Fünf rote Punkte!

Es vergehen meistens einige Minuten.

Manchmal auch Stunden.

Wenn es blöd läuft, auch ein ganzer Tag.

Ich versuche aber, heftige Ausraster, Fehler und Geschehnisse immer mit dem Sohn nachzubereiten. Klingt pädagogisch sinnvoll. Ist es vermutlich aber gar nicht immer.

Wir haben einiges an Asperger-Fachliteratur zu Hause, aber die meisten Schinken frustrieren nur. Achtundneunzig Kapitel darüber, was alles nicht gehen wird, was hoffnungslos ist, und worauf eigentlich fast gar keine Chancen bestehen. Ich lese ja selten Bücher dieser Art, aber es würde mich schon schwer verwundern, wenn ein Ratgeber zum Thema „Schwimmen“ zu 95 % die Techniken behandelt, wie man in jedem Fall zielsicher und nachhaltig absäuft.

Was meinen Umgang mit dem Sohn nach Stresssituationen angeht, fühle mich manchmal an Kaya Yanar erinnert, der in einem seiner Programme beschreibt, wie der türkische Papa neben dem deutschen Papa in leichter Entfernung zum Sandkasten steht um ihre Söhne abzuholen, die sich verspäten und längst hätten zu Hause sein sollen.

Den kurzen „Ali“-Schrei und den Kondensstreifen, den Ali beim Spurt zum Herrn Papa hinterlässt um sich eine saftige Tracht Prügel abzuholen, beschreibt Kaya Yanar bildlich ebenso perfekt wie das  deutschen Pendant, der aus sicherer Entfernung seinen Sohnemann herbeiruft:

„Kai-Uwe! Komm! Mal! Hier! Her! Wir müssen reden!“

Immer labern, immer ausdiskutieren, nachbereiten, blablabla.

Der Sohn hat da manchmal gar keinen Bock drauf. Selten, aber es kommt vor, mache ich es dann ganz kurz, weil ich vielleicht an seinem Gesichtsausdruck sehe, dass er begriffen hat, was passiert war, was jetzt passiert, aber dass sich dadurch auch nicht wirklich viel ändern wird. Ich versuche ihn dann eher aufzumuntern, frage ihn nur, ob er weiß, was nicht in Ordnung war und schlage ihm dann vor, das Thema schnell abzuhaken. Oft ergeben sich daraus dann interessante Gespräche, was es mich eigentlich anginge, wenn er ausrastet, oder warum gerade ich darüber zu entscheiden habe, was richtig und was falsch ist.

Ab welchem Level ist ein Ausraster zu laut? Wieso provoziert ihr mich auch?

Insgesamt ist es wohl daher dann doch richtig, über heftigere Vorkommnisse zeitnah zu sprechen.

Letzten Montag gab es so ein Ereignis.

So ungefähr würde sich das dann wohl lesen, :

die Geschichte heißt: „Fünf rote Punkte oder Treppengittergate“

Der Tag begann schon doof.

Wird er später zumindest behaupten.

Stress war der Grund.

Klar. Was sonst?

Er hatte sich kurzzeitig nicht unter Kontrolle.

O.K., passiert mir ja auch schon mal.

Es kommt nicht wieder vor.

Das sagt jeder.

Eine Kleinigkeit war dann der Auslöser.

Kenn ich. Sind ja meistens Kleinigkeiten.

Der kleine Auslöser war aber immens klein. Geradezu mikroskopisch. Ein Kabel. Es lag dort rum, wo es nicht rumliegen sollte. Zumindest nicht, wenn es nach Mama geht. Wenn es nach Papa geht, schon. Denn er braucht es, um ins Internet zu kommen, wenn dieses „Scheissdrecksarsch-W-Lan“ nicht stabil funktioniert. Die Kleine hatte Mamas Schuhe an und fädelte sich in das Kabel ein und zog es dadurch aus dem Router.

