilhaben zu lassen nötigt mir tiefsten Respekt ab.
    Wenn ich nicht so eigennützig wäre, würde ich Dir den Tipp geben das Bloggen zu lassen und ein Buch zu schreiben, denn Deine Erzähle hat Romanformat.
    Mindestens.

    Antworten
  44. Andreas Bach

    Eine der besten Texte, die ich jemals rund um das Thema „Stadionbesuche“ gelesen habe. Und zwar völlig abgesehen vom Gesundheitszustand deines Sohnes. Ich wünsche Euch beiden für die Zukunft noch viele tolle Reisen und unendlich viele geile Spiele und Momente in welchen Stadien dieser Welt auch immer und auch sonst natürlich in allen belangen nur das Allerbeste. Was ihr aus der euch beiden geschenkten Zeit macht, ist unfassbar geil – und vor allem unfassbar viel. Bestes Beispiel für ein eigentlich beispiellos gut gelücktes „memory building“ – also heute schon ein absolut tolles Geschenk für die Zukunft, die so ewig „halten“ wird… head on.

    Antworten
  45. Doreen Kröber

    Weitermachen! Durchhalten! Idioten ignorieren, ausblenden.

    Mein Trick,wenn ich die Blicke nicht mehr ertrage: Ich trage eine voll fette Sonnenbrille und nicht nur wenn die Sonne scheint.

    Ich beneide euch um eure Aktivitäten, ehrlich. Max möchte immer nur zu Hause bleiben bzw. hat er Fixpunkte. Keine Zugfahrten, kein Urlaub, keine Tagesausflüge – hier geht nichts.

    LG Doreen
    P.S. Zauberkind sag ich nur, unsere Kinder sind verzaubert.

    Antworten
  46. The_R

    Unfassbar, was für Dinge das Leben parat hält. Und unfassbar, wie stark Du bist.

    Ich glaube, der kleine Mann muss seinen Verein gar nicht finden. Wie heißt es so abgedroschen: Der Weg ist das Ziel. Wer von uns kann behaupten, einen Vater (gehabt) zu haben, der das tut, was Du tust? Ich hoffe für ihn und Euch, dass er eines Tages mit Freude an diese Zeit der Vereinsfindung zurückdenkt.

    Antworten
  47. Marco Werner

    Ich sage einfach danke. ich lese solche erfahrungsberichte sehr gerne. nicht aus freude. nein einfach aus der sichtweise, dass man mit seiner behinderung nicht alleine ist. ich meine ich weiß wovon ich rede. ich fahre auch mit meinen 4 rädern am hintern durch die welt aber okay ich habe meinen verein gefunden und ich drück dir / euch die daumen das es dein sohn auch irgendwan tut.

    klasse geschrieben

    viele grüße aus thüringen

    Antworten
  48. tommes04

    Einen herzlichen Gruß an die Findungskommission! Eine fantastische Idee, wie ich finde. Rockt weiterhin die Stadien des Landes. Ich freue mich auf Euch, wenn ihr nach Euren Reisen in Gelsenkirchen Euer Wochenend-Zuhause gefunden haben solltet. Herzlich Willkommen. Und danke für die zwei jüngsten, wunderbaren Blogbeiträge!

    Antworten
  49. Detlef (Doktor_d)

    Diesen Text können vielleicht nur die wirklich verstehen, bzw. sich einfühlen, die selbst ein, oder gar mehrere Kinder mit einem Handicap haben. Ich kann. Für mich waren die Blicke anderer immer das schlimmste.

    Antworten
  50. xxlhonk

    Ich sitze hier, lese als Vater zweier gesunder Töchter deine Zeilen und bekomme Augenpippi. Nicht so aus Mitleid. Den willst Du nicht. Und den brauchst Du auch nicht. Sondern eher so, weil mir gerade (endlich) wieder mal klar wird, wie sehr wir unsere Kinder lieben und froh sein müssen, dass wir sie haben.
    Aber auch ein wenig, und da bin ich gerade ehrlicher als ich es vielleicht sein solte, wie froh ich bin, dass meine Mädels bisher von allen Ungwegbarkeiten des Lebens verschont blieben und hoffentlich bleiben.
    Ich weiß nicht, ob ich mich gerade dafür schämen sollte, dass ich das schreibe…
    Ich weiß aber, dass ich Dich sehr bewundere und das ich das Projekt gerdezu großartig finde. Sowohl die Umsetzung in die Tat, als auch darüber so offen zu schreiben.
    Ich finde das einfach ganz stark!
    Und wünsche deinem Sohn nur eines: Möge er einen Verein finden. Und das wird er. Und wenn er ihn gefunden hat, ist es garantiert der richtige und beste Verein der Welt.

    Antworten
  51. heinzkamke

    Danke für diesen Einblick.
    Zugegeben: die Neigung, in besagten Betroffenheitsmodus zu verfallen, ist da. Umso schöner, dass Du mir das gleich wieder austreibst und mich dazu bringst, gleichermaßen ernsthaft wie lächelnd über Euer Projekt und auch (nicht lächelnd) über die Krankheit nachzudenken.

