(T)raumschiff Erde – Der Titel

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Wieso heißt mein Buch (T)raumschiff Erde? Das möchte ich euch heute erklären.

Zum ersten Mal in zwei Millionen Jahren Menschheitsgeschichte verließ der Mensch seine Heimat und reiste zu einem anderen Himmelskörper. Es war Heiligabend 1968, die drei Astronauten der Apollo 8 waren am Ziel einer dreitägigen Reise und umkreisten den Mond. Als das Raumschiff sich drehte und der Astronaut William Anders zufällig aus dem Fenster sah, erblickte er etwas, was noch kein Mensch vor ihm gesehen hat – die aufgehende Erde über dem Horizont des Mondes.

Jemand, der die Erde aus dieser Perspektive gesehen hat, wird sie nie wieder mit gleichem Auge sehen. Die Astronauten berichten von tiefer Ehrfurcht und einem Gefühl der Verbundenheit zur Menschheit und unserem Planeten, aber auch von dem bedrückenden Gefühl die Erde umschlossen vom Vakuum des Alls zu sehen und zu wissen, dass man zwar alle Sorgen, Probleme, Krisen und Erfolge die es ja gab mit einem Daumen verdecken kann und dennoch die gesamte Existenz der Menschheit alleine von dieser blauen Kugel abhängt. Die Astronauten sahen, dass die Erde nicht unbegrenzt ist, sie hat nicht unbegrenzt Platz und auch nicht unbegrenzt Ressourcen. Sie ist wie ein Raumschiff und wir alle fliegen als die Besatzung des Raumschiffs mit. Es gibt keinen Notausgang – wir müssen die Reise fortsetzen.

Dieser Gedanke ist älter als das Raumfahrtzeitalter. Schon 1879 als man sich dem Einfluss des Menschen auf die Natur noch gar nicht umfassend bewusst gab wurde die Metapher erstmals in einem Werk des Ökonomen Henry George erwähnt. Die 60er brachten dann zum einen die spektakulären Bilder des Apollo-Programms, die allen Menschen auf der Welt die Einzigartigkeit der Erde auf einen Schlag bewusst machten, die massiv zunehmende Umweltverschmutzung und die Umweltbewegungen. So sprach der demokratische US-Politiker Adlai Stevenson 1965 vor dem Wirtschafts- und Sozialrat der UN:

„Wir reisen zusammen, Reisende auf einem kleinen Raumschiff, abhängig von seinen gefährdeten Reserven an Luft und Erde; alle zu unserer eigenen Sicherheit seinem Schutz und Frieden verpflichtet; bewahrt vor der Vernichtung nur durch die Fürsorge, Arbeit und, ich möchte sagen, die Liebe, die wir dem zerbrechlichen Fahrzeug geben. Wir können es nicht instand halten halb glücklich, halb elend, halb zuversichtlich, halb verzweifelt, halb Sklave – der alten Feinde der Menschen – halb frei, mit einer bis zum heutigen Tag nie erträumten Freisetzung von Ressourcen. Kein Fahrzeug, keine Besatzung kann mit solch enormen Widersprüchen sicher reisen. Von ihrer Auflösung hängt unser aller Überleben ab.“

Was Adlai dort verdeutlicht ist dieselbe Zwangslage des 20.Jahrhunderts, die Apollo 8 uns wenige Jahre später verdeutlichte. Doch der Wille und die Innovationen waren da. Schon zur Jahrtausendwende sah man die Menschheit mit Kernfusion Energie erzeugen, Ressourcen auf anderen Planeten nutzen, klimaneutral fliegen. Es sollte anders kommen.

50 Jahre und 88,18 ppm CO2 später stehen wir kein Stück besser da. Die Kernfusion hat sich als physikalische Sackgasse entpuppt, die Umweltbewegungen brachen ein, das Apollo-Programm wurde vorzeitig beendet. Zwar hat sich die Natur seitdem regeneriert (Wasserqualität gestiegen, Ozonloch verkleinert, Schadstoffaustoß gesunken), doch die CO2-Emissionen stiegen weiter an. Tatsächlich befinden wir uns heute in einer recht ähnlichen Lage wie in den 60ern. Entdeckungen von Planeten in anderen Sonnensystemen zeigten uns, dass unsere Erde in ihrer Lebensfreundlichkeit absolut einzigartig ist, denn unter den hunderten entdeckten Planeten ist keiner so lebensfreundlich wie die Erde. Den Menschen wir langsam aber sicher bewusst, dass wir in der finalen Phase der ökologischen Krise stehen und gleichzeitig in der letzten, in der wir noch etwas tun können. Auch dort sind Parallelen zwischen den heutigen Bewegungen und den Umweltbewegungen der 60er zu finden. Doch wir können es besser machen. Wir können dafür sorgen, dass nicht wieder alles so läuft wie damals und wir so weitermachen. Wir können den Protest aufrecht erhalten. Und wir müssen es auch, denn das wird die letzte Chance sein, die wir haben.

Gewissermaßen kann Forschung Menschen sensibilisieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass niemand, der die Erde aus dem All gesehen hat, je die AfD wählen würde. In den 60ern war das Foto Earthrise, was einer der Astronauten der Apollo 8 schoss der Höhepunkt der Umweltbewegungen. Heute wissen wir viel mehr über die Erde und ihre Einzigartigkeit. Wir haben mittlerweile Raumsonden zu jedem Planeten des Sonnensystems entsendet und mussten feststellen, dass jeder von ihnen für Leben ungeeignet ist. Wir haben mittlerweile eine grobe Ahnung davon, wie unser Universum, das Sonnensystem, die Erde und das Leben selbst entstanden sind und verstehen, wie unwahrscheinlich all das war und wie viele Zufälle es erforderte. Die Erde ist somit nicht nur ein einzigartiges und zerbrechliches Raumschiff Erde, sie ist auch ein (T)raumschiff Erde, auf das wir alle angewiesen sind und welches eine blaue Oase mitten in der Leere des Alls darstellt, in der Leben gedeihen kann.  Wir wissen, dass die Erde im Vergleich zum Kosmos nichts ist und wir wissen auch, dass die Erde für uns alles ist. All das macht sie zum (T)raumschiff Erde. Also setzen wir uns endlich ans Steuer und geben einen klaren Kurs vor, mit dem wir unser (T)raumschiff Erde nicht gegen die Wand fahren. Damit aus dem (T)raumschiff Erde kein (Albt)raumschiff Erde wird.

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