Das reichte aus. Die Kleinigkeit. Der berühmte Tropfen in ein scheinbar verdammt großes Fass. Er schüttelte den Kopf als er sah, dass das Kabel nicht mehr verbunden war, und erhob sich von der Couch. Mama murmelte irgendetwas von wegen: „Jetzt stell Dich nicht so an. Sie hat es ja nicht absichtlich rausgezogen“.

Zu spät. Völlige Eskalation.

„Verdammte Scheiße!“ hörte ich ihn noch schreien, und dass, obwohl wir uns doch nun mehr als oft darüber unterhalten haben, welche Worte wir versuchen wollen zu vermeiden. Aus seinem Gesicht sprach die nackte Wut. Er stürmte am Wohnzimmertisch vorbei und wollte durch den schmalen Durchgang zum Esszimmer. Dort stand aber das Treppenschutzgitter – zu zwei Dritteln offen – im Weg. Wie ein Stier (ich würde eigentlich lieber schreiben „wie ein völlig hirnfreier Idiot“, aber er liest dies sicherlich) holt er mit seinem rechten Fuß aus und tritt mit voller Wucht gegen das Treppenschutzgitter. Das Gitter schlägt gegen das Treppengeländer und federt kurz vom Anschlag zurück, bricht aus der Verankerung, und poltert die Treppe hinunter. Wortlos stampft er die Treppe hinauf und verschwindet im Schlafzimmer. Über eine Stunde ist es dort sehr still. Ich traue mich nicht nach oben. Mama will nicht nach oben. Sie ist sauer. Richtig sauer.

Nicht auf mich. Auf ihn.

Die Kleine hat sich erschrocken. Sie weint. Nicht lange, aber sie hat das in der Form auch noch nicht erlebt. Der Vorfall beschäftigt mich. Mehr als andere Vorfälle. Ich frage: „Warum hat er das gemacht?“

Ich erhalte keine Antwort. Das nervt ungemein.

„Warum hat er das gemacht?“

„Frag ihn selbst.“

Ich traue mich aber immer noch nicht nach oben.

Er sitzt oben im Schlafzimmer. Er könnte heulen. Nicht vor Wut. Sondern vor Schmerz. Er hat sich den Zeh gebrochen, aber das ist nicht seine größte Sorge. Er ist von sich selbst schockiert und versucht zu verstehen, warum das passiert ist. Ein einzelner Grund fällt ihm aber nicht ein. Es waren tausende. Tausende kleine Gründe. Aber trotzdem entschuldigen die nicht diesen Ausbruch.

Es gab schon einmal einen ähnlichen Fall. Er sollte einen irgendein Teil aus dem Küchenschrank holen. Keine Ahnung was es war. Es spielt auch keine Rolle. Es befand sich jedoch in dem unteren Bereich des Küchenschranks, in dem sich auch Tupperdosen, Messbecher, Plastikboxen und die dazugehörigen Deckel en Masse stapelten. Ohne erkennbaren Grund, es gab keinen zeitlichen Druck oder ähnliches, wurde er innerhalb von 10 Sekunden extrem nervös und innerhalb von 30 Sekunden extrem sauer, weil er das entsprechende Teil nicht fand.

„Wo ist das Drecksteil?“ raunzte er noch kurz durch die Wohnung bevor man schon hören konnte, wie sämtliche Tupperboxen, Plastikdeckel und Utensilien aus dem Küchenschrank sich über den gesamten Küchenboden verteilten. Er hatte sie allesamt einfach aus dem Schrank geschmissen.

Er räumte mit zwei lässigen Armbewegungen einfach den kompletten Schrank leer um einen besseren Überblick zu haben auf der Suche nach diesem einen Drecksteil. Sekunden später schämte er sich damals für den Ausraster. Insbesondere, weil Mama alles stillschweigend, kopfschüttelnd aufhob. Diese Missachtung nervte ihn. Sie solle auch schreien, schimpfen oder ausfallend werden, aber sie hatte sich immer im Griff.