    Wann kommt Ihr denn ins Neckarstadion …?

    Antworten
  52. Sabine

    Du hast mir mit Deinen Worten Mut gemacht. Mut gemacht, meine eigene Tochter auch mal ihren Ängsten und zu stellen. Sie nicht nur zu behüten und immer in Sicherheit zu wiegen. Auch mal ihre Gefühle zu (auszu)reizen.
    Bei euch ist es Fußball.
    Bei uns ist es Musik.
    Ja. Ich werde mit ihr ein Konzert besuchen. Ich werde mich mit ihr in eine grosse Halle voller Menschen wagen. Sie mal soweit in eine Halle zu bewegen, dass sie keine Türen mehr sieht, die sie doch immer magisch anziehen. Und ich werde abwarten, wie sie reagiert. Wenn sie überfordert ist und sich auf den Boden schmeisst, andere Leute anfängt zu schubsen, dann ist es eben so. Ein Versuch. Der halt gescheitert ist. Aber ein Versuch hin zu einem Leben, das nicht nur von Routinen und Regeln geprägt ist. Ausbrechen!

    Wenn sie aber die ersten Takte von Musik hört und anfängt vom Herzen her zu lächeln und zu geniessen, die Menschenmenge und die grosse Halle vergisst, dann war es ein Erfolg.

    Danke! Für´s Mutmachen!

    Antworten
    1. Manuela

      @Sabine ich weis nicht wie alt deine Tochter ist. aber versuchs mal mit nem Cro-Konzert. das ist voller Beat und macht Mama und Kind Spaß

      Antworten
    2. felicea

      Nimm einen Gehörschutz wie „Music Safe“ mit. Musik ist toll, aber Autisten können sie oft nicht genießen, wenn das Lautstärkelevel einfach für ihre Ohren zu hoch liegt.

      Antworten
  53. Gunnar

    Falls Ihr es mal mit maximal unspektakulärem Drittligafußball versuchen wollt, steht weiterhin das Angebot, mal in Wiesbaden vorbeizuschauen. Gibt sogar eine passable Bratwurst und im mobilen Fanshop sind häufig echte Spieler (die gerade verletzt oder gesperrt sind) zu finden – nicht, dass man die wirklich aus der Nähe sehen möchte… 😉

    Antworten
  54. eakus1904

    Ein sehr ehrlicher, offener und emotionaler Text,vielen Dank dafür.
    Ich gebe ehrlich zu, ich kannte das Asperger-Syndrom bis gerade nicht. Also den Namen hatte ich vielleicht schonmal gehört,aber ich hätte die Symptome nicht erkannt. Ich weiss daher nicht, wie ich in der Bord-Bistro Situation reagiert hätte. Vielleicht genau so,zumindest in Gedanken? Vielleicht gar nicht? Hätte ich dich darauf evtl. angesprochen oder-aus Unwissenheit- nen dummen Witz gemacht, um die Situation zu überspielen?
    Daher würde mich interessieren, welche Reaktion des unmittelbaren Umfeldes dir und deinem Jungen am liebsten wäre bzw. am ehesten gerecht werden würde?

    Der Artikel zu dem Besuch in unserer Nordkurve hat mich erfreut, weil ich mich in ihm teilweise wiederfinden konnte. Nicht unbedingt in Heinz und Uschi, aber in den Gefühlen und Emotionen, die mich während eines Spieles begleiten und die du so wunderschön beschrieben hast.

    Dieser Artikel macht mich eher betroffen, erfüllt mich aber auch ein wenig mit Stolz, da wir Schalker mit unserer erlebten Emotionalität ein wenig positives für dein Vorhaben, deinen Jungen genau diese Emotionen miterleben lassen zu können, beigetragen haben.

    Viele Grüße und Glückauf!

    Henning

    Antworten
  55. Melodie 1904

    Ich fand den „Dschohnsi“ Text sehr empathisch-jetzt weiß ich, woher diese Fähigkeit kommt.
    Dieser Text hat mich sehr berührt und mich zum Nachdenken gebracht.
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft für diese Lebensaufgabe.

    Antworten
  56. Kimosch

    Weiß gerade nicht,wie ich diesen Kommentar starten soll,deshalb erstmal ein paar Worte zu mir:ich arbeite in einer Einrichtung für erwachsene Menschen mit Autismus-Spekttum-Störung,unser Klientel umfasst von Asperger über Kanner bis High-Functioning eigtl alle Facetten der ASS. Alle unsere Bewohner eint ein hohes fremd- &autoaggressives Verhalten,wobei wir die Ausbrüche zumeist zu einem Großteil vermindern konnten.

    Insofern habe ich eine eher professionelle Sicht auf dein Projekt. Und ich muss sagen:ich finde das ganz großartig und bin gespannt,ob und wie Fortschritte in den von dir angestrebten Bereichen stattfinden.

    Greetz, Kim

    Antworten

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