Der Zeh schmerzte, schwoll an und verfärbte sich dunkelblau, aber er ließ sich das nicht anmerken, als er später runterkam. Keiner sprach mit ihm. Mama nicht, und ich auch nicht.

Das nachbereitende Gespräch dazu fand erst am nächsten Tag statt.

Wir sind in die Eisdiele gegangen und kamen schnell zur Sache.

Er sagte, es täte ihm leid, und dass es ganz bestimmt nicht wieder vorkommt, und in seinem Kopf momentan einfach wahnsinnig viele Dinge herumschwirren.

Ich musste grinsen.

Einmal ,weil ich schon längst beschlossen hatte, was seine Strafe ist. Wenn ihm das noch einmal passiert, bekommt er gleich fünf rote Punkte auf einmal. Viel mehr aber musste ich grinsen über die Dinge, die in seinem Kopf herumschwirren.

„Papsi, dann weisst du ja jetzt endlich mal, wie es mir geht. Jeden Tag.“

 

 

 

So ungefähr würde es sich wohl lesen, wenn mein Sohn seinen Blog mit den Geschehnissen des vergangenen Montags und dessen Nachbereitung gefüllt hätte.

Ich könnte jetzt darüber schreiben, wie heilsam es vielleicht war, dass der Sohn und ich unsere Perspektive unbeabsichtigt einmal getauscht haben, aber mich beschäftigt immer noch die Konsequenz des Tropfens und des Fasses.

Mein nicht zu entschuldigender Ausraster führte vor dem Eisdielengespräch auch erst einmal zu einem nachbereitenden Gespräch mit meiner Frau. Sie sprach dann das aus, was mir schon längere Zeit im Kopf herumschwirrt.

Sie machte sich Sorgen um mich.

Meine Frau, eine Trölf auf der „Topfrauen-der-Welt-Skala“, hatte sich in mich wohl kaum aufgrund meines Aussehens, meiner Intelligenz, meines Vermögens oder meiner Penislänge verliebt. In allen Kategorien würde ich mich wohl eher im unteren Mittelfeld der „Topmänner-der-Welt-Skala“ befinden.

Maximal.

Aber ich war Gelassenheit.

Kein Schreibfehler.

Ich war Gelassenheit.

Nichts und niemand konnte mich aus der Ruhe bringen.

Meine Frau schätzte das sehr.

Ich war in den turbulent-stürmischen Anfangsjahren unserer Beziehung dieser berühmte Fels in der Brandung, den sie auch benötigte, um das Drumherum zu verkraften. Ich konnte ihr damals glaubhaft versichern, dass alles andere wenig bis keine Bedeutung hat, solange wir uns haben und zueinander stehen.

Heute ist das anders.

Meine Frau ist immer noch eine Trölf und an meinen Gefühlen und Empfindungen ihr gegenüber hat sich nichts, aber auch rein gar nichts, geändert.

Ein gutes Gefühl, nicht zu glauben, dass man den Menschen gefunden hat, mit dem man sein restliches Leben lang verbringen möchte, sondern es hundertprozentig zu wissen.

Ein perfektes Gefühl ist es allerdings auch, zu wissen, warum und weshalb es genau dieser Mensch ist, so dass man sich auch nach Jahren noch an jeder Facette erfreut und sicher sein kann, das richtige getan zu haben.

Es gibt eben Fragen, die sich alleine dadurch beantworten, dass man sie sich selbst das erste Mal stellt.

Der Tag, an dem man sich fragt, ob man einen Menschen noch liebt, ist die letztmögliche Gelegenheit, dieses offensichtliche Missverständnis zu beenden und beiden Zweiflern einen neuen Anlauf zu ermöglichen.

Ich habe hingegen die perfekte Frau.

Die benannte Frage stellte sich mir nie und wird sich nie stellen.

Aber in Anbetracht dessen was sie für mich aufgeben musste, fragte ich mich oft wie viele Leben ich wohl benötigen würde um dies aufzuwiegen.

Mein aktuelles Problem?

Sie wollte einen Fels – und hat wohl jetzt einen Kiesel.

Aber ich schweife ab.

Ich wollte eigentlich versuchen zu erklären, warum ich so ein Aggro-Typ geworden bin und wo meine Gelassenheit hin ist.

Für meine Theorie zum Verbleib meiner Ausgeglichenheit müsste ich sehr weit ausholen Mann

Jagd

Mammut

Keule

Essen

Ich sollte dies aber vielleicht getrennt von dem Ausraster am Montag betrachten.

Es gibt für den Montag keine Entschuldigung.

Auch wenn es der Beginn der Achtziger-Hattrick-Champions-League-Woche war, da aufgrund der Termin- und Fristenlage klar war, dass auch diese Woche die vertraglich vorgesehenen 40 Arbeitsstunden schon am Mittwochmittag absolviert sein werden, und ich bis zum Wochenende wieder einmal auf locker achtzig Arbeitsstunden komme.

Ich hatte mich in den vergangenen Jahren in eine perfekt-beschissene berufliche Situation manövriert.

Für ein mittelständisches Unternehmen tätig, habe ich mir aus allen Segmenten ein Wissen angeeignet, welches mich annähernd unersetzbar macht. Dies war früh verbunden mit Arbeitswochen, die mit nur einem, einem halben oder auch vollständig ohne freie Tage auskamen. Einhergehend mit Arbeitstagen, die mitunter auch schon einmal vierzehn oder auch sechzehn Stunden andauerten, lieferte ich schnell und dauerhaft ein Leistungsniveau, welches mir ein Gehalt verschaffte, was uns nicht in Geld schwimmen lässt, uns aber ermöglicht, dass meine Frau bei den Kindern verbleiben kann.

Es ging uns nie um irgendwelche „Frau-Herd-Mann-Arbeit“ Klischee-Kacke, sondern darum, unserem Sohn die bestmögliche Form der Unterstützung zukommen zu lassen.

Dies 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche mit Liebe, Hingabe und Ausdauer zu bewerkstelligen, wäre, gäbe es diese Form der Betreuung überhaupt, unfinanzierbar.

Eigentlich hat dies alles auch in den vergangenen Jahren relativ gut funktioniert. Es kann aber auch sein, dass ich mir dies nur einbildete. Seit einigen Monaten ist das Arbeitspensum, welches von mir erwartet wird, jedoch noch einmal angestiegen und schlichtweg nicht mehr in vollem Umfang zu leisten.

Alles geschieht in Hektik.

Arbeit.Essen.Schlafen.Touren.Alles.

In der einen Woche Urlaub entstand vormittags einmal ein Zeitfenster, wo es nichts zu tun gab. Gar nichts. Ein sehr unangenehmes Gefühl.

Seit Monaten entstehen Zeiträume an der Arbeit, in denen  ich nur noch auf die Baustellen reagiere, die ich nicht hätte, wenn ich dem nun eskalierenden Bruchteil meiner Arbeit angemessen Aufmerksamkeit hätte schenken können.

Und das in einer Branche, in der aus unterschiedlichsten Ecken und jederzeit, sowohl sonntags morgens als auch mittwochs nachts, Probleme auftauchen können. Das ist insgesamt eine sehr unangenehme Situation.

Eine doppelt unangenehme Situation, wenn niemand im gesamten Unternehmen den Zeitaufwand für viele meiner Tätigkeiten kennt, oder ihn maßlos unterschätzt.

Ich könnte kündigen. Aber in Anbetracht von frischem Hauskauf, örtlicher Bindung und der persönlichen Situation mit unserem Sohn scheue ich auch das Risiko. Meine Frau legt mir das als mangelndes Selbstbewusstsein aus. Ich halte es aber für eine realistische Einschätzung des Arbeitsmarktes in meiner Branche.

Aber noch einmal.

Das ist keine Entschuldigung für den Montag. Den Montag, an dem wir morgens Teil 276 unserer beliebten Serie: „Unerwartete Kostenbaustellen“ erlebten. Und den Montag, an dem mir dann am Nachmittag ein an diesem Tag etwas sorglos twitternder Fußballmoderator (der sich aber noch am selben Abend entschuldigte) tierisch auf den Zeiger ging. Den Montag, an dessen Nachmittag ich noch drei Stunden Zeit hatte, eine Arbeit fertig zu stellen, die noch mindestens sechs Stunden Zeit benötigte.

Ein Zustand, der mich vor 10 Jahre müde hätte lächeln lassen.

Ich hätte die Nacht zuvor einfach eine kurze Nachtschicht eingelegt und die Nacht durchgerackert um alles wieder in den Griff zu bekommen.

Dies hatte ich in der Nacht zuvor aber bereits getan.

Und in der Nacht davor ebenfalls.

Bis auf drei Stunden. Zudem hatte ich noch an der Urlaubsnachbereitung zu knabbern.

Eine Woche Urlaub. Insgesamt eine von zwölf Wochen in den letzten zehn Jahren.

Ich habe die 14 Tage vor dem Urlaub ohne freie Tage durchgezogen und selbst die Zugfahrten auf unseren Touren für den Kampf gegen die E-Mail-Flut genutzt. Trotzdem hänge ich noch deutlich hinterher, was aber immer seltener an den Aufgaben liegt, die ich am Rechner bewältigen kann.

Aber auch das ist keine Entschuldigung für die Panik, die mich an dem Montag ereilte, als mir bewusst wurde, dass es diese Woche nicht mehr hinhauen wird. Selbst wenn du dich nur um die absoluten Top-Prioritäten kümmerst, nur die Dinge erledigst, die unmittelbar negativen Einfluss haben, wirst du diese Woche scheitern.

Selbst wenn du eine 140-Stunden-Woche hinlegst, wirst du es diese Woche nicht mehr schaffen.

 

Notbremse ziehen oder überfahren lassen.

Ich lasse mich überfahren.Dem Sohn zu Liebe.meiner Frau zu Liebe. meiner Tochter zu Liebe.

Oft.

Mehrseitig.

Aus allen Richtungen.

Ich habe fast alles von mir verkauft, was ich habe. Mehr geht nicht. Und ich verstehe natürlich jeden Arbeitgeber, der nicht bereit ist, plötzlich weniger zu bekommen, ohne dass ich ehrfürchtig auf die Hälfte meines Gehaltes verzichte, und trotzdem dreimal am Tag gen Firmenzentrale bete.

Im horizontalen Gewerbe wäre ich die Königshure.

Die kaiserliche Vierlochstute.

Mehrseitig, gleichzeitig begeh- und dehnbar.

Aber ich bin des Beischlafs überdrüssig.

Am heutigen Freitag um 16:00 Uhr ist Abgabetermin. Ich habe soeben per E-Mail wissen lassen, dass ich den Termin nicht halten kann. Das wird zu immensen Mehrkosten führen. Wer die zu tragen hat?

Ich nicht. Der Rest juckt mich nicht.

Die Woche verlief, wie viele Wochen zuvor, weit oberhalb des Limits, welches ich meiner Familie zumuten möchte und daher werde ich mich die nächsten Wochen und Monate wohl mit einer Lösung zwischen „überfahren lassen“ und „Notbremse ziehen“ befassen müssen.

Deswegen sitze ich jetzt nun doch wieder hier und tippe ein paar Zeilen, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Nicht um sie zu vergessen, sondern um mich immer und immer wieder daran zu erinnern. Daran zu erinnern, dass meine Frau nicht die Erwartungshaltung hat, dem Sohnemann die Stadien dieser Welt zu zeigen, zu reisen, zu genießen, dem ungezügeltem Konsum zu frönen usw., und das ich den Sohnemann und auch die Tochter mit einer kostengünstigen Abenteuertour durch den Wald zum Strahlen bringen kann.

Meine Frau möchte zurück.

Trotz allem, was uns um die Ohren flog, und ohne Rücksicht auf alles, was wir heute haben, will sie, dass es so ist wie damals.

Dass nichts passieren kann, weil wir uns haben.

Nur eben nicht mehr uns zwei, sondern uns vier. Und sie möchte mich rausziehen aus diesem Hamsterrad, welches ich für mein logisches, für mich so bestimmtes Leben hielt.

Warum ich Euch hier die Ohren vollheule? Keine Ahnung.

Ein Grund ist sicherlich, dass ich hier seit vier Stunden im Zug sitze während es mein Outlook zerlegt hat, weil mir niemand gesagt hat, dass so ein Postfach auch einmal voll sein kann.

Aber ich glaube die nächsten Wochen und Monate könnten Entscheidungen mit sich bringen, die für den Sohn auch in vielen Jahren noch nachvollziehbar sein sollen und manchmal hilft es ja auch sein innerstes nach außen zu kehren, ein Problem zunächst einmal nackt auf den Tisch zu legen und es in seine Einzelteile zu sezieren.

Dr.Rebel. Das Skalpell, bitte.

2 Gedanken zu „Fünf rote Punkte!

  1. Dieter

    Das hört sich anstrengend an. Hoffentlich findest Du die nötige Ruhe mal.

    Warum Du uns die Ohren vollheulst? Ich kann nichts weinerliches feststellen, das Wort paßt gar nicht. Daß man sich mal öffnen muß, wenn einen etwas wirklich bedrückt und man sich permanent verstellen muß in irgendeiner Weise, das habe ich letztens auch gemerkt. Das hilft aber auch sehr. Hoffentlich findest Du jemanden in Deinem persönlichen Umfeld, den Du mit Deinen Sorgen behelligen kannst. Das erleichtert und löst. Und hilft vielleicht auch, Lösungen zu finden. Viel Erfolg.

    Dieter

    Antworten
  2. Anita

    Du brauchst Schlaf!

    Du brauchst Ruhe!

    Du brauchst mal KEINE Termine!

    Aber Du weißt endlich, wei Dein Sohn sich fühlt. Jeden ………………. Tag! Und da reichen noch kleinere Kleinigkeiten, um auszurasten!

    Versuche für DICH einen gangbaren Weg zu finden, in Deiner Familie Heimat zu haben! Deine Frau ist derzeit der Fels in der Brandung. Ich bewundere sie!

    Und NIEMAND kann das, was Du tust, toppen. Und Du brauchst noch einen verdammt langen Atem. Ich weiß leider sehr genau, wovon ich spreche. Mein Ältester wird bald 17. Der Zwerg ist 6. 4re hab ich zu Hause. Mein Mann hat Schicht gearbeitet. Meine Mutter ist pflegebedürftig und bei uns. Es gibt Tage, da geht nur noch das Notwendigste. Bei uns beiden. Da bleiben „Baustellen“ liegen. Die laufen eh nicht weg! Aber ich muss meine Kraft einteilen. Der Marathonlauf wird noch lange dauern. Und wenn hier einer ausfällt, dann bricht alles zusammen. Also habe ich mit meiner Kraft haushalten gelernt und bin immer noch dabei, es mit meinem Mann zu koordinieren!

    Du kannst nicht immer die Ruhe selber sein. Dann wärst Du perfekt. Aber Du solltest Dir ganz dringend feste Ruheinseln schaffen. Diese kannst Du auf den Plan Deines Sohnes für Dich eintragen, ebenso bei ihm!

    Feste Tage, an denen Ihr Ruhe haltet. Sonst gibt es dafür rote Punkte! Noch ist Dein Sohn jung, in der weiterführenden Schule mit mehr Stundenaufkommen werden diese Ruheinseln zwingend notwendig. Meine drei Großen fordern diese massiv ein. Sonst haben sie nicht „Krieg im Kopf“ sondern den Super GAU.

    Gute Besserung und einen guten Schlaf